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Full text of "Charikles, Bilder altgriechischer Sitte zur genauer Kenntnis der griechischen Privarlebens;"

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I 



1 



CHARIKLES. ' ^n" 

BILDER ALTGRIECHISCHER SITTE, 

ZUR 
GENAUEREN KENNTNISS , 

DES GRIECHISCHEN PRIVATLEBENS 

ENTWORFEN 

.' VON 

C . ■ •■ 
WILHELM ADOLPH BECKER. 

NEU BEARBEITET 

VON 

HERMANN GÖLL 



ZWEITER BAND. 



BERLIN. 
VEBLAG VON S. CALVABY & Co. 

MDCCCLXXVn. 



INHALT DES ZWEITEN BANDES. 



Seite 
Erster Excurs zur ersten Scene. 

Das Reisen 1 

Zweiter Excurs zur ersten Scene. 

Die Erziehung 19 

Excurs zur zweiten Scene. 

Die Hetären 85 

Erster Excurs zur dritten Scene. 

Das griechische Haus 105 

Zweiter Excurs zur dritten Scene. 

Briefe und Bücher 163 

Excurs zur vierten Scene. 

Markt und Handel 177 

Erster Excurs zur fünften Scene. 

Die Gymnasien 213 

Zweiter Excurs zur fünften Scene. 

Die Knabenliebe 252 

Erster Excurs zur sechsten Scene. 

Die Mahlzeiten 286 

Zweiter Excurs zur sechsten Scene. 

Die Symposien 336 

Dritter Excurs zur sechsten Scene. 

Die Spiele 362 



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Ontario Council of University Libraries 



http://www.archive.org/details/chariklesbildera02beck 



ERSTER EXCÜRS ZUR ERSTEN SCENE. 



DAS REISEN. 

[Bereits in dem von Homer geschilderten heroischen Zeital- 
ter hatte gute Sitte und religiöse Rücksicht (namentlich auf Zeug 
^ivtog) das Gastrecht so weit ausgebildet, dass nur ganz rohe 
und ungesittete Männer, wie Lastrygonen und Kyklopen sich 
an Fremden vergreifen (0 dyss. VIII, 575), wie denn noch 
viel später Plat. Legg, V, p. 729 sagt: npbs 5' au roug 
$svoue dtavoTjxiov ujg äytiozara ^u/ißöXaia ovza' a^sdov yäp 
ttccvt' iffrl TU rwv $sv(uv xai slg roug $ivoug äfiapTr^fiaza rtapä 
rä Twv TzoXeTuJv eig &eöv dvT^prrjjiiva rtjXiupov päV.ov ipr^pog 
yhp S)V o $£vog kraipiov rs xai ^uyyevuiv ihstvorepog dv&put- 
noig xai &£oTg' b Suvdpevog ouv rcpujpdv päXXov ßor^ifsT rrpo- 
&t)p.6Tspov' dovarat 8k dia(psp6vz(og b $sv:og ixdaziuv oacpujv 
xai &sog z(S $svi<i} iuvsTiopsvoc Ad. Demgemäss hatte sich 
schon in der homerischen Zeit eine conventioneile Rücksichts- 
nahme und Artigkeit in der Gastfreundschaft entwickelt, die 
der Edle sowohl, als der Hörige zu beobachten nie vergass. 
Vergl. IL VI, 15. 174. Odyss. I, 120; XIV, 55; XV, 68; 
XIX, 314 u. a. St. Auch waren die Reisen damals keines- 
wegs selten. Ausser dem Handeismanne und Schiffer wander- 
ten die Demiurgen, gerufen und ungerufen, hin und her (vgl. 
A. Riedenauer Handwerk und Handwerker in den 
homer. Zeiten, 1873. S. 30 ff.); aber auch Fürsten und 

1 



2 Erster Excurs 

Vornehme reisten nicht bloss, um Schulden einzutreiben, Me- 
talle oder irgend eine besondere Waare einzutauschen, um 
Beute zu machen, sondern auch, um einander zu besuchen. 
So sagt Telemach in Bezug auf seinen Vater Odyss. I, 176: 
iizel TzoXkol Xaav dviptq ijßirepov dm 
äkkoi, inel xal xelvog iniffzpo^og yjv äv^pwnwv. 

Vgl. V. 209 und IV, 178. Der gemeine Mann zog mit einem 
tüchtigen Stocke oder mit der Lanze in der Hand seine Strasse, 
während Edelgeborene im Wagen reisten, die mit Pferden oder 
Maulthieren bespannt waren. Telemach und Peisistratos fah- 
ren, im alten Streitwagen, 8t<pf)og, stehend, von Rossen gezogen, 
von Pylos nach Lakedämon: III, 478 ff. Ebenso entsendet 
Menelaos seine Tochter Hermione mit Bossen und Wagen nach 
Thessalien: IV, 8. Es lässt dies schliessen, dass das Pferd, 
wie im Kriege, so auch auf der Eeise nicht zum Reiten be- 
nutzt wurde ; andererseits aber auch, dass die Wege schon in 
so früher Zeit in guter Verfassung waren. Auf Letzteres deu- 
ten auch Stellen hin, wie II. XV, G82: Xao<p6f)()v oSuv, XXII, 
146: xar' dfia^crov iaffsüovro, Odyss. X, 184: hcr^v 68bv, ^ 
Ttep äfxa^at äcnod' d^* u<l'rjXäJv dpscuv xaraycveov u^r^v, vergl. 
III, 323 ff. Was freilich speciell die historische Wahrheit der 
erwähnten Reise von Pylos über Phorä nach Sparta betrifft, 
so steht ihr entgegen, dass der einzige Pass über das Tay- 
geton, die Langada, nie eine Fahrstrasse gewesen sein kann 
(Bursian Geographie von Griechenland II, S. 105). 
Ueber die Konstruktion der Wagen im lioroischon Zeitalter 
vgl. Qu hl und Koner S. 804ff.J Die schöne Sitte der Gast- 
freundschaft reicht auch bis in die historische Zeit herüber; 
vgl. Herodot. VI, 85: oLtos 6 Mc^rawr^s {o huil'iXoo^ 'ASt)- 
vtuog) xarijjuvoQ iv ztnm nfw^ufwcm rolnc imuroü, npsiuv touq 
6oX6yxouQ TtftfHuVTai , iaHrjva i^ovrag nux iy^^iufnyjv xal al^- 
/uis^ TtfwaeßwffaTo xal a<pi Tipogtl^oom intffftlXaro xarayu)-f^)f 
xal ^t(vta. Ein Gesetz des Charondas bei Stob. Serm. 
XLIV, 40 schrieb so^ar vor: ^ivuv rnivra rov iv rfj kaozou 



zur ersten Scene. 3 

narptdc aeßofJLSVov xac xazä zobs olxsioos vo/iouf ey^/itof xo} 
olxEtwg TTpoaod/eaBae xal dnocrrdXketv, /lefivrjfiivoug Jcbg Seveoo, 
u>s Tiapä Tiäocv idpojxivoo xocvou {^eou xai ovzog kmaxuTtou <pt- 
lo^tviag ze xal xaxo^evtag, und auch bei nicht griechischen 
Völkern findet sich dieselbe Gesinnung. Aelian. V. Hist. 
IV, 1: Uyzc zcs vojxog jUuxavaJv, iav rjXtoo düaavzog äfixT^- 
zat $ivog xai TtapeXBecv iösXrjojj ecg azepjv zivog, elza prj 8e- 
^Tjzat zbv ävopa^ ^rjfxcoöa&ac auzbv xai und^ecv Scxag ZTjg xa- 
xo$svcac. Vgl. die 0aoeavoi Wi Heracl. Pol. 18: ^tXv^zvot 
o' elatv ojcrze zobg vauayobg i^oocd^etv xal zpscg pväg ocSdv- 
zag änonXscv oder wie wahrscheinlich gelesen werden rauss 
dnoni/xTiecv , Plat. Meno p. 91. [Auch Dichter priesen die 
Tugend der Gastfreundschaft, wiePindar. Isthm. II, 51 und 
Theoer. XVI, 27. | Allein es ist natürlich, dass von der 
Zeit an, wo der Verkehr mit dem Auslande bedeutender und 
die Reisen im Inlande häufiger wurden, wo Städte wie Athen 
und Korinth oft überfüllt mit Fremden waren, das Bedürfniss 
öffentlicher Gasthäuser fühlbar werden musste. Man bedenke 
nur, welche Menge Schaulustiger nicht nur zu den in bestimm- 
ten Zwischenräumen wiederkehrenden allgemein griechischen 
Pesten, sondern auch den besonderen einzelner Städte strömte, 
welche Zahl fremder Kaufleute und Schiffer der Handel den 
Seestädten zuführte, und man wird es natürlich finden, dass 
ein grosser Theil derselben keinen Anspruch auf das Gast- 
recht in einem Pnvathause machen konnte, sondern auf eine 
öffentliche Herberge verwiesen war. Gilt es auch fortwährend 
als eine Pflicht (Aristot. Eth. Nie. IV, 5, p. 1123) und 
e in Vorzug des wohlhabenden Mannes, gastfrei gegen Fremde 
zu sein, ^evodoxetv, wie es Plato Kepubl. IV, p. 419 unter 
die Zeichen des Glückes und Eeichthums, Sokrates bei Xe- 
noph. Oec. 2, 5 geradezu unter die stehenden Ausgaben 
rechnet {eTietza ^ivoug Ttpoarjxet aoi noXXubg Si^ealiac, xal 
zobzoug psyaXoTtpBTMg) — so sind das doch theils Freunde, 
theils erbetene Gäste, theils ausgezeichnete Persönlichkeiten, 

1* 



4 Erster Excurs 

deren Anwesenheit dem Hause zur Ehre und zum Glänze ge- 
reicht; und selbst wenn wir z. B. das Haus des Kallias (Plat. 
Protag. p. 315) so überfüllt mit Gästen finden, dass die ge- 
wöhnlichen Räume sie zu beherbergen nicht hinreichen, so 
liegt darin nichts, was nicht auch auf unsere Zeit und "Ver- 
hältnisse anwendbar wäre. [Prahlerische Menschen suchten 
einen Ruhm darin, für gastfrei zu gelten. Vgl. Theophr. 
Char. 20: xal $svt^(uv 3k ^^(Ta(, orc yj olxca ao-oü navdo- 
xseov eari' fisa-crj ydp icrrcv dsl $sv(üv, und 23: xal iv /xta^ojv^ 
olxtq. oixojv (pfiaai, zaÖTqv elvai r^v narpcpav, npög rbv fifj 
elSora, xal ort /isXXsc nai^sTv aorrjv 8tä zb iMmo slvat ahrai 
npog rag ^svoSoxcag. Ein Beispiel von einem Jedermann 
offenstehenden Hause erzählt Aelian. Var. Hist. XIV, 24, 
wo es am Schlüsse heisst: iocxajxev yäp ävzi Tczptarspäg e^ecv 
^xizrav, unep olxtag eupuvrsg navdoxecov. Ausnahmen dagegen 
ganz besonderer Art sind es gewesen, wenn Lichas in Sparta 
an den Gymnopädien die anwesenden Fremden speiste: Xe- 
noph. Memor. Soor. I, 2, 61 und Plut. Cim. 10, oder 
wenn der kolossal reiche Agrigentiner Gellias in seinem Hause 
umfassende Einrichtungen zur Beherbergung von Fremden 
getroffen hatte und sogar seine Diener an die Stadtthore stellt, 
um die Reisenden einzuladen: Diodor. XHI, 83 und Valer. 
Max. IV, 8, ext. 2. Die am gastlichen Herde geschlossenen 
Freundschaftsbündnisse erbten auch jetzt noch auf die Nach- 
kommen fort und anstatt der Gastgeschenke tauschte man 
förmliche Erkennungszeichen, ahjißnXa, in zerschnittenen Rin- 
gen, Knr»choln oder Siogelmarkon bestehend, aus, um sich le- 
gitimiron zu können: Plat. Syrap. p. 191 und 193. Schol. 
zu Eurip. Med. 116. Plaut. Cistell. II, 1, 27 und Poe- 
nul. V, 25; Hermann Privatalt. § 62, No. 15 mit den 
Zusätzen von Stark. Etwas lauer gestaltete sich das gast- 
freundliche Vorhiiltniss schon dadurch, dass der Fremde nicht 
nothwendig täglicher Tischgenosso war. Schon Miltiados hatte 
den Dolonkern bloss xaTaytuy^v xa\ ^etvta anbieten lassen: 



cur ersten Scene. 5 

Herod. VI, 35, vgl. Anacreon bei Plut. adv. Stoic. 20: 
eazs $evocm jiedty^oig ioixuzEg crTep-jg ra iioovov xal Ttupog 
xe/prjfievocg. Bei Appul. Metam. II, 11 und Lucian. 
Asin. 3 giebt der Reisende nach seiner Ankunft in Hypata 
dem Dienstmädchen Geld, um Futter für das Pferd zu kaufen, 
und später schickt ihm eine befreundete Matrone in das Haus 
seines Gastfreundes porcum opimum et quinque gallinulas et 
vini cadum, als xeniola. Dieselbe Sitte bezeugt auch Vitr uv. 
VI, 7 (10), 4 : nam cum fuerunt Graeci delicatiores et fortuna 
opulentiores , hospitibus advenientibus instruebant triclinia, 
cubicula, cum penu cellas, primoque die ad coeuam invitabant, 
postero mittebant pullos, ova, olera, poma reliquasque res 
agrestes; ideo pictores ea, quae mittebantur hospitibus, pic- 
turis imitantes xenia appellaverunt. 

In grossen Städten, die oft von Fremden wimmelten, und 
an besuchten Wallfahrtsorten, sahen sich natürlich die Rei- 
senden genöthigt, auf andere Weise ein Unterkommen zu su- 
chen. Sie mietheten sich daher irgendwo ein, wie z. B. Dio 
Chrysost. Or. VIII, 4, p. 276 von Diogenes von Sinope 
sagt : nerißyj slg Küptvf^ov xdxsc oerjysv, oure oixcav fica^ajad- 
fxsvog GUTS Tiapä ^ivo) ziv). xaTayo/xavog. Vgl. Lucian. To- 
xar. 61 und besonders Aelian. Var. Hist. III, 14: Bo^av- 
n'oog 8k 3zcv(og ohötplofag ovzag ivocxsTv zoTg xaTtr^Xsioig b 
Xoyog i/Si, ruJv olxcwv räiv Idtiuv xac zujv dwpazciov i^ocxta&ev- 
zag xal zotg ^ivoig zdtg imdr^poüat zfj nuXet irup.t<TBu)aavzag 
o^zd, wozu Theopomp, bei Athen. XII, p. 526 stimmt] — 
Andere mussten dagegen jedenfalls in einem Wirthshause {nav- 
Soxttov, xazaywytov ^ xazd^ucrcg) unterzukommen suchen, und 
im Grunde liegt eine solche Distinction auch in den wiewohl 
ganz eigenthümlichen Bestimmungen P lato 's Leg. XII, p. 952, 
dessen Verlangen: zw 8^ zotouza} {^z(up(S) Tiavzl ^prj xazaXO- 
(Fscg TTpug hpötg slvac ftXo^svtatg dv&pü)Tcu)v Ttapsaxsuaafxivag, 
sich zum Theile in der Wirklichkeit dadurch erfüllt findet, 
dass an jenen Orten öffentlicher Feste oder in der Nähe be- 



g Erster Excurs 

rühmter und vielbesuchter Tempel allerdings schon auf Öffent- 
liche Kosten dafür gesorgt war, den Ankömmlingen ein Ob- 
dach zu gewähren. So waren in der olympischen Altis zahl- 
reiche crxr^vac oder xarayu/yca, deren Ursprung der Seh ol last 
zu Pindar. Ol. XI, 55 auf Herakles zurückführt; vgl. Aelian. 
V. Hist. IV, 9. Eine ganz ähnliche Einrichtung fand sich 
bei dem Tempel der Aphrodite zu Knidos, Lucian. Amor. 12: 
r/V d' bnu zatg äyav nahvaxioiQ uXacg iXapai x^cacaczocg ive- 
(TTiäcr&ai &iXouacv, sig ä rcüv fikv dcrrcxuiv cmavccos STtB<poku)V 
Tivds' ä&puog 5' b noXirixog u^Xog inavrjyupi^ev, ovrcjg ä(ppo- 
diffcd^avTsg. [Für den Isthmos vgl. Corp. Inscr. No. 1104 : 
xazaXuaeig roTg dnö TYjg olxoojiivr^g snl r« "laf^/xia napayevo- 
fiivocg d&XrjTocg.] Das bedeutendste Gebäude dieser Art aber 
war nach der Zerstörung von Platää von den Spartanern an 
der Stelle der verwüsteten Stadt neben dem Heräon erbaut 
worden. Thucyd. III, 68: (üxodöjiTjaav nphg tüj 'Ilpaiip xa- 
Tayiöytov dtaxoffcwv ttoScüv, iiavTayrj xOxXü) olxrjixara i^ov xd- 
rcu&ev xai ävw&sv. [Wenn es dann weiter heisst, dass man 
das vorhandene Eisen und Kupfer zu Bettstellen benutzt und 
dieselben der Hera geweiht habe, so kann man nur daran den- 
ken, dass sie eben in dem xarayütycov aufgestellt wurden. 
Dass man überhaupt in diesen Karawansereien nichts anderes 
vorfand, ja dass man auch in den Privatherborgen für das 
Bettzeug selbst sorgte, (wenn der Redner Aristidos drei 
Meilen vor Bergamos im Wirthshause ausser dem Feldbette 
noch einen reinen Teppich findet, so ist dies auch eine spä- 
tere Zeit), ergiebt sich aus der allgemeinen Sitte, mindestens 
einen Sklaven mit auf die Reise zu nehmen, welcher ausser 
dem nöthigon anderen Geschirr die arpujiiara trug.J So sagt 
Peisthetäros Aristoph. Av. 615: 

oGrot ßkv tltriwfitv. äyt d^, Sauf^ia 
xai Mavöiujptf ka/xßdvsr* rä axpiüixara. 
Vergl. Kan. 12 u. ö. Am deutlichsten erhellt die Sitte aus 
Xenoph. Memor. III, 18, 6: äXXoo 8k Xiyovvog, wg nape- 



zur ersten Sceno. 7 

rdBrj /xaxpäv 68ov nopsoßetg, ijpsro auTov^ d xa\ ^opziov i(pepz. 
Mb. lli\ oux iy(0)'\ lij^'jy, dXXä tu Ijidziov. Muvog 8' inopeOooj 
e^T]^ ^ xai dx6Xou&6g ooc rjxoXou&ec; 'f/xo^ou&et, i<prj. Ilütepov, 
s,<pii^ xevug ^ ^ipajv rc ; (Pepeuv v^ Je", i^r^, rd ze arpiupara 
xal rä dUa axeorj. Der Sack oder überhaupt der Behälter 
für dieses Keisegppäck hiess arpwiiaTüdeapov. Plato Theaet. 
p. 176: ozav etg SouXixd einziarj ocaxovrjpaza, olov azpiopaTu- 
deapov prj imffrdpevos ^uaxeodaaa^at. Aeschin. de falsa 
leg. § 99: auvrjxoXoüBoov o' auzoi dvl^purTToc oüo arpiOfiaTo- 
deapa ^dpovreg, iv Se riS krepip toütojv, log aurog i^rj, zdXav- 
Tov ivrjv dpyupcou: in späterer Zeit auch arpwparsug nach 
Po 11. yil, 79: S 8h oi tialaun aTpu)p.az68tapa^ rwJb' oc vsiü- 
Tspot arpiüparelg eXeyw, iv olg, ujg pkv rouvopa SrjXoc, zä 
(Tzpiüpaza dnsze'Bsvzo- 8r^Xov 8k ozi xal zäg äXXag iabr^zag. 
Vgl. X, 137: &uXaxot, aTpwpazu8£apa. Lobeck ad Phryn. 
p. 401. PoUux scheint sie nicht auf den Gebrauch der Reise 
zu beschränken, — Die Last, welche der Sklave zu tragen 
hatte, mochte bisweilen bedeutend genug sein. Bei Aescbines 
ist zwar gewiss nicht an Silbcrgeld zu denken; doch spricht 
von solcher Unbilligkeit Theophr. Char. 30: ziji dxoXoO&io 
im&scva: psl^ov (fopziov rj oövazat (pipsiv. Machte übrigens 
der Herr die Reise zu Pferde, so folgte demungeachtet der 
Sklave zu Fusse nach; dann trug aber auch wohl das Pferd 
einen Theil des Gepäcks. Lucian. Asin. 1: "iimog 8s ps 
xazr^ys xai zä axzür], xai &epdT:a)v rjxoXoOßsc eig. [Darum 
wird es von Theophrast bei Athen. IV, p. 173 hervorge- 
hoben, dass die nach Magnesia zum Tempel der Artemis Wall- 
fahrenden bekommen hätten arspjv, äXag, sXaiov, oqog, im- 
Xu^vo)/, xXivag, azpwpaza, zpard^ag. Oeffentliche Anstalten, 
wie die genannten xazayujyta schlägt Xenoph. de vectigal. 
III, 12 vor, auch für die Kaufleute in Hafenorten zu erbauen.] 
Allein solche einzelne öffentliche Anstalten an besonders be- 
suchten Orten schliessen das Bestehen von zahlreichen Pri- 
vatunternehmungen derselben Art nicht aus; manche schlugen 



8 Erster Excurs 

auch ihre eigenen Zelte auf, wie man aus dem Beispiele des 
Alkibiades sieht, Plutarch. Alcib. 12, oder errichteten ähn- 
liche zur Aufnahme der Fremden, worauf z. B. die oxr^tzai 
in einer ein böotisches Fest betreffenden Inschrift bezogen 
werden mögen, Böckh C. Inscr. u. 1625, p. 793; und dass 
es an allen belebteren Landstrassen Herbergen gab, von wel- 
chen nicht nur die niedere Klasse, sondern Leute jedes Stan- 
des Gebrauch machten, liegt in der Natur der Sache und 
könnte nicht bezweifelt werden, wenn sich auch nicht Bei- 
spiele nachweisen Hessen. Selbst die Gesandten Athens an 
Philipp, von denen sich am ersten erwarten Hesse, dass sie 
aUenthalben gastliche Aufnahme finden würden, kehren, wie 
es scheint überall, in Wirthshäusern, TiavdoxBtotg, ein. Aeschin. 
de falsa leg. § 97: oudsig auzo) avaamh, ot' i$ij£i/xev inl 
TTjv bazepav Tipzaßzcav^ yj&e^zv ou8e iv zaTg odoTg, ottou Suva- 
rbv Tjv^ dg raurb navdoxsTov xazaXOziv. Vgl. Demosth. de 
falsa leg. § 158. [Plaut, Menaechm. II, 3, 81 von Epi- 
dauros: abduce istos in tabernam actutum deversoriam. Ap- 
pul. Met. I, 15: sumo sarcinulam et pretio mansionis stabu- 
lario persoluto capessimus viam. Cic. Divin. I, 27: cum duo 
quidem Arcades familiäres itcr una facerent et Megaram ve- 
nissent, alterum ad cauponem devertisse, ad hospitom alterum. 
Auch die Geschichte von der Ermordung eines Reisenden durch 
den Wirth de Inveut. II, 4, 14 spielt jedenfalls in einem 
griechischen Gasthause. Diog. Laert. II, 132 von Menede- 
mos: auv yoTjv ^AaxXrjma^j) xar' ayvotav iv nav^oxsup Tzorh 
xpedvcjv fHTrrou/JievoJV fayiüv. Plut. Cat. Min. 12: et jir^Seig 
rO^oi <plXog m aörö&c Ttarpipog ^ yvdjpifJLog, iv navdox£{<p 
r^v bnoSoxijv abrou naptaxeüaZov, Vgl. Amator. narr. 3; 
Defoct. Orac. 5. Daher will denn auch Dionysos Konntniss 
von den Wirthshäusern auf dem Woge zum Hades haben; 
8. Aristoph. Ran. 112ff., eine Stelle, in der so ziemlich 
alles genannt wird, was dem Roisonden, der nur materielle 
Zwecke verfolgt, zu wissen wUnschenswerth sein kann: 



zur ersten Scene. 9 

Toüzoo? {^ivouq) (fpdaov ßot, Xcfievag, äprontükta, 
TzopvsV, ävaTzaükaq, ixTpoTrdg, xpi^uag, ödoüg, 
nöAetg, diairag, navSoxeurpc'ag, onou 
xöpetg dkiytarot. 

Dass man oft die Auswahl unter den Herbergen hatte, lehrt 
Plut. de vitios. pud. 8; ^ip£ ok xai -npbg zaura — yu/ivd- 
^(ofiev iauTous — /ziyrs xarakuecv iv <paItX(p navdoxeitf}, ßeX- 
Ttovog TiapovTog, ori noXXdxtg b navSoxsbs rjcmaffazo ijfiäe, 
4^A' ißouQ ivsxa, xäv rj rcapa fxexpov^ atpzTaBat rö ßsXrtov. 
Selbst in dem am arabischen Meerbusen liegenden Handelsorte 
Berenike gab es nach Strab. XVII, p. 815: xazayu)ya.q im- 
rrßeioug und wenn Aristides Or. XXVII, p. 304 in Bezug 
auf Thrakien über xazayojyiojv dnopia klagt, so ist dies eben 
ein wenig civilisirtes Land gewesen. Es gab in späterer Zeit 
so comfortabel eingerichtete Gasthäuser, dass man sich ver- 
sucht fühlen konnte, länger darin zu verweilen, als man ge- 
rade nöthig hatte; vgl. Epictet. Diss. II, 23, 36: olov eX 
zig dmujv eig zrjv nazpcda ttjv iauzoü xac dcodeuajv TravdoxeTov 
xaXöv, dpiaavzog auzw zou navSoxecou, xazapdvoi iv ziS Tiav- 
doxeco) , und Strab. XVIII, p. 801 über das ägyptische Ka- 
nobos. Allein im Allgemeinen werden sicher die griechischen 
Gasthöfe nicht verlockender gewesen sein als die uns besser 
bekannten italischen, und zwar nicht etwa deshalb, weil bloss 
Leute niederen Standes in ihnen einkehrten, sondern weil, wie 
heute noch im Süden überall, wo die nördlichere Sitte noch 
nicht Fuss gefasst hat, die Reisenden überaus genügsam und 
anspruchslos waren. Da wie in Italien (Sue ton. Vitell. 7) 
die letzteren sich mit den Kutschern, Matrosen und Maulthier- 
treibern in einem Eaume befanden, so war natürlich die Ge- 
sellschaft sehr gemischt. Belehrend dafür ist Plut. De san. 
praecept. 15: 8&sv ou8k rcXouv notrjzeov ouzs xazayajpjv iv 
Tiavdoxelü) acyr^g r.pöfaatv^ oö8' iäv izdvzeg xazayzXwatv. "Onou 
yäp ohx aia'/pov zu (payetv , ob8t zu yu/ivd^scFl^at orjnou&ev 
aca^pov dXX' aXay^iov zu dzdotxhai xa\ 8oau}7i£tcrdai vauzag 



10 Erster Excura 

xat opewxoiidog xa\ 7tav§oxztg xarayeXiovrag ^ ob zou Oipaipi- 
^ovTog xai axcafxa^ouvTog, dX}.ä tou Xiyovzog. Dazu kam noch 
die Anwesenheit gefälliger Dirnen; Plut. Demetr. 26 und 
Strab. XII, p. 578; vgl. die Inschrift von Aesernia im Gall. 
III, S. 23 und bei Marquardt Privatalterth. II, S. 83. 
Ueberbaupt standen die nav8oxetg, sowie die kreischenden 
(Aristoph. Plut. 427) navdoxzüzpcai in üblem Rufe, was 
seinen] Grund darin hat, dass eine Bewirthung um des Gewinns 
willen dem ursprünglichen Begriffe der ^zvia gänzlich zuwider 
ist, und zweitens durch die Schlechtigkeit und betrügerische 
Handlungsweise der meisten jtavdoxsTg gerechtfertigt wurde, 
80 dass OS Theophr. Charact. 6 geradezu als ein Merkmal 
der dnovoca d. h. unofiovtj aia^pujv epyojv xai Xuyujv angiebt: 
Setvog navdoxsücrac xac Tzopvoßoaxr^aai xai zsXojvrjCrat : vergl. 
Plato Leg. XI, p. 918: ndvza zä Tispt ztjv xanr^Xetav xa\ ip.- 
iioptav xai navdoxztav ysvr) diaßißXrjzai ze xai iv ata^poTg yi- 
yovzv dvzcSeatv iml et zig (S p^ nozs yevoizo ou8' eazai) npog- 
avayxdasie {yiXoiov psv slnecv , opajg de stprjaezai) navdoxeü- 
aai zoug navzayjj dpicrzaug äv8pag im zcva ypuvov — yvoirjpev 
äv, ujg (piXov xu\ dyatzr^züv saziv ixaazov zoÜzüjv^ und was im 
Exe. zu Sc. IV über die xaivrjXsta gesagt ist. [Und wenn, wie 
in den oben aus Cicero erwähnten Fällen, zuweilen selbst das 
Leben der Keisenden in solchen Herbergen von Seiten der 
Wirthe gefährdet war, so wird es wohl auch nicht selten vor- 
gekommen sein, dass sie, wie z.B. bei Alciphr. Epist. 4() 
und 53 sich zu Hehlern für Diebe hergaben. Bei Artemid. 
Onirocr. I, 23 und. IV, 57 bodouteii eherne und eiserne 
Stirnen, sowie scharfe Dornen im Traunio den Gastwirthen 
Gutes! üebrigens scheint es, als haben die griechischen Gast- 
häuser, wie die römischen, ihre besonderen Nunion und Schil- 
der geführt. Wenigstens erwähnt Artemid. Onirocr. I, 4 
ein $svoon^etov , ip inuivuiwv xdprjXog und auf einen navdo- 
xt6g wird auch das xipag ^ApaXf^slag bei Palaeph..Incro - 
dib. 46 gedeutet. 



zur ersten Scene. H 

Ueber das Verhältniss des Reisenden zum Wirthe hin- 
sichtlich der Bedürfnisse und deren Preise sind wir gar nicht 
unterrichtet. Wenn aber Polybios II, 15 vom gesegneten 
cisalpinischen Gallien sagt", nocouvrcu yäp rag xaraXuasig oi 
8to8euo\>Tsg ttjv ^lopav iv To7g navdo^eiocg, ou ffOfi^wuoövTeg 
Tcep} ruJv xarä jj-ipog im-n^dscujv, dkX' ipujTÜJVTsg , nuffou ruv 
ävSpa ds^srac. ujg [ihv oibv in\ rb noXb napievrai robg xara- 
Xurag ot 7:av8o^£cg, ujg lxa\>b. mvr ' ^£iv rä npog t^v '/peiav 
Tjixtaaaapcow rouro 8' icrrc zirapxov pspog oßoXoö. artavtaig 
de TOO&* bnepßatvooat, so erkennt man deutlich, dass er den 
Contrast dieser Sitte zur sonstigen italischen (vgl. die Tafel 
von Aesernia) und zur heimischen hervorheben will, dass man 
also in Griechenland die Bedürfnisse einzeln bezahlte und mit 
dem Wirthe darüber bei der Einkehr einen Akkord schloss. 
Auf bestimmte Preise deuten auch die xpia mdßpaaxa ^fjLciu- 
ßoXiata der -navSoxeÖTpia bei Aristoph. Ran. 553 hin. Doch 
kam es auch vor, dass man Lebensmittel mitbrachte und sie 
dem Wirthe zur Zubereitung übergab; vgl. Plut. Apophth. 
Lacon. 44: zig navdoxscov zig xazaXuaag xal dobg o<l>ov tu) 
navdoxsT axsodaai, wg izspog zupbv ^zsi xal iXatov, zi, i^, 
el zupbv el^ov^ izt äv idsopr^v oi/'ou; der zu Polybios Zeit in 
Griechenland übliche Preis der Tageszehrung kann wohl ge- 
trost auf das Achtfache der von ihm angegebenen Kleinig- 
keit veranschlagt werden. 

Strabo's ungünstiges Urtheil in Bezug auf die Strassen 
(V, p. 330) gilt den Griechen bloss in Vergleich mit den Rö- 
mern. E. Curtius Ueber den Wegebau bei den Grie- 
chen in den Abhandl. der Berl. Acad. der Wissensch. 
1854 hat S. 221 ff. auf den religiösen Zusammenhang der Wege- 
anlagen mit den Nationalheiligthümern aufmerksam gemacht 
und sorgfältig ausgemeiselte, gleichspurige Geleise, Ausweiche- 
stellen {ixzpoTiac und xdp^'sig)^ Ruheplätze {dvdnauXac, dva- 
nauazrjpca) und Treppenwege ixXlpaxeg) nachgewiesen. 

Die meisten Reisen scheinen auch in der historischen Zeit 



12 Erster Excurs 

ZU Fuss gemacht worden zu sein.] Selbst öfifentliche Gesandt- 
schaften reisen nicht anders, wie man deutlich aus Aeschiu. 
de falsa leg. § 97ff. sieht (vgl. Änm. 8). Indessen finden 
sich auch für Reisen zu Pferde Beispiele und Demosthenes 
selbst begleitet die Gesandten Philipp's auf diese Weise bis 
Theben. A esc hin. a. a. 0. § 111: ijua^waaz'' au-oTg or' 
dm^eoav dpixä ^eöyrj xai ao/nrapT^ec i^' otttow: vgl. in Ctesiph. 
§ 76. Bei Xenoph. Symp. 9, 7 sind selbst einige der Gäste zu 
Pferde in Kallias Haus gekommen, oder haben (wie Schneider 
zu 1, 7 annimmt) sie für die Heimkehr nachkommen lassen. Wenn 
daher bei Lysias de inval. § 11 der Gebrauch der Pferde 
zu solchem Zwecke für ußpig erklärt wird, so gilt dies bloss 
den dürftigen Umständen des Beschuldigten. Vgl. Lucian. 
Asin. 1 oder Appul. Metam. 1,2. Der Gebrauch der Wa- 
gen war sehr beschränkt, und wenn namentlich Männer sich 
ihrer in der Stadt und ihren Umgebungen bedienten, so wird 
dieses immer als Zeichen der Weichlichkeit oder des Hochmuths 
getadelt. So sagt Domosth. adv. Phaonipp. § 24: dno- 
Söfxevog Tuv TToXs/icav^pcov "ttkov xaraßißrjxsv är.o tüjv "ttttujv 
xac dvr' ixscvou o'xW^ abrw rrjXixobzog ujv iwvr^zac, cva }irj 
TreCjf izopeurjxar roaaoTr^g xpu<prjq p.tcrtoq ouvog iazt. Daraus 
erklärt sich die Anekdote von Speusippos und Diogenes bei 
Diog. La ort. IV, 3: <paa\ dk i^' äp.a$i'uu auröv (pspujxevov 
eli TTjV ^Axadrjptav avvavTr^aai Acoyevee x«}, /ay?£, ehscv rhv 
8h ipavai , d.Xka p^ aü yt , ootk: bnopivtiQ C^v zoioutoq o)V. 
Vgl. Arlstopli. Thesm. 811. Selbst bei Frauen wirdos als 
Zeichen des Hochmuths betrachtet, wie bei Demostli. in 
Mid. § 158: xa\ eis puazrjpta z^v yovaTxa äysi xiiv aXXoai 
Ttoi ßüöXrjTai Itü rou ^euxou C^^youe zou ix lixuwvog. Daher 
veranlassto auch der Redner Lykurg ein Gesetz, dass die Wei- 
ber nicht nach Kleusis faliron sollten^ damit nicht die Aerme- 
ren durch die Reichen beschämt würden. Plutarch. X Orat. 
Vit. p. 842. Seine eigene Gemahlin indessen übertrat das 
Gesetz und er musste die Syku})hunteu mit einem Talente zum 



zur ersten Scene. 13 

Schweigen bringen. Wenn Timoleon sich in die Versammlung 
fahren Hess und auf dem Wagen bleibend der Berathung bei- 
wohnte (Plutarch. Timol. 38), so geschah dieses, weil er 
blind war; aber als Auszeichnung gilt es bei Andoc. de 
mysfc. § 45: rbv de raJv xaxujv toutiov aiztov AioxXsßr^v ujq 
aiurrjpa ovra rrjg TtoXsojg im ^suyoug ^yov ecg rö npozavslov 
are^avcuaavreg. — [Zu weiteren Eeisen wird sich das weib- 
liche Geschlecht stets der Wagen bedient haben. Schon So- 
Ion hatte ja befohlen (Plut. Sol. 21): /xi) vuxTujp nopsusaBou 
n^v äp-d^jj xopt^opsvrjv, }Ä)yyoo ■npoipatvovzog. So reiste auch 
die peloponnesische Festgesandtschaft, welche nach Plut. 
Quaest. Graec. 59 in Megara arg beleidigt wurde, mit Wei- 
bern und Kindern in Wagen, die ihnen zugleich zum Ueber- 
nachten dienten. Aber auch von Empedokles erzählt Diog. 
Laert. VIII, 73: 8id riva navfjyvpiv nopsuopsvov £^' äpÄ^rjS 
WS ecg Msaafjvr^v mastv xai rov pr^pov xXäaa:.] 

Was nun die verschiedenen Arten von Wagen betrifft, so 
rauss man sich mit den dürftigen Nachrichten bei Poll. X, 
51 begnügen, der ohnehin zunächst von Spazierfahrten spricht, 
wie sie in der Morgenfrühe üblich waren: dXX' st pkv aliup-q- 
ast T^ 8c^ d^Tjpdrajv //JüJto rig ■nspl ztjv io} &ipoog ovrog, nptv 
^ rbv T^Xtov Tzspc^Xiyäiv , rä stdTj zajv d^r^paziov Icrziov^ sXzs 
äppaza sYzs ö^oug sczs apd$ag sYzs Xapirfjvag cwrcfc izpofffjxst 
xaXscv^ sazc 8h zouvopa ^ Xapryjvrj iv zfj Zo(poxXioog Nauai- 
xda xai iv zo?g MsvdvSpoo "^AXteuaiv. vgl. Posidipp. bei Poll. 
X, 139. Nur so viel erfahren wir, dass sie theils zum Sitzen 
theils zum Liegen eingerichtet waren, zum Theil bedeckt und 
bald auf zwei, bald auf vier Rädern ruhend: zd 8k iv^puvta, 
zd 8k elg zö xazaxXTva: ivsuvaia, zd 8k xazdazeya xai aze- 
yaazd xai xdpdpar duzoi ydp ujvöpaasv 'Hp68ozog (I, 199), 
SsvofcüV 8k iv z^ nai8sca (VI, 4, 11) rc» iazeyaapsvov pspog 
z^g äpd^Tjg unoai^pacvajv i<py], xa\ xazixXivav xac xazsxdXuipav 
zijv ffxyjvrjv xai zd pkv zszpdxuxXa, zd 8k 8:xuxXa: was aber 
die einzelnen Unterarten betrifft, so mögen darunter manche 



14 Erster Excurs 

gar nicht znm Gebrauche im gemeinen Leben gedient haben^ 
selbst das lakedämonische xdvvadpov: vgl. Müller Dorier 
B. II, S. 282 und Prell er ad Polemon. p. 133 — 136. 
[Der Reisewagen für mehrere Personen kann nur die vier- 
räderige ap.a$a gewesen sein. Auf Bildwerken erscheint ein 
zweiräderiges Kabriolet; vgl. PanofkaBild. antik. Lebens 
Taf. III, 8 und ebenso Gerhard Auserles. antike Va- 
sen b. Taf. CCXVII, wo der Lenker zu Füssen einer weiblichen 
Gestalt mit seitwärts herabhängenden Beinen sitzt. Ueber 
die Bespannung s. Guhl und Kon er S. 306. üebrigens sind 
noch häufiger, als die theuren Pferde, die in Attika nicht 
unter drei Minen zu stehen kamen, die Manlthiere beim Fah- 
ren benutzt worden. Vgl. Xenoph. Anab. VII, 5, 2; Isaeus 
de Dicaeogr. hered. § 43; Aeschin. de fals. legat. 
§ 111. Ueber das Reiten von Frauen auf Pferden vgl. Ste- 
phani in Compte rendu pour 1866, p. 123. 184ff. Noch 
häufiger bedienten sich sie, aber auch Kranke und Weichlinge, der 
mit bequemen Lehnsätteln versehenen Maulthiere. Schol. zu 
Demosth. in Mid. § 133: darpdßrj eldog xaM8pag, napä 
TÖ jxrj arpe<p£aBar eau 8k int nXetarov ecg u(l'os, wäre zwv 
xai^e^o/iivojv dvi^eev rä vüjva ^pujvrac 8k auz<f [idXtffza ai 
yovaixtg. Der Name dozpdßrj wurde nun aber auch auf das 
Thier übertragen: Harpocrat. s. v. Hella<J. bei Phot. 
Bibl. 279, p. 533 a 81: Zri t^v ^/xcovov, ktp' rjg d^oöixe^a, 
(fn]ah^ ä^uyoo ouarjQ^ 'A^rjvaTot xaXoüaiv doTpaßr^v, ivf^ev Xiye- 
zat ü dtrrpaßijXdrrjg. Vgl. Etymol. Magn. S. 159 (Sylburg), 
Lys. pro inval. § 11, Machon bei Atlien. XIII, p. 582 
und Stophani Compte rondu pour 1863, p. 228, nebst 
pl. V. Ueber den Gebrauch der Sänften s. Seen. VII, An- 
mork. 23 und über das Schilf als Rcisevehikel die Anmerkun- 
gen zu derselben Sccne überhaupt. 

Was die Siclierheit der Reisenden unterwegs anlangt, so 
möchte ich nicht aus den Worten Xonoplion's Momor. 
So er. II, 1, 15: (TU 8k iv ratg o8oeg, ivh^a n^daTot dotxouv- 



zur ersten Scene. 15 

rai, noXhv ^pövov Siarpißiov, dg bnoiav 8' Slv noXiv d<ptxi^, ru)V 
TToXiTÜJV TidvTOJV Tjmuv u)V xoi Tocouzog oluiQ \iahaxa imrci^ev- 
rat Ol ßouXoixevot ddcxelv, ofnug 8ta ro ^ivog ehac oox «5v oiiec 
docxTfjdrjvat x. r. L auf besondere Gefahren einen Schluss zie- 
hen; denn dort ist überhaupt von Unbilden die Rede, welche 
den Fremden in Folge des geringeren Eechtsschutzes, den sie 
fanden, widerfahren konnten. Wenn dagegen Diog. Laert. 
II, 136 vom Philosophen Menedemos schreibt: v}iu)S ahzhv 
i^AXt^vov) e7j inoi'rjaa ttjV yuvaTxa TiapaTiiiiil'ag ix Je^^tov iojg 
XaXxßog eoXaßoojxivrjV xXiUTZEiag zs xai rag xa&^ bouv Xr^ecag, 
so denkt man unwillkürlich an die im 4. Jahrhundert so oft 
herrenlos herumschweifenden Söldner: Isoer. ad Phil, 40 
und über die gleichzeitige Seeräuberei Panegyr. § 115 und 
Demosth. in Aristocr. § 166. Sonst zog der Wanderer 
im Vertrauen auf den Schutz der ^eol ivodcot, Hermes und 
Hekate, deren Bilder und Malzeichen besonders auf den Kreuz- 
wegen standen (Hermann Gottesd. Alterth. § 15, n. 14 ff.) 
ruhig seine Strasse. Es war ihm unverwehrt, von den Früch- 
ten der am Wege stehenden Obstbäume zu geniessen und Je- 
dermann zeigte ihm willig die rechte Strasse, wenn er sich 
verirrte: Theo er. Idyll. XXV, 3. An den Hermenpfeilern 
konnte er ausser allerhand Sprüchen auch Wegebestimmungen 
lesen und später fehlte es nicht an wirklichen Wegweisern 
und Meilensteinen; vgl. Curtius Wegebau der Gr. S. 43 
und Eustath. zu Odyss. p. 1809.31. Am meisten geschützt 
vor Feindseligkeiten waren die zu den grossen Nationalfesten 
reisenden Gäste; denn die ixs-(sip:a gewährte allen Theilneh- 
mern internationales sicheres Geleite, weshalb auch der von 
den erwähnten apa^oxuharac verübte Frevel von den Amphi- 
ktyonen streng gestraft wurde. 

Es erübrigt noch zu fragen, ob den Reisenden in Hellas 
auch Pässe nöthig gewesen sind oder nicht.] Eine Andeutung 
findet sich bei Aristoph.Av. 1212, wo Peisthetäros die den 
neuen Staat betretende Iris fragt: 



16 Erster Excurs 

OfppayW i)(£iq napä xS)v r^zXapyüiv ; HP. ri tö xaxov \ 
77. oux äkaßsq; 'IP. öyiaiveiq [liv; Tl. obdk auiißokov 
äizißakev dpvi&ap^oq obdeiq aoi izapiöv ; 

Dazu bemerkt der Scholiast: otov ouiißoXov im m aoyjf^ojprj- 
&^vai TTupsX&sTv. Man vergleiche damit Plaut. Capt. II, 3, 90: 

Eadem opera a praetore sumam syngraphum. — Quem 

syngraphum? — 

Quem hie ferat secum ad legionem, hinc ire huic ut li- 

ceat domum. 
Man hat keineswegs nöthig an römischen Gebrauch zu den- 
ken. Eine andere merkwürdige Stelle, welche die Andeutung 
einer polizeilichen Anstalt zur Controle der Ankommenden zu 
enthalten scheint, findet sich bei demselben Dichter Trin. III, 
3, 66, wo von einem untergeschobenen Briefe die Rede ist: 

Jam si obsignatas non feret (literas), dici hoc potest: 

Apud portitorem eas resignatas sibi 

Inspectasque esse, 
und V. 80: 

Lepida est illa causa, ut commemoravi, dicere 

Apud portitores esse inspectas. 
Was Aristophanes a(ppayiq nennt, ist nichts anderes als der 
mit dem Staatssiegel beglaubigte Pass oder dieses selbst. Es 
ist sehr interessant durch Strabo etwas Näheros von einem 
solchen Staatssiegel zu erfahren. Er sagt IX, 3, 1: xaXouv- 
rac <5' oi /ikv kaniptot Aoxpol xa\ V^uXae, i/ouac rs irtl -ny 
8r)[x<)m'(f OifpayTdi rh\> ioTtepov dcrripa iyxs/af)ayp.dvov. Nicht 
ganz dasselbe bedeuten die at'jpßoXa, indem darnntor jedweder 
Gegenstand, der jemandem zur Legitimation oder Empfohlung 
mitgegeben wird, vorstanden worden kann. So wird es von 
Euripidos in dom von Kustath. ad Iliad. VI, 169 ange- 
führten Verse dor Medea 613 gebraucht: 

^ivoi( T« nifinttv <rufißoX\ o? dpdaoual «r' «3. 
Deutlicher erhellt die Beschaffenheit und dor Zweck solcher 
cüp.ßoXa aus Lysias de bonis Aristoph. § 25: ü-zi iXaße 



zur ersten Scene. 17 

aojxßoXov naph ßamXiiuq toü fxsyd^ou (piaAr^v . . . ttuXXöjv yäp 
dyaHujv xai äXXcjv ^p:^fidzujv zonopr^asiv 8cä -ö aüjxßoXov iv 
tidoj) Tfj rj-netpip. — Dieselbe Art von Beglaubigung war auch 
im Privatverkehre üblich und hier findet sich als symhohts 
oder syniholum eben auch ein blosser Abdruck des Siegelrings. 
Plaut. Pseud. I, 1, 53: 

Ea causa miles hie reliquit symbolum, 

Expressam in cera ex anulo suam imaginem, 

üt qui huc afferret eins similem symbolum 

Cum eo simnl me mitteret. 
Ebend. II, 2, 52: 

— tu epistolam hanc a me accipe atque illi dato; 

Nam istic symbolum est inter herum meum et tuum de 

muliere. 

Ps. Scio equidem, ut qui argentum afferret atque expres- 
sam imaginem 

Suam huc ad nos, cum eo aiebat vello mitti mulierem. 
und Bacchid. II, 3, 29: 

Eo praesente homini extemplo ostendit symbolum, 

Quem tute dederas, ad eum ut ferret, filio. 
Vergl. Plutarch. Artax. 18. — Hierher gehören auch die 
von Po 11. IX, 71 angeführten avpßoka, welche Aehnlichkeit 
mit den tesseris hospitalibus haben, und endlich eine atheni- 
sche Inschrift, ein Decret zu Ehren des Straten von Sidon, 
Marmor. Oxon. II, 24. Böckh C. Inscr. I, p. 126. Darin 
heisst es unter Anderem: Tzocrjada^cu de xac <j6pßo?i.a rj ßouX^ 
Ttpös ~ov ßamXsa rbv ZiSioviiuv^ omus äv o drjpog o ^ABr^va/oJV 
sld^ idv zc TzipTTfj o ücdojviujv ßaacksug Stopsvog t^s mXstug, 
xac u ßaacXsbg 6 JJcdujvcatv sidß urav nepTrrj ztvä lug auzuv 6 
dr^pog 6 'Ad^r^vatiüv. Wie schon von Böckh p. 127 bemerkt 
worden ist, haben diese aüpßola nichts mit den sonst auch 
so genannten Staatsverträgen gemein, sondern es sind Legi- 
timationszeichen für die jedesmaligen Gesandten, also gewis- 
sermassen auch tesserae huspitales. [Die Becker'sche Ansicht 



18 Erster Excurs zur ersten Scene. 

bedarf einer doppelten Berichtigung. Die an erster Stelle 
von ihm citirten Stellen beweisen nur, dass der Reisende eine 
Legimation brauchte, wenn die Stadt, wohin er sich begab, 
sich im Kriegszustande befand. Die zwei letzten plautini- 
schen Citate ferner beziehen sich gar nicht auf eine polizei- 
liche Massregel, sondern auf das Zollwesen. Denn da die 
Zölle verpachtet wurden, übten die Unterbeamten der Pächter 
eine rücksichtslose, mit Visitationen der Reisenden und, wenn 
Verdacht der Defraudation vorlag, selbst mit Eröffnen der 
Briefe verbundene Controle. Vgl. Büchsenschütz, Bes. u. 
Erw. S. 558. Glaubt man doch sogar eine Spur von Plom- 
birung der Waarenballen gefunden zu haben: Haase in den 
Annali dell' inst, di corresp. arch. XI, 2, p. 279.] 



ZWEITER EXCURS ZUR ERSTEN SCENE. 



DIE ERZIEHUNG. • 

ludern ich es unternehme, durch Verknüpfung aller der 
Nachrichten und Andeutungen, welche zerstreut in den Schrif- 
ten des klassischen Alterthums sich finden, eine ausführliche 
Schilderung der eigenthümlichen Weise zu liefern, nach wel- 
cher die Erziehung der freien griechischen Jugend gehandhabt 
wurde, und so ein möglichst detaillirtes Bild des beginnenden 
und in allmählich sich erweiternden Kreisen fortschreitenden 
Lebens aufzustellen, kann es durchaus meine Absicht nicht 
sein, mich auf das zu beschränken, was für die geistige Aus- 
bildung und Erziehung im höheren Sinne geschah; vielmehr 
wird die gesammte Sorgfalt, welche man dem Kinde in Bezug 
auf körperliche Pflege, seine ersten kindischen Beschäftigun- 
gen, die Gewöhnung an Sitte und Anstand, auch in Kleinig- 
keiten, angedeihen liess, nicht weniger zur Berücksichtigung 
kommen müssen, und ich fürchte keinen Vorwurf darüber, 
■ dass ich länger in der Kinderstube, bei dem Spielzeuge der 
Kleinen oder den Liedern und Mährchen der Ammen und 
Wärterinnen verweile. Ist es doch das häusliche Leben, des- 
sen Darstellung ich mir zur Aufgabe gemacht habe: wie sollte 
also die häusliche Erziehung für diesen Zweck weniger der 
Beachtung werth scheinen als der Unterricht in den Gymna- 
sien und den Schulen der Grammatiker? 

2» 



20 Zweiter Excurs 

In diesem Sinne nun beginnt die Erziehung mit dem 
Augenblicke der Geburt, wie Plato Leg. II, p. 659 sagt, 
fl r.cuoujv bXxi] re xai dycjyrj npbg rbv und toö v6/iou Xüyov 
dp^bv £lp7]ixivov: die Leitung und Führung bis zu dem Augen- 
blicke, wo der Jüngling als selbstständiger Staatsbürger un- 
mittelbar unter das Gesetz trat; und was für diesen Zweck 
von Seiten der Aeltern geleistet wurde, das nennt ziemlich 
vollständig nach den verschiedenen Altersstufen Heliodor. 
Aethiop. I. 13: oux stü zocauracg fikv eXntaiv^ w 'A&rjvdcoc, 
TovSs dverpe^ov, iXsyzv, dXXä roü yfjpiug zoü ip.ou ßaxrr^pcav 
iffSff&at TTpocrdoxaiv, iviecdij zd^tard fioc iydvszo, iksu&epcou zz 
zpoipriz fxezadobg xai za rtpcüza zojv ypapp.dzajv dc8a$dii£vog, 
eis Tous ippdzopag xa\ ysvvTjzopag elaayaycuv, eig ifijßoog iy- 
ypdipag, noktvrjv u/iezspov drzo^ijvag rtdvza zbv ßiov knt zoOzoj 
rbv ifxbv iadhoov. [Richtig bezeichnet Becker die dyiuyij 
als die von aussen einwirkende Leitung und Zucht. Dagegen 
umfasst der allgemeinste Ausdruck natdeta die gesammte 
geistige und leibliche Bildung des freigeborenen Hellenen 
und die Hebung des Knaben auf den jeweiligen nationalen 
Kulturstandpunkt, während der speziellere Begriff zpo<pij, die 
Wartung und Pflege in Bezug auf die Entwicklung des kör- 
perlichen, aber auch geistigen Gedeihens, namentlich in der 
ersten Jugendzeit, oft mit Tzac^sta verbunden vorkommt: Plat. 
Phileb. p. 55, d; Phaed. p. 107, d; Menex. p. 237 a; 
Grit. p. 50, d und de republ. II, p. 376. Vgl. G. Bern- 
hardy Grundr. der griech. Literatur I, S. 52 ff. J. H. 
Krause Geschichte der Erziehung, des Unterrichts 
0. d. Bildung bei Griechen, Etruskern ii. Römern, 
8. 1 — 17 und 67ff. L. Grasborger Erziehung u. Unter- 
richt im klass. Alterthum, Th. II, S. 2ff.] 

Die Verschiedenheit der Sitto spricht sich schon in der 
ersten Pflege dos Kindes aus. Im ganzen übrigen tJriochen- 
land, wie es scheint, wurde das neugeborene Kind nach dem 
ersten Bade [zu welchem man Wasser, mit Oel gemischt nahnj, 



zur ersten Scene. 21 

daher yürla\ Suid. s. v., Spanlieim ad Callim. Hymn. 
in Jov. 17. In Sparta wurde zu demselben Zwecke Wein 
verwendet: Plut. Lycurg. 16.] in andpyava gewickelt; nur 
in Sparta geschah es nicht, wie Plutarch. Lyc. IG sagt. 
Es schien auch das dem dort beliebten Abhärtungssysteme 
zuwider. Plato Leg. VII, p. 789 findet es hingegen recht: 
[li'/pi duoTv SToTv to yzvu/jLEvov cmapyavav. Ob diese <ma.fi- 
yava immer schlechthin für Windeln zu nehmen sind, lässt 
sich bezweifeln, wenn man vergleicht, was Aristot. de re- 
publ. VII. 17 sagt: r^paq oh -h /irj 8taazpi<pza^at zä psk/j 
(tu>v Tzaidtiuv) 8t' änakoTrjra ^pöjvrai xat vüv evea zmv s&vwv 
dpydvoig reac /irj^avcxo7g, ot zu aijjjxa ttocsT zujv zotoozujv dazpa- 
ßig: [Es ist wahrscheinlich etwas unseren Kissen oder Bett- 
chen Aehnliches darunter zu verstehen. Da diese in Athen 
nicht gebraucht wurden, so mussten natürlich die Windeln 
von grösserem Umfange sein, als die heutigen, und die arAp- 
yava werden deswegen geradezu r.i7ikot\ Eurip. Jon. 971 
oder Ijxdzca: Suid. unter tmdpyava, genannt. Bildliche Dar- 
stellungen bei Winckelmann Mon. ined. 71; Mus. Bor- 
bon. I, 21; Annal. dell' Inst. 1829, p. 395; 1830, p. 154; 
Heydemann Humorist. Vasenbild, aus ünteritalien, 
1872, n. 2 und besonders Step h an i Compte rendu pour 
1870—1871, p. 194, Taf. V, n. 9.] 

Nicht vor dem fünften Tage (nach Suidas) fand das 
erste Fest zur Feier des Familienereignisses Statt, die dfx^cdpu- 
jjLca: iv f^ {rjp.dp^) aTioxa&aipovzac zag ^zlpag ac (Tuvatf'd/JLSvac 
z^g paccuaswg, zo de ßpi<pog -mpupipoom zijv iaziav zpd^ovzsg 
xat ovjpa Tipriooatv ol r^pocrrjxovzsg ., ujg kizt zu nXetazov r.oXlt- 
TMoag xat crr^Titag: bei Hesychius, der den siebenten Tag 
angiebt, auch opojxtd/x^tov rj/xap. [Ueber die Bedeutung der 
dp^tdpüjxta als ßeinigungsfest vergl. Schömann Griech. 
Alterth. II, S. 562 und Preuner Hestia-Vesta S. 54.] 
Eine der Frauen, welche bei der Geburt beigestanden hatten, 
oder später die Hebamme trug das Kind um den Herd 



22 Zweiter Excurs 

des Hauses, daher der Name; vgl. Harpocr. und Etym. M. 
Aristoph. Lysistr. 757. Die Hauptstelle, die Erklärungen 
der späten Grammatiker abgerechnet, findet sich bei Plato 
Theaet. p. 160, obgleich in scherzhafter Anwendung: xoo-o 
fikv ^jy, iijg io:x£, /loXcg ttots iyzvvrjaa/iev , o, rc 8ij nozs xai 
Tuy^dvz: ov /xzzä 8k rov ruxov rä djx^c8p6iiia auroü a/g dkrj- 
&iüs iv xuxXip mpc&pexriov rw! löyo) axonou/xivoug , fxrj XdBjj 
ijixäg obx ä^tov ov zpocprjg zh ycyvoixsvov x. z. L Die Thüre 
des Hauses wurde dabei mit Kränzen geschmückt und ein 
Festmahl veranstaltet, wobei Athenaeus IX. 10, p. 370 den 
Kohl, pdipavog^ als herkömmlich bezeichnet, nach einer Stelle 
des Ephippos: 

ob azicpa'iioq otidsi? ä<m npöa&e rwv ßupiov, 
ob xviaa xpoözi pivöq uTtepo^^äg äxpag, 
äß^tdpofiiatv övTwv, iv olg voßiC^zat 
ÖTzräv TS Tupoö Xtppovtiaizoo röfioug 
£<p£tv t' iXai<f) pd<paMov ^yXaiffiiivTjM x. t. A. 

Nach Plato scheint es fast als sei bei den Amphidromien 
erst die Erklärung des Vaters erfolgt, ob er das Kind erzie- 
hen wolle; denn er setzt hinzu: ^ au ölet ndvziog 8s7v z6 ys 
aov zpiipetv xa\ prj kxzS£vai\ jedenfalls aber hing es von 
dem Willen des Vaters ab, ob er das Kind annehmen oder 
aussetzen lassen wollte, eine Barbarei, die dadurch noch 
grösser erscheint, dass sie gesetzlich ebensowenig verboten 
war, wie der Kinderverkauf vor Solon's Zeit: Plut. Sol. 13: 
TtoXXoi 8k xal nat8ag i8coug ijVayxdCovzo ■nujXetv oootig ydp 
vöfiog ixioXut. Eine ehrenvolle Ausnahme machte hierin The- 
ben, nach Aeliun. Var. Hist. II. 7: ort oox k'^sazcv dv8p\ 
ffrjßfuu} ixHtivat natotov ou8^ £tg ipr^piav wjzo pJ^J'ac hdvazov 
aiiTou xazaijir^Y'^ffd/xevog ' d^A' iäv fj nivrjg dg zä ia^aza o zoo 
natdög irar^p, ehe äftpev touto ehe B^Xu iarcv, in} rag dp^dg 
xofj/Cetv i$ utSt'viuv ru>v /irjzpwiuv auv zoTg anapydvoig auzu- 
od dk napaXaßouaat dno8{8uvzat zu ßpifog zCpztpr^v iXa/tazrjV 
d6vrt' ff^rpa 8k nphg abruv xai ojwXoyla ybezat^ ^ f^^^ rpd^etv 



2ur ersten Scene. 23 

TÖ ßpe^og xal au$i^&kv £j(scv oouXov tj doüXr^v , f^/jsrin^fjca aü- 
Toü T^v uTVfjpeaiav ^a/xßdvovra. Das klingt allerdings huma- 
ner, als selbst des Aristoteles Vorschlag, der zwar die ärMBt- 
mg verwirft, aber zur Vermeidung der üebervölkerung die 
äußXioaig empfiehlt! de republ. VII 14: nfAv alaBrjaiv iyyt- 
vea&ae xac ^iurjv iunocslat^ac de? rrjv äfiß^wacv. [Vgl. Plat. 
de rep. V, p. 460 c und 461 c Theaet. 161 a (denn die 
Meinung von W. Wiegand in den Philosophischen Mo- 
natsschriften XI, 1875, S. 337 ff., dass an den beiden 
ersten Stellen Plato's nur von Versetzung in den dritten Stand 
die Rede sei, wird sich schwerlich halten lassen). Aber in 
der Zeit der Entsittlichung, welcher die Dichter der neueren 
Komödie ihre Stoffe entnommen haben, scheint wenigstens die 
ausserehelicheu Kinder nicht selten dieses Schicksal getroffen 
zu haben. Am häufigsten kam es bei den Mädchen vor, die 
vorzugsweise als raixtscov mx/juv gelten : Stob. S e r m. LXXVII, 
§ 7 u. 8, vgl. Plaut. Casin. prol. 41. 49. Cistell. I, 3, 17 
Meineke Fragm. com. gr. t. IV, p. 416]; und es blieb 
dann nicht immer dabei, sie durch Aussetzen oder Verkaufen, 
[das zwar in Bezug auf die Sklaverei für Attika durch Solon 
auf unverheirathete Töchter, die sich geschlechtlich vergangen 
hatten, beschränkt worden war: Plut. Sol. 23, aber behufs 
der Unterschiebung öfter vorgekommen sein mag: Anthol. 
Palat. V, 178. Vgl. Scene XI', Anmerk. 1] einem ungewis- 
sen Schicksal preiszugeben; sondern der Wille des Vaters 
konnte sie auch geradehin zum Tode bestimmen. So sagt 
Chremes bei Terent. IV, 1, 21: 

— nara jam primum, si meum 
Imperium exsequi voluisses, interemptum oportuit; 
Non simulare mortem verbis, re ipsa spem vitae dare, 

worauf er zu beweisen sucht, dass für das Kind selbst dies 
besser gewesen wäre. Um der Sorge für den Unterricht meh- 
rerer Kinder zu entgehen oder das Vermögen nicht unter viele 



24 Zweiter Excurs 

theilen zu müssen (Long. Pastor. IV, 19 und 24) wurden 
auch Söhne nicht geschont: Terent. Adelph. V, 3, 23. 

Das Hauptfest aber fand am zehnten Tage Statt und 
hiess daher auch ozxdzrj. An diesem Tage wurden Verwandte 
und Freunde zu einem Opfer und Festmahle eingeladen; daher 
dsxdrrjV ^ueiv und sffTcäv, und die Feier galt selbst vor Ge- 
richt als Beweis, dass das Kind vom Vater als yvrjocov aner- 
kannt worden sei. So bei Isaeus de Pyrrhi hered. § 70: 
in Sk xal iv Tjj dsxdzjj rcutzrjg xXrjMvzeg aoveanäai^at {<pd- 
(Txovzeg): auch Demosth. adv. Boet. ovofi. § 22, -npoix. 
§ 28. Sonst geschieht der dexdrrj noch Erwähnung bei Ari- 
stoph. Av. 493, Eur. Electr. 1130, Athen. XV. p. 668, und 
dasselbe ist es, was Plato Leg. VI, p. 784 meint, wenn er 
den unsittlich Lebenden verbietet dg rag ratv nacScuv intre- 
Xeubattg oder yzvdasig zu gehen. 

Vater und Mutter, auch wohl Verwandte, und selbst die 
Sklaven machten dabei dem Kinde Geschenke. Ausserdem 
erhielt dasselbe an diesem Tage auch seinen Namen, wie man 
aus Aristoph. Av. 922 sieht: 

odx äprt ^6(1) rrjv dsxdrTjv TaÜTijg iym; 

xai Toövo/j.^ mait&p ttaiditj) vöv dr^ ^'^ißrjv. 
Indessen geschah dieses auch schon an dem siebenten Tage, 
wie Aristot. Hist. an. VII. 12, p. 588 sagt: t« zXztara 
o' dvatpsTvac n/w zr^g eßSofir^g, diö xac zä dvofiara zors zc'^sv- 
Tou wg mazsuovzeg rjdr] [xdXXov z^ aa)zrjp(<]L, vergl. Uarpocr. 
8. V. ißoo/xsuofj.svou, vielleicht auch zuweilen schon bei den 
Amphidromien, wenn die Nachrichten bei Hosychius und 
Schol. Plat. Tlioaot. Wahrheit enthalten. Indessen setzt 
Suidas in der angeführten von den Amphidromien handeln- 
den Stolle ausdrücklich hinzu: z^ osxdzrj dk zouvofKx z{- 
Hfurat. (Aus den sich widersprechenden Nachrichten scheint 
allerdings, wie Schömann G riech. Altorth. II, S. 563 
hervorhebt, zu erhellen, dass sich die Griechen schwerlich mit 
peinlicher Gewissenhaftigkeit an eine bestimmte liegol in sol- 



zur ersten Scene. 25 

eben Dingen gebunden haben werden. Die Amphidromien, an 
denen wohl bei Aermeren oft zugleich die Namengebung vor- 
genommen wurde, traten überhaupt in der späteren Zeit vor 
der dexdrrj zurück, an der man in Schmausen, Trinken und 
Tanzen die ganze Nacht hindurch das Mögliche leistete. Worin 
die dem Kinde gemachten Geschenke (aucli oTin^fxa genannt: 
Petersen die Geburtsfeier bei den Griechen in den 
Jahrb. für class. Phil. 1857. Supplem. II, S. 295) bestan- 
den haben, lässt sich schwer ermitteln, weil den römischen 
Komikern griechische und römische Sitte durch einander läuft. 
Da aber auch bei Terent. Phorm. I, 1, 12: 

Porro autem Geta 

ferietur alio munere, ubi era pepererit; 
porro autem alio, ubi erit puero natalis dies, 
ubi initiabunt: omne hoc mater auferet 
offenbar zunächst an hellenischen Brauch gedacht ist, so 
liegt kein Grund vor, die von Plaut. Epid. V, 1,33 und 
Kud. IV, 4, 110 genannten Sächelchen nur auf Rom zu be- 
ziehen: ensiculus aureolus literatus, securicula aurea literata, 
lunula, anellus aureolus, silicula argenteola, sucula, duae con- 
nexae maniculae. Diese TizpiaTira dienten fast alle als Schutz- 
mittel gegen Bezauberung: Jahn Ueber den bösen Blick 
S. 42 und nebenbei auch als ä^ay^utpiaiiaxa: Cic. Brut. 91. 
Vgl. Mus. Pio-Clem. III, t. 22 und Hattemer Aus dem 
Leben der Kinder in Hellas und Rom. Mainz, 1865, 
S. 6 ff. In einer Reihe von bemalten Vasen, deren Bilder 
sich auf das Kinderleben beziehen, will man Geschenke für 
die Wöchnerin erkennen. In Bezug auf die regelmässige Feier 
des Geburtstages, welche von K. F. Hermann für Griechen- 
land erst von der makedonischen Periode an nicht geleugnet 
wird, scheint mir doch Petersen in der schon angezogenen 
Schrift genug Momente geltend gemacht zu haben , um das 
Vorhandensein des Gebrauchs den Griechen der älteren Zeit 
vindiciren zu können. Abgesehen von Terent. Phorm. I, 



26 Zweiter Excurs 

1, 14, durch welche Stelle sich Schömann bewogen gefunden 
hat, wenigstens die Feier des ersten Geburtstages einzuräumen, 
lässt sich freilich überhaupt aus den römischen Komikern kein 
zwingender Beweis beibringen, da eben die zu Grunde liegen- 
den Originale der makedonischen Zeit angehören, obgleich es 
wieder kaum glaublich ist, dass eine von aussen, vielleicht 
aus dem Orient, eindringende Sitte sich so schnell des gan- 
zen Volkes bemächtigt hätte, wie aus Plaut. Pseud. I, 2, 
32—92 und III, 1, 9 ff. hervorgeht. Plat. Alcib. I, p. 121 
und Herod. I, 131 stellen nur den geräuschvollen Glanz der 
persischen Geburtstagsfeier der Einfachheit der griechischen 
gegenüber. Die schon von Herodot. IV, 26 erwähnte Feier 
der Genesien (s. d. Excurs zur IX. Scene) und der Glaube an 
die Göttergeburtstage (Lobeck Aglaoph. I, § 4 u. 5 und 
Petersen S. 314ff.) fallen ebenfalls schwer ins Gewicht, am 
schwersten aber die Nachricht über Timoleon bei Cornel. 
Nep. Timol. 5: proelia maxima natali suo die fecit omnia; 
quo factum est, ut eins diem natalem festum haberet universa 
Sicilia. Denn wenn die Allgemeinheit der Geburtstagsfeier 
nicht vorhanden gewesen wäre, würde es wohl den Sikulern 
ebensowenig eingefallen sein den Geburtstag Timoleon's als 
Festtag zu feiern, wie uns unter gleicher Voraussetzung in 
den Sinn kommen würde, dieselbe Ehre den grossen Männern 
'inserer Nation zu erweisen.] 

Den Namen bestimmton bereits im heroischen Zeitalter 
die Aeltern: Homer. Odyss. VIII. 554: dXk' Itü r.äm ri&ev- 
rai, i-nsi xs xixiuat toxtjSq, \\\ der IJegcl wolil der Vater; doch 
moss es auch von Seiten der Mutter niclit ungewöhnlich ge- 
wesen sein, da Burip. Phoen. 67 die lokaste sagen lässt: 

— Tijv ßiv ''laii-rjvrjv naT/jp 
tbvdfiaet, Ti)v di npoai^sv 'jivTtydvrjv i/u>. 
Da mochte es dann auch zuweilen wohl Streit darum zwischen 
den Gatten geben, wie Stropsiades, der aristophanische George 
Dandin, Nub. Go klagt: 



zur ersten Scene 27 

[j.£Tä raüiV , oncug vuiv iyivsff-'' ulog oÖToai, 

ißoi T£ drj xal rfj yuvatxl rfj ''yaHf^, 

nepi Tobvüßarog dij ''vreüd'EM kkoi'hpoüßSf^a. 

Er wollte nämlich den Sohn nach dem Grossvater 0si8ajviorjt 
nennen, denn das war, wie es scheint, das Gewöhnlichste. 
Eustath. ad Iliad. V. 546, p. 581, 4, wo Orsiloclios schon 
den Namen des Grossvaters führt, sagt: cardov dk xac otc 
naXatrarov e&og rjv, zoug iyyo'^uoQ xalaccrD^at tocq töjv naTtniov 
dv6/xa(Tcv, und so finden wir es sehr häufig, besonders bei dem 
ältesten Sohne, z. B. Demosth. adv. Boeot. ovö/x. § 27: 
d$coT 8' aoTog oug oij npscrßÜTspoQ a>v rouvo/x^ ^^'^ "^^ "^^^ 
Tzphg TzaTpog narmou. So ist es von Kimon bekannt (Plu- 
tarch. Cim. 4), so von Gryllos, Xenophon's, von Phokos, Pho- 
kion's Sohne u. a. [Ebenso bekamen die Mädchen oft die Na- 
men der Grossraütter: Isaeus de Pyrrhi her. § 30: ol 8s 
Tou Ilüfjfjoo ßs7oi iv rfj Sexdzyj (pdaxovrtg Tzapaysvia^at zo 
r^g zijBrjg ovoixa KXeczapizrjv zov nazdpa ipiapzüpr^aav d^ia^ai 
aozfj. Ueberhaupt blieb man gern bei den Namen der Ver- 
wandten; PJut. Demetr. 2 und Freunde: Lucian. Tim. 52; 
Pausan. V, 3, 4; Plut. Pelop. 10; Thucyd. VIII, 6.] — 
Nicht selten erhielt der Knabe aber auch wiederum den Na- 
men des Vaters, wie Demosthenes; oder es wurde ihm der- 
selbe etwas verändert gegeben, wie Naoa><pdoQ Nauaivcxou, 
KaXXtazpazog KakXtxpdzoug u. s. w. S. Böckh ad Pind. 
Pyth. IV, p. 265. Auch bei Geschwistern scheinen solche 
Assonanzen nicht ungewöhnlich gewesen zu sein, wie z. B. 
bei Lysias in Diogit. die beiden Brüder Diodotos und 
Diogeiton heissen. Endlich finden sich auch wirkliche Patro- 
nymika, wie z. B. 0u)xuov OJjxou, [wiewohl auch andererseits 
Patronyraika ohne Beziehung auf den Vater gebraucht wur- 
den. Vgl. Pape, Wörterb. der griech. Eigennamen, 
herausgegeben von Benseier S. XXXII. J 

Es sei hier eine kurze Abschweifung über die griechi- 
schen Personennamen gestattet. Bekanntlich waren bei den 



28 Zweiter Excurs 

Griechen keine Familien- oder Geschlechtsnamen üblich. Ein 
einziger Name diente zur Bezeichnung des Individuum. Da 
aber diesen Namen mehrere führen konnten, so wurde, um 
Verwechselung zu vermeiden, des Vaters Name hinzugesetzt. 
Das nannte man Tzazpö&ev Svofid^sa&ac (Xenoph. Oecon. 
7. 3; vgl. Herod. L 173 /ir/zpo&sv) und daher die Anführung 
der zweckmässigeren römischen Sitte bei Pausan. VII, 7, 4: 
inec xaXoüvTac ye oh TMzpuh^äv ol 'J^aj/Macoi xazä raorä "EXXrj- 
ocv, dllä xai rpia, urMZS okiytara, xai izi TJdova dvonara 
kxdaru) rc&svzai. Ausserdem wusste sich namentlich der atti- 
sche Witz im gemeinen Leben vortretflich durch Beilegung 
von Spitznamen zu helfen, die oft autfallenden Eigenschaften, 
oft auch blossen Zufälligkeiten ihren Ursprung verdanken 
mochten. So hiess Demosthenes von Kindheit auf BdraXog, 
wie Aeschin. in Timarch. § 12G sagt: i'^ brMxoptaixa-6g 
Ttvoe Tcrf^r^g (vermuthlich weil er als Kind stotterte, ßaxza- 
ptZstv, wiewohl Aeschin es § 131 dem Namen eine gehässi- 
gere Deutung gibt). Vgl. Demosth. de cor. § 180. So er- 
zählt Eustath. ad Iliad. XXI. 393, p. 1243 von dem Dich- 
ter und Redner Dionysios: ?)Q XaXxuög ixkrjhrj dcä zo aufißou- 
Xeuaai 'Ad^yjvaiüig ^aXxa} vo/xia/xarc ^pr^aacri^ai. Eine Menge 
Vogelnamen als Zunamen giebt Aristo ph. Av. 1291 ff. an: 

llipdi^ ßkv etq xdmjkoq wvofiä^eTo 
^loXög, MevirzTTtfi J' ^v XsXtdiov roovoßa, 
X)nouvTi<{i d^ d<pdaXßov oux s^ajv Aöpa$, 
Köpudoi ^tXoxXeei, XTjvaXwmjS Oeoyivet, 
Vßti Aoxoüpyt/i, Xaepe^ütPTi Auxrepcg x. t. X. 

Auf gleiche Weise hiess der etwas frostige Tragödiendichter 
Theognis Äccuv, Aristoph. Achurn. 138, Thesmoph. 170; 
und als allgemeine attische Sitte schildert es nach einem Frag- 
mente des Anaxandridos Athen. VI. 40, p. 242: zcijv ds zoc- 
oÜTiuv inidsTojv, ä im X^-^^'Ti '''''''J'^«">< nat'^^ovTse iXsyov, pvi^/xo- 
veOec 'Ava$av8p{(irjf iv 'OduaasT outujs' 



zur ersten Sceno. 29 

ößsts yäp äkk-fjkoui; äei )(ksudZ£T\ 613'' dxptßwg. 
äv ßkv yäp rj Tcg eÖTzpenrjg, 'Ispuv ydßov xakehe^ 
idv de ßcxpuv navTsküig än^pätntov, ^■zakayßöv • 
kaßnpög reg i^eki^ku^', e(j&ug''Okokug ouTog i<mv,' 
hnapög neptnaret ärjßoxk^g, Ziußög xarußvöfiatrcat' 
^aipei Tig aö)^ß<bv xal /!>unwv, KovtopTÖg ävani^vev. 

[Vgl. Xenoph. Hell. 11, 3,31; Lucian. Symp. 6; Athen. 
X, 48, p. 436; Demosth. c. Mid. § 103. Weichert Le- 
ben und Gedichte des Apollon. v. Rhod. S. 73; Sturz 
Opusc p. Il7ff. Bergk Com. att. reliqu. p. 115.] — 
Ueber ähnliche Beinamen der Hetären s. den von ihnen han- 
delnden Excurs. Doch ich kehre zur Kinderstube zurück, um 
von der ersten Pflege des Kindes zu sprechen. 

Was hier zunächst die r/jojpjy oder Ernährung der Kinder 
anlangt, so sagt zwar mit Becht Plutarch. de educ. puer. 
5: ^£? 8s auTUQ Tag /ir^ripag rä zixva rpi^scv xa) roÜTOig 
tme/scv Toog naaroög, aber dieses geschah, wenigstens bei 
der bemittelten Klasse, in den meisten Fällen nicht, und der 
Gebrauch der Ammen wa^ sehr allgemein. [Bereits in den 
homerischen Gedichten ist das Verhältniss gemischt. Wenn 
neuerdings wieder Forbiger Hellas und Rom, B. I, Ab- 
theil. 2, S. 51 wahrscheinlich nach H. Krause in Pauly's 
Realencykl. B. HI, S. 26 und Gesch. der Erzieh. S. 79 
sagt: »Schon bei Homer werden die Kinder nur von Ammen 
gestillt« , so ist doch das Beispiel der Hekabe IL XXH, 83 
und der Penelope Odyss. XI, 448 deutlich genug bezeugt, 
wenn man deshalb auch nicht nöthig hat, an anderen Stellen, 
wie namentlich Odyss. XIX, 483 den Ammendienst von Skla- 
vinnen zu leugnen.] Die rcrHrj aber oder r.'rt^iy (Eustath. 
ad Iliad. VI. 399, p. 650, 22; T^^jyviy bedeutet auch die 
blosse Wärterin, so wie rcBr^vug auch den rpo<pzüg) war kei- 
neswegs immer eine Sklavin, sondern selbst in Athen ^aben 
sich arme Bürgerinnen für Lohn dazu her. Demosth. adv. 
Eubulid. § 35: instra xäxs7vo rcept rf^g fii^rpög ecpr^xsv, orc 



30 Zweiter Excnrs 

ircT&£Uff£V, T/iielg 8k ots tj noXig r^'üy^s.i xm tÄ'v-zq xaxcjg 
inpaztov, ohx äpvoufieda toüzo yeviadat. Dann: xal yap vuv 
daräg yuvaTxag, TioXXäg ebpr^az-s ■ztzB^c.uouaag: und § 45: wg 
yäp iyu} dxoOcu toVmi rtzi^ai xac ipcdoc xat zpuyrjzpiai ysyu- 
vaacv uTzö zwv zrjg TioXeiog xaz' ixscvoug zobg ^povoug aup.fo- 
pu)V dazai yuvalxeg. Es geschah auch sogar, dass spartani- 
s che Ammen , die in der Wartung der Kinder besonders be- 
rühmt waren, gekauft wurden, wie für Alkibiades. Plutarch. 
Lyc. 16: r^v ok Tiepl zag zpoipoog iTn/idhcd zcg /xaza zs/vr^g, 
war' ävsu OTiapydvcjv ixzptipoöaag zb. ßpiiprj . . . Scö xal zutv 
£$a)&£v ivcot züTg zexvoig Aaxvjvixäg iiuvouvzozizi^ag' xai zr^v 
ye zbv 'ABr^vacov 'A?iXißcdSr^v zcz&auaaaav 'AjiuxXav lazopoöat 
ysYovevai Jdxatvav. Vergl. Alcibiad. 1, wo Antisthenes als 
Gewährsmann angeführt wird [und Bulletino di corrisp. 
archeol. 1841, p. 56.] Sonst verlangt Plutarch. de educ. 
p. 10 nur zo?g rjDsacv 'EUr^vidag, eine Forderung, der freilich 
nicht immer genügt werden mochte und konnte. 

Ausser dieser natürlichsten Nahrung, und jedenfalls erst 
nach der Entwöhnung, pflegte man den Kindern Honig [wahr- 
scheinlich mit Honig versüssten Brei] zu geben, s. Böckh 
ad Find. Olymp. VI, p. 158. — Waren sie so weit, dass 
sie festere Nahrung geniessen konnten, so geschah das Füt- 
tern auf keine sehr empfehlenswerthe Weise. Die zc'zt^rj kauete 
nämlich die Speise vor und gab sie dann dem Kinde, ftaauj- 
{xivrj ioiztZev. Theophr. Char. 20: zo Tiaedtov zrjg zt'zi^g 
d^ehJpevog jiaawiievog mzü^siv abzbg. Aristoph. Equit. 717: 
xa»>', u)aT:ep al ziri9at ys, aniZsii xaxSii. 
(laaüifitvoi yäp rtp /ikv okiyov ivTif^stq, 
oÖTui <J' ixtivou rptnkdatov xazianaxaq. 
Das hiess auch ^'<u/i<'Ce<v. Lysistr. 19, Thosmoph. 692; 
Izo welchen Stellen K. F. Hermann noch Arlstot. Khet. HL 
4. 8 und Sext. Empir. udv. Mathem. H. 42: imxozwg 
zaus T/zhaeg, ai ptxpbv zno ^HOjLt'njmzng zolg nacSeoig 8t8oi)aai 
TÖ ZXov xazam'vooffcv gefügt hat.] Unglaublich ist es, was 



zur ersten Scene. 31 

Athenäus erzählt, dass jemand aus Bequemlichkeit diese 
Gewohnheit sein ganzes Leben hindurch beibehalten habe, 
XII. 40, p. 530: layafjiv ruv Mapiavoovov unu Tpo(pifi ai-zti- 
a^ai /ikv jJLixP' yipojg ix tou rrjg rcr&r^g ar6}iaTog, "va fii) 
fiaaat/xevoi; novrjcrscsv. 

Was die übrige Pflege anlangt, so finde ich Wiegen zu- 
erst von Plutarch erwähnt bei Proclus ad Hesiod. i. x.55. 
748: o OS UXoürapy^ug <pr,aiv, ort {irj 8e7 rä veoyvä dxtvi^Ta 
iäv xa\ dnoTt^zaBat iv dxivrjTocg . . . ocd ztatv euxcvrjTa xXtvi- 
8ta nsixrj^dvr^rai r.pug rrjV rwv naioiojv sovijv (wenn das Letz- 
tere nicht Worte des Proclus sind). Wenigstens weiss Plato 
nichts davon, der Leg. VII, p. 789 sie gewiss nicht uner- 
wähnt gelassen haben würde, da er ebenfalls viel Bewegung 
verlangt und deshalb vorschreibt: zr^v xüooaav TiepmazeTv (vgl. 
Aristot. Rep. VII. 16), dann zag rpoipoug ränacota rj zpög 
dypoug ^ npbg kpä ^ izpog olxec'oug dzi irq (fipeiv, und selbst 
der Schaukel gedenkt. Zwar wird öfter die axd<prj, eigentlich 
eine Mulde, erwähnt, und auch Aristot. Poöt. 16 sagt: iv 
zfj Topdi otä zr^g axd(pr^g (^ dvayvujpimg zutv ttouocuv) [vergl. 
Jahn in Gerhard's archaeol. Zeit. 1853, S. 127]; allein 
wenn auch die axd^rj zu ähnlichem Zwecke gebraucht wurde, 
wie auch bei Theocrit. Id. XXIV. 10 der Schild, so scheint 
doch in keiner Stelle eine eigentliche Wiege verstanden wer- 
den zu müssen. (Doch Phylarch bei Athen. XIII, 85 p. 607: 
ore OS xlaioi {zö ßpi^og)^ zfj Tipoßoaxßi -njv axdxptjv ixtvse 
xai xazsxotfic^öv auzo. Noch handlicher als die axd^rj war 
die Korbschwinge, Xc'xvov, bereits in Homer. H. Merc. er- 
wähnt. Eine schubförmige, mit Handhaben zum Aufhängen 
an Stricken versehene Schwinge befindet sich auf einer be- 
malten Trinkschale des Museo Gregoriano: Panofka, Grie- 
chen u. Griechinnen T. I, 1. Guhl u. Koner Fig. 232.] 

Wohl aber trugen Mutter und Wärterinnen die Kleinen, 
um sie einzuschläfern, wie bei uns, schaukelnd und singend 
auf den Armen umher, wie es Plato p. 790 schildert: ^vcxa 



If 



32 Zweiter Ezcnrs 

yap ä\) Tzou ßoohjBivat xaraxoifie^scv zä 8uauT,voov~a zoJv nat- 
Smv ai fiT^rspsg, ou/ ^au^tav auroTg Trpoa^spoomv, dX),ä zoo- 
vavzcov xcvrjöiv ev zalg dyxdXaig dsi aeiouaat' xac ob atyr^v, 
dXM zcva fxeXwdtav. In Bezug auf dieses Einsingen sagt auch 
jedenfalls Aristo t. Probl. XIX. 38, p. 920Bekk.: 8tä z( 
pvb[Lib xaX pilei xm oXuyg zdeg aojKp (oviatg ^atpouac ndvztg; 
(njpsiov 8k zä naiSca euBug yevopsva ^aipscv abzoTg. Solche 
Gesänge nannte man ßaoxaXrjpaza oder xazaßaoxalri- 
OEtg. Athen. XIV. 10, p. 618: al 8e zu/v zcz&euouaaiv w8ac 
xazaßauxaXrjoecg dvopdCovzac. Bei Theocrit. Id. XXIV. 6 
findet sich zwar nicht ein eigentliches Schlaflied; aber von 
Alkmene, welche die Zwillinge einschläfert, heisst es: 
änro/xiva de yuvä xspaAäg fiu^T^ffaro Tzaidwv • 
eüSer'' ißd ßpi^ta yXuxtpöv xai iyipaifxov ünvov 
euder^ ifxä (po}(d, Jy' ädeX^Eui, euaoa zixva' 
okßioi ebvdt^ot(T&£ xai okßiot äw idons. 

So ungefähr ging es in einer griechischen Kinderstube her. 
Zur Vervollständigung des Bildes (zum Theil von der schmutzig- 
sten Seite) können noch'Stellen wie Aristoph. Nub. 1383ff. 
Lysistr. 1410. Lysias de caede Eratosth. § 9 ff. 
dienen. 

Man beeilte sich, wie es scheint, nicht, die Kinder zum 
Laufen anzuhalten, und eine zahlreichere Bedienung machte 
das auch überflüssig. Ob die Unterscheidung des Aristo- 
phanos von Byzanz, welche Eustath. ad Iliad. IX. 518, 
p. 127, 16 angiebt: naioi'ov zo zpt(püps.v(>v uno zcz&^g, 7:ac8d- 
ptov zo TTepimxzoüv xai tjo-^ Xi^eiog dvzcXapßavt'msvov , streng 
zu nehmen sei, steht wohl sehr zu bezweifeln, wenn auch bei 
Pol!. II. Q , wo die Benennungen allerdings nach den ver- 
schiedenen Altersstufen geordnet scheinen, mxtSdptov auf nut- 
S(ov folgt; |vgl. Nauck Aristoph. Fragm. p. 88 — 92.1 l^io 
Knaben (von den Mädchen versteht es sich von selbst) blie- 
ben auch dann noch unter den Händen der Mütter und Wär- 
terinnen, nach Dato Leg. VIL p. 794 bis zum sechsten 



zur ersten Scene. 83 

Jahre; und so lange blieb auch die Erziehung der Knaben 
und Mädchen ungetrennt. Aristot. Republ. VII. 17, p. 1336: 
TocüTjyv yap "nyv r^Xixtav xal ftd^P' '^'^^ kmä stujv dvayxäcov 
otxoi rijv rpo^v e^scv, 

Dass den Kindern allerhand Spielzeug zur Beschäftigung 
gegeben wurde, ist natürlich, und es ist von diesen mitunter 
freilich kostbaren Kleinigkeiten, die zum Theil auch als Wie- 
dererkennungszeichen , yvujfjcaiiaza , dienen konnten, schön 
Sc. XI, Anm. 2 und oben die Rede gewesen. Ausserdem wa- 
ren aber auch eigentliche Kinderklappern gewöhnlich, die bei 
den Griechen tilaTayai hiessen , und als deren Erfinder [oder 
vielleicht Verbesserer] Archytas genannt wird. Aristot. Ke- 
publ. VIII. 6: xat t^v 'Ap^urou nXarayrjv oTeaBai ysvia&at 
xaXujg, rjv 3t86aai To7g natdi'otg, onujg ^piu/ievoc zaürrj pr^okv 
xarayvötuat ruJv xarä rrjv olxcav: vgl. Po 11. IX. 127: xaXeT- 
zac fikv oÜt(o (nXarayiuvtov) xa) tö xpozaXov xai zb asTazpov, 
w xazaßauxaXüJaiv at zizi^at. (f'u^aywyouaac rä doaunvoövza 
rtüv natotujv:' [auch Teles bei Stob. Serm. XCVIII. 72. 
Thönerne Figuren und Gefässe mit Steinchen oder Metallstück- 
chen als Kinderrasseln: Monum. in ed. v. Rochette p. 155 
und 197. Vgl. Becq de Fouquieres lesjenxdesan- 
ciens. Paris, 1869 p. 6.| Interessant ist es aber, auch an- 
deres Spielzeug, wie bei uns, als Geräthe u. dgl. erwähnt zu 
finden. So sagt Strepsiades, Aristoph. Nub. 863: 

8v TzpCJTOv dßoköv Ukaßov ijkiairrtxöv, 
Touzoü ^nptdfirjv aoi Aiaaiotq äßa^ida. 
Po 11. X, 168: ij dk äpaqcg äpd^iov pcxphv xai natXeiv ro7g 
naeStotg. [Bildlich bei Stackeiberg Gräber d. Hellenen 
t. XVII, 3; Panofka Bilder ant. Lebens I. 3; Miliin 
Tomb. Canosa t. 3; Gerhard apul. Vasenb. t. 14; de 
Witte Elite ceramogr. II. 89; Archaeol. Zeitung 
1849 T. II, 1. 0. Jahn Leipz. Bericht. 1854, T. XII, 1; 
XIII, S. 247 ff.; Valentin im Jubelprogr. für Gerhard, 
1865.] So führt Pausan. V, 20, 1 unter den Merkwürdig- 

Oharikles II. 3 



34 Zweiter Excurs 

keiten im Tempel der Juno zu Olympia ein kleines mit Elfen- 
bein verziertes Bett an, das ein Spielwerk, xaiyviov, der Hip- 
podameia gewesen sein sollte. [Vgl. auch G. Krüger, C ba- 
ren und Thanatos, ein Spielwerk aus Atben. Char- 
lottenburg, 1869.] — Dergleichen Spielzeug fertigten sich auch 
wohl die Kinder nach Kräften selbst, wie man ebenfalls aus 
Aristoph. Nub. 878ff. sieht: 

tb^uq yi TOI Traiddpiov S)v ruvvouTovi 

inkarrev ivdov oixiag, vaöi t' Uyku^ev, 

äfia^idag re axutivaq elpydCero, 

xäx Twv aidiiuv ßarpd^oug inoiei, 

und Lucian erzählt von sich Somn. 2: onozs yäp d^e&eerjv 
'tmh TU)V ocdaaxdXwv , dno$d(ov äv rbv xrjphv ^ ßuag iy Tnizoog 
ij xai vi} de" dv&pwTZüog dvirJarrov. Vergl. P 1 u t a r c h. 
Dion. 9. 

Besonders aber fehlten die Puppen, xopac, nicht, und die 
xoporJd^ot oder xoporddarai hatten deren stets auf dem 
Markte zum Verkaufe. Diese xopat aber waren freilich ande- 
rer Art als die Puppen unserer Mädchen. Sie waren aus Thon 
geformt und bemalt, wie man aus mehreren Stellen deutlich 
sieht; z. B. Plat. Theaet. p. 147: ei' rtg ^fxäs rwv <paöX(ov 
Ti xal TTpOjfse'pojv epoczo, olov nepl ttt^Xou, 8, tc nor^ iariv, et 
dr.oxptvatiiet^a auruy Tzr^XuQ b ruiv ^urpiiuv xal TzrjXoQ b roJv 
xoponXd&ujv xal TrrjXug b zutv nkcv t^oupyöJv , oux äv yeXoToi 
elpzv ; Demosth. Phil. I, § 20: "oanep yäp ol nXaTTovzeg 
Toug TzrjktvooQ elg rr^v dyopdv ^etpoTovecre roug ra$tdp)(ous 
xal Tohg <pt)Xdp^oog, oux enl rbv nbkeiwv. Lucian. Prom. 
in vorb. 2: xal zu /tkv oXov ev Tc^kio ^ nXanzixrj xazä zauzä 
rote xopnnXdBotg. Lexiphau. 22: wf vuv ye ikeXi^&eig aau- 
rbv To?f uTcb zuiu xoponMf^cJV elg z)jv dyophv TiXazzojiivotQ 
ioextug, xe^piuffpivog pev zfj fi.iXz(p xal zip xuavot, zb 
(5' ivSo^ev ni^Xivög ze xal süHponzog wv. Vgl. Isoer. 
de perraut. § 2. — |Es gab, was Becker mit Unrecht ge- 
leugnet hat, auch solche Puppen aus Wachs: Ruhnken ad 



zur ersten Scene 35 

Tim. Lex. Plat. p. 165; Phot. lex. p. 431. Schol. zu 
Theoer. II, 110. Vergl. Bast Epist. crit. p. 196. Di« 
Wachspuppe hiess jonisch vorzugsweise ddyuvov und dorisch 
dayög, wogegen vu/x^tj oder nXayywv allgemeine Bezeichnung 
der Puppe war. Man hat oft Thonpuppen mit beweglichen 
Gliedern in Kindergräbern gefunden, z. B. Stephani Mö- 
langes greco-rom. 1851, p. 186; Roulez in Me'm. de 
l'Acad. Belg. t. XIX. Stephani in Compte rendu pour 
1868, t. I, n. 18; pour 1872, t. III, n. 5. Biardot Terres 
cuites pl. 5; Lenorraant Coli. Raife n. 1035. 1036. 
1041. Panofka Griech. S. 15; Becq de Fouquieres 
p. 28 u. 29. Michaelis in Archaeol. Zeit. 1872, S. 140 
über ein Relief aus dem Piräeus. Da die griechischen Mäd- 
chen gewöhnlich im 15. Jahre (Xenoph. Oecon. 7, 5), oft 
aber auch im 13. (Corp. Inscr. Gr. n. 6252. 6263. 6462), 
ja sogar im 12. (ebendas. n. 6631) heiratheten (die Vorschrif- 
ten bei Hesiod. 0. et D. 695, Plat. Legg. p. 785 und 
Aristot. Polit. VII, 14, 6 sind für die Praxis nicht mass- 
gebend) , so verblieben ihnen die Puppen bis zur Hochzeit, 
vor welcher sie dieselben der Artemis weihten. Daher beisst 
es in Anthol. Pal. VI, 280: 

Tißapira izpö ydßoio rä rufinava ttjv t' iparetvrjv 

a<paXpav tov T£ xofias pOropa xtxpufpakov 
TÖg dk xopaq, Atfiväxi, xopa xopa, wq inieixig, 

äv^ezo xal rä xopäv ävdufiar^ ''Aprifudi.'\ 

Aus obigen Stellen erfahren wir aber, dass diese Thonfiguren 
keineswegs etwa bloss Puppen für Mädchen waren, sondern 
vielmehr Figuren aller Art; vergl. Suidas s. v. xoponMßoi: 
ot xazaaxzudZovrsg el'oajXa ßpa^za ix Tny^ou Ttdvriov Cn^iov, 
(HQ i^anazäaBai rä naiddpia sYiu&sv, und dasselbe folgt aus 
Demosthenes Worten, die nur dann rechten Sinn haben, wenn 
wir Figuren von Kriegern, Feldherren u. s. w. verstehen. Auch 
an mythologischen Figuren mochte es darunter nicht fehlen, 
wie denn wirklich der an den Baum gebundene Marsyas als 

3* 



3g Zweiter Excurs 

ein bekannter Gegenstand dieser Art vorausgesetzt wird bei 
Achill. Tat. III. 15: rojv 8e veavcaxojv 6 izspog dvaxXcvag 
oÖT^v unrcav edr^aev ex TcarzdXujv im zr^g y^g iprjpscafjiiviov, 
oeov Ttocouacv ol xopon^d&oi töv Mapaüav ix zoo 
foroo dedsfxsvov. [Vergl. über die alte Thonbildnerei im 
AUg. Müller Archäol. § 305. 3. Wie die Puppen für die 
Mädchen gaben auch Enten, Schwäne und Gänse ein belieb- 
tes Spielzeug für die Knaben ab: 0. Jahn in Leipzig. Be- 
richt. 1848 S. 41 ff. 1854 S. 250ff. Stephani Compte 
rendu pour 1863, S. 53ff. Conze in Annali XXXI, S. 32ff. 
Ueberhaupt scheinen diese Thiere (schon die Gänse Penelope's: 
Od. XIX, 536 deuten auf solche Liebhaberei hin) in der 
Gynäkonitis gern gesehen gewesen zu sein: Stephani 
Compte rendu p. 1863, S. 51ff. 1868, S. 68ff. Cataloghi 
de Museo Campana cl. IV, S. 14, n. 66. 72. 73; S. 17, 
n. 16; S. 21, n. 210; S. 20, n. 146 — 149. Michaelis in 
Archaeol. Zeit. 1872, S. 142. Aber auch mit kleineren 
Vögeln, die sie an einem um die Füsse geschlungenen Faden 
festhalten, erscheinen Knaben häufig auf Bildwerken: Arch. 
Zeit. 1867 S. 126; 1874 (Bd. VI) S. 126. Heydemann 
Neap. Vasens. n. 1934, S. 138; n. 2577, S. 341; n. 2880, 
S. 424; n. 3221, S. 507; n. 3377, S. 608. Auch der Drache, 
dsTus, kommt vor: Heydemann in Bull. d. inst, di corr. 
arch. Rom. 1868 p. 35 und 38.] Selbst der am Faden flie- 
gende Käfer fehlte nicht, wie man aus Aristoph. Nub. 764 
sieht : 

XtvödtTov wffnep ftrjXoXövßrjv rou nodöi. 

Vgl. Vosp. 1341, wo der Scholiast anmerkt: ^puaoprj^^o- 
X6v&cov dk Zi>iu<pi6v rt ian xard xdvHapnv, $avf^ov, ß xal xa- 
ri^ovT&i Ol naidtg oeaixtuooaiv ix toTj noooQ xal dtpiäai Tiphg 
xbv depa. Herodes bei Stob. Serm. LXXVIII. 6: 
^ Tjy <rt firjXdv&fjaiv Sfi/xar* i^dnrtov 
roö xtffxtou (IUI TÖV yspovra Kiußijrat, 

[Vgl. Suid. 8. fxfjkoX6v&tj\ Po 11. IX, 134 und Grasberge r 



zur ersten Scene. 37 

Erzieh, und Unterr. im klass. Alterth. I, 1, S. 74ff.] 
Sehr anmuthig und das Familienleben selbst in dem rauhen 
Sparta charakterisirend ist, was vom Agesilaos erzählt wird, 
der unter seinen Kindern auf einem Rohre (Steckenpferde) 
uraherreitend angetroffen wurde. Plutarch. Ages. 25: rjv 
8k xal (ptXöxExvuQ u 'ApjffcXaog dcaipzpovnug^ xai mpt kxetvoo 
ro T^g natdiäg Xiyooffcv, ort [xtxpoig zoTg Tiaidtotg oufft xd?.afLov 
iTspißeßr^xajg uxmep Tttttov oTxoc avvenac^ev d<pBsig Se unu rc- 
vog TuJv ^cXoJV TzapexdXei^ jirjoevt <ppdaat Tiph Slv xai aovbg 
narrip rcaidwv yivrjxat. Vgl. Apophth. Lac. 70; Aelian. 
Var. Hist. XII. 15. Valer. Max. VIII, 8, Ext. 1. [Ausser- 
dem sei hier noch erwähnt der Tpo^ug oder xptxug, ein me- 
tallener, mit klirrenden Ringen oder Schellen versehener 
Reif, der mit einer eisernen Ruthe, iXarijp, getrieben wurde: 
Acron zu Horat. Od. III. 24,57. Horaz nennt ihn hier 
trochus Graecus, entweder weil die lärmendere Ausstattung 
des Spielzeugs aus Griechenland nach Rom gewandert ist, oder 
weil dort Alt und Jung mit Leidenschaft die Kunst (Ovid. 
Trist. II, 486) des Reifschiagens trieben. Vergl. Artemid. 
Onirocr. I, 55. Archaeol. Zeit. 1853, S. 53. Winckel- 
mann Monum. ined. t. 194 — 196. Raoul-Rochette Mo- 
num. ined. p. 233. Lenormant und de Witte Elite 
ceramogr. t. I, pl. 18. 25. III, pl. 3. IV, pl. 48. 49. Benn- 
dorf Arch. Anz. 1867, S. 114. Der Kreisel, ^o/;t/9of oder 
arpoßdog, auch ßipßt^, gewöhnlich aus Buxbaumholz (Jahn 
ad Pers. III, 51; Grasberger S. 77) wurde entweder mit 
der Peitsche getrieben: Kleobulos bei Diog. Laert. I, 82: 

ol d' äp'' UTTU TzXrjyrjai ßoäq ßißßixaq U^uvreq 
MaTp£(pov eupeifj naldeg ivl rpt6d<f), 
vergl. Aristoph. Av. 1461ff. Lucian. Asin. 42; BasiL 
Hexaem. horail. 5 (wobei die Knaben riefen t^v xarä aau- 
Tüv iXa oder azpi<foo^ prj "azaaai: Suid. s. v. r^v x. a. e. 
Paroemiogr. Gr. ed. Leutsch und Schneidew. t. II, p. 217 
n. 674), oder man brachte ihn mit der Hand oder durch eine 



38 Zweiter Excurs 

sich schnell abwickelnde Schnur zum Drehen, wie aus Plut. 
Lys. 12 und Plat. de republ. IV, p. 436 E geschlossen 
wird. Vgl. Jahn in Leipz. Bericht. 1854, S. 257. Auch 
der Kreisel wird nebst anderem Spielzeug von dem aus den 
Kinderschuhen tretenden Knaben dem Hermes geweiht nach 
Leonidas in d. Anthol. ed. Jacobs t. I, p. 289 : 

eüfTjßov TOI a<paipav, iöxpöraXäv t£ ^iXoxk^q 
'Epfisirj rauTfjv Tzu^ivirjv ■KXatayijV, 

äarpayälaq i?' aTg izöXX^ iTzeiiT]vazo, xal ruv khxruv 
ßoßßov^ xoupoaüvTjg Tzaiyvi^ ävsxpißaaev. 

Vgl. Grasberger a. a. 0. S. 77 u. Becq de Fouquieres 
p. 170 ff. ~ Die alwpa oder Strick Schaukel ist ebenfalls ein 
wohlbezeugtes Kindervergnügen, das dem unsrlgen ganz gleich 
beschrieben wird von Pausan. X, 29, 3: i)pa 8k {'Apcddvi^) 
ig TTjV ddeX^jV 0a:Spav, tu ts äXko atpüO[i£vrjV auip-a iv 
aeipa xai TaTg '/epalv d/x^0Tsp(u&£v r^g astpäg i^ofievr^v, vgl. 
das Vasengemälde im Bullet, dell' Instit. archeol. 1829, 
p. 78 und Jahn in Leipz. Bericht. 1854, S. 255 f. Becq 
de Fouquiüres p. 54 ff. Es gab aber auch bequemere, an 
vier Stricken hängende Schaukelstühle: Panofka Bild, an- 
tik. Lebens, S. 39, T. XVIII n. 2 u. 3. Auch das einfache 
Springen über einen geschwungenen Strick zeigt: Clarac 
Mus. de sculpt. Bd. IV pl. 712, n. 1096. Endlich gehört 
hierher noch der Ball, a(pcupa\ doch bildete das Spiel mit dem- 
selben einen wesentlichen Theil der antiken Gymnastik und 
. Orchestik überhaupt. Vgl. Guhl und Konor S. 277 fif. und 
über die verschiedenen Arten intaxopog^ ^amvdrx, dnöppa^cg, 
oupavta, dpnaaTuv G ras b orger a. a. 0. S. 89ff. und Gallus 
III, S. 123 tf. 

Andere gesellige Spiele ergaben sich aus dem Zusammen- 
leben leicht selbst, wie denn auch Plato sagt Leg. XII, 
p. 704: naidiai 8' ela( rotg rrjXixuoToTg aÖTo^usTg Ttveg, dg 
inecodv ^oviXHiuatv wjtoI ff^sSov dvsoptffxooat. Eine Menge 
solcher Spiele nennt Po 11. IX, 122 ß'. Darunter ist die x^^'^V 



zur ersten Scene. 39 

fiuea eine Art Blindekuh: jyoe /«^x^ fiu7a, raivitjL tuj d^&aXfiuj 
nepcaipty^avTSS kvug nacdos, ö fikv r.eptazpifszat xr/pÜTTtov 
^aXxr^v fiuTav ^r^pdaiu- oi 8k. dnoxpcrnftsvoi ' Sr^pdascg dXX' ou 
Xi^(ffec, axureac ßußh'vots naiooaiv aJljTuv, fa»ff zivbg ahrwv ^• 
067«;. Vgl. Hesych. s. MuTa. Eustath. ad II. XXI, 394, 
während die Abart putvda nach Poll. IX, 113 u. Etymol. 
Magn. s. V. dpanertvoa das Errathen der foppenden, das 
Fangen der entweichenden und das Auffinden der sich ver- 
steckenden Mitspieler in sich vereinigte. Das Versteckspiel 
versinnlicht Murr Antichitä di Ercolano I, t. 33, vergl. 
Becq de Fouquieres p. 83. Das eigentliche Fangspiel, 
dno8i8pa(Txcv8a, Poll. IX, 117, wobei ein bestimmtes Ziel für 
die Laufenden die Freistätte bildete, gestaltete sich im oarpa- 
xivoa zu einem Massenwottkampf im Laufen, indem hier die 
spielende Schaar, in zwei Theile durch eine in der Mitte ge- 
zogene Linie getrennt, dastand. Dann warf ein Knabe unter 
dem Rufe w^ f^fiipa eine auf der einen Seite schwarz bemalte, 
auf der anderen weiss gelassene Scheibe oder Muschel in die 
Höhe; kam die Tagseite nach oben zu liegen, so musste die 
Gegenpartei, im umgekehrten Falle die des Knaben die 
Flucht ergreifen. Hauptstellen: Poll. IX, 111. Eustath. ad 
Iliad. XVIII, 543 und Meineke Fragm. com. II, 2, p. 664. 
Vgl. Grasberger a. a. 0. S. 57ff. Unser Plumpsackspiel 
beschreibt mit geringer Abänderung Poll. IX, 115: ly 8k 
a^ocvo^c^tv8a' xd&r^rac xuxXog ^ etg ok cr^omov i^ojv Xa&ujv 
nap' auT(Z Tct^r^ai' xäv pk\> äyvorjcnj kxthog r.ap^ w xstTat, ttb- 
pc&iojv nepl töv xöxlov zoTiTSTat^ et 8k pdf^oc, mpteXaüvst. röv 
Mvza ruTTTtov. Das Königsspiel, ßaatXtv8a^ bestand einerseits 
wohl in der Nachahmung des Verhältnisses zwischen Fürsten 
und Unterthanen: Herod. I, 114; Justin. I, 5; Poll. IX, 
110; Hesych. s. v. ßaadivoa\ andererseits bezeichnete es, 
wie bei uns z. B. das Königthum beim Vogelschiessen, eine 
Belohnung für die beste Leistung in irgend einem anderen 
Spiele: Plat. Theaetet. p. 146 A; Poll. IX, 106; Horat. 



40 Zweiter Excurs 

Epist. I, 1, 59. An die wirklichen Hasardspiele grenzt 
schon der dprcaanog, ludere par impar, apTta ^ neptzzä -nai- 
Cecv, ein ausserordentlich volksthümliches Spiel, welches darin 
bestand, dass der eine Spielende eine Anzahl von Nüssen, 
Bohnen, Mandeln oder Astragalen in die Hand nahm und 
dann den Mitspieler rathen liess, ob die Zahl der Gegenstände 
eine gerade oder ungerade wäre (seltener wurde die Angabe 
der bestimmten Zahl verlangt). Das dp-cd^ecv] scheint vor- 
züglich ein Knabenspiel gewesen zu sein. S. Aristoph. 
Vesp. 295; Plato Lysis p. 207; Poll. VI. 137. Daher 
auch die nicht seltenen Kunstdarstellungen von Kindern, wel- 
che mit diesem Spiele beschäftigt sind. S. British Marbles 
11.31, Clarac Mus. de Sculpt. 323, Be cker Augusteum 
ni. 106, Böttiger Amalth. I, S. 175ff., auch die Kinder 
der Medeia auf einem Wandgemälde Mus. Borbon. V. 33, 
und die Astragalizusen bei Welcker alte Denkmäler B. I, 
S. 248. Man nannte das Spiel auch ^uyä ^ ä^uya, in gemei- 
ner Sprache auch fxovä xal Zoyd oder Zoyä ixovd. Vgl. Schol. 
Aristoph. Plut. 816 und dasselbe Spiel in Gloss. Paris, 
zu V. 1057: TtüaooQ ddovrag etnzv dvz}. zoü miaa i/ecg xdpua' 
7tat8tä ydp iffzc rotauzT)' Spa^djievog rtg xapuojv xdl kxzetvaQ 
T^v /£^a ipojxif, 710 ffa; xal iäv inczO^rj^ Xapßdvsi uaa i/£« 
iv TQ X^tpt' iav 8h diidprrj xarä ttjv dnoxpcaev, dnorivet oaa 
äv o ipojrrjaai: eups^sc^ ^X"^^ •> woraus dann auch auf die 
schöne Emendation von Dindorf bei Xenoph. Hipparch. 
V. 10 noaevda das rechte Licht fällt. — Ausserdem hatte man 
aber noch ein Spiel mit Astragalen, bei dem es nur auf die 
Geschicklichkeit der Spielenden ankam. Man nahm fünf 
Astragalen oder Steinchen, legte sie auf die innere Fläche 
der Hand, warf sie in die Höhe, und suchte sie mit der äus- 
seren Fläche wieder aufzufangen; das hiess nevTsk^tZ^tv 
(Meineke Comic. Fragm. p. 392) oder auch mvrakUiZeiv. 
Poll. IX. 126: rä ok nevrdki^a r^rnt Xi&ßta ^ ij'r^^ot y} dcnpd- 
yaXot nivTS dvtftftfmoijVTOy wins im(T7ps<l'av7a tt^v /£^« Sd$a- 



zur ersten Sceue. 41 

a^at zä dvappt<pHvra xarä zö dma&evap, iy el firj ndvza im- 
azair], za>\> imazdvzojv imxsefxdviuv dvatpztff^at zä Xocnä zo?g 
daxzüXotg. Er setzt hinzu: yuvacxiuv ok ixäXXov iaztv r^ r.ai- 
8id, und damit wie mit der ganzen Erklärung stimmt das be- 
kannte Gemälde (Monochrom) Antich. d'Ercol. t. I, t. 1 
oder Panofka Bilder ant. Lebens XIX. 1, den Besuch 
der Niobe bei Latona darstellend, überein. Die Mädchen spie- 
len dort auf solche Weise mit Astragalen. 

[Die aus den Sprungbeinen der Fersen von Lämmern oder 
Schafen bestehenden Knöchel, dffzpdyaXot, tali, deren sich auch 
die Erwachsenen zu einem ziemlich oomplicirten Glückspiel be- 
dienten, brauchte man ausser dem dpztaafiög und dem Würfeln 
noch zu vielen anderen Spielen, wie unsere Marken oder Rechen- 
pfennige, und wie sehr die griechische Jugend auf deren Be- 
sitz erpicht war, ergiebt sich schon aus Plat. Lys. p. 206E: 
ol 8i ztvsQ ZOO dnodozTjpioo iv yajvca rjpzca^ov dazpaydXoig 
napjiuXXoiQ^ ix ^opp.:axiov zcvwv TpuacpoöpLevot^ noch mehr aber 
daraus, dass Astragalen beim Certiren in der Schule als 
Preise vertheilt wurden, Asclepiod. in Anthol. Palat. 
VI, 308: 

vix^aaq zoug TtalSag, i-rzei xaXä ^päßfiaz' ^ypaipev, 
KiJvvapoq dydwxovr'' äffrpayäXoug Ukaßev. 
Die der Turnschule und dem Leben der Erwachsenen zufal- 
lenden Spiele gehören nicht hierher.] 

Sonst sah man sich sehr vor, in Gegenwart der Kinder 
seiner Würde etwas zu vergeben; und dass auch die Aeltern 
vor ihnen die gegenseitige Achtung nicht verletzten, sieht 
man aus Stellen, wie Theoer. Id. XV. 11, wo Gorgo zur 
Praxinoe, die ihren Mann ein ^dovepbv xaxvv genannt hatte, 



pij kiye töv reöv ävdpa, <piXa, Jsivwva ruiaöza 
TU} fjLtxxw TtapsövToq' opT]^ yüvat, ihg no^opr^ tu. 

und diese darauf spricht: 

dla^dveTai tö ßpi<pog, val Tav -KÖTuiav xaXbg dn^ug. 



42 Zweiter Excurs 

Von den Mitteln zur Zucht empfiehlt Pia to Leg. V, p. 729 
natürlich besonders das vou&erscv und mehr noch das gute 
Beispiel; aber in der Wirklichkeit waren Schläge keineswegs 
das letzte. Auch Protagoras sagt bei Plato Pro tag. p. 325 
und zwar billigend: el 8k firj {nscBsza: ru naidtov)^ oxmep 
^Xov diaazps^ojxsvov xai xaiiTiTo/iBvov zh^vouaiv dTiziXacg xai 
TthrjyaTg. Sie werden überhaupt sehr häufig erwähnt und wur- 
den üblicherweise mit dem Pantoffel oder den Sohlen ertheilt. 
Lucian. Philops. 28: kr.Ei aavddXoj ye ^puaSj ig rag Tiuydg, 
uKTTzsp zä Ttatdca^ Tiac'scr^ac ä^ioc otv ehv ol dmcrzo'ijvzsg , und 
SO öfter. [Vgl. Deor. Dial. XI, 1. Plut. Quaest. graec. 
12. Jahn zu Pars. V, 169. Stophani in Compte rendu 
pour 1872, p. 217, taf. VI. Vgl. 1861, t. V. Ueber das Pan- 
toffelregiment auch den Männern gegenüber: Philostr. Ep. 
37; Lucian. Dial. Deor. XIII, 2; Quomod. bist, conscr. 
10. Terent. Eun. V, 8, 2. Stackeiberg Grab. d. Hell, 
t. 71. Vgl. Jahn in Sitz.-Ber. d. königl. sächs. Ges. d. 
Wissensch. 1855, S. 224.J 

Ausserdem hatte man mancherlei Schreckbilder und Fa- 
beln, durch welche man die Kinder vom Bösen oder, wie man 
sagt, von dummen Streichen abzuhalten und zum Gehorsam 
zu bringen suchte. Dahin gehören die \ixxui und \\X(pizü), 
gespenstische Wesen, von denen man sich wohl selbst keine 
deutliche Vorstellung machte. Ihrer gedenkt Chrysippos 
bei Plutarch. de Stoic. repugn. 15. Er tadelt das Ab- 
schrecken vom Bösen durch Vorhaltung der göttlichen Stra- 
fen, tüf obdkv 8ta<fipovra r^g ^Axxoog xa\ zrjg 'Ak^tzoüg, St^ wv 
rä nacddpta roü xaxoa^oXeiv at yvvdixeg dnsi'pyoomv. [Forner 
die l'eUiü: Hesych. t. I, p. 812: £;o<ü^ov 'E/xmyjffrjg oder 8ac- 
fivjv, 9jV yvvatxtg rA vtoyvd naiSi'a ipaah dfmdt^tcv. Suid. s. v. 
Zenob. Prov. I, 53. Sc hol. z. Theo er. XV, 40], die J«//<«, 
die Moftfiüt oder MopfxoXfixi^ und dgl. m. Strabo L 2. 8: 
rdtg TS yt\f> natal i:ftna<pipojizv roog fjSecg phHoog dg irpozpo' 
«jyv, tlq dnuTptmijv ok roug ^oßepo'jg- ^ zs ydp Adjita pLi^ug 



zur ersten Scene. 43 

eOTt xal rj Vopyuj xai b TAptdXrrjg xat ij Mupixoköxiq. Vergl. 

Meineke ad Menandr. p. 144. [Die Lamia war ein der 

Skylla ähnliches, gefrässiges Meerungeheuer, das ursprünglich 

eine schöne Königin gewesen, wegen ihrer Liebschaft mit 

Zeus aber von Hera ihrer Kinder beraubt worden sein sollte, 

weshalb sie nun aus Neid alle Kinder verfolgte: Diod. XX, 

41; Arist. Pac. 758, Vesp. 1035; Plut. de curios. 2; 

Leutsch Paroemiogr. 2,498; Preller Griech. Myth. I, 

S. 484; Wachsrauth Das alte Griechenland im neuen 

S. 31 u. 57.] Dazu kömmt noch die "Efinouaa, ein Name, 

der jedoch mit Jd/ica verwechselt wird oder als generelles 

Appellativum diese mit in sich begreift. Was man von ihnen 

sich für eine Vorstellung machte, lehrt die Erzählung bei 

Philostr. Vit. Apollon. Tyan. IV, 25, besonders p. 165 : 

rj ^prjazrj vüii<piq jita töjv 'E/xnouauJv icrrtv, Sff Aafuai TS xa t 

MopjioXuxlag ol TioXXui rffoüvrar iptüai o' wjxat xai ä<ppoSt- 

miüv pkv, aapxüjv 8k pdXtara dv^pcumiiuv ipwac, xat naXzooua: 

ToTs dippftScacocg oüs äv i&eXmat dcuaaa^ai. Vgl. VIII. 7. 9. 

p. 341 und was der alte Biograph des Aeschines von dessen 

Mutter sagt: raurrjv 8' ix oxotscvmv Tonujv rotg izaiai xai ra7g 

yuvac^tv oppwpsvT^v "Efinouaav ovojxaaHrjvat , erre« vuxrspivöv 

<pd\)Taaiia yj "Epnouaa, mit Demosth. de cor. § 130. L^S^- 

Lobeck Aglaoph. 121.] Mit einem allgemeinen Namen 

hiessen diese sämmtlichen Schreckbildrr fiopjwXuxeca , bei 

Eustath. ad Odyss. I. 101, p. 1395. 48 auch ßptxeXoc. 

Ein Beispiel, wo die Mutter auf solche Weise das Kind 

zurückschreckt, findet sich bei Theoer. XV. 40. Praxinoe, 

indem sie ausgehen will, sagt zu dem Knaben, der ihr weinend 

nachläuft: 

— obx ä^w TU, Tsxvov Mopßö), däxvet mno^' 
ddxpo\ öaaa ÖeXetg' ^tuAöv <?' ou dec tu jrevic&at. 
Y-gl Arist. Equ. 690 und Eustath. ad Odyss. XIIL 240: 
ro dvapoppöpscv, i$ ob xat tj pohixrj Mop/iuj nXdzTZTat^ 8ac- 
povtüv Ti ^oßepov: auch p. 1714. 33 und mehr bei Kuhn- 



44 Zweiter Excurs 

ken ad Tim. p. 180—182. [Spanheim ad Callimach. H. 
Dian. 67 u. Bern, ten Brink de Lupo, Lamiis et Mor- 
mone. Groning. 1828. Vgl. Monum. Matth. III, pl. 57 u. 
Pitture di Ercolano I, 34.] 

üeberhaupt aber wussten namentlich die Ammen oder 
Wärterinnen eine Menge Geschichten und Märchen {fwBoc) zu. 
erzählen, mit denen sie die Kinder unterhielten, und die ypaajv 
oder TcT&wv iw&oc sind zum Sprüchworte geworden. Plat. 
Theaetet. p. 176, Gorg. p. 527, Bepubl. I, p. 350, auch 
Hipp. maj. p. 286: xac ^pdJvrac {ao\) coanep ratg Tzpzaßüri- 
acv Ol naldeg r.phs zb rjoiiog [xoBoXoyr^oat : Lucian. Philo ps. 
9 0. s. w. — Solche Erzählungen konnten nun allerdings auf 
die sittliche Bildung vom grössten Einflüsse sein, zumal da 
sie in der Kegel mit der Götterlehre zusammenhingen; denn 
die Mythologie zog im Alterthume alles Wunderbare in ihren 
Bereich; eben deshalb aber handelt Plato Republ. II, 
p. 377 flf. sehr weitläufig von der Vorsicht, mit der die Erzäh- 
lungen gewählt werden müssten, weil die jungen Leute, r,Bi- 
i%jj.£Voc Tocg fiu&otg, oog ix viujv natdujv izc iv ydXa$c 7pt(p6- 
lx£voi -zpoiputv z£ ijxouov xac /xrjzepwv, wie er Leg. X, p. 887 
sagt, später richtigeren Vorstellungen schwer Kaum gäben, 
oder wie es Plutarch. de educ. 5 kurz zusammeufasst: do- 
xa? IDÄtüjv b Sacfxövcog ijxueXibg napaevsTv ralg rczf^acg, p}j 
roug zu^övzag fxu^oug zocg natdcocg Xdysiv, iva jxij zäg zouziuv 
(pu^äg i$ ^PX^i^ dvot'ag xal 8ia^&opäg dvam'jiTilaaf^at au/x- 
ßaUvf). Vgl. Paus an. 1. 3. 2: Xiytzat fxkv Sij xai äXXa oux 
d^ijW^ 7:af)ä zoTg noXXoTg^ ota iazopiag dvrjxöotg oitm xai bnüaa 
Tjxouov sudug ix natoojv iv zs ^opoTg xal zpayipdiacg mazä 
rjYoofiivotg. Dass Plato selbst die grössten Mythondichter der 
Nation aus seinem Idoalstaate verweist, ist bekannt, (vergl. 
Bassow Ober die Beurthcilung d. homer. Epos bei 
Plato u. Aristoteles, Stettin, 1852. 4. und Haushalter 
Plato als Gegner der Dichter. Ihidolstadt, 1875, S. 9ff.| 
Aristoteles ßepubl. VII. 17 stellt wenigstens ihren päda- 



zur ersten Seene. 45 

gogischen Gebrauch unter die Aufsicht der Pädonomen: xac 
nspi ^oyojv rs xai fxu&cov notoog ztväs dxouecv Ssc tooq ttjXi- 
xouToug im/ieXeg eariu zoig äp^ouacv, ouq xakdöai natdo- 
vojxoog. 

Welcher Art aber die gewöhnlichen Fabeln und Märchen 
sein mochten, lässt sich aus mehreren Stellen des Aristo - 
phanes entnehmen. So sagt Bdelykleon, nachdem Philokieon 
die Anfänge zweier unsauberen Geschichten von der Lamia 
u. s. w. genannt hat, Vesp. 1179: 

BdEA. fiyj "^ (loiye ßudoug, dXXä ruiv äv^pionivtov 
oZoug ksYOßsv ßdkiara roug xar' olxiav. 
0JA. iyutda Toivuv rutv ys ndvu xar' olxiav 
ixelvov, wg ouzut ttot' iyv ßüg xai yali] — . 

Vergl. Philostr. Vit. Apollon. Tyan. V. 14, aus dessen 
Worten sich schliessen lässt, dass die äsopischen Fabeln zu 
den gangbarsten fio^ocg gehörten [GrauertdeAesopop.SOff.]; 
besonders aber Hermog. Progymn. 1: rbv fw^ov npujrov 
d^iouai TTpoadyeeu rocg vdoig, Stur: rag (f'ij^äg aurtuv npbg rb 
ßilTiov puBptZstv Suvarat^ xai sri änaXobg ovrag aorobg d^couae 
nXdTTStv ^acvovrai 8s toutoj j(py]ffdpsvoi xai oc dp^aToc . . . 
dvopd^ovrat 8k dnu ruiv süpovrcuv ot pkv Kunpcoi, oc Sh Acßu- 
xoi, ot 8s ZußaptTixot, Tidvzsg 8s xocvujg Alaumstot Xsyovrou^ 
SeoTi To7g pu&otg AYaamog k^p-^aaro npog rag aovooatag, aus- 
serdem T h e n P r g y m n. c. 3 , den S c h o 1 i a s t des 
Aphthonius t. II, p. 8fif. und das Spruch wort: ds: r: xai- 
vbv AtßÜTj <pspsi: Schäfer in Gnom. p. 279. Häufig moch- 
ten sich solche Erzählungen in Liederform fortpflanzen, wie 
denn der Chor der Greise in Aristoph. Lysistr. 781 singt: 
/lü^ov ßoüXopat Xs^at riv' bpcv, ov ttot' rjxoua' ahzbg szt naug 
wv, worauf zwei solche Lieder folgen. Au solchen Erzählun- 
gen scheinen aber nicht bloss die Kinder, sondern auch Er- 
wachsene viel Gefallen gefunden zu haben, vgl. Dio Chry- 
sost. XL 42, so dass es Leute geben konnte, welche sich für 
i - Bezahlung zu Erzählern hergaben. Der Art mag in der 



46 Zweiter Excurs 

That Philepsios gewesen sein, von dem Aristopli. Plut. 
177 sagt: 

0tXi</>cog d' ob-/ evexd aoo ßüßuuq Adyst; 

nämlich des Geldes wegen. Der Scholiast merkt dazu an: 
xal ouTos TievrjQ tjv auvrc&eig ouv fiöd^oug ^aptevzag i^aXe 
rohg dxouovzag xal ou-uj ttjv zpo^rjv ab-io izopc^szo. Wenn 
dieses auch wirklich auf keiner Nachricht beruhen, sondern 
nur eigene Erklärung sein sollte, so kann es immer die rich- 
tige sein, da Beispiele von Industrie ähnlicher Art vorkom- 
men. Für das Gefallen, welches Erwachsene an Erzählungen 
fanden, verweist Westermann auch auf die bekannte Anek- 
dote, die mit dem Sprüchworte mpl ovou axiäg zusammen- 
hängt, bei Pseudo-Plutarch. Vit. X Orat. p. 844; vgl. 
Zenob. VI. 28 mit den Auslegern. [Auch gehört hierher, 
dass Aristoph. Vesp. 566 unter den (^ajmufxaza für die 
Richter erwähnt: 

o? dk kiyouat fiu&oug ^ßtv, o? d' AltrcÖTCou Tt /iXotov. 
K. F. Hermann fügt hinzu: »Ein beliebter Anfang solcher 
Mythen, unserm »es war einmal« entsprechend, scheint gewe- 
sen zu sein r^v j^povog ozs oder dergl.; so {^v ore p.upia ^uka 
X. T. k) begannen bereits die Kürrpca s-mj Schol. Venet 
Iliad. I. 5; dann Kritias bei Sextus Emp. IX. 54, Pro- 
tagoras bei Plato p. 320, Theokrit VII. 1; ähnlich auch 
Kallimachos bei Clem. Alex. Stromat. V, p. 597: rjv 
xetvog oüveauTog, u> rd rs nzrjvov x. r. /^.«] 

Waren die Kinder über das erste Alter hinweg, wo es 
der körperlichen Pflege weniger bedurfte und die Weiberer- 
zichung nicht mehr- ausreichte, so wurden sie zunäclist der 
Aufsicht eines Pädagogen unvertraut. Plato IjCg. VII, p. 808: 
o OS noüg rtdvTwv Hr^peiov iart duffpeTa^eipiOTÖTaTov . . . dco d^ 
r.oXXdig outö otov ^aXtvocg ziat ose dsaneOeiv, npüzov /ikv zpo- 
<p!üv xaX jir^ripaiv orav diraUdrrr/Tac, TtatdaycuyoTg natd/ag xal 
vr^mo'HjTog /«/kv. Dieser Tiatdaycoyog (Aristoph. ICquit. 
10Ü8 braucht im witzigen Gegensatze yepovvairiüyecv , das je- 



znr ersten Scene. 47 

doch auch in ernstem Sinne bei Sophocl. Oed. Col. 349 
vorkommt) war ein Sklave. Dazu sollten nun freilich die ver- 
ständigsten und rechtlichsten nicht nur, sondern auch solche 
gewählt werden, die feinere Bildung besassen; allein dieses 
geschah gewiss häufig nicht, auch in guten Familien So 
schildert Plato Lysis p. 223 die des Menexeuos und Lysis 
als uTTußapßapc^ovTsg: nach dess. Alcib. I, p. 122 hatte selbst 
Perikles seinem Mündel Alkibiades tojv olxezcjv zov ä^fjscora- 
Tov unu yrjpujg, Zutnupov rov 8pqxa, zum Jugendhüter gege- 
ben, und von demselben grossen Staatsmanne ist uns in der 
Append. Flor, zum Stobaeus von Gaisford t. IV, p. 49 
eine Aeusserung erhalten, die gerade den invaliden Sklaven, 
rov £x Tu)V epyojv dnodoxcpaaHsvra^ als den zur TiacSayujyca 
qualificirten bezeichnet: oBev xac üepixXr^g^ oixirou vots ne- 
covTOS äno iXatag xai zö axiXog aovzptipavToe, viog apa [so 
K. F. Hermann], lijpjy, naeSayiuybg nd^jvev oux dmSdvo}? t^s 
uTtoopyiag ttjv dTc/xcav axu)(pag. Noch stärker aber spricht sich 
Plutarch. de educ. puer. 7 über die Gewissenlosigkeit der 
Aeltern in seiner Zeit aus: inet vuv ye zu ycvofisvov r.oXXoTe 
umpxazayiXaazuv iarc. zwv ydp 8oula)\> züv (muodaituv zoog 
HSV ysiupyoug dnodsixvuouat, zoug Sk vauxXrjpoog, zoug 8k ifi- 
Tiopoug, zoug de olxovöpoug, zoug Sk daveiazdg' o, zi 8' &v 
eupojffiv dv8pd7io8ov ohoh^iizov xac Xtyyov, nphg Ttäaav npay- 
fiazscav ä^prjazov, zouzip ^ipovzeg uTioßdXXoom zoug otoug. 
[Vgl. Hermann Privatalterth. § 32, not. 15ff. und mehr 
im Allg. bei J. J. Claudius de nutricibus et paedago- 
gis, Ultraj. 1702. 11 und Krause a. a. 0. S. 399 — 410. 
Bernhardy Grundr. d. griech. Lit. B. I, § 76. Bücb- 
senschütz Bes. u. Erw. S. 189. Dielitz, über den 
griech. Hofmeister. Graudenz, 1854. Die auf den Bild- 
werken Conventionelle Kleidung der Pädagogen, ein kurzer 
Aermelchiton, ein zottiges Mäntelchen, hohe Stiefeln, Bart 
und langer Krummstab (vgl. Stephan! Compte rendu pour 
1863, p. 175 ff.) scheint der Bühne entlehnt zu sein (Jahn 



48 Zweiter Excurs 

Münchner Vasens. S. 227) und fehlt z. B. auf der von 
Michaelis in Archaeol. Zeit. B. VI, 1874 S. Iff. erklär- 
ten Durisschale.] 

Diese Pädagogen nun begleiteten die Knaben allenthalben ; 
auch namentlich in die Schule und die Palaestra, wie man 
schon aus dem Lysis des Plato sieht, wo es p. 208 ausdrück- 
lich heisst: r/ 8k tzoiu>v au ohrog ö Tracdaywyos crou äp^ec ; 
äyojv dijnoo^ i<prj, ecg 8t8aaxdXoo, und unter den solonischen 
Gesetzen gab es, wie Aeschin. in Timarch. § 10 anführt, 
eines Ttzpl rMi8ayo)y(h'^ imfxsXsi'as, eben in Bezug auf den Be- 
such der Schulen und Turnplätze. Sie trugen den Knaben 
Bücher und andere Schulbedürfnisse nach, oder die Kithara, 
wiewohl deshalb oft auch noch besondere Sklaven folgten. 
Liban. Or. XXIV, p. 81 Reiske: otj naidayojyog, oij^ ot ra 
ßißk'a TÖig viotg in' utiicuv ^epov-eg. Vgl. Lucian. Amor. 
44, Poll. X. 59. Ob sie, wie in den Ringschulen, zugegen 
blieben oder die Knaben wieder abholten, ergiebt sich nicht; 
[denn obgleich auch die eigentliche Schulstube (auch ^wXsog 
[Jon. eigentlich jedes geschlossene Lokal] genannt) nat8ay(i}- 
ysTov hiess (Demosth. de cor. § 258. Poll. IV, 19. 41), so 
hat das auf die Pädagogen keinen Bezug. [Denn wenn Her- 
mann zu dieser Stelle und auch Privatalt. § 34, n. 19, sowie 
Gramer de educ. puer. p. 11, not. 3 und Grasberger 
Erzieh, u. Unterricht, II, S. 230 dem Pollux Unrecht 
geben, welcher die Worte des Demosthenes: rracg ph u>v perä 
no^k^g ivSeeag irpd^rjg, 5.pta rat narpl Ttpog rib SidaaxaXsu) 
TipoatSpsuwv^ TÖ piXav rp(ßuiv, xai tu ßdt^pa cmoyyü^uiv , xa\ 
TÖ TTaiSaywyecov xopujv, so versteht, als seien natoayajysTov 
und dtßaaxaXetov identisch (IV, 19: ro 8k mxtSayioyeeov xae 
itdaaxaXEtov xal ^luXeov ixäXnuv tu naXacoc, IV 41 : roug 8k 
TotouToue^ utanep xal roug <fth>au<po\)g ^ ixdXouv ^povriardg, 
xa\ rä dtdaaxaXita^ ou natSayütyta puvov xal (pojXsoüg, dXXä 
xa\ ippDvrtarfjpta und IX 41: 8i8a(TxaXsTa, ot xal nat8ayü)yta 
xa\ <p(uXtoi)g liivupatiuv) so kann icli nicht umliin, Becker und 



zur ersten Scene. 49 

Fr. Jacobs, die sich an Pollux halten, beizustimmen und in 
naiSayioyeiov nur die Schulstube, die Klasse, zu sehen und 
zwar in Bezug auf die Kinder, während das allgemeinere 8i- 
daaxaXecov ursprünglich mehr Rücksicht auf den Lehrer ge- 
nommen hatte. Denn wie sollte man bei dem Elementarleh- 
rer Elpias, dem Herrn des Tromes, des Vaters von Aeschines, 
den Luxus eines Wartezimmers voraussetzen, und warum sollte 
der junge Redner selbst gerade dieses und nicht auch die 
Schulstube ausgefegt haben? Auch aus der eben erwähnten 
Durisschale scheint zu erhellen, dass sich die Pädagogen mit 
im Schulzimmer aufhielten und da die spätere römische Sitte 
direkt aus Griechenland nach Rom verpflanzt worden ist, so 
trage ich kein Bedenken, auch auf das aus Sueton. de 
gramm. 23 bekannte Beispiel des Remmius Palaemon hinzu- 
weisen, der in der Schule mehr lernte, als sein Zögling. Die 
Stelle bei Plat. Lys. p. 223: wanep oai/xovdg tcvsq TtpoasX- 
&6vTSS Ol naidayioyoi, o re roö Msve^svou xal b zoü Aöaidof^ 
i/ovres abrutv roug ädsXipoOg, napexdXouv xal ixeXeuov awToyf 
ol'xade dmavat kann weder mit Gramer a. a. 0. so verstan- 
den werden, als seien die Pädagogen zum Abholen der Kna- 
ben direkt vom Hause gekommen, noch mit Grasberger 
a. a. 0. S. 230 so, als ob sie nach Beendigung der Lektion 
aus dem Vorzimmer hinzugetreten wären, sondern der ganze 
Dialog fand ja während eines Ferientages, der Hermäen, 
(p. 206 D u. 223) in einer Palästra statt, wo Knaben und 
Jünglinge versammelt, aber auch die Pädagogen zur Aufsicht 
vorhanden waren (p. 200 C fragt Sokrates: dW dp^sc ztq 
aou\ und Lysis antwortet: ooc, "Kaioayiuyog), welche sich bei 
dieser Gelegenheit recht gütlich thaten, p. 223 B: dlX^ io6- 
xouv i^juv bnomnoJxoTSQ iv xoTg 'Ep/xaeoig änopoc etvac npoff^s- 
pea&ac] Sonstigen Personen, mit Ausnahme naher Verwand- 
ter des Lehrers, war es nach dem Gesetze bei Aeschines 
§ 12 und zwar bei Todesstrafe verboten, die Schule während 
des Unterrichts zu betreten: xal p.^ i^saro} to7q bnhp n^v 

Cbarikles II. 4 



50 Zweiter Excurs 

Twv TzatSuiv ^Xtxiav oZatv elaiivai räJv TiacScDV svSov ovtojv, i&v 
jj^ ulbg StdacrxdXou ^ d.8eX(pog rj Boyarpog dvijp' iav 8i Tig 
TTopä zaur' ehcij, ^avaro) ^T^fiioua&oj : doch scheint darauf spä- 
ter nicht streng gehalten worden zu sein; denn Theophr. 
Char. 7 führt in der Charakteristik eines MXog auch an, 
dass er in die Schulen und Palästren gehe und durch seine 
Gespräche Lehrer und Schüler abhalte. [Vgl. Xenoph. Conv. 
IV, 27: auvbv 8i as, li^jy, iyd} eldov vac ftä rbv 'AnuXXu}, ots 
'napä rS) ypa/JLfxaztaTfj iv tu) auraj ßißXto) d-iifoxtpoi ipaarzhzxi 
Ti, TTjV xs^aXyjV jipbg rrj xtcpakji xa\ ruv wfxov yunvbv npbg 
yup.vüj Toü KptroßooXoo w/xai e/ovTa.] — Unter der Aufsicht 
jener Pädagogen blieben die jungen Leute bis zu dem Ephe- 
benalter, wie aus Terent. Andr. I. 1. 24ff. Plutarch. de 
aud. 1 u. s. w. sich ergiebt. Ein Beispiel eines Pädagogen 
nach altem Schnitte, dem der Jüngling nicht mehr gehorchen 
will, findet sich bei Plaut. Bacch. 1. 2, IIL 1. 3; [vergl. 
Schneidewin in Ritschl's Rhein. Museum Band II, 
S. 417 ff.] Dass der Unterricht durchgängig ausser dem 
Hause ertheilt wurde, kann für Knaben mit Sicherheit ange- 
nommen werden. Auch in Plato's Worten Protag. p. 320: 
KXecv^av ibv 'AXxtßiddou rourout veiürepov ddeX^bv imrpoTieOwv 
b aurbg äv^p JJepcxX^g, 8e8tajg nepl aurou /xij SiacpBapj) Sij 
unb 'AXxcßid8ou, dnoandaag dnb toutou, xaraHsfisvog iv 'Api- 
<ppovog ircatSeoe, xal npiv e^ prjvag yeyovivai dni8u)xe rouru) 
obx i^iüv o, rt ypijaatzo auTw, liegt nicht die mindeste An- 
deutung eines Privatunterrichts im Hause, wie Gramer Ge- 
Bchichte d. Erzieh, u. d. Unterr. im Alterth. Th. I, 
S. 275 meint. Im Oegontheile ist es offenbar, dass i7:af8£us 
von der häuslichen Erziehung vorzüglich zu vorstehen ist; 
denn um Alkibiados und Kloinias im Unterrichte zu trennen, 
durfte ja Perikles beide nur zu verschiodonon Lehrern schicken. 
[Dass jedoch in apäterer Zeit der Fall öfter vorgekommen 
sein mag, dass der Pädagog zugleich Hauslolirer, wenigstens 
Kepetent, war, ergiebt sich aus der keineswegs durch römi- 



zur ersten Sceno. 51 

sehe Sitte zu entschuldigende Stelle bei Plaut. Bacch. 
III, 3, 27: 

Inde de hippodromo et palaestra ubi revenisses domum 
cincticulo praecinctus in sella aput magistrutn assideres, 
ibi librum quom legeres, si unam peccavisses syllabam, 
fieret corium tarn maculosum quamst nutricis pallium.] 

Als Anfang der Schulzeit bestimmt der pseudoplatonische 
Axiochos p. 366 das siebente Lebensjahr: önoTav 8k eis 
rijv enraeztav äfcxr^rai izoXXohQ mvoog dtavrXr^auv, insan^aav 
naidayüjyol xal Ypaixixaziarat xai natSinptßat Tvpawoövrss 
X. T. X. Der ächte Plato zwar scheint die Knaben bis zu 
dem zehnten Jahre bloss in die Palästra oder überhaupt 
zu körperlichen Uebungen zu verweisen; denn er sagt Leg. 
VII, p. 794: p.£Tä 8t tuv i^sryj xac -nyv k^iztv Scaxptviaßat 
fikv 7J8yj rö yivoQ kxaripcjv . . . Tipbg 8k rä jxaßrjp.aza zpine- 
ffßac xp£u}V ixazipoog' zoug jikv dpptvaq i(p^ "mziov 8t8aaxd- 
looQ xat TÖ^ujv xal a^svSov^asojg, und bestimmt für den An- 
fang iv Ypdp.paac das. zehnte Jahr, p. 809: etg psv ypufi/iaza 
Tiacdl 8exizEi a'/z8ov ivcaozol zpecg: allein das fand in der 
Wirklichkeit schwerlich Statt, und einem Grundsatze zufolge, 
den man auch heut zu Tage häufig hört, schickte man die 
Kinder zeitig in die Schule, damit sie zu Hause nichts üeb- 
les thun sollten. Denn so sagt Lucian. Hermotim. 82: 
snzi xai al zczBac zotdSs Xiyooai nepc z<uv TiacScoJV, wg dm- 
riov auzocg ig 8i8aaxd2.ou • xat yäp S.v /ir^Sdnu} fiaBelv dyaMv 
Z( 8üv(ovzac, dkk' ouv ^aüXov ouSkv Tzoiijaooatv ixet plvovzeg, 
und von den Söhnen reicherer Aeltern schreibt Plato Protag. 
p. 326 selbst: ol rooziov olslg ■npoi'iaizaza elg 8t8aoxdXu)v z^g 
ijhxtag dp^djievoi (poizäv d(piatzaza dnaXXdzzovzai. Nicht viel 
anders als Plato erklärt sich auch Aristoteles. Er be- 
zeichnet de republ. VII. 17 das Alter p-ixP^ nivze izöjv als 
die TjXixta, rjv ouzs tto» npog fidSr^atv xaXwg ex^i npoadyetv 
obdsfjuav ouze itphg dvayxatoug mvoug: dann sagt er: SteXBov^ 

4* 



52 Zweiter Excurs 

roDV de ratv nsv-rs irojv rot Süo iii^pt ratv l;rrot dsi &eajpobg 
^dfj ycyve<T&ac tüjv [laB^rjaevjv , hg ds^aet ixavMvecv auroOg. 
Darunter versteht er ohne Zweifel Gymnastik, die nach ihm 
ebenfalls dem wissenschaftlichen Unterrichte vorangehen soll. 
Denn es heisst VIII. 3: i7:£c 8k ^avepov, TzpÖTspov roTg s&s- 
aiv ^ To» Xoym natdeoriov elvac xa\ mp\ tö aäijxa nporepov ^ 
trjv Scdvocav, 8^^ov ix roorcov , ort Ttapadoziov robg naldag 
yvnvaazixfj xal natdorptßcx^. Wann aber der Anfang iv ypdp.- 
jxaac gemacht werden solle,- darüber folgt keine Erklärung. 
[Auch in den angeblichen uno&rjxai Hesiod's soll sich der 
Eath befunden haben, vor dem siebenten Lebensjahre den 
Unterricht nicht zu beginnen. Vgl. Wyttenbach Animad- 
vers. in Plutarch. I, p. 51.] 

Was nun die Schulen anlangt, so war freilich der An- 
theil, den der Staat daran nahm, im Grunde gering, und was 
Sokrates bei Plato Ale ib. I, p. 122 sagt: rfjg 8k a^g ysve- 
aeujg, Jj ^AXxtßtd8rj , xal zpo(prjg xa) nai8etag ^ äXXoo 
örououv 'A&yjvacojv, wg inog slnetv, oltSevl p-iXst^ el p-ij reg 
ipaffTT/e ffou royxdvet ö>v, das kann ganz eigentlich hieher 
bezogen werden. Zwar gab es Gesetze, welche den Schulbe- 
such betrafen. Bei Plato Crito p. 50 heisst es: d}^Xä rdlg 
nep\ T^v rou yevopivou rpo<prjv ts xal TiacSstav (vupoeg pep^rj), 
iv j) xa\ ah i7:ac8suHi^g ; ^ oö xaXuig npoaerarrov rjpüJv ol inl 
ToUToeg TSraypevoc vopoc napayyiXXovzeg ra» TiaTpl Tat ffip ak 
iv pooacxfj xal yopvarntxfj nac8£u£tv\ allein in wie weit ein 
Zwang dabei ausgeübt worden sei, lilsst sich daraus, zumal 
bei der Milde des Ausdrucks napayysUeev, nicht abnehmen, 
und die solonischen Gesetze, welche wir aus Aeschines 
a. a. 0. kennen lernen, sind sämmtlich nur prohibitivor Art, 
um sittliche Missbräucho zu verhüten. Wenn aber wirklich 
in Athen ein ausdrückliches Gesetz bestand, Toug ■nat8ag 8c- 
8dax£aHat npüjzov VEtv re xal ypdppara (Petit. Leg. Att. 
p. 289), 80 fand wenigstens keine Controle Statt; [nur waren 
Kinder, die ihre Aeltern nichts hatten lernen lassen, nach 



zur ersten Scene. 53 

Aeschin. in Timarch. § 13 nicht verpflichtet, dieselben im 
Alter zu pflegen. Das Verhältniss der Schule zum antiken 
Staat charakterisirt recht trefl'end E. Curtius in Alterthum 
und Gegenwart, 1875, S. 118 mit folgenden Worten: »In 
Athen dachte man zu hoch von der geistigen Bildung, um 
sie als Staatsmittel im Sinne einer conservativen Politik zu 
verwenden, und man dachte vom Staate zu hoch, um seinen 
Bestand von einer Verkümmerung der menschlichen Natur 
abhängig machen zu wollen. Athen ist der erste Staat, wel- 
cher es gewagt hat, die freie Ausbildung des Menschen 
als die beste Vorbereitung des Bürgers anzusehen, und indem 
man sich dabei auf dem angeborenen Lerneifer verliess, sowie 
auf die Macht der Ueberlieferung, durch welche die leibliche 
und geistige Jugendbildung geregelt war, enthielt man sich 
von Staatswegen jedes Eingriffs in eine Angelegenheit, wel- 
che man als eine häusliche angesehen wissen wollte. Darum 
gab es keinen Schulzwang, keinen öffentlich anerkannten 
Lehrplan oder Lehrstand, und das solonische Unterrichtsgesetz 
beruhte im Wesentlichen auf dem Satze, dass, während in den 
übrigen Staaten Verpflegung der Aeltern als unbedingte Pflicht 
der Kinder gesetzlich anerkannt war, dies in Athen ausdrück- 
lich auf diejenigen beschränkt wurde, welche ihren Kindern 
die gebührende Erziehung gegeben hatten. Mit Versäumniss 
der Pflicht waren alle Aelternrechte verwirkt«.] Am wenig- 
sten dachte früher der Staat daran, öffentliche, etwa auf 
allgemeine Kosten zu erhaltende Anstalten zu errichten. Selbst 
was aus Demosth. in Boeot. <5vo/i. § 23: dXXä xai npiv 
7]ix£T£pog ^dcrxscv auyysvrjQ elvac slg '^iTmoßoojvrcda itpoha <po- 
^^v dq TiaTSag ^(opsüacuv, Böckh Staatshaus h. d. Ath. 
Th. I, S. 170 folgert, dass die Stämme für einen Theil des 
Unterrichts in der Tonkunst und den Leibesübungen zu sor- 
gen gehabt hätten, durch Anstellung von Lehrern, zu denen 
die Jugend des ganzen Stammes gegangen sei, liegt nicht 
mit solcher Nothwendigkeit in den Worten, dass man die 



54 Zweiter Excurs 

Stelle nicht vielmehr auf eine Choregie beziehen dürfte, wozu 
der Chorege die Tänzer aas den Knaben der Phyle ausheben 
und einüben lassen musste, vgl. Antipho deChoreut. §11 
und die ^opoug eyxoxXioug bei Aeschin. c. Timarch. § 10 
[Vgl. Grasberger a. a. 0. S. 395]; und wenn Plato öffent- 
lich anzustellende und zu besoldende Lehrer verlangt, Leg. 
VII, p. 804: ev 8s toutocq näai (didaaxaXecocg xac yufxvaffcocg) 
dtdaaxdXooQ kxdazwv mnecfffxdvous fiiff&oTg, olxoüvzae $dvoog, 
8c8d(TX£cv TS ndwa oaa npbg zuv n6Xs}XüV iart /la&^^fiaza roug 
^oiriövrag oaa re nphg fxoutnxi^v, ou^ uv &v 6 narrjp ßouXrjrai^ 
8v 5' ^v pyj^ iwvra rrjg mxcdscag, so ist das eben nur seine 
eigene, noch nicht verwirklichte Idee. [Auch die aupfoirrjaig 
T<ov itatdiüv z. B. bei Aeschin. c. Timarch. § 10, Ari- 
stoph. Nub. 960fiF. Plat. Protag. p. 325ff. beweist nichts 
für eine Art öffentlicher Elementarschulen, sondern bezieht sich 
lediglich darauf, dass die Knaben aus derselben Nachbar- 
schaft, die wohl auch gewöhnlich eine in der Nähe befind- 
liche Schule besuchten, wie bei uns, zusammengeschaart zu 
bestimmter Zeit der Schule zuwanderten. Das von Becker 
nach Böckh's Vorgang vielleicht mit Unrecht angezweifelte 
Gesetz des Charondas bei Diode r. XII, 12; tujv noXcrutv 
Toug uleTg Sinawag pav&dvscv ypdppara ^oprjyouarjg rrjg noXsiog 
hat bereits K. F. Hermann richtig als einen Versuch be- 
zeichnet, nur die Kosten dos Unterrichts auf die Staatskasse 
zu übernehmen, ohne dass dadurch die private Stellung der 
Lehrer alterirt zu werden brauchte. Dagegen war die von 
demselben erwähnte Massregel der Rliodier, welche nach Po- 
lyb. XXXI, 17a die Zinsen einer von Eumeiios herrühren- 
den Getreideschenkung verwendeten elg roug inabubg roTg 
naideuTftTg xal 8i8aaxdXotg rCov uluJv wohl eine Neuerung; denn 
auch über den ölTontlichen Unterricht im jonischen Teos wäh- 
rend der letzten Jahrhunderte v. Chr. giebt ein neulich ge- 
fundenes Dekrut interessanten Aufschluss. Darnach wurden 
jährlich iv dp^atpeaiatg drei ypapnaTo8t8daxaXoi für Knaben 



zur ersten Scene. 55 

und Mädchen mit 5 — 600, ein xSaptar^Q und (pdXTT^g mit 700 
Drachmen Gehalt gewählt, ausserdem ein SnXofxd^os und 6 
öcdd^wv ro^suscv. In Schaltjahren sollte Gehaltszulage ge- 
währt werden und bei Ueberfüllung der Klassen sich der be- 
treffende Lehrer an den naidovuixog wenden, der neben dem 
yu/Mvaatap/og dem musischen und gymnastischen Unterricht 
vorstand. Ein gewisser floXu^pous hatte 34,000 Drachmen 
zu Stipendien für arme Kinder von Freien gestiftet: G. Hirsch- 
feld in Hermes IX, S. 501ff. und Archaeol. Zeit. N. F. 
Vni, S. 26.] 

Im Ganzen blieb es also der Gewissenhaftigkeit der Ael- 
tern überlassen, wie sie für den Unterricht ihrer Kinder sor- 
gen wollten, und es konnten wohl auch manche ganz ohne 
Unterricht bleiben, wie der Wursthändler bei A r i s t o p h. 
Equit. 1234, [der dennoch v. 188 von sich sagt: 
dA/i' Ä^'ai?' oöSk fiouaixrjv intffrafiat 
TcXijv Y paßfidrvDV , xai raura fiivrot xaxä xaxün;. 

Solche Fälle mochten indessen selten sein (vgl. noch Plut. 
Ar ist. 7, Cim. 4 und Quintil. I, 10, 18), und der tägliche 
Schulbesuch erschien so sehr als Sache der Gewohnheit und 
Nothwendigkeit, dass die Bürger von Trözen, als die Weiber 
und Kinder der Athener vor den Persern zu ihnen geflohen 
waren, neben der übrigen Verpflegung auch Lehrer für die 
Kinder bezahlten. Plut. Themist. 10: xal rps^etv zipr^^i- 
aavTo 8rjpo(T{(f^ duo dßoXoug kxdar(p didovreg, xdi t^s dniopae 
XapßdvsiV Toug ndtdag i^sTvac Tzavra^oßsv, in 8k Imkp aurö/v 
didaaxdXotg tsXsTv pt<j&oOg. Und so war es auch anderwärts. 
Kurz vor der Seeschlacht bei Lade stürzte die Decke eines 
Schulzimmers auf Chios ein und begrub 120 Knaben: Herod. 
VI, 27. Wenige Jahre später führte dieselbe Katastrophe der 
irrsinnige Kleomedes auf der Insel Astypaläa über 60 Schüler 
herbei: Paus an. VI, 9, 3. Eine sehr gefüllte Schule erwähnt 
Thucyd. VI, 29 im böotischen Mykalessos und von Prota- 
goras heisst es bei Athen. VIII, 50 p. 354, Epikur haba 



56 Zweiter Excurs 

von ihm erzählt; dcddaxscv iv x(ofirj ztv} YpoLfi/iara, d^' wv 
inl TÖ ^o^iarsuecv öpfxrjaai.] Es ergiebt sich auch schon der 
Werth, den man auf die naidsta legte, aus der Nachricht bei 
Aelian. Var. Hist. VII. 15: ^vixa rrjg üaMaar^g rjp^av ol 
Morihjvdcoi^ toTq d^cara/xsvotg tu>v au/xiMd^iov rcjKopcav ixecvr^v 
kTT^pTTjaav^ Ypdjxixaxa p.^ pav&dvecv roug nacdag auTcov prjdh 
fjLouercxTjv Scddaxecr^at, Tiaaujv xoXdasiüV y^pjadpevot ßapozdrrjV 
elvat raunyv, iv dpa&ca xa\ dpooatq. xazaßtuJvac. Demunge- 
achtet hing von der Einsicht und Gewissenhaftigkeit der Ael- 
tern sehr viel ab, da ihnen ja die Wahl der Lehrer gänzlich 
überlassen war; und diese Wahl mochte allerdings oft mit 
grosser Sorglosigkeit geschehen, oder es mochten Empfehlun- 
gen und andere Rücksichten darauf Einfluss haben. So sagt 
wenigstens von seiner Zeit Plutarch de educ. puer. 7: 
vuv Si TIS xai xaranTÜcrsea tujv Tiazepatv ivcojv, omveg, nph 
Soxcp.daat roug plXXovrag 8i8daxetv, 8t^ äyvoiav iab^ Sts xal 
di' dnetpiav dv&pwnotg ddoxt'poig xat r.apaaijpotg ky^sipt^ooai 
roug TTocSag , und gleich darauf: ivtore yäp elduTsg, ^ ala&o- 
fisviov äXX(üV (WToTg touto Xeyovrojv, zrjV ivcwv roiv TtacdsuvüJv 
dnecpcav dpa xal po^&i^pcav, opwg rourotg imrpinouac roug 
naedag, ol fikv räcg ru>v dpeaxopdvojv ijrriupevot xoXaxstaig^ 
Hat 8k ol Ssopivoig ^apiZ6pe\)oi (ptXotg. 

[Nach Aeschin. in Timarch. § 10 übten gewisse, 
schon von Solon eingesetzte Magistrate, dp^ac, eine Aufsicht 
über die Lehrer aus. Allein abgesehen von der unsicheren Glaub- 
würdigkeit der dort eingerückten Gesetzesstellon gehören die 
Axioch. p. 3G7, Domosth. de fals. leg. p. 433 u. Corp. 
inscr. n. 214 erwähnten aiofpuviarai, sowie die bei Dinar eh. 
in Philo cl. § 16 genannten imptXtjrai vm i^^ßatv bereits 
der makedonischen Periode an und scheinen nicht, wie die 
spartanischen naionvopm (Aristot. de ropubl. IV, 15) spc- 
ciell die Schulen und die Erziehung überwacht, sondern mehr 
als Aufseher in den Gymnasien und als Polizisten bei Fost- 
versammlungon fungirt zu haben. Vgl. Schümann Griech. 



zur ersten Scene. 57 

Alterth. I, S. 539]. Um die Tüchtigkeit der Lehrer und 
ihrer Methode hingegen kümmerte sich der Staat schwerlich; 
höchstens dass vielleicht ein gewisses Alter dazu erforderlich 
war, da auch die x^pr^yoi izacdiuv über vierzig Jahre alt sein 
mussten. — Daher gaben sich dann auch manche ohne Rück- 
sicht auf Neigung und Befähigung bloss aus Dürftigkeit des 
Erwerbs wegen diesem Berufe hin, namentlich zu Elementar- 
lehrern; vgl. die scherzhafte Anwendung auf die Zustände im 
Hades bei Lucian. Necyom. 17: ttoXXSj 8' äv oJfiai jiäXXov 
kyiXag, st i^edaeu tous Tiap' ^/jicv ßaatXiag xcu aarpanag tttü/- 
^suovzag Tiap^ ahroitg xai rjroi rapc^onajXoüvrag bn^ dvoptag 
^ rä Tipuyza 8i8daxoMrag ypdjx/xara und Plat. Eryx. p. 402: 
dp' eiai Tivsg dv&pujno:, oTrcveg fxouacxijv 7:ac8euoüacv ^ y^a/z- 
ixara ^ krepav rtvd im(rr^[irjv^ oi dvri toutiüv a(piaiv oitTolg 
xd inirrjSsta ixTiopi^ovrac^ toutwv ficff&bv Tiparrofievoc [vergl. 
Meineke Fragm. Comic. Gr. Vol. IV, p. 698: ^rot ri&vr^- 
xsv r/ 8t8daxet ypdfxfxaTa]. So sagt Demosthenes von 
Aeschines Vater de fals. leg. § 249: 8i8dax<x)v ypdfi(JLaTa, 
wg kyu} T(ov Trpsffßorepcov dxouoj, npbg tü> toü ^Ipoj rou iazpou, 
Snojg rjSuvaTo^ dW oov iv zaorjj ys e^r], und von ihm selbst 
an einer andern Stelle, die. auch sonst manche Specialitäten 
liefert, um sich eine Vorstellung von einer attischen Schol- 
stube zu machen, de cor. § 258: Sc' ^v {to^tjv) ndcg fikv wv 
fJLSzd 7:0 U^g iv8scag kzpd<py]g^ dp.a töj naxpi nphg zw Seoaaxa- 
hiü} 7tpoa£8peua)v , zö fxeXav zptßojv xai zd ßdBpa OTtoyylZiov 
xaj zh TcaiSayojyscov xopwv, olxdzou zd^cv, oux iXsu&ipou neu- 
8bg i^iov. Aehnliches wurde von Epikur und seinem Vater 
erzählt. Diog. Laert. X. 4: xai avv zwnazp) ypdppaza Si- 
8d(Txstv XuTipou zcvog pccr&apcou. An manchen Orten sassen 
sie sogar mit ihren Schülern auf offener Strasse, wie Justin. 
XXI. 5 selbst vom jüngeren Dionysios erzählt: novissime lu- 
dimagistrum professus pueros in trivio docebat, und so ver- 
kehrt es ist, davon den Ausdruck Trivialschulen abzuleiten, 
so bestätigt doch die Sache auch Dio Chrysost. XX. 9: ol 



58 Zweiter Elxcurs 

yäp ruiv ypafifxdzojv StSdffxaXoc fxsrä riov natdiuv iv raig bSdtg 
xadr^urac, xai ou8kv auroTg ifin i8ü)V iarU' iv ToaouTüJ nXijB^si 
rou 8i8dax£iv vs xai fjLav&dvecv [und Arat. in Anthol. Gr. 
XI, 437 Jacobs: 

alä^o) AtÖTißov, 8g iv izirpyjat xd^vjTat, 
rapyapiu)v natalv ß^ra xai äX<pa kiyoiv. 
Die primitive Einrichtung einer armseligen, nicht einmal gegen 
die Zudringlichkeit des Publikums geschützten Schule zeigt 
das Wandgemälde bei O.Jahn, Abhandl. der sächs. Ges. 
d. Wissen seh. 1870, S. 290.] Man sieht aus allem, dass 
der Beruf dieser Autodidakten, tCov t« npiüra ypdppaza Sc- 
SaaxovTwv, in keinem besonderen Ansehen stand, und daraus 
erklärt sich auch die Aeusserung des Alkibiades bei Plu- 
tarch. Alcib. 7: iripou 8k ^^aavrog, e/£iv "Oprjpov bip' ah- 
roü S(ajp&(v/xevov ' eh', i<pij, ypdppaza StSdaxsig "Oprjpov ina- 
vopSoüv IxavoQ u>v xai ou^l roug veoug nac8eu£ig; Kinder 
wohlhabender Aeltern gingen nun wohl nicht zu solchen Leh- 
rern aus Noth, wie denn Demos thenes mit Selbstgefühl 
von sich sagt, de cor. § 257: ipoi pkv rotvuv uTi^p^ev, Ala^ivrj, 
TzatSi p-kv ovre (poixdv tlg r« npoaijxovTa 8c8aaxa^£Ta: 
allein aus der niederen Klasse fanden dergleichen Leute der 
Wohlfeilheit wegen natürlich immer Schüler. 

[Was die Schulzucht betrifft, so spielte auch in Griechen- 
land, als Mittel um Gehorsam, Aufmerksamkeit und Fleiss zu 
erzwingen, der Stock und die Rutho zu allen Zeiten eine 
grosse Bolle in der Schule. Vgl. Aristoph. Nub. 972. Me- 
nandr. Sent. 421. Stob. Sermon. XCVIII, 72. Es scheint 
demgemäss unter der Jugend gerade keine grosse Liebe zum 
Schulbesuch geherrscht zu haben. Bedenklich klingt schon, 
was Xenoph. Anab. II, (J, 12 in Bezug auf die Strenge des 
Klearch sagt: t^ yäp in^^otpi obx e/jjfev, dXX' dei xaXsnög ^v 
xai ujfxos' ty<rre Scexeivro npug aöröv ol arpariutrai wanBp 
naSötg npbg dt8daxaXov. xai y<\f) uuv (pi\i<f. pkv xai ebvot^ kno- 
fxdvuue obdinore tl^tv. Kbenso heisst es aber auch bei Lu- 



zur ersten Scene. 59 

cian. Paras. 13: tcq yäp änö deenvou nozk ärr^^f^s xXamv^ 
uiOTitp TivaQ d.no rutv SidaaxdXutv opwjjLEv ; rig 8' im Seinvov 
dmwv u)(p^Tq axuf^piunos, wanep ol etg didaaxaXela ^ocTÜJVTse; 
und noch Libanios tom. II, p. 394 B. erzählt von Jemand: 
fjvtxa pkv kpdvBave ypdppara, pcffst tuj toOtujv dnoSpäg sT: 
Tiva xaraifoyujv acpaaiav execro xou oux i^rjTZtro. Liess sich 
doch sogar nach Philostr. Vit. Soph. II, 8 der Rhetor Phi- 
lagros aus Kilikien vom Zorne soweit fortreissen, dass er 
einen eingenickten Zuhörer durch eine Ohrfeige weckte! lieber 
die gewöhnliche Procedur der Züchtigung vgl. Grasberger 
Erziehung u. Unterricht II, S. 101 u. Jahn a. a. 0. 
auch Heibig Wandgem. n. 1492. Die hier beliebte Manier 
des Schiagens (vergl. Liban. I, p. 112 K: xai rw ph viiu 
yupvuf re rjorr^v xal pevea/puj Tipoi: nXrjyds) kehrt öfter auf 
Darstellungen aus römischer Zeit wieder: Winckelraann 
Pierr. gr. du feu Stosch p. 461 n. 28 und 29; Cades 
Grosse Abdrucksamml. XIV, 217. Stephani Compte 
rendu pour 1872, p. 215.] 

Was ungefähr das gewöhnliche Honorar gewesen sein 
möge, darüber ist mir nichts bekannt worden; denn von dem, 
was Khetoren und Sophisten sich zahlen Hessen, kann man 
nicht rückwärts schliessen. [Eine Andeutung, freilich aus 
sehr später Zeit, findet sich bei Palladas in Anthol. Gr. 
von Jacobs III, 46: rjv de reg ecg ivtaorbv äyoc ^puaoTo v6- 
ptapa, kvdexdriü prjVt nplv npo^apecv psrdßT^.] Eine andere 
Einnahme aber hatten sie, wie schon gesagt worden, von 
ihrem Berufe nicht, und von der Frequenz der Schule hing 
ihr Wohlstand ab, weshalb Aeschin. in Timarch. § 9 
sagt: olg iarcv 6 phv ßiug dnu roö acj^povsTv, ^ 8' dnopca ix 
Tuiv ivavTcojv. Auch in welchen Terminen es erlegt worden 
sei, ersieht man nicht deutlich. Nach Theophr. Char. 22 
kann es scheinen, als sei es monatlich geschehen [und dazu 
stimmt Palladas a. a. 0.: iv&dSs naiosüouac Saoie xe^wXozo 
2dpamg roTmv dn oi/Xopdvjjg prjVi8og dp^opivocg, evd-a zpo- 



60 Zweiter Excurs 

^ug xarä fx^va fipsi ixicr&öv /xsr' dmyxr^g, ßößXo) xai X^P"^ 
87jaaiievT^ ;r£v/3jv]; denn er sagt von einem Knauser: xai rbv 
'Avd-earrjpcuJva rbv oXov jxrj ndjxnecv aoroug {roug na?8ag) etg rä 
fxa&TjixaTa diä rb &eag elvai TToXXdg, Tva {irj zbv /xca&bv exztvjj- 
Indessen konnte der Monat auch bei dem längeren Termine 
in Abzug gebracht werden, und so heisst es unmittelbar vor- 
her: xai TtüV olüjv 8k /XYj r.opBooiiiviüV zig rb 8i8aaxaX£U)V 8cä 
zijv dj^pcoffTtav dY>oicpscv rou pLca&oü xarä Xoyov. Dagegen 
verwahrt sich der Lehrer bei Liban. Or. XXXII, p. 269 E. 
Sehr regelmässig scheint übrigens die Bezahlung nicht Statt 
gefunden zu haben; denn Demosth. in Aphob, I, § 46 
klagt darüber, dass Aphobos während der ganzen Zeit seiner 
Unmündigkeit sein Schulgeld schuldig geblieben sei: uxrts 
xa\ roug 8i8aaxdXoog roug pia&obg dmariprjxs. 

Uebrigens war für die Zahl, welche ein Lehrer annehmen 
durfte, wie es scheint, in Athen ein Maximum gesetzlich be- 
stimmt. So verstehe ich die Worte des Aeschin. in Ti- 
march. § 9: npojrov /xkv r^v Copav npocrrjXEi livac rhv nac8a 
rbv iXeü&epov elg rb 8t8aaxaXsiov' eneira fierä Tzüffojv nat- 
8 (UV elgdvat. Das Gesetz wird weiter nicht erklärt. Mitunter 
mochte aber auch die Zahl sehr gering sein, wie sich das 
aus der trefflichen Anekdote vom Stratonikos (freilich keinem 
Grammatiker, sondern einem Kitharisten) ergiobt: Athen. 
VIIL 41, p. 348: 8c8daxu)v yhp xii^aptardg, i7t£i8^ iv rS) 8i- 
8aaxaXEt(p eJ^EV ivvda jikv sixovag riov MouauJv, rou Sk \ln6k- 
Xwvog /itav, fmHrjräg 8k 8üo, T^ovOavo/ievou nvog, m'xroug i^oc 
jxaUTjrdg, ii^, abv roTg BeoTg 8a)8£xa. Vergl. Diog. Laert. 
VI. G9, der fast dasselbe von Diogenes erzählt. — Man kann 
daraus zugleich schliessen, dass manche Schulen auch sehr 
anständige und elegant eiiigorichtoto Localo hatten. Sonst 
wird ausser den ßdHpocg (Fiat. Protag. p. 325; Diog. 
Laört. VIL 22), vielleicht stufonartig sich erhebenden Sitzen 
für die Kinder, niclits daraus erwähnt; denn ob der Hpövog, 
auf dem die Sophisten beim Vortrage den ßdi^pocg gegenüber 



zur ersteu Scenc. Q\ 

ZU sitzen pflegten, auch hier zu suchen sein sollte, kann be- 
zweifelt werden. S. über die Ausdrücke Bpovos und ßdBpa 
besonders Wyttenb. ad Plut. de audit.,12, p. 375. [Gras- 
berger a. a. 0. S. 216 nimmt ohne Grund an, dass der 
Enabenlehrer auf einem »erhöhten«: Stuhle sass, »wenn auch 
nicht so hoch wie ein Lehrer der bedeutenderen TJnterrichts- 
anstalten«. Sonst wird wohl der Stuhl selbst dem Lehrer 
nicht abzusprechen sein. Auch auf der Durisschale (erklärt 
von Micha*elis in Archäol. Zeit. 1873 S. Iff.) sitzt der 
Lehrer dem vor ihm stehenden und seine Lection aufsagenden 
Schüler gegenüber auf einem Stuhle und bei Liban. IV, 
p. 868 E. heisst es: idpurac ftkv 6 diddaxaXog k(p^ iMpr^Xoü 
rivog, uxmep oi Sixaazat, (poßzpuq^ aovdyutv räi ö<ppus, &u/ibv 
kp-favtCiov^ ouSsv elprjVaTov npoSscxvug' See 8ij rbv vehv npog- 
tivai rpifiovra xa\ (TuvecnaX/ievov x. t. X. Die ßd&pa oder 
Subsellien mögen wohl in den gewöhnlichen Lokalen einfach 
hinter einander gestanden haben. Was die sonstige Einrich- 
tung dei*4etzteren anlangt, so erblickt man auf der erwähnten 
Durisschale an der Wand verschiedene Schulutensilien aufge- 
hängt, namentlich eine korbähnliche capsa, xtßojzog, worin die 
Bücher zur Schule getragen wurden, eine zusammengebundene 
Schriftrolle, eine Schreibtafel, ein vielleicht als Winkelmass 
dienendes Kreuz, ein paar Trinkschalen.] 

Der Unterricht begann mit dem frühen Morgen. Wie 
die Erwachsenen sehr früh aufzustehen pflegten, so auch die 
Kinder; Plat. Leg. VII, p. 808: rjfjlpag 8k op&pou rs ina- 
vcoVTCüV Tidtoag /ikv npog 8t8aaxdXoog noo rpsnead^at ^psu)V. 
Auch der Ueberfall von Mykalessos bei Thucyd. VII. 29 ge- 
schah dp.a zfj ^p.dpa, und nachher heisst es: xaJ immaövrss 
8t8aaxaXst(ü nai8(o\>^ omp jxsycazov rjv (wrö&c, xal äprc eru^ov 
iaeXrjXo^oreg, xazixo^av rzdvrag. Ein solonisches Gesetz be- 
stimmte sogar nach Aeschin. in Timarch. §12: ol 8k ziöv 
7tac8(ov 8t8daxaXot dvoiyirojaav pkv ra 8:8a(TxaXeTa p.rj npo- 
Tspov ^Xioo dviuvTog, xXstizujaav 8k npu rjXiou 8uvovrog: 



62 



Zweiter Excurs 



doch sieht man eben daraus, dass die Schulen auch Nachmit- 
tags besucht wurden, und deutlicher noch sagt es Lucian. 
de parasito 61: . xat aot Xombv uxmep ol naidjQ dfi^ofxai 
xai kwog xai fxer äpiarov, ixa^aunsvos t^v re/vjyv. Wie 
damit' die gymnastischen Uebungen vereinigt wurden, davon 
an einem anderen Orte. — War der Lehrer verhindert, so 
machte er dieses wohl durch einen Anschlag an der Haus- 
thüre bekannt, wovon sich ein freilich späteres Beispiel bei 
Lucian. Hermot. 11 findet: ravdxcov zt kxpiiiaro b-nkp zoo 
Try^wvo? ii£rd)^otQ rpäp-fiam Uyov, Tr^fispov oh aoii<pdoao(psTv : 
sonstige Unterbrechungen aber führten nur die allerdings zahl- 
reichen gottesdienstlichen Festtage herbei, um derentwillen 
z. B. nach Theophr. Charact. 22 ein grosser Theil des 
Anthesterion ausfiel, und dazu kamen noch eigene Jugendfeste, 
MouaeTa h zo7g didaaxahcotg , 'EpfiaTa iv zaTg r.alai<jzpatg, 
Aeschin. c. Timarch. § 10: Plato Lysis p. 206 E, [wo 
über die in einer Palästra (s. d. Excurs über die Gymna- 
sien) gefeierten Hermäen die interessante Notiz stelA: slffeX- 
UvzBQ ob xazeXdßojiev auz6i% zeBuxozag ze zoug naTSag xa\ 
rä rep] zä kpsTa axedov zc r^dr) Ttsnocrjixdva, dffzparakZovzag^ 
re 8ij xai xsxoapdvoug änavzag. ot p-kv ouv noUol iv zjj ahXfi 
£7tatO>v i$<o, Ol 8i ztvtg zoo dnoBozrjptoo h yoiviq. ripziaZßV 
dazpaydhng TiapmUoig, ix <poppiaxwv zmüv npoatpoöpevot' 
zouToug 8k Tttpdazaaw alloi »scopouvzeg x. z. L VergL 
Theophr. Char. 27. Aus Theophr. Char. 22: xai r« 
rMtSta 8k 8£ivbg pi} nipi'ai dg 8t8aaxdk>o, ozav rj MouasTa, 
dm yrjffac, xaxiZg ex^cv, ha pi} aopßdXiovzat erhellt übrigens, 
dass die Schüler zu den Kosten solcher Feste beisteuerten. 
Bemerkenswerth ist, was IMut. Roip. gerend. praec. 27 
erzählt: 'Ava^ayopag 8k zäg 8i8opimg d<p£\g zipäg f^zr^aazo, 
T^v rjpipav ixecvtjv, xa»' P;v üv zehuzrjo;^, zoug na78ag d<pti- 
vat Traieev xa\ ff'/oMCeiv dnb ziuv paHrjpdzuJV.] 

Der gosammte Jngenduntcrricht, der alle Bildiingsmittel 
oinschliosst, zerfallt in die drei Disciplinen der Grammatik, 



zur ersten Scene. 63 

Musik und Gymnastik : ypdfiiiaTa, uouaixr], yofxvaffrixrj. Plato 
Theag. p. 122: oux iSiSd^aro ae b nar^p xcä STia/SsuffSv, 
anep iv9dSe ol äXXoi nacdsuovrat ol tmv xaXuJv xdyaBiüv ulscg, 
oTov Ypufiixard zs xat xSapd^siv xal naXaiscv xal rtjv äXXi^v 
dyiuvtav; Vgl. Crito p. 50 und Clitoph. p. 407, wo es na- 
mentlich heisst : bpuivreg ypdpfiara xac fiouacxijv xal yv/Mva- 
OTtxrjV . . . dt. orj nacSecav dpez^g zsXeav r^p^aHe. Die Haupt- 
stelle aber ist bei Aristoteles, der, wiewohl ausnahmsweise, 
noch ein viertes Fach, den Unterricht im Zeichnen oder Ma- 
len hinzufügt und den Nutzen der einzelnen würdigt, de re- 
publ. VIII. 3, p. 1337: sart 3k rerrapa a^sSöv, S 7:aiSeueiv 
elütBrxac^ Ypd/xjxara xdi yv[ivaartxrjv xal fiouaixijv xai Teraprov 
EVtoi Ypa<pix^v' rrjV fikv ypaiijxazix^v xcä ypa<pixi^v ojg XP^*^'" 
jxooQ Tiphg zbv ßiov ouaaq xai izoXu^pijazoos, zr^v 8h jvpvoffzc- 
x^v WS (Tuvzecvouaav npbg dv8ptav . . . SoxeT Sk xal ypaipixrj 
^p-fjatpog ecvat npbg zu xpcveev zä zoJv zz^vtzutv tpya xdXhoy. 
[Doch fügt er auch hinzu : Zzt noce? ^swprjzixbv zoü mpl zä 
awpaza xdXXoog und hat also den formalen Nutzen im Auge, 
dass man überhaupt durch diese Kunst den Sinn för körper- 
liche Schönheit bilde und schärfe. Schon Plato soll sich in 
seiner Jugend mit der ypa<pix^ befasst haben, Diog. LaSrt. 
III, 5; aber nach PI in. H. Nat. XXXV, 77 ist der metho- 
dische Unterricht im Zeichnen von Sikyon aus durch den 
Einfluss des Pamphilos unter die integrirenden Bestandtheile 
der natSzia aufgenommen worden. Vergl. Wyttenbach 
ad Plut. t. VI, p. 37 und Bernhardy Griech. Literat. 
I, S. 74.] 

Hier kommen zunächst die ypdppaza in Betracht, als der 
unentbehrlichste Theil des Unterrichts, der natürlich nirgends 
ganz vernachlässigt wurde. Denn was Isoer. Panathen. 
§ 209 von den Spartanern sagt: ouzoc 8k zoaouzov dTioXekscp.- 
[livoc ZTjQ xotv^g 7tac8£tag xal (piXoao(p[ag stffcv, wöt' ou8k 
Ypdpfxaza pavd^dvooaiv, S zrjhxwjzrjv e^sc Suvaptv, wazs 
zobg imozafiivoug aözä xal ^pajpAvoug dpßwg auzoTg prj [wvov 



g4 Zweiter Excurs 

i/inecpoug yiyvsaBai rutv inl t^? ^Xcxcag r^g aurwv npa^&ev- 
zwv, dUd xai rciJv izojTioze ysvofidvajv, so sieht man schon aus 
den letzten Worten, dass er die yptt/xiiaza in etwas höherem 
Sinne nimmt [was überhaupt auch in Bezug auf den Elemen- 
tarunterricht die Athener thaten, indem sie dabei nicht auf 
das reale Bedürfniss allein sahen. Deshalb sagt auch Plut. 
Lyc. 16 von jenen: ypufifiara pkv ouv ivsxa r^c /petag e/xa^ov, 
und bei Aelian. V. Hist. XII, 50 heissen sie aus demselben 
Grunde nooatxrjg ämtpot]. 

Die ypdfxp.aTa aber, im einfachsten Sinne, umfassen das 
Lesen und Schreiben. [Wenn Becker auch das Rechnen 
hinzugefügt hat, so konnte man ihm mit Recht entgegen hal- 
ten, dass die Arithmetik vor der Zeit der Sophistik (schon 
Sokrates empfiehlt ihre Erlernung angelegentlich: Xenoph. 
Mem. IV, 7, 8) nirgends in Bezug auf den Schulunterricht 
erwähnt wird, wenn es auch nach Plat. Leg. VII, p. 819 
a/ia Ypdji}iaai erlernt werden sollte und derselbe Hipp. maj. 
p. 285 tadelnd von den Spartanern bemerkt: knei obd' dpcB- 
fieTv ixscvwv ye TtoXXol imaravrac. Ihrer idealen Ansicht von 
der Jugendbildung gemäss scheinen die Athener die dem 
praktischen Nutzen dienende Rechenkunst dem Hause und 
dem täglichen Leben überlassen zu haben.] 

Bei dem Leseunterrichte soll man sich der Syllabirme- 
thode bedient haben (auX^aßt^ecv). Die Hauptstolle darüber 
findet sich bei Dionys. Halic. de ad mir. vi die. in De- 
mosth. 52: Touryjv yhp (t^i^ ypaixixazixrjv) Stav ixp.d{^ujp.ev, 
TtpwTOV fikv zä dvu/xaza züJv ffzot^etiov z^g ^(uv^g dvaXap.ßd- 
vofiev, ä xaXdzat ypu/i/xaza^ inecza ztmoug r' auzuJv xai 8u- 
väfieig' ozav 8e zaüza jM&utpzv, zuze zäg aoXXaßäg abzwv 
xoi rä nepl zaüza näßr;. Dann folgte erst ein Unterricht 
über die Thoilo der Rede: xpazijaavzsg 8k zouziov zä zoü X6^ 
you jLÖpia' (ivdfiaza Xiyuj xa\ pijjxaza xa\ cwSeofioug, und nun 
begann das Lesen selbst: 8zav 8k zijv zoüziuv ändvzwv im- 
az^jirjv ncpiMßutfUV^ zoz* dp^/)p.e&a ypd^siv zs xal uvaytvu)- 



zur ersten Scene. ^5 

axecv xarä auXXaß^v fxkv xal ßpadews ru npuJTOv, S.ze 
veapäg ouarji ext rrjg i$s(uQ. Allein [für die im vorigen 
Jahrhunderte erfundene Sylbenmethode ergiebt sich doch aus 
den von Dionysius gebrauchten Ausdrücken blutwenig; vgl. 
Ussing Darstell, des Erziehungs- und Unterrichts- 
wesens S. 107 und Gras berger a. a. 0. S. 260fiF. und] aus 
dem, was Athen. X. 79, p. 453 von der sogenannten ypaix- 
liarcxYj rpayqjSca des Kallias anführt, folgt vielmehr, dass 
reine Buchstabirmethode herrschend war. Nach Angabe des 
in Trimeter gebrachten Alphabets: 

I'<tt' äk^a, ßr^xa, ydßßa, 8ikra, ^sou izdp'' zX, 
Zy]x\ ^ra, t?^t', liüxa, xdnna^ Xäßöa, ßö, 
vS, $ö, xd ou, nt, fiu), xö adv, xaü, 3 izapöv, 
f>t, )(i xe Tt5 </>i eis xö ä, 

heisst es weiter: d ^ophg 8k yuvaixujv ix raJv auvStto Tcenocrj- 
pdvog abxui iaxiv ippexpog äpa xal pspeXonenottjpdvos Tuv8e röv 
rpÖTTOv • ß^za ä\(pa /?«, ßr^xa eJ ßs, ß^xa rj ßrj, ßrjxa luixa ßi, 
ßrjxa ou /?o, ßi^xa o ßu, ß^xa uj ßuj- xal ndXiv iv dvxcaxp6<ptp 
xoü psXoug xai xoo pdxpoo , ydppa aX<pa^ ydupa £?, ydppa 
iüjxa, ydppa ou, ydppa 5, ydppa u>- xal inl xöjv XomCJv auX- 
XaßoJv opoiws kxdaxojv. Aehnliche Spielereien werden nach- 
her angeführt. [Ein schwarzer Ziegelstein in Athen mit ein- 
geritzten Buchstabirübungen ap ßap yap, ep ßsp ytp und so 
fort durch alle Vokale ist behandelt im P h i 1 h i s t o r. IV, 
p. 527. Vergl. Welcker KI. Schriften z. Literatur- 
gesch. B. I, S. 371—394: auch Bergk Com. att. reliqu. 
p. 117ff. und Westermann in Neue Jahrb. Bd. XXIX, 
S. 364.] 

Auch hinsichtlich des Schreibens finden sich einige inter- 
essante Notizen. Die Lehrer schrieben die Buchstaben vor 
und Hessen sie nachmalen, Plato Prot. p. 326: ZiOTitp oi 
ypappaxcaxal xo7g py^nu} decvoTg ypd(petv xu>v nacSojv unoypd- 
</>avxsg ypappäg xfj ypa<pt8t ouxiü xö ypappaxsTov £i86aat xal 
dvayxd^ouai ypd<pscv xaxä x^v b^yr^aiv xwv ypappwv. [Wie 

Charikles II. c 



66 



Zweiter Excurs 



in den romischen Schulen (Senec. Ep. 94; Vopisc. Tac. 6 
und Quintil. I, 1, 27) führten die Lehrer wohl auch den 
Schülern anfangs die Hand. Die Schreibübungen begannen 
auf der mit Wachs überzogenen Schreibtafel, no^tov: Plut. 
adv. Colot. 25: ioixs. rh auzb Tzdffxetv roTs vsojarc ypriiiiiara 
aavMvouac zSjv Tiatdujv, ol zobg /a^axr^/Ja? iv rots no^cocs 
k&tZ6ixtvoi Uystv, Zrav l?cu r^yp^Hiivoos iv krepocg c'dwacv, 
dii^i-p'ooüat xal rapdrrovTat. Lucian erwähnt, aber wahr- 
scheinlich in Bezug auf vorgerücktere Schüler, r.oXuTzzuxous 
dÜTous (Amor. 44) und auf der in Archaeolog. Zeit, von 
1874 T. 1 abgebildeten Schale des Duris corrigirt der Lehrer 
ein Triptychon. Nachdem auf dem Wachse einige Sicherheit 
erreicht worden war, ging man zum Schreibrohr und Papyrus 
über, von dem man aber den Kindern nur bereits gebrauchte 
Blätter auf der Rückseite beschreiben Hess. Vgl.Marquardt 
Rom. Privatalt. I, S. 394 und über noch erhaltene Schuler- 
wachstafeln mit Schrift und darunter stehenden Noten oder 
Censuren Wattenbach das Schriftw. im Mittelaltei 
S. 42. Daraus, dass Plat. Leg. VII, p- 810 sagt: rw/^«'« 
fikv zolvov xpn ^^ P-^XP' '«^ ^i^«^^' '^ ^«' dmrw>vat 3umzb) 
ehat Stanovecv, Tiphg zä-xog 8k ^ xdXXog dTUjxpLßCoa^ai ztatv 
oig iMtj (pöaig inianeoaev iv zo7g zszayiiivotg ezem, xaipBi\ 
iäv, hat Becker geschlossen, dass überhaupt auf Schönhei 
der' Handschrift geringes Gewicht gelegt worden sei. Docl 
verwirft nur Plato die darauf gewendete ängstliche Sorgfalt 
dass sonst Werth auf eine gute Handschrift gelegt wurde, is 
schon an sich vorauszusetzen und ergiebt sich auch für^ di 
spätere Zeit aus Lucian. Paras. 13: ozt xal zobg iv ixe/ 
vaig zdtg zexvatg npoxonzovzag oi nazepeg xal fii^zspeg zoi 
zote zijiMm ndXiOza, otg xaB' i^dpav xal zbv napdatzov^ xo 
Xüg, vi) äta, eypaipsv b natg, Xiyovzeg, Sbzs ahzöi <pc 
ye7v obx iypa(}>ev dp^utg, p.^ Sore.] 

Das Rechnen soll nach Plato p. 819 spielend erleri 
und die abatracten Zahlenbegrifle und Verhältnisse den Kir 



cur ersten Scene. ^7 

dern möglichst versinnlicht werden, indem man sich einer 
Anzahl Aepfel oder ähnlicher Hölfsmittel bediene: r.pwTov fikv 
yäp TSpi Xoytaixoug d~aj(Viug Tiaiah i^eoprjixiva p.a^rjixaTa fierä 
TiacScag rs xac r^Sovr^g /Jiavßdvecv, fir^Xajv z£ rcviuv diavojxai xai 
OTS^dvojv T:\eioaiV djxa xai iXdzroaiv^ apixorrövrtüv dpSixutv 
Tujv al)~u)V' xai nuxrujv xai naXatariöv ifsSpeiag rs xcd auX- 
^$S(os iv /J-epsi, xai l^t^jQ xai wg i:£<puxaxrt ytyvzffBat, xai 
8rj xai nae^ovTsg <ptdlag dpa y^poaoT) x(u ^aXxoo xai dpyvpou 
xai TocouTwv tcvüjv äXXojv xspavvuvreg. Sonst gebrauchte man 
dazu, und zwar nicht bloss beim Erlernen sondern auch im 
gewöhnlichen Leben, die Finger oder, wenn genauer gerech- 
net werden sollte, Rechensteine, <}>rifoug. Daher Aristoph. 
Vesp. 656: 

xai Tzpuixov ßkv käyitrai yaüXwq, fiij (p^^oig, dW änö )(eip6g. 

Vgl. Theophr. Char. 14. 23. 24. Die Finger dienten zu- 
nächst zum Zählen, Tiepnd^sa^ac , Plut. Defect. orac. 36; 
vgl. Nitzsch z. Odyss. B. I, S. 273; dann aber namentlich 
auch, um durch Bildung verschiedener Figuren Zahlen auszu- 
drücken. Alciphr. epist. 26: ol Tispi rag ^<ij<poog xai zutv 
BaxTuXiuv zag xdjitl'etg elXivdooptvot: vgl. Artemi d. Onirocr. 
II, 59 mit Wyttenbach ad Plutarch. p. 1047, Jacobs 
ad Anthol. gr. II, P. 2, p. 20, Böttiger Kunstmyth. 
Th. I, S. 267, Hildebrand ad Appul. de mag. 89, p. 613 
[und Marquardt a. a. 0. I, S. 98: »das Fingerrechnen, wel- 
ches, wie im Orient und in Griechenland, so auch in Italien 
allgemein üblich und bis in das Mittelalter im Gebrauch war, 
hat seinen Namen davon , dass man durch 18 Figuren der 
linken Hand die 9 Einer und die 9 Zehner, durch eben so- 
viele entsprechende Lagen der rechten Hand die 9 Hunderte 
und die 9 Tausende ausdrückt, während man 10,000 und die 
höheren Zahlen durch Berührung eines bestimmten Körper- 
theils mit einer der beiden Hände bezeichnet«. Vgl. Plut. 
Apophth. reg. p. 174 c: xa&dnep, ol rujv dpcBprjTtxwv 5o- 

5* 



gg Zweiter Ezcurs 

xroXot vuv fj£v fiupcddag, vuv Se /xomSa Tcßevac dovavzai x. z. ^.] 
Diese ^^^o: hatten nach ihrer Stellung auf der Rechentafel, 
äßa^, äßdxcov, verschiedene Geltung, wie man aus Polyb. 
V. 26 sieht, wo Apelles sagt: ovzujg ydp elaiv ohrot (Günst- 
linge der Konige) TzapanXijacoi zoug inl rutv äßaxiojv (pTj^ocg- 
ixeTvat ts yäp xaxa -njv rdb ^rj(piZ,ovroQ ßoöX-^mv apzt. y^aXxouv 
xal napaoztxa rdXavzov la^oumv, ein Bonmot, das D i o g. 
Laert. I. 59 dem Selon zuschreibt: iXsys Sk zoug napd xotq 
Topdvvocg duvap.evoug napanXrjaioog ehai zaTg (p^^ocg im zwv 
Xoyiffixwv ' xal ydp ixstvwv kxdazrjV izozk p.ev nXsiuj ar^fiacveev^ 
nozk 8h 7JZZ0J. [üeber die Einrichtung des griechischen 
Rechenbretts vergl. Rangabö, Letronne und Vincent in 
Revue Archeolog. annee III, p. 295—308 und 401—405; 
Böckh in Gerhard Archaeol. Zeit. 1847 n. 3, S. 42fr. 
und im Allgemeinen die eingehende Untersuchung von Mar- 
quardt a. a. 0. S. lOOff. Wenn Herod. II, 36 schreibt: 
ypdixfiaza ypdcpooat. xal Xoyc^ovzac (p^^ocg , ^'EXXr^vsg fikv dm) 
züfv dpcazsputv inl zd Se$cd fipovzeg z^v X^^P^> Alyönzioi 8k 
änb zojv 8e$tu)v im zd dpcazepd, so bezieht sich dies hinsicht- 
lich des Rechnens darauf, ob man beim Addiren und Subtra- 
hiren rechts von den Einern oder links von der höchsten Zahl 
begann. Vergl. noch Cantor Mathemat. Beiträge zum 
Culturleben d. Völker. 1863. S. 128—139.] 

Waren die Kinder so weit geübt, dass sie lesen und das 
Gelesene einigermassen fassen konnten, so waren es zunächst 
Dichter, durch deren Lektüre man den Verstand zu üben, das 
Herz zu bilden, das Gefühl für Anstand und Sitte zu wecken, 
den Drang nach grossen und edlen Thaten zu erregen suchte. 
Davon spricht nicht nur Plato Leg. VII, p. 810, der auch 
des Auswendiglernens bald ganzer Dichter bald ausgewählter 
Stellen gedenkt, sondern es sind vielfältige Zeugnisse vorhan- 
den, welche diese Unterrichtsmethode als allgemein angenom- 
men darstellen. Strabo I. 2.3: zouvwzcov 8' {7<!pazoaHsvst) 
Ol nakaiul <ftXuau<ptav ztvd Xiyooai npwzn^v z^v mjerjzcxrjv, siffd- 



zur ersten Scene. 69 

youcrav stg rbv ßcov rjfxäg ix viiov xac 8i8daxooaav r^&r^ xal 
TidBrj xai Tipd^etg fie^' ^Sovrjg, oi dk ijixirepoi xa\ /lövov nocij- 
TTjV K(paaav elvac zuv aofuv ' 8cä rouro xat roug naidag ai riov 
'EXXrjvoJV rcoXetg npiÜTcara Scä ttjQ Tiocr^rtxr^g natSsoouaiv, uu 
(lio^aywycag X^P^^ drjTioudsv (ptXr^g^ äXXä auxppovtaiiou. Am 
deutlichsten aber reden die Worte aus der trefflichen Rede 
des Protagoras, Plato Prot. p. 326: oi 8k 8i8daxaXot zou- 
Tujv T£ inifxsXotfVzac, xat imcSäv au ypdfxuaza fidd^iüm xa). 
jiiXlwai ^ovfjaeiv za yeypa/jifieva oxmep zuzs zr^v ^^ajvrjv, r.a- 
pazcHsaaiv abzdlg im zuJv ßd&pujv dvayiyvMaxeiv r.otr^ziuv dya- 
Su)V mjtrjiiaza xa\ ixfiav&dvecv dvayxd^ouaiv, iv oTg noXXal pukv 
vou^zzTjcecg svecac, ttoUoc 8k 8c£$o8oc xdl inaivoc xal iyxutpLca 
nalatujv dvdpoJv dyaf^wv, cva 6 r.atg OfjXiöv /xi/xr^za: xa} dpsyi^ 
za: zotouzog ysvea^ac. [Vergl. Hermann Privatalt. § 35, 
not. 6—8 und C. A. Schirlitz de pretio, quod Graeci 
studio poesis in juventutis institutione posuerunt, 
Nordhausen 1850. 4. Bernhardy Grundr. d. Literaturg. 
B. I, S. V5ff. Grasberger a. a. 0. S. 284ff.] Vor allen wa- 
ren es die Gesänge Homer's, welche in Lehre und Beispiel 
alles zu enthalten schienen, was geeignet sei, den Menschen 
zum xaXug xdyaMg zu bilden und das hellenische National- 
gefühl zu wecken. Isoer. Paueg. § 159, und so sagt in der 
That von sich Nikeratos bei Xenoph. Symp. 3. 6: b rtazi^p 
impLsXoupLSvog oncug dvr^p dya^ög ysvoi'prjv, rjvdyxaai fie Ttdvza 
zä Vfxi^pQU STo/] paBslv xal vüv ouvai/xrjv äv UXtdda oXr^v xal 
'08uaa£iav dnu azo/xazog elnsTv. Für die späte Zeit noch be- 
zeugt es Dio Chrysost. Or. XL 4: xdxsTvov p-kv ('Opr^pov) 
bnoXaßscv BsTov dvSpa xal ao^ov, xal zoug ratoag sußbg i$ 
äp^r^g za Irny 8c8d(Txscv. [Vergl. J. F. Lauer Gesch. der 
homer. Poesie, Berlin 1851. 8, S. 8ff. Schmidt Gesch. 
d. Pädag. I, S. 159. Bernhardy a. a. 0. Bildliche Dar- 
stellungen für die Beschäftigung mit den Dichtern finden sich 
bei Panofka Bilder Taf. IV, 2, 5 und 11. Archaeolog. 
Zeit. 1874. Taf. 1.] 



70 Zweiter Excurs 

Denselben Zweck verband man dann auch mit dem mu- 
sikalischen Unterrichte, der natürlich etwas später, nacl 
Plato Leg. VII, p. 809 vom dreizehnten Jahre an, eintrat 
Ilpog 8k TouTocg, sagt Protagoras in d. a. St., imcdäv xc&a 
pc^ecv fid^wacv, äXXiuv ao izoirjrutv d/aBuJv Tiotr^ixara Scddaxoua 
lieloTzotibv. — Die Musik aber, über deren Zweck aus den 
Gesichtspunkte des Alterthums Aristoteles derepubl. VIII 
3 vortrefflich spricht, sollte nach ihm durchaus nicht bloss un 
des Vergnügens willen, i^dow^g Z'^P^^y erlernt werden, obgleicl 
er gesteht, dass dieses gewöhnlich der Fall sei; sondern Tipö 
T^v iv Tjj oy^oXri diayojyfjv oder des xaXujg o/o?A^£cv wegen. Si 
fiillt also noch weniger als der vorhergehende Unterricht un 
ter den Gesichtspunkt des praktischen Gebrauchs {8cb xa} rtj 
fiouatxijv Ol nporepoc elg naidzlav era^av, ou/ ojg dvayxdco 
— ou8kv yäp i^ec zocoutov — ou8' uig ^p^crcfxov uxnrsp ri 
Ypd/xfxaza), aber sie galt für eine edle und würdige [besonder 
ihrer ethischen Wirkung wegen hochgeschätzte] Beschäftiguni 
in den Stunden der Erholung und Müsse, und daher sagt er 
Srt fxkv Tocvuv icrd naiSeca reg, ^v oh-^ cug ^prjac'ixrjv natSeuTSu 
zohg ois7g ouo' cug dvayxacav, dXX' ujg iXsoMptov xat xaXrj\ 
(pavepov iartv. [Nur sollte dabei keine virtuosenhafte G< 
schicklichkeit erzielt werden und deshalb tadelt er rä &aop.c 
ata xat nepirvä rwv epyojv, S. vuv iXrjXu&sv slg roug dyaivat 
ix 8k T<jjv dywviüv dg ttjV 7:ai8ziav. Vgl. Flut. Pericl. ; 
Während ferner Plato sowohl die Lyra als auch die Kithar 
gestattet: de repub. III, p. 399 D Xöpa 8rj aot xai x:8dp 
xaroL nokv ^prjaipa, spricht sich Aristoteles a. a. 0. gaii 
entschieden gegen die letztere aus: ours yäp auroug {dyCova(, 
tlg muSdav dxriuv out' äXXo re^vtxöv npyavov^ oto 
xti^dpav, xäv et Ti toioütov irepöv iortv, dXXä Zaa notTjO 
alJTwv dxpoaräg dyadoug ^ rr^g jxouercxrjg 7:ai8£iag ^ rr^g äXXtj 
Und hierin schliesst er sich der wirklichen älteren Sitte ai 
Denn wenn auch xcBap/^ecv mit Xöpa ebensogut wie mit x 
bdpa verbunden wird, z. B. Xenoph. Conviv. 3, 1. Ar 



zur ersten Scene. 71 

stot. de republ. VII. 13. Homer. Hymn. in Mercor. 
V. 423. Athen. XIV, 18, p. 623; vgl. Michaelis in Ar- 
chaeol. Zeltung. 1873 S. 5: so sprechen wieder andere 
Stellen, wie Aristoph. Nub. 1355, Xenoph. Oec. 3, 13, 
Plat. Lys. p. 209, Alcib. p. 107, Phaed. p. 73, Leg. 
p. 809 ausdrücklich von der Ibpa. Vergl. Jan de fidibns 
Graec. p. 22. Auch auf der Durisschale in Archael. Zeit. 
1874 Taf. 1 erblickt man in der Schulstube fünfmal die Lyra 
vertreten, über deren Unterschied von der xSdpa ich ausser- 
dem auf Guhl und Koner Leben d. Griechen S. 243 ver- 
weise.] Die Flöte war insbesondere in Böotien zu Hause; 
vergL Plutarch. Pelopid. 19 und Maxim. Tyr. Diss. 
XXIII. 2: 0rjßaloi auhjTtxrjV im-n^osüouac xac Sffztv fj de* ath 
Xü)v /xoüaa im^utpioQ rolg BokutoTq. In Athen hingegen kam 
sie zeitig ausser Gebrauch, nicht nur weil man meinte, sie 
verunstalte das Gesicht, sondern auch weil sie den gleichzei- 
tigen Gebrauch der Stimme nicht gestattete. Arist. de rep. 
Vin. 6: npoff&iufiev dk Sri au/xßdßrjxsv ivavrt'ov aJuzu} Tpbg 
Ttacdecav xac ro xojXuscv toj Xöyio ^pr^a^ai zr^v (mlr^afv ' ocb 
xaXutg dmdoxcfiaaav ootou ol TipoTSpov t^v ^pr^atv ix tcüv 
vswv xal TUJV iXsoBspiuv, xamep ^pr^crd/xevoi ro rpwTov auzw. 
Auf diesen Sieg der Lyra über die Flöte bezieht sich auch 
unstreitig der Mythus von Marsyas; vgl. Böttiger Pallas 
Musica und Apollo der Marsyastödter in seinen Klei- 
nen Schriften Th. I, S. llff. [auch Plat. Alcib. I, 3 
p. lOG und Plut. Alcib. 2 mit Bahr 's Bemerkung. Doch ist 
deshalb in Athen die Flöte keineswegs ganz aus dem Munde 
der Männer verschwunden, wie Michaelis Archaeol. Zeit. 
1874 S. 13 nachweist. Ein Hauptgrund der Abneigung ge- 
gen sie und alle Blasinstrumente in Bezug auf den Unter- 
richt der Knaben lag in der Meinung, dass sie das Gemüth 
zu leidenschaftlich aufregten, wie es ja auch bei Aristot. 
de republ. VIH, 6 weiter heisst: ert 8k oux iartv 6 auXög 



72 Zweiter Excurs 

rj&ixov, dXXä dpytaarixov . . . ri npbg ttjv didvocav ohdiv iartv 

Der Besuch der Schulen wurde bis zur Jünglingsreife 
{rjßr^ fortgesetzt: also in der Regel bis zum 16. Jahre; vgl. 
Hermann Privatalt. § 35, not. 13. So sagt noch Lucian 
von sich im Eingange seiner Lebensskizze Somn. 1: äpn 
jxsv knenaüjxrjv ecg rä dtSaerxaXsTa foivatv, ^§7] r^v ^kxcav 
TtpooTjßog <x)v , wo Hemsterhuys den Ausdruck erklärt. Was 
darüber hinaus lag, war lediglich ein höherer Unterricht bei 
Rhetoren und Sophisten, dessen Kosten auch nur die Reiche- 
reu bestreiten konnten; denn die berühmteren derselben for- 
derten für ihren Unterricht ziemlich bedeutende Summen, wie 
Aristipp 1000 Drachmen. Plutarch de educ. 7-, Diog. 
Laert. II. 72. Dieselbe Summe liess sich nach Pseudo-Plut. 
X erat. Vit. 4, p. 837 Isokrates zahlen und antwortete dem 
Demosthenes, der ihm 200 Drachmen brachte, i^' w rs tu 
TidfiTiTov pdpog ix/xd&yj' ob -zjiay^iO'p-^Vt <J^ Jrjioa&evsg, r^v 
TtpayfiaTScav wamp 3k roug xaXuug l^&üg dXoug nwXoufiev, 
ouTu) xdyu) (Toc, ec ßoöhno pa^rjxeös'.v^ oXuxhjpov dnodiüffopiat 
TTjv xiyyriv. Derselbe sagt c. Sophist. 3: xai Trjlixobruiv 
dya&u>v 8i8aaxdXnog xai xop(oog a<pdg ahxohg xaTaarijaavzzgf 
oiMc ala^uvovrat rerrapag ^ ndvre [iväg unkp robrojv ahoüvrsg. 
Ausführlichere Angaben s. bei Böckh Staatshaushalt. 
Th. I, S. 169 und Welcker Kl. Sehr. z. Liter.-Gesch. 
Th. II, S. 412 fif. [Doch beziehen sich die Angaben Becker's 
lediglich auf ganze Lehrcurse in der Rhetorik und Philosophie 
und auch hier scheinen die Sophisten zwisclien Reich und 
Arm Unterschiede haben walton lassen. Vgl. hinsiclitlich der 
100 Minen des Protagoras Plat. Protag. p. 828B und Ari- 
stot. Eth. Nicom. IX, 1, p. 1164 A. Als die Concurrenz 
die Preise etwas horabdrückte, nahmen gowöhnliclie Lehrer 
der Beredsamkeit nur .'500 -doo Draclimon: Isoer. c. soph. 
3. Vgl. besonders Büchsonschütz Erwerb und Besitz, 
S. 660 if.] Im Ganzen scheinen die Sophisten ohne alle Nach- 



zar ersten Scene. 73 

sieht gegen Aermere gewesen zu sein und auch wohl ihr Ho- 
norar nöthigenfalls mit der grössten gerichtlichen Strenge bei- 
getrieben zu haben. Eine Scene der Art, freilich wohl mit 
etwas lebhaften Farben geschildert, finden wir bei Lucian. 
Hermotim. 9: ixscvov aurov (einen Schüler), inei rov jxta^ov^ 
olfiac, fiTj dmdcdou xarä xaipov, dTv^yaye napä röv äp^ovra 
iuay^og^ nepSsis ys aozat &otfidTtov nepl rov rpd^i^Xov , xai 
ißoa xat ujpyi^ero^ xat ei p^ riuv aovijSujv rtveQ iv pia(p ye- 
vopsvoc d^stXovTo rov veavctrxov ix raJv ^zcpa>v aorou, zu :a&i, 
npoff^ug dv dnizpayev aozou r^v pTva 6 yipiov, oürio^ vjya' 
vdxret. [Doch kommt auch Manches der Art auf Eechnung 
des Anstosses, den es überhaupt erregte, dass sich die Sophi- 
sten ihren Unterricht bezahlen Hessen, und das Misstrauen 
derselben gegen die Schüler — nach Isoer. c. sophist. 5 
forderten sie zuweilen für das Honorar Sicherstellung durch 
Bürgschaft — mochte durch bittere Erfahrungen gerechtfer- 
tigt sein! Selbst die Anekdote von dem aus einer sophisti- 
schen Kontraktsklausel entstandenen Prozesse zwischen Pro- 
tagoras und Euathlos: Diog. Laert. IX, 56, Gell. V, 10, 
Qointil. III, 1, Appul. Florid. IV, 18 (nach Rhetor. 
Graeci ed. Walz t. IV, p. 13 ff. zwischen Korax und Tisias) 
klingt nach neidischer Gehässigkeit] Wissbegierige Hessen 
sich jedoch nicht abhalten, solchen Unterricht mit den schwer- 
sten Opfern zu erkaufen, und von Kleanthes erzählt Diog. 
Laert. VII. 168, von Menedemos und Asklepiades Athen. 
IV. 65, p. 168, dass sie des Nachts für Lohn in den Gärten 
und Mühlen arbeiteten, um am Tage in den Schulen der Phi- 
losophen zu sein.. 

Diese ganze Darstellung der Unterrichtsweise gilt übri- 
gens hauptsächlich von den attischen Schulen und uamentlich 
denen Athens selbst; vgl. Adolph Gramer de educ. puer. 
apud Athenienses, Marb. 1833. 8. Von den Schulen an- 
derer Städte ist wenig bekannt; doch war die -naidzia, mit 
mit Ausnahme von Sparta, im Ganzen allenthalben dieselbe. 



Y4. Zweiter Excurs 

Theophr. Char. prooem.: ndvzcov rü» 'EUrjvwv bjxoiiüg nat- 
deuojxiviüv. Den Spartanern war die geistige Bildung überhaupt 
Nebensache, und im Allgemeinen wirft ihnen Aristot. de 
republ. Vni. 4 gewiss mit Recht vor, dass sie die Kinder 
zu thierischer Wildheit erzögen, ^pi'udecg dnspydZovzat — 
dizacdayojpjToug nocrjawreg röiv dvayxatojv, wenn auch dieser 
Tadel mehr der späteren Zeit gelten soll. Vgl. Müller Do- 
rier Th. II, S. 299ff. [K. F. Hermann Staatsalt. § 26, 
n. 8ff. Grasberger Erzieh, und Unterr. Bd. II, S. 57. 
Mure History of the liter. III, p. 504ff. und IV, p. 33.] 
Von Theben hat. uns Aristophanes der Böotier (oder Ari- 
stodem) ein böses Zeugniss hinterlassen, bei Plut. de Hero- 
doti mal ig n. 31: Herodot habe dort für junge Leute eine 
Schule eröffnen wollen {rolg vioig dcaXiysa&ac xat aua/oM- 
Zetv), es sei ihm aber nicht gestattet worden {uttu nov dp/ov- 
rcjv ixiolb^Ti 8t' dypocxcav aurwv xal fiiffoXoyeav). Noch stär- 
ker lässt Dio Chrysost. Or. X. 31, p. 151 jlen Diogenes 
sich ausspiechen: iyoj dk rjxooaa Xdyovrog, otc tj I^iy$ f; 
dfia&ca ioTc- tou-ojv ouv xal nporspov Sca^l^eTpac robg Boao- 
xobg xat wv, ouokv auroug iöJaav elSzvai ärs dvl^pwnwv dpa- 
HoTd-coog. [Vergl. Isocrat. de permut. bon. § 248 und 
Demosth. de pace § 15. | Wie es nun auch um jene 
Nachricht über Herodot stehen und wie hart ein so allgemein 
ausgesprochenes Urtheil klingen möge: dass dort und ander- 
wärts für den Unterricht der Jugend im Vergleich mit Athen 
schlecht gesorgt war, beweist der Umstand, dass eben daher 
verständigere Aeltern ihre Söhne nach Athen schickten. 
A esc hin. cpist. 12, p. 699 : xat irspot piv, log ioexe, robg 
iwjxutv naidag robg fj h IhnoritjL ysvvrjHdvrag ^ iv Ahwk'^ 
nphg üpLäe nipnouat r^g auruht naidetag peU^ovrag. [Doch 
spricht wenigstens die von Thucyd. VII, 29 erwähnte Schule 
von Mykalessos nicht für die Vernachlässigung des Schulunter- 
richtes und überhaupt kommt in Bezug auf dio gegen die 
böotische Intelligenz herrschende Verachtung viel auf Rech- 



zur ersten Scene. 75 

Dung des zwischen Athen und Böotien bestehenden politischen 
Zwiespaltes und der attischen Spottsucht, die auch das Edel- 
ste (Aelian. Var, Eist. XIII, 5) nicht verschonte. Vergl. 
Böttiger's Kl. Sehr. B. I, S. 36ff.] 

Dass freilich auch in Athen wie anderwärts aller bisher 
geschilderte Unterricht sich lediglich auf die männliche Ju- 
gend beschränkte, liegt in dem ganzen Verhältniss beider 
Geschlechter nach griechischen Begriffen so natürlich begrün- 
det, dass es eines besonderen Beweises dafür kaum bedarf. 
Von besonderen Schulen für Mädchen wird nirgends etwas 
erwähnt, und sie wären auch mit der ganzen Weise, wie die 
weibliche Zucht gehandhabt wurde, völlig unvereinbar gewe- 
sen. Zwar verlangt Plato Leg. VI, p. 764 yvixvdata xdi 8c- 
SaaxaXela dftf)iv(ju\> xai xopiüv, natürlich getrennt, wie er auch 
VIII, p. 813 für die Knaben dfjj^rjOTdg, für die Mädchen dp- 
■/TjOTpidag verlaugt; allein das ist nur sein Vorschlag; in der 
Wirklichkeit würde es allen Begriffen von weiblicher Sittsam- 
keit widersprochen haben, wenn die freien Töchter eines Bür- 
gers ünterrichtsanstalten ausser dem väterlichen Hause besucht 
hätten; und wo uns dergleichen bei Plautus (Eud. prol. 
43) oder Terenz (Phorm. I. 2. 36) begegnet, da sind es 
Kitharistrien , die ein leno für ihr Handwerk abrichten lässt 
und die jene Kegel vielmehr bestätigen als widerlegen; vgl. 
auch Isoer. n. dvrtd. § 207. Alle anderen wurden jedenfalls 
nur nothdürftig von den Müttern und Wärterinnen unterwie- 
sen. [Für die Kenntniss des Schreibens lässt sich z. B. De- 
mosth. in Spud. §9 anführen: ypdpfxara o' sazcv ä xazah- 
TTSv dTioBvijaxooaa kxeivyj^ vergl. mit § 21. Ausserdem vergl. 
St. John Hellenes t. I, p. 405. Doch gilt wohl von der 
Mehrzahl, was bei Xenoph. Oecon. VII, 5 Ischomachos von 

seiner jungen Frau sagt: xai xi 3v STtcarapLivr^v aur^v 

napiXaßov^ ^ sny psv ouna) Tzsvrexacdsxa ysyovuTa rjX^z itpug 
i/X£, Tuv 8' ipnpoa&Ev ^povov iZr^ urru TzoXXr^s imfieXsias OTiwg 



76 Zweiter Excurs 

üjg iXa/iara jxkv o<f>ocTo, iM^tara d' dxouaotTO, iM^ictra 8^ 
ipoiTo ;] 

Aeussere Sitte und Anstand {eöxoff/xca) war ein vorzüg- 
liches Augenmerk der Erzieher. Ja Plato sagt Prot. p. 326: 
fxerä de zauza ecg dcdacrxdXoJV Tze/xnovTeg tto^u fxäXXov ivrsX- 
XovTai iruu^XsTa^at. euxocrixias zwv nacdwv ^ ypttfi/xarojv re xac 
xSaptatwQ. Mag auch hier toxocp-ia in etwas höherer Be- 
deutung für eigentliche Sittsamkeit zu nehmen sein, so wachte 
man doch nicht weniger über kleine Gewohnheiten, welchen 
sich zu fügen die hergebrachte Sitte erheischte. Dahin zu 
wirken war bei den Knaben hauptsächlich Sache der Päda- 
gogen, bei den Mädchen der Mütter und Wärterinnen. Meh- 
rere Stellen sprechen davon. Plutarch. Virt. doceri 
posse 2: xat ahzaii deddaxouacv ol nacdaywyo} xexu^orag iv 
rcug 68o?g Tzepmazeiv^ kvl daxzöXo) zb zdpc^ov aipaa&ai, 8uai 
8' ij(&uv, oTzov, xpiag^ ouzio xväadac, zö i/xazcov oüziog äva- 
XaßeTv. [Die Sittsamkeit der Mädchen im Allgemeinen betrifft 
Xenoph. Oecon. VII, 14: i/xt»v <5' e<piqaev rj [irjTr^p ipyov 
elvat aoj^povecv.] Die Bescheidenheit bei Tische verbunden 
mit dem Anstände der Haltung schildert Aristoph. Nub. 981; 
oö3^ &v e?.£<Ti9ai dscnvoövT^ i^rjv xstpdXatov r^g pa^avcdog, 
0Ö3' ä> ävrji9ov rwv npstrßuTipcov äpmi^etv oödh aikivov, 
obö'' d(}io<paYEiv oödk xt^XtCeiv oöd'' Xa^^iv ztu izod'' ivaXkd^, 
[Vgl. Clem. Alex. Paed. II, p. 171 D : d 87) xal xa&sCocvzo, 
pL^ ivaXXd$ Zih 7:68£ i^ovziuv pifj8k pijv Odzepov zocv prjpoTv 
^ariptp im^epovzwv , ^ zijv X^'P*^ "^^ ysveiu) Ü7Tepet8üvziuv. 
Plut. de rect. rat. aud. 18 mit der Note von Wyttenb. 
und Aristid. 45, p. 12GD.] Bei dem Essen sah man vor 
zQglicli darauf, dass die Speisen mit der rochton Hand gefasst 
wurden. Plutarch. oduc. 7: zfj /xkv 8£$t^ trovebcZstv zä 
7tat8ia Si^Effl^ai zäg zpo^dg, x&v npozetveie z^v dptazspdv, 
iniTtfxäv. Noch ängstlicher wird die Sitte geschildert de 
fort. 5: Toug miWag 8i8daxopev zfj 8£^t<ji Xapßdvetv zoü «)y<ou, 
rfj 8k dpcazep^ xpazslv znv dpzov, Ucborhaupt war es, wie 



zur ersten Scene. 77 

bei uns, Sitte, bei allen Verrichtungen vorzugsweise die rechte 
Hand zu gebrauchen, was Plato als grosse Thorheit bezeich- 
net. Leg. VII, p. 794: rä 8e xarä ^eTpag dvüi(f. rpoifujv xa\ 
/XTjripwv olov ^(jdXoI yayovajizv ixaaror r^g ^uaeutQ yap kxa- 
rdpwv TüJv jieXijjv a^edbv laopponoörnf^g^ aurol 8cä rä t^^tj 8id- 
<popa ahxa nenotrjxapsv oux dpßujg ^pu>psvoc. Vgl. Aristo t. 
de republ. II. 12. Es schien dem Aristoteles bedeutend 
genug, um es als Eigenthümlichkeit der platonischen Gesetz- 
gebung herauszuheben. 

Bei dem Ausgange, auf den Strassen, sollten auch die 
Knaben bescheiden vor sich hin zur Erde blicken, wie es 
schon in der oben angeführten Stelle Plutarch's hiess: xsxo- 
(foxeq, mit gesenktem Kopfe. So schildert sie auch Lucian 
in einer weiterhin anzuführenden Stelle, und dasselbe liegt 
wenigstens mit in der Vorschrift des Demetrios Phalereus bei 
Diog. Laert. V. 82: Tohg veoug s^ Secv int fikv rr^g olxcag 
Toug yovscg aldsiad^at, iv dk zaTg SdoTg rohg dnavrojvrag, iv 
de ratg ipr^ficacg iauroOg. üeberhaupt aber war Bescheiden- 
heit und Ehrerbietung gegen Aeltere eine der ersten Forde- 
rungen, und wie Plato Leg. IX, p. 879 im Allgemeinen 
verlangt: nag ^pJv acdsia&uj zuv kaoToo npsaßorepov epyo) zs 
xat ensc, so nimmt er auch besonders es als etwas , das sich 
von selbst verstehe, an, dass die vsutzspoe in Gegenwart Ael- 
terer schweigen: ßepubl. IV, p. 426: myäg vsojzspujv napä 
npsffßuzspocg, wg npinet. Kein schöneres Muster solcher at3u)g 
möchte sich im Alterthurae finden als Autolykos in Xeno- 
phon's Symposion. Auch er nimmt am Gespräche durch- 
aus nicht Theil, und die Stelle, wo er gefragt antworten muss 
ist eine der lieblichsten in der trefflichen Schrift. Es heisst 
cap. 3. 12: ohzög ys pijv {AuzoXuxog), if-q ztg, drjXov ozi inl 
70} vixTj^öpog shac (jisya ^poveT), xal 6 AuzoXuxog duepu^pid- 
aag eins, p.a AC oux iycuys. iml 8k anavzsg ^aBsvzsg, ozt 
r]xouaav ahzou ^(uvrjaavzog, npoaißXs<pav, rjpszo ztg auzöv, 
äXX' inl zipprjv, tu AhzöXoxe\ b 8' stnzv in\ zS) nazpc. xal 



78 Zweiter Ezcnrs 

a^a ivexXi^Tj avTw. Ein ähnliches ebenfalls sehr anmuthiges 
Bild gewährt ein Fragment Menander's bei Plutarch de 
sanit. tuend. 18: rujv fxkv yap napä nZ Mzvdvdpo) vsavt- 
axiüv bno too rtopvoßoaxoo napä norov imßouksuopsvwv xaXäs 
xai TzoXuTeXzTg sladyovzog kracpag, ixaazog^ wg <prjm, 

x6(paq ig abxuv tÜ)v rpayrifidTtov U^la, 
^uXaTTOfievog xat ^oßoOp.zvog ipßXimtv. 

Dass übrigens Autolykos an einem Mahle ausser dem 
väterlichen Hause Theil nimmt, geschieht ausnahmsweise, weil 
sein kpaa-zrig dasselbe eben ihm zur Feier seines Sieges ver- 
anstaltet, vixTjZTjpia kffzia. Auch thut er es nur in Gesellschaft 
seines Vaters und verlässt das Mahl früher als die Anderen; 
c. 9. 1: Aü-uXoxog de, rjSrj yäp wpa tjv aörw, i^avcaraTO elg 
TTspcnarov. Im väterlichen Hause geschah es wohl, auch wenn 
Gäste bewirthet wurden ; oft mochte man aber dann die Kin- 
der auch in die Gynäkonitis verweisen, wie es Enkrates we- 
gen Mangel an Platz thut Lucian. Somn. s. Gall. 11: zbv 
uluv yap iyuj xtXtbaa) iv t^ yuvacxiuvcTcdc perä zr^g ixfjzphg 
iarca&r^vac, lug ah lüipav ixTl^'- ^"^^ ^''^^'^ ^^ wenigstens nicht 
Kegel war, sieht man aus Theophr. Char. 5, wo als Cha- 
rakterzug dessen, der Allen zu gefallen lebt, angegeben wird: 
xat xsxXrjievog 8k im SeTrn'OV xeXeuaat xakiaai ra natdia rov 
effvtüjvza xai elmovza <prjaai , aüxoo op.ou)Z£pa elvac zw nazpt. 
Während übrigens die Erwachsenen bei Tische lagen, sassen 
die Kinder. So auch Autolykos c. 1. 8: AbzüXoxog /ikv ouv 
rtaph zov nazipa ixa&ü^ezo, oc S' dXXoi^ uxmsp eixug, xaze- 
xXcßr^aav: [Vgl. Plutarch. Sept. aap. conv. 4 und Arist. 
de republ. VH, 17.J 

Um die öffentlichen Angelegenheiten sich zu kümmern, 
galt in älterer Zeit den jungen Leuten, auch wenn sie längst 
über die Kinderjahre hinaus waren, für höchst unschicklich. 
Von Sparta sagt Plut. Lyc. 25: oi piv ye veiüzepnt zpidxovza 
iriüv zo napdnav oh xazißatvov elg dyopdv, dXXä Sid zmv avy- 
yevöjv xai zStv ipaazüJv inotohvzo zäg dvayxalag olxovojiiag. 



zur eisten Scene. 79 

In Athen gab es eine so feste Bestimmung zwar nicht; aber 
eben jene al8ü)g hielt die jungen Leute zurück. Bedeutend 
ist für die Gleichgültigkeit gegen Staatsangelegenheiten, we- 
nigstens wohl bei der Mehrzahl, eine Aeusserung bei Lysias 
in Theomnest. I, § 4: ^atvojiat ouv rptaxcudexiTrjg u)v, ore 
b nazrjf) unu rutv rpcdxovra dnsBvrjCrxe- zaürrjV 8k £/t«v zrjv 
r^lixiav ouv' et sarcv oXiyapiia ^neffTd/ir^v oüzs xtL Damit 
lässt sich auch wohl vereinigen, was Aeschin. in Timarch. 
§ 186 sagt: ro r' kpia^at rdcg nacac xal rocg fietpaxioes roug 
eauriöv olxsioog, otiujs to Tipäyfia xdxpczac^ Tipo^ecpov xi oov 
o7j Xd^ers ot r^g (lirj<poi) vovt yeyow-zzg xüpioi, ozav ol upzrs- 
pot TTOcdeg u/xäg ipojvvac, el xazzotxdaaTZ rj d7:s(l}r^Y"a'^'^^^'i 
denn erstlich ging Timarchos Verbrechen die Knaben selbst 
an, dann wird auch nichts als kindische Neugierde damit 
bezeichnet, und endlich war es freilich in Aeschines Zeit an- 
ders geworden, und es waren wirklich, wie man aus § 117 
sieht, viele vsutzepot bei dieser Verhandlung gegenwärtig. 
Vgl. die ähnliche Stelle bei Demosth. in Neaer. § 110.— 
Von jener löblichen Sitte der frühern Zeit spricht Isocrat. 
Areop. § 48: ouzio 8' i^suyov zijv dyopdv, uktts et xac rroze 
Stek&e7v dvayxaa&ecev , {xezd noX^Xr^g alooug xai aui<ppoaüvTfi 
e<patvovzo zoozo notouvzeg, und Isaeus de hered. Cleonym. 
§ 2: xat zoze psv oüziüg bn^ abzdö {zou nazpog) awfpöviug 
inat8eo6peUa, uxrz' ouSs dxpoaao/xevot ou8e7toze ^X&ofiev irt 
Stxaazrjptov: wie auch noch Xenoph. Mem. IV, 2, 1 den 
Euthydemos anführt, als otä veozrjza oünoj etg z^v dyopdv 
etatovza. Aber eigentlich hatte sich das schon zur Zeit des 
peloponnesischen Krieges geändert, und daher die Klage des 
Andocides in Alcib. § 23: zotydpzot zwv viwv al Stazpt- 
ßai ohx iv zoTg yupvaaioig, dXr iv zotg 8txa(Tzr^ptoig eiaiv. 
[Vergl. auch Plut. Demosthen. 5: dxouaag ouv b Jr^/w- 
(T&ivrjg zcüv St8aaxdX(uv xat zu>v it(u8ayo}yu)v <Tovzt^ep.iv(ov z^ 
Sixtj napazv^ecv, enetae zbv kaorob i:at8ayutybv os6p.evog xat 
^po&ufxobfievog , onojg abzbv dydyot npbg ztjV dxpuaatv. b o' 



80 Zweiter Excurs 

e^cov npbg roug dvocyovrag zä Bixaarfjpia Srj/xoaious covi)- 
Bscav eunopr^as y^cupag, kv jj xa&rjpzvog 6 natg ddijlwg dxou- 
aerai rwv Xeyo/xdvcov und Aristoph. Equ. 1382 ff.] 

Die Veränderung in der Erziehung überhaupt tadelt Ari- 
stophanes bitter, indem er die frühere Sitte und die spä- 
tere sich gegenüber stellt. Es spricht der iltxaiog Uyog^ 
Nub. 960 ff. 

ki^to rotvuv T^v dp^atav izatdsiav &g diexetro, 
ot' iyuj rä dixaia kiytuv ^v^ouv xal aw^poauvrj vev6fic<rro. 
izpwTOV ßkv M3ei nacSog ^wvtjv ypo^avroq ßrjdev' dxoüaaf 
slra ßadü^siv iv ralaiv ööotg eÖTdxTwg ig xi^apuTTOö 
Toug x(u(irjTag yußvoug dßpooug, xel xpißvdjdrj xaTavi<poi\ 

mit dem Vorwurfe gegen den "Abixog Xoyog v. 987 : 

<rü Sk Toug vuv eö&ug iv l/aartotg t: podtddaxeig ivreTuXi^ai, 

[So erscheint bereits auf der von Michaelis in Archaeol. 
Zeit. 1874 S. 2 beschriebenen Durisschale der Schüler in 
ein weites Ipdnov gehüllt.] und endlich der Paränese an Phei« 
dippides v. 990: 

npög zaur\ Si (xeipdxtov , ^apjbwv ifik töv xpeirrca X6yov 

alpoü, 
xänun-fjCKt "piaetv dyopdv xal ßaXaveimv d-jti^ea&ai 
xai Totg ala/potg al<r)(uve<r9at , x5v ffxutnrrj rig ae , <pXi- 

yec&ai, 
xai T<3v i9dxwv Tocg izpsffßuripoig u-KaviaTaaß^ai itpog- 

touat xrX. 

Zu jenen Andeutungen aus der guten, alten Zeit [vergl. 
Hänisch Wie erscheint die athenische Erziehung 
bei Aristophanes? Ratibor, 1834] passt das schöne Ge- 
mälde, welches Lucian, oder wer der Verfasser der Schrift 
sein mag, von dem bescheidenen täglichen Leben eines ge- 
sitteten Knaben entwirft, Amor. 44: opi^ptog dvaazäg ix r^g 
^dZOyou xoirrjg rov inl ru>v dpjxdxutv in Xomov Ijttvov dnovtijfd- 
pevog 7)8ari Xirip (vgl. Prep. III. 10. 13) xal ^(vwvcaxov xal 
j^Xavida raTg inutplotg nepuvatg aop/juipag dm) rr^g narptpag 



zur ersten Scene. 31 

kartag i^sp^erac xdxu) xexucpujg xac /xr^diva raJv dnavTutvTiuv 
i^ ivavTcou npoaßXimuv, äxoXooBot 8k xa\ ■nat^ayioyoi ^ ^opbg 
auTüj KOffftiog, ertovTac rä as/xvä rr^g dperr^g iv ^spalv öpyava 
xparouvrag, oo nptozoTj xzevbg ivrojiäg xufirjV xaraiprj'/^etv 8u- 
vafiivag ou8' iaonzpa ratv dvTiiiup<pu)v y^apaxTfjputv dypd^oug 
Elxüvag (dieses alles im Gegensatze zum weiblichen Geschlechte), 
dXX' Tj noXöizToy^oi 8ih:oi xazoiziv dxoXou&ouacv rj naXaiujv tp- 
Y<uv dpezäg foXdzzouaat ßißXoc, xäv sig jxouacxou 8ioe (poizäv^ 
eufjLsXrjg löpa. [Wozu K. F. Hermann noch die Schilderung 
des jungen MilMades in dem gleichnamigen Gespräche des 
Aeschines in Gaisford's Append. Florent. p. 36 ver- 
gleichen lässt.J — Aber freilich mag dieses Bild einem gros- 
sen Theil der jungen Leute, auch aus früherer Zeit, nicht ent- 
sprechen, und es ist, von allen anderen zusammenwirkenden 
Ursachen abgesehen, keine Frage, dass ein Beispiel wie das 
des Alkibiades, der, wie Lysias in Alcib. I, § 25 sagt, 
schon als Knabe ein zügelloses, ausschweifendes Leben führte, 
den verderblichsten Einfluss auf die attische Jugend haben 
musste. — Uebrigens hatte Athen auch ohne Zweifel zahl- 
reiche Gamins , die auch wohl bereit waren, im Auftrage an- 
derer allerhand schlechte Streiche auszuführen. Ein Beispiel 
der Art findet sich bei Demosth. adv. Nicostr. § 16: 
Ttpbg 8h zouzocg /xe^' ijp.ipav naiSäpiuv dazbv zl(mijx<pavzeg 8cä 
zb yeizovdg ze elvac xal op.opov zb ^ojpcov, ixdXsuov zijv po8oj- 
Vtäv ßXaazdvooaav kxziXXetv. 

Mit dem sechzehnten Jahre begann eine zweijährige 
Uebergangszeit, die auch in solchen Staaten, wo körperliche 
und Geistesbildung neben einander herzugehen pflegten, vor- 
zugsweise den gymnastischen Uebungen gewidmet war. Das 
ist eben die Zeit, in welcher sich Lucian npoarjßog nennt. In 
Sparta hiess der Jüngling ähnlich jxeXXstprjV wie in Athen 
und sonst [isXXiiprjßog, beide mit Beziehung auf die folgenden 
Stufen des Etpy^v (Plut. Lycurg. 17) oder i<prßug, in wel- 
chen derselbe seine ersten Schritte auf der bürgerlichen Lauf- 

Charikles II. g 



82 



Zweiter Excurs 



bahn, dort als Vorgesetzter der jüngeren Alterstiassen (Mül- 
ler Dorier Th. II, S. 301, Bahr ad Herodot. IX. 85), hier 
als TzspkoXoQ oder Streifwächter that; vgl. Böckh im Index 
lect. Berol. 1819 und Hermann Staatsalt. § 123; J. E. 
Heinrichs de ephebia Attica, Berlin 1851. 8. W. Dit- 
tenberger de ephebis Atticis. 1863. [Die körperlichen 
Hebungen traten von der natürlichen Ephebie oder dem 
16. Jahre an entschieden in den Vordergrund. Doch kamen 
seit der Zeit des Sokrates noch mancherlei Nahrungsstoffe des 
Geistes hinzu, wie sie die Sophistik in reichem Masse spen- 
dete. Tel es, ein Zeitgenosse des Antigenes Gonnatas sagt 
in einer bei Stob. Sermon. XCVIII, 72 erhaltenen Stelle: 
izpodret rikxta, -npoaytvzxat dfH&ixrjrcx(k, r^cofiirprjs, nojhddp- 
vrg- und rouriuv ndvTUiV p-affriyouTae, öp^poo iyscpsrac, 070- 
Xdaat oux iariv. Die hier geschilderte strenge Zucht hörte 
auch vom 18. Jahre an nicht auf; denn es heisst a. a. 0. 
weiter: iiprjßog riyovBV epnahv rov xoqxrjrrjv (paßeTzai,^ rov 
TtacSorptßrjV, zhv orJo/xdxov , zov yopvaatapxoV tjnh ■ndvrm 
rourojv paariroorac, TiapaxripeTzac, rpaxr^hZerat. Vgl. Axioch 
p 366. Doch scheint auch aus des Teles Aufzählung her- 
vorzugehen, als habe mit dem Eintritte in die Ephebie wenig, 
stens das Regiment des Pädagogen aufgehört und mit Rech 
findet Marquardt Rom. Privatalt. I, S. 114 in Plaut 
Bacch. III, 3, 17: nego tibi hoc annis viginti primis fuissi 
copiae etc. eine üebortreibung.j Die rechtlichen und Staat 
liehen Folgen dieses Uebergangs gehören allerdings ebens 
wenig hierher als die Besonderheiten der spartanischen Sitte 
die auch den Erwachsenen fortwährend an die Strenge ihre 
äroi-n fesselte; im übrigen Griechenland über trat derselb 
mit der politischen Mündigkeit, also im 20. Jahre, zugleic 
ein freieres Loben ein, in welchem er, wenigstens wenn e 
einem höheren Stande angehörte, in der Wahl der Beschafti 
gung seiner Neigung folgen konnte. Der Aormoro musste m 
tQrlich darauf bedacht sein, sich den Lebensunterhalt zu vei 



zur ersten Scere. 88 

schaflFen, und mancher wohlhabende Vater suchte auch wohl 
den Sohn zu Erwerbthätigkeit zu bestimmen, wozu die Komi- 
ker die besten Belege geben; aber die meisten der Vermögen- 
deren, die sich, wie man aus Xenoph. Mem. II. 7. 4 sieht, 
schwer zu eigener Arbeit oder Gewerbthätigkeit entschlossen, 
wandten sich ergötzlichen Beschäftigungen, wie der Jagd, 
dem Kosselenken, auch dem Hetären uragange zu, oder wurden 
Schüler der Philosophen. Nirgends findet sich das klarer aus- 
gesprochen als bei Terent. Andr. I. 1. 24: 

Nam hie postquam excessit ex ephebis — nara antea 
Qui seine posses aut Ingenium noscere, 
Dum aetas, metus, magister cohibebant? — 
Quod plerique omnes faciunt adolescentuli, 
üt animum ad aliquod Studium adiungant, aut equos 
Alere aut canes ad venandum aut ad philosophos etc. 
Vgl. Plaut. Merc. Prol. 40. 61 und Xenoph. Mem. I. 6. 
14: atanep aAXog rig rj ottto» dya^uj ^ xuvl ^ opvißt r^Ssrou. 
Ja der Staat selbst sah dergleichen noble Passionen nicht un- 
gern, und in Athen hören wir sogar, dass der Areiopag auch 
wohl die Vermögenden dazu veranlasste, so gut als er die bei 
Armuth Unthätigen zur Thätigkeit anhielt. Isoer. Areo- 
p a g, § 45 : Toug 8k ßcov Ixavov xsxrrjfxdvoug mpi rs cTmtxijv 
xal zä yufxvdata xac xovrjyiaia xac zrjv (pt\oao<piav rjvdyxaffav 
Starpißetv. Es geschah dieses nicht nur, um dem unruhigen 
Sinne der jungen Leute eine gefahrlose Richtung zu geben; 
sondern es wurden ja diese Liebhabereien, wenn sie zu Sie- 
gen in den olympischen oder anderen Spielen führten, für den 
Staat selbst eine Quelle des Ruhms und des Glanzes, wie der- 
selbe Isokrates sagt de big. § 32: rag nuXetg dvop.a<rcäg 
ycyvofxevag twv vcxwvtojv: vgl. Lysias de bon. Aristoph. 
§ 63 : auTc'xa ore cTtmuev, ob puvov 77tnoog ixrrjaaro Xa[ir.poug 
dXXä xal äBXrjTag, xai kvixr^atv UaBp.dc xat Nepia^ utazs rrjv 
noXtv xrjpu^&r^vac xac aoTov orBfavioßr^vac. [Uebrigens muss 
man natürlich bei den von Plautus und Terenz vorgeführten 

6* 



at Zweiter Excurs zur ersten Scene. 

Jünglingsgestalten immer an die Originale der neueren atti- 
schen Komödie denken und an die Zeit der schlaffen Morali- 
tät und poesielosen Trivialität, welcher diese angehörten. 
Die attischen jungen Männer der besseren Periode müssen 
trotz allen uns junkerhaft dünkenden Müssigganges an sitt- 
licher Kraft weit über diesen schwächlichen Tugendhelden ge- 
standen haben. Vergl. Bernhardy Griechische Liter. 
I, S. 82 ff.] 



EXCURS ZUR ZWEITEN SCENE. 



DIE HETÄREN. 

Dass eine nähere Berücksichtigung einer Menschenklasse, 
welche nach heutigen Begriffen zu den verworfensten gehört 
und der tiefen Selbsterniedrigung wegen mit Schande gebrand- 
markt ist, dennoch, wenn es die Schilderung der griechischen 
Sitte gilt, nicht umgangen werden kann, das wird Niemandem 
zweifelhaft scheinen, der auch nur etwa ans den römischen 
Komikern hat ahnen lernen, welches bedeutende Element des 
griechischen Lebens die Hetären ausmachten. Zwar könnte 
es scheinen, als ob es nach dem, was Jacobs in seiner vor- 
trefflichen Abhandlung (Verm. Sehr. Th. 4) und der beige- 
fügten Gallerie der bekanntesten, man dürfte fast sagen be- 
rühmtesten, Individuen dieser Art gesagt hat, überflüssig sei, 
den Gegenstand nochmals zur Erörterung zu bringen; indes- 
sen kann doch die treffliche Schrift nur eine geistreiche Skizze 
genannt werden, überall zwar voll Wahrheit und den sprechend- 
sten Kennzeichen einer lebendigen Anschauung und klaren 
Uebersicht des ganzen Verhältnisses; aber auf die Ausführung 
verzichtend, deren Particularitäten erst eine deutliche Vor- 
stellung begründen : überdies mehr bei der anmuthigeren Seite 
verweilend als zu den schmutzigen Stellen herabsteigend, zu 
dem Sumpfe, der zwar einen widrigen Anblick darbietet, in 
dessen Schlamme jedoch auch eine Menge niederer Creaturen 



86 Excurs zur zweiten Scene. 

als in ihrem Elemente leben. Ich habe daher um so wenige r 
geglaubt, mich der eigenen Schilderung dieser in der That 
merkwürdigen Seite des griechischen Lebens überheben zu 
dürfen, als es bei der ganzen Arbeit überhaupt mein Grund- 
satz gewesen ist, möglichst ins Einzelne zu malen und auch 
die kleinsten Züge und Nebendinge nicht zu verschmähen, 
wenn sie zur Vervollständigung des Bildes beitragen konnten . 

Ein Punkt, über den der Verfasser der erwähnten Schrift 
anders zu denken scheint als ich zu müssen glaube, ist das 
Urtheil der öffentlichen Meinung über den Umgang verheira- 
theter Männer mit Hetären. Es ist wohl wahr, dass sie haupt- 
sächlich der Mittelpunkt der gesellschaftlichen Vergnügungen 
der Jugend waren; auch dass mit der Verheirathung des jun- 
gen Mannes eine neue Epoche in seinem Leben entstand, und 
er der früheren ungezügelten Lebensweise entsagen rausste; 
allein eben so gewiss ist es, dass in tausend Fällen Ehemän- 
ner sich auf kürzere oder längere Zeit des Umgangs mit He- 
tären bedienten, ohne sich eben in der öffentlichen Meinung 
herabzusetzen, wenn nicht etwa aller Anstand und alle Bück- 
sicht gegen die Frau aus den Augen gesetzt wurde, wie z. B. 
Alkibiados that (Andocid. in Alcib. § 14). Ich erinnere 
mich auch nicht auf eine Stelle gestossen zu sein, in welcher 
wegen solchen Umgangs dem Manne ein besonderer Vorwurf 
gemacht würde; im Gegentheile zeigen Erzählungen wie von 
Lysias bei Demosth. in Neaer. § 21 durch die ganze 
Weise, wie davon gesprochen wird, dass man darin nichts 
aussergewöhnliches fand. Unstreitig steht diese Ansicht eben 
80 wohl als die unnatürliclie Knabenliobe mit der Gleichgültig- 
keit, welche, wenn aucii nicht allgemein, doch gewiss sehr 
häufig in dem ehelichen Verhältnisse herrschte, in der ent- 
Hchiedeusten Woclisolwirkung. S. die weitere Begründung in 
dem Excurse über die Frauen. 

IMato selbst, der in seinem idealen Staate so vieles un- 
auaführbaro verwirklicht wissen will, verzweifelt doch au der 



Ezcurs zur zweiten Scene, 87 

Möglichkeit der Beschränkung des geschlechtlichen Umgangs 
auf die Ehe. Er sagt zwar Leg. VIII, p. 841: nolö yt fx^v 
äpiara, smep ycyvocTo iv ndaacg nükeac^ ycyvotTO äv, und schlägt 
ein doppeltes Gesetz vor: ^ lojoiva roXfiäv {n^dsvog a.7tz£.ad^ai 
rajv yevvacujv ä/ia xat eXeoMfjojv nXr^v yafiET^g kauzou yovai- 
xog, äboza 8k nakXaxwv (mepixara xai vu^a }X7j amipstv fir^ds 
äyova äppiviov napä^ (pöaiv ^ zh fxkv raiv d^pivwv ndfinav 
d^eXocfisf^' äv, zu 8k yuvacxojv, eT zig Guyyiyvoizo ztvc TzXijv 
zeug pszä &eujv xa\ lepiov yoLfiuiv iXi^o'jaacg stg zrjv olxt'av, 
ujvrjzatg £izs äXX(p ozmoov zpuTup xzrjzdlg, prj Xavf^dvutv äv8pag 
z£ xai yvvatxag ndaag, zd^' äv äzipov auzov zutv iv zfj nokee 
iTtatviuv vopLO^ezoiJvzsg dpBiug 5v 8uqaip£v vopo&ezzev lug ovziog 
ovza $£v:x6v: allein er hat eben schon vorher die Ausschlies- 
sung der äzaxzog 'A<ppo8izrj, wie er es nennt, als frommen 
Wonsch bezeichnet: zauza 8ij xa^dr^ep Yaiog iv fiüßo) zavüv 
X£y6{i£v^ iazlv sij^ai, und im Grunde bleibt sie auch nach 
diesem Gesetze doch nachgelassen ; denn die erste Bestimmung 
verbietet bloss das onzeaBai iXeoMpiuv, die zweite schreibt 
nur vor, dass es XdBpa geschehen soll. 

In den Augen der Frauen konnte freilich ein solcher ihre 
Rechte kränkender Umgang nur Missbilligung finden, und so 
lässt sie Aristoph. Eccl. 720 ein die Hetären sowohl als 
die Sklavinnen treffendes Gesetz geben: 

iTteiza räq Tzüpvaq xaxaTzaüaai poökofiat. 
äna^andaaq- Ivazi; ö^kov Touroyi, 
Iva Twv veiuy i^tofiev aurai rag äxfidg. 
xai zag ye duukaq ou^i dei xoaßoufiivag 
zijv rütv iXeui9dpwv upapnd^scv KuTzpiv. 

Dass daher der Mann, wenn die Frau Kenntniss von seinen 
Ausschweifungen erhielt, von ihr Vorwürfe zu erleiden hatte, 
i.st natürlich; dass ihr aber desshalb die Anstellung einer ge- 
richtlichen Klage, xaxwazujg otxrj, zugestanden hätte, kann 
ich nicht wahrscheinlich finden. Die Stellen, welche Petit 
Leg. Att. p. 543 und Meier att. Process S. 289 anführt. 



88 Excurs zur zweiten Sceue. 

sprechen nicht von Hetären. Die einzige mir bekannte, in 
welcher deutlich davon die Rede ist, findet sich bei Alciphr. 
epist. I. 6: ipag rrjS 'Ep/xcovcrcdog /xstocxoo, rjv im xaxu) zcjv 
ipofvziov 6 Ueipaiehg ide^azo: dann: ^ o5v mnaoao rijg dys- 
pcD^cag — ^ l'ff^c fis napa rbv naripa oljf^rjaojxivTjV , Zg ou8^ 
ijxe r.sptuiperai xal ak yponperac r.apa zotg 8txaa-atg xaxuxreojg. 
Allein erstlich kann hier gänzliche Vernachlässigung der Fa- 
milie vorausgesetzt werden, und dann ist es sehr misslich, auf 
ein einzeln dastehendes Zeugniss eines Schriftstellers aus sol- 
cher Zeit zu bauen. Entschieden das Gegentheil sagt Plaut. 
Meto. IV, 6, 3. 

Nam si vir scortum duxit clam uxorem suam, 

Id si rescivit uxor, impune est viro. 

Uxor viro si clam domo egressa est foras, 

Viro fit causa: exigitur matrimonio. 

Utinam lex esset eadem, quae uxori est, viro. 
[Der Unterschied liegt eben darin, ob die Untreue zur Ge- 
wohnheit geworden ist oder nicht. Im ersten Falle, nament- 
lich wenn die Ehefrau eine im'xhjpog war, wie eben die sich 
beklagende Panope bei Alciphr. I, 6, kann wohl das Recht 
zu einer xaxiuaswg ypafpri von Seiten der Verwandten schwer- 
lich geleugnet werden. Denn die von Becker verworfenen 
Stellen sprechen zwar, wie Diog. Laert. IV, 17 und Lu- 
cian. Bis accus. 29, nicht von Hetären, aber, was doch 
dasselbe ist, von Lustknaben. Schon Praxiteles hatte eine 
weinende Gattin und eine lachende Dirne (Pliryne) in Erz 
gebildet: Plin. N. Hist. XXXIV, 70.] Wie aber überhaupt 
Ober den Umgang, nicht bloss junger Leute, mit Hetären von 
Männern gourtheilt wurde, das ergiebt sich am besten aus 
der merkwürdigen Entscheidung der Diäteten bei Demosth. 
in Neaer. § 46. Da dort Phrynion sowohl als Stephanos 
Anspruch auf Neära haben, so lautot der Auss])riic]i dahin: 
es solle sie jeder einen Tag um den andern besitzen; (rovsTvat 
8' kxaripüi ^/lipav nap' fjjxipav^ oder § 47: xarä rdde da^X- 



Excurs zur zweiten Scene. 89 

Aa^av 0povi(iiva xai ^re^avov, /fjrjtr^ai ixdrepov NeatpcjL rAf 
^laag rjjiipag zoo ixtjvoQ Tzap' iaurocg e^ovrag. Waren auch 
beide unverheirathet, so hat doch jedenfalls eine solche Ent- 
scheidung für uns etwas Empörendes. Unstreitig hängt diese 
nachsichtige Beurtheilung solcher Verhältnisse genau mit der 
Scheu vor einer starken Nachkommenschaft zusammen, der 
man ausserdem nur durch Aussetzen der Kinder oder eine 
Enthaltsamkeit entgehen konnte, welche mit dem bedeutenden 
Hange zu sinnlichem Genüsse — einem Hauptzuge des grie- 
chischen Charakters — nicht wohl vereinbar war. Denn in 
keiner Beziehung spricht sich dieser Hang entschiedener aus, 
als in dem geschlechtlichen Umgange , und in der Zeit der 
Verfeinerung lässt es sich nicht leugnen, dass Sinnlichkeit haupt- 
sächlich, wenn auch nicht die Mutter, doch die Amme des 
griechischen Schönheitsgefiihls war. Nur unter solcher Vor- 
aussetzung konnte auch der Kunstgriff des Hyperides glücken, 
der die Verurtheilung der Phryne voraussehend ihr Gewand 
zerriss und die reizenden Formen enthüllte, die auf die Eich- 
ter der Heliäa einen solchen Eindruck machten, dass die He- 
täre frei gesprochen hinweg ging. Ps.-Plut. X orat. vit. 
9, p. 849; Athen. XHI. 59, p. 590; Alciphr. epist. I. 30. 
81. 32. Daher nannte dann auch der attische Euphemismus 
die Dirnen, welche nicht gerade der gemeinsten Klasse ange- 
hörten, lieber mit dem Namen kzalpat als nöpvac, Plutarch. 
Sei. 15; vgl. Athen. XHI. 28, p. 571: xalooat ok xai zag 
fiiaBapvouaag szaipag xat zo im auvouacaig ixea&apvelv kzat- 
petv, oüx izt Tipog zo izufiov dvayidpovzsg, äUä npbg zb eoa^rj- 
fiovsazcpov. 

Achtung genossen allerdings, wie Jacobs S. 314 richtig 
bemerkt, diese Geschöpfe, mit Ausnahme der milesischen Aspa- 
sia, nie; allein der anständigere Theil war auch nicht gerade 
verachtet, üeberhaupt muss man gewisse Klassen von He- 
tären — um unter diesem Namen alle zu begreifen — unter- 
scheiden, obgleich zwischen denselben verschiedene Abschat- 



90 Excurs zur zweiten Scene. 

tungen Statt finden, welche den Uebergang von der einen zur 
andern bilden. Die niedrigste Klasse waren die Dirnen, wel- 
che in den öffentlichen TropvBtotg gehalten wurden. Dass der- 
gleichen Häuser in Athen als Staatseinrichtung bestanden, 
die von Solon selbst ausgegangen war, dafür haben wir ein 
bestimmtes Zeugniss bei Athen. XIII. 25, p. 569: xai 0cXi}- 
[iwv ö' iv 'AdeX^oTg TrpoacaTopojv orc npwTog ZoXmv dcä rr^v 
TtDv vsojv dxjxrjv i(rnjasv im olxrj/idTajv yovaca TTpcdpiSvos, xa&ä 
xa\ MxavSpog 6 Kohxpcuvtog tazopac iv rptta) KoXo(puj\)caxu)v, 
ipdaxujv ahzov xai llav8r^ixoo 'A^podcrrjg hpbv npaJzov Idpüaa- 
a&ac, d<p^ aJv ijpyopiaavTo al Tzpoaräaai tu>v oIxtjfidTwv. Die 
zunächst hierher gehörigen Worte des Philemon sind: 

ak ydp Xiyouai toöt' idetv npiuzov ßpoTwv 

dfjßOTixöv S) Zeü npayfia xai auiryjptov^ 

fiearrjv öp&vza zijv nöXtv veturipiuv, 

TOUTuug t' S^ovrag rijv ävayxaiav tpöatv 

dfiapTdvovrdq t' elq 8 ßrj Tzpo&f^xov ^v, 

arriaai t: ptdßsv öv toi y ov alxag xard zönouq 

xotvdg ditaai xai xareaxeuaafxivag. 

Vgl. Dio Chrysost. Or. VII. 140 und mehr bei Wyttenb. 
ad Plutarch. p. 96 und Jacobs S. 346ff. [Wenn Nikan- 
der bei Atlienaeus sagt, Solon habe zuerst einen Tempel der 
'A(pp. Uavd. gestiftet, so widerspricht dem mit Recht Har- 
pocr. s. V. I]dvdrjp.og, wo es von demselben Nikander heisst: 
ZüXuivd ^at aiüixaza dyopdaavza eunps'nrj iiü aziyr^g crzrjaut 
8cä zoug vdoug xac ix zuiv nepcyevo/xevcüv ^pr^paziuv IdpöaaaBai 
^A^podtrtjg navSrjpLou lepov. Denn es gab ja bereits damals 
einen älteren Tempel (Pausan. I, 22, 3 und Eoss The- 
»eion, S. 39) und Solon muss also entweder einen zweiten 
gebaut oder den Verdienst der Hetären auf den Kult, der 
übrigens erst seit seiner Zeit zur Göttin der Prostitution ge- 
wordenen Aphrodite Pandemos (vorgl. Preller Gr. Myth. I, 
8. 28711.) dem älteren zugewendet haben (dio Hotiireii vor- 
ehrten auch später noch dio \\(ppootzrj Obpavta: Lucian. 



Excurs zur zweiten Scene. 91 

Dial. meretr. 7, 1). Dass der Dienst der Pandemos (iü 
Abydos geradezu llupvrj genannt: Athen. XIII, 31, p. 572) 
in den Küstenstädten und auf Vorgebirgen gefeiert wurde, 
ist schon Scene II, Anm. 8 erwähnt worden.] 

In jenen öffentlichen Häusern nun standen die Dirnen 
halb oder doch leicht und dünn bekleidet {yufxvac) zur Aus- 
wahl bereit. Ich überlasse es, die Fragmente des Eubulos, 
Xenarch und Philemon bei Athen. XIII. 24. 25, p. 568 f. 
selbst nachzulesen , und führe nur einige Verse X e - 
narch's an: 

— äg ^fe<n>' öpäv 
elkTj^spoüaaq aTspv^ ärcrjßipuafxi.'ag, 
yu/J.väs iyis^Tjg t' ircl xiptag TETayfii-iaq. 

rufxvog ist eben leicht bekleidet, wie es Eubulos selbst er- 
klärt: yv/JLväs — SV Xsnron^voiQ u<pzaiv eoTcuffof, wenn es 
auch bei Philemon heisst: karäat yufxvac — nduB' opa. [Vgl. 
auch Plaut. Stich. V, 6, 4 und Non. Marc. V, 8, ausser- 
dem Böttiger Opusc. p. 343-] — Der Eintretende zahlte 
eine Kleinigkeit, nur einen Obolos. Philem. a. a. 0.: 39 
^üpa 'öt' dvewy/xsvr^ • sig dßoXog- £tcrnj3r/aov. [Diog. Laert. 
VI, 4 von Antisthenes: c8u)v nors fiot^uv (pv'jfovxa^ Iß ouaru- 
^ijS, eins, TnjXcxov xcvouvou dßoXoö oiacpuysiv iäuvaao. P 1 a u - 
tus spricht von diabolares und scorta diabolaria, z. B. Poen. 
I, 2, 57 und Pseud. II, 2, 64. Vgl. rp'.ävzog mpwj bei He- 
sych. T. IV, p. 172 Schmidt.] 

Nicht ganz diesen gemeinen Anstrich hatten die Häuser 
der Tzopvoßoaxüi, Männer und Frauen, lenones und lenae, wel- 
che zu gleichem Zwecke eine Anzahl Mädchen, ihr Eigenthum, 
hielten und davon den Unterhalt ihres Hauses bestritten. 
Das war eben häufig das Schicksal der von den Aeltern aus- 
gesetzten Mädchen, in solche Hände zu gerathen. So erzählt 
der Verfasser der Rede in Neaer. § 18, dass eine Freigelas- 
sene, Nikarete, sich sieben Mädchen in frühester Kindheit ver- 
schafft hatte, mit denen sie dann ihr Gewerbe trieb. Eia 



92 Excurs zur zweiten Scene. 

ähiiliclier Fall wird von Isaeus de Philoctem. hered. § 19 
erzäblt, und ausserdem liefert Plautus in der Cistellaria 
und sonst Beispiele genug. Von diesen mehr als die Hetären 
selbst verachteten Leuten wurden die Dirnen nicht nur zu 
flüchtigem Genüsse, sondern oft auf längere Zeit an ihre Lieb- 
haber vermiethet, auch wohl an mehrere zugleich, die sich 
dann, wie es scheint, in Eintracht und ohne Eifersucht ihres 
Besitzes erfreuten. So z. B. Demosth. in Neaer. § 26: 
/i£ra TWJTa zoivuv iv rfj Koptv^w aoTTiQ im^avujg ipya^oni- 
V7]g xac ouarjQ Xaimpäg^ äXXot t£ kpaazai ytyyovrat xdc Esvo- 
xXeidyjQ h Tiocr^rrjS xac "Irmap^og b unoxpcT^g, xac ec^ov auTijv 
lxsficff9ojp.svoc. Oft aber kauften Liebhaber, die einen unge- 
störten Besitz wünschten, sie ganz dem nopvoßoaxog ab, und 
wir sehen aus derselben Kede, dass eben diese Neära wiederum 
von zwei Männern zu gemeinschaftlichem Besitze gekauft 
wurde, § 29: jiBiä raura zofvuv auzrjg yi-piovrai epaazac döo, 
Tcfiavopcdag re 6 KopcvB^cug xa). Euxparr^g u Asuxddcog, oc imc- 
Bipiep TioXozelrjg rjv ij Ncxapsvrj ro?g imrdyjxacrcv — xaraTc^sa- 
acv auTTjg (Nsacpag) tciitjv rpcdxovTa (iväg zoü aat/iarug rfj Nc- 
xapirrj xai ojvoüvTac aur^jv nap'' ahrfjg vo/xu) TiuXeujg xa^dna^ 
auruiv doöXrjV ehac. Ein gleicher Fall, wo ebenfalls zwei eine 
Ttupvrj gemeinschaftlich, aber nicht ohne Streit, besitzen, ist 
die Veranlassung zu der Rede des Lysias de vulnere; 
vgl. auch Demosth. in Olympiod. §53: 'Ohp-modiopog yäp 
uuToac yuvalxa fikv darrjV xazä rohg vojwog roug ujie'ipoog 
vodeTTiuzur' £p//J-£V . . . kraipav 8k Xoad{isvog svdov s^sc, und 
was Athen. XIH. 58 von dem Redner Hyperides erzählt: 
Mu/iptvrjV TTjv no?,uz£?£(TTdTrjV irat'pav dviXaßt' xa) rauT/jV pkv 
iv daztc £?/£v, iv Ihcpactc oh 'Apcarayöpav, (l>cXav 8' iv 'JCXeu- 
alvc, 9jv TioXXwv wvr^ad/isvog ^pr^/idriov sl^ev iXeuHspwffag^ 
Zarepov 8k xai ocxoupov ah-z^v imnijaaTo. Ausserdem kommen 
dergleichen Käufe oder Ermiethungen in den meisten Komö- 
dien vor. Solche Häuser werden wie die vorher angogobonen 
zwar auch nopvsta, TiatScaxeca (Athen. X, p. 437f.) [xaaw- 



Excurs zur zweiten Scene. 93 

pzia: Arist. Equit. 1285 und xaaaüpta-. Artemid. Oni- 
rocr. I, 78] oder olxfjiiaza (daher die Ausdrücke: kv olxf^rt 
oder kn' olxrjixarog xa&rjat^ac, £$ olxrjiiarog äviaraaBai, i$ 
oder dn' ohrj/xaTog yuvaia), aber auch spyaavqpia genannt, 
Demosth. in Neaer. §67, Aeschin. in Timarch. § 138, 
was sich leicht durch die Ausdrücke: spyd^za&ai ra» aiöjiaxc 
(quaestum corpore facere) oder d<p' Sjpag ipyd^sa&ac, Plu- 
tarch. Timol. 14, wie bei Liban. Or. XLI, p. 381 R. e^^cv 
ix T^g veuTTjTog tyjv Tpoipijv , erklärt. Uebrigens muss man 
auch in dieser Klasse die Häuser, in welchen die Dirnen für 
Jeden feil waren (das ist eigentlich sv olxrj/iaTi xat^rjcrBa:, 
Valcken. ad Aramon. p. 176, ad Herodot. II. 121), von 
denen unterscheiden, wo die Mädchen ihre bestimmten Lieb- 
haber hatten, welchen sie auf einige Zeit ausschliessend an- 
gehörten, worüber zuweilen förmlich schriftliche Contracte ab- 
geschlossen wurden, Plaut. Asin. IV, 1. Der Art war eben 
das der Nikarete, und daraus erklärt sich was Ballio zur 
Phönicium sagt, Plaut. Pseud. I, 2, 91: 

Nisi hodie mi ex fundis tuorum amicorum omne huc 

penus adfertur, 

Gras, Phoenicium, phoenicio corio invises pergulam; 
denn pergula entspricht eben dem ocxrj/ia, vgl. v. 76—81, 
Antiph. de venef. § 14. Wie nun schon aus den Komikern 
hinreichend erhellt, gehörten bei weitem nicht alle Mädchen 
solcher Häuser zu den gemeinen Buhldirnen; sondern viele, 
die für bessere Verhältnisse erzogen, aber durch ein unglück- 
liches Geschick der Freiheit beraubt waren, standen ihrer 
Gesinnung nach hoch über dem Gewerbe, zu dem sie sich 
durch die Umstände gezwungen hergeben mussten. Um so 
leichter konnte der Umgang mit ihnen Entschuldigung finden. 
Ausser diesen eigentlichen Bordellen gab es aber eine 
Menge einzeln lebender Hetären, die auf ihre eigene Hand 
von ihren Reizen lebten. Von ihnen ist zuerst die zahlreiche 
Klasse der Freigelassenen zu erwähnen. [Vergl. das Beispiel 



94 Excurs zur zweiten Scene 

der bekannteD Rhodopis bei Her od. II, 135: dmxo/ievr] 8k 
xar' ipyaacrjV i?.uUrj ^py^fidrojv p.£ydXü)v um dvdpbg Morihrj- 
vaioo . . . ouTCD 8k ij 'PoSufms rjXeuB^spiü&rj xai xarip-Stve re kv 
ÄiyvTiTci) xal xdpza krM<ppü8tTog yavojjLBvrj ueydXa sxrrjoaxo 
^prjuaza x. r, X.l Unter diesen haben wir namentlich auch 
die Flötenbläserinnen {auh^TplSeg) und Zitherspielerinnen 
{xi&apicruptai) zu suchen, welche eben sowohl zu häuslichen 
Opfern (z. B. Plaut. Epid. III. 4. 64, Millin Point, de 
Vases I. 8) gemiethet wurden, als sie die Lust der Sympo- 
sien, so wie die eben dahin gehörenden dp^rjazpßag oder 
Tänzerinnen, erhöhten (s. den Excurs über die Symposien). 
Sie dienten in der Regel aber zugleich als Hetären, und auf 
mehreren dergleichen Trinkerscenen darstellenden Denkmälern 
ist ein solcher Zweck ihrer Anwesenheit unzweideutig ausge- 
drückt. [Vgl. Mus. Borb. V, tav. 51 und Panofka Bil- 
der ant. Lebens Taf. XII. Die Kuppler Hessen ja gerade 
zu diesem Zwecke ihre Dirnen in Musikschulen unterrichten: 
Plaut. Rud. Prol. 43; Terent. Phorm. I, 2, 36. Besonders 
in üblem Rufe standen die aap.ßoxiazpiai\ Pol. V,37; Plut. 
Cleom.35,Anton.O; Athen. IV, 129; 175. Plaut. Stich. 
II, 3, 56.] Daher war dann auch der Versteck ihrer Woh- 
nungen sehr häufig der Sammelplatz der jungen Leute. Iso- 
crat. Areop. § 48: rotyapouv oux iv rolg axtpatpdotq ol 
VEiüzepoc 8tizpißov ouS' iv zatg ahhrjzptatv oö8' iv znig znioo 
ToiQ auXk6yoiq^ iv otc vuv 8irj/i£p£iJou(riv. — Manche suchten 
auch wohl ihren Erwerb in Wirthshäusern, wie man den Aus- 
druck Tpoa£zaif){!^taHai ic navSo^siov bei Lucian. Philo- 
pa tr. y verstehen möchte. |Vgl. Polyaen. IV, 2, 3: dnb 
navdoxec'ou iitaHujadpzvot ^^dXzptav sie Z() azpaz(me8ov elaijya- 
yov und Strab. XII, 17 vom phrygischcn Badeorte Earura: 
x(ä 8rj Ttoze (paai mtpvoßoaxuv aohnMvza iv zo?q 7:av8n^£cocc 
abv TtoXXo) n^ßec yuvatxwv vüxzuip yevopivou (TEttr/wu (n)va<pa- 
viffB^vac Ttdffate.] Viele mögen auch in dieser Klasse sich 
durch Witz und angenehmes Wesen ausgezeichnet haben; 



Excurs zur zweiten Scene. 95 

aber die wahrhaft merkwürdigen Erscheinungen, die durch 
Geist und Liebenswürdigkeit vielleicht mehr noch als durch 
Schönheit eine hinreissende Gewalt über ihr Zeitalter ausüb- 
ten, und zum Theil durch ihr Verhältniss zu den bedeutend- 
sten Männern ihren Namen eine historische Berühmtheit ge- 
sichert haben, sind nicht aus ihnen hervorgegangen. Denn 
Aspasia und die korinthische Lais, Phryne und Pythionike 
waren Fremde {$svac) und Lamia die Tochter eines freien 
Atheners. Manches unbemittelte und allein stehende Mädchen 
kam wohl, ohne anfänglich ein solches Gewerbe zu beabsich- 
tigen, in die grösseren Städte, namentlich nach Korinth und 
Athen, um dort leichteren und reichlicheren Erwerb zu finden, 
und wurde nur nach und nach in den Strudel mit fortgerissen. 
So schildert Simo bei Terent. Andr. I. 1. 42 die Andrierin 
Chrysis, die sich erst in Stille und Züchtigkeit mit Wollspin- 
nerei nährte, dann einem Liebhaber Gehör gab und so in das 
eigentliche Hetärenleben hineingezogen wurde. Andere moch- 
ten freilich gleich mit dem Vorsatze, als Hetären auf einem 
grösseren Schauplatze aufzutreten, dahin kommen. In diese 
Klasse gehören aus den römischen Komikern die Thais und 
beide Bacchi^es des Terenz, auch wohl die Bacchides und 
Phronesium des Plautus, und viele andere, deren Namen von 
Athenäos und anderwärts genannt werden. Neun der berühm- 
testen hat Jacobs nach ihren Lebensverhältnissen und Sit- 
ten vortrefflich geschildert. Die ganze Klasse habe ich von 
jetzt an hauptsächlich im Auge. 

Am bedeutendsten scheint die Zahl der Hetären in Korinth 
gewesen zu sein, und natürlich musste der Eeichthum und 
Glanz dieser Stadt, welche überdies das Jahr hindurch um 
des Handels willen von einer Menge vermögender und an ein 
leichtfertigeres Leben gewöhnter Menschen besucht wurde, 
viele in der Hoffnung auf reichen Erwerb dahin locken; vgl. 
Dio Chrysost. Or. XXXVH. 34: nökv ohsTre tujv ouaujv 
TS xa\ yeysvrjfisvajv e7ia<ppo8iroTdTrjv. Aber auch abgesehen 



96 Excurs zur zweiten Scene. 

von diesen, unterhielt der Tempel der dortigen Aphrodite mehr 
als tausend Hierodulen zu gleichem Zwecke (Strabo VIII. 6. 
20), die jenen Ort gleichsam zu einem Conservatorium oder 
einer hohen Schule des Hetärenthums machten, und daher 
kommt es, dass, wo von Hetären als Gegenstand der Ueppig- 
keit die Kode ist, die Kopiv&ca xöpr^ statt aller anderen vor- 
zugsweise genannt wird. Es ist der Mühe werth, die Stellen, 
in welchen dieser sehr problematische Vorzug Korinths be- 
rührt wird, anzuführen. Dahin gehört zuerst Aristoph. 
Plut. 149: 

xal Taq y^ kxaipaq <paa\ rdg Koptv^iaq, 
orav fikv aördg rtg nivTjg TcsipStv t6^<^, 
oö3k npotre^eti' töv voüv • iäv dh Ttkouatog, 
TÖv Tzpwxröv aördg eu^ug npbg roürov TpsTzstv. 

Ferner Plat. Republ. III, p. 404, wo neben anderem Luxus 
auch dieser namentlich verworfen wird : (peyscs dpa xal Ko- 
pcv&cav xoprjV ^ßrjv slvac dvSpdac p.iXXouaiv eo acupazog i$etv. 
Des Sprichworts: ou navrus dvdpbg ig KüptvBov iö-d' 6 n^oug, 
ist schon oben Sc. II, Anm. 5 gedacht worden; dass es be- 
sonders auf die Verführungen der Kauffahrer u. s. w. durch 
die Hetären ging, bezeugt Zenob. V. 37: Kuptv&og TzoXXäg 
al^Bv kxfupag xal noXoraXecg , at rohg d^cxopsvoug twv ^dvouv 
idaapuXuyouv rä k<p68ia aurutv dvaXapßdvouaai: und darauf 
bezieht sich auch bei Strabo a. a. 0. das Wortspiel, das in 
der That keine üble Probe von dem Witze dieser Personen 
giebt: xal Srj xal p-vr^poveöerai rtg kzatpa npog z^v oveidi^ou- 
oaVy 8u oh ^(Xepyog etrj oiJS' iptutv dnToiro^ etnscv iyu} p.iv- 
TOt ^ TolauTTj rpscg ^drj xaHttXov iaroug iv ßpa^sc ^povo) 
rourtp. Vgl. Schol. Aristoph. a. a. 0. und Athen. XIII. 
0, p. 658. Wie nun aber Koptvhia xt'ipr] für Hetäre über- 
haupt, 80 wurde statt tTatpdv auch geradehin xopcvi^idCsa^ac 
gesagt. Eustath. ad Iliad. II. 570: soHrjvrjae 8e rtore t^ 
tÄv iTOtpcoiuv th^optff., S^sv xal xnptvHid^zn^at zh pa- 
arponeOeiv ^ ezatpsTv dnb zutv iv Kopt'v^tp izaepujv. Eben so 



Excurs zur zweiteu Sceno. 97 

bezeichnend ist es, wenn Stratonikos bei Athen. VIII. 44, 
p. 351 das wegen Männerunkeuschheit übel berüchtigte He- 
rakleia ävdpoxoptvBog nennt; und wie wenig auch die ge- 
meinste Unzucht dieser Bezeichnung fremd war, zeigt das 
derbere Sprichwort bei Plutarch, Prov. Alex. I. 92: ä Ko- 
ptv&ea ioixag ^üt()onu)}.7j(rsiv^ im tu)V nap^ wpav ^punrofisvojv 
yuvaixujv ulov ioixag /XKT&apvrjaetv iv Koptvß(p: vgl. Schol. 
Aristoph. Lysistr. 91 und Paroemiogr. Gott. tom. I, 
p. 334. Am wenigsten hingegen wollte, zumal in den Zeiten 
der lykurgischen Frugalität, das Hetärenwesen in Sparta ge- 
deihen, mit dessen rauhen Sitten auch nur eine Venus armata 
sich vertrug. Plutarch. de fort. Rom. 4: ujomp ol Inap- 
Ttärai Tjyv 'A^pudczT^v Xdyouac Scaßatvooaav rov EöputTav zä 
p-kv iaonrpa xal roug ^XiduJvas xac zöv xsarbv dnoi^ia&ac, 
dupu 8s xal äoTiida hißslv xoapoupivrjv zS) AuxüOpj-oj, 

Das Leben dieser Hetären und der Umgang mit ihnen 
bietet wohl eine anmuthige Seite dar. Es sind weniger die 
feinen Künste studirter Koketterie, durch welche sie die Män- 
ner an sich ziehen und fesseln, als williges Hingeben, zur 
rechten Zeit mit scheinbarer Sprödigkeit wechselnd, heiteres 
Wesen und leichtfertiger Scherz. Aber näher betrachtet, mag 
man es einem mit Rosen verdeckten Korbe vergleichen, der 
in seinem Innern nur giftiges Kraut und faulenden Unrath 
birgt. Das tägliche wüste Treiben, die gewissermassen nö- 
thige Verschwendung und Schwelgerei musste, bei allem äus- 
seren Glänzen und Prunken, im Innern des Hauses desto mehr 
Unordnung, Schmutz und Armuth zur Folge haben. Ausnah- 
men fanden allerdings wohl Statt. Xenophon, wo er von 
dem Besuche des Sokrates bei Theodote spricht, schildert 
nicht nur ihr sondern der ganzen Familie äusseres Erscheinen, 
so wie die Einrichtung des ganzen Hauses als sehr anständig, 
Memor. III. 11. 4: ix dk zouzou 6 Ucuxpdzrjg öpcuv ahzip) zs 
TtolozsXlhg xsxoapyjpsvi^v xac prjzepa napouaav ahzf^ iv ia&rjzi 
xat d^spamiq. ou z^ zu^ouarj xal ^epanatvag noXXäg xal euei- 

Charikles II. 7 



98 Excurs zur zweiten Scene. 

SeTg xac oh8e raOzag rjjisXrjiiivcug ey^ouaag xal roTg äXloig rrjV 
olxtav d<pB^6vojg xaTsaxeuaa/xsvrjv , eins x. r. X. Allein das 
Staunen des Sokrates selbst beweist, dass man in der Regel 
nur Dürftigkeit und Unordnung zu finden erwartete. So schil- 
dert sie, unstreitig nach griechischem Originale, Terent. 
Eun. V. 4. 12 ff.: 

Quae dum foris sunt, nil videtur mundius 
Nee magis compositum quicquam nee magis elegans. 
Harum videre inluviem sordes inopiam, 
Quam inhonestae solae sint domi atque avidae cibi, 
Quo pacto ex iure hesterno panem atrum vorent, 
Nosse omnia haec saluti est adolescentulis. 
Nimmt man hinzu, dass in den seltensten Fällen eigene Nei- 
gung das Spiel erleichterte, dass unter der Maske hingeben- 
der Liebe sich Arglist und Habsucht, das beständige Trach- 
ten, den Mann, der sich bethören Hess, zu plündern, verber- 
gen mussten, so stellt sich allerdings ein trostlos zerrissenes 
Leben dar, hinter dem noch die traurige Perspective auf die 
Zeit verblühter Keize stand. Und das ist im Allgemeinen 
der Charakter der Hetären von Profession, als deren Reprä- 
sentantin Thais gelten kann, wie sie Men ander bei Plu- 
tarch. aud. poöt. p. 19 malte: 

^paastav, utpaiav dk xal ntt^avriv Sßa, 
ddtxouaav, dnoxleiouaav, alrouaaj nuxvd, 
fiTjdevds iftunrav, Trpoffnotnu/Jtivrjv d' deL 

Als die erste Lebensregel für eine Hetäre gilt die, welche 
die Kupplerin bei Plaut. Cist. L 1. 98 der Silenium gibt: 
Assimulare araaro oportet; nam si ames extqmpulo. 
Melius illi multo quem amas consulas, quam rei tuae; 
und dieser Grundsatz ist im Truculentus, namentlich dem, 
was Astaphium l. 2 und H. l sagt, vortrefflich durchgeführt. 
Es heisat z. B. in letzterer Stolle v. 14: 

Bonis esse oportet doutibus lenam probam: arridere, 
Quisquis veniat, blande alloqui; male corde consultare, 



Excurs zur zweiten Scene. 99 

Bene loqui lingua; meretricem esse similem sentis con- 

decet, 
Quemquem hominem attigerit profecto aut malum aut 

damnum dari. 
Daher braucht sie Isocrates als Beispiel, wo er von der 
mit grosser Gewalt verbundenen Gefahr spricht, de pace 
§ 103 : ol) yap f^osoav ttjv i$ouacav, r^s Tzdvzsg eu^ovzac to^sTv^ 
WS dita^prjCFTüQ ianv oud' ojs napa^poveiv TToeeJ robs dyanujv- 
rag aur^v ouS' ort ttjV <pbmv bpoiav e^et racg ezaepatg ralg 
ipäv pkv aürujv Tzoioüaatg^ rohg 8k ^pujpdvoug anoXXooOaaig^ 
was durch die oben angeführte Stelle aus Strabo vollkommen 
bestätigt wird; und dasselbe, was dieser von Korinth, sagt 
von Athen Dicaearch p. 141 Fuhr: (puXaxriov 8' ujg ivc 
jidhara rag kratpag, prj Xd^rj rig rj8£wg ärMXupevog. Frei- 
lich konnten die Männer sich leicht selbst sagen, wie auf- 
richtig die Liebe dieser Personen sein möge, und es ist inter- 
essant zu erfahren, wie Aristipp darüber dachte, Plutarch. 
Amat. 4: vug ifiaprupr^aev ^Aptcnnmog zu) xarr^yopouvTi Aat8og 
npbg abrov wg oh tpiXobarfi dnoxptudfievog^ ort xai röv ohov 
olsrac xai zbv l/Buv ptj fdeh auzuv, dXX' ^8iiog kxazipip 
Ipy^zai^ vgl. desselben Eechtfertigung bei Athen. XIII. 55, 
p. 588; allein viele waren blind genug, sich täuschen zu las- 
sen, und diese wurden natürlich auch am besten benutzt. 

Die KunstgrifiFe, deren sich die Hetären bedienten, um 
ihre Reize zu erhöhen oder das zu ersetzen, was ihnen ab- 
ging, verräth Alexis bei Athen. XIII. 23, p. 568; sie wer- 
den indessen besser da berücksichtigt, wo von den Toiletten- 
künsten überhaupt die Kede ist. Dagegen darf nicht über- 
gangen werden, dass viele durch geistige Bildung und Ge- 
wandtheit, durch Witz und Laune ihrem Umgange einen 
höheren Reiz zu geben suchten. Darf man auch eben keine 
tiefe wissenschaftliche Bildung voraussetzen, so war sie doch 
vermuthlich im Vergleiche mit anderen griechischen Frauen 
ungewöhnlich, und manche mochten sich nicht wenig darauf 



100 Excurs zur zweiten Scene. 

einbilden. Athen. XIII, 46, p. 583: xal äXXat 8k kratpac 
ixiya. ifpovoov k<p^ abzaTg Tiatdscag dv-s^u/xavac xal roTg /la- 
^jxaac xpovov änoiizptZooaac So wird die Ärkadierin Lasthe- 
neia als Schülerin Plato's (Athen. XII. 66, p. 546), so Leon- 
tion als Zuhörerin Epikur's genannt (ebend. XIII. 53, p. 588)* 
Doch verräth die grosse Zahl von Witzworten einer Lamia, 
Mania, Gnathäna, Gnathänion u. a., welche derselbe p. 577 ff. 
aufbewahrt hat, wohl zuweilen treffenden , aber eben nicht 
feinen Witz, und lässt uns ahnen, dass die Ungezwungenheit 
und Leichtfertigkeit der Unterhaltung gar oft zu wahrer Frech- 
heit und Schamlosigkeit übergehen mochte. 

Ich will nicht anführen, was Athenäos von Demetrios 
und Lamia oder von dem Herakleioten Dionysios erzählt; will 
man sich aber eine Vorstellung von dem wüsten Leben einer 
Hetäre machen, die doch noch nicht zu den gemeinsten ge- 
hörte, so lese man die Thatsachen bei Demosth. in Neaer. 
§ 33: d^txufisvos ro(vov Ssopo i^ojv aurrjv äasXyiug xal npo- 
Ttezüjg i;^/?^To «wt^, xat Inl rot deTrwa i^ajv aurijv navTa^oT 
iTTopsOsTo onoo mvoL' ixcopia^a 8' dsl /x£t' oh-oT)^ crov^v 8* 
i/x^avujg ottots ßouXrj^etT] navra^oo^ <piXoxtp.tav t^\> i$ouffcav 
npbg Toug bpojvzag nocoufievog . . . xal ^xwv ix JsX^uJv staria 
T« incvtxca inl Kajkid8i, xal ixsc äXXoi re noXXo} cntveycp^ovro 
ohrfj p.e&uouajj, xa&eOSovzog toÜ Opuvtuivog ^ xal ol 8edxovoc 
Ol Xaßpioo rpdnsC^v napa9£/isvot. Dann § 108 : nou yäp 
aör^ obx etpyatrcai tö) <Tu>fiaTi ; obx iv [IzXonovvijau} fxkv nd<rpy 
iv 9£TTaXtq. Si xal MayvrjOiq. fierd Uc/xou rou Aaptacratoo xal 
Eöpu8diw.vTog roü M£i8ioo utoü' iv Xtip 8k xal iv 'liuvtq. z^ 
nXilarjj psTk üiuTadou rou Kpi^zhg dxoXou^ouaa, pnaßujHecaa 
buh NixofdzTjg^ Sze ixefvrjg ^v; z^v 8k u^' izipotg ouaav xal 
dxoXou&ouaav z<p 8c86vzt z( titza^e 7wt£.7v', dp^ nt)^ tmrjptzslv 
Toig ^pvDfUvoig dg dnanag fj8ovdg ; 

Die Kanfsuramo, welche Hipparch und Xonokieides für 
Neära gezahlt hatten, war 30 Minen oder 3000 Draclimen. 
Tausend Drachmen dagegen fordorte Gnathäna für eine ein- 



Excura zur zweiten Scene. 101 

zige Nacht ihrer Tochter, und welche Summen mögen Lais 
und andere erpresst, mit welchem Uebermuthe den, der nicht 
so viel bieten konnte, abgewiesen haben? Freilich mussten 
diese ueyaXöfxiadoc kra7pai, wie sie mehr als einmal genannt 
werden, wenn die Zeit ihrer vorzüglichsten Blüthe vorüber 
war, sich auch zu billigeren Bedingungen verstehen, und 
eben von Lais, die in der Zeit jugendlicher Frische nur für 
Auserwählte zu sehen war, sagt spottend ein Fragment des 
Epikrates bei Athen. XIII, p. 570, nachdem sie älter ge- 
worden: 

Idelv fikv abrrjM f)a6v iari xal inüaaf 

Si^erat Ss xal araxijpa xai rpnößoXov, 
izpoaiBTai dk xal yipovTa xal viov " 
ouTw dk ri&aaoq yiyovev, <3<tt', ui ^pt/trare, 
täpyüpiov ix T^g X^'P^^ ^i^V ■^<^A'/S'avet. 

Phryne fordert einmal (Athen, p. 583) eine Mine und so 
steigt es herab zu fünf Drachmen (Lucian. Dial. mer. XI), 
zwei Drachmen (Athen, p. 596), bis zu der einen Drachme, 
die der Scythe bei Aristoph. Thesm. 1195 bezahlt. — 
Natürlich wurden, wenn das Verhältniss längere Zeit bestand, 
Geschenke an Kleidern, Schmuck und dergl. gemacht, und 
wenn nicht, wie es meistens der Fall war, die Hetäre za 
ihrem Erasten ging, so bestritt er den Aufwand der gemein- 
schaftlichen Symposien und oft den ganzen Haushalt. 

In dem Kreise ihrer Anbeter nun waren diese feilen 
Schönheiten gefeiert, geliebt, vergöttert; aber ausser demsel- 
ben war ihre Stellung in der übrigen bürgerlichen Gesell- 
schaft doch misslich genug, und wenn man auch weit entfernt 
war, sie die tiefe Verachtung empfinden zu lassen, die nach 
unseren Begriffen ein solches Gewerbe trifft, so betrachtete 
man sie doch als Personen, gegen die man sich allerlei Muth- 
willen und freien Spott ungestraft erlauben dürfe. Das be- 
weisen schon die verächtlichen allgemeinen Benennungen, wie 



]^02 Excurs zur zweiten Scene. 

navdoaiat, Xsuxpupot, drjjxtoopyoi yuvacxeg (auch Sr^nog yovrj)^ 
^aXxidirat, anodTjadaüpat und dergl- mehr. S. Eustath. 
p. 1033. 62. 1082. 39. 1088. 38. 1329. 35. Aber ausserdem 
scheinen sie alle mit allerlei und oft beissenden Spottnamen 
belegt worden zu sein. So führen zwei attische Hetären, und 
zwar Tüiv oux d<jrjii(ov, bei Athen. IV, p. 157 neben ihren 
eigentlichen Namen, Melissa und Nikion, die Beinamen 0ea- 
rporopövrj und K(jvdp.uca: andere hiessen Mzyapixat G<piyysg^ 
Diogenian. Proverb. VI. 35; Niko, eine der bekannteren, 
ward Äi$ {ort rbv piyav tiot' ovt' ipaarrjv xars^ays 9aX- 
Xov), Kallisto T? (Athen. XIII, p. 582 f.), Lais \i^ivrj genannt 
(Aelian. Var. bist. XII. 5, XIV. 35) u. s. w. Wie der- 
gleichen Namen entstehen mochten, das sieht man aus der 
etwas unsauberen, aber einen guten Calembourg enthaltenden 
Erzählung von der Phanostrata. Sie erhielt den Namen 0^£i- 
poTtuXrj, imid^nep inl r^g &upaQ iaruxTa i^&etpc^STo, Athen, 
p. 586. Eine andere Veranlassung, die zugleich als Beispiel 
der Schamlosigkeit solcher Personen dienen kann, führt der- 
selbe p. 567 an. Die Hetäre, von der dort die Rede ist, 
wurde KXs(pu8pa genannt; outcu d' ixXiji^rj aozrj fj ezacpa, 
inetSi) Ttpos xAs(f>u8pav auuouffcaCev, iojg xsvojB^. — Wie man 
übrigens glaubte ihnen begegnen zu können, das sieht man 
ungefähr aus Terent. Eun. II. 3. 91 ff. Athen, p. 582. 

Und im Grunde wurde eine solche Denkungsart durch 
das Gesetz selbst hervorgerufen, welches sie bei allen Be- 
stimmungen wegen jiot^e(a, ßca und npoaywysia eximirte. 
Man sollte freilich glauben, es verstehe sich das, mit Ausnahme 
der ßta, von selbst; allein es konnte der Fall vorkommen, 
dass jemand bei einer Hetäre ertappt wurde, die Eigcnthum 
eines Andern war oder, wie Terent. Adolph. II, 1, eine 
solche entführt hatte; und dass Gewalt oft genug gebraucht 
wurde, erhellt ausser den Komikorn auch aus Demos tli. 
Mid. § 36: Tov i^£ffp.ol^£TrjV og iv(xy^og inXrjpj t^v aijXrjTpida 
dfatpoöjxevog. — Das hierlier gehörige Gesetz lindot sich bei 



Excurs zur zweiten Scene. 103 

Lysias in Theomii. I, § 19 erwähnt, wo der Redner zei- 
gen will, dass nicht sowohl auf die in einem Gesetze ge- 
brauchten Ausdrücke, die zum Theil veralten könnten, als auf 
den Sinn gesehen werden müsse. Es sind daraus nur die 
Worte entnommen : Saat Trs^aa/isvojs TioXouvTac, welche dann 
erklärt werden: ro (xkv 7:s<faa}xivu}Q eart (pavepujg' noXelai^at 
8e ßaoi^stv. Deutlicher sagt Plutarch. Sol. 23: tt^^v t<üv 
oaai Ttöfaaiiivwg TioXouvrai, Xiyojv Stj zag kzaipag^ cuizai 
yäf) £ix(favu)Q (poizSiai -nphg zoug didovzag. Was von De- 
mosth. in Neaer. § 67, wo dem Anscheine nach dasselbe 
Gesetz, und in ganz ähnlicher Weise angeführt und verstan- 
den wird, zu halten sei, darüber wird schicklicher im Excurse 
über Markt und Handel gesprochen. 

Ausserdem wird auch angegeben, dass den Hetären eine 
bestimmte Tracht anbefohlen gewesen, und dass sie nament- 
lich durch bunte Gewänder sich von den anständigen Frauen 
unterschieden haben. Petit. Leg. Att. p. 573—576, Böt- 
tiger Kl. Sehr. Th. 3, S. 44, [Welcker ad Theogn. 
p. LXXVni.] Aber wenn auch Suidas sagt: vujiog \A^vrjai 
zag kzatpag ävBtva fopeh^ so ist doch sicher vopog hier 
nichts als Sitte oder Gebrauch, der überdies schwerlich einen 
strengen Unterschied begründen dürfte. An ein solonisches 
Gesetz ist gewiss nicht zu denken, und überhaupt giebt kein 
Schriftsteller der besseren Zeit eine Andeutung solcher cha- 
rakteristischen Tracht. Selbst die von Petit aus Artemi- 
dor und Clemens Alex, angeführten Stellen enthalten gar 
keinen Beweis. Wenn letzterer Paedag. HI. 2,p. 258 Pott, 
schreibt: ujg yäp zbv dpandrrjV zä <Tz:yp.aza, oüzu) zijv fiot- 
^aXtoa detxmoom zä dvd^tanaza, so ist damit nicht mehr 
gesagt als vorher p. 253: oh yäp yuvacxog, dXX' kzaipag zu 
ipdoxoaiiov^ und die Gesetzgebung des Zaleukos bei Diod. 
Sic. XII. 21, so wie das syrakusische Gesetz bei Athen. 
XH, p. 521 oder Eustath. ad Iliad. XIX. 282, p. 1185. 6 
enthielten nur Luxusbeschränkungen für freie Frauen, nicht 



104 Excurs zur zweiten Scene. 

aber eine Kleiderordnung für Hetären. 2opaxooaioiQ 8e, heisst 
es hier, üarspov vo/iog tjV rag yvvacxas fiij xofffxeta&ai XP^^V 
fXTjS^ ävB^iva fopscv fxrj§' ia&rjzag 7:op(popäg iy^obaag napo^dg^ 
el {lij reg ah-ujv aDy^copocrj kzaipa aivac xoorj xac otjTojg olxzia 
Tfj XP'^^JJ ^A<ppodtTfj Tji xa\ kzaipq.' xaX zbv ävdpa 8s tpaai p.^ 
xaXXüJTic^scr&a:^ st prj bjxoXoyoirj potysuscv ^ xcmcSog shai: und 
etwas anderes meint auch offenbar Clemens nicht, derPae- 
dag. IL 10, p. 233 sagt: äyapat zwv AaxsBatpovcwv zr^v m- 
Xiv ZTjV TTaXacdv, ^ povacg zacg szatpaig dv&cvag ka^rjzag xai 
Xpuaouv x6<jp.ov inszps(ps ^opsTv, d<paipoopsvr] zSJv Soxcjkov 
■jfvvacxwv ZTjv (piXoxoapiav zw povatg i^sTvac xaXKiumZsa&ai 
zaTg szaipoOaaig. Es lag in der Natur der Sache, dass die 
Buhlerin, die ja reizend erscheinen und erobern wollte, sich 
nicht mit der einförmigen , anspruchslosen Tracht der griechi- 
schen Hausfrau begnügte, und namentlich lebhafte, dem Auge 
angenehme Farben wählte, so wie sie ihr Haar sorgfältiger, 
aber doch gewiss nicht auf eine durch das Gesetz vorgeschrie- 
bene Weise ordnete und schmückte. Lucian. Bis accus. 31: 
xoapooixivTjV xai zag zpiyag su&sziZouaav sig zh szaipcxuv: 
Ver. bist. H. 46: yuvdtxsg ndvu izatpixwg xsxoajxr^pivai. 
Wären aber dergleicben äussere Kennzeichen Regel und die 
bunte Tracht gar gesetzlich vorgeschrieben gewesen, so niüsste 
man sich in der That wundern, dass nie der Beweis daher 
entlehnt wird, wenn es sich darum handelt, ob ein Weib 
Hetäre sei oder nicht; und wie hätte dann ein Irrthum oder 
ein Streit wie der zwischen Stepiianos und Ei)änetos, von 
welchem die oft erwähnte Rede in Neaeram handelt, vor- 
kommen können? Man irrt also wohl, indem man das, was 
nicht verboten war und wovon die Hetären häufig Gebrauch 
machten, für von Selon geboten annimmt. Hinsichtlich der 
bunten Gewänder überhaupt vgl. den Excurs über die Klei- 
dung. 



ERSTER EXCURS ZUR DRITTEN SCENE. 



DAS GRIECHISCHE HAUS. 

Wenn eine Darlegung der römischen Eigenthümlichkeit 
in Anlage der Wohnhäuser zu den schwereren Aufgaben der 
Privatalterthümer gerechnet werden muss, so gilt dieses in 
weit höherem Grade von der Erörterung der griechischen 
Sitte, und es stellen sich einer Construction des griechischen 
Hauses bei der Dürftigkeit der darüber vorhandenen Nach- 
richten, dem vieldeutigen Gebrauche der Benennungen einzel- 
ner Theile, der Ungenauigkeit der alle Zeiten durch einander 
werfenden Scholiasten und Lexikographen und dem gänzlichen 
Mangel an Ueberresten antiker Gebäude dieser Art fast un- 
überwindliche Schwierigkeiten entgegen. Daher ist denn auch 
dieser Schauplatz des inneren Familienlebens eine sehr dun- 
kele Stelle auf dem Gebiete der griechischen Antiquitäten ge- 
blieben. Man ist zwar bald damit fertig, die verschiedenen 
Theile ihren Namen nach anzugeben: zu sagen, dass das 
Haus mit Thyroreion, Peristyl, Gynäkonitis und Andronitis, 
Thalamos und Amphithalamos versehen war u. s. w.; aber wie 
diese Theile zu einem Ganzen verbunden gewesen, wie sie 
ihrer Lage nach sich zu einander verhalten haben, davon 
pflegt man entweder ganz zu schweigen, oder es wird der 
Plan einseitig nach Vitruv's Anleitung entworfen, ohne auf 
.die zahlreichen Widersprüche zu achten, welche aus gelegent- 



106 Erster Excurs 

liehen Anführungen anderer und gültigerer Schriftsteller her- 
vorgehen, oder es wird endlich auch der römische Architekt 
ignorirt und im Widerspruche mit ihm im Allgemeinen gelehrt, 
dass der vordere Theil des Hauses die dvdpajvcvcg, der dahin- 
ter gelegene die yovatxwviztg gewesen sei. — Wer aber nicht 
die gesaramten Andeutungen, die zerstreut sich finden, ver- 
gleicht und zu vereinigen bemüht ist, der wird zwar gewiss 
für jede beliebige Anordnung eine scheinbar beweisende Stelle 
finden, aber auch erwarten müssen, dass eine zweite den gan- 
zen auf so unsicherem Grunde ruhenden Bau umzustürzen hin- 
reichen werde. 

Die neuere diesen Gegenstand behandelnde Literatur 
knüpft sich fast ganz an Vitruv's kurze Nachricht von der in 
seiner Zeit bei den Griechen, aber gewiss nicht durchgängig, 
üblichen Weise die Wohnhäuser anzulegen. Es kommen zu- 
nächst die Ausgaben und üebersetzungen des Schriftstellers 
in Betracht. Von den letzteren tragen die französische von 
Perrault (Par. 1673, Fol.), die italienische (der früheren 
nicht zu gedenken) von Galiani (ed. 2. Nap. 1790, Fol.), 
die spanische von Ortiz y Sanz (Madr. 1787, Fol), die 
englische von Newton (Lond. 1771), und endlich die deut- 
sche von Rode (Leipzig 1796) wenig oder nichts zur Auf- 
klärung der zweifelhaften Punkte bei. Ob die neuere eng- 
lische Uebertragung von Wilkins mehr leistet, kann ich nicht 
sagen, da ich sie nicht benutzen konnte. — Eben so unbe- 
deutend sind für unsere Frage die grossen und prächtigen 
Ausgaben von Stratico (Utin. 1824-1830, 4 Bde. 4.) und 
Marin i (Rom. 1830, 4 Bde. gr. Fol.). Was ist auch von 
Leuten zu erwarten, die nur von Hörensagen zu wissen schei- 
nen, dass 08 neben der lateinischen auch eine griechische 
Literatur giebt, oder diese höchstens aus Üebersetzungen 
kennen gelernt haben? Daher enthalten die Anmerkungen 
aller nur die bekanntesten Dinge, die oft ganz unwesent- 
lich «ind, und man orsiolit nur aus den beigoiügtou Grund- 



zur dritten Scene. 107 

rissen, welche Vorstellung sich jeder Einzelne von dem Plane 
eines griechischen Hauses gebildet hat. — Ein grösseres 
Verdienst hat Sehn eider 's Bemühen um Vitruv. [Doch 
tritt dasselbe besonders in Bezug auf Kritik zurück vor der 
Ausgabe von Rose und Müller-Strübing, 1868.] 

Von der Anlage des griechischen Wohnhauses handelt 
erst Scamozzi Architettura, von mir nur in der 
französischen üebersetzung von Du Ry, Leid. 1713, Fol. 
benutzt. Von ihm gilt im Allgemeinen das über die Ueber- 
setzungen gefällte Urtheil, wenn man nicht vielmehr ihn noch 
unkritischer nennen will. Sodann Stieglitz Archäol. der 
Baukunst Th. III, S. 151 ff. und um vieles berichtigt, aber 
auch hier hauptsächlich nur Vitruv's Angaben folgend, in den 
Archäol. Unterhalt. S. 103ff. — Kaum eine Erwähnung 
verdient Hirt 's Gesch. d. Baukunst. Dieses sogenannte 
»klassische Werk«, das sich jedoch wenigstens nicht auf eige- 
nes Studium der Klassiker stützt, handelt auf zwei Seiten 
(Th. III, S. 287. 288) von dem griechischen Hause. Der 
Verfasser begnügt sich das Capitel aus Vitruv zu übersetzen, 
und findet nicht nöthig etwas zur Erklärung hinzuzufügen ; 
denn, sagt er, »die Hauptanordnuug ist nicht zweifelhaft, und 
hat noch Aehnlichkeit mit dem Hausbau des homerischeu 
Zeitalters«. Ungenannt darf auch Barthelemy's Anachar- 
sis Th. II, S. 372 ff. der deutschen Ausgabe nicht bleiben. 
Ist auch die Schilderung des Hauses etwas flüchtig und un- 
kritisch, so ist doch hier zuerst auf die Andeutungen in grie- 
chischen Schriftstellern Rücksicht genommen. Einige gute 
Bemerkungen neben Unrichtigkeiten finden sich in Böttiger's 
Opusc. p. 36G. Aber die gelehrtesten Vorarbeiten hat Schnei- 
der, zuerst im Epimetrum ad Xenoph. Mem. III. 8. 9, 
und später in den Anmerkungen zu Vitruv geliefert, wenn 
gleich beides nur Vorarbeit heissen kann. Denn im Grunde 
beschränkt sich der Verfasser auf die Erklärung der für die 
einzelnen Theile gebräuchlichen Namen und eine Kritik der 



108 Erster Excurs 

von Ändern gelieferten Bisse; eine eigene Construction des 
gesammten Hauses wird nirgends versucht, obwohl es zu Vi- 
truvp. 485 heisst: videamus nunc breviter de dispositioue sin- 
gularum partium domus graecae; und da Schneider weder zu 
Xenophon noch zu Vitruv selbst einen Grundriss beigefügt 
hat, so bleibt man über seine Anordnung im Unklaren. — 
Schwer ist es über den kurzen Abriss in Müller's Handb. 
d. Archäol. § 293 ein Urtheil zu fällen. Es müsste vor 
allen Dingen erläutert werden, wie Andronitis und Gynäko- 
nitis beide mit dem Thyroreion in Verbindung hätten stehen 
können. 

[Canina L'architettura antica descritta e dimo- 
strata coi monumenti, wo tom. V, p. 572ff. und VI, 
p. 319 ff. auch das griechische Haus berücksichtigt ist, nimmt 
grossentheils nur auf Vitruv Bezug und würde die Ansichten 
Becker's, wenn er das Werk gekannt hätte, schwerlich alterirt 
haben. Dagegen hat Bötticher, Andeutungen über das 
Heilige und Profane in der Baukunst der Hellenen. 
Berlin, 1846 und ganz besonders Petersen Ueberden 
Hansgottesdienst der Griechen in der Zeitschrift 
für Alterthumswissenschaft, 1851, No. 13ff. und 25ff. 
darauf aufmerksam gemacht, welch bedeutende Stolle dem 
Hausherde, iarca, in der Anlage des Hauses gebühre und auf 
Stellen hingewiesen, wie Aeschyl. Agamemn. 1026: fisadfi- 
<pa).og koTta. Wenn er nun aber auch darin Recht hat, 
dass er das Haus von der gottesdienstlichen Seite betrachtet 
und hervorhebt, dass sich das ganze häusliche Leben von der 
Geburt bis zum Tode um jeuen Contralpunkt drehte, so hat 
er demselben seinen Stand auch in der geometrischen Mitte 
des Hauses angewiesen; »in der Mitte des Männersaales, wel- 
che zugleich die Mitte des ganzen Hauses war, stand die 
Hestia, ein runder Altar, wahrscheinlich mit einem Kuppel- 
dache, dem Vorbilde ihres Tempels«. Aber dieser Mäiiner- 
saal oder dvofwjv (s. u ) sollte zwischen die beiden Höfe des 



zur dritten Scene, 109 

Hauses zu liegen kommen und somit wäre der Ausgangspunkt 
'1er Construction wie bei Vitruv ein grösseres Herrenhaus, in 
welchem natürlich diese karta nicht mehr der eigentliche Koch- 
herd, der in eine besondere Küche, otztövcov , verlegt werden 
rauss, sondern nur der symbolische Mittelpunkt des Haus- 
cultus ist. Aber ursprünglich war wohl sicher in Griechen- 
land, wie in Rom, die kana in der Mitte des Hauses d. h. 
nicht in der ahkij, welche auch später bei kleinen Bürger- 
häusern und in den Dörfern wegzudenken ist, sondern in einer 
dem römischen Atrium entsprechenden, oben mit einer Dach- 
öffnung versehenen Halle. So sagt ja noch Galen, mpl 
dvTtd. T. XIV, p. 17 Kühn: »Auf dem Lande errichtet man 
bei uns überall Wohnungen, die den Herd, auf dem man 
das Feuer anzündet, in ihrer Mitte haben. Nicht weit davon 
sind die Stallungen der Zugthiere, entweder auf beiden Seiten, 
rechts und links, oder doch auf der einen. Mit dem Herde ist an 
seiner vorderen, nach der Thüre des Hauses selbst zu gele- 
genen Seite ein Ofen {xpcßavog) verbunden. So sind alle 
Häuser auf dem Lande, auch wenn sie ärmlich sind«. Vgl. 
Overbeck Pompeji I,S. 289. Der oben ganz offene Binnen- 
hof konnte natürlich den Kochherd nicht in seiner Mitte haben; 
denn dies wäre doch ein Rückschritt im Comfort gewesen ! 
Wo nun also in reichen Bürgerhäusern und namentlich in 
den geräumigen Villen der Aristokratie die au^ mit 
dem Altare des Zsug iftxscog nach dem Vorbilde der home- 
rischen Paläste sich vor das iiiyapov schob, befand sich oder 
blieb vielmehr der Herd als Koch- und Kultstätte in letzte- 
rem und man kann z. B. nicht annehmen, dass die icma im 
Hause des Molosserkönigs Admetos, zu welcher Themistokles 
seine Zuflucht nahm (Thucyd. I, 13G und Plut. Themist. 
24), nicht auch zur Bereitung der Speisen diente, und das- 
selbe gilt von dem olxiSiov bei Lys. de caede Eratosth. 
in Bezug auf § 27: oy5' i.n\ r^v icrrcav xara^oywv. Vergl. 
Stark zu Hermann Griech. Privatalt. § 19, n. 21, und 



110 Erster Excurs 

Preuner, Hestia-Vesta. Tübingen, 1864, S. 43 ff. und 
79—91, der den Hestiakult mit dem Altar des Zeus Herkeios 
möglichst vereinigen möchte. Obgleich nun in der Aule das 
Vorhandensein mehrerer Kultbilder und Altäre nicht ausge- 
schlossen bleibt (vgl. Babr. Fab. 63), so kann man sich doch 
die Stelle der nach Cornut. de Nat. Deor. 28 runden karca 
nicht füglich irgendwo anders denken, als in einem der die 
auXtj umgebenden bedeckten Bäumen, unter denen wieder die 
der Hausthüre gegenüberliegende naazdg oder der dv8pu)v am 
passendsten erscheint. Nur hat Preuner nicht mit Unrecht 
den von Petersen angenommenen Stand im Centrum dieses 
Baumes zurückgewiesen. Bekanntlich ging auch in Born der 
alte Herd in einen Altar über und dieser befand sich in einem 
besonderen Sacrarium, das sich in Pompeji stets an der rech- 
ten Seite des griechischen Peristyls befindet; vgl. die Beweise 
bei Marquardt Eöm. Privatalterth. I, S. 251 und Bein 
zu Becker's Gallus Bd. II, S. 229^ Aber auch in der 
griechischen Stadt Messana hatte nacfi Cic. Verrin. IV, 2, 
4 der Bürger Hejus ein sacrarium a majoribus traditum, per- 
antiquum, in welchem rechts und links Eros und Herakles 
mit den dazu gehörenden arulae, in der Mitte aber wahrschein- 
lich die ear^a standen. Und wenn Becker gemeint hat, man 
könne aus diesem Beispiel keinen Schluss auf frühere acht 
griechische Sitte machen, so widersprochen ihm Plut. Tim. 
86: in} 8k ttjS olx(aQ hphv idpoadjxevoQ AüTojxariai ihuasv 
flWT^v 8k rijv olx(av 'hpo) Jat'jiovc xaHiipioatv , und Cornel. 
Nep. Timol. 4: itaquo suao domi sacollum AuzoixaTtag con- 
stituerat idque sanctissime colobat. So wird man wohl bei 
der Seitonstellung auch der iar^a im griechischen Hause sich 
beruhigen müssen.] 

Indem ich mich also selbst der Untersuchung über die 
Einrichtung der griechischen Wohnhäuser unterziehe, darf ich 
zwar auch nicht hoffen, in allen Thoilen zur Klarlieit und 
Gowissheit zu kommen; denn um das zu erreichen, müssten 



zur dritten Scene. 111 

uns bestimmtere Nachrichten überliefert sein; jedoch soll die 
Tendenz dieser Abhandlung keineswegs bloss negativer Art 
sein, wenn auch zunächst die Irrthümer und Unmöglichkeiten 
nachgewiesen werden müssen, welche die bisherigen Construc- 
tionen mehr oder weniger theilen. Da es aber unleugbar ist, 
dass die Anlage der Häuser nach und nach bedeutende Ver- 
änderungen erlitten hat, so ist es vor allen Dingen nöthig, 
um einen Standpunkt zu gewinnen, die Zeit zu bestimmen, in 
welcher das fragliche Haus gedacht werden soll. — Von den 
Palästen der homerischen Helden auszugehen, halte ich für 
eine ganz vergebliche Mühe. Mag auch in Athen weniger 
als irgendwo die altherkömmliche Sitte durch die gewaltsamen 
Erschütterungen während der Wanderungen der Stämme ver- 
ändert worden sein , so ist dort hingegen der Einfluss von 
lonien her um so mehr in Anschlag zu bringen: kurz das 
griechische Haus war in der Zeit, von der hier nur die Rede 
sein kann, bereits ein anderes geworden. Das ergiebt sich 
schon hiureichend daraus, dass bei Homer die Wohnung der 
Frauen durchaus sich im oberen Stockwerke, umpwov, befin- 
det, während später dieses nur seltener Statt findet oder 
doch ganz bestimmt nicht (wie man irrig meint) Regel 
ist. Diese Verbindung aber der Andronitis und Gynäkonitis 
im Erdgeschosse bedingt den ganzen Plan des Hauses; doch 
auch sonst musste das engere Zusammendrängen in den Städ- 
ten bedeutende Modificationen in die Bauart der Häuser brin- 
gen [und überhaupt haben wir ja über die Beschaffenheit der 
Bürgerhäuser in der heroischen Zeit gar keine Nachrichten.] 
Daher habe ich auch nicht nöthig über den von Voss der 
Odyssee beigegebenen Riss des Hauses des Odysseus zu spre- 
chen, [sowie auf die gründlichen Arbeiten von Rumpf, de 
aedibus homericis. Giessen, 1844, 1857 und 1858 näher 
einzugehen.] Jener leidet auf die Wohngebäude der Zeit, deren 
Sitte ich schildern will, keine Anwendung; es können nur 
etwa einige Ausdrücke Homer's mit den Benennungen in spä- 



112 Erster Excurs 

terer Zeit verglichen werden. Nun haben wir aber über den 
ganzen folgenden Zeitraum etwa bis zu dem peloponnesischen 
Kriege so gut als keine Nachrichten; es ist aber auch kein 
Grund vorhanden anzunehmen, dass die Wohnungen, wie wir 
sie von da an kennen lernen, von denen zu Solon's und der 
Peisistratiden Zeit bedeutend verschieden gewesen seien, und 
so werden die hundert Jahre vom Anfange des peloponnesi- 
schen Krieges bis auf Alexander im Wesentlichen für den 
Zeitraum gelten müssen, den eine Untersuchung über die Be- 
schaffenheit der griechischen Wohnungen vorzugsweise im 
Auge haben muss. Ueber diese Zeit hinaus, von Alexander 
an, mögen grössere Veränderungen in der Anlage vorgegangen 
sein; bis dahin aber werden sie sich schwerlich nachweisen 
lassen. 

Müssen nun auch demnach die Nachrichten, welche wir 
durch Schriftsteller dieses Zeitraums selbst erhalten, bei wei- 
tem für die wichtigsten gelten, so scheint es dennoch zweck- 
mässiger, an die Spitze der Untersuchung die vitruvische 
Lehre zu stellen, da jene viel zu einzeln dastehen, um nach 
nach ihnen den Zusammenhang der Theile angeben zu können; 
sie werden aber dazu dienen, entweder die Angaben Vitruv's 
zu erklären oder die Verschiedenheit der Anlage in früherer 
Zeit nachzuweisen. 

Vitruv sagt VI. 7 Herrn. Müller -Strübing und Valent. 
Rose (gew. 10), nachdem er vom römischen Hause gesprochen: 
atriis Graeci quia non utuntur, neque aediücant, sed ab ianua 
introeuntibus itinera faciunt latitudinibus non spatiüsis, et ex 
una parte ciiuilia, ex altera ostiariis cellas, statimquo ianuae 
interiores finiuntur. llic autora locus inter duas ianuas graece 
Hufjojpetov appellatur. Deinde est introitus in peristylion: id 
peristylion in tribus partibus habet porticus inque oa parte, 
qoae spectat ad moridiom, duas antas inter so spatio amplo 
distantes, in quibus trabos involiuntur , et (luantuni inter an- 
tas distat, ex eo tortiu adompta spatium datur introrsus. Hia 



zur dritten Scene. 113 

locus apud nonnullos Ttpoordg, apud alios naardg nominatur. 
In his locis introrsus constitauntur oeci magni, in quibus 
matres familiarum cum lanificis habent sessionem. In pro- 
stadis autera dextra ac sinistra cubicula sunt conlocata, quo- 
rum unum thalamos, alterum amphithalamos dicitur. Circum 
autem in porticibus triclinia quotidiana, cubicula, etiam cellae 
familiaricae constituuntur. Haec pars aedificii gynaeconitis 
appellatur. Coniunguntur autem his domus ampliores haben- 
tes lautiora peristylia etc. Es folgt die Beschreibung der 
andronitis, worin es weiterhin heisst: habent autem eae do- 
mus vestibula egregia et ianuas proprias cum dignitate etc. 
Dieser Beschreibung zufolge tritt man durch die Hausthüre 
in eine Hausflur, wo zu beiden Seiten sich die Ställe und die 
Wohnung des Thürhüters befinden. Damit stimmt, die Ställe 
abgerechnet, Poll. I. 77 überein: elacovTojv 8e {von dev Thüre 
ist schon vorher gesprochen) npo^upa xdl npomXaca (davon 
weiter unten), xal zhv jxkv nuXuiva xa} Bupöjva xakouar zb 8k 
Tou ■noXojpoovTog ocxr^p-a TtuXiupcov. Was Pollux ttuXwv oder 
&upü)v nennt, ist bei Vitruv das ^upujpeTov. Diese Flur nun 
ist nach ihm wieder durch eine Thüre nach innen geschlos- 
sen, also locus inter duas ianuas. An sich ist dieses sehr 
wohl denkbar, ja es musste von da ein Eingang nach dem 
Peristyle führen. Allein ob dieser gewöhnlich durch eine 
innere Thüre verschlossen gewesen, das möchte ich bezwei- 
feln. Die eigentliche Hausthüre heisst auhcog, cmXsia, auhog 
oder ahXta &upa. Pind. Nem. I. 19: eazav 8' in' oLXetatg 
&upatg dvSpbg <pdo^scvoo. Menander bei Stob. Serm. 
LXXIV. 11: 

rouq T^g yafiETyjq opouq bnspßaivetq, yuvai, 

Tijv abliav nipaq yäp aöhog ^upa 

ikeu^ipa yuvatxi i/evö/ncrr' olxiag. 

Harpocr. auXstogy tj dno rfjg 68od npiurrj &upa z^g olxcag, 
u}g 8rjkoT MsmvSpog. Eustath. ad Iliad. XXII. 66, p. 1257. 
17: npiuzag d-upag Xiyet. zag auXzioug. Vgl. die weiter unten 

Charikles II. 3 



114 



Erster Excurs 



aus Lysias und Philo anzuführenden Stellen, und mehr bei 
d'Orville zu Charit. I. 2, p. 217; Meineke zu Menand. 
D. 87; Valesius zu Harpocr. p. 27 und zu Evagr. IV. 2. 
Eine zweite Thüre vor der ahXi) wird nirgends genannt, son- 
dern überall tritt man, sobald die auXsioQ geöffnet ist, ohne 
weiteres in das Peristyl. Ja aus einer Stelle Plutarch's 
geht hervor, dass man aus letzterem die Hausthüre sehen 
konnte. Er erzählt deGenio Soor. 17 ausführlicher als im 
Leben des Pelopidas, wie durch die Zaghaftigkeit des Hippo- 
stheneidas fast die Verschwörung gegen die Fremdherrschaft 
in Theben vereitelt worden wäre, indem dieser einen reiten- 
den Boten an die Verbannten gesandt hatte, um sie von der 
Rückkehr abzuhalten. Der Bote war aber durch kleine Zu- 
fälligkeiten abgehalten worden. Mehrere der Verschworenen 
sind bei dem kranken Simmias versammelt. Während der 
Arzt ihm die Wunde verbindet, ruft Phyllidas sie in eine 
Ecke des Peristyls und macht dem Hippost heneidas Vorwürfe 
{npoa^yev ek riva ycovlav too nspctrrüXou) , bis Kaphisias be- 
merkt, dass der vermeintliche Bote an der Hausthüre steht, 
C. 18: xal r/ff ourog, e<prjv, b npbg ratg abXems UpatQ i(pe- 
arws TtdXat xa't npoaßUnutv rj/xtv; iniarp^aQ ouv b 'j7moa&e- 
veÄaff, XX(8m, i^r;, vyj rhv llpaxXia' (peo, firj rt /a^£7r«>re- 
pov (Tvußißrjxe; xdxsTvog wg eldev fjfiäg Tipoaix^^zag abrw, 
dnb T^g &upag tjoox^ -npodffft. Man wird also eine solche 
innere Thüre wenigstens nicht als nothwendig anzunehmen 

haben. 

Wenn nun weiter Vitruv durch diesen Eingang unmittel- 
bar in's Peristyl treten lässt, so schiebt Pollux noch ein: 
£?TO itp6ooiutg, xat iipowdiov, xa\ mXri rh ev8ov, ?v amooffav 
Vfirjpog xoAs?. Wie viel darauf zu gobon sein möge, lässt 
sich bei einem Schriftsteller , der die Ausdrücke aller Zeiten 
durch einander wirrt und daher gar wohl den homerischen 
npodoiing mit hereingezogen haben kann, nicht bestimmen : 
nur das scheint mir gewiss, dass das Peristyl nicht bloss 



zur dritten Scene. 115 

durch eine Wand von dem Vorderhause (dem &up(ups7ov u. s. w.) 
geschieden war, wie es auf manchen Rissen angegeben ist, 
sondern dass auf dieser Seite eben so gut Gemächer waren, 
deren Thüren nach dem Peristyle gingen. Bei Suid. He- 
sych. Phot. und dem Etym. magn. ist npoSo/iog ly tou 
ol'xou naffrds oder Trpoards, was sehr einleuchtend wird, 
wenn man vergleicht, was Vitruv von der npoordg im Peri- 
style sagt. 

AüX^ bei P 11 u X ist mit nepiaTÖXtov gleichbedeutend, 
and es müssen die folgenden Worte: e«ro«ff 5' 2v rbv izepf- 
GxuXov Tonov Tiepcxiova- o yap (tzöIoq xal xc'iuv dvo/xd^eTou, 
unmittelbar mit dem Vorhergehenden verbunden werden. Es 
ist im griechischen Hause der Theil, welcher dem römischen 
cavum aedium entspricht, den inneren freien Kaum und die 
ihn umgebenden Säuleugänge umfassend. [Diese auch von 
Rein zu Becker's GallusII, S. 192ff. vertheidigte Ansicht 
über die Verschiedenheit von atrium und cavaedium ist bereits 
von Avellino Descr. di una casa disott. n. a. 1833. 
Nap. 1843 p. I7ff. widerlegt worden. Vergl. Marquardt 
Eöm. Privatalt. I, S. 225 und Krause Deinocrates 
S. 530.] Aus ihm gelangt man in die einzelnen Abtheilun- 
gen, deren Thüren sich dort finden; die Hallen dienen zu- 
gleich als Spaziergang, man speist auch darin. Es ist zwar 
eine au^jy etwas anderer Art als bei Homer, aber doch immer 
ein oTzaSpov und, wie Athen. V, p. 189 verlangt, ein oca- 
Tcvsu/ievoe TOTTog. Ihre Lage und Bestimmung zu bezeichnen, 
mögen nur einige Stellen genügen. Plato Symp. p. 212: 
xal i^ai^vr^g rrjv auXeiov Bupav xporoopevrjv noXuv (po^ov mx- 
paa^elv , wg xwpaarwv xal auhjzptoog ^(uvrjv dxouecv . . . xai 
Ol) TtoXu uazepov 'AXxtßiddoo z^v ^wvrjv dxousiv iv t^ ahVf^ 
X. r. h Plutarch. de Gen. Socr. 32: lug 8k dTrayydXas 
xal xeXsua&slg dvol^at zov {jlo^Xöv d(p€ils. xal ptxpuv iveScoxe 
Tiyv &upav, ijiTzeaövzsg d&pooc xal dvazpsipavzeg zov äv&pomov 
TevTo dpöfio) diä. z^g aoX^g inl zov &d^afxov. Plato Protag. 



116 Erster Excurs 

p. 311: dXkä 8eopo s$ava<TTa>p.£v etg rijv aöX^v xal mptiovreg 
auTou Scazpiipojftev , icug äv (pöjq yivT^-ar. vgl. p. 314. De- 
mosth. in Euerg. § 55: Tiphg 8k rourocg, u> ävdpsg 8cxa- 
arou, eru^sv rj yuv^ fiou psrä rojv 7iat8u)v dptaräjaa iv r^ 
auXfj. Hier befand sich endlich auch der Altar des Zeug Sp- 
xecog, Harpocr. s. v.; Eustath. ad Odyss. XXII. 335, 
wo man häufig Opfer verrichtete. Plato Republ. I, 
p. 328 : re&uxwg yäp iruy^avev iv t^ auXj]. Derselbe ver- 
bietet zwar Leg. X, p. 909 eigene hpä iv I8taig olxiatg zu 
besitzen; aber selbst solche dürfen wir mit Böckh zu Pin- 
dar Ol. I. 10, explic. p. 104 nach dem Beispiele bei Cicero 
Verrin. IV. 2, [Babr. Fab. 63 und Plut. Timol. 36 (s. o.)] 
annehmen und ebenso entschieden folgt ein allgemeiner Ge- 
brauch aus dem Vorwurfe, der dem Leokrates gemacht wird, 
solche Heiligthümer mit ausser Landes genommen zu haben, 
Lycurg. in Leoer. § 25: oh yäp i^i^pxeas rb au>p.a rb kau- 
roü xal rä ^pr^ixara fxovov bizsxBiad^at ^ dXXä xal ra ispö. 
rä narpwa, ä rocg ufxsrdpocg vop.c'iJ.ocg xal Tzazpiu otg 
i&eatv ol npoyovot napiSoaav abra. ISpuffdfisvoij 
Tovra psTznipiparo slg Miyapa xal i^rjyaysv ix "o^g y^ujpag. 
Nach Vitruv nun hatte dieses Peristyl, das ein Quadrat 
oder Oblongum bildete, nur auf drei Seiten Säulenhallen; wie 
man nothwendig annehmen muss, zunächst am Eingange und 
den beiden parallel laufenden Seiten. Auf der dem Eingange 
entgegenstehenden Seite befanden sich, jedenfalls in gleicher 
Beihe mit den Säulen der parallelen Hallen, zwei Pfeiler, 
zwischen welchen der Raum nach der abXi) hin offen blieb 
und die npoirrdg, irapaardg oder naazag gebildet wurde, d. h. 
eine Art nur auf drei Seiten von Wänden eingeschlossenes, 
nach dem Hofe hin aber offenes Vorzimmer, dessen Tiefe nach 
innen um V» geringer war als der Abstand der Pfeiler oder 
die Breite. [Traardg kommt zwar schon bei Xenoph. Me- 
mo r. in, 8, 9 vor; aber wenn Poll. VII, 122 das, was der- 
ßelbe so nennt, mit i$£$pa identilicirt, so thut er es eben 



zur dritten Scene. yXf 

von den Begriffen seiner Zeit aus, wo exedra ein geräumiges 
Gesellschaftszimmer hiess. Auf die acht griechische Zeit 
scheint die Angabe des Vitruv schon deshalb nicht zu passen, 
weil die der Eingangsthür der Aule gegenüberliegende Seite 
gerade eine volle Säulenhalle hatte, die mit der an der Ein- 
gangsseite befindlichen korrespondirte. Anders lässt es sich 
wenigstens nicht verstehen, wenn es bei Plat. Protag. 
p. 314 heisst: inecdi] dk etffrjk&ofisv, xarsMßofjLSv Upajrayopav 
iv Toj njDoarutü) TtBpmarouvra, und dann p. 315: -civ 8k fidr* 
elffsvoYjaa, e^j^'Vfxr^pos^ '^livntav rov 7üsTov xaO^ijpsvov iv tw xar- 
avTcxpl) TipooTujü} iv i^p6v(p. Denn dieses zweite npooTCJov 
ist eben die rcpoordg oder Tiaardg. So erwähnt auch Hero- 
dot. II, 169 bei Beschreibung des Tempels der Neith zu Sais 
iv Tfj auXJj ZOO tpoo vor dem Sanctuarium der Göttin eine 
rM(nb.Q Xt&tvrj, psydXrj xai ^axrjiiivrj aTÖXoiat^ also eine vorge- 
baute Halle, nicht ein in die Wand einspringendes Zimmer. 
Aus der letzten Stelle erhellt übrigens auch, wieviel Glauben 
die auch von Hermann zu Charicles II, S. 100 und 
Winckler Die Wohnhäuser der Hellenen 1868, S. 119 
wieder citirten Belege (Poll. VI, 7 u. Schol. Apoll. Khod. 
I, 789) für die Ableitung der -naffrdg von rAaaaBac verdienen. 
Mit dem Gesagten soll aber natürlich nicht geleugnet werden, 
dass sich hinter dieser Colonnade ein grösseres Speisezimmer 
befand, auf welches später der Name Tiaardg überging.] Eechts 
und links von dieser Tipoardg lagen der &dXap.og und äpfi- 
MXapog; dahinter (introrsus) grosse Säle für die Wollarbeiten 
bestimmt. Kings um die ahkfj sind für den täglichen Ge- 
brauch Speise- und Wohnzimmer, auch die Sklavenzellen. 

So leicht verständlich und übersichtlich aber diese vitru- 
vische Anordnung ist, so unbegreiflich wird sie, wenn man 
bedenkt, dass dieser Theil, der vorderste des Hauses, in den 
man zuerst von der Strasse gelangt, die Gynäkonitis sein soll, 
während er von der Andronitis erst mit den Worten zu spre- 
chen beginnt: »coniunguntur autem bis domus ampliores«. Die- 



118 Erster Excurs 

ses widerspricht so gänzlich allem, was wir durch die Grie- 
chen selbst von den Wohnungen ihrer Frauen wissen, dass 
man in der That versucht werden kann, den Römer eines 
schweren Irrthums oder fehlerhafter Darstellung zu bezichti- 
gen. Es ist daher nöthig sich klar dessen bewusst zu sein, 
was griechische Schriftsteller über die Lage der Gynäkonitis 
weniger berichten als errathen lassen, und sich nicht mit 
Corners Worten: »in interiore parte aedium, quae gynaeco- 
nitis appellatur«, zu begnügen. Ehe ich aber zu diesen Nach- 
weisungen übergehe, muss ich zwei irrigen Voraussetzungen 
entgegentreten, deren eine von bedeutendem Einflüsse auf die 
Entwürfe der Grundrisse gewesen ist, während die andere als 
bequeme Ausflucht für diejenigen gedient hat, welche die 
Mühe einer genaueren Untersuchung scheuten. 

Erstlich finde ich nämlich bei allen mir bekannten, durch 
beigefügte Grundrisse versinnlichten Constructionen angenom- 
men, dass die Häuser frei und isolirt, ohne durch Anbau mit 
andern Nachbarhäusern verbunden zu sein, gestanden hätten. 
Das kann von allen in der Nähe der Stadt iv dypdtg und 
von manchen in der Stadt selbst gelegenen zugestanden wer- 
den; aber von der Mehrzahl gewiss nicht, die vielmehr dicht 
an einander gebaut waren, ja gemeinschaftliche Zwischen- 
mauern hatten. Das sagt z. B. von Platää Thucyd. II. 3: 
xal ^uvsMyovTo 8tofjua<JovTBi Toug xotvoug zo(^ous nap^ 
dXXijXoug, onojg p.^ ßcä rwv oSüjv cpavspol wacv tuvTsg: eben 
80 Isaeus de IMiiloctem. hered. § 39: rä 8k ^prjiiaTa 
ivdo^ev i^E^opijaavro fierä t^s dv&pümoo eis r^v ö/MOTot- 
^ov olxc'av, 9iv tüxet fieficff9(u/xsvoi: eis wurtuv, und Plaut. 
Mil. glor. IL 1.62: 

Naui unum conclave, concubinae quod dedit 
Miles, quo nemo nitii eupse iiiferret pedem, 
In eo conclavi ogo perfodi parietem, 
(^ua coninioutus esset hinc huc mulieri. 
Und damit niemand zweifle, dass dieses dem griechischen 



zur dritten Scene. 119 

Originale angehöre, berichtet uns dieselbe List aus dem Phasma 
Menander's Donat. zu Terent. Prol. Eun. 9: »parietem, 
qui medius inter domum mariti ac vicini fuerat, ita perfodit, 
ut in ipso transitu sacrum locum esse simularet«. Nur unter 
dieser Voraussetzung war es auch möglich, was Demosth. 
in Androt. § 53 sagt: Tiyog ojg roug yscrovag unepßatvscv, 
was in der That bei Plaut. M iL IL 2 geschieht. [Vgl.Plut.de 
genio Socr. 33.] Auf solche dicht zusammengebaute Häuser 
leiden nun die genannten Pläne gar keine Anwendung, wie 
man sich leicht durch einen Blick darauf, namentlich die von 
Hirt, Perrault, Ortiz, Galiani und Marini überzeugen 
kann. Wenn man auch die sie umgebenden Gärten hinweg 
denkt, so steht dennoch das Hauptgebäude jederzeit isolirt. 

Sodann wird häufig Vitruv's Lehre vom griechischen 
Hause mit der Bemerkung abgefertigt, dass sie nur die spä- 
tere Bauart berücksichtige und also auf die älteren Wohnun- 
gen keine Anwendung leide. In früherer Zeit habe das Haus 
aus zwei Stockwerken bestanden, deren unteres zur Androni- 
tis, das obere {imepujov) zur Gynäkonitis bestimmt gewesen 
sei. Es wäre sehr zu wünschen, dass bei jedem solchen Ur- 
theile die Zeit genau bezeichnet würde, die man im Sinne hat. 
Aus dem ganzen Zeiträume von Homer bis auf die Perser- 
kriege erfahren wir über das häusliche Leben der Griechen 
wenig, von den Wohnungen gar nichts. Niemand vermag da 
zu bestimmen, ob sie noch mit denen der Helden vor Troja 
Aehnlichkeit hatten oder ob die Anlage bereits eine an- 
dere geworden war. Erst um die Zeit des peloponne- 
sischen Krieges beginnen die noch immer spärlichen No- 
tizen; sie sind aber doch hinreichend zu lehren, dass in 
dieser Zeit die Wohnung der Frauen keineswegs in der 
Regel im oberen Stockwerke gewesen, vielmehr dieses nur 
ausnahmsweise geschehen sein mag. Die eine Stelle, auf wel- 
che man sich jederzeit beruft, findet sich bei Lysias de 
caede Eratosth. § 19: olxßtuv iarc /xoc ocrJoüv, taa e^ov 



120 Erster Excurs 

rä äv(u zdlg xdza}, xazä t^v yovacxwvczcv xa\ xazä rrjv dvSpoj- 
vTzev imidrj 8k zb nacdtov iyivszo rjjxtv, ^ f-V'"3P '^'^^ ^^V" 
Xa^ev, 7va Sk jxij, bnozs XoöeaBac 8soc, xtvduveuoi xazä z^Q 
xXijiaxoQ xazaßaivooaa, eyco fiev ävcu dcj^zwfxrjv, al 8k yovdixsg 
xdzw. Ich füge noch eine Stelle hinzu, wo ebenfalls ange- 
nommen werden muss, dass das angeredete Mädchen im 
uTtepwov sich befindet, wiewohl daraus nicht nothwendig folgt, 
dass es ihre Wohnung sei. Aristoph. Eccl. 961 sagt der 
Jüngling zur Schönen: 

xaradpaßoüaa zrjv ■d^upav ävot^ov. 
Eben so ist es zweifelhaft, ob man Thesmop h. 482: elza 
xazaßatvu} Xd&pa' o 8' dv^p ipiuza.' noc au xazaßacvecg; sich 
die Scene in der Wohnung des Mannes oder der Frau denken 
soll; denn bei Lysias schläft ja auch die Frau getrennt von 
dem Kinde und den Sklavinnen im uriBpwov, das der Mann 
bewohnt. [Ja, aber nachdem er mit der Frau getauscht hat!] 
Was aber Plutarch. ad princ. iner. 4 oder Arat. 26 von 
Aristippos und Pelop. 35 von Alexander von Pherä erzählt, 
das sind Vorsichtsmaassregeln zweier für ihr Leben besorgter 
Tyrannen, die keinen Schluss auf das gewöhnliche Leben er- 
lauben, und Achilles Tatius, bei dem es IL 26 heisst: 
xa} 6 KXecvc'ag, iv ur.epaxp yäp zbv &dXapov st^^i ^^^nn natür- 
lich schon der Zeit nach , in welcher er schrieb , für keine 
Autorität gelten; ich sehe daher von diesen Stellen, wiewohl 
sie für meine Meinung sprechen würden, gänzlich ab. 

Nun enthalten allerdings Lysias Worte den Beweis, dass 
Eophiletos vor der Niederkunft seiner Frau den unteren Kaum 
bewohnt hatte, während die Gynäkonitis im oberen Stockwerke 
war, und es kann bei kleineren Häusern, deren Erdgeschoss 
nicht genug Raum für Männer- und Frauonwohnung zugleich 
darbot, diese Eintheilung so natürlich und der griechischen 
Sitte entsjjrechcnd erscheinen, dass der hier Bethoiligto gar 
nicht erst nöthig hatte, den Kiciitorn vorzutragen, dass in 
seinom Uause es so geiiultou worden sei; allein für Wohnun- 



zur dritten Scene. ][21 

gen, die nicht auf einen so kleinen Eaum beschränkt waren, 
und das gilt unstreitig von den meisten, folgt daraus gar 
nichts. Ja es lässt sich der Beweis umkehren; denn wenn 
regelmässig die Frauenwohnung im obern Stockwerke gewesen 
wäre, so hätte Euphiletos nicht erst nöthig gehabt zu erklä- 
ren : olxiScov eari fioi omXoov. Während man aber auf diese 
Stelle so viel Gewicht legt, übersieht man, dass an einem an- 
dern Orte derselbe Redner von einer Frauenwohnung im un- 
tern Stockwerke spricht, adv. Simon. § 6: kXHwv im -njv 
oixcav rijv i/i^v vuxzujp fisUuwv, exxofpag rag &upag elarjXßsv 
£cg r^v yuvacxojvcTcv, Worte, die von keinem uftspwov verstan- 
den werden können. Ferner vergisst man, dass im Hause des 
Ischomachos Gynäkonitis und Andronitis neben einander lie- 
gen, Xeuoph. Oecon. 9. 5, dass bei Demosth. in Euerg. 
§ 53 ff. Mnesibulos und Euergos durch die erbrochene Hiuter- 
thüre in die Gynäkonitis gelangen und die Frauen in der 
cdtXfj finden: dasXMvzeg ztü t^v yvvalxd fxou, und izo^ev ^ 
•jfuvr/ fiou /lerä xa>v Jtaidiwv dpunäJcra iv r^ oL^^, dass bei 
Antipho de venef. § 14 ein Freund des Hausbesitzers das 
imepüjov bewohnt [vgl. Lucian. Toxar. 61]. Ja es scheinen 
auch die tragischen Dichter von der Sitte des heroischen 
Zeitalters absehend zuweilen das Wohnhaus ihrer Zeit vor 
Augen gehabt zu haben, wie Sophocl. Oed. Tyr. v. 1241 ff. 
Denn wenn man die ganze Erzählung bis v. 1262 liest, so 
wird mau die M^rj vup.^cxd, die doch wohl nicht in der An- 
dronitis zu suchen sind, nur im Erdgeschosse annehmen kön- 
nen, und dort also auch die Gemächer der lokaste. [Dennoch 
geht wohl Becker zu weit, wenn er in dem Wohnen der Frau 
im oberen Stocke nur eine Ausnahme sehen will und be- 
hauptet, dass die meisten Häuser der Stadt nicht auf einen so 
kleinen Raum beschränkt gewesen seien. Von Lysias a. a. 0. 
wird das br.epwov geradezu yuvacxojvtng genannt und wenn 
Becker meint, dass die Erklärung der Bauart des olxcdiov gar 
nicht nöthig gewesen wäre, falls die Frauenwohnung so häufig 



122 Erster Excurs 

(denn »regelmässig« sagen auch wir nicht) im oberen Stocke 
gelegen hätte, so übersieht er, dass bei einem derartigen 
Criminalfalle auch heute noch auf die Localitäten und deren 
genaue Darlegung ausserordentlich viel ankommt. Aber auch 
bei Aristoph. Thesmoph. 478fiF. ist es keinem Zweifel un-- 
terworfen, dass das Zimmer der Frau im Oberstocke liegt und 
dass es nicht das des Mannes ist, von wo sie hinabsteigt; 
vgl. die Worte; Sre vO[x<p7j fikv rj rpecg ijuipag \ o d'' ävrjp 
nap' ifiol 'xd^züSsv. Eine ganz ähnliche Geschichte findet 
sich Babr. Fab. 116, wo die Frau zuvor aus dem Fenster hin- 
auslugt. Vgl. Athen. XV, p. 697. Und gerade dieses so 
oft auf Bildwec)cen vorkommende Hinausschauen der Weiber 
vom Oberstocke aus (vgl. Panofka Bild. XIX, 10; Lenor- 
mant Elite ceramograph. IV, 1861, pl. 66, Tischbein 
Vaseng. IV, 36 u. a. 0.) deutet nicht bloss auf die ange- 
borene Neugierde des Geschlechts hin , sondern auf häufiges 
Verweilen an einem Orte, wo dasselbe eigentlich nichts zu 
suchen hatte, wenn die yuvatx(ovTug so regelmässig hinter der 
dvSpajvczig lag. Vgl. Aristoph. Thesmoph. 797: 

Tcäv ix ^upidoq Tzapaxumtußev, rd xaxbv ^TjTelrs ^eätr&at' 
xäv ala^uv^^eiff^ äva/atp-fjarj, nokb fiäXXov näq iTZfi^oßBi 
audii TU xaxöv izapaxixpav Metv. 

Endlich erkennt man auch aus dem Werthe mancher Häuser, 
dass sie kaum eine andere innere Einrichtung und einen 
grösseren umfang besitzen konnten , als das Häuschen des 
Eratosthenes. So betrug der ganze Besitz des Sokrates fünf 
Minen, und doch befand sich darunter auch ein Haus: Xe- 
noph. Oecon. 2, 3, und bei Pseudo - Domosth. adv. 
Neaer. § 39 wird das Haus des Stephanos auf sieben Minen 
veranschlagt. Vergl. noch Isaeos. de Hagn. hered. § 42, 
de Menecl. hered. § 35; Dicaearch. I, 1: ai pkv noXXai 
ru)v olxmv eijTeXstg^ ftUym Sk ^prjatpat , und im Allgemeinen 
Winkler Wohnli. S. I12ff.| 

Dass aber besser bemittelte Bürger die Wirthscbaftsräume 



I 



zur dritten Scone. 123 

und das Frauengemach hinter die wjXtj verlegten, ist unbe- 
streitbar. Eine Hauptstelle dafür, die aber kritische und 
exegetische Schwierigkeiten hat, ist bei Xenoph. Oecon. 
9. 5 : iost$a dk xai rrjv yovaixujvTTiv auzjj %p^ ßaXavstu) (sie) 
wptOjxivrjV dno r^g dvd/jojviudog , tva ji^ts ix(pipi^zat iv8o&sv 
5, re [17] 8e?, /ijyre rexvoTzoiuJvrai ol ocxirac ävso t^q rjuerzpag 
yvtü/Ajy?. Dass die Worte ^öpav ßaXavBtu} ujptapivrjv d. t. d. 
sinnlos sind, darüber sind die Herausgeber einig; aber ihre 
Verbesserungen genügen nicht. Am weitesten von der Wahr- 
heit ist Schneider entfernt, der eine Lücke vermuthet; am 
nächsten kommt Weiske, welcher vorschlägt ^upag ßaXdvio. 
Aber die Gynäkonitis wird von der Andronitis nicht durch 
die ßdXavog, sondern durch die ^Opa getrennt. Es ist ohne 
Zweifel (nach einer mir von Gottfr. Hermann mitgetheil- 
ten Verbesserung) zu lesen: t^up^ ßaXavioraj, wie Parmenid. 
bei Sext. Empir. p. 393: o^eug ßaXaviuTog, vgl. Karsten 
Philos. gr. reliqu. I. 2, p. 61. Zwei Gründe werden an- 
geführt, warum die Gynäkonitis von der Andronitis durch 
eine verschliessbare Thüre getrennt sein solle: erstens iva fiij 
ixipiprixai evdo&sv o, rt p^ See. Die Frauen haben — so 
ist es wenigstens bei Ischomachos — das ganze bewegliche 
Vermögen des Hauses (mit Ausnahme des haaren) unter ihrer 
Aufsicht und Verwaltung. In der Gynäkonitis sind Geschirre, 
Vorräthe u. s. w. zu suchen; dort werden die Wollarbeiten 
betrieben. Die Andronitis ist hauptsächlich für gesellige 
Zwecke bestimmt; finden sich dort Sachen von Werth, so 
liegen sie gewiss unter Schloss und Siegel. Aber aus der 
Gynäkonitis können heimliche Verschleppungen Statt finden, 
und darum ist die Thüre verschliessbar, damit nichts svdo- 
Bev, d. h. aus den hinter der Andronitis gelegenen Frauen- 
gemächern heimlich fortgetragen werden könne. — Der zweite 
Grund ist: pr^rs TSxvoTiotibvrat ol otxsvac ävzo zr^g r^psrdpag 
yyiüpr^g. Das scheint nicht recht verstanden worden zu sein. 
Man hat nicht bedacht, dass auch die Sklaven dem Geschlechte 



124 Erster Excurs 

nach getrennt wohnten, die männlichen ihre Zellen in der 
Andronitis oder vor derselben, die weiblichen in der Gynäko- 
nitis hatten. Durch Verschluss der Gynäkonitis konnte also 
das Zusammenlebten wider den Willen des Herrn verhindert 
werden. 

Was wir aus dieser Stelle gewinnen, ist erstlich, dass 
die Gynäkonitis hinter der Andronitis lag, und zweitens, dass 
nur eine Thüre beide von einander schied. Diese hier nicht 
näher bezeichnete Thüre ist dieselbe, welche sonst /isray^o? 
oder fxeaauXog, auch fisaauXcog genannt wird, vgl. Sui- 
das s. V. /leaauXiov und Schol. Apoll. Rhod. III. 335: 
^ fidffauXog ij (fipooaa biq t£ t^v dvdpiuvtrcv xai yuvaixwvczcvl 
und in dieser liegt unstreitig der wichtigste Theil des ganzen 
Hauses für den, der eine Construction desselben versuchen 
will. Daher sind die Stellen, in denen sie erwähnt wird, 
wohl zu erwägen, und namentlich ist darauf wohl zu achten, 
dass jxiTaoXog und {jdaaoXog zwar eine und dieselbe Thüre 
bezeichnen, dass aber der letztere Name in seiner eigentlichen 
Bedeutung nicht in jedem Hause für die allgemeinere Benen- 
nung {lixaoXog gebraucht werden konnte. Zwar sagtMoeris 
Att. p. 264: /iSTauXog ij /idanj rr^g ävdpojvhidog xa). yvvaixiu- 
vcTtSog &upa, 'Azrtxiüg' fxiaaoXog^ 'EXX^vcxwg, und demzufolge 
haben nicht bloss Schneider Epimetr. p. 279, sondern 
auch Lobeck ad Phrynich. p. 195 u. A. angenommen, dass 
fxsTauXog nur die bei den Attikern übliche Form statt /xdaao- 
Xog sei; allein wenn ich auch den Zusammenhang zwischen 
fidaog und //e'ra nicht verkenne, so glaube ich doch, dass es 
einen ganz anderen Grund hat, weshalb bei früheren Schrift- 
stellern der Name fxiraoXog ist. Die bekannteste Stelle, in 
welcher die /i£T«ü^oc erwäliut wird, ist bei Lysias de caede 
Eratosth. § 17: dva/ic/ivr^axo^ievog , ou iv ixetvjj xjj voxzi 
i<l>6^et i) fxiroujXog Bupa xai ij aöXeeog: und wenn wir auch 
daraus nichts weiter erfahren, als dass es im Innern des 
Hauses eine Thüre gab , durch welche man erst zu den Ge- 



zur dritten Scene. 125 

mächern der Frau gelangte, so ist doch die Stelle darum 
wichtig, weil in diesem Falle die Thüre keineswegs Andro- 
nitis und Gynäkonitis verbindet (denn die eine war ja im 
imepojov) und dennoch iierauXog heisst. Aber bei Plu - 
tarch. Symp. VII. 1, wo die imyXaj-cTcg mit der fidzaukog 
verglichen wird, ist auch darauf Rücksicht genommen, dass 
letztere beiden Abtheilungen des Hauses gemeinschaftlich ist : 
^ 8s jxiraukog aorrj {ij imyXajmg) xXiaiv in' äfi^o-spa Xa/i- 
ßdvouaa <p&syyojiiviuv /jlsv intm'rrrec zS) oro/ia^o», atToofisviov 
8h xai mvövTiuv t^ dpnjpttjL: und nehmen wir dazu die den 
Atticismen des Aelios Dionysios entlehnte Bemerkung bei 
Eustath. ad Iliad. XL 547, p. 862. 17: oi 8e izaXato} <ny- 
fieiouvrat, wg 'AttcxoI fikv rijv iiearjv &upav /xeffooXov <p<wi^ 
fidXcffza fikv ouv rijv fiiffyjv 8uo7v auXalv, ujg ^acv 
ÄiXiog Jcovuacog, ^v xal fxiraoXov aurög Xiyoi npbg OfWiorrjTa 
rou [leMpiov xa\ p^rat^/iiou, so erhalten wir hinlängliches 
Licht über die wahre Bedeutung der ps-aoXog und ihr Ver- 
hältniss zur psaaoXog. Das griechische Haus hatte in älterer 
Zeit, ehe noch der Privatmann daran dachte, neben der Pracht 
der öffentlichen Gebäude, die ja sein gewöhnlicher Aufenthalt 
waren, eine eigene glänzende Wohnung besitzen zu wollen, 
gewiss nicht zwei Peristyle. Im vorderen Theile des Hauses 
lag die abXij (d. i. eben das Peristyl), zu der man durch die 
auXstog %pa gelangte. Hier waren jedenfalls die Säle und 
Gemächer, welche zur Andronitis gehörten. Jenseits des Pe- 
ristyls begann die Gynäkonitis, durch eine Thüre von dem- 
selben getrennt. Diese Thüre heisst /xsrauXog, nicht eben 
weil sie Gynäkonitis und Andronitis verbindet; denn bei Ly- 
sias ist das ja gar nicht der Fall, sondern weil sie der auXscog 
gegenüber jenseits oder hinter der auXrj liegt. Wo nun 
aber ein Haus in grösserem Style angelegt wurde und Gynä- 
konitis wie Andronitis ihr eigenes Peristyl erhielten, blieb die 
beide verbindende Thüre zwar immer, in Bezug auf die au- 
hcog, ixiraoXog: aber in wiefern man durch sie aus einer 



126 Erster Excnrs 

aJüXij in die andere gelangte, war sie zugleich auch jxiaaoXog, 
und darum sagt Dionysios eben, der Name bedeute fid^cara 
T^v jxear^v Suo7v auAacv. Eine Andeutung solcher Häuser, in 
welchen Männer- und Frauenwohnung eine gemeinschaftliche 
ahXij hatten, finde ich in den Worten Plutarch's de cu- 
rios. 3: dXXä vüv fidv elai ß^upwpoc, ndXai 8k ponzpa xpooo- 
fteva TipoQ zalg &upacg alcr&rjacu napsc/ev, tva jirj ttjv olxodi- 
anoivav iv pdaip xaraXdßjj b dXXozpiog ^ rrjv TiapMvov ^ xo- 
XaZ6p.evov olxixrjv iy xexpayoiag rag ^spanamdag. Jungfrauen 
wenigstens sind in einem eigens zur Andronitis gehörenden 
Peristyle gar nicht denkbar. [Vgl. K. F.Hermann Griech. 
Privatalt. § 10, n. 19.] 

Nach allem diesem kann darüber kein Zweifel sein, dass 
in der besten Zeit die Wohnung der Frauen so gut als die 
der Männer im Erdgeschosse war, und dass die letztere jeder- 
zeit den vordem Theil des Hauses einnahm. Nur darf man 
freilich nicht meinen, die Hausfrau sei gänzlich davon aus- 
geschlossen gewesen, da vielmehr nur die Anwesenheit Frem- 
der ihr die Nothwendigkeit auferlegte, sich in die Gynäkoni- 
tis zurückzuziehen, die nur für die Jungfrauen der unverän- 
derte Aufenthalt war. Darum sagt Philo de special, leg. 
p. 327 Mangey, einer Stelle, welche klar beweist, dass die 
vordere auXr/ nie zur Gynäkonitis gehörte: dyopal xal ßouXeo- 
zijpia xa\ dtxaar^pia xai &taaoi xae aoXXoyoi noXoav^pJjTuuv 
Sft/Xwv xal 6 iv lmcU^p<p ßc'og Std X6yiuv xal Tzpd^ewv xarh. 
noXifwog xai xarä stprjvtjv dvdpdaiv i^af>p.6Coo<Ti, i^rjXs^acg 8k 
otxoupia xai ev8ov fxovij ' naf>Mvoig fxkv tiaio xXeatd8ujv rijv 
fieaauXiov Spov Tzenoir^fiivatg, reXe^acg 8k ijSrj yovat^l t^v auXtov. 
Das ist also die böpa ßaXavwrog bei Xenophon, durch deren 
Verschluss alle Verbindung dos Hinterhauses mit dem vordem 
aufgehoben wird, wie man am besten aus der Erzählung von 
dem argivischen Tyrannen Aristippos sieht, Plutarch. Arat. 
26: Totjg fikv 8opo<f/)pnog xa\ (püXaxag e$(u mipsjißdXXetv ixi- 
Xtuaev iv r^ nepcaruXif}' Toug 8' otxizae^ önure Seim/rjaai^ zd- 



zur dritten Scene. 127 

vföT« ndvrag i^eXauvwv xai rrjv /xiaauXov dnoxXeiujv /xerä r^f 
ipu)jj.£vrjQ avTog dg otx7j}ia xarsSusro /JLcxpbv uTispipov &up^ 
xarappaxr^ xXetö/xsvov. Ob auch Achill. Tat. IL 19 hier- 
her zu ziehen sein sollte, will ich nicht entscheiden. 

Vergleichen wir nun mit diesen aus den gültigsten Be- 
weisstellen griechischer Schriftsteller gezogenen Resultaten 
Vitruv's Lehre vom griechischen Hause, so scheint dieselbe 
in geradem Widerspruche mit ihnen zu stehen, und es 
sind die verschiedensten Versuche gemacht worden, nach sei- 
nen Angaben einen wahrscheinlichen Plan zu entwerfen. In 
der Hauptsache lassen sich die sämmtlichen mir bekannten 
Grundrisse (Stratico hat keinen geliefert) in drei Klassen 
theilen. In die erste gehören die Constructionen derer, wel- 
che unbekümmert um griechische Sitte und ohne die Unmög- 
lichkeit einer solchen Anordnung zu fühlen, zunächst auf die 
Hausflur die Gynäkonitis folgen lassen, durch welche man in 
die dahinter gelegen« Andronitis gelangt. Dass Perrault, 
Scamozzi und Marin i dieses für möglich gehalten haben, 
darüber mag man sich weniger wundern; dass aber auch 
Weiske (zu Xenoph. Memor.) in so schwerem Irrthume 
befangen sein konnte, ist kaum begreiflich. "Wenig unter- 
scheidet sich davon Hirt's Entwurf. Ihm ist indessen doch 
der Eingang zur Männerwohnung durch die der Frauen be- 
denklich erschienen. Er nimmt daher an, jede der beiden 
Abtheilungen habe ihren besonderen Eingang (proprias iannas) 
an entgegengesetzten Punkten gehabt und also an verschie- 
denen Strassen gelegen. Dieses sowohl als die übrige An- 
ordnung, wonach Gynäkonitis und Andronitis zwei ganz ver- 
schiedene Gebäude sind, die nur durch ein Paar schmale 
Gänge verbunden werden, verdient gar keine Widerlegung. — 
Anders haben Galiani, Ortiz und Rode die Schwierigkei- 
ten des vitruvischen Textes zu heben gesucht. Indem sie die 
Worte: coniunguntur autem bis domus ampliores etc. nicht 
yon einem nach innen fortgesetzten Hinterbaue, sondern einem 



128 Erster Excurs 

Seitenbaue neben dem zuerst beschriebenen Hause verstehen, 
und die folgenden: habent autem eae domus vestibula egregia 
et ianuas proprias, von eigenen Hausthüren auf dieselbe 
Strasse, lassen sie die Andronitis in einer Fronte mit der 
Gynäkonitis oder neben dieser liegen, wodurch allerdings die 
Inconvenienz vermieden wird, letztere als Durchgang dienen 
zu lassen. — Drittens endlich haben Mariette zu Barthe- 
lemy's Anacharsis t. II und Stieglitz in den Arch. 
Unterhaltungen (während er in der Archaeol. d. Bau- 
kunst Rode's Plan gefolgt war) die zweite Thüre von der 
Strasse her zu vermeiden gesucht. Zu dem Ende nehmen sie 
hinter der (einzigen) Hausflur einen Mittelgang an, von wo, 
jedoch auf verschiedene Weise, die Eingänge in die beiden 
Peristylien Statt finden. Diese Vorstellung scheint indessen 
ganz unrichtig zu sein; denn erstlich hätte Vitruv diesen 
Mittelgang nicht unerwähnt lassen können, wo er von dem 
Eingange zur Gynäkonitis spricht; sodann aber hatte man ja 
aus dem Peristyle der Andronitis die Aussicht auf die Haus- 
thüre und es musste daher der Eingang zu demselben dieser 
gegenüber liegen. 

Soll man sich also, was Vitruv betrifft, selbst für eine 
Ansicht entscheiden, so kann man bei allen Bedenklichkeiten, 
die im Einzelnen bleiben, wohl nur die Anordnung, wie sie 
Galiani und Ortiz getroffen haben, für wahrscheinlich er- 
klären. Das Hauptbedenken dagegen bleibt immer die dop- 
pelte Hausthüre, für die mir durchaus bei keinem Schriftstel- 
ler auch nur eine Andeutung vorgekommen ist. Indessen 
kann es doch wohl sein, dass die laxere Sitte in Städten, wie 
Alexandria, es unbeciuom fand, die Gynäkonitis hinter die 
Männerwohnung zu logoti, und dass so jeder Theil seinen be- 
sonderen Eingang erhielt. Nur das möchte ich geradehin 
leagnen, dass diese Anlage dos Hauses auch selbst in Vitruv's 
Zeit die gewöhnliche oder gar allgemeine gewesen sei. Die 
ganze Bescbreibung der Andronitis mit Pinakothek, Bibliothek, 



zur dritten Scene. 129 

Exedren, kyzikeniscben Triklinien u. s. w. weist darauf hin, 
dass Vitruv mehr die palastähnliche Wohnung eines Vor- 
nehmen als ein gewöhnliches bürgerliches Wohnhaus im 
Sinne hatte. 

Man könnte noch die Frage thun, warum Vitruv von der 
Gynäkonitis zuerst, wie von dem wichtigsten Theile oder dem 
eigentlichen Hause spreche, da doch die Männerwohnung viel 
grösser und ansehnlicher und, wenn sie ihren eigenen Aus- 
gang auf die Strasse hatte, ebenso selbstständig war als jene, 
80 dass es auffallend ist, von ihr zu lesen: Coniunguntur au- 
tem his etc. Der Grund liegt vielleicht darin, dass jene noch 
die alte Grundform des Hauses enthielt und diese, in solcher 
Weise angebaut, als neu hinzugekommener Theil angesehen 
werden konnte. Und im Grunde war doch auch der Theil, 
worin sich die Frauenwohnung und alles zur Wirthschaft Ge- 
hörige befand, der hauptsächlichste Theil des Hauses. Dass 
wir aber in der Beschreibung Vitruv's ein auch der Zeit, von 
der ich vorzugsweise spreche, angemessenes Bild einer Gynä- 
konitis erhalten, dass wir sie also unbedenklich in das ältere 
griechische Haus übertragen dürfen, davon bin ich fest über- 
zeugt, nur dass die fisaauXog im vitruvischen Baue nicht der 
auXetog gegenüber, sondern an der Seite zu suchen ist, wo die 
Andronitis angebaut war. Der weiteren Angaben des römi- 
schen Architekten, die nichts Wesentliches mehr enthalten, 
gedenke ich von nun an nur gelegentlich, indem ich mich 
ganz dem älteren Hause in der von mir bezeichneten Periode 
zuwende. [K. F. Hermann hat zu Charikles B. II S. 92 die 
doppelte Hausthüre, wie man sie bei Vitruv annehmen könnte, 
durch Hinweisung auf Aeschyl. Choeph. 865 stützen wol- 
len. Aber wenn dort auch die Wohnung der Klytämnestra 
auf die Strasse zu münden scheint, so lässt sich aus einer 
Bühneneinrichtung schwerlich ein fester Schluss auf das bür- 
gerliche Leben machen. Sonst stimmt Hermann mit Becker 
in der Verwerfung der Anordnung Vitruv's in Bezug auf die 

Charikles II. 9 



130 Erster Excurs 

Gynäkooitis, welcher auch C a n i n a gefolgt ist, überein und 
seitdem haben sich auch Petersen, Overbeck, Guhl und 
Koner, Krause und Winckler, wenn auch mit inneren 
Modifikationen, dem Becker'schen Plane angeschlossen. Aber 
die Gründe der vitruvischen Verirrung weiter zu verfolgen, ist 
ein sehr undankbares Geschäft, zumal es möglich ist, dass er 
trotz seiner Fachkenntnisse und seines Strebens, mit gelehr- 
ten Notizen zu prunken, zu wenig der griechischen Sprache 
und Literatur kundig war, um zumal in seiner verschrobenen 
und confusen Darstellungsweise (haben doch auch Einige die 
Worte »haec pars aedificii gynaeconitis appellatur« lediglich auf 
den vorhergehenden Satz bezogen!) den früheren Verhältnis- 
sen Griechenlands gerecht werden zu können.] 

Bei der Anlage des Hauses im Allgemeinen scheint man 
vorzüglich darauf gesehen zu haben, eben sowohl im Winter 
so viel als möglich Sonne zu haben als im Sommer sich ihr 
zu entziehen. Darum kehrte man die Hauptseite dem Mittage 
zu oder baute wenigstens die Hallen auf dieser Seite höher. 
Xenoph. Oecon. 9. 4: xac aüfxnaaav ok rjyv olxiav inddei^a 
aJbr^, Sri nphg jieoTjixßptav dvaTtenrarat , wäre eu8r]Xov elvac, 
Sri ^ecfxujvos fikv eurjXeog iffzc, roö de ^epoug euaxtog. Me- 
mo r. HI. 8. 9: ouxouv iv racg Ttpog fxecrtjiißptav ßXzTtüöaatg 
olx{ais Tou /xkv ^etixatvog o rjhog sie Tag ■naarddag bnoMpjnei^ 
rou 8k &ipoug br.kp ijjuöv aoTwv xai tu>v areyiüv TTopsuofxsuog 
axtdv nape^ec; ouxoüv ei' ye xaXuJg e^ec raÜTa oürto ycyvsa^ac, 
olxuSojieev See u(}>rjX67£pa p£v "zä npug fisffT^pßptav , 7va o ^et- 
fxepcvög 7J},cog p}j dnnxXEti^Taf ^UajiahuTSpa Sk rä -nphg äp- 
XTov, ha oi (po^po} pij i/mmTujaev ävsfxoc. Xenophon ist nicht 
der einzige, der diese Vorschrift giebt. Sie findet sicli auch 
bei Aristot. Oecon. I. 0, p. i;{45: xac nphg eui/^/ieptav Sk 
xa} Ttpbg uy^etav Set ehat (t^v olxt'av), simvouv pkv toü Mpoog^ 
tö^Xiov 8k Toü ^etixwvng' sXrj 8* Av fj rotaürrj xardßoppog 
oZffa xal pij laoTtlarf^g. Auch Vitruv stimmt damit über- 
ein: »peristylia, in quibus pares sunt quatuor porticus altitu- 



Bur dritten Scene. 131 

dinibus, aut una, quae ad meridiem spectat, excelsioribus co- 
lumnis constituitur«. Ein solches Peristyl hiess nach ihm 
Ehodiacura. 

Im Allgemeinen dürfen wir uns gewiss, und zwar eben 
in Athen noch zur Zeit des peloponnesischen Kriegs, die 
Wohnhäuser nichts weniger als gross und prächtig denken. 
Es war dem Athener nach Thucyd. IL 14 vor Andern eigen, 
lieber in seinen Besitzungen auf dem Lande als in der Stadt 
zu leben. Vgl. in Bezug auf Elis Polyb. IV. 73: aufxßaivsi 
yäp T^v ru)v 'Il^seiuv y^cijpav 8ia<fsp6vru}S olxsTa^at xai ydfisiv 
aojfidrujv xal xaraffxeurjs napa r^v aXlr^v IJsXonovvr^aov' svcoc 
yäp auTuJv ouroj azipyouai ruv im ruiv dypwv ßi'ov, utazs rc- 
väs im 8uo xal zpslg ysvsäg e^ovrag ixaväg ohatag prj napa- 
ßeßXrjxivai zu napanav elg llXtv. Daher kam es, dass auf die- 
sen Landgütern sich schönere Gebäude fanden als in der Stadt 
selbst. Das sagt ausdrücklich Isoer. Areop. § 52: zotydp- 
zoc 8id zaüza pezd zoaaltzrfi d.a<paX£tag ocr^yov, wazs xaXXioog 
elvae xal TzoXuzeXeazipag zäg olxijastg xai zag imaxeuäg rag 
im zibv dyputv ^ zäg ivzog zer/oog, und es wird auch durch 
Thucyd. IL 65 bestätigt, wo er von der Unzufriedenheit der 
Reichen spricht, ihre schönen Besitzungen preisgegeben zu 
sehen : ol 8s 8uvazol {iXunoljvzo) xaXä xzrjfiaza xazä zr^v y(u)- 
pav olxoSojxiaig ze xal noXuzsXem xazaaxeoaTg dnoXiuXzxozeg. 
Die Häuser in der Stadt dagegen schildert grösstentheils als 
gering Dicaearch a. o. a. 0. Erst gegen die makedonische 
Periode hin, als der Gemeinsinn mehr und mehr schwand, als 
man sich nicht mehr mit dem Antheile an dem Glänze des 
Staats begnügte, sondern selbsteigen besitzen wollte, da moch- 
ten die Privatwohnungen in demselben Grade glänzender und 
grossartiger werden, als die öffentlichen Gebäude vernachläs- 
sigt wurden. Darüber wird an mehr als einem Orte geklagt 
und dagegen gehalten, wie einfach und unansehnlich die Häu- 
ser der bedeutendsten Männer früherer Zeit waren, wie z. B. 
Demosth. in Aristocr. § 207: zr^v 0ep.cazoxX£oug p-h yäp 

9* 



132 Erster Excurs 

olxcav xa\ ttjv MiXzcdSoo xal riüv rors Xafinpwv ei reg äpa 
oldev uixwv brtoia ttot' iffTcv, dpa rajv rtuXXvJv ouSkv ae/xvord- 
pav otjffav , zä de t^S" TzoXeojg oIxo8ofj.rjfxaTa xac xaraaxeod- 
Cfiara zrjXcxaora xac roiaüra, uktts [ir^dsvl tujv imyiyvofjLSvujv 
bnspßoXrjv XeXEtfd^at . . . wv 8' I8ta p.kv ixdaroj tujv Tä xofva 
itparrövrcuv roaaoTT] mpiooaia iartv , (Lars uvkg pkv aurwv 
noXXiöv Srjjioaiiuv oixoSofirjfjLdTiov ffe/ivorspag rag c8cag xare- 
axeodxaaiv otxcag: vgl. Olynth. III, § 29: ivcoc 8s rag cSiag 
olxcag Tü)V 8rj}xoac(uv olxoSojjLVjfxdTiüV <Tsp.voripag elal xareaxeua- 
a/x£voc' oaw 8k zä rrjg nöXecog eXdTTco yeyove, toctoutw rd rou- 
ziüv Tju^Yjzat, und de ord. republ. § 30, wo freilich nur die 
erste Stelle mit geringen Abänderungen wiederholt ist, [Schon 
Xenophon im Oecon. III, 1 hatte genannt olxcag zoug psv 
dnb noX^ou dpyupcou d^prjazoog ocxo8ojiodvTag.] 

Ein besonderes vestibulum , d. h. [einen zwischen der 
Strassenlinie und der Hausthüre befindlichen Platz], wie bei den 
Römern, kann das griechische Haus nicht gehabt haben. Das 
folgt schon daraus, dass der Peisistratide Hippias eine Steuer 
auf die Hausthüren legte, welche sich auswärts nach der 
Strasse öffneten, weil sie einen Raum, der Gemeingut war, in 
Anspruch nahmen. Aristo t. Oecon. II, p. 1347 Bekk. 
Wenn rcpo&upa erwähnt werden, wie bei Herodot. VI. 35: 
McXzcdSrjg xav^/xevog iv zocac npoböpocac zocac iiuuzou , so ist 
nur Oberhaupt der Platz vor der ThOre zu verstehen. [Dass 
diese Behauptung zu einseitig ist, ergiebt sich sehr einfach 
aus einem auf Delos gefundenen Privathause bei Guhl und 
Kon er Fig. 92 u. 93. Dort besteht das npomXacov aus zwei 
jonischen Säulen in antis und die Böpa auXecog folgt erst da- 
hinter. Eine in die Flucht der Facjade einspringende Haus- 
thüre erblickt man bei Gerhard, Trinkschalen dos kgl. 
Mus. zu Berlin, Taf. 28. J Manche Häuser müssen indes- 
sen noch eine besondere Umzäunung oder Einfriedigung ge- 
habt haben; denn in der angeführten Stelle aus Aristote- 
les heisst es: 'Irm{ag o 'AHr^vaTog zd unspd^ovza ziüv onepwtuv 



zur dritten Scene. 133 

££? ToEff 8r/fxo<Tcas 68oug xal roug dvaßaßfxouQ xac rä -npafpay- 
fiara xal Tag &upag rag dvocyo/xivag i$(o iniu^rjasv. Aehn- 
lich waren wohl die dpü^axroc, deren ungebührlicher Aus- 
dehnung zum Nachtheile der öffentlichen Strassen die athe- 
nischen Behörden zu wehren ausdrücklich angewiesen waren, 
Heracl. Pol it. 1: xal tujv d8aJv insfxeXuuvTO, omog firjTcveg 
dvocxoSo/iuxTcv auräg iy 8pu<pdxToog unepTecvaiCiv : vergl. Xe- 
noph. de rep. Ath. 3. 4 [auch Hullemann in Mise, phi- 
lol. Amstel. 1851, t. III, p. 12—18, Curtius, Zur Ge- 
schichte des Wegebaues bei den Griech. S. 84ff. und 
Win ekler S. 89]. — Vor dem Hause stand übrigens häufig 
ein Altar oder wenigstens ein in roher Weise den Apollon 
Agyieus vorstellender Spitzpfeiler, ein durch altes Herkommen 
typisch gewordener Rest der ehemaligen rsrpdyajvog ipyam'a, 
der daher geradehin 'Ayocsüg heisst. Er wird bald xcujv elg 
o^h Xrjyiuv ujg dßsk'axog, bald xwvozior^g x/tt»v, ßiupog azpoy- 
yohg, auch ^AnuXkwv rerpdyojvog genannt; zuweilen stand auch 
ein Lorbeerbaum dabei, wie man aus der säubern Erzählung 
bei Aristoph. Thesmoph. 489ff. ersieht; vergl. Plaut. 
Merc. IV. 1. 12 und im Allg. Schol. Eurip. Phoeniss. 
€31 und Aristoph. Vesp. 8Y5, auch Hcllad. in Phot. 
Bibl. 279, p. 535 Bekk. und mehr bei Panofka in Ab- 
handl. d. Berl. Akad. 1840, S. 361 und Petersen Haus- 
gott es d. S. 14 - 16. [Sodann fehlte wohl selten ein Bild 
und Schrein der Hekate: Aristoph. Vesp. 804: wansp 
^Exdreiov navTa^oü Ttpo Ttuv &upiuv , Hesych. : kxaraZa rä 
Tipb TÖiv Bupujv 'Exdrrjg dydXpara' zcvkg 8k rä iv racg rpco- 
8ocg, und die Erklärung zu Aristoph. Kan. 379 und Ly- 
sistr. 64. Deshalb hiess Hekate auch npo^upaia oder Tipo- 
&upi8ia, auch npoTioXata. Ueber die ihr geweihten Speisen 
vgl. Schol. zu Aristoph. Plut. 596. Demosth. ad v. Cod. 
§ 39. Bekker. Anal. 247. Endlich standen auch noch vor 
den Häusern als Marksteine des öffentlichen und privaten 
Eigentliums die viereckigen Pfeiler mit dem Kopfe des die 



134 Erster Excurs 

Wege und Wanderer schützenden "Epiir^g, Po 11. VIII, 72 und 
Aelian. Var. Hist. II, 41. Vgl. Hermann Gottesdienstl. 
Alterth. § 15. Verschieden von diesem war noch das Hei- 
ligthum des 'Ep/xr^g a-zpoipdtog hinter dor Thüre: Aristoph. 
Plut. 1153. Vgl. Babr. Fab. Aesop. 119. Schömann 
kriech. Alt. II, S. 553.] 

Zu der Thüre führten wohl oft einige Stufen; doch ist 
es nicht nothwondig, die in der aus Aristoteles angeführ- 
ten Stelle genannten dvaßa[^p.o6g davon zu verstehen. Davon 
und von dem Verschlusse der ThOren wird weiter unten die 
Eede sein. Ueber der Hausthüre mochte sehr häufig boni ominis 
causa oder gewissermassen als npoßaaxdvtov eine Inschrift 
stehen. Plutarch. bei lulian. Orai VI, p. 200: im roO- 
rou (paat rohg "EXXrjVag iruypdfsiv roTg iaurwv oYxocg in} r(i>v 
npoTioXat'iijv elaooog KpdrrjTi 'Ayaf^oj Jacpovi. Andere sind 
uns durch den Witz des Diogenes bekannt. Diog. Laert. 
VI. 39: euvou^ou fio^f^r^poü smypdtpavzog inl z^v ocxcav Mrj- 
8kv slaiTU) xax6v b oov xuptog, e'ijcjy, T^g olxiag tcoo sladXBrj; 
50 : vsoydpou imypd(f'avTog im r^v olxiav • '0 toTj dibg naig 
'//paxXrjg KakXivtxog ivßdSe xazocxsT, /xrjdkv elaiTU) xaxov, ini- 
Ypa(pe Mezä nuke/xov ij m)ixp.a^ta. Vgl. Bullet, dell' Inst. 
arch. 1841, p. 125. 

In allen bedeutenderen Häusern gab es einen Thürhüter, 
duptopög. Wenn Plutarch in der sciion oben angeführten 
Stelle de curios. 3 ihn der alten Zeit abspricht, so muss 
wenigstens bemerkt werden, dass während des peloponnesi- 
schen Krieges dor Gebrauch schon sehr allgemein ist. Auch 
war die Bestimmung des Hupwpdg nicht bloss, den Klopfen- 
den zu öffnen und ihn dem Herrn zu melden, sondern beson- 
ders auch darauf zu achton, dass nichts heimlich und uner- 
laubterweise aus dorn Hause getragen werde. A r i s t o t. 
Oecon. I. 6, p. 1345: doxet 8k xal iv zaig juydXacg otxovo- 
fj/fjug }(p'^miwg elvat Hupu)p6g, (ig üv fj ä^pr^crcug zCov uXXmv 
ipyvjv, Tiphg TTjv aiMvqpidM tmv sh^spopivujv xal ix^tpopiviüv. 



zur dritten Scene. 135 

Keine klassischere Stelle giebt es, um das Wesen und Beneh- 
men solcher Thürhüter zu malen, als die Erzählung von dem 
Empfange, den Sokrates an der Thüre des Kallias erfuhr, 
Plato Protag. p. 314: ooxzT ouv /xoi, h &uf)(jjpug^ suxjü^oq 
Tcg, xarrjxoozv rj/xaiv xivduveuei 8k oiä tö nXr^&og tujv ao<piaTU}\f 
ä^i^eai^at zoTg (potxüiatv elg zrjv olxiav iTzeiorj yoov ixpoöaa- 
[lev TTjv böpav, dvotqag xai l8cov ^fiäg, ia, i^, ao^carae tc- 
vsg' ou O'/oXrj auTcb. xai a/xa d/x^oTv zdcv ^spoTv ttjv ^upav 
Tidvu Tipoi^ufKug wg olovr' rjv eTrfjpa^e, xai rjjxeTg ndXcv ixpouo- 
fiev xac dg iyxex^scafxevrjg r^g Bupag dnoxptvopevog emev, w 
äv^pojnoc, £^yj, oux dxrjxuaze, ozi ob cr^o^ auzoj; d^X\ ut 
'yal^d, icprjV iyü) , ouzz napä KaXXcav yjxojxsv ouze aoiptazai 
ia[X£v, dXXd i^dfjpsi' Ilpojzayöpav ydp zoi deoixsvoe iSsTv ^XHo- 
}xsv, ecadyyecXov ouv. poycg ouv nozs TjfxTv 6 ävd^pujiiog dviat^e 
z^v &üpav. Dem Thürhüter war häufig ein Hund beigesellt, 
und wo der erstere fehlte, hielt wenigstens dieser Wacht. 
Apollodor sagt vom Empfange in einem Hause, wo man 
gern gesehen sei, bei Athen. I, p. 3: 

iaziv ^eojpeiv, Sixo^&v, rijv tuu <pikoo 

eövotav £u&ug elaiüvzi zäq {^üpaq. 

ö t9upujpus IXapöq -Kpütröv iffziv, -^ xöuiv 

^aaive xai i:po<rqXßBv. 

Vgl. Theoer. XV. 43: 

räv xuv' i<TU) xdXsaov, räv aöXstav änoxXa^ov. 
Aristoph. Thesm. 416. Equit. 1025. Lysistr. 1215. Die 
in der letzten Stelle ausgesprochene Warnung: suXaßsTa&cu 
zTjv xuva, wurde wohl auch, wie das römische cave canem! 
angeschrieben. [Nach PoU. X, 28 lag dem Bopiupog auch 
das Fegen des Hauses ob.] 

Ich gehe nun noch einmal die einzelnen Theile des gan- 
zen Hauses ihrem Zusammenhange nach durch, und habe da- 
bei ein grösseres Wohnhaus mit doppeltem Peristyle vor 
Augen, wie man es sich etwa in der Zeit, welche für die Er- 
zählung angenommen ist, denken mag. — In einem solchen 



136 Erster Excurs 

Hause nun trat man aus dem Thyroreion oder der Hausflur 
zunächst in die vordere abXij oder das Peristyl der Androni- 
tis, wo auf allen vier Seiten Säulengänge, azoac, waren. Po 11. 
I. 78: sinotg 8' äv rov TzepiaroXov zönov nepexeova . . . xara 
8k Toug 'Arrexobg nepiaTwov^ avoäv 8k xdXet rö /lipog ahroo' 
arob. yap rb TtXeopbv xaXeTrac^ rj fiivroc //>^<Ti? xa} inl rä 
ivavTca rirpanrai. [Wie oben gezeigt worden ist, bleibt auch 
der Fall nicht ausgeschlossen, dass bloss die an der Eingangs- 
thüre liegende Seite und die entgegengesetzte mit Säulen ver- 
sehen waren. Das von Vitruv beschriebene vordere Peristyl 
hatte nur auf drei Seiten azoai.] Um dieses Peristyl her 
müssen nun die Zimmer, orxo; oder o^x^y/zara (P lato Protag. 
p. 316, Lysias Fgm. in Tisid. § 4, Achill. Tat. H. 19]; 
vgl. Baehr zu Her od. H. 148), auch diofidria (Lysias de 
caed. Erat. § 24, in Eratosth. § 10, Aristoph. Eccl. 8, 
Casaub. ad Theophr. 13, p. 111) und xotrwvss (Poll. I. 
79) gedacht werden, darunter auch Säle für die Symposien 
der Männer, oJxoc rpixkvoc, knzdxXivoi, rptaxovrdxXevoc (Plu- 
tarch. Symp. V. 5. 2, Poll. I. 79), daher in der besten 
Zeit gewöhnlich dvSpitJvsg genannt. Xenoph. Symp. I. 4, 13, 
Aristoph. Eccl. 676: 

— TO dt delnvov noö napa&T^aets i — 
rd dixaarrjpia xai rdg arotäq ävdpiövaq TzdvTa notrjaut. 
[Dieser dvSpwv wird am schicklichsten hinter die Mitte der 
dem Eingang entgegenstehenden Halle gelogt, wo auch Vitruv 
seine grosse naatdi hat. Er ist in dem gewölmlichen Bürgor- 
hause das grösste Gemach. Hier steht die lo-n«; hier hält 
sich der Hausherr vorzugsweise auf, und dass überhaupt im 
Zimmer des Mannes gespeist wurde, sieht mau auch deutlich 
aus Lys. de caed. Eratosth. §22, wo Euphiletos den ein- 
geladenen Sostratos im Oborstocko bewirthct, weil eben dort 
das einstweilige Männerzimmer lag. Der dv8pd>v nimmt auf 
dem Petersen'schon und Winckler'schon Grundrisse einen 
aasserordentlich grossen Kaum ein, einen beschoidenoron auf 



zur dritten Scene. 137 

den Oberhaupt recht praktischen und überzeugenden Plänen 
von Guhl und Koner. Becker hat im Anschluss an Vitruv 
die Ttaardg an der Hinterwand der Gynäkonitis angebracht; 
Winckler ist ihm gefolgt und hat also im Centrum ausserdem 
einen Festsaal für die Männer.] Auch Vorrathskammern 
konnten sich hier finden, wie beim Vater des Kallias, Plato 
Protag. p. 315: ^v 8e iv olxrj/xazc rcvi, lo r.poroö /xkv ujq ra- 
jltetü) ixp^'^o 'limövtxog: und wohl mögen auch die aroai xap- 
noo ßax^ioo ze vdiiazoQ nXijpetg bei Aristoph. Eccl. 14 hier 
gedacht werden. [Im Ta/xcelov oder in der Halle davor be- 
fanden sich auch die ^sol x-rijaiui, namentlich ein Altar des 
Zehg xrijatog: Hapocrat. p. 1Y9. Casaubon. ad Athen. 
XI, p. 473 u. Hermann Gottesd. Alt. § 15, n. 2. Schö- 
mann Griech. Alt. II, S. 550. Die iiiaaoXog Supa denkt 
man sich am passendsten in dem Andron selbst.] Aber 
ausserdem hatte das Haus noch eine dritte Hauptthnre, die 
gewöhnlich xrjnata &upa (Poll. I. 76) genannt wird, weil 
an die meisten Häuser ein Stück Garten stossen mochte. De- 
mosth. in Euerg. § 53: xaraßaXövzsg zvjv &öpav ttjv eis 
rbv xrjTzov <pipouaav. Plaut. Most. V. 1. 4. Diese 
Thüre wird auch gemeint bei Lysias in Eratosth. § 15: 
ipLnstpog yäp tSv izOy^avov zr^g ocxc'ag xac ^osiv , Szi d/i^i- 
&upüg scrj, und vielleicht bedeutet dfx^moXov psXaBpov bei 
Eurip. Med. 134 auch nichts anderes. Lysias spricht übri- 
gens noch von einer dritten oder vielmehr vierten Thüre, von 
der sich nicht wohl angeben lässt, wo sie angebracht gewesen 
sein könnte, § 16: zptu)V 8s ^opojv ouau)v, d:g idsc /ms SeeX- 
&£7v, dnaaai dveoiypivat izo^ov. Die au^scog kann unter den 
drei genannten Thüren nicht sein; denn Lysias war schon 
im Hause und seine Verfolger hielten eben an der auXecog 
Wache (ixecvaiv im zfj auXecoj &up^ zrjv ^uXaxrjv Jioioufidvwv). 
Vielleicht ist indessen eine Thüre zu verstehen, die aus dem 
Garten auf die Strasse führte. 

Hinter dem Peristyle der Gynäkonitis lagen die für die 



138 Erster Excurg 

weiblichen Arbeiten bestimmten Säle, die Grenze des Hauses 
bildend; ferner der BdiXa/xog und d/x^SaXa/xog , die täglichen 
Speisezimmer und alle für die wirthschaftlichen Zwecke nöthi- 
geu Räume. Das stimmt auch vortrefflich mit den Angaben 
bei P oll ux überein, der, nachdem er von den Sälen der An- 
dronitis gesprochen hat, fortfährt: {^dXaiiog, yuvaexajvc-cg, 
coTSwv, TaXaaioupycxog oixog, anonocixös, Iva fx^ /xuXu/va ujg 
oöx eu^fxov dvoiid^ouftsv • drcTavecov ro iMayscpeTov, dno&^xac, 
ra/xtsTa, &rjaaopoi^ (poXaxrrjpia. Man erinnere sich, dass eben 
deshalb bei Ischomachos die fxdvauXog verschliessbar ist: tva 
ix)j kx<piprjTat iv8o&ev, o rc prj dsT. 

Der ddXapog ist das eheliche Schlafgemach. Ohne Grund 
schliesst Schneider aus des Ischomachos Worten bei Xe- 
noph. Oecon. 9. 3: o pkv ydp ^dXap.og iv o^opui utv zä 
TzXstaroo ä^ta xal arpionara xai oxeuYj napzxdXzi, dass die home- 
rische Bedeutung des MXajxog als Vorrathskammer in Athen 
fortgedauert habe. Ischomachos will überhaupt sagen , dass 
in seinem Hause alles an dem geeignetsten Orte aufbewahrt 
oder vielmehr jeder Raum für den Zweck benutzt werde, für 
den seine Beschaffenheit sich eigene. Nun sehe ich nicht 
ein, warum der Thalamos als eheliches Schlafgemach, wenn 
er eben h ^x^P^ ^**'> nicht auch benutzt werden konnte, um 
werthvolle Geschirre und Decken aufzubewahren, wozu nichts 
als etwa ein Schrein oder eine Lade gehörte. Als Lysias von 
Peison sein Leben mit einem Talente erkaufen und das Geld 
ans der Lade, xtßujTog, worin sich oben auch das Silberge- 
schirr befindet, nehmen will, da ist von keinem Thalamos die 
Rede, sondern es heisst § 10: EiaeXi^iuv sig ro ScopdTcov t^v 
xißiuTuv dvoiyvojit x. r. X, Es konnte ja übrigens an den 
Thalamos auch nocli ein besonderes Zimmer für solchen Zweck 
grenzen, und gerade in diesem Hause, wo das ganze Vermö- 
gen der Frau anvertraut ist, scheint der Thalamos der schick- 
lichste Ort für die Aufbewahrung werthvoller Sachen, [diuiid- 
Tcov ist aber oben vorzugsweise das Schlafzimmer und so auch 



zur dritten Scene. 139 

hier mit SäXa/iog gleichbedeutend. Vergl. Lys. de caed. 
Eratosth. § 24. Aristoph. Eccl. 8. Theophr. Char. 13, 
Plat. de rep. III. p. 390, namentlich aber Lys. adv. Dio- 
git. § 6: irdaxrj^l'e 8e, idv ti nd'Jrj, zaAavTov fisv izcouüvat 
rjj yovaixl xal rä iv Tip düjfxarcoj, rdXavrov 8k Boyarpe: denu 
hier sind rä iv rw Siufiazcw die Pretiosen. Das Wort BdXa- 
fjLog als eheliches Schlafgemach braucht noch Plut. Alcib. 
23: ^Aycg — — i^edpafis rou BaMpou napä r^g yovaixog.] 
An ein unepwov möchte ich am wenigsten denken, wenn auch 
wirklich Col um e IIa Xenophon's Worte so verstanden hat. — 
Im Hause des Euphiletos (Lysias de caede Erat. § 9fF.) 
kann es scheinen als sei der Thalamos in der Wohnung des 
Mannes, denn die Frau schläft gewöhnlich im obern Stock- 
werke bei ihm und wird nur zuweilen von ihm hinab zu dem 
Kinde geschickt; allein das hat unstreitig seinen Grund darin, 
dass Euphiletos die Wohnung getauscht hatte. Dabei war 
der Thalamos unverändert geblieben. — Die Bestimmung des 
Amphithalamos wird durch nichts klar; indessen ist es wohl 
wahrscheinlich, dass dort die Wohnzimmer der Frau und der 
übrigen Familie waren. [Overbeck, Guhl-Koner, Reber 
und Win ekler sehen in dem nur bei Vitruv vorkommenden 
und auf die einfachen Bürgerhäuser zumal keine Anwendung 
findenden Amphithalamos ein Schlafgemach für die erwachse- 
senen Töchter des Hauses und beziehen darauf auch Achill. 
Tat. II, 19. Uebrigens ist noch zu erwähnen, dass im Tha- 
lamos die i)^eoi yapijXtoi, wohl auch die nazpwot oder yövi- 
BXiot standen.] 

Ein oberes Stockwerk, umpwov, dcr^peg, darf nicht über- 
all vorausgesetzt werden; aber auch wo es ein solches gab, 
erstreckte sich der obere Bau gewiss selten über den ganzen 
Raum, den das untere Haus einnahm, zumal wenn dieses von 
bedeutender Ausdehnung war. Am häufigsten waren wohl 
dort die Sklavenwohnungen, wie wir denn bei Demosth. in 
Euerg. § 56 die Sklavinnen eingeschlossen iv rw nöpyu), 



]40 Erster Excurs 

d. i. einem mehr als ein Stockwerk hohen und also über das 
übrige Haus hervorragenden [oder vielmehr nur auf einen 
kleineren Theil des Unterraums aufgesetzten , einstöckigen] 
Gebäude, den Verfolgungen der Plünderer entgehen sehen. — 
Zuweilen führte vielleicht zu solchen Wohnungen im zweiten 
Stock die Treppe von der Strasse herauf, wie ich dieses von 
den alten römischen Häusern nachgewiesen habe (Gallus 
Th. n, S. 238), und so lassen sich vielleicht die von Hippias 
besteuerten dvaßa^jioi erklären. Für den Fall, dass das 
uTrepwov vermiethet wurde, war diese Einrichtung die be- 
quemste. [Die Treppen selbst waren wohl, -wie die römischen, 
ziemlich steil und unbequem; vgl. Lucian. Tragodop. 221 : 
Tzp&rov fikv ihnov rtivzs ßd&fiwv xUßaxa, 
^üAiav Tpißouaav dtakÜTutaiv äpfioyalg.] 

Nicht selten mögen auch diese obern Stockwerke theilweise 
über die Grundfläche des Hauses balkon- oder erkerartig hin- 
ausgebaut worden sein. Auch diese Vorbauten , rä unspd- 
}[ovTa Tujv ümpwiov, besteuerte Hippias. Die beste Auskunft 
über sie giebt Pol). I. 81: eha urtspwa olxrj[iaTa, rä 5* aura 
xoJ dtijprj' at 8b TipoßoXa} rwv ÜTispwajv ocxrj/iaTwv, ai ÜTzkp 
Tobg xdruj roi^oog Tzpüu^ooaai, yscanzod cap-ara, xal rd 
^ipovza aLzdu: $6Xa yeiainodes. S. Sehn eide r Epimetr. 
p. 281. — Dass das umpwov zuweilen vermiethet oder als 
Fremdenwohnung benutzt wurde, sieht man ausAntipho de 
venef. § 14: umpwüv ti tjv rr^g rjpezipag oixcag, i) et^e 0t- 
Mveojc^ onoT' iv darci dtazpe'ßot, dvijp xaküg re xdyahix: xa\ 
^(XoQ Ttp ^p£rip<p TtaTpL Bei grösseren Häusern aber lagen 
besondere Gastwohnungen neben dem Hauptgebäude; »praete- 
rea dextra ac sinistra domunculao constituuntur«, sagt Vitruv, 
»babentes proprias ianuas, triclinia et cubicula commoda, uti 
hospites advonientos non in peristylia, sed in oa hospitalia 
rocipianturo. Uoi grössoron Häusern mag das so gewesen sein, 
and 08 bedarf nur der Krimioruiig an den ^evwv der tragi- 
schen Dühno (Poll. IV. 125; vgl. Eurip. Alcost. 5C4 iftu- 



zur dritten Scene. 141 

moc ^evüjveg, mit Schneid, zu Vitruv. t. II, p. 487 und 
d'Orville Sicul. I, p. 258), um diese Worte zu verstehen, 
obgleich bei Plato Protag. p. 315 der gastfreie Kallias 
selbst Räume, welche sonst wirthschaftlichen Zwecken dienten, 
dazu eingerichtet hat: ^v 8k iv olxrjiiazi rivt {Flpuotxug b 
Keeos), oj Tiporou fikv wg rafjLieeoJ i^pr^ro 'Itvküvixoq^ vuv 3k 
uno roü nXij&ouQ riov xara^uovrajv 6 KaXXiag xa). xooto ixxs- 
viuaag $£vocg xardXo(Tt\> TTsnoir^xev. [Aus Becker's Worten geht 
nur hervor, dass er die Existenz besonderer Gastwohnungen 
neben dem Hauptgebäude für die Zeit des Perikles nicht an- 
nehmen will; denn sonst ergiebt sich ja schon aus den pla- 
tonischen Worten, dass der reiche Kallias wohl Gastfreunden 
Unterkommen gewähren konnte, in diesem Falle aber unö tou 
TtXijBoog Tüiv xaTaXuuvTujv zu einer ausserordentlichen Mass- 
regel seine Zuflucht nahm. Vgl. Hermann Griech. Pri- 
vatalt. § 52, n. 17.] Dass die von Vitruv gemeinten ho- 
spitalia durch Zwischengänge, fisaaoXoc, von dem Hauptge- 
bäude getrennt gewesen seien, ist eine durch den verderbten 
Text veranlasste irrige Meinung. Die alte Lesart: inter haec 
autem peristylia et hospitalia itinera sunt, quae mesauloe di- 
euntur, quod inter duas aulas media sunt interposita, ist von 
Schneider nach Handschriften und der Ed. princ. berich- 
tigt worden. Es muss heissen: inter duo antem peristylia 
itinera sunt etc., worunter dann nichts anderes zu verstehen 
ist als der Gang, welcher von der Andronitis zur Gynäkonitis 
führt, wo sich die ueoaoXog ßupa befindet; und es ist nur 
die ungeschickte Weise des Ausdrucks, die diese Stelle, wie 
so viele andere in Vitruv's Werke, unverständlich macht. 
[Rose hat in seiner Ausgabe die Conjectur: inter haec autem 
peristylia et ad hospitalia etc.J Dass itinera nur von einem 
Gange zu nehmen ist, wie im Anfange des Capitels, hat 
Schneider bemerkt. 

Die Dächer waren in der Regel platt, so dass man dar- 
auf umhergehen konnte, s. z. B. Lysias adv. Simon. § 11, 



142 Erster Excurs 

Plaut. Mil. IL 2. 3; auch Aristoph. Lys. 389 über den 
'Adiüvcaafius. Allein hatte man auch hohe Dächer, und wenn 
gleich das Giebeldach als nur den Tempeln zukommend ge- 
nannt wird (Aristoph. Av. 1108), so ist dieses doch wohl 
nur von dem der Strasse zugekehrten Giebel über der Fronte 
des Gebäudes zu verstehen. S. die vou Böttiger Kl. Sehr. 
Th. I, S. 287 angeführte Stelle Galen's ad Hippocr. de 
articul. III. 23: oYxou 8k dirwjjia ro b(prjX6zarov [lipog' oüzoj 
yäp dvojxdZooat rag elg u(pog dvaTaaeig xrjg bpo(pfß rpcycovoec- 
dsTg' et p.kv yäp ijhaarf^piov Tioiijasi rtg äwi xepdfiou, notijaet 
TTjV dpo^TjV ivemmdov . . . xspap-ov 8k incrt&stg eöanöppuTov 
auT^ To ü8a>p To ojxßpiov elvae ßouXeraf xarä toDt' ouv u(prj- 
Xbv ipyaad/isvog to }xiaov r^g dpofr^g xarä ro {iTJxog ix raJv 
dm'<T(o Tiphg rö npuaiu zsrayiievov x. r. X. Auch spricht ja 
Poll. I. 81, wo nur vom "Wohnhause die Kede ist, ganz deut- 
lich von hohen Dächern: dustßovrsg 8' slai ^oXa kxaripuj&ev 
rcijv Toc-(uJV dXkrjXutg dvT£p£c86p.£va izpbg ro roog ix /xsffou 
u<prjXoug dp6<poog dvi/siv 8üvaa&ai. [Vergl. Hermann Got- 
tesdienstl. Alterth. § 19, n. 7 und Winckler S. 145.] 

Das Aeussere der Wohnhäuser, von der Strasse aus ge- 
sehen, konnte nicht sehr ansehnlich sein. Man darf hier 
nicht wie später bei den Römern an eine Bekleidung mit 
Marmor u. dergl. denken. Aus gemeinem Stein, Backsteinen 
und Holz erbaut (Xenoph. Mem. III. 1. 7: Xcf^oi xal xipa- 
fiog xdru) xai imnoXr^g, iv iiiatf} 8k a7 re ■nkv&ot xal rä $uXa) 
erhielten sie nur einen Auwurf, xoveafia (Demosth. de ord. 
rep. § 30; Plutarch. comp. Arist. et Cat. 4), in dessen 
Anfertigung die Griechen allerdings Meister waren. Von 
Pbokion's Hause sagt Plutarch. Phoc. 18: ij 8' olxta roü 
0iuxiojvog irt vüv iv MsXirjj Seixuurai, ^aXxa7g Xtntat xexoaprj- 
fiivYj^ rä 8' äXhi Xirrj xal d<p£.Xrjg. Ks wird sich wohl schwer 
ermitteln lassen , wie dieser Schmuck angebracht war. 
[Dicaearch. p. 245 Fuhr rühmt von Tanagra, es sei gewe- 
sen ro7g Tujv olxtSJv npoböpotg xai iyxaöp/wtv dvad^tp-arixalg 



zur dritten Scene. 143 

xdXXcara xazBaxeoaanivrj. Dagegen bezieht sich die delische 
Inschrift bei Böckh C. Ins er. n. 2297 auf den Sarapistem- 
pel. Vergl. Letronne lettre d'un antiquaire, p. 345, 
Hettner Griech. Reiseskizzen, S. 195ff. Winckler 
a. a. 0.] 

Die übrige Einrichtung und der Schmuck des Innern 
muss ebenfalls einfach gedacht werden , wenn auch schon in 
Xenophon's und Plato's Zeit mehr Sorgfalt darauf verwendet 
werden mochte. Der Fussboden muss in der Regel als Estrich 
gedacht werden, xopoußaUuJSeg nedov, Lucian. Tragop. 
223; dieses hindert indessen nicht, in Wohnungen von ele- 
ganterer Einrichtung einen mehrfarbigen künstlichen Fuss- 
boden anzunehmen, der auch in Estrich ausführbar war, PI in. 
N. H. XXXVI. 25. 60: »pavimenta originem apud Graecos 
habent elaborata arte, picturae ratione, donec lithostrota ei- 
pulere eam«. [Mosaik, eigentlich ein Vorrecht der Heiligthü- 
mer, wurde erst unter den pergaraenischen Königen häufiger 
in profanen Bauten angewendet (Plin. Nat. Hist. XXXII, 
184). Doch findet sich bereits aus der Zeit des Diogenes von Si- 
nope eine Erwähnung bei Galen. Pro tr. 8: roug yäp toc^ous 
SinavTas ä^ioXoyotg ypatpaxq xexoafi^a&a: , rö ok ida^oQ ix 
ipTjfajv TToXureXojv aityxetff^ai &sa)V elxövag e^ov i$ auTwv 
dtareTunojixdvag.] Was die Wände betrifft, so haben wir das 
erste Beispiel reicheren Schmuckes an Alkibiades, der den 
Decorationsmaler Agatharchos zwang, ihm das Haus zu ma- 
len: Andoc. in Alcib. § 17, Demosth. c. Mid. § 147, 
Plutarch. Alcib. 16, und beinahe zu derselben Zeit malte 
der berühmte Zeuxis den Palast des makedonischen Königs 
Archelaos für 400 Minen: Aelian. Var. Hist. XIV, 17; wenn 
ferner auch Xenoph. Memor. III. 8. 10 urtheilt: ypa^al de 
xai notxtXcat Tthcovag shfpoabvag driOOTSpouotv rj -napi'/^ooai^ 
so erfahren wir doch durch solche und ähnliche Aeusserungen 
selbst, dass es in jener Zeit bereits nichts 'Ungewöhnliches 
war, das Innere der Häuser mit Gemälden zu schmücken. 



X44 Erster Ezcars 

Xenophon's fast zu nüchterner, rein praktischer Sinn hul- 
digt auf eine gerade nicht lobenswerthe Weise dem Utilitäts- 
principe, wie er es auch Oecon. 9. 2 seinem Ischomachos 
in den Mund gelegt hat: ob yhp noixtXiiaai xsxoafLTjTac {-fj ol- 
xca), dXXä rä oixrjjxaza uixodu/n^rac Tipbg toüto i(Txsy.fxeua, 
5najg dyyeca wg aop.<pop6jxaTa jj Tocg /xeXXouacv iv ahroig 
iaecrßae: Plato hingegen rechnet es zwar zu den Merkmalen 
einer rpu^uxra rtoXcg, sich nicht nur mit Häusern zu begnü- 
gen, sondern die ^ojypa^ca und nocxdca in Thätigkeit zn 
setzen, um ihnen Schmuck zu verleihen; aber jedermann wird 
lieber in dieser rpu^axTa noXtg als in einer otuv noXig leben 
wollen, wie es vorher heisst, Republ. II, p. 372. 373. So 
betrachtet es als einen Fortschritt von der Roheit zur Gesit- 
tung und verfeinerten Lebensweise Lucian. Amor. 34: dvrl 
dk euTsXwv 8(üp.aTcu>v u(prjXd ripepMa xal Xc&uiv izoXoriXeiav 
i/irj^avrjcravTo xac yu/ivrjv toc^ujv dfiop^cav eöavBsac ßa<p(ug 
jf^piupüziov xareypacpav. [Um die Mitte des dritten Jahrhun- 
derts war übrigens dieser Luxus bereits so allgemein gewor- 
den, dass der Stoiker Chrysippos in seiner Politeia nach 
Plut. de repugn. Stoic. 21 sagen konnte: lyyvg kajxkv toH 
xal Toug xonpäjvag C<'>Ypa^£cv.] Ob diese Malereien auf Kalk 
oder auf Holztafeln angebracht zu denken sind, [vgl. 0. Don- 
ner Ueber die antiken Wandmalereien in techn. 
Bez. in Heibig Wandgemälde der Städte Carapa- 
niens. 1868, S. I— CXXVIII,] das ist hier gleichgültig, ob- 
gleich das erstere wahrscheinlicher; jedenfalls schmückten sie 
die Wände, während die rMixiXiat oder noixeXp.aTa wohl Stuc- 
caturarboiten waren, welche Gesims und Decke verzierten, wie 
denn auch wirklich dieselben Plato Rep. VII, p. 529 iv 
ipo<p^ mnx(XiLara nennt. |Dio oben von Xenophon genann- 
ten Tiotxtk'at und nntxlXjiaza beziehen sich wahrscheinlicher 
auf gestickte Teppiche und Vorhänge, wie der von Stark zu 
Hermann's Pfivatalt. § 19, n. 32 und Blümner Tech- 
nologie und Terminologie der Gewerbe I, S. 208 er- 



zur dritten Scene. 145 

örterte Sprachgebrauch beweist. Bei den iv ^po<pji T.oixiX^wza^ 
die Plato später mit den h ohpavS) notxlXp.ara vergleicht, 
kann man freilich nicht an den römischen Luxus von schwe- 
benden Decken denken. Es mag darunter farbiger Schmuck 
mannigfacher Art zu verstehen sein.] 

Thüren gab es gewiss im griechischen Hause mehr als 
gewöhnlich angenommen wird. Natürlich mussten sämmtliche 
Vorrathskammern , der Thalamus und andere Wohnzimmer 
deren haben, während sie nur vielleicht in den Sälen und 
überhaupt den Abtheilungen fehlten, zu welchen der Zutritt 
jedermann offen stand. Dass man sich daneben auch der Vor- 
hänge, TcafjanerdfffiaTa, bediente, ist bekannt. Poll. X. 32: 
Tipö fikv ouv xoiriüvog im roug Böpaig TTcxpaneTafffidrcjv aoi 
8ei^ eYrs änXouv ecrj to napaneraafia Xeuxhv i$ S&ovi^g sire 
xal Tpc-(amr6v ri ßa-nxhv SfVs TzoXü^poov^ i^' cib 'Apiaro^VTjg 
S.V eYnoc, TU napaneraafia rb Kunpcov rb noixc^ov. Davon mag 
auch die auXaca e^ooaa flspaag ivu^aaiiivoog bei Theophr. 
Charact. 21 verstanden werden. Theophrast ist nicht der 
einzige, welcher dieses in jener Zeit vielleicht noch ungewöhn- 
lichere Wort gebraucht; auch Hyperides hatte sich dessen 
schon bedient. Poll. IV. 122: i^eart Sk xac zh tiapanizaaiia 
cfhXaiav xaXsTv, 'Ynspcdou ecnovrog iv toi xazä IlaTpoxkioug' 
ol 8k ivvea äp^oureg eiartuJvro iv rfj aroa Tteptfpa^dpsvot ri 
fxepog auT^g abXatatg. [Vergl. besonders Aristoph. Vesp. 
1215, wo unter den Anstandsregeln bei Tisch der Rath steht: 

öpo^rjv ßsaaat, xpexddt ' aökrj^ ^außaao». 
Ausserdem lehrt auch diese Stelle, dass man vom dvSputv aus 
die ai)k^ überschauen konnte. Denn entweder sind die xpe- 
xddta zum Schutze zwischen den Säulen des Tipoariuov aus- 
gespannt oder der Dichter meint die Portiere der Hausflur 
selbst.] 

Dass die Hausthüre zuweilen sich nach aussen öffnete, 
sahen wir aus der schon erwähnten Finanzmaassregel des 
Hippias. Das waren indessen, wie es scheint, nur Ausnahmen 

Charikles II. 10 



146 Erster Excurs 

und bei weitem die meisten gingen nach innen, was die Aus- 
drücke hdoovai beim Oeffnen und kmoTzdcaaBai oder kfeXxO- 
aaoBai beim Schliessen von aussen beweisen. Plutarch. 
Pelop. 11: a-iia zw izpürov ivdouvac xai ^aXdaai rag BOpag 
inmeaovTeg d&pooe. So auch de gen. Soor. 32: rbv fio^Xbv 
dxpZilB. xal fxcxpbv ivi8(uxe ttjv &üpav, und umgekehrt Dion 
57: ot fiev e^w rag ^upag enianaadnevot xazeT^ov, weshalb 
dann auch die Griffe oder Ringe an der Thüre knumaar^peg 
hiessen; vergl. Sc. HI, Anm. 32. Die angeführten Stellen 
sprechen freilich nicht von Athen, allein ich zweifle nicht, 
das dort ebenfalls die meisten Thüren sich nach innen öffne- 
ten, und es folgt dieses schon für die Zeit der Peisistratiden 
aus jener Besteuerung. Demungeachtet wird gewöhnlich das 
Gegentheil angenommen; allein es scheint dabei ein doppeltes 
Missverständniss zu Grunde zu liegen. Es giebt meines 
Wissens nur zwei Stellen, auf welche sich jene Annahme 
stützen kann: erstlich die Erklärung, welche Helladios von 
den Ausdrücken xönreiv und <}>o^sTv giebt, die jedoch Th. I, 
S. 90 ff. auf ihren Werth zurückgeführt worden ist, und zwei- 
tens die Worte Vitruv's IV. 6. 6, wo er von den drei gene- 
ribus thyromaton handelnd sagt: »Atticurges autem iisdem 
rationibus perficiuntur, quibus Dorica. Ipsaque non fiunt 
clathrata neque bifora, sed valvata, et aperturas habent in 
exteriores partes«. Allein wenn man daraus den Schluss zie- 
hen will, es sei in Athen Sitte gewesen, die Hausthüren nach 
aussen schlagen zu lassen, so übersieht man ganz und gar, 
dass Vitruv nur von den Tempelthüren, de ostiorum sacrarnm 
aedium rationibus, spricht, die für das Wohnhaus keine Ana- 
logie abgeben können. Vergl. auch Petersen in Jahn 's 
Jahrb. LVII. S. 350. — Ob man annehmen solle, die Haus- 
thüre, auXetac^ sei den Tag über verschlossen gewesen oder 
nur geschlossen, dafür sind mir recht entscheidende Stel- 
len nicht bekannt worden, jedoch ist das letztere wahr- 
ucheiDlichor. Als Ausnahme scheint es allerdings gelten zu 



zur dritten Scene. 247 

müssen, wenu Sokrates Agatbon's Hausthüre ofifen findet, 
Plato Symp. p. 174: dveipyiiewjv xara)M}xßdvetv r^v Bupav: 
allein hier ist die Thüre geöfifnet oder offen stehend zu den- 
ken, vielleicht um den Eingeladenen das Klopfen zu ersparen, 
wie sie auch bei Demosth. in Euerg. § 38 nur darum 
offen steht, weil der Herr so eben herausgegangen ist und 
wieder hineinzugehen im Begriffe steht: iro/e yäp rj büpa 
dvsüjyfiev^ wg rjMev 6 Seoiprjiiog xai in ^/leX^ev dmivtu. 
Dagegen lässt sich aus Plutarch. Pelop. 11: xat xsxXec- 
ajxevTjv TTjv olxcav eupov i^8rj xaBeuSovzog schliessen, dass 
es nicht gewöhnlich war, sie vor Nacht zu ve rsch Hessen , es 
mochte denn sein, dass auch die Hausfrau ausging und so 
das Haus ohne alle Aufsicht blieb, wie bei Theoer. XV. 43. 
Auch der Eunuch in Kallias Hause (Plato Protag. p. 314) 
scheint die Thüre erst zu verschliessen , als er den Sokrates 
erblickt hat; und wenn man in anderen Fällen sich wundem 
kann, warum mancher nicht sofort eintritt, so muss man nicht 
vergessen, dass es durchaus streng beobachtete Höflichkeits- 
rücksicht war, nicht eher das Haus zn betreten, als man dem 
Herrn gemeldet war. [Vgl. noch Plaut. Mostell. H, 2, 14 
und Stich. H, 1, 36. Ueber Aeschyl. Choeph. 807, auf 
welche Stelle H. F. Hermann grosses Gewicht gelegt hat, 
siehe B. I, S. 88.] 

Ueber die Weise des Verschliessens habe ich imGallus 
Th. n, S. 272 ff. gesprochen. Die dürftigen Notizen, welche 
sich Schriftstellern der guten Zeit entnehmen lassen, sind 
nicht geeignet, viel Licht in die Sache zu bringen und die 
Mühe einer nochmaligen Untersuchung zu lohnen. [Nach der 
eingehenden Untersuchung Marquardt's in seinen Böm. 
Privatalterthümern Bd. I, S. 235ff. waren die von den 
neueren Schlössern abweichenden antiken so konstruirt. Der 
Verschluss wurde bewerkstelligt, indem ein zur Hälfte nach 
der äusseren Seite zu hohler Querriegel, der in ein Mauerloch 
eingriff, in ein rechtwinkelig darüber liegendes, den Riegel- 

10* 



148 Erster Excurs 

balken auf drei Seiten umfassendes Holzschloss geschoben 
wurde, aus dessen oberer Seite dann in älterer Zeit ein, spä- 
ter mehrere Stifte, ßdXavot, in eben so viele, bis zur Höhlung 
reichende Löcher des Eiegels einfielen. Beim Oeffnen steckte 
man den mit einer den Bolzen gleicher Anzahl von Stiften 
oder Zähnen, yoiupioi, versehenen Schlüssel in das Kiegelloch 
und hob die Bolzen des Schlosses (daher der Schlüssel ßala- 
vdypa), worauf sich der Riegel zurückziehen liess.] Nur das 
sei noch erwähnt, dass seltsam genug die Thüren zuweilen 
doppelte Schlösser hatten, deren eines von innen, das andere 
von aussen verschlossen wurde. Eine merkwürdige Erwähnung 
solcher Vorrichtung findet sich bei Achill. Tat. II. 19: xa- 
raxoifXiXooaa 8k de} rijv Aeoxtmttjv i] /J^'ci^p sxXseev £v8o&sv 
rijv inl Tou arevojirou Bupav £$(u&£v 8s reg izspog knixXsis 
xa\ rag xXelg ißaXXs 8tä r^g drc^g- ^ 8h Xaßooaa sipuXaTzs 
xai. nsp\ t^v fa; xaXiaaaa rov sig roüro imTSTay/jsvov 8iißaXXe 
ndXiv rag xXeTg^ oniug dvoi^sie. Es geschah offenbar aus 
Misstrauen sowohl gegen Leukippe und wer sonst im Innern 
schlief als aus Besorgniss', dass jemand von aussen sich ein- 
schleichen möchte. Es musste also der einseitige Verschluss 
keine hinreichende Sicherheit gewähren und z. B. das innere 
Schloss von innen leicht, dass äussere aber nicht geöffnet 
werden können und so umgekehrt. Dass in der That die von 
ansäen verschlossene Thüre auch nur von aussen wieder auf- 
geschlossen werden konnte, das geht deutlich hervor aus Ly- 
sias de caede Erat. § 13, wo die Frau des Euphiletos 
scheinbar aus Scherz ihn einschliesst: ixEtvrj 8s dvaardaa 
xcd dmoüffa npoorii^yjai rijV ^üpav npoanoiouixsviy Tiai'Csev, xai 
rijv xXeTv i^dXxsTai . . . insulij 8k ^v npog ^fispav, rjxsv ixsivrj 
xai Ti)v %pav dvi<p$sv. |Ein doppeltes Hausthürenschloss 
wird auch erwähnt Plaut. Mostell. II, 1, 57 und besonders 
V. 78, wo es heisst: 

clavitn cedo abjao abi intro: occlude ostium, 

et ego hinc occludani.] 



zur dritten Scene. 149 

Sehr häufig wurden zu grösserer Sicherheit die Thüren, nament- 
lich der Vorrathskammern, versiegelt. Plato Leg. XII, p. 954: 
iäv de dTioorjfiwv olxtag deonorr^g '^^TX^-'^J)' "^^ /^'^ dmjjiavTa 
naps^ovTüJV oc ivoixouvTsg ipeuvav, rd 8e aecrrjuaff/iiva Tzapa- 
arjiirjvdaBuj. Das ist es ja, worüber die Frauen bei Aristoph. 
Thesmoph. 414 — 428 so bittere Klagen führen; vgl. Ly- 
sistr. 1199 und Lucian. Lexiph. 13. — Dann scheinen 
die Thüren oft gar nicht weiter verschlossen gewesen zu sein, 
wie aus der lächerlich einfaltigen Vorsichtsmaassregel des 
Lakydes hervorgeht, Diog. Laert. IV. 59: toütov <paat xa\ 
nepl olxovojxtav yXoxÜTara ea^rjxivaf ineiddv ydp tc r.poiXoi 
roü rap.£tou, a^payiadpzvog TidXtv siau) röv daxTÖXiov 3cd T^g 
Sjt^S ipptTTTSi, ojg fiT^dsTioTe aJüTou nepcaipe&sti^ xat rc ßaerra- 
;f ^£Hy rutv dnoxecfidvujv ' pLa&ovza dk zouzo rd Uspanovria drte- 
afpayt^s xai oaa eßoüXszo ißdaza$£V, inscza zöv SaxzoXtov 
8id z^g dvi^g ivist sig ztjv azodv. Vergl. auch Scene IX, 
Anm. 6 ff. 

Die Behauptung, dass die Häuser der Griechen keine Fen- 
ster, wenigstens nach der Strasse heraus, gehabt hätten, ist 
entschieden unrichtig. Freilich dürfen wir nicht an eine 
Reihe hoher und breiter Fenster denken, wie sie unsere Bau- 
art nöthig macht, um den über einander gethürmten Stock- 
werken Licht zu verschaffen. Die Griechen geben allerdings 
ihren Zimmern theils von oben, theils durch die nach den 
Hallen gehenden Thüren Licht; allein auch Fenster, ^upcSsg, 
waren nichts ungewöhnliches auch nach der Strasse hin. Da- 
für giebt es keinen besseren Beleg als Aristoph. Thes- 
moph. 797, wo die Frauen fragen, warum die Männer ihnen 
80 nachtrachteten, wenn sie wirklich ein xaxöv wären. Da 
heisst es: 

xäv ix ^uptSog napaxunrwfisv, ^j^zet zö xaxöv ze^sä<r^af 
x&v ala^uvß^sTa'' dva^mp-fjoi^, izoku ßäklov nag iirt^ufist 
aZ^ig T^apax6<l'av Idslv zo xaxöv. 

Damit möge gleich verbunden werden Plutarch. de curios. 



150 Erster Excurs 

13: ijfisis Sk ToTg tpoptioiq tujv yuvacxwv uTioßdXXovrsg rct o}i- 
/lara xa\ tujv &upt8(uv kxxpSjxavvOvTes oudev afxapzdvstv 80- 
xoufisv. Eben so nöthig ist ein Fenster anzunehmen bei 
Aristoph. Eccl, 961. Wenigstens liegt es ferner, an ein 
yscatnödiafxa oder gar das Dach zu denken. In der Erzählung 
von der Ermordung Dion's sagt Plutarch. Dion. 56; oc fih 
i^iü T^v olxiav mpdarr^aav, oc 8k npbg räcg &6pacs roo oi'xoo 
xa\ rdtg Bupimv ^aav, und gleich darauf: 8carpiß^s 8k yevo- 
fJLSVrjS Auxojv lupaxouatog dpiysi tivI Zaxuv&cwv 8ca r^g &u- 
pi8og iY^ecp{8iov. Deutlicher endlich, als diese gelegentlichen 
Erwähnungen alle, ist die Beschreibung des Wohnhauses, wie 
es auf der komischen Bühne dargestellt wird, bei Vitruv- 
V. 6. 9 (vulg. V. 8): »comicae autem (scenae) aedificiorura 
privatorum et maenianorum habent speciem prospectusque 
fenestris dispositos imitatione coramunium aedifi- 
ciorum rationibus«. Vgl. Appul. Metam. I. 2. [Vgl. das 
oben über das Wohnen der Frauen im ujiepwov Gesagte. 
Diese Fenster wurden durch Läden verschlossen, wie sie z. B. 
Lenormant, Elite ceramogr. t. IV. 1861, pl. 66 deut- 
lich zu erkennen sind, oder sie waren vergittert (clathratae: 
Plaut. Mil. glor. 379) und darauf bezieht sich wohl auch 
An t hol. Pal. V, 123: euzpTjroc ^upeSeg. Von diesen kleinen 
Fenstern, die, wie in Rom, durchschnittlich nur im oberen 
Stocke vorhanden waren (vgl. auch Aristoph. Pax 982, wo 
die buhlerischen Weiber im Erdgeschosse nicht aus einem 
Fenster, sondern aus der Hausthüre auf die Strasse lugen!), 
Bind die eigentlichen Lichtfänge, durch welche die Gemächer 
in der auX^ ihr Licht bekamen, zu trennen. Sie hiessen spe- 
ziell ^turayioj'o/ in späterer Zeit; vgl. Lucian. Conviv. 20: 
tÄ ^if(otov dno/j^tipat zd^tara 8tä z^g (pmzayuyyoT) ig zh unai- 
^pcov z^g aöX^g und Hipp. 7; aber noch allgemeiner ^mac. 
Bei Di gen. Laßrt. a. a. 0. wirft Lakydes nach Versiege- 
lung des za/xieTov den Siegelring ndXiv ziaio 8tä zr^g dmjg. 
Ebenso wird in der schon Öfter berührten Stelle Achill. 



cor dritten Soene. 151 

Tat. II, 19 der Schlüssel auf demselben Wege hinein und 
heraus befördert. Vgl. Xenarch. bei Athen. XIII, p. 569: 
fUjSe de' ^TT^s- xaruiüev ixdüvac ariyrjQ. Alle diese Stellen 
deuten auf Oeffnungen über den Thüren oder im Dache hin, 
die zu hoch waren, um eine Aussicht gewähren zu können.] 
Die Heizung, deren Bedürfniss in dem milderen Klima 
weniger fühlbar war, geschah, wo nöthig, durch kleine trag- 
bare Herde, ka^dpai^ itr^aptSeg, vgl. Aristoph. Vesp. 811 
und Plutarch. Apophth. Alex. M. 18, p. 180: iv de ^st- 
filüvi xa\ (f>u^sc rutv (piXotv revlts kartwvTog abrov, ia^dpav dk 
[uxpäv xai liop dXtyov elaeveyxovTog, ^ ^oXa ^ Xißaviorbv elae- 
veyxslv ixeksuev. In den meisten Fällen mögen diese iö^f«- 
ptdeg oder ioj^dpca wohl als Kohlenbecken, dvBpdxca, gedacht 
werden können, Po 11. VI. 89: dyysTa oJg roug ipmpoug dv- 
&paxag xojxiZooacv itr^apidag xaXooaiv : X. 101 : xa\ fxrjv iff^d- 
pav emoig äv to dvBpdxiov touzo xai ia^dpiov, 'Apcaro^dvoug 
iv TapjvcaraTg einovrog icr^dpca^ xa/ nou xai ser^aptda: [Mit 
Recht hat K. F. Hermann zu dieser Stelle die Heizung 
durch Kohlenpfannen von der Frage über die Rauchfönge 
geschieden , welche Becker damit vermischt hatte. Wenn 
Her od. VIII, 137 von einer xa7no86xrj spricht, durch welche 
sich die Sonne auf dem Fussboden abzeichnet, so kann natür- 
lich an keinen Schornstein gedacht werden; denn es ist dies 
im alten makedonischen Königshause nichts als die Decken- 
öffnung über der kazta. Aber auch als die Feuerstätte in 
das dnrdvtov verlegt worden war, wüsste man z. B. nicht, 
warum die xdm/rj mit einem Deckel versehen gewesen wäre, 
wenn sie aus einem wirklichen Schlote bestanden hatte. Die- 
ser Deckel hiess -ny^/a: Aristoph. Vesp. 147; war rund: 
Schol. zu Arist. Plut. 1037: äUoc 8k rrjXiav rb -zr^g xa- 
mo8u)(7jg niopa, v iarc Tiepi^epig und wird bezeichnet als xa- 
rappdxTTjg oder Fallthüre : Hesych. s. v. , wozu es stimmt, 
wenn sie bei Aristoph. a. a. 0. knarrt, ^o^s?, als Bdely- 
kleon durch sie entwischen will. Kurz sie war ein über dem 



152 Erster Exeurs zur dritten Scene. 

Herde befindliches Loch, welches verschlossen zu werden 
pflegte, wenn man seiner nicht bedurfte. Diese Einrichtung 
ist auch in Oberstocken recht gut denkbar, denn sie konnte 
ja auch seitwärts angebracht werden. Wenn aber die Scho- 
lien zu v. 139 der Wespen von einer xdnvTj aiuhfjvoeodijQ 
sprechen, so schreibe ich diese Notiz mit Winckler S. 183 
auf Rechnung einer späteren Zeit.] 

Ueber die Preise der Häuser und der Miethwohnungen, 
awoixtai, zu Athen vergl. Böckh, Staatshaush. der Ath. 
Th. I, S. 71ff. [und Büchsenschütz, Besitz u. Erwerb, 
S. 82fif.] 



ZWEITER EXCÜRS ZUR DRITTEN SCENE. 



BRIEFE UND BÜCHER. 

[Dem Einritzen der Schriftzeichen in Blätter, Bast, Holz- 
tafeln und Felle (die Nachweise s. bei Marquardt Rom. 
Privatalt. II, S. 382) folgte (schon bei Homer IL VI, 169 
erwähnt) als erhebliche Besserung das Schreiben auf die mit 
vortretendem Holzrande versehenen, gewöhnlich 6 Zoll langen 
und 4 Zoll breiten und in der Vertiefung] mit erweichtem 
Wachse, }idX^rj oder iidX&a (Poll. X, 58, vergl. VIII, 16: ^ 
xaraXijXmzo -zo mvdxiov), überzogenen Täfelchen, mvaxsg, m- 
vdxta, dsXrot^ deren Gebrauch bis in das Mittelalter fort- 
bestanden hat. Der Name fidX^rj wird von Harpocration, 
Photius, Hesychius und Suidas nur durch fisfiakayiidvog 
xTjpÖQ erklärt, und man möchte vermuthen, dass nicht reines 
Wachs dazu genommen, sondern irgend etwas beigemischt 
wurde, was demselben die Sprödigkeit nahm, und woraus der 
Namen entsprang. Dagegen werden von Suidas auch <tx^3;- 
poxTjpot oiXzot angeführt, mit der Erklärung: «? iioXtg fiev 
ypä^ovrai, Siarr^potjac 8e rä ypa(pivxa. Oder war diesen et- 
was beigemischt, um das Wachs noch härter zu machen? 
Vgl. Grund Malerei der Griechen Bd. I, S. 294. Auf 
diese Wachstafeln wurden indessen wohl nur Briefe und No- 
tizen oder Concepte, denen man keine lange Dauer zu sichern 
hatte, geschrieben. Eiue bemerkenswerthe Stelle darüber ist 



154 Zweiter Ekcurs 

bei Demosth. c. Steph. II, § 11, wo der Redner das schrift- 
liche Zeugniss über eine npöxhjfftg als unächt zu erweisen 
sucht, weil es in sorgfältiger Reinschrift mitgebracht, nicht 
erst an Ort und Stelle entworfen sei : btc tocvuv xäv dnb zdb 
ypamiartioo yvocrj rcg^ iv ü) ^ ixapropta yiypaTwat, ort zä <psu8r/ 
/jLSfiapTvpT^xs' XeXsuxiüfiivov rs ydp kort xa\ oXxo&£v xarsaxeoa- 
Ofiivov. xairoi roug fikv rä nsTtpayfisva naprupotJvrag npodrjXBc 
otxo&£v Tag /lapTopcag xazsaxsuaafiivag fiaprupsTv zohg 8k 
rag TipoxX-^aztg fiaprupouvrag , roug dm» Tauro/xaToo rcpoordv- 
nag', iv fid^&j] ■jrsypap.fidvrjv rrjv paprupcav, Tva, sc zi Tzpoaypd- 
<l>ai ^ dnaXsTipac ßouXrjBjj, p^tov jj. 

[Ungemein gefördert wurde das Schreiben zu literarischem 
Zwecke erst durch die Einfuhr des Nilpapiers, die vielleicht 
seit der Mitte des siebenten Jahrhunderts unter Psamraetich's 
Regierung begann. Dieses Material, bereitet aus der 14 Fuss 
hohen, jetzt nur noch in Nubien und Abyssinien, und in einer 
Abart auf Sicilien vorkommenden Papyruspflanze, soll den 
Aegyptern bereits im 18. Jahrhundert v, Chr. bekannt gewe- 
sen sein: Dureau de la Malle Memoire sur le papy- 
rns et la fabrication du papier chez les anciens in 
den Memoires de l'Institut, XIX, p. 153. Die Griechen 
nannten es ßtßXog: Phryn. p. 303 Ildnetpog zondascsv äv 
zeg Alyxmztov elvou zotjvofia' noku yäp xaz' AXyvnzov nXdCezar 
ij/xeig dk ßtßXov ipoupsv. Her od. V, 58: xai zäg ßüßXoog 
Sc^Bipag xaXiouat dnu zoTj naXatoö ot ^luveg, ozc xuzk iv 
OTtdvc ßößi^iuv i^pituvzo 8t(pi^ipjjai aiysifjffc zs xai oUjjm. Vgl. 
Plat. Theaet. p. 162 A. Aeschyl. Suppl. 947. Anth. 
Pal. IX, 350. Das einzelne Blatt dagegen hiess gewöhnlich 
jl^c^-njff oder X'^P'"]'- Plut. de plac. phil. IV, 11. Plat. 
com. bei Poll. VII, 210. Rangabö Antiqu. hellen, n. 57 
p. 52: ^dfizat i(uvrj^i^<Tav Söio^ ig ä zä dvztypa^a ivsypdipa- 
/ov. Davon ^apzloy), j^apzdpcov und ^apr^dtov und der Pa- 
pierhändler '/apzimpdzT^g und •('^nonwXrjg: Blümner Tech- 
nol. und Terminol. d. Gew. I, S. 308 und Marquardt 



zur dritten Scene. 155 

a. a. 0. A. 3441]. Seit ich im Gallus B. II, S. 369f. die kurze 
Bemerkung über die Bereitung des Papiers der Alten schrieb, 
sind mir mancherlei Zweifel über das Verständniss der Stelle 
aus Plinius N. H. XIII, 74, aus der wir hauptsächlich un- 
sere Kenntniss dieses Fabrikats zu schöpfen haben, beigegan- 
gen. Sie wurden veranlasst besonders durch das, was A. 
Sprengel in der Hall. Encykl. Sect. III, B. 11, S. 230 
und Seyffarth Beitr. z. Kenntuiss d. alt. Aegyptens 
I. S. 3, II, S. 201, vergl. dens. in Naumann 's Serapeum 
1842, S. 33 ff., darüber sagen. Ersterer erklärt die Worte: 
»praeparantur ex eo chartae, diviso acu in praetenues, sed 
quam latissimas philuras«, also: »man zerlegte das innere 
Mark mit einem spitzen Instrumente in sehr dünne, aber 
breite Platten«. Dann wird das Allgemeinste des weiteren 
Verfahrens angegeben und beigefügt, dass der Ritter Lande - 
lina nach dieser Anleitung zu Syrakus eine (längst wieder 
untergegangene) Papierfabrik gegründet habe, da in der Um- 
gegend die Papyrusstaude wächst. Ich kenne über den Er- 
folg dieses Unternehmens nur Seume's ungünstiges Urtheil 
(Spaziergang B. II, S. 17) und bin auch der Meinung, 
dass, ohne Papyrusstengel vor sich zu haben, um Versuche 
selbst machen zu können, jede Erklärung unsicher bleiben 
müsse; wenn ich mich aber allein an Plinius halte, dessen 
Worte allerdings durch Kürze und gesuchten Ausdruck dunkel 
genug sind, so muss ich gleichwohl durchaus leugnen, dass 
sein Bericht auf solche Weise verstanden werden könne. 
Denn erstlich kann ich nicht nur überhaupt mich nicht über- 
zeugen, dass das innere sehr poröse Mark (wie ich es wenig- 
stens in ägyptischen [aber doch wohl aus Sicilien stammen- 
den], wenn auch nur in Gewächshäusern gezogenen Papyrus- 
stengeln gefunden habe) irgend zur Papierfabrikation geeignet 
sein könne, und dann ist so viel wenigstens gewiss, dass Pli- 
nius dieses Mark nicht meint, überhaupt gar nicht davon 
spricht, dass der Stengel in Platten geschnitten würde. Denn 



156 Zweiter Excurs 

Platten, Tafeln, Scheiben, können wohl laminae, tabellae ge- 
nannt werden, aber nimmermehr philurae, und dividere acu 
ist keineswegs schneiden. Es enthält aber auch diese Erklä- 
rung den Widerspruch in sich selbst; denn Plinius sagt wei- 
ter: »principatus medio atque inde scissurae ordine«, d. h. die 
innerste Lage (nicht die mittlere) ist die beste und dann 
nehmen sie an Güte ab, je nachdem sie weiter nach aussen 
liegen, propiores cortici, bis endlich die Lage kömmt, welche 
die emporetica giebt, und zuletzt die äussere Schale, welche 
nur zu (schlechten) Stricken gebraucht werden kann. Damit 
stimmt ganz überein, was er zuletzt über das Zusammenlei- 
men der gewonnenen einzelnen Blätter sagt: »premitur deinde 
prelis, et siccantur sole plagulae atque inter se iunguutur, 
proximarum semper bonitatis diminutione ad deter- 
rimas. Nunquam plures scapo quam vicenae«, 
Worte, welche Krause (der übrigens besserer Meinung ist) 
in dem eigentlichen archäologischen Artikel der Encykl. 
S. 233 ff. gänzlich missversteht, indem er proximae auf die 
Blätter zu Anfange oder am Ende der Rolle bezieht, während 
Plinius sagen will, dass sie in der Reihenfolge an einander 
gefügt wurden, wie sie am Stengel auf einander folgten, scis- 
surae ordine; da war dann die proxinia jederzeit geringer als 
die vorhergehende. Niemals, sagt er, hat ein Stengel mehr 
als zwanzig Lagen. Nun ist daraus klar, dass nicht nur von 
keinem inneren Marke die Rede ist, sondern auch die Me- 
thode des Schneidens dem gänzlich widerspricht, was Plinius 
Ober den Vorzug der inneren Lagen sagt. Denn wenn von 
dem Schafte (seiner Länge nach) Platten abgeschnitten wer- 
den sollten, so könnte es nicht fohlen, dass jede derselben 
alle Qualitäten enthielte, da sie nothwondig in der Mitte bes- 
seren, nach aussen hin schlechteren Stoffes sein würde. Da- 
her kann ich auch meinem werthen Freunde, Herrn Professor 
Seyffarth, nicht beistimmen, wiewohl ihn neben genauer 
Kunde der alten Papyrus auch die Prüfung der frischen sici- 



zur dritten Scene. 157 

lischen unterstützte, wenn auch er ein Schneiden der Lagen 
annimmt; ich muss vielmehr bei der Erklärung stehen blei- 
ben, welche zuerst Winckelmann Werke B. II, S. 97ff. 
gegeben hat und der auch Ritschi alexandr. Bibl. S. 128 
folgt, dass die unter der Rinde in vielen Lagen über einan- 
der liegenden bastähnlichen Häute (das sind philurae) gelöst 
und abgewickelt wurden, was trotz dem, dass der Schaft drei 
stumpfe Kanten hat, sich wohl thun lassen mag. Daraus er- 
klärt sich auch, warum man die Streifen verhältnissmässig 
nur von geringer Breite (d. h. der Länge des Stücks Schaft, 
das man abwickelte) erhielt; denn je länger das Stück war, 
desto schwieriger wurde die Abwickelung. 

[Indessen hatte doch ganz richtig Sprengel von einer Thei- 
lung des »inneren Markes in Platten« gesprochen und Seyf- 
farth vor dem Nachsprechen des Plinius gewarnt! üenn 
neuere Untersuchungen (Wattenbach Schriftwesen im 
Mittelalter, 1871 und F. Cohn bei Blümner Technol. 
u. Terminol. d. Gew. S. 310 ff.) haben bestätigt, dass das 
Mark keineswegs aus verschiedenen Häuten oder Bastlagen 
besteht, dass die mittelsten Streifen nur als die breitesten 
den meisten Werth hatten und dass der Irrthum des Plinius 
wahrscheinlich daraus entstanden ist, dass derselbe das in 
getrocknetem Zustande in Rom eingeführte Rohmaterial für 
Baststreifen angesehen hat. Die Streifen wurden auf Brettern 
zuerst neben einander gelegt und verbanden sich in frischem 
Zustande durch Befeuchtung mit Nilwasser, in getrocknetem 
durch Hinzufügung eines Kleisters fest mit einander; dann 
legte man auf diese vertikale Schicht noch eine horizontale, 
so dass sich beide geflechtartig kreuzten. Die fertigen Blät- 
ter wurden gepresst oder mit Hämmern dünn geschlagen, an 
der Sonne getrocknet und zu längeren oder kürzeren Rollen 
zusammengeleimt.] Das Nilpapier, wenn es gut war, sog die 
Tinte weniger ein, als das unserige, ja es nahm sie, wenn es sehr 
geglättet war, nicht einmal gut an, wie Plinius sagt. Die 



158 Zweiter Excurs 

Tinte, ro fidXav, aXa.ßa\ Hesych. s. v., war keine auf che- 
mischem Wege gewonnene Schwärze, sondern ein einfacher, 
flüssig gemachter FarbestofF [Dioscor. V, 182: fxiXav, tS ypd- 
^ofiev, oxeud^erac ix XiyyOog aovayojiivT^g ix dadiojv ficyvuv- 
rat de npog ohyytav a rou xofifxeojg ouyyiae rpecg hyvuog' 
axsud^srai dk xal dno rrjg prjTtvrjg hyvoog xat r^s- npoetprjixi- 
vfjg ^(oypaftxrjg daßohjg x. r. X. vgl. Plin. XXXV, 41], da- 
her sie auch wie jede andere Farbe durch Eeiben bereitet 
wird, TU fidXav rpcßecv, Demosth. de cor. § 258. Deshalb 
konnte man auch das schon einmal beschriebene Papier, nach- 
dem man die Schrift [mit dem Schwämme] wieder weggewischt 
hatte, noch einmal als TraXcfKprjorov gebrauchen. S. Gallus 
B. n, S. 375 [Marquardt Köm. Privatalt. II, S. 402]. 
Freilich mochte es dann nicht mehr gut aussehen (Plut. de 
garrul. 1; phil. c. princ 4), aber es war doch noch zu 
benutzen; bei unseren aus einer schwammigen Masse beste- 
henden Papieren hingegen würde es ganz unmöglich sein. 

Statt der Federn bediente man sich bekanntlich einer 
Art Schilfrohr [Gallus u. Marquardt a. a. 0. Blümner 
S. 327], xdXa/jLog ypaipixög Geopon. X, 75, 8 und 77, 7 und 
Poll. X, 61. Dafür bedarf es eigentlich keines Belegs; doch 
sind zwei Stellen in anderer Hinsicht interessant genug, um 
angeführt zu werden. Die eine giebt als Gewohnheit des De- 
mosthenes an, beim Meditiren am Schreibrohre zu kauen. 
Plut. Demosth. 29: xal Xaßwv ßißXiov wg ypd<pstv }iiXXu)V 
npooTjveyxe rat arofiarc rov xdXafxov xal 8axu>v, "ucrrtsp iv T(p 
dtavoeiabai xal ypdipeiv eliui^et, -(povov rcvä xazia^ev^ slra 
(XuyxaXuif'dfievog dnexXtve rijv xe<paX^v. Die zweite gilt der 
Heftigkeit der Anklagen, mit welcher der Eedner Lykurg 
Strafbare verfolgte. Plut. X orat. p. 841: (og xal rtüv ao- 
tpiOTUiV ivloog Xiyeev^ AuxoTtpyov ou fidXavc dXXä Havdro) ^p^- 
ovra Tuv xdXofwv xarä, raiv nuvrjpSiV outu* auyypd^etv. Vgl. 
Plut. Sol. 17. Zum Schreibon auf Wachstafeln diente ein 
spitzes Instrument, ypa^eTov: Poll. IV, 18. X, 59. Daher 



zur dritten Scene. 159 

spottet Neoptolemos, der dp^tuTtournear^e Alexander's, bei Plut 
Eumen. 1: cus aoroQ fisv danßa xai Xuy^rjv, Eufisvrji de 
(als dp^iyf)a/jLfxaTSus) ypa<pBiov e^a}v xa\ TitvaxcScov rjXüXouBet. 
Zum Siegeln scheint man sich in früherer Zeit durchaus 
der sogenannten Siegelerde, [yi^ arjfiavxpts'. Her od. II, 38] 
bei den Eömern cretula, bedient zu haben. S. Beckmann 
Beitr. zur Gesch. d. Erfind. B. I, S. 474ff. Die Griechen 
nannten diese Masse pOnog. Aristoph. Lysistr. 1199: 

xai ftjjdki' oSrtug 
eö ffeoTjfidv&at, tö fiij oö^i roug ^onoug ävaandaat. 

Photii Lex. p. 492: purtov xac pönoug- rä Se/opsva rag 
afpayl^aq- ooTiog *Apiazo<pdvrjg. Der Doppelsinn des Wortes 
gab Gelegenheit zu dem sehr artigen Witzworte der korinthi- 
schen Lais, welche ein Liebhaber durch einen Abdruck sei- 
nes Petschafts (als aüpßvXov, gleichsam eine Karte) zu sich 
einladen Hess; Athen. XIII, p. 585: npbg AatSa ttjv Kopev- 
i^tav ipaoTTjg dnoa^pdycafia ne/x^ag ixeXeue Tiapaytvsa^cu ' ^ 
8\ ob dOvapac, eine, ni^Xög iari. Wenn aber Poll. X, 59 
sagt: ou fiYjv dyvorjTEüV, orc rov kncrrjSetov dg tu xaTaarjiwI- 
vs(T&ac xrjpov ot naXacot pimov djvofiaCov xai ptmoug, und 
ebenso Hesychius: punov ^Attcxo} töv ecg rag aippayTSag 
xTjpov Xiyooat, so sind beide durch die Sitte ihrer Zeit ver- 
leitet worden, unter pünog Wachs zu verstehen. [Die Kömer 
siegelten nämlich ausschliesslich mit Wachs und dieser (Je- 
brauch ging später auch auf die Unterthanen griechischer 
Zunge über. Doch bedienten sich noch zu Cicero's Zeit die 
Siculer der cretula: Cic. Verr. IV, 26.] — Da jede zu ver- 
siegelnde Schrift mit einem Faden, Xtvov^ umschlungen oder 
vielleicht an der offenen Seite durchstochen und der Faden 
durchgezogen wurde (s. Paul. Sent. XXV, 6), so befestigte 
man auch das Siegel an den zusammengeknüpften Enden des- 
selben, so dass man einen Theil der Masse, mit welcher man 
siegelte, darunter, einen anderen darauf legte und nun das 
Siegel aufdrückte. Das sieht man aus dem, was Lucian. 



160 Zweiter Excurs 

AI ex and. 21 von der betrügerischen Eröffnung sagt: ßeXo- 
VTjV TiupuKTag rb ürcb r^v afpay78a jxipoQ zoö xTjpoT) diarfjxojv 
i$^£i xal fisrä t^v dvdpfujacv ttj ßeXuvjj au&ig im^kdvag rbv 
XTjpov, Tov TS xdro} unb raj Xiv(p xal zbv aörijv Tjyv atppaycda 
i^ovra, ß^catg auvsxöUa. Vgl. Cornel. Nep. Pausan. c. 4, 
Aeschin. c. Ctesiph. § 164 und Dinare h. c. De- 
mos th. § 35. [Dass man die Briefe auf der Rückseite mit 
der Adresse versah, bezeugen aufgefundene Papyrusbriefe: 
Egger de quelques textes inedits recemment trou- 
ves sur des papyrus Grecs p. 7 und Mai Class. Auct. 
V. 1838, p. 601 u. 602. Vgl. Overbeck Pomp. I, p. 290.] 
Was in den Excursen über die Bibliotheken und das ge- 
sammte Bücherwesen bei den Römern (G a 1 1 u s Th. II, 
S. 363 ff.) gesagt worden ist, das findet, wie natürlich, der 
Hauptsache nach auch volle Anwendung auf die Weise, wie 
bei den Griechen die Werke der Literatur vervielfältigt, ver- 
breitet und gesammelt wurden, und ich würde nicht für nö- 
thig erachtet haben, ausser einigen Nachträgen den Gegen- 
stand nochmals zu behandeln, wenn ich nicht gefunden hätte, 
dass gegen das Bestehen von Privatbibliotheken vor Aristo- 
teles und mehr noch gegen den Betrieb jeder Art von Buch- 
händlergeschäft mehrfache Zweifel erhoben worden sind. 
Einer unserer ersten Alterthumskundigen (Böckh Staats - 
haash. B. I, S. 68f.) hat dem Buchhandel noch zu Plato's 
Zeit sehr enge Gränzen gesteckt, und seine Autorität ist hin- 
reichend gewesen, um Andere jeden Gedanken an einen sol- 
chen abweisen zu lassen [vergl. Bernhardy Grundr. der 
griech. Lit. Th. I, S. 57; Richter Aristophanisches, 
Berl. 1845. 4, S. 45; richtiger Meier de Andoc. quae 
vulgo fertur c. Alcib. orat. comm. I. Hai. 1836. 4, 
p. VHI; Büchsenschütz Besitz u. Erwerb im griech. 
Alterth. 8. 671. K. F. Hermann Griech. Privatalt. 
§ 46 n. 13 mit Stark 's Zusätzen und W. Schmitz Schrift- 
steller und Buchhändler in Athen und im übrigen 



Bur dritten Scene. 161 

Griechenland. Saarbrücken, 1876.] Wenn man indessen 
bedenkt, welche Theilnahme sowohl die Schöpfungen der Dich- 
ter als die Schriften der Philosophen und überhaupt alle li- 
terarischen Producte bei einem grossen Theile der gebildeten 
griechischen Welt fanden, wenn man hinzunimmt, dass der 
griechische Speculationsgeist nicht leicht eine Gelegenheit 
vorübergehen liess, die Neigungen und selbst die Schwächen 
der Zeitgenossen zu einer Quelle des Erwerbs zu macheu, so 
müsste es an sich, wenn alle bestimmteren Zeugnisse und 
selbst Andeutungen fehlten, gewiss eine autfallende Erschei- 
nung genannt werden, dass mit der Zeit niemand auf den 
Einfall gekommen sein sollte, dem Bedürfnisse und Verlangen 
nach wissenschaftlichen Hülfsmitteln auf eine so nahe liegende 
Weise zu entsprechen; vorausgesetzt, dass ein solches Ver- 
langen sich als wirklich vorhanden nachweisen lässt; und mau 
wird nur nach der sorgfältigsten und besonnensten Prüfung 
der dagegen angeführten Gründe jener Annahme das Zuge- 
ständniss der Wahrheit machen mögen. 

Das Hauptargument dafür, dass in Plato's Zeit Handel 
mit Büchern ungewöhnlich und auffallend gewesen sei, findet 
man in einem zuerst von Cicero ad Attic. XUI. 21 er- 
wähnten, ausführlicher nach Zenobios V. 6 von Suidas 
mitgetheilten Sprüchworte: ^oyocacv 'Ef)fi6d(x}pog iimopeüsTat, 
mit der Erklärung: 6 'Epiiodtupog dxpoarrjg yzvöpzvog flMzio- 
vos Toug UTT^ ahrdi) auvre&ec/xdvous loyoog xopcXcov ecg ZixsMav 
kTuokei. Darauf gestützt bezieht Böckh namentlich eine Stelle 
Xenophon's, aus welcher sich ergiebt, dass nach dem Pon- 
tus und Thrakien Bücher verführt wurden, ausschliesslich auf 
unbeschriebene Papierhefte, Anab. VH. 5. 14: ivrau^a (es 
ist von den bei Salmydessos gestrandeten Schiffen die Rede) 
sbpcaxovzo TtoXXa] fikv xX7vac^ noXXä Sk xcßiuzca, TzoXXai ok ßt- 
ßXoi xai ToiXXa TtoXXd, Zaa kv ^uXtvoig reu^eac vaux^rjpoc äyou- 
aev. Allein diese Stelle wird gerade zum schlagenden Be- 
weise für das Bestehen eines griechischen Buchhandels im 

Charikles II. ' H 



162 Zweiter Excurs 

gewöhnlichen Sinne, da bei weitem die besten Handschriften 
haben: tioXXcu 8k ßißXot ysypufiiisvat, was denn auch von 
Dindorf restituirt worden ist; und eben so gewiss hat Pollnx, 
wo er aus mehreren Stellen der Komiker eines förmlichen Bü- 
chermarktes zu Athen gedenkt, nicht an blosses Schreibmate- 
rial gedacht. Schon die Worte IX. 47 : iv 8e zwv xoivwv ßi- 
ßXtoB^xai, ^ ujs EunoXiQ <p7jatv, ob rä ßcßXta wvca, xal aurb 
i(p^ aLxoo' ouTU) yap zbv ronov, ob rä ßcßXea, ol 'Attcxoc d)v6- 
fia^ov, können es kaum zweifelhaft lassen; und man darf da- 
mit nur eine zweite Stelle vergleichen, um zu sehen, dass er 
allerdings Schriften versteht. Er sagt VII. 210: Tva 8k ixy]8k 
Twv ßißXiiuv äiizXsTv 8oxwfJL£V, smocg äv ßcßXoc, ßißXtov^ r.apa 
8k 'Apcazofdvet. ßißXt8dptov ' xai ^ dp zag 8k roog yeypap.- 
fiivoug nXdziüV siprjxev b xwficxog' 

rä YpdßfJLaTeta rooq t£ jrdpras ix<pip(ov. 
ix 8k TU)v ivavTicDV ine dypa<poo xb ßtßXtov eiprjxevVpo- 
SoTog, emwv ypdipag iv ßißk'o) {ig ßißXtov I, 125. III, 42), 
xai ßcßXconoj Xtjv pkv napä 'ApcaTOfxivst eupijaetg iv FoTjat, 
ßtßXiaypd^ov 8k napd Kparivo) iv Xeipioaf ßtßhoypd<pog 
8k napd /Ivu^dvec iv Zan<po1^ napd 8k rat veiuripu) Kparivo} 
iv TnoßoXifmia) ßtßXto&ijXTj. Die Hauptmomente dieser für das 
Bestehen eines Buchhandels nicht nur zur Zeit der neuen, son- 
dern schon der alten Komödie entscheidenden Worte sind : dass 
erstlich Pollux es eben so als ungewöhnlich anführt, ßtßXiov 
von unbeschriebenen Büchern zu sagen, als /«/'Tayc von Schrif- 
ten; dass er also auch unter dem in Athen ra /3«/3^/a genann- 
ten Orte, d. i. ob rd ßißXta utvia^ nicht den Verkaufsplatz der 
ß(ßXog als blossen Schreibmaterials vorstehen kann. Dieser 
Büchermarkt aber bestand nicht erst zu des Onomastikers Zeit, 
sondern er wird schon von Eupolis genannt. Sodann findet 
sich ein ßtßXtomitXTjg bei Aristo mono s, ebenfalls einem Dich- 
ter der alten Komödie; und damit niemand an einen Händler 
mit ungeschriebenen Büchern denken könne, wird ihm sogleich 
aus Kratinos und Antiphanos ein ßtßXioypd<pog zur Seite 



zur dritten Seene. 163 

gesetzt. Salmasius wollte zwar das eine Mal dafür ßtßXtoj^pd- 
<poQ lesen; wahrscheinlicher jedoch handelt es sich bei die- 
ser scheinbaren Wiederholung nur um die doppelte Wortform 
ßtßXcoypdfoQ und ßißhaypäfoq , vgl. Lobeck z. Phrynich. 
p. 655. Dieser ßtßhoypafoQ ist aber mit dem ßtßXumuiXrfi 
eine Person : es ist der römische librarius, der durch Abschrei- 
ben Bücher vervielfältigt, um sie zu verkaufen. Lucian. 
a d V. i n d c t. 24 : xh 8k ZXov dyvoeTv fioc 8oxe7g, ort rag dya- 
&as eXmSag ob napä rujv ßcßXcoxaTiijXvJv 8e7 Cjyrerv, dXXä 
nap'' abroo xai rou xaB^' ijfidpav ßtou XafißdvBcv ab 8' ohi 
auvi^yopov xoivbv xal fidprupa iaea&ac aot rbv 'Arrcxbv xdi 
KaXXcvov robg ßißXcoypdipoog. Man braucht damit nur 
den (prjftaiiaroypdipog bei Aristophanes zu vergleichen, 
um sich von der völligen Identität der beiden Ausdrücke zu 
überzeugen. Denn dieser Psephismatograph, der ja eben auch 
Schriftenhandel treibt, sagt Av. 1037: 

(pTj^ laiiaroTztuXrjq elßi xal vöfiouq viouq 

^xtu Trcyo' ^ßä^ deupo Tttokrjotav. 
[Dennoch wird der ßcßXtoypdipog sich mit dem ßtßhonojhjg erst 
allmählich identifizirt haben, insofern der griechische Buch- 
händler ursprünglich ein handwerksmässiger Abschreiber war, 
der auf Bestellung und dann je nach dem Bedürfniss auch auf 
Vorrath arbeitete, aber mit einem modernen speculirenden Ver- 
lagsbuchhändler schon deshalb nicht verglichen werden kann, 
weil bei dem Mangel jeden Schutzes für das literarische Eigen- 
thum weder an ein kontraktliches Verhältniss zu den Schrift- 
stellern (das auch in Kom nie eingetreten ist, wiewohl Schmitz 
a. a. 0. S. 3 für Martials Zeit dies gegen die von mir: Ueber 
denBuchhandelbeiden Griechen u. Römern. Schleiz, 
1865 geführte und von Marquardt in Rom. Privatalterth. 
II, S. 407 gebilligte Beweisführung wieder angenommen hat), 
noch an Mittel zur Verhütung der Konkurrenz zu denken ist. 
Während aber durch die von Becker citirten Stellen des PoUnx 
für die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts die Existenz eines 

11* 



164 Zweiter Excurs 

athenischen Büchermarktes feststeht und durch Xenoph.A nah. 
Vn. 5. 14 für das Ende desselben Jahrhunderts ein wenn auch 
immerhin beschränkter Exporthandel mit Büchern bewiesen zu 
werden scheint, so habe ich in meinem Programme von 1865 
die von BÖckh Staatshaush. S. 68 und neuerdings von 
BOchsenschütz Bes. u. Erw. S. 572 und Stark zu Her- 
mann Privatalterth. § 45 not. 13 aus Plat. Apol. Socr. 
p. 26: xal 8ij xa\ ol viot rauza (die Lehren des Anaxagoras) 
TTcy?' kfioo /xav&dvouacv, ä i^eaziv ivcoze, ei rtdvu noXXoü, 8pa^- 
jxrjS ix TTjQ bpiriaxpaQ Tcpiajxivotg Hcjxpdroug xarayeXäv, iäv 
■npoonocTjzat kaozou eluat gezogene Folgerung, dass sich in der 
Orchestra des Theaters ausser der Festzeit eine Buchhändler- 
station befunden habe, wo man höchstens für eine Drachme 
die Werke des Anaxagoras kaufen konnte, absichtlich als un- 
zulässig übergangen und stimme vollständig Schmitz bei, 
der S. 20 diese auch von Egger in M6m. d'hist. anc. p. 137 
und Caillemer la propriäte litteraire ä Äthanes (1868) 
p. 3 nicht getheilte Auffassung richtig widerlegt hat.] 

Für die Zeit Alexanders des Grossen, wo die Lernbegierde 
und Lesesucht bedeutend gestiegen war, genüge, was Diog. 
Laört. vn. 2 von Zeno dem Stoiker erzählt: dveX&ojv 8k ele 
zag 'A&rjvag t^St^ zpiaxovzoOzrjQ kxdb^iae napd ziva ßiß}.ionu)X-^\i • 
dvaytvuKTxovzog Sk ixe^vou zb Seuzepov zujv Sevo^MVzog dno- 
fxvrjfioveujidzwv , ^aBelg im&ezo , itou dcazp{ßoi£v ol zoioüzoc 
ävSpeg. Vgl. Aristoteles beiDionys. Hai. de Isoer. 18: 
Majutg Ttdvu noXkäg Stxavcxwv h'tyoiv 'laoxpazecwv nefu^ipeaBat 
imh zu)V ßißXinniuXiüv. 

Nachdem ich durch diese sehr einfachen Combinationen 
einen sicheren Grund für die Annahme eines attischen Buch- 
handels gewonnen zu haben glaube, füge ich die aus der Na- 
tur der Sache, dem vorhandenen Bedürfnisse, zu entnehmen- 
den Gründe hinzu. Dass aber ein solches Bodürfniss sich viel- 
fältig aussprach, darüber kann kein Zweifel sein. [Vgl. Ben- 
dixoD de potostate, quam in vitae publicae et pri- 



zur dritten Scene. 165 

vatae conformationem apud veteres exhibuerint li- 
brorum lectiones, Husum 1843, und de primis qui Athe- 
nis exstiterunt bibliopolis, 1845 4, Polle in Jahrb. 
f. Phil. 1868 S. 772. J Man bedenke doch zuvörderst nur, 
dass ja die Jugend, wenn naloes ebensowohl, wie die vioc^ 
ohne Ausnahme Bücher, namentlich die Gesänge Homer's und 
anderer Dichter haben mussten, und dass diese nicht etwa 
durch Abschreiber im eigenen Hause besorgt werden konnten. 
[Sengebusch Hom. dissert. pr. p. 72 ff.] üeberhaupt aber 
bezeugt die fortschreitende Bildung seiner Zeit durch Leetüre 
Aristoph. Ran. 1109 ff. 

ei de TOÜTO xarayoßeic&ov, ß-q us d/ia^ia rrpotr^ 

TOtg i9eu}fj.e>otfftv, u»s rd 

Xenrä ßij yvwvat keyövTOiv, 
/jLTjdkv dpjbtodeiTe toöi?'" wg obx ?«>' ouxu} tout' l^e«. 

iarpareuiievot ydip elat, 
ßißkiov t' M^iov exaarog ßav^dvet rd de^td. 

{Auch leichtere philosophische Werke waren in der Blüthezeit 
der Sophistik viel verbreitet. Von Demokrit heisst es bei 
Diog. Laert. IX. 40: 'Apiaro^evog S' iv to7s iazopixo7s uno- 
fivrjfiaae ^as IIMTajva i^eXr^aai (Tvji^Xe^ai vä dr^fioxpcrou aoy- 
ypÖLfi/xara, Imoaa ^8uv^&7^ avvayayttv. 'AfiuxXav 8e xal KXsi- 
vtav Toug fludayopixouQ xoiXöaat aurov wg ouSkv o^eXog- napä 
TtoXXdtg yap ehai zä ßißXia t^Stj. Ebenso von Protagoras IX. 
52 : xai rä ßtßXta ahrdö xarexauaav iv tjj äyopqi dva8s$dpsvoc 
Tzap^ kxdaroo tüjv xs.xrrjp.ivwv. Wenn übrigens Schmitz a. a.O. 
S. 18 in dem freilich spöttischen Lobe des Aristophanes das 
iarpareupivoi^ welches durch v. 1115 und 1116: 

al yuaeig t' äXlwg xpärtorai, 

vöv dk xal napTjxövTjvrat 
noch weiter erklärt wird, auf »Leute, die den Krieg mitge- 
macht, die also ein besonderes Verständniss für Aeschylus, 
der die alte, gesunde Art vertritt, haben« bezieht, so stimme 
ich ihm nicht bei.] Dass es aber auch eigentliche Privat- 



\QQ Zweiter Excurs 

bibliotheken gab, dass manche mit grossem Fleisse die Schrif- 
ten der Dichter und Sophisten sammelten, dafür sei nur das 
Beispiel des Euthydemos angeführt. Xenoph. Memor. IV. 
2. 1: xaza/MaBojv ya.p EuSudrjjiov rbv xaXöv ^pd/x/xaTa noXXä 
auvet^eyjxdvov noirjrwv re xac ao^ctrrwv zaiv eodoxtjxojzdzujv 
X. T. X. § 8: scne fioc, i<p7j, u» Eu&udr^fxe, zw ovzi, wcmep ifu) 
dxouoj , TioXXä ypdp.p.aza auv^^ag zäjv Xeyojxivoiv aoipwv yeyo- 
vevac, v^ zbv Jr", ll^jy, tu üatxparsg' xal szc ye auvdyuj, i(og 
äv xzijaa>iiai ujq 5.V Suvojfiac nXecffza. vrj -nyv 'JJpav, i(prj b 
SojxpdzTjQ^ ayap.a( yi aou, Scozc oox dpyupcou xal ^puacou 
TtpoecXou &rjaaopoug xsxzi^a^ai fxäXXov ^ aofiag • 8^Xov ydp , 
8zc vo/JLcZstg dpyvpcov xac ^puacov oudkv ßeXzloog noceiv zohg 
ävBpionoog , zag 8k ziuv ao^cüv dvdpujv yvu>p.ag dpezfj tzXodzI- 
Cscv zoug xexzTjjxEvoug. Es entsteht sehr natürlich die Frage, 
wie Euthydemos sich seine Bibliothek verschafft hatte und sie 
noch vermehrte? Niemand wird daran denken, dass er die 
Bücher selbst abgeschrieben habe. Das würde sich weder mit 
seiner Jugend noch überhaupt mit der ganzen Lebensweise 
eines attischen vsog vereinigen lassen, [wiewohl von Lucian. 
adv. ind. c. 4 von Demosthenes behauptet wird, dass er acht- 
mal des Thukydides Geschichte abgeschrieben habe, und nach 
Karystios bei Athen. XIV, 12 Kassander, der Sohn des 
Antigonos, sich eine Abschrift von Homer nahm]. Noch we- 
niger lässt sich an abschreibende Sklaven, wie etwa die li- 
brarii in einer römischen Familie, denken; denn diese Klasse 
wissenschaftlich gebildeter Diener fehlt in dem griechischen 
Hause, wo alle Sklaven nur zu materiellen Zwecken verwen- 
det werden, gfinzlich. [Auch die ypapfiazecg bei Plut. de 
Dobil. 20 beziehen sich, wie man aus dem Zusätze iv olxiq. 
noh)zt'ktt sieht, auf römische Verhältnisse und einen Kephi- 
sophon (Aristo ph. Ran. 944 u. 1408. Acharn. 401) wird 
wohl selten ein griechischer Bücherliebhaber der damaligen 
Zeit zur Seite gehabt haben. Vgl. Hausdörffer de so r vis 
qui doctrinae laude floruorunt. Helmstädt. 185G. Da- 



Eur dritten Scene. 167 

gegen versah bereits der König Antigonos Gonatas seinen 
Freund Zenon mit schriftgewandten Sklaven: Diog. Laert. 
Vn. 3G]. Es vsrurden also die Bücher jedenfalls durch Kauf 
erworben, und der Gegensatz, welchen Sokrates macht (oux 
dpyoptoü xai y^poaioo npoeiXoo &rjaaopoh<; xexrfjffBai [läXlov ^ 
aofpiaq) scheint, wenn auch nicht nothwendig, auf den dabei 
gemachten Aufwand hinzudeuten. Urschriften nun {ahröypcupa) 
kennten freilich unmittelbar von dem Verfasser erlangt oder 
von anderen Besitzern derselben erkauft werden, wie z. B. 
Gellius III. 17 dergleichen Käufe namhaft macht; wo es sich 
aber um Werke älterer Schriftsteller handelte, da wäre es in 
der That seltsam, eine andere Modalität des Kaufens anzu- 
nehmen als durch Vermittelung von Händlern, die freilich 
mehr den Antiquaren als Buchhändlern, selbst im römischen 
Sinne, gleichen, gewiss aber auch selbst für Abschriften sor- 
gen mochten. 

Will man dagegen das oben angeführte SprOchwort gel- 
tend machen, so lassen sich gar viele Möglichkeiten auffinden, 
weshalb dem Hermodoros der Handel mit fremden Schriften 
nicht als solcher, sondern wegen der Weise, wie er ihn trieb, 
aufgestochen werden konnte. Darauf scheinen auch Cicero 's 
Worte hinzudeuten. Er spricht von der Veröffentlichung einer 
seiner Schriften und sagt: »die mihi, placetne tibi primum 
edere iniussu meo? hoc ne Hermodorus quidem faciebat, is 
qui Piatonis libros solitus est divulgare; ex quo loyotaiv 'Ep- 
podiüpos«.. Ja es lässt sich nicht einmal wohl begreifen, welche 
sprüch wörtliche Geltung er hätte erhalten können, wenn nichts 
weiter darin lag als der Vorwurf des Handels mit Büchern, 
zumal für die spätere Zeit, wo darin gar nichts besonderes 
mehr gefunden werden konnte. [Schon der Schuhmacher Si- 
mon, in dessen Werkstätte Sokrates häufig verkehrte, soll sich 
dessen Gespräche aufgeschrieben und sie dann veröffentlicht 
haben: Diog. Laert. II. 122. Auch Empedokles wurde der 
XoyoxXonsta dem Pythag oras gegenüber bezichtigt : ders. VIII. 



168 Zweiter Excurs 

54. Was Hermodoros betrifft, so beweisen die Worte Cicero's 
zunächst, dass die Publikation nicht ohne Erlaubniss Plato's 
stattfand. Das iimopsusrat bezieht sich auf des Hermodoros 
Heimat Sicilien (Suidas: Xöyocatv 'Ep/iodojpog ifinopsOsTac. 
V 'Epp.68(opo5 , dxpodryjs y£v6p.evos ÜMriovc, robg ütt' aözou 
(Tuvzs&sifiivotjs Xoyoog xo/xi^ojv slg Htxehav inojksi: cfr. Zenob. 
V, 6), wohin überhaupt, wie sich aus Plut. Nie. 29 ergiebti 
die literarischen Novitäten des Mutterlandes nur langsam ihren 
Weg gefunden zu haben scheinen. Wahrscheinlich waren es 
auch nicht von Plato bereits herausgegebene Schriften, die 
Hermodoros (nicht in lukrativer Absicht, wie ihm wohl spater 
irgend ein Komiker nachsagte, sondern aus wissenschaftlichem 
Eifer) weiter verbreitete, sondern mündliche Vorträge, velche 
er sich selbst zurecht gelegt hatte (vergl. Plat. Theaet. init.). 
Von diesen sind jedenfalls die eigenen Geistesprodukte des 
Hermodoros Tiepc jxabriiidzwv und nepl flXdrtovos (au/ letztere 
bezieht sich auch Simplic. ad Aristot. phys. f. 54) zu 
unterscheiden. Dem Umfang und dem schwierigen Verständ- 
niss der platonischen Schriften gemäss mag überhaupt ihre 
abschriftliche Verbreitung sich schwerfällig genug vollzogen 
haben; wenigstens hören wir sogar vom Leihen derselben für 
Geld: Diog. Laert. HI, 66: dnep {'AvTcyovog ^rjatv 6 Ka- 
pbariog iv tw nepl ZiTjvujvog) veiuffzl ix8o8i\>ra et reg ij&eXev 
dvayvujvat, pnaBhv ireXst zoiq xsxzyjuivuig.] 

Ein zweites Bedenken gegen das Bestehen von Biblio- 
theken in früherer Zeit könnte man aus Strabo XHI, 1 ent- 
nehmen, der von Aristoteles sagt: npwTog wv hpev aumya- 
yojv ßißXia xai Sidd^ag roug iv AlyünTtp ßaadiag ßtßXto&rjxrjg 
aOvra^iv. Allein was das npiorog auvayaymv anlangt, so fin- 
det es schon hinlänglich seine Widerlegung durch Xonophon's 
Nachricht von Kuthydomos Büchersammlung; und auch was 
bei Athen. I, p. 3 |vgl. Aristoph. Ran. 939 u. 1407. 
Pirochth. fragra. XHI Nauck p. 370] von den ansehnlichen 
Bibliotheken erwähnt wird, welclio Eukleidos (der athon. Ar- 



zur dritten Scene. 169 

chon) und Euripides besessen haben sollen, kann doch un- 
möglich als Fabel verworfen werden. Daher möchte Strabo's 
Angabe dahin zu beschränken sein, dass Aristoteles die erste 
nach universellem Plane angelegte und wissenschaftlich geord- 
nete Bibliothek besass, und in so fern konnte sie den Ptole- 
mäern zum Muster dienen. Jedoch wird auch selbst diese 
Annahme nicht zu weit aus gedehnt werden dürfen, da in einem 
interessanten Fragmente aus dem Linos des Alexis bereits 
eine wohlgeordnete Bibliothek geschildert wird. Athen. IV, 
p. 164: unoTt'ßsrai 8s (^As^rf) röv 'HpaxXia napä m Atvo) 
Tiacdeuo/jLSVov xac xsXzua&ivra dnb ßißXi(ov noXXüjv napaxec/xs- 
VüJV Xaßüvra ivru^etv' xe7vos 5' d(papxorixhv Xaßojv ßißXiov 
iv y^epdtv nepecmouddaTws expdrst. Xiysi 8h oürajg 6 Acvog' 

— ßißkiov 
ivreüß^ev o, rt ßoüXei npoatX^mv yäp Xaßi' 
^en' ävayvwaet ndvu ye diaaxoniüv 
änb Töjv iTztypapfidTtov irpifia re xai a^oX^. 
'Op^eug iveariv, 'Haiodoq, rpaytpdia, 
XotptXog, "OixTjpoq, ""Eni^^apfioq, auyypdfißaia 
navTodand • drjXujaeiq yäp oSrio rijv ^uaiv, 
im rl ßdX«T^^ uJpfiTjffe. — toutI Xafxßdvm. — 
dst^ov Ti ioTi TvputTov; dipapTuma, 
wg (priai roöniypaßßa, 

Ist nun auch der Gedanke, den Herakles in eine Bibliothek 
zu führen, komisch genug, so lässt sich doch daraus folgern, 
dass es zu des Komikers Zeit an Bibliotheken nicht fehlte; 
denn schwerlich dachte er doch wohl dabei an des Aristoteles 
Büchersammlung; man müsste denn annehmen, dass das ganze 
Stück eine Satire auf die Erziehung Alexander's durch diesen 
Philosophen gewesen sei. [Der Peripatetiker Artemon aus 
Kassandra schrieb später mpl ouvaywy^s ßtßXtiuv: Athen. 
XII. p. 515 und Tzspl ßcßXiiuv xp^j<y^<"Q'- Athen. XV. p. 694 und 
Philon von Byblos nspl xrr^aeujg xac. ixXoy^g ßcßXccuv: Suid. 
s. n. Vgl. Uppenkamp de origine conscrib. bist. litt, 
apud Graecos. Monast. 1853, p. 84.] 



170 Zweiter Excurs 

Die öffentlichen Bibliotheken können hier nur in so weit 
in Betracht gezogen werden, als entweder ihr frühes Bestehen 
einen Schluss auf literarischen Verkehr überhaupt gestattet, 
oder ihre spätere Gründung Veranlassung wurde, den Buch- 
handel zu beleben und das Verlangen nach Privatbibliotheken 
allgemeiner zu machen. Eine üebersicht der öffentlichen An- 
stalten dieser Art im Alterthume überhaupt findet sich bei 
Petit-Radel, Recherches sur les bibliothöques anc- 
et modernes, Par. 1819. p. 11 ff. Die ersten, welche uns 
als Gründer von Bibliotheken für öffentliche Zwecke genannt 
werden, sind in Athen Peisistratos und auf Samos Polykrates. 
S. Gell. VI. 17, Athen. I, p. 3, Isidor. Orig. VI. 3. 3, 
und mehr bei Ritschi alexandr. Bibl. Bresl. 1838, S. 53 ff. 
Allein diese Nachrichten erscheinen nur in einem noch halb 
mythischen Helldunkel, das durch die abenteuerlichen Berichte 
über das spätere Schicksal der athenischen Bibliothek bei 
Gellius und Isidor nur noch zweifelhafter wird. Auch findet 
sich in den nächsten Jahrhunderten keine Spur eines ähn- 
lichen Versuchs, bis in Alexandria das grossartigste Institut 
dieser Art wahrscheinlich schon durch Ptolemäos Soter ge- 
gründet wurde, wenn auch sein Nachfolger Ptolemäos Phila- 
delphos besonders durch planmässigere Einrichtung sich noch 
grösseres Verdienst erwerben mochte. S. Ritschi a. a. 0. 
8. 14 ff. die weitere Literatur bei Bernhardy Grundriss 
d. griech. Lit. Th. I, S. 437 ff., 447 ff. und Gräfenhan 
Gesch. d. Philol. Th. I, S. 375 ff. (wozu noch kommt Han- 
nak das Museum und die Bibliotheken in Alexan- 
dr iu. Wien, 18G7 und mein Programm Das alexandrini- 
sche Museum. Schleiz, 18C8J. Eine glückliche Eifersucht 
spornte die porgamonischon Könige (seit Attalus I oder Eu- 
menes 11?), es den Ptolomäorn iu Begünstigung der Wissen- 
schaften gleich zu thun; und wenn auch alle Anstrengungen 
nicht dahin führen mochten, dem ptolomaischon Institute an 
Reichthum und Werth gleich zu kouiiiieii, so musste sich doch 



zur dritten Scene. 171 

Alexandria, als seine literarischen Schätze durch Brand unter- 
gegangen waren, glücklich schätzen, die pergamenische Bi- 
bliothek als Ersatz zu erhalten. Vgl. Plut. Anton. 58 mit 
Belley in Mem. de l'Acad. d. Inscript. t. XXXVIII, 
p. 147 ff., Wegener de aula Attalica liter. artiumque 
fautrice, Havn. 1836. 8, Meier in Hall. Encykl. Sect. III, 
B. XVI, S. 351 ff., van Capelle de regibus et antiqui- 
tatibus Pergamenis, Amst. 1842. 8, p. 123 ff. 

Für Griechenland selbst erwachte der Gedanke, durch 
Gründung öffentlicher Institute Wissenschaft und gelehrte Bil- 
dung fördern zu wollen, zu spät. Der Gemeinsinn war längst 
kleinlichem Privatinteresse gewichen und wurde doch auf der 
andern Seite nicht durch die Liberalität hochgesinnter Fürsten 
ersetzt. In Athen selbst, dem Mittelpunkte hellenischer Wissen- 
schaft, finden wir eine grössere öffentliche Bibliothek erst in 
der römischen Kaiserzeit, wo sie von Hadrian mit einem 
glänzenden Gebäude ausgestattet ward. Paus. I. 18. 9: xou 
oixTjiia ivrau&d iarcv 6pö(pu> ze ini^pöauj xai äXaßdarpu) ^/i^a», 
nphg 8k dydXfiacn xBxoap.rjfj.dvov xac ypaipoug' xardxstrai 8k is 
aoTÖ ßcßXia. [Ausserdem gehört hierher die attische Epheben- 
inschrift in Göttiug. Nachr. 1860, S. 339: ßißXta zig njv 
iv /IroXspacüj (Bursian Geogr. I, S. 290) ßtßXco^rjxrjv kxa- 
rov und ein im Piräeus gefundenes, aus dem ersten Jahrb. 
V. Chr. stammendes Inventar einer Bibliothek: Hirschfeld 
in Archäolog. Zeit. 1874, S. 107]. Allein man darf wohl 
annehmen, dass, wie überhaupt der Verkehr mit Schriften 
durch jene auswärtigen Bestrebungen lebhafter wurde, auch 
die Privatbibliotheken häufiger und in grösserer Ausdehnung 
entstanden. [Mit dem Steigen des Bedarfs wuchs aber auch 
die Eilfertigkeit und der Leichtsinn der Abschreiber. Strabo 
XUI. p. 608 erzählt von der grossen Bibliothek des Apellikon 
von Teos, die Sulla nach der Eroberung Athens nach Rom 
schaffen liess, in Bezug auf die Werke des Theophrast und 
Aristoteles von Apollikon selbst: rjv 8k ^dößißXog päkXov ^ 



172 Zweiter Excurs 

<pilüao(poq' 8to xal ^r^ratv inavopSajacv zutv diaßpoj/idrwv elg 
dvTiypa^a xaivä nerrjveyxs t^v ypa^v dvaTzXrjpöJv oux zu xa\ 
i$e8ajx£v ä/xapzddojv rikrjpvj rä ßtßXia, und von der in Rom 
durch Tyrannion bewerkstelligten Redaktion: xai ßcßXionöjXcd 
Tives ypo-ipEuai ^aüXoig ^pwfievot xac oux dvTcßdXXovzeg , 8nep 
xal im Tüjv aXXiov aup.ßabtt zaiv ecg npäacv ypa^o/ievwv ßi- 
ßXciuv xai ivMde xal iv 'AXs^avdpeca. Das Uebel wuchs na- 
türlich noch, seitdem man das Schreiben durch sich ablösende 
Tachygraphen fabrikmässig betrieb: Suid. 'i2pcy£vrjg-ra/6ypa' 
<poi T£ yäp aoTüi nXeiOog ^ iriza rbv dpid^p.ü\> naprjaav oTiayo- 
pBuovrog, ^povocg rerayfiivocg dXXijXoog dfieißovTeg' ßcßXcoypd- 
(pot TS ou^ rjTToug, afxa xal xöpatg inl 'tu xaXXtypa<ps7v tjgxtj- 
fisvaig. Als einen durch die Schönheit seiner Handschrift aus- 
gezeichneten ßißXioypdfog lobt Lucian. adv. indoct. 2 den 
Kallinos, wegen seiner Sorgsamkeit und Genauigkeit den At- 
tikos. Sonst schildert er die ganze Klasse als ungebildete 
Handwerker, wenn er c. 4 schreibt: rtg 8k ro7g ijXTzopocg xai 
Tocg ßißXeoxaTrfjXoig r^picrsv äv nepl nacSeiag, ToaauTa ßtßXta 
i^ooai xal TtwXouffiv; 'AXX' el'ye SceXey^etv iMXocg, oipet /ijy<5' 
ixecvoug noXü aoo za ig natSstav dfiecvoug, dXXä ßaßpdpoug 
fiev TYjv (fwvijv^ ujcmep au^ d^uvdroug 8k rfj yviuaec, oioog elxbg 
ehai zoug fir^8kv rüiv xaXuJv xal ala^paiv xa^ewpaxo-ag. Aber 
auch mit der Ehrlichkeit war es bei vielen Vertretern des 
Standes übel bestellt. Namentlich verlockte die Bibliomanie 
und Eifersucht der ägyptischen und pergamenischon Könige zu 
vielfachen Unterschiebungen von Büchern: Galon. de humor. 
I. 1, de nat. hom. I. 42, H. prooem. und Schol. Aristot. 
ed. Brandis p. 28]. Andererseits hingen die Fälschungen 
auch damit zusammen, dass man ohne wahres Interesse au 
der Wissenschaft eine Menge Bücher sammelte, nur um damit 
zu prunken und sich den Schein von Wissenschaftlichkeit zu 
geben. Für diese Sucht oder Mode ist die Schrift Lucian's 
adversus indoctum sehr lehrreich und eben so für die 
Charakteristik der damaligen Buchhändler, welche die urtheils- 



zur dritten Scene. 173 

unfähigen Käufer vielfältig täuschen mochten und sich die 
Schriften, denen Wurmstiche und andere Schäden das Ansehen 
hohen Alters gaben, am besten bezahlen Hessen. Denn so 
sagt Lucian. §. 1: fiäXiena Ss oi)8k rä xdlXtara ojvf^, äXXa 
mffTSueiQ ToTg cug eru/sv inaevouac, xai ip/xaiov et rutv rJt 
Totauxa i7:c(peu8ofiev(ov roTg ßtßXiotg xac ^iqaaopoQ irotjwg rdtg 
xairfjXotg ahruiv ^ 7:6&ev ydp aoi Biayvutvai dovarov, Teva yukv 
naXatä xai tzoXXoo ä^ta, xiva 8h (paoXa xa\ äXXajg aanpd, el 
fiTj TW Staßeßpuiabai xai xaTaxBxöipbat axiTo. TSxp.aipo'.o xa\ 
aupßooXoug Toug aiag iiü t^v e^STaaiv napaXapßdvotg ; Noch 
deutlicher spricht von solchen Betrügereien Dio Chrysost. 
Or. XXI. 12: TzdvTiug ydp tcvc tüjv ßtßXionioXiüv npoaia-j^rjxag ; 
8iä Tc 8^ TOÜTO ps ip(OTq.g; Ztl eWoTsg t« dp^a2a Tutv ßtßXcwv 
<mou8aZopeva wg äpsivov yeyoappdva'xac iv xpscTToac ßcßXcocg, 
ol 8e T« ^auXÖTaTa tu)v vuv xaTaßivTsg scg octov, Snutg t6 ye 
^pcijpa opoca yivrjTai TÖcg naXaioTg, xai 7ipoa8ia^BaipovT£g dno- 
8c8ovTat üjg naXacd. [Auf ähnliche Weise wurde der König 
Juba getäuscht: David ad Categ. Aristot. p. 28 Brand : 
Ttvkg xaTVTjXetag ^dpcv rcfc Tu^ovTa aojjpdppaTa XapßdvovTsg 
ixeSpouv xac iai^nov 8cä napa&scrswg vicuv Tzoputv, Iva ff^oitev 
S^Bsv TTjv ix Tou ^povou dqiomaTcav. Vgl. Lucian. Pseudo- 
soph. 30 und dazu K. F. Hermann in Philol. B.II, S. 245.] 
Dass damals die Läden der Buchhändler eine reiche 
Auswahl darbieten mochten und dass der Handel damit 
weithin betrieben wurde, lässt sich aus der schon berühr- 
ten Stelle des Lucian §. 4 schliessen: Ti'g 8k To7g ipnopocg 
xai To7g ßtßXioxaTOjXoig ^pcasv &v Ttspl nai8£{ag ToaaoTa ßcßXc'a 
i^ooai xai nujXouatv {st TÖ xsxT^a&a: rd ßtßXca xai T:ei:ai8£u- 
.pivov dni<paive töv i^ovTa); [Den meisten Werth legte man 
natürlich auf Autographen, wie denn eben der Bibliomane, 
welchen Lucian geisselt, die Reden des Demosthenes, von ihm 
selbst geschrieben, und die von demselben gefertigten Abschrif- 
ten des Thukydides zu haben glaubte : c. 4. Plato soll für die 
drei Bücher des Pythagoräers Philolaos 100 Minen: Diog. 



174 Zweiter Excurs 

Laert. III. 9. VIII. 15; 55; 85, ond Aristoteles für die we- 
nigen Schriften des Platonikers Speusippos drei Talente: Diog. 
Laert. III. 5. Gell. III. 17, gezahlt haben. Ueber die ge- 
wöhnlichen Bücherpreise sind wir gar nicht unterrichtet. Doch 
müssen dieselben, so lange das ägyptische Papyrusmonopol 
das Material vertheuerte, immer hoch genug gewesen sein. 
(Diog. Laert. VII, 174. Vgl. Egger le papier dans l'an- 
tiquite et dans les temps modernes. 1866 und Caille- 
mer le papier ä Athenes. 1868. Nach einer Baurech- 
nung von Erechtheion bei Eangabe Antiqu. hellen. Vol. I, 
n. 57, S. 52 kosteten zwei Papyrusblätter 2 Drachmen und 
4 Obolen, also ungefähr 2 Mark. Damit ist nun freilich nicht 
gesagt, aus wieviel durchschnittlich 10 Cmtr. breiten und 18 
bis 20 Cmtr. hohen Streifen diese Blätter zusammengeleimt 
waren; aber es kommt doch noch in Betracht, dass man das 
Papier stets einseitig beschrieb), üebrigens verfielen die ab- 
genutzten Bücher dem Schicksale unserer Makulatur: Cha- 
mäleon bei Athen. IX, 16: (Ava^avdptdrjo) mxpug 8' uiv tö 
^i9of , iirocec rt rocouzov nepi rag xiofKudiag ' Sre yap fi^ vexutj^, 
Aaußdvüjv edwxev etg rov hßavwxbv xazareiielv. Ueberhaupt 
brauchte man das alte Papier zum Einwickeln : Eaoul-Bocb. 
in Mem. de l'acad. des Inscript. XIII, p. 562. 

Hinsichtlich der Thätigkeit der Buchhändler als Buch- 
binder stehe hier nur die Stelle Lucian. adv. ind. 7: r/va 
YOf) iXm'da xal auTÖg e^wv elg tä ßtßXta xa\ dveXirzetg de] 
xal dtaxoXXq.g xat nEpcxönretg xal dkeitpetg rw xp6x</) xal tjj 
xiSp(p xai 8t^&ipaQ nepißdXXetg xal i)H(paXoi)g ivrl^etg^ wg 8^ 
rt dnnXaüatuv; Im Uobrigen vgj. Gallus II, S. 269 ff. Mar- 
quardt Köm. Privatalterth. II, S. 382 ff. 

Wie in mancherlei anderen Werkstätten (vgl.K. F.Hermann 
Privatalt. §. 17 n. 22) finden sich auch bei den Buchhänd- 
iorn müasigo Leute zum Besuche ein. Von Zeno, der anfangs 
Kaufmann gewesen war und unweit des Hafens von Athen 
Schiffbruch gelitten hatte, schreibt Diog. LaSrt. VII, 2: 



xnr dritten Scene. 175 

dveX&cjv 8k eis rag 'A&i^vag — ixdBcae napd nva ßcßXconto- 
}i7jv. 'AvayivaxTxovrog de ixscvou t() SeOrepov rutv S£vo<pu>vTog 
dnojXvrj/ioveu/idTiuv, i)(T&eeg irai^ero nou Searpc'ßotev ot zocouroc 
ävSpeg. In Bezug hierauf habe ich in meinem Programme 
»Ueber den Buchhandel bei den Griech. u. Römern« 
geäussert: »Man kann hieraus abnehmen, dass die Buchhänd- 
ler auch dadurch Käufer anzulocken suchten, dass sie in ihren 
Lokalen Stücke aus ihren vorräthigen Werken vorlasen,« und 
Stark hat sich zu Hermann's Privatalt. §.45, n. 13 ähn- 
lich ausgedrückt. Gegen letzteren behauptet Schmitz a.a.O. 
S. 20: »dass die Buchhändler selbst Stücke aus den neuen 
Werken vorlasen, lässt sich aus Diog. La ort. VII, 2 nicht 
herleiten. Die Griechen lasen auch für sich laut.« 
Abgesehen von inneren Gründen der Wahrscheinlichkeit (man 
denke z. B. an den Brief verkehr und vergleiche Arrian. Anab. 
II, 4, 9: Tov fikv [carpov] drj irapoffxeudCetv r^v xOXtxa- iv 
ToiiTip 8k /lXe$dv8pü) So&^vac imaroX^v r.apd Uapfieviojvog (po- 

M$aaBai ^iXnrnov. Tov 8e dvayvuvza -nyv emorolijv xcu 

eu fxerä ^ecpag e^ovra aurbv pev Xaßetv Tiyv xuXixa, iv ^ tjv 
rb fdppxixov tijv kmaroX^v 8k rw 0iXimz(p 8oüvac dvayvöjvai. 
xal bpoo TOV TS AXi^av8pov mveiv xal zov 0cXnmov dvaycvw- 
axeiv rä napä toD fJappeviajvog) vereinigt eben dvaycyvwaxeev 
die beiden Begriffe legere und recitare vollständig in sich und 
auch Lucian. adv. ind. 2: ov 8k dveipytxsvotg pzv To7g 8*p- 
^akpolg bpag xa ßtßXia — xal dvaytyvwaxeig evia ndvu im- 
Tpe^uiv (pd^avovTog rou 8^UaX/iou zö azopa, worauf sich Schmitz 
beruft, besagt im Zusammenhang eben weiter nichts, als dass 
dem Idioten der Besitz seiner Bücher nichts helfe, weil er zu 
deren Inhalt kein Verständniss mitbringe, wenn er auch ge- 
läufiger mit den Augen die Worte zu überfliegen vermöge, als 
auszusprechen oder Jemand vorzulesen. Ebenso wenig beweist 
für die Sitte des Lautlesens die Stelle in der Apostelgesch. 
VDI, 28, wo der äthiopische Proselyt zu seiner Erbauung 
unterwegs laut im Propheten Jesaia liest. Nicht zu leugnen 



176 Zweiter Excurs zur dritten Scene. 

ist dagegen, und so hätte die Behauptung auch ausgedrückt 
werden müssen, dass man in der guten Zeit überhaupt weni- 
ger las als sich des lebendigen Wortes bediente und dass erst 
nach der peloponnesischen Zeit die Weissagung in Erfüllung 
ging, die Plato im Phaedr. p. 274 E dem Aegypter Thamus 
in den Mund legt: touto yäp {jid&rjfxa) tüjv /la&ovrwv X^&t^v 
fjkv iv (po^acg napi^st, }xvi)ii7js dfteXeTrjai^, äze 8tä Ti^ariv ypa- 
(priQ e$a}&£v bn' dXXoTptojv tOtkov, oox evdo&ev aurobg u^' ab- 
zwv dvafxc/xvrjaxoixivoug .] 



EXCURS ZUR VIERTEN SCENE. 



MARKT UND HANDEL. 

Für keinen Theil meiner Arbeit scheint es mir so nöthig, 
auf das Bestimmteste den Zweck der ganzen Erörterung und 
die Grenzen, innerhalb deren sie sich halten soll, anzugeben, 
als für diesen mit viel in sich fassendem Namen überschrie- 
benen, damit man mich nicht der Mangelhaftigkeit und Ober- 
flächlichkeit anklage, weil ich absichtlich alles das unberührt 
liess, was mit dem Zwecke, welchen das ganze Buch verfolgt, 
nichts gemein hat. Es liegt ganz ausserhalb meines Planes, 
topographische Untersuchungen anzustellen, die überhaupt 
jederzeit misslich sind, wenn sie nicht an Ort und Stelle ge- 
schehen; meine Absicht ist nur, einen Blick auf das rege 
Leben eines griechischen Marktes thun zu lassen; und wenn 
gleich dieses Bild desto anschaulicher werden würde, je 
genauer man die Oertlichkeiten ermitteln und bezeichnen 
könnte, so würde das doch eine völlige Restauration des Mark- 
tes mit allen seinen Gebäuden, Hallen und Denkmälern, eine 
genaue Bestimmung der einzelnen Verkaufs- und Sammel- 
plätze voraussetzen, die niemand zu geben im Stande ist, 
während vage, auf das Allgemeinste sich beschränkende An- 
gaben für solchen Zweck nicht den mindesten Werth haben. 

Auf der andern Seite denke ich auch nicht daran, von 
dem griechischen Handel aus dem historischen oder staats- 

Charikles II. 12 



X78 Excurs zur vierten Scene. 

wirthschaftlichen oder privatrechtlichen Gesichtspunkte zu 
sprechen. Mir ist es nur um die äussere Erscheinung des 
Kaufmanns oder Händlers zu thun; zu sehen, wie in Kauf 
und Verkauf, in Speculation und Industrie, in Intrigue und 
Täuschung sich griechischer Handelsgeist und griechische Sitte 
im täglichen Leben manifestirten. Daher sind mir der Wein- 
händler, der — ein Bild unserer Tage — mit Proben in den 
Häusern umherläuft; der Soldat, der sich Erbsen in seinen 
Helm messen lässt; der brutale Fischhändler, der dem weni- 
ger Bietenden kaum antwortet; der Trapezit, der die Drachme 
prüft, ob sie das rechte Gewicht habe; der betrügerische Klein- 
händler, der nach falschem Maasse und Gewichte verkauft, 
hier interessantere Gegenstände als die Organisation der hö- 
heren Handelspolizei oder der Handelsgerichte, oder ein Ver- 
gleich der Exporten und Importen. [Vgl. hierüber im Allge- 
meinen Hüllmann Handelsgeschichte der Griechen. 
1839, Drumann Arbeiter und Communisten S. 66ff., 
Büchsenschütz Besitz und Erwerb im griech. Alter- 
thum S. 356 tf,] Nach diesem Maassstabe möge man die 
folgende Zusammenstellung einer Menge vereinzelter Notizen 
beurtheilen, die aber zu einem Bilde vereinigt eben so viele 
charakteristische Züge abgeben, wenn sie auch keineswegs 
hinreichen, dem Bilde Vollständigkeit zu verleihen. Die unend- 
liche Schwierigkeit, welche eine Classification dieser, nicht in 
gewisser Folge sich an einander reihenden, sondern, wie das 
Gewühl des Marktes selbst, bunt durch einander sich mischen- 
den Einzelheiten darbot, wird es entschuldigen, wenn in dem 
ganzen Excurse eine weniger strenge Anordnung gefunden 
werden sollte, und es ist zugleich natürlich, dass einige ver- 
wandte Gegenstände, wie z. B. die gewöhnlichen (itazptßai, 
der Aufenthalt in den Ergasterion, gluich mit berücicsichtigt 
wurden. 

Was die Oertlichkoit anlangt, so genügt für den hier 
verfolgten Zweck diu Bemerkung, dass man sich unter dem 



Excurs zur vierten Scene. 279 

Markte Athens [ein längliches Viereck vorzustellen hat, wel- 
ches den südlichsten Theil des Stadtviertels Kerameikos bil- 
dete und von öffentlichen Gebäuden, Heiligthümern und Säu- 
lenhallen begrenzt war. Peisistratos soll diese äyopd gegrün- 
det haben (Strab. X, p. 447), während die ältere, dp^aia 
(Harpocr. s. v. 7xdvdr^/xog ^A<ppo8irrj) , in der Nähe oder an 
der Stelle der Pnyx sich befand. Diese hatte zugleich als 
Ort für die Volksversammlungen gedient. Auf dem neuen 
Markte war an der südlichen Seite ein grosser Platz für die 
Abstimmungen beim Ostrakismos frei vom Geschäftsverkehr 
gelassen (Plut. Aristid. 7; Vit. Xorat. Demosth. p. 847; 
PoU. VIII, 20; Etym. M. p. 349, 15). Dies war wohl auch 
hauptsächlich der Sammelplatz, wo man sich traf und wohin 
man sich bestellte, und zur Bequemlichkeit der Spaziergänger 
hatte Kimon in der Nähe eine Plataneiiallee angelegt,] Plut. 
Cim. 13: Tipwrog 8k raTg Xsyoixivaig iXzu&epcocg xal ylaipo- 
patQ deazpijSaeg, ac /xcxpov uarspov unsp^uöjg rjyaTrrj&r^ffav, ixaX- 
Xiomae zu «ötu, ttjv jxkv äyopäv TiXazuvotg xaza<pozeöaaQ x. z. ^. 
Unter diesen Bäumen stauden auch die Bildsäulen berühmter 
Männer, wie die des Demosthenes: Plut. Demosth. 31 und 
Vit. X orat. a. a. 0. Aristoteles de republ. VII, 12, 
p. 1331 a Beck, fordert sogar eine örtliche Trennung der für 
den Handel und für die bürgerlichen Geschäfte und Zusammen- 
künfte bestimmten Markträumo: 7:pimc 8' unb pkv zuüzov zuv 
zunov zoiaüzr/g dyupäg ehat napaaxzurjv^ o7av xat mpt 6zzza- 
Acav dvop.d^ou(Tcv, rjv sXzuMpav xaXouatv aozrj o' i<Tz:v, r^v SsT 
xa&apdv elvac zujv ujvciuv ndvzuiv xal p-i^ze ßdvaoaov prjzs 
yswpybv pr^z^ dXXov p7j8sva zotouzov TzapaßdXXetv pi] xaXuöpz- 
vov ufib zcüv dp^uvziov . . . rjyv 8k zuiv ujvcutv dyopäv szdpav 
ze 8e7 zabzrfi zhai xat y^ujpig [und nach Xeuoph. Cyrop. I, 
2, 3 gab es auch in den persischen Städten eine ilzo^ipa 
dyopd. Vgl. über den Marktplatz zu Athen Bursian Geogr. 
Bd. I, S. 280]. 

Der Besuch des Marktes gehörte gewissermaassen zu der 

12* 



130 Excurs zur vierten Scene. 

gewöhnlichen Ordnung des Tages. Wenn die griechische 
Hausfrau auf den Bereich des Hauses, das unverhcirathete 
Mädchen auf das Frauengemach beschränkt war, so brachte 
hingegen der Mann den grössten Theil des Tages ausser dem 
Hause zu, nicht nur in Folge von Geschäften, sondern eben 
der Geschäftslose suchte die Sammelplätze auf, welche Markt, 
Gymnasien, Bäder, Tabernen aller Art darboten. Von Sokra- 
tes sagt Xenoph. Mem. I. 1. 10: dUä fir^v ixsTvog ys dal 
/JLSV 7jV iv To» <pav£piL' Tipojt T£ yäp eis Toug TispmdTouQ xal 
rä yviivdma jjei xai nktj&ooarjg dyopdg ixsc (pavepog rjv xal 
rh Xoinuv dzi rrjg ijpipag rjv Snoo nXetoTotg piXXot aoviaea&ai : 
vergl. Plato Apol. p. 17. Demosth. c. Aristogit. I. 
§ 61; Plut. Kepubl. gerend. praec. 2, Hesych. s. v. 
*Ayopäeoc. Die Zeit, in welcher man sich dort einfand, waren 
die Stunden des Vormittags, welche daher auch unter dem 
Namen TiXrj&ooaa dyopdg nepl nXrjd^ooaav dyopdv , TiXy^&utprj 
dyopdg (Herodot. II. 173. VII. 223) zusammengefasst wer- 
den; vgl. Düker zu Thucyd. VIII. 92, Wessel. zu Dio- 
dor Sic. XIII. 48, Periz. zu Aelian. V. H. XII. 30, Ges- 
ner u. Reiz zu Lucian. Philops. 11, Bahr zu Herod. 
II. 173; und wenn sich auch eine recht sichere Bestimmung 
dieser Zeit nach Aequinoctialstunden nicht geben lässt (Sui- 
das sagt s. v. nXijBooaa dyopd- uipa rptzi^^ dagegen s. v. ntpl 
TcXyj&ouaav dyopdv nepl utpav rsrdpTTjv ^ nipnrrjv xai ixTTjV 
ruT£ ydf) pdXcffra izXij&et rj dyopd), so mag man immerhin die 
dritte Stunde als den Anfang nehmen, während das Ende, 
Xuatg oder didXoacg dyopdg (Xenoph. Oecon. 12. 1), auf 
keinen Fall über Mittag ausgedehnt werden darf. Dieses er- 
hellt deutlich aus zwei Stellen Herodot's, wo die Zeit der 
nXrjßouffa dyopd ausdrücklich der pecn^pßpta entgegengesetzt 
wird, III. 104, wo er von dem Klima Indiens spricht: f^epp/j- 
xaxog oi iari u ^Xtog toutokti roTai dvf^pcünocac rh icuHivov, 
ob xardntp roTai äXXotat fitaapßpirjg , dXX ' unepreiXag pe^P^ 
oh dyoprjQ SiaXuatog' toutov 8k rhv ^povov xaeec noXXw päXXov 



Excurs zur vierten Scene. 181 

^ Tjj iiBaafißptrj ttjv 'EXXdoa, und IV. 181: royjdvet dk xai 
äXXo a(pt ooiop xfjr^vfuov iuv, zb xuv jikv öpBpov ytverai jjf^^a- 
pov, äyoprjg 8k nXrj&uo'JorjS (po^puTSpov fieaapßpijj ri iare 
xai Tu xdpza yiverai ^>o^puv, und in demselben Sinne rech- 
net auch noch in später Zeit Libanios den Zwischenraum 
dieser beiden Abschnitte als den vierten Theil des Tages 
Epist. 1084: xai Toüza iv rszapToj /xspsc reTaXecrcu aoi r^f 
Tjfiipag änb TiXrjßoixn/js dyopäs elg fi£(Trjp.ßptav ffraBepdv. 

Aber nicht bloss um diese Stunden besuchte man den 
Markt, sondern man benutzte auch seine Hallen und schatti- 
gen Plätze zu anderer Zeit, um dort spazieren zu gehen; vgl. 
Demostil, in Con. § 7: r.spmaTouvTog, wansp etwBscv, kani- 
pag iv dyopä fiou perd ^avoarpdrou, und umgekehrt den 
Redner Hyperides, der nach Athen. VIII. 27 oder Vit. X 
Orat. p. 849 seinen täglichen Morgenspaziergang in der 
Fischhalle machte: inocecro 8k zhv nspmarov iv ttj l^Boonu)- 
Xc7c8i oarjpepat. — In den Hallen waren überdies Sitze ange- 
bracht, wie in den Gymnasien. Lucian. Jap. trag. 16: 
iizzt 8k zaura ivvouJv yiyvopat xazd ztjV Uocxckrjv, opüj nXrjBog 
dvBpüjTiiov TcdpTioXo aoveazTjxog' ivioug pkv ev8ov iv aozfj z^ 
Gzoa, izoXÄoug 8k xai iv zuj br.aiBpio, xai ztvag ßoujvzag xai. 
8tazzivop£voug im zivv Bdxmv xadr^pivoug^ und Xenoph. 
e c n. VII , 1 : i8u}V ouv Ttoze ahzuv iv zjj zdö dcbg zotJ 
^EXsoBsptoo azoa xad^rjptvov x. z. X. 

Ausser dem Markte und den Gymnasien, von denen zur 
folgenden Scene gesprochen wird, besuchte man sehr häufig 
die Boutiquen oder Läden der Haarverschneider, der Salben- 
händler und Anderer; ja es konnte sogar zum Vorwurfe ge- 
reichen und als übles Zeichen gelten, wenn man diese Gesell- 
schaftsörter — denn so erscheinen sie in der That — gänz- 
lich mied. Demosth. in Aristog. I, § 52: oh <pcXavBpoj- 
mag, ou^ bpiXiag ouospcäg ouSavt xocviuve? . . . ou8k npoGipoizq. 
Tipog zc zoöziuv zu>v iv z^ nuXei xoupetujv ^ pupoizioXtiuv rj züjv 
äXXiuv ipyaazr^pcwv ou8k npbg iv. Lässt sich schon daraus 



132 Excurs zur vierten Scene. 

auf eine Allgemeinheit der Sitte schliessen, so sagt dieses mit 
bestimmten Worten Lysias de inval. § 20: ixaazog yäp 
bfjuov eY&KTTac npaff^ocräv, 6 fi^v Ttpbg p.opon(ithov, ol 8k npug 
xoupsTov, o de npbg axurozopelov, 6 5' onrj ^v röyjj- xat r.ltl- 
ffToc pkv ujg Tohg iyyurd-aj r^g dyopäg xareaxBoaapivoog, 
kM^ta'oi 8k ujg roug oh TiXttarov drdj(^ovzag «yr^?. Vergl. 
Isoer. adv. Callira. § 9. Darauf beziehen sich auch die 
Worte des Aristoph. Plut. 337: 

xairot Aö/og /' ^v, vij rov 'HpaxAia, roXög 

int TOtai xoupeiotat rutv xaßrjßivwv, 

&g i^antvTjg dvijp yEyivyjrat TrXoumog, 

und Av. 1439: 

orav Xiywmv ol Tzaripsg kxäffzoTS 
roXg fxetpaxidtg iv rotai xoupsiotg radi. 

[Vgl. Plutarch. Nie. 30. De garrul. 7. Isoer. Aroop. 
§ 15.] Dass die xoops.7a [die Theophrast geradezu datva aop- 
noffca zu nennen pflegte: Plnt. Synip. VII, 10] und pupomu- 
Xia dazu dienten, darüber darf man sich weniger wundern, 
auch die larpeTa mögen ihnen beigesellt werden ; aber sonder- 
barer kann es scheinen, dass auch die Werkstatten der ge- 
meineren Handwerker auf gleiche Weise besucht wurden, wie 
z. B. bei Lysias axurozopecn genannt werden. Ueberhaupt 
aber hat es für uns, die wir nicht anders einen solchen Ort be- 
treten als um etwas zu kaufiMi oder zu bestellen, etwas höchst 
befremdliches, dass man ohne weiteres und bloss der Unter- 
haltung wegen die Ergasterien besuchen und in denselben 
verweilen konnte. Und doch war es so. Man sehe z. B. 
Xenoph. Mem. IV. 2. 1: xazapaHiuv ydp EuHooT^pov . . . 
xabtZovra tlg rjVtnmneTäv n tcüv iyyug zr^g dyopäg, £tg zouzo 
xa.\ auTog r,ti ziov /xe^' oütom ztvag i^ujv [und Machon bei 
Athen. XIII, p. .181: 

dvdytoyog u>v dk xal ßdvauaog navr*kS>g 
iv axuT(fTofi$i<f} ßura rivtov xai^-qßsvog 
xarte^ükaZ* t^c Vvai^atvm» Xsyiov x. r, /.] 



Ezcurs zur vierten Scene 183 

Solche Oerter erhielten zuweilen gewissermassen eine politi- 
sche Bedeutung, indem einzelne Phylen oder die Einwohner 
gewisser Ortschaften vorzugsweise daselbst sich einfanden. 
Lysias in Panel. § 3: ineeorj Sk dnexpiva-ro ort ilzxtXtco- 
&SV, TzpoaxaXeadiievog adzov xal npog rouQ rfj 'iTcnoBoJvridt 8t- 
xä!^ovrag, i?Sujv im to xoupsTov rb napa roug 'Ep/xag, 7va oi 
AsxeXelg T:po<T^otT<i>acv, r^putrouv x. t. X. Ganz ähnlich ist es 
was derselbe § 6 sagt: dxpißiaraza Siv i<paadv fie ruHa^at, 
kXBövra elg rbv yXojpov rupbv rfj ivjj xai via' raoTTj yap t^ 
rjiiipa ZOO /xr^vog kxdazno ixsTae auXleysa^at zobglFlXazatiag. 
Was nun den Markt als Ort des Verkaufs anlangt, so 
fehlt es nicht an Notizen, um ein ziemlich anschauliches Bild 
von der Weise zu liefern , wie daselbst der Handel betrieben 
wurde. Ehe sich indessen eine Schilderung der Verkäufer 
geben lässt, ist es nöthig, von den verschiedenen Klassen von 
Kaufleuten oder richtiger Handelsleuten, und der Ansicht, 
welche über diese Art von Geschäften die herrschende war, 
zu sprechen. — [Plato theilt den ganzen Handel folgender- 
raassen Sophist, p. 223: xai jx^v au (prioopsv dyopaazcxijv 
oiyfj zi/xveffl^ai, z^v /ikv zöjv ahzoopfutv ahzonwkxrjv 8taipoöji£vot^ 
T^v ok zd dX).6zpca epya jiezaßaXXojxivrjV lUzaßXr^zixfjv . . . zr^g Sk 
/lezaßXrjzcxTJg rj fxev xazä tzuAiv dX^ayfi, oysobv auzijg r^iiiau pA- 
pog ov, xaTvqXixrj npoaayopeüezat^ zb de ys i$ äUr^g slg äXXrjv 
noXcv diaXXazzopevov wvfj xa) npdaec iprMpixij. Er unterschei- 
det also zunächst den Selbstproduzenten von dem Händler mit 
fremden Produkten (vgl. Polit. p. 260 : xaßdnep jy zojv xarrrjXojv 
ziyyri zr^g zwv auzoTiujXujv oiwpcazai ziyyr,g^\ die pszaßXrjzix^ 
d. h. der Umtausch, als allgemeinster Begriff für Händler, zer- 
fällt ihm wieder in den Waarenaustausch zwischen verschie- 
denen Städten und Staaten und in den Vertrieb innerhalb 
des Landes. Aristoteles dagegen spricht sich verschieden, 
aber nicht, wie Becker gemeint hat, in widersprechender 
Weise über die mancherlei Arten des Handels aus. Zu- 
nächst nennt er drei Arten, ijxnopta^ zoxeapug, pta^apvCa: 



134 Excurs zur rierten Scene. 

Polit. L 11, p. 1258, und versteht darunter Kaufhandel, 
Zinsgeschäft und Vermiethung von Arbeitskraft (die auch 
Plut. Polit. p. 290 und Eepubl. II. p. 371 als u'mprjrtKf] 
und Scaxovca bezeichnet). Den Kaufhandel spaltet er wieder 
in vauxXrjpia, (popTr^yia und napdazamg : Polit. a. a. 0., was 
der Khederei oder Bodmerei, dem Frachtgeschäfte und dem 
eigentlichen Ausstellen zum Verkaufe (schwerlich, wie Her- 
mann in Privatalterth. § 45, n. 7 will, der Commandite 
am Bestimmungsorte der Waaren) entspräche. Der allgemeine 
Verkauf scheidet sich dann endlich in Grosshandel und Kram- 
handel: Aristo t. Polit. IV. 4: Xiyu) 8' dyopatov zb Tzspl 
rag npdaeig xai -zag ojväg xal ijirMpiag xat xaTUjXeiag 8ca- 
Tpcßov. Vergl. Büchsenschütz Besitz und Erwerb 
S. 454 ff.] Der Landmann also, der seine Waare zur Stadt 
bringt, der Handwerker, der seine Arbeit verkauft, das Weib, 
das selbstverfertigte Kränze und Tänien feil bietet, sie gehö- 
ren sämmtlich in die Klasse der aorurMAat. Auf der anderen 
Seite steht der xdTn^Xog wiederum dem i[XTiopog entgegen, der 
fremde d. h. ausländische Waaren zuführt und damit Gross- 
handel treibt. Plato Protag. p. 313. Der xdmjXog aber 
ist der Kleinhändler oder Detaillist, der gekaufte Waare im 
Einzelnen wieder verkauft; vgl. Plato Polit. p. 260: iiujhj- 
i^ivza noo npo'tpuv ipyo. dXkurpta napads^onevnc oeuTspov 
TZiu^oüfft Tidhv Ol xdTTTjkoc, oder noch deutlicher Xenoph. Me- 
mo r. III. 7. 6: Toug iv r^ dyop^ jxeraßakXoiiivoog xai <ppov- 
TcCovrag, S, rt iXärrovog npid/uvot Tihcovog dnooiuvrat. Die 
wichtigste Stelle über den Handel dieser xdirrjhn und den Ab- 
satz der Waaren überhaupt findet sich bei Plato de re- 
publ. II, p. 871: S.V ouv xopißag o yeojpybg elg t^v dyopdv 
Ti u)V noce? ^ reg äXXog tu>v Srjfiinupyujv p.^ eig rov aurbv %p6- 
vnv ^xjj ToTg dso/iivocg r/i nap^ (jÜjtoTj dXXd^aathn^ d^iyijatt rijg 
ahroo orjptoupyiag xabijpEvog iv dyoptf; oooa/iiog , tj 5' ßc" 
dXX^ elaiv o? touto opujvreg iaorobg inl t^v dcaxov/av rdvzooai 
ra/iTTjV, iv pkv Toug i'tpi^iug olxoujidvacg m'tXtat a^edov rt ol 



Excura zur vierten Scene. 135 

dff&eveaTaroc rä oiofiara xal d^peToc äXXo ipyov npdrrscv' 
auzoü yäp 8b7 jiivovTag aorohg Tiept tyjv äyopäv rä fxkv dvr' 
dpyupiou dXXd^aa^ai roTg zi oeofidvoig dnoSoaBac ' rolg 8k dvxi 
atj dpyupiou 8iaXXd-mtv, oaot tc 8iovTat vpiaa^at. outtj dpa^ 
rjv 5' iyuj ^ ij yptia xairfjXiüv rjph yiveaiv ipnocs? rfj noXer ij 
ou xaTrfjXoug xaXoüfxev rohg npog rijv iuvijv re xat npdaiv oia- 
xovouvrag l8pufX£voug iv dyop^ roug 8h nXavijTag inl rag n6- 
Xetg i/inopoug; ndw /ikv ouv. Es mochten also in vielen, viel- 
leicht den meisten Fällen die Landleute ihre Waare früh zur 
Stadt bringen und an die xaryjXnug verkaufen, die dann in 
der Eigenschaft von Hökern erscheinen. Damit stimmt auch 
die Erzählung bei Plutarch. Arat. 8 überein: rj 8s u>pa 
xazrjnecycv, ^Stj (p^zyyojxzviüv dXexrpuuviuv xai uaov our.o) zutv 
iq dypuu TC (pipeiv scujI^utojv npog dyopdv i7:cpyop.£vu}>. Denn 
hätten die Leute den Markt selbst abwarten wollen, so wür- 
den sie nicht vor Tagesanbruch gekommen sein, da die Ver- 
kaufszeit wenigstens drei Stunden später begann. 

Als Wiederverkäufer gekaufter Waaren werden die xamy- 
Xot auch TjxXiyxdr.rjXoc genannt, Poll. VIL 12. Als Hermes 
bei Chremylos aufgenommen sein will, antwortet Karion, sie 
brauchten keinen 'Ep/i^g TtaXcyxdjnjXog, Aristoph. Plut. 1156; 
vgl. Demosth. in Dionysod. §7 TtaXcyxarnjXsüen'. Indem 
Begriffe des Wortes selbst liegt es, dass nicht bloss auf Vic- 
tualien ihr Handel sich beschränkte, sondern es xairfjXoog in 
allen Waarenartikeln geben konnte. So kommt bei Aristoph. 
Pax 1210 ein or.Xwv xdnrjXog vor, bei Plutarch. Pericl. 24 
•npaßa-oxaTzr^Xog, bei Lucian. adv. ind. 24 dv8pa7:o8oxd7ajXog, 
6 xai aiuixa-ipL-opog xai pzraßoXzhg dvopaTToowv, wie Eustath. 
ad Odyss. L 262, p. 1416. 23 erklärt. Bei Lysias de 
caede Erat. § 14 werden Fackeln, 8a8sg, in einem xaTnjXelov 
gekauft. Nikostratos bei Athen. XV. 59, p. 700 sagt: 

— (5 xaTzrjXog yäp o'jx rütv yetTovtuv, 
äv t' dtvon äv T£ (savüv äKodütrai rivt 
äv r ' b^oq, äTzinsßtp ' 6 xardparos dous udwp. 



186 Excura zur vierten Scene. 

Am allerhäufigsten aber versteht man bei dem Namen den, 
welcher Wein im Einzelnen verkauft oder ausschenkt. Das 
sieht man am besten aus Plato's Gorg. p. 518: ßeapfuiv b 
dproxoTiog xac MiBaixog b rrjv dipoTzouav aoYyeypacpujg zr^v 2t- 
xeXtx^v xa\ 2Jdpa/ißog 6 xdntjXog, St: outoc &aufid(Tioe ya- 
yovaai craj/xazcuv ^eparnuzac, 6 jxkv äproog Baufxaazous Tzapa- 
axsud^iuv, 6 8k o<l^ov, b 8k olvov und Po 11. VII. 193: xd- 
wfjXoi 8k oh fxuvov ol /xezaßoXeTg, d^M xac ol zbv otvov xepav- 
vüvzeg. Daher wird diese Waare am häufigsten in Bezug auf 
ihn genannt. Lucian. Hermot. 58: rßrj r.ozk ohov inpiot 
abzog; xai p-dXa TioXXdxig. dp^ ouv r^tpif^zig driavzag iv xüxko) 
rohg iv zfj Ttükei xaiirjXoug dnoj'euüp.evog xac Trapaßd^atv xat 
dvze^Ezd^ojv roijg ocvoug; [Antiphanes bei Athen. X. p.441: 

yeiTiuv iffTt tcs 
xärtTj^og, ouzog eö^ug, urav sh'^w tcots 
diipwaa, ßovoq oW wg yi fiot xspäwurai, 
oö??' bdapzq oör' äxpazov.] 

Hier mochten dann auch die meisten Betrögereien in Maass 
und Verfälschung vorfallen. Lucian a. a. 0.: ozt xa\ <pc).6- 
aoipol d7:o8c8ovzac zd pafUjpaza^ cbansp ol xanr^Xoc^ xzpaffdfie- 
vo{ ye ol noXXoc xa\ 8oXdKTavz£g xal xaxopezpoüvzsg. Man 
setzte gleichsam die Verfälschung oder Verdünnung dabei vor- 
aus. So schildert den Jüngern Dionysios PI utarch. Timol. 14: 
xaBijfievov iv popornuXccu , m'vovra xexpapevov dnb zojv xaroy- 
h(iuv^ und der Komiker Theopouipos gründete darauf einiMi 
witzigen Vorgleich mit der von den Spartanern den Griechen 
gewährten Freiheit. PI utarch. Lysand. 13: dn£cxd!^ujv zoug 
AaxeSaifiovioug zaTg xam^X/acv, ozt zoug "EXh^vag rj8cazov ixotov 
T^ff iXtoBtplag ytbaavTtg S^og ivi^tav. Vgl. Diog. Laört. I. 
104 und Die Chrysost. Or. XXXI. 37: dXld zoug pkv xa- 
rrfjXoog rovg iv rotg jxSTpoig xaxoupyoüvzag ^ otg b ß(og iazh 
abrobtv^ dnb ala^poxcp8t(ag , [uaitrt xa\ xoXd^zzs. (üass 
auch Verbote gegen falsches Maass und Gewicht existirtcn, 
ist aus dem Volksbescbluss bei BOckh C. Inscr. n. 123 or- 



Excurs nur Tierten Scene. 187 

sichtlich, der freilich erst aus der Zeit nach 300 v. Chr. 
stammt.] 

Diese Kleinhändler nun hatten natürlich nicht ihre Waare 
bloss auf oder au dem Markte feil, sondern es gab xa-rr^X^ia 
in der ganzen Stadt. Solche Oerter aber zu besuchen, um 
daselbst etwas zu geniessen, galt besonders in älterer Zeit für 
höchst unanständig, worauf sich die Anekdote bezieht, welche 
bei Plutarch. de pro f. in virt. 11 von Diogenes erzählt 
und bei Diog. Laert. VI. 34 und dem Verf. der Vit. X 
Orat. p. 847 auf Demosthenes bezogen wird: äcoyzvr^g dk o 
xuujv ^Eaffäfievog aljzov tiozs (J;j/xo<ti9£v>jv) iu xaTrr^Xeiu) altr/u- 
v6/xsvov xal uTTo^uipoüvra , scttsv, oaip iiäXXov üno^iupeTg, zo- 
croüzo) ixälXov iv zw xa7njkz.i(i) ecrrj. Isokrates sagt von der 
alten Zeit Areopag. §. 49: h xaTzr^Xziio oh (payslv iy TOsrv 
oudelg ou8' oiv ocxdzr^g imsixr^g izö^/irjasv ffs/ivuveffßai yap ifis- 
Mzu)v, dXr oh ßu)[xoXo'/EÖeal^at, undAthenäos, der sich auf 
diese Worte bezieht, fügt ein Beispiel hinzu, wie ein solches 
Vergessen seiner Würde geahndet wurde, XIII, p. 566 : 
TTiepscSr^g o' iv zai xaza IJazpoxXsoug, ec yv^atog b Xoyog^ 
zoug 'Apsconaytzag (pr^aiv dpiazijaavzd ztva kv xaTzr^Kttü) xiuXu- 
aai dvcivat scg "Apttov Tidyov. Indem aber Isokrates dieses zum 
Ruhme der früheren Zeit sagt, weist er selbst darauf hin, 
dass es in seiner Zeit nicht selten geschehen mochte. Schon 
in einem Fragmente des Eubulos bei Athen. XI, p. 473 
heisst es: 

iyiu (Je, xal yäp Mruyev ov xazavzixpü 

Tiys olxiaq xaii/öv xainjkeiov ßiya, 

ivzau^ ' ixsrrjpouv zijv rpo^^v t^s nap^ivou, 

xepdaai xs^eüaag xuv xänr/kov fioi y^oa 

dßokoü Tiapa&eXvai i?' wj ßiyiazov xdv^apov. 

Sehr übel berüchtigt waren nach Phylarchos bei Athen. 
X, p. 442 und Theopompos ebend. XII, p. 526, auch 
Aelian. Var. Hist. III. 14 die Bewohner von Byzanz, von 
denen sogar erzählt wird, dass sie ihre eigenen Häuser ver- 



188 Excurs zur vierten Scene. 

Diiethet und ihre Wohnung in den Weinhäusern {xaTcr^hioig) 
genommen hätten. Ein xanr^Xscov, wo mehrere Personen um 
einen Tisch sitzend trinken, ist vermuthlich auf einem pom- 
pejanischen Wandgemälde dargestellt. S. Gell Pompejana 
(Neue Folge) Lond. 1835, t. 11, pl. 80 oder Mus. Borbon. 
IV. A. 

Ueberhaupt war das ganze Gewerbe der xdmrjXot tief ver- 
achtet, worüber man sich um so weniger wundern darf, als 
auch der Handel überhaupt zu keiner Zeit in besonderem An- 
sehen stand. Zwar erzählt Plutarch. Sol. 2, dass Solon 
selbst Handel getrieben habe, und dass der gewöhnlichen Sage 
nach dieses der eigentliche Zweck seiner Iteisen gewesen sei. 
Er setzt hinzu: iv dk roTg töts /povoig xa&' 'Haiooov {epy. 
311) ipyov ouokv rjv uvziBog ouok t£/vjj dca^opdv i^spsv, ip.- 
r.opia dk xal 86^av s.lye.v uixstoojiivrj rd ßapßapixd, und führt 
auch an, dass Thaies Handel getrieben und Plato auf seiner 
Reise nach Aegypten ein Geschäft mit Oel gemacht habe; 
allein so wenig jemand wird leugnen können, dass auch Athe- 
ner als ipropoi Handel getrieben haben, so wird doch durch 
jene mühsame Argumentation das ou^av et^s nicht bewiesen 
werden können [ja, es beweist geradezu diese Hervorhebung, 
zu der man noch Zeno und den Mathematiker Hippokrates 
nach Diog. Laört. VH, 5, Plut. de tranquill. au. 6 u. 
Solon. 2 zählen kann, dass nur ganz besondere Veran- 
lassungen diese seltenen Fälle erzeugten.] Der Athener gab 
wobl das Geld zu Geschäften der Art her, [und Xenoph. de 
Vectig. 3, 7 ff. sowie Isocrat. Aroopag. §.32 loben dieses 
Darleihen von Kapitalion im Interesse des Staates]; aber die 
Betreibung selbst hielt er nicht für ehrenvoll, und sie konnte 
sogar zum Vorwurfe gemacht werden, wie z. B. bei Andoc 
de myst. §. 137: xarrjöprjaav od poo xai nepl zotv vaoxXrj- 
ptotv xa\ ntp\ r^c ip-noplaQ x.r.h Aristoteles sagt do 
republ. I. 10, p. 1258 1) Bokk. allgemein: rffi psraßXrjrcx^g 
<l>eptpevije dtxa/iug, und Plato Leg. XI, § 918 erklärt sie für 



Excurs zur vierten Scene. 2g9 

eine Schmach : ndvra zd nsfu -nyv xaTrrjXeiav xai iiinopt'av xat 
navSoxcav yivTj ocaßißhrjrai re xai iv ah^poTi ydyovev dvec- 
deatv. [Ein Hauptgrund gegen die iixr.opta lag schon darin, 
dass dieselbe sich grösstentheils in den Händen der Metöken 
befand, und wenn auch der Grosshändler nicht in so unmittel- 
bare Berührung mit dem Publikum gerieth, wie der Krämer, 
so setzte ihn doch die Meinung von der Unredlichkeit und Ge- 
winnsucht, welche dem ganzen Stande anklebte (vgl. Plaut. 
Asinar. I, 3, 50: »Graeca fide mercari« u. Demosth. pro 
Phorm. §. 44) in den Augen desselben herab. Dazu kommt 
noch, dass es überhaupt eines unabhängigen Bürgers für un- 
würdig galt, die fortwährende Bereicherung berufsmässig zu 
treiben, wodurch er sich eben mit dem Banausen auf gleiche 
Stufe stellte. Vergl. Büchsenschütz S. 275 ff. und 510 ff. 
Drumann, Arbeiter und Communisten, S. 66 ff. 

Die tiefe Geringschätzung der xanrjhca aus der mensch- 
lichen Natur herzuleiten, versucht Plato Leg. XI, p. 919; 
und dass man nicht nur in Athen die Sache so ansah, beweist 
das Gesetz, welches Aristot. de republ. HI. 5, p. 1278 von 
Theben anführt: iv Si^ßatg ok vo/xog ^v, -uv oixa irüjv fiij 
dnsa^rjixdvov T^g- dyopdg p.rj psTS/ecv dpyrfi. Den Weibern 
in Athen war es keineswegs verboten, sich beim Feilhalten 
von Waaren auf der dyopd zu betheiligen. Bei Aristoph. 
Ean. 1346 heisst es: 

iyu} d' ä rdAatva npotri^outr^ ^uyov 

ifiauTTjs Mpyoim, 

xktuar^pa Trocoüa', oitiui 

xve^aiog elg äyopdv 

tpipoüa' dizodoifuiv, 

ebenso Thesmoph. 446: 

iftol ydp ävTjp dni^avev fikv iv Küizpip 
naiddpta Trevre xaTaknitöv, dyuß fiohg 
arstfavi^nkoxoüa'' ißotrxov iv ratg ßuppivatq. 

Des Euripides Mutter war eine Gemüsehändlerin: Aristoph. 



190 Excurs zur vierten Scene. 

Thesmoph. 387 und an andern Stellen, vgl. Theopompos 
bei Gell. Noct. Att. XV. 20; Valer. Max. III. 4 und Plin. 
Nat. H. XXII. 38. So ist auch die beleidigte dpzürMXtg in 
den Wespen des Aristophanes eine Bürgerin; denn sie 
sagt 1396: 

oö Tot ßä TU) ßeu) xazaizpoi^ei MupTiaq 
T^5 ^Ayxukitavog d^uyatipoq xai Zwar pdxTjq^ 
oÜTU) 3ta<p{^£ipag ißoü tö <popxia, 

und Lysistrata ruft v. 456 ihre Mitstreiterinnen mit den 

Worten zu Hülfe: 

S} ^ußßa^ot yuvdixeq ixßecr' IV^ojJev, 
<L a7:epjj.a/opatoAsxi&oAa^avoT:(üAtdeg, 
w axopodonavdoxeuT ptapTonutkideq 

und fügt dann höhnend hinzu: 

äXXa tI yäp wou ; tzöt e pov int doukaq Tiväq 
T^xetv ivoptffas; 

Ja, es gab gesetzliche Bestimmungen, welche verboten, Bür- 
gerinnen, wie Bürgern den Betrieb der Marktgeschäfte zum 
Vorwurfe zu machen: Demosth. in Eubul. §.30: nep} 8k 
T^f ixrjzpug — — ou /xövov napä rä (^'T^^tcrfiaTa t« Ttepi zijv 
dyopäv diißaXXev ^fxäg EbßouXtdr^g, dXXä xai mxpä roug vapoug^ 
Ol xe^EÜauatv evo^ov ecvac rrj xaxrjyopcgi ruv Trjv kpyaaUx'v ■njv 
iv T^ dyop^ ^ Tu)V nohzwv ^ -uiv ttoXctc^wv övstdi^ovrä rtve. 
^fieTs 8' ofioXoyoupLev xai zacviag tiujXsTv xai C^v ou^ ovreva 
rpönov ßouXops&a, und gleich darauf nennt der Kläger seine 
Mutter selbst eine zaivamiüXtg. Becker hat sich nun grosse 
Mflbe gegeben, den Widerspruch zu beseitigen, den zu diesem 
Schutze der Marktverkäuferinnen eine von Harpocration und 
Suidas 8. V. niuXCIJat aus Pseudo - Demosth. in Neaer. 
§. 67 reproducirto Stelle bildet, welclio so lautet: rüv ts vo/wv 
ini TouTotg naps^o/xtvog, og oux i<f. im raöraig poi^ov XaßeTv, 
önoaai Hv in' ipyaarr^pt'ou xdi^tuvzai rj iv t^ äyoptf. ntoXCoal 
VI dnone^aa/iivwg , ipyaoTrjptov <pdaxwv xai ruuro dvat^ t^v 



Excurs zur vierten Scene. 191 

Ireipdvou ocxi'av. Allein offenbar ist dieses Gesetz identisch 
mit dem solonischen beiPlutarch. Sol.23: HoXiov, Stv Tipoa- 
ywyeu^ Tcg ^r^/xcav el'xuac 8f)a^}iaQ ira^s, n^v oaat r.efaafxi' 
vwg noXodvrac (vgl. H e s y c h. : nepc ru aurb dvaazp£<fovzai\ 
Xiyiuv 8rj rag tralpag' oLrai yap e/i^avtD? (poiTujat npog zohg 
ScdövTag, und weniger vollständig bei Lys. in Eratosth. 
§. 19: offac 8k ne^aaiiivtug noXouvrat. — — t" p.hv -äitttpa- 
ap.i\>u)g<i. icrrc »^avspuig« , »no^äTa^acn 8k i>ßa8c^scv<i , und da 
die neueren Herausgeber hier nokowrai anstatt des früheren 
moXowrai schreiben, so ist wohl auch bei Pseudo-Demosthenes 
anstatt des unpassenden 7ra»^üi<T«' rr : TroAtüvraf herzustellen, bei 
dem dann der Zusatz iv dyop^ ebenfalls keinen Anstoss er- 
regt; oTiuaai fnuXiüvzat hatte Harpocration bereits selbst s. v. 
änons.(faa[jievo)). Vgl. K. F. Hermann zu dieser Stelle des 
Charicles und Westermann ad Plut. Sei. p. 57. Hat nun 
aber auch diese Bestimmung in Bezug auf die p.ot^£ta im 
Allgemeinen keinen Zusammenhang mit den Verkäuferinnen 
(die Kranzbinderinnen und besonders die Flötenspielerinnen 
ausgenommen, vgl. Plut. Arat. 6), so zeigt doch schon die 
Nothwendigkeit eines Verbotes zum Schutze des Kleinhandels 
in so früher Zeit, dass ebenderselbe sehr niedrig in der Achtung 
der Athener stand, und nur die ärmsten und gemeinsten Bür- 
gerweiber werden sich mit der Hökerei befasst haben. Man 
sieht dies schon aus den oben citirten Worten des Euxitheos 
bei Demosth. in Eubul. §. 30, der §. 34 auch den Fall als 
möglich denkt, dass man seine Mutter auf dem Markte für 
ein Metökin oder sogar Sclavin habe halten können, und na- 
türlich drückte auch diese leidige Konkurrenz mit der ver- 
achtetsten Klasse den Erwerbszweig herunter; wirklich erwähnt 
wird eine Sklavin als Verkäuferin z. B. bei Aeschin. in 
Timarch. §. 97, wo er unter dem von Timarch verschwen- 
deten Vermögen auch nennt: yuvatxa dnöpycva imcrra/idi'rjv 
ipyd^so&ai xat ipya ?,s7:zd slg zijv dyopdv ix^ipouaav.] 
Der Verkauf der Waaren wurde auf verschiedene Weise 



192 Excurs zur vierten Scene. 

bewerkstelligt. Der Grosshändler, e/inopog, verkaufte, wie es 
scheint, gewöhnlich nach der Probe, SeTy/ia. Für diesen Zweck 
gab es im Peiräeus und natürlich auch in anderen Häfen 
[z.B. in Rhodos: Polyb. V. 88, 8 und Diodor. XIX. 45, 
in Olbia: Corp. Ins er. Gr. II, n. 2058 B.] einen besonderen 
Ort, der eben diesen Namen führte. Harpocration: 8eTyfia- 
xupcwg fjLSV Tt» dscxvu/ievov d^p' kxdarou xiöv TitoXooiiiviüV' ijdi^ 
Ss xal TÖrtos reg iv riu ^A^rjvjjatv i/JLnopca), elg dv rä Seiyiiara 
ixoficZero, oonug ixaXelro. Vgl. Poll. IX. 34 [Xenoph. 
Hellen. V. 1, 25; Aristoph. Equit. 978; Böckh Staats- 
haush. I, S. 84; Ulrichs in Zeitschr. für Alterthums- 
wiss. 1844. S. 34; Büchsenschütz Bes. u. Erw. S. 462.] 
Aber nicht nur eine solche Ausstellung der Waaren fand Statt, 
man trug auch die Proben umher und bot die Waaren an. 
Demosthenes sagte, als von Alexander seine Auslieferung ver- 
langt wurde, nach Plut. Demosth. 23: äjg zoug ifxnöpoug 
6püjp.£v, ozav iv rpoßXtü) dstyiia ittpttpipiüai^ Sc' h\iyiov nupatv 
Toug TMXXohg Tzmpdaxovrag ^ ourwg iv rjpxv XavB^dvsre izdvrag 
auToug auv£xSc86vT£g. Darauf bezieht sich wohl auch Plato 
Leg. VII, p. 788: S Sk Xiya), orjXvJaai netpazdov, ocov dttyp-ara 
i^eviyxovra elg ipujg. Sehr ergötzlich ist es zu sehen, wie 
ein Weinhändler, ohxmüjh^g^ w\\\, der Flasche unter dem Arme 
amhergeht und nach der Probe den Wein im Einzelnen ver- 
kauft, was sonst Sache des xän^Xog ist. Diphil. bei Athen. 
XI, p. 499: 

— ut rotxiupü}(ov 

ixsivo xal TMv rJuvaßivtuv kayitviov 

l)(ov ßadiCtiv eis rd ysüfia<9' önd ßdhji 

xal TouTO TCtuXtlv, füxpt ^v mantp iv ipdv(p 

tli kotntii jj xdmjkoi ijdixtjtxivoi 

öjt' olvondiXou. 

Aus der Klage über Beeinträchtigung lässt sich indessen nicht 
auf eine gesetzlich ausgesprochene Beschränkung der Handels- 
freiheit schliessen. Zunftmässige Klassen von Kauf loutou, wie 



Excurs zur rierten Scene. 193 

unsere Zeit sie kennt, gab es so wenig als eigentliche Mono- 
pole, d. b. ausschliessliche Berechtigung des Einzelnen zu einer 
Art des Handels, die nur in gewissen Fällen der Staat selbst 
sich vindicirte. S. Böckh Staatshaush. Th. I, S. 73. [u. 
Büchsenschütz Bes. u. Erw. S. 547 ff.] Der Privatmann 
konnte nur in sofern sich eine [io\>o7:ioMa oder ein fiovonutkeov 
(Poll. VII. 11) verschaffen, als er Spekulation genug besass, 
um einen bestimmten Handelsartikel ganz aufzukaufen, so 
dass nun aller Bedarf von ihm bezogen werden musste, wie 
Aristot. de republ. I. 11 von Thaies von Milet und einem 
Syrakusier erzählt. Indessen hat es ganz den Charakter eines 
Brevets oder Privilegiums, was Phylarch bei Athen. XU, 
p. 521 von Sybaris berichtet: el 8s ng rcjv d^onoitvv ^ fta- 
yzipujv \'8tov eupoc ßpiofia xac nepcrröv, -nyv i$ouaiav firj elvai 
^pijaaad^ai zoünp irepov npö iveaurou. 

Im Kleinhandel scheint das Herumtragen und Ausrufen 
gewisser Artikel nicht ungewöhnlich gewesen zu sein. Viel- 
leicht spielt darauf auch Aristoph. Acbarn. 33 an: 
OTuyöjv ßkv ä<nu, ruv <J' ifwv dyjfiov ■Kodütv, 
8? obÖEntönor^ elnev »ävßpaxag nptu/d 
ohx »^^os«, obx riiAatova, oW ^drj Diipttot. 

Die Sache bezeugt jedenfalls Dem. c. Ar ist. §.201: uxmep 61 
Ta ptxpä xa\ xopcd^ (pwJXa dTtoxrjpurrovreg ouro) ncuXouacv 
insuojveZovreg, und Plut. Apophth. Lac. 62: STepog kXbwv 
slg 'A&:^vag xal 6pu>v Toug 'A&r]vacous tu zdpt^og dnoxTjpurrovra 
xa} TÖ oipov X. T. X. [Das eigentliche Hausiren beweist D i o 
Chrysost. LIV. 3: ojanep oi rd wvia rä (pauXa Ssixvuvreg iv 
T^ dyoplf xae Tispc^epovzsg stiI rag &upag, vgl. mit Diphilos bei 
Athen. II, p. 55: xazä zrjv b8bv rcioXstv nepmazwv ßoukopat 
^68a, pa<pavt8ag^ {^spjioxodpoug, azipcpoXa, änXutg anavra päX- 
Xov ^ zauzag zpifttv. Bestimmt vom Lande spricht Anti- 
phanes bei Athen. VIII, p. 358: elg dypuv tjXHv fipuiv 
noz' l^SooniuXr^g {xacviSag xal zpcyX:8ag. Vgl. Appulej. Me- 
tam. I. 4.] Aber der Haupthandel fand natürlich auf dem 

Charikles 11. 13 



294 Excurs zur vierten Scene. 

Markte Statt, theils in den ihn umgebenden Tabernen, theils 
auf dem Platze selbst. Diesen Platz darf man zunächst sich 
nicht etwa gepflastert vorstellen. Strassenpflaster gehört über- 
haupt vor der römischen Zeit und noch später zu den selte- 
nen Ausnahmen. Wenn man gar schon bei den Phäaken eine 
gepflasterte dyopd hat finden wollen, indem man die Worte 
Odyss. VI. 267: 

PuToTmv Xdeaai xartopu^isaff' äpapula, 
davon verstand, so ist dieses ein grosser Irrthum. Diese pozoi 
Xäes sind nichts anderes als die steinernen Sitze, auf denen 
die Versammlung Platz nimmt; VIII. 6: 

und V. 16: 

xapTzakißwq ißnkrivTO ßpoTwv äyopai re xal idpat. 
[Auch hätten ja, wie Am eis zu Hom. Od. VI, 267 richtig 
gegen Curtius zur Gesch. d. Wegebaues S. 31 bemerkt, 
die VIII. 109 ff. geschilderten Wettkämpfe nicht auf Pflaster 
gehalten werden können.] Als etwas Besonderes erwähnt 
Strabo XIV. 1. 37, dass in Smyrna gepflasterte Strassen, 
b8o\ kSoarpojToc, waren. Wenn er dagegen von derselben 
Stadt tadelnd bemerkt, dass sie keine unterirdischen Schleu- 
sen gehabt habe {ras odous aropevvuvreg uno/fpucrecs oux ido)- 
xav auTuTs), 80 scheinen diese in Athen nicht gefehlt zu 
haben. S. Ariatoph. Pax 99 mit dem Schol. Ueborliaupt 
aber wird man sich die Strassen, besonders bei übler Witte- 
rung, nicht sehr sauber zu denken haben. [Für Athen vgl. 
Aristoph. Vosp. 248 ff.; für Platää Thucyd. II. 4; für 
Korinth Athen. XIII, p. 585; für Theben E üb ul. bei Athen. 
X, p. 417. Dagegen bezieht sich mehr auf Landstrassen die 
Schilderung bei Lucian. Tragop. 226 ff.: 
iarpwfidvrjv )^dki^tv tlffsßrjv bS6v 
%a\ dutmdrrjTov ti^iaiv xivrpoii kli^tuv 
fjL»^^ ^v dkia^tf} ntpmtatuv Aelaf ödoü 
üaittudov i{ TÖ itp6o{^tf didXuToe di fiou 
tauptv fhdatu wrjXbi dtr^evij atpupd. 



Excurs zur vierten Scene. \9S 

Denn v. 233 heisst es: 

o&ev fte di)(erai näv difiaq xtxßrjxora 
icKarela ßkv xikeu&oq, äkX* obx äa^akrjQ, 
Tä fihv yäp Svt^sv, rä Ss ixec^sv ö/i^ßara 
TJnetyeu, ijvdyxaZtv, ^anep^ev rpi)(£iv. 

Auch die von Pin dar. Pyth. V, 95 genannte axoptozä SSog 
in Kyrene war nach Böckh zu der Stelle und Staatshaus h. 
B. I, S. 184 nur eine chaussirte Strasse und so mögen auch 
die wieder aufgefundenen gepflasterten Wege in Ephesos und 
Pergamon, sowie die von Strabo erwähnten in Smyrna aus 
der römischen Periode stammen.] 

Eine sehr nützliche Einrichtung war es, dass für den Ver- 
kauf der verschiedenen Waaren auch besondere Äbtheilungen 
bestimmt waren. Diese Abtheilungen scheinen xüxXoi geheissen 
zu haben. Gewöhnlich nimmt man zwar an, dass eine beson- 
dere Stelle, wo Küchengeräthe, Fleisch u. dergl. verkauft wor- 
den sei, diesen Namen geführt habe; aber wenn man die 
Stellen, wo er erwähnt wird, vergleicht, so ergiebt sich, dass 
vielmehr der ganze Raum, welcher die sämmtlichen oder meisten 
Abtheilungen umfasste, xOxXot genannt wurde, so dass jede 
derselben für einen xuxXoq gelten muss. Die Hauptstellen 
darüber sind: Po 11. X. 18: Tva 8' imTipdaxszo zä axeorj, tt^q 
dyopäg tu fxepog rouro x()xl.oi uivofxdCovTo , ojg AXe^cg unodi^- 
Xoov eocxsv iv KaXaacpidr noc 8rj p.' äyztg 8iä töjv xuxXiov ; 
aaipiarepov 8h iv rat Macvopsvo) dc^iXog' 

xai ■Kpoairi roivuv ia^dpav, xkivrjv, xddov, 
arpmfiaTa, aiyuvov, äaxÖTtrjpav, ^ökaxov, 
&aT ' OL» ffzparuÖTTjv av rtq, äkXä xal xüxXov 
ix -nys äyopäg dp&uv ßadiZsiv ünoXdßof 
roaoÜTÖg i(T&^ 6 yöÄTrog, 8v <tü nept^ipetq. 

Hier sind allerdings lauter axeorj genannt, allein es heisst ja 
auch nur xöxXov ex rfjg äyopäg^ das ist eben eine einzelne 
Abtheilung. Dagegen sagt Pollux VH. 11: xai xoxXoi 8k 
kv 7^ via. x(up(i)8iq. xaXoüvzat ig otg naipdaxerat rä dvSpd- 

13» 



^Q$ Ezcurs zur vierten Scene. 

Ttoda, Yffojg xai rä Xomä u)via: ebenso Hesychius: xuxXo: 

TtepcßoXog xai kv dyopa totto?, iv^a axtbrj xai adj^xara mnpd' 

axovrac, und Harpocr. : xuxXoc ixa?.odvro ol tutzoi kv utg 

iTtcuXouvTÖ Tives, mit dem Bruchstücke aus Menander: 

ij'ib fikv rjdrj ßoi doxut, vij rouq ^sooq, 

iv rotg xuxAotg ifiaurov äxdsdoxoTa 

öpäv xüxkw Tpi)^ovra xai Tzwkoüßevüv : 

Vgl. Aelian. V. Hist. IL 1 und Schol. Aristoph. Eq. 137: 
b 8k xüxXog 'A&^vrjffcv iarc xadaTisp pdxzXXog ix Trjg xaza- 
axeor^g zrjV izpooriyopiav Xaßwv , iv&a Srj nmpdaxezai ^(upig 
xpeu)v rä äXXa ojvia, i^aipdriug 8s ol t^&c'eg. Man sieht dar- 
aus, dass axeOrj, dvopd7:o8a, xpda, «j^^w?, endlich überhaupt 
rä äUa (uvta genannt werden, dass xoxXog oder xbxlot der 
ganze Ort hiess, wo an verschiedenen Stellen diese Dinge zu 
kaufen waren. 

Die Verkäufer hatten zum Theil Buden, ffxjyv«?, wie es 
scheint aus Ruthen geflochten, inne. Harpocr. oxr^vin^g' kv 
axTjvaTg imnpdaxsro r.oXXä zwv ujviujv: vgl. Böckh. C Ins er. 
t. I, p. 793 mit Isoer. Trapez. §.33 und Demosth. de 
cor. §. 169: Tohg 8^ ix riöv axr^vwv ru)V xarä r^v dyopäv 
i^ecpyov xai rä fipfto- IvtmpTipaaav ^ aus welcher Stelle man 
zugleich sieht, dass der Verkauf auf dem Markte sich nicht 
bloss auf die Zeit der nX^l^ouaa dyopd beschränkte; denn es 
war Abend, als die Nachricht von der Besetzung der Stadt 
Elateia an die Prytanen gelangte und zu dieser Massregel 
Veranlassung gab. Die Frage bleibt nur, wie sich axtjvac 
und yi/'poL zu einander verhalten; und wenn auch in jener 
Stelle die yippn allerdings für axtrAofiara axrjviöv genommen 
werden können, so hat eine zweite melir Schwierigkeit und 
lässt noch auf eine andere Kinrichtung schliossen: in Neacr. 
§. 90: rubg oe npurdvetg xsXeüst ziÜivai zoog xaSiaxoug b v6- 
fiOQ xcä r^v <l>^^ov oi8uvai irpoaeovri tüJ Sijp.<f}, nplv roug 
$ivoug elfftivat xa} zä yi^tpa dvacpeTv. Zu der erste- 
ren Stelle sagt Harpocr. s. v. yippa: \>uv youv zä ztüv axif- 



* Excurs zur vieilen Scene. S97 

vtwv axenda}xaTa xa\ napaxaXOixiiara ijxnfnpaa^a/ <pi^mv b öirj- 
pjoaMvfjQ hizep rou fxij ouvsffTdvai jzspi zä wvia im r^g äyo' 
päg prjdh npog äXXots rcffl zag diarpcßäg e^scv: zu der zwei- 
ten: ijroi ouv rauTÖv to» unkp Krr^mipwvrog ^ TOfoyro vt bno» 
Xtjnriov , ujg napb. rocg ixxXrjaidZooai noJIzatg ^ (p^^og unb 
rojv TTpurdveatv idiSoro npiv scacivac roug ^ivoog xai Ttpiv 
dvacps&rjvac zä nepc^pdypaza, zouzdazc r.ph dvaneza- 
ü&^vat z^ ixxXrjaiq. navzc zS) slnecv ßouXopivw. Er meint also, 
man habe sich der Geflechte, oder was ysppa sonst sein mö- 
gen, bedient, um die Zugänge zu der Pnyx zu versperren, 
bis die Abstimmung vorüber war. Dagegen erklärt es der 
Scholiast zu Aristoph. Acharn. 22 so, als seien viel- 
mehr die Zugänge zur Ekklesia allein offen gelassen worden, 
damit die Bürger sich nicht anderwärts hätten zerstreuen 
können: dvsTrezdwuaav ydp zd yippa xai dnixXstov zag d8oug 
zag prj <pspuuaag elg zr^v ixxXr^atav xaX zd luvta dvjpoov iv 
za?g dyopacg, uncog pij Ttspl zaoza diazpßioisv: und dass die 
ye^pa in der That eine Art Schranken waren, das wird auch 
anderweitig bestätigt. Schol. zu Lucian. de gymn. 32: 
ydppov zzzpdyojvov axinaapa ex azepsdg ßöparjg, w dvzi äanl- 
dog k^piLvzo Hxüd^at . . . ärjpoaMwjg 8s ine zctjv axr^vajv 
xac zu)v neptfpaypdziov. Eustath. ad Odyss. XXII. 184, 
p. 1924. 2: Uaoaaviag 8k ypd(pzt oüz(o' yippa (TXTjvuipaza xai 
Ilepacxd urcXa . . . xai mpc^pdypaza' AYXiog 8k diovuacog, oze 
ysppov xai ol Ttepme^paypivoi zunui xai dam8eg x. z. X. Vgl. 
Etym. M. yip^a und oladivot. Suid. yippa. Hesychius 
sagt : yippa • zd axandapaza ndvza tj zd 8sppdzcva (rxeTtda/iaza, 
und in einer zweiten Glosse: yippa' zd dnö xaXdpwv ^ iza- 
r,(jp(uv ipyaazTjpia. Damit sind also jedenfalls Geflechte ge- 
meint und als solche kann man auch nur die neptippdypaza 
denken. Auch das lateinische Wort gerrae erklärt Festus 
p. 94 Müll, durch crates vimineae. Aber es ist nicht nöthig 
anzunehmen, dass die Budengeflechte dazu gebraucht wurden, 
sondern es waren dazu vielleicht eigene yippa vorhanden. Ja 



198 Excurs zur vierten Scene. 

aus den Worten des Etym. M. ra röüv axrjvejv r.eptfpdyjxara 
Hesse sich vielleicht schliessen, dass die einzelnen xöxXoi solche 
Schranken gehabt hätten. [Was Becker bereits vermuthet 
hatte, dass zur Absperrung der Volksversammlung gegen Fremde 
eigene ^s^^a vorhanden waren, so dass also die von Demo- 
sthenes in der Rede pro Corona genannten mit dem in 
der Kede in Neaeram gar nichts gemein haben, ist bereits 
vonVömel im Frankfurter Herbstprogr. von 1849 und 
Westermann in den Verhandl. d. Sachs. Gesellsch. 
d. Wissensch. 1850, S. 165 — 175 nachgewiesen worden. Die 
yip^a der Verkäufer waren theils einfache Umzäunungen der 
Standplätze, theils dienten sie als Dächer oder Seitenwände 
zu wirklichen Buden; vergl. besonders Pausan. X. 32, 15 
über Tithorea: axr^voj; oi xaKrjXeOovreg notouvzai xaM/xou ts 
xa} äXXrjg oXrjg auToa^sdcou.] 

Die verschiedenen Verkaufsplätze nun hatten sämmtlich 
ihre Benennung nach der Waare, die dort zu haben war, 
und zwar diente namentlich in Athen der Name der Waare 
schlechthin zur Bezeichnung des Orts. Harpocr. s. v. deTyixa' 
earc 8k tu idog llrrcxav tu ar^jiatveiv dm) TÖiv iu tu) tuttüj 
Tobg ruTiüog aoTuüg. Poll. IX. 47: mantp xal Tuug äXXuog 
rdnoog ix tujv mnpaaxo/xevojv, ojg sl <pat£v ^ d-Tv^X^uv dg rotj- 
(pov, xal eis Tov olvuv, xa\ elg toj joTpag. X. 19: woTtsp oi 
'Attcxo) dnu Tu)V m7:paaxup.ev(uv xal tu ^wpca iovü[iaZuv Xi- 
yovreg elg Tou(pov, xal elg zd p-upa, xal elg tuv ^Xcopbv zupöv, 
xcü elg rd dvopdnoda: vgl. Aeschin. c. Timarch. §. 65, 
Aristophan. Equ. 1375, Lysistr. 557, Thesmoph. 454, 
Ran. 1068, Vesp. 789, Lysias c. Pancleon. §.6. Es ist 
nicht leicht ein Handelsartikel, der nicht seinen besonderen 
Ort gehabt zu haben schiene, es sei auf dem Markte selbst 
oder anderswo. Man sehe z. B., was Pollux in der ersteren 
Stelle aus Eupolis anführt: neptr^Xihv elg t« oxüpn(ia xal ra 
xpop^ua xal tuv XißavujTuv xai eui^u tüjv d/Jot/xaTojv xal nepl 
rä Yikffj: [wozu K. F. Hermann noch hinzufügt: xdpua^ 



Excurs zur vierten Scene. 199 

fiupra, dxp68pua Theophr. Charact. 11, epta [laXaxd^ Mp- 
fiot, laxdSsQ Stob. Serm. V. 67, pLpov^ xpufxfxuov, iXatov 
Eustath. ad Odyss. VIII. 260, xup-qßta Aristoph. Equ. 
254, aßrjpog Xenoph. Hellen. III. 3. 7, a^aafm Moeris 
Att. p. 351 und was dort Pierson weiter anführt.] Hier 
mögen nur einige Punkte, die Stoff zu besonderen Bemer- 
kungen darbieten, weiter verfolgt werden. 

Zuerst sei der yuvaixeta äyopd gedacht, die einige Male 
in zweifelhafter Bedeutung erwähnt wird. Theophr. Cha- 
ract. 2: dpLsXsc 8e xac rä ix yuvacxeiag dyopäg Scaxovrjacu 
duvarbg dnvsoari. Man hat sich schnell mit der Erklärung 
begnügt, welche Pol lux X. 18 giebt: xa\ prjv el yuvaexscav 
dyopäv Tüv TOTiov oh rä axeurj rä rocaura mnpdaxouatv e^i- 
Xoig xaXeTv, eupoig &v iv rais I^uvapiazcixTaig Mevdvdpou rb 
üvo/xa. Man sieht deutlich, dass Pollux nur selbst dem Na- 
men diese Beziehung giebt, während bei Menander ver- 
muthlich sich keine Andeutung für die Erklärung fand. Dem- 
ungeachtet ist man dabei stehen geblieben, indem man an- 
nahm, dass in diesen xüxXocg der Einkauf meistens von Frauen 
gemacht worden sei. S. Casaub. und Duport zu Theophr. 
Allein diese Annahme eben ist durchaus irrig. An freie Frauen 
zunächst ist gar nicht zu denken. Es ist mir eine einzige 
Stelle bekannt, wo ein solcher Einkauf erwähnt wird, in den 
Anstandsregeln der Pythagoreerin Phintys bei Stob. Serm. 
LXXIV. 61: imcra p^TS Sp^väg dvcffzapsvag /iiyre koTiipag, 
dXXä TzXaBoüaag dyopäg xaracpavia ytvopivav räv iqoSov noc- 
scffBat, &sajpiag ivexd rcvog ^ dyopaapu) olxrjio^ p^zd Bepa- 
nalvag pcäg ^ xarru tcXs^cftov 8uo söxöcrpcog ^£cpay(uyoup£vav. 
Aber erstlich soll das offenbar nur von einzelnen Fällen ver- 
standen werden, nicht von dem Einkaufe der täglichen Be- 
dürfnisse; und zweitens passt dieses Zugeständniss am aller- 
wenigsten auf Athen, wo es, wenn man die niederste Klasse 
ausnimmt, etwas Unerhörtes gewesen sein würde, wenn Frauen 
zum Einkaufe auf den Markt oder zu irgend einem xaTtr^Xog 



200 Exeurs sur vierten Scene. 

hätten gehen wollen. Eine Hetäre konnte sich das wohl er- 
lauben, wie z. B. Gnathäna nach Machon bei Athen. XIII, 
p. 580 : 

inel itpoißtj rotq irsmv ij Fva^atva, xal 

ÜjSt] TsXetos 7jv dfjLoXoyoofiivtus tropog, 

elg T^w äyopäv Xiyouaiv aörijv i^tuat 

xai ToZipov iipopav xal noAunpa/fiovecv, itoaou 

TTw^eW ixa(TTOv, 

keineswegs aber die anständige Hausfrau. Nun geschah es 
allerdings, dass Sklavinnen den Einkauf auf dem Markte be- 
sorgten. Lysias de caede Erat. §. 16: iäv ouv Xaßjjg t^v 
&£pdnaivav rijv eis t^v äyopäv ßaScCouaav xal diaxovoüaav 
ufiTv: allein auch das kann nur als Ausnahme gelten. Wer 
nicht selbst seine Bedürfnisse kaufte, der hatte in der Regel 
einen Sklaven, welchem dieses Geschäft oblag und der des- 
halb dyopaarrjg genannt wurde. Athen. IV. p. iTl: kxd- 
Xouv 8k xal äyopaarijv rbv zd o{l>a ujvooiisvov, vuv 5' <5^ö>- 
vdr<upa, ujq Eevoiputv kv Ssuzipo} 'ArMp.vrj}J.ovzop.äzu)V (I. 5. 2) 
ouzcuat Xiycjv didxovov S' &v xal dyopaaz^^v zbv zoiouzov iH- 
Xot/iev Ttpolxa Xaßetv; napd de Mevdvdpw iazi xocvozepov iv 
Oavtü)- <p£i8(üXog rjv xal pezpiog dyopaazijQ- (xpiuvr^v 8' eiprj- 
xev /Ipiazo^dvrjg x. z. X. Vgl. Poll. HI. 12G. Es ist wohl 
zu bemerken, dass nur Benennungen männlicher Sklaven in 
dieser Eigenschaft vorkommen. So hoisst es auch bei Te- 
rent. Andr. U. 2. 31: 

— etiam puerum inde abiens conveni Ghremis 
Clara et pisciculos minutos ferre obolo in coonam seni. 

In den meisten Fällen aber, wie es scheint, kaufte der Mann 
seinen Bedarf selbst ein. Wenn von Avistoph. Lysistr. 
566 ff. dieses getadelt zu werden scheint, so geschieht es nur 
in gewisser Beziehung. Lysistrata sagt, sie wolle es ab- 
schaffen, dass die Soldaten in vOUiger BQstung auf dorn Markte 
einkaufton: 



Excurs zur vierten Scene. 

v5v fikv yäp &jj xdv rattri ^örpaii xäv Toiq ka^dvounv ößoiats 
neptipxovTat xard ttjv äyopäv ^uv onXoti wtmep Kopvßavrez. 
IIFOB. vij Aia- ;(p^ yäp TOug dvSpeioug. ATI. xai fi^v t6 

ye Tzpdyiia yeXotov, 
orav dtmiS' ^^tuv xat Topyova t<s zar' civ^TCt xopaxivou^. 
JTN. VTj Ai\ iywy' ouv ä>dpa xop-fjrrjv ^uAap^oüvr^ eidov 

ig TÖv ^aXxoüv ifißaXXofievov ntAov Xixt^ov napä ypaüg. 
Das konnte freilich lächerlich erscheinen; aher sonst war es 
allgemein üblich, dass Männer den Markt besuchten, um selbst 
einzukaufen. S. z.B. Aeschin. in Timarch. §. 65: rtq yäp 
u/iutv, dg oijnu)noT£ stg roZipov d.<pTxzat xai rag oarAvag rag 
TooTOJV 00 ref^eutpr^xsv ; Die Komiker liefern Beispiele im Ue- 
berflusse und es werden weiter unten deren angeführt werden. 
[Besonders gehört hierher Aristoph. Vesp. 493: 

fjV [ihv (hvyJTa'i ng öp<pu)g ßsiißpddag dk ßij ^^iXrj, 
Eu&iiog ei'pijx* d nwXätv TiXfjaiov rag fießßpddag' 
ouTog d(p(uvetv ^o^X* dvßptuTzog i-Tzl Tupavvidt. 
^v dk y^retov npoaatrfj rtg d^üaig ijduoßara, 
■fj Xa^avöniuXtg napaßXitpaad ^Tjat ^drepw' 
elnd fioi, yyjTEiov airelg izörspov irrt Tupdwtda, 
^ voßi^etg rdg 'Aj&rjvag aoi ^ipeiv ijduaßara;'\ 

Daher hatte auch Lynkeus von Samos eine Anleitung geschrie- 
ben, wie man sich beim Einkaufe verhalten solle. Athen. 
VI. p. 228: Auyxeog 8' b Hd/xiog xac zijyr^v oipcuvrjzcx^v 
ooviypa(ps Tipug zcva Suawvrjv Seddffxojv auTov, rcva 8s7 Xdyovra 
npbg Toug dvSpo^ovoug c^&uonatXag XoaneXwg, in de äXumog 
wveTa^ai ä ßoüXezac. [Dennoch rechnet es Theophr. Char. 
11 unter die Merkmale der ßoeXupia: xai d<pajvs7v abzog kauzoi 
xa\ abXr^zpßa pta^ouaBat xat dsixvuecv dk zoTg dnavzuxre zä 
wfpojVTjiiiva xai napaxaXetv im zaüza und schreibt c. 18 über 
den ämazog: o 8k dmazog zoioözog zcg, ocog dTioazecXag zbv 
7tdc8a d(pwvrj(Tovza, izspov Tiaida Tcipneiv zbv rrsucropsvov, Tzbaou 
inptazo, woraus man erkennt, dass das Selbsteinkaufen wenig- 
stens damals doch nicht zum feinen Ton gehörte.] Es ist also 



202 Excurs zur vierten Scene. 

aller Sitte widersprechend, den Namen yuvacxsca dyopd von 
den dort einkaufenden Frauen abzuleiten. Eher ist es denk- 
bar, dass der Handel mit gewissen Dingen hauptsächlich von 
Weibern betrieben wurde und dass diese einen besonderen 
Theil des Marktes inne hatten, wo die oben erwähnten dpTo- 
ntuXtSeg, Xsxtd^oTziuhSeg ^ Iff^adoTKoXidsg , aTS^avoTTiuXcdeg und 
andere mehr zu suchen sein würden; oder es Hesse sich auch 
wohl annehmen, dass der Theil so benannt worden sei, wo 
besonders Bedürfnisse der Frauen verkauft wurden. Indessen 
ist die Stelle Theophrast's so dunkel, dass sich nichts Be- 
stimmtes davon sagen lässt, und PoUux selbst ist offenbar 
zweifelhaft, wie der Name zu verstehen sei. [Westermann 
in N. Jahrb. B. XXX, S. 368 nimmt an, dass die yovatxeta 
dyopä Artikel für das weibliche Geschlecht enthalten habe; 
Schümann Griech. Alterth. ß. I, S. 563 und K. F. Her- 
mann zu Charicles 11 S. 152 dagegen beziehen den Namen 
darauf, dass dort Männer von Weibern kauften. Eher möchte 
man aber mit B. Stark zu Hermann's Griech. Privat- 
alt. §. 18, n. 13 an Mädchen und Weiber denken, die sich 
dort aufhielten, um sich auf kürzere oder längere Zeit zu ver- 
miethen. Vgl. Theophr. Char. 22 vom dvzXtö^Bpog : xal 
rjj yuvaexl 8k r^ kauroo dexa rdXavza (so nach Cobet für 
npocxa) £l<T£VEyxap.evrj p.^ npcaai^ac Hspdmxtvav, dX^ä piai^oü- 
<r&ae elg rag i$68oug rdg yovaixetag natdiov ro auvaxoXoi)^^- 
aov. Sollte man nicht auch bei dem räthselhaften rd ix yv- 
vaexecag dynpdg Scaxovr^aat (c. 2) hieran denken können? Dass 
auch die auXrjrptdeg auf dem Markte standen , er^jiebt sich 
unzweifelhaft aus Piut. Arat. 6: xai perd ptxphv kiupdvu 
rwv olxerutv auvoü 8t' dyopäg 6 pkv <ne<pdvoog (pipoiv ^ b 8k 
kafi7:d8ag ihvuopevug, 6 ok ro7g sWiapiving napd mnov (lidXXeiv 
xoi ahhXv yovatotg 8taXEy6pEvog, und hiermit stimmt die oben 
angeführte Stolle aus Theophr. Char. ll.J 

Der besuchteste Thoil und für den Gourmand der wich- 
tigste war der Fisclimarkt, i/ifüg, l^ituonujXtTtg dyopd, o<pov 



Excurs zur vierten Scene. 203 

(vergl. den Exe. über die Mahlzeiten). Der Verkauf der 
Fische durfte nicht vor einer bestimmten Zeit beginnen und 
es wurde mit einer Glocke das Zeichen zum Anfange gegeben, 
worauf Alles dem Orte zuströmte. Daher sagt Plutarch. 
Symp. IV. 4. 2: xal yap 6(^o(pdyooQ xai <ptXu(poui: Xi^o/iev 
ohy). Toijg ßostoig 'jf^cupovraQ . . . dXXd robg nspl nyv i^Buortw- 
Xcav dvadcdövTag kxdaroTS xai toü xuiSiuvog d$e<us dxouov- 
rag. Aber viel deutlicher erhellt es aus der vortrefflichen 
Anekdote von einem Kitharöden in lasos bei Strabo XIV. 
2. 21; xSapwdoo ydp kmdetxvoiiivou rscog fikv dxpoäaBai ndv- 
rag, wg 8^ 6 xwdojv b xard nyv d^omuXcav £(p6<prja£, xaraXt- 
Tcövrag dneXl^sTv im to o(pov nXtjv evbg doaxiüfoo' rov ouv xi- 
&ap(v8bv npoacovza ecnsTv otc, tw dvf^pojns, noXXi^v aoi /ct/O^v 
6l8a rfjg npbg ifxk rcfi^g- ol pkv ydp äXXoi afia töj xujSiuvog 
dxouaac dmovTsg ol'^ovzai. 6 8e- rc Xiyecg; i^r], ij8rj ydp b 
xa>8ajv i(}>6<pyjxev ; emovrog 5e, vac, su aoi eirj, ifr^' xai dva- 
ardg dmjXl^s xai auzug. — Die Brutalität und Hökerei der 
Fischhändler wird von den Komikern auf eine sehr ergötz- 
liche Weise geschildert, und manche dieser Charakterzeich- 
nungen sind zu interessant, um nicht einiges davon anzufüh- 
ren. So sagt Amphis bei Athen. VI, p. 224: 
oSs äv irrepiuTTjar] rtg, 9j kaßiöv Tt twv 
Ttapaxeißsvuiv Uxuipev StOTzep T-qXe^oq 
■KpüiTov anoTzfl — xai dixaituq toütö ye- 
SnOfTsg ävdpoipövoi, ydp elaiv tvi Xüyui — 
^asX dk TTpoai^wv oudkv oö3^ äxrjxowq 
Sxpouae noXuTzöv tiv' • d <?' inpija&rj xoö XaXSiv 
oXa ^T^pLar', dXXd auXXaßrjv ä<peX(i)i>, rdpiov 
ßoXiüv yivotr^ äv ij dk xiarpa xtuj ßoXüiv. 

Alexis ebend. : 

roug <?' l-c^uoTzcJXag roug xdxtar^ dKoXoufiivoug 
indv i'dio xdru} ßXiizovTag, rag <5' ö<ppüg 
k)(dvTag indvü) ti}g xopu^rjg, dnoTzvcyofiaf 
idv <J' iptoTT^ffT^g, Tzöaou roug xearpiag 
nwXeig du^ bvzag; dix^ ößoXtöv, ^aiv. — ßo-P^t 



204 Excurs zur vierten Scene. 

dxTOJ kdßotg äv ; — einep tbvet tov erepov. — 
& TOV ^aßk xai fiij nat^e. — roaoudi- izapdrpe^^e. 

Wer erkennt nicht darin das heutige gleichgültige grobe We- 
sen der Marktverkäufer in grossen Städten, die auch bei einem 
Mindergebote ohne zu antworten auf die Seite sehen ! — Wenn 
man den Komikern trauen darf, so gab es mehrere gesetzliche 
Gebote, welche der Hökerei der Fischhändler wehren sollten, 
z. B. die Fische nicht mit Wasser zu begiessen, wodurch man 
zu schnellerem Verkaufe nöthigen wollte. Xenarch. bei Athen. 

p. 225: 

änel yäp aöroig oux IV I'öt' i^ouaia 
paivtiv, dneiprjTai dk toüto zw voßui^ 
etq Ttg ^eolmv i^ßpog äv&pwizoq Tzdvu 
^Tjpati>oßivooq wq elde roug Ix^üg^ A*^/^v 
inotjja^ iv adrotg i^eniTTjdsg e5 ndvu. 

Es muss sich nämlich jemand stellen, als sei er durch einen 
Schlag besinnungslos, und unter dem Verwände, ihn in's Le- 
ben zurückrufen zu wollen, werden zugleich mit ihm die Fische 
Übergossen. Der Scherz hätte gar keinen Sinn, wenn nicht 
ein solches Verbot wirklich bestand. Zweifelhafter kann es 
scheinen, ob es mit einem anderen Gesetze, welches nur feste 
Preise, ohne davon nachzulassen, vorschrieb, ernstlich gemeint 
sei. Alexis bei Athen, p. 226: 

oö yiyovt xpeixTiuv vo/io&STVjg roü nkouaiou 

^Api(no)>ixou • TÖ'^rjai yäp nuvi vöpov, 

rü)v l^ßuoTtwXwv ooTtg d.v ■nwktbv rivt 

l^^i/v OnoTtirfjaag änodwr^ iXdTToi>os 

^g tTnt TtfJL^g^ tlg rd Ssoftwr^ptov 

tö&ög dndysa^at toOtov, ha dsdoixdxti 

rijg d^iag d/antbatv ^ t^s ktrnepag 

aanpobg dnavrag dno^iptomv oXxadt. 
Auch Plato giebt ein ähnliches Gesetz Leg. XI, p. 917: f> neu- 
Xutv Itrioüv iv dyupif. fir^Sinors 8öo tiivfj rt/xa: u)V ß,v nioX^* 
änXrjv 8k elnutv, äv /xi) '^TX'^^Jl TawTTyf , dno(pipiov dp&tüg äv 
dnu^ipot TidXnt xai TOüTJjf r^f Tj/ispae fi^ '^'H-^'^ tiMovoq /xrj8k 



Excurs zur vierten Scene. 205 

iXärrovog. Man könnte selbst auf den Gedanken kommen, 
dass hinter jenem Aristonikos eine spöttische Anspielung auf 
den Sohn des Ariston verborgen sei. Offenbare Persiflage aber 
ist es, wenn es weiterhin heisst, das neueste Gesetz desselben 
sei, dass die Verkäufer sich nicht setzen dürften, damit sie 
der Ermüdung wegen desto schneller und wohlfeiler verkauf- 
ten. Endlich wird gar für das nächste Jahr eine Verordnung 
versprochen, in Folge deren sie hängend oder schwebend, wie 
die Götter auf der Bühne, verkaufen sollen : dnb iirj-^ovr^g Tui- 
XouvTss wanep ol &eoc. Wenn man besonders die Worte, in 
welchen Aristonikos als trefflichster Gesetzgeber nach Solon 
gepriesen wird, vergleicht, p. 226: 

ou yiyovt [lErä Zökwva xpsiTrtjv oudk ecg 
^AptOTovixou voßo^irrjq- rä t' äXXa yäp 
vEvoixoßiTTjXE Tzokkä xui TtavToXa dyjj 
vuvt dk xatvöv ela^ipst vöpov Tivd x. t. k. 

80 kann in der That eine Persiflage der platonischen Gesetze, 
zumal bei einem Dichter der mittleren Komödie, möglich schei- 
nen, und dass man sich in dieser Zeit noch Anspielungen auf 
Namen sogar lebender Personen erlaubte, beweist die Erzäh- 
lung bei A esc hin. in Timarch. §. 157: eivat rivag nöpvooQ 
liBydXoug Tc/iap^iu8sts. [Vgl. Meineke Hist. crit. comic. 
I, p. 274 und Bernhardy Grundr. d. griech. Lit. II, 2, 
S. 681 ff. Hat doch auch Antiphanes nach Athen. III, 
p. 99 platonische Dogmen parodirt.] Uebrigens war das Feil- 
schen um den Preis eben so gewöhnlich als bei ans. Vergl. 
noch Theophr. Char. 17: nptdfisvos dvdpdnodov ä^cov xal 

üeber andere Abtheilungen des Marktes, z. B. den Ge- 
müsemarkt, finden sich weniger Notizen. [Nach Aristoph. 
Vesp. 496 ff. (s. 0.) stand die Gemüsehändlerin neben der 
Gewürzkräuterhökerin.] Interessant ist die scherzhafte Stelle 
Av. 1076 ff"., wo die Vögel auf den Kopf des Philokrates, ver- 
muthlich eines bekannten Geflügelhändlers, einen Preis setzen: 



206 Excurs zur vierten Scene. 

ort troveiptov roug tmivoug ncuXet xai?' sttto toü' ßoXoü, 
elva ^uaüiv rag xi^Xag Setxvum xal lußabsTai, 
Toitq TS xoipi^otfftv elg Tag f>lvag iyx^^ "^^ TZTspd. 
Auch einige Reliefs stellen den Verkauf von Wild, Geflügel 
n. dergl. dar. Zoega Bassiril. 27. 28. Galer. Giustin. 
II. 112. — Das Brod, das gewöhnlich gekauft, nicht im eige- 
nen Hause bereitet wurde, scheint am häufigsten durch Wei- 
ber verkauft worden zu sein, und die dpTorMXideg^ welche 
theils es umhertragen, theils in Buden auf dem Markte und 
wohl auch an anderen Orten der Stadt sitzen mochten [und 
in Bezug auf Grobheit ebenfalls in keinem guten Ruf stan- 
den, Aristoph. Ran. 857: XotSopsioBat 8' oh Mfitg ävSpag 
iTot^räs u)amp äpTonwXcSag^} werden sehr häufig genannt. S. 
Sc. IV, Anm. 1. Auch die Kranzhändlerinnen hatten ihren 
besonderen Ort, der Myrtenmarkt geheissen zu haben scheint 
nach Aristoph. Thesmoph. 448: aTBipavrj-nXoxoüaa iv roug 
fiupp{vac5. Dass er auf der dyopd war, sieht man aus dem, 
was das Weib v. 457 sagt: 

äXr elg äyöpäv änetfif dei yäp ävdpdot 
TzXi^ai oTS^dvoug auvß'rjßaTiaioug eixoatv, 

Vermuthlich waren in dieser Gegend auch die raivio'nwhdee^ 
die nicht sowohl Band als fertige Kopf binden verkauften; vgl. 
Demosth. inEubul. §.31 [und dass auch unter diesen sich 
Sklavinnen und Freigelassene befanden, erkennt man aus Eu- 
polis bei Athen. VII, p. 326: p-rjn^p 7ti auTw ^p^rra zat- 
vt&nu}Xig }jv.\ 

Der Ort des Weinvorkaufs wird von Isaeus de Phi- 
loct. her. §. 20 genannt: xa^earr/atv EuxTrjfitov imp.eXe7(T&ac 
T^C iv Kepafxecxip auvotx(as r^f rta^ä ttjv noXßa^ ob b ohos 
üjviog. [Von dort Hess man den Wein in Amphoren holen; 
vgl. Aristoph. bei Suid. 5. d/x^opea^opoue : 

rpix* tls rdv dtvov, Aßfopia xtvbv kaßibv 

tbv tvdo^tv xal ytufxa xal yeDori^ptov 

xänttra nia^ou oaorfiv d.p(popta<popiiv, 



Excurs zur vierten Scene. 207 

und das Relief an einer Taberne in Pompeji bei Becker 
Gall. III, S. 28 und verbeck Pompeji S. 258.] Es ver- 
steht sich, dass hier nicht der Einzelverkauf gemeint ist, der 
dem xoLTrrjXog zugehört, sondern der Verkauf des Weins, der 
auf Wagen zur Stadt gebracht worden war. Zwei pompeja- 
nische Gemälde (Mus. Borbon. t. IV, Relaz. d. scav. A. 
und t. V, 48) stellen solchen Verkauf vor. Der Wein wird 
aus einem grossen Schlauche auf die Amphoren gefüllt. [Vgl. 
Panofka Bilder ant. Lebens XVI. 2. und Guhl u. Ko- 
ner d. Leben d. Griech. u. Rom. Fig. 460.] Diese Ge- 
mälde sind der beste Commentar zu dem auch in anderer Hin- 
sicht interessanten Fragmente des Alexis bei Athen. X, 
p. 431 ff: 

xoß(p6v y£ toot' iaTtv nap^ ^A'", "* ^^(ov, 

iv raig 'Adi^vaig de^tüg iJ"' ebprjßivov. — 

rb notov; — iv Toig aufnzoaiotg ob Tzivere 

äxpazov. — ou yäp ()adtov TztuXoüai yäp 

iv raig dfid^aig eö^etog xexpafiivov x.r.k. 

Die schon oben mehrmals erwähnten ^orpat waren der Topf- 
markt; aber davon zu unterscheiden ist der Ort, wo die Köche 
mit ihrem Geschirre sich aufhielten und warteten, bis jemand 
sie miethete. Po 11. IX. 48: sitj 8' &v xa\ [layetpeta rtüv no- 
Xsüjg fjLSpwv, ou^ fi'^^P "^^ ^omä raiv bnh zeug rd^vacg ipyoi- 
arrjpciuv, dXX* li ronog, o&ev fiKTBouvrac roug fiayscpoug, öjg 
'AvTi^dvTjg iv ürpaniOTj] irKodrjXoüv iocxev ix twv nayetpstojv 
ßa8[!i<oVf ifißaXujv sig Tou<pov. Nach einem Fragmente des 
Alexis bei Athen. IV, p. 164 scheint von dem Orte, wo 
die Köche sassen, den payecpscocg, noch ein anderer unter- 
schieden werden zu müssen, wo das Küchengeschirr zu ver- 
miethen war: Snou iartv 6 xspa/xog iicaßuKTCfxog 6 zotg /la- 
yetpoig. 

Endlich sind an dem Markte noch die Tische der Geld- 
wechsler, ai rpdne^ae, zu suchen. Plat. Apol. p. 17: idv 8cd 
rü>v auTüJv Xoytuv dxouTjze jxou dTioXoyoufJLevoUf Sc' wvnep euuBa 



208 Exours zur vierten Scene. 

Xe-j^tv xal iv äyopqi inl töjv Tpans^ojv: vgl. Hipp. min. p. 368 
und Lysias de veterano §• 5. Es lässt sich wohl anneh- 
men, dass in der Nähe dieser Wechselbänke sich besonders die 
vornehmere Klasse aufhielt; daher gehört es bei Theophr. 
.Charact. 21 zu den Merkmalen der [iixpo<piXoTt[iia: t^? dyo- 
päg Tzpbs rag rpand^ag npoa^ocTav. [Eine, vielleicht erst aus 
der Zeit nach Ol. 152 stammende Urkunde in Corp. Inscr. 
n. 123 und Böckh Staatsh. II, S. 356 ff. spricht von einer 
Srjpoata rpdne^a, in welche die Strafgelder für falsche Maasse 
und Gewichte fliessen sollten. Welchen Charakter dies Insti- 
tut trug, lässt sich freilich nicht näher bestimmen; doch ist 
es wahrscheinlich, dass in dieser Bank ebensowenig wie in 
den Tempelschätzen das Kapital ungenutzt liegen blieb, son- 
dern ausgeliehen wurde: Büchsenschütz, S. 507 undCur- 
tius in Berlin. Monatsber. 1874, S. 2.] 

Uebrigens ist es natürlich, dass nicht jeder Verkauf auf 
dem Markte Statt fand, sondern dass namentlich auch Lebens- 
mittel an verschiedenen Orten in allen Theilen der Stadt zu 
bekommen waren. So sagt Thucyd. VIII, 95: oi 8k IVm/ov 
oux ix T^g ayopäg apiarov immTc^ofMevoc — oudkv ydp inuj- 
XecTo dno npovoiag tuiv 'Epsrpcdiuv — dXXd ix tujv in' ea^ara 
Toü ä<TT£og olxtiöv, und manche Artikel, z.B. die gesalzenen 
Fische, scheinen aus der Stadt vor die Thore gewiesen wor- 
den zu sein, nach Aristoph. Eq. 1246: 

KA. xal (xoi roaouTov slni' nuvspov iv dyop^ 

ijXXanTonw^eii iredv ^ ^ nl rati nuAaii; 

AAA. inl Tals TcuXatfftv, oh rö rdpt/oi luviov. 

[Perikles hatte für den Mehlliandol eine ö-to« dXfiTun(uXig 
(Sohol. zu Aristoph. Acharn. 547) im Poiräeus erbaut, die 
vielleicht mit der arod [laxpd bei Paus an. I. 1, 2 oder ps- 
ytarrj bei Tliucyd. VIII. 90 identisch war. Auch in anderen 
Städten gab es dergleichen Hallen: Büchsonschütz, S. 472. 
Noch sei endlich erwähnt, dass das Ausrufen der ver- 
käuflichen Gegenstände nicht bloss beim Hausiron und bei 



Excurs zur rierten Scene. 209 

Auktionen stattfand, sondern aach auf dem Marktplatze und 
in den xuxXocg selbst: Aelian. Var. bist. 11. 1; Die Chry- 
80 st. VII. 123; Harpocr. s. dnox7jpi}TrovzsQ.'\ 

Die Aufsicht über den gesammten Verkauf führten die 
Agoranomen, welche die eigentliche Markt- und Handelspolizei 
bildeten. [Diese Behörde bestand aus 10 Männern, welche 
zur Hälfte in Athen, zur Hälfte in Piräeus amtirten. Sie 
nahmen die Anmeldungen derjenigen entgegen, die auf dem 
Markte feil halten wollten, kassirteu das Standgeld von den 
Fremden ein, controlirten die Beschaffenheit der Waaren und 
nahmen verdorbene weg, beaufsichtigten die Maasse und Ge- 
wichte, schlichteten die Streitigkeiten zwischen Käufern und 
Verkäufern und trugen die Peitsche nicht umsonst Sklaven 
und Fremden gegenüber. Vergl. Westermann in Pauly's 
Realencycl. B. I, S, 582; Schömann Griech. Alterth. 
B.I, S.441 und Büchsenschütz Bes. u. Erw. S. 536.] Es 
wird sich kaum noch etwas hinzufügen lassen, als dass bei 
Athen. VI, p. 228 besondere d<lfovöfioc erwähnt werden, 
welche Sophilos gewählt haben will, um zu beobachten, ob 
Leute über ihr Vermögen Aufwand machen. DsCs mag nun 
bloss Einfall des Komikers sein; aber in Korinth scheinen die 
Agoranomen nach Diphilos ebend. p. 227 eine solche Auf- 
sicht geführt zu haben. — Wenn aber auch die dyopavonoc^ 
atxo(p6Xaxsg , nponerpi^xat u. s. w. Betrug und Täuschung im 
Einzelnen verhindern konnten, so gab es doch andere Mittel 
das Publikum im Grossen zu bevortheilen. Die verrufenen 
Börsennachrichten unserer Zeit fehlten auch im Alterthume 
nicht, sondern wurden häufig ausgesprengt, um ein Steigen 
der Waarenpreise, namentlich des Getreides, zu bewirken. 
Lysias c. dardan. §. 14: ouru) 8' äafisvoc ras (Tu/i^opa; 
ras upsrepag öpäiacv, uxrrs rag psv nporepot rwv ä?,X(ov m>v- 
&dvovTac, zag 8' auroc XoyonoMuatv' rj rag vaug 8tä^^dp&at 
Tag iv Tüj riovTüj ^ urtb Aaxs8aip.ovi(uv ixr.Xsooaag (Tuved^^&ac 
^ T« kpnopia xexXsca^a: ^ rag cmovSäg psXXstv dTzopprj&i^aser&ac. 

Charikles II. X4 



210 Excurs zur vierten Scene. 

lieber die gangbare Münze, ihr Werthverhältniss sowohl 
unter sich als im Vergleiche mit unserer Währung finde ich 
keine Veranlassung zu sprechen, da sich jedermann leicht aus 
Böckh's Staatshaushaltung und, wenn noch tiefere Be- 
lehrungen gewünscht werden, aus desselben metrologischen 
Untersuchungen unterrichten kann, [sowie jetzt aus F. 
Hultsch Griech. u. ßöm. Metrologie]. Im Allgemeinen 
war die gewöhnliche Valuta Silber; Kupfer wurde nur als 
Scheidemünze [und für Athen zu diesem Zwecke erst kurz vor 
dem peloponnesischen Kriege] ausgeprägt. Gold wurde immer 
nur in sehr beschränktem Maassstabe ausgemünzt; daher denn 
auch das Einwechseln des Goldes gegen Silber geradehin Kauf 
(/puawveTv) genannt wird. Isoer. Trapez. §. 40: no^' wv 
i^puawvrjaa ut:^ ixecvov rbv ^povov rtXiov ^ j^iXtoos arazi^pag. 
Uebrigens gab die Verschiedenheit des Münzfusses in den ein- 
zelnen Staaten eben so wie bei uns zu mancherlei Plackereien 
Gelegenheit, und wie sich der Wechsler überhaupt ein Auf- 
geld {xazaXXayf], imxaraUaf^, xoXXoßog) zahlen Hess, blieb 
auch die Coursdifferenz zwischen einheimischem und fremdem 
Gelde nicht unberechnet. Diphilos bei Athen. VI, p. 225 
sagt von einem Fischhändler: 

^TTEtr' idv räpyöpiov auTtjJ xaTaßdlrjq, 
inpd^ar^ Alycvatov äv «J' aurdv 3erj 
xipfiar^ änodoövaty itpoaanidtoxsv VIttwo, 
xar' Afiförepa Sk t^v xaraXXajri^v f;f«<. 

[Vgl. Athen. XI, p. 603 und Theophr. Char. 30]. Falsche 
Münze, df)fvpiov xtßorjXov (im Gegensatze von ßöxijwv), war 
nichts Seltenes, obwohl auf der Fälschung, wie es scheint, in 
ganz Griechenland Todesstrafe stand. Demosth. in Timocr. 
§. 212: vo/xoff iarlv urAaaig^ we inog einecv, raig TiüXeaiv, 
idv Ttg TU vu/juapa OKuphstpjj^ fhivuTov rijv Orjptav eivai. Vgl. 
in Leptin. §. 1C8 mit d. Verhaudl. d. Sachs. Gosellsch. 



Excurs zur vierten Scene. 211 

d. Wissensch. 1847, S. 308 ff. Das gewöhnlichste Verfah- 
ren beim Falschmönzen {napa^aparrecv, DioChrysost. Or. 
XXXI. 24 und Diog. Laert. VI, 20) war, ein Stück Eisen 
oder Kupfer mit einem dünnen Blättchen des edlen Metalls 
2U belegen und dann auszuprägen: Eckhel Doctr. numor. 
vol. I, p. CXIII, Steinbüchel Abriss d. Alterthumsk. 
S. 97, Grässe Handbuch der alten Numismatik, S. 16; 
vgl. C. Inscr. t. I, p. 237; indessen geschah dieses nicht 
bloss von Privaten, sondern selbst von Staatswegen wurde 
solches Geld geschlagen, wie die übergoldeten Bleimünzen des 
Polykrates von Samos, Her od. III. 56, wenn die von Hero- 
dot selbst verdächtigte Erzählung wahr ist. 

Ich füge nur noch einige Andeutungen hinzu, aus denen 
hervorgeht, dass auch in Griechenland, wenn auch keine eigent- 
lichen Messen, doch etwas unsern Jahrmärkten Analoges be- 
stand. Es waren die öffentlichen Feste, zu denen die Menge 
strömte {izavrjyvfjecs) , welche die Gelegenheit dazu darboten 
[und bei welchen der Gottesfriede sicheres Geleite und fried- 
lichen Verkehr in Aussicht stellte]; daher auch Strabo X. 5 
zunächst in Bezug auf Delos sagt: tj ts mxvrjyopcg i/ir.opcxov 
Tc ■npäyp.a. Eine Menge Verkäufer schlugen bei solchen Ge- 
legenheiten ihre Buden auf, wodurch die Panegyris allerdings 
einigermaassen das Ansehen eines Jahrmarkts bekam. Dio 
Chrysost. Or. XXVII. 5: ä<pixvoi)VTai 8e xai Tipug zag na- 
vrjyüpecg ot fikv laroptag ivsxev ru)v re äXXwv ^eajxdziuv xol 
xuiv dyiuvwv . . . TzoÄXoc 8k wvta xo/ju^ovtss TTavzoSand, dyo- 
patog o^Xog, vgl. Or. VIII. 11 von den lakonischen Hunden: 
xac yäp zoüzoug, ozav azwatv Big zag rMvrjyvpstg, ToXkoög fikv 
shai zoug xazaipij^ovzag xac 7:po<macZovrag , pr^iva 8k wvet- 
aBai pq.oiu)g 8iä zu prj imcfzaaßai ^pr^adac. [Vgl. Arrian. 
Diss. Epictet. II. 14, 23: tu? iv Tiavrjyupec zä pzv xztjvtj 
npa^TjaopiSva dytzat xal ot ßosg, ol 8k ttoUoc zwv dv&pwTtufV^ 
Ol pkv (hvr^aopsvoi, ol 8k TzwX^aovzsg u. Paroemiogr. Gr. I, 
p. 409]. Die ausführlichste Nachricht von einer solchen Pa- 

14* 



212 Excurs zur vierten Scene. 

negyris, welche zweimal im Jahre zu Tithorea in Phokis der 
Isis zu Ehren gehalten wurde, giebt Pausan. X. 32. 15: t^ 
8' imouffjj axrjväg ol xa7trjXeuovz£Q Tzocoüvzai xaMjj.ou re xal 
äXXrjg uXrjg auzoa^sdcou ' r^ zslsozaia 8k tu)V zpccov Tiavrjyu- 
p{^ouac mnpdffxovreg xal dv8pa.7ro8a xac xrf^VTj zä ndvza, ezc 
8e i(T&^zag xal äpyupov xac ypoauv. Dass aber ähnliche Jahr- 
märkte selbst mit den olympischen und andern grossen Na- 
tionalspielen verbunden waren, geht schon daraus hervor, dass 
die Kömer r^av^yopig geradezu durch mercatus übersetzen; vgl. 
Moser zu Cicer. Tuscul. V. 2; (Diog. Laert. VIII, 8) 
Vellej. Paterc. I, 8; Krause Olympia S. 120 und mehr 
in Hermann Staatsalterthümer §.10, not. 16, Gottesd. 
Alterth. §.43, not. 2, Privatalterth. §.45, not. 3 [Cur- 
tius Griech. Gesch. I, S. 483 und über den Marktverkehr 
zur Zeit der Amphiktyonenversammlungen in Delphi und der 
ätolischen Bundestage zu Thernios vergl. Büchsen schütz, 
S. 475.] Mehr noch den Charakter einer Messe hat die Schil- 
derung eines Ortes am Hämos bei Aristot. mir. auscult. 
104 : etvat 8k xa\ zotiov iv zoTg dvä jieoov Scaazrjfiaacv, elg ov 
dyopäg xoivrjg yivojiivTjg 7:ajXs7aHac Trapd jxhv zu)V ix zou Hovzou 
ifinopujv dvaßaivovzwv zä Aiaßia xa). Xca xal ßdaea, rrapä 8k 
z(uv ix zou 'A8pcou zohg Kspxupatxuog dix(pops.Tg: [und so wurde 
im elischen Orte Alesion alle Monate ein Markt von den Um- 
wohnern gehalten: Strab. VIII, p. 341. Auch an manchen 
Landesgränzen entstanden schon in früher Zeit Märkte. De- 
mosth. c. Aristocr. §.39 erklärt die vorher genannte i^o- 
pla dyoph. in folgender Weise : zi zoozo Xiyiuv; zutv opccov z^g 
^o'jpag' ivzauHa ydp Cog y^ i/xol 8oxeT^ zdpyala auvjjeffav ol 
Ttpua^cupot mxpd re ^jiajv xal zwv dffzoyeezovojv, oi^ev ujvofia- 
xev dyopäv iipoplav. Vgl. Poll. IX, 8.] 



ERSTER EXCÜRS ZUR FÜNFTEN SCENE. 



DIE GYMNASIEN. 

Unter allen dem Hellenismus eigenthümlichen Institutionen 
hat keine einen so entschiedenen Einfluss auf die gesammte 
Entwickelung und vielseitigste Gestaltung des griechischen Le- 
bens erlangt, keine eben sowohl die edelsten Neigungen ge- 
weckt als die unreinsten Begierden genährt, den Drang nach 
rühmlichen Thaten gesteigert und zu müssigem Hinbringen 
der Zeit verlockt, keine so sehr die körperliche Tüchtigkeit 
gefördert und doch derselben eine falsche Richtung gegeben, 
die Schönheit und den Adel der menschlichen Gestalt mehr 
zum Bewusstsein gebracht und der Kunst ein weites Feld für 
die herrlichsten Schöpfungen eröffnet, und zugleich zu dem 
erniedrigendsten Missbrauche jugendlicher Blüthe geleitet, als 
die Gymnastik. Körperübungen finden wir zwar überhaupt fast 
bei allen Völkern des Alterthums, auch den rohesten, in be- 
sonderer Aufnahme, wie das natürlich ist in einer Zeit, wo 
die physische Kraft noch ein so bedeutendes Uebergewicht 
über die Intelligenz hat; aber nirgends wie in Griechenland 
ist der eigentliche Zweck, den Aristo t. de republ. VIH. 3, 
p. 1337 Bekk. am Bündigsten mit den Worten rijv yu/j.va<TTc- 
xYjv üjg oovzstvooaav npog dvopiav bezeichnet, nach und nach 
in den Hintergrund getreten; nirgends hat die Gymnastik so 
allgemein den Charakter der Agonistik angenommen; nirgends 



214 Erster Excnrs 

ist sie mehr als Sache des Vergnügens oder ehrgeiziger Be- 
strebungen betrachtet worden ; nirgends haben ihre Uebungs- 
plätze so anerkanntermaassen zu Zwietracht und Parteiungen 
geführt, deren Nachtheile auch im bürgerlichen Leben fort- 
wirkten; vgl. Alcidam. Palamed. §.4: ifiol xal toutco oo- 
8e/JLca nujTzoT^ i^&pa oud^ epig ivsyivsro mpi oudevög npayfia- 
Tog, xal ix7)v ou8' iv TtaXacazpa ou8' iv au/irrotr/a», iv&a (pt- 
Xzt iptdag nXetarag xal Xotdopt'ag ycveaBac, und Plato Leg. I, 
p. 636: xac zä yufxvdata rdüza xal rä avaaizta noXXä p.kv 
äXXa vuv aj^eXec zäg noXstg^ npbg 8k rag ardaeig ^aXend. 

Dass der römische Ernst, der überall nur den militärischen 
oder diätetischen Zweck solcher Uebungen im Auge hatte, von 
der griechischen Gymnastik ungünstig urtheilte, ist leicht er- 
klärlich. Auch abgesehen von der Begünstigung des unglück- 
lichen Hanges zur Päderastie, worüber im folgenden Excurs 
weiter gesprochen werden soll, schien sie ihm theils zur Un- 
thätigkeit und müssigem Umhertreiben wie zu allerhand Un- 
fertigkeiten zu verleiten, theils den Zweck der Kräftigung und 
Uebung des Körpers für den Krieg ganz aus den Augen ver- 
loren zu haben und statt des Gebrauchs der Waffen nur un- 
nütze Künste zu lehren; ja dass man durch eine unnatürliche 
Diät den Körper zu reichlich nähre und zu anderen Beschäfti- 
gungen und Anstrengungen untüchtig mache, [ein Vorwurf, 
der besonders darin seinen Grund hat, dass die Bömer die 
griechische Gymnastik erst in ihrer Ausartung, der berufs- 
mässigen Athletik, kennen lernten]. PI utar eh. Qua est. Rom. 
40: T« ydif} ^TjpaXonpetv u^sujpaJvTo 'J'cufiaToc af68pa xal rocg 
"EXXrjacv otovrac /xi^8kv otJT(ug ahiov 8ouXEtag ysyuvivat xal [la- 
XiutiaQ, i)g zä yo/jLväffca xal rag naXalarpag noXuv äXuv xal 
a^oXijV ivTexouarxg zalg miXtai xal xaxna^nXtav , xal rb nat- 
depaarecv xal rh otatpbst'pstv za awjxaza zCov viiuv ünvocg xal 
nepmdzoig xal xtvfjataiv tbpul^fioig xal 8iaizatg dxpcßemv, b<p^ 
u)V iXabnv ixpoivztg zvjv SnXiuv xal dyarci^aavzeg dviV unXi- 
xiöv xal iTmduJV dyaöüJv euzpdnsXot xal naXaiazpTzai xal xaXol 



zur ftknften Scene. 215 

Mysa&ac. [wozu sich mit K. F. Hermann noch herbeiziehen 
lassen Stellen wie Seneca Epist. 88: »aeque luctatores et totam 
oleo ac luto constantem scientiam expello ex hls studiis libe- 
ralibus . . . quid enim liberale habent isti jejuni vomitores, 
quorum corpora in sagina, animi in macie et veterno sunt«? 
auch Lucan. Phars. VII. 171, Quintil. I. 11. 15 und vor- 
züglich Sil. Italic. XIV. 136: 

Pigro luctandi studio certamen in umbra 
Molle pati docta et gaudens splendescere olivo 
Stat, mediocre decus vincentum, ignava Juventus.] 

Doch fehlt es auch aus früherer griechischer Zeit nicht an 
ähnlichen Stimmen, die sich gegen das Einseitige und Un- 
nütze der auf's Höchste gesteigerten Technik aussprechen. 
Schon Xenophanes hatte sich sehr geringschätzig über die 
bei den Nationalfesten den leiblichen Trefflichkeiten gespen- 
deten Ehren und Auszeichnungen geäussert bei Athen. X, 
p. 413 : 

äXX' elxrj ßdXa toüto vofiiZeTai oödk dixaiov 

npoxplvsiv f>ü)ß7jv ryjq ä/a'^^g ao^itjq' 
oöre yäp el Tzuxrrjg äya^ix; kaoiat ßezeirj 

oÖt' el nevTa^Hetv oöre izakataßoauvrjv, 
oddk fitv el ra^uT^Ti tzoSwv, Tonep iffrl izpörifiov 

pütprjg, üaa^ dvdpwv ipy^ iv dyibvi -rikst 
Toövsxev äv dij päkkov i> edvopcrj nöktg etrj ' 
od yäp TTiatvet raüra pu^oug Tiökeatg: 

und mit dieser Stelle bringt Athenaeos weiter (aber wohl mit 
Unrecht, da die traditionswidrige Aeusserung ganz zu dem 
Wesen ihres Urhebers stimmt) den starken Ausfall desEuri- 
pides in seinem Autolykos (fr. 1) in Zusammenhang: 

xaxwv yäp övrutv (xupiuiv xa&^ 'Ekkdda, 
uödkv xdxtöv kaxiv d&krjTÜ)v yevoug. 

Er sucht die Unbrauchbarkeit der Athleten zu beweisen und 
deutet auf die traurige Rolle hin, die sie in späteren Jahren 



216 Erster Excurs 

spielten; dann tadelt er die Griechen, die so unnütze Künste 
über die Gebühr ehrten: 

T£ yäp itaXaiaaq eö, zi «J' (bxunoug ävfjp 
^ diaxov äpaq ^ yvoi^ov Tcaiaaq xaXwg 
nöAei narpüia azitpavov rjpxetrsv Xaßciv; 
mrepa fia^oüvTai ■Kok^ßioiatv iv ^epötv 
diaxouq i^ovreg ^ dt' äanidcjv x^P^ 
■äeivoMTsq ixßaXoüm TtoXsfiioug Tzarpag; 

nd endlich schlägt er vor: 

— ävdpag ouv i^PV^ aofoug ts xdya&oug 
yu?.Xotg arepea^ai, ^^artg ijyeirat nöXet 
xdXXtara, aiücppwv xai dixaiog mv ävyjp, 
otrcig T£ ß'jßoig ipy^ änaXXdaaei xaxd, 
(id^ag t' ä^aipwv xai ardaeig. 

Vgl. Isoer. de permutat. §. 250: ndvzfuv sldurojv 8cä /xev 
eus^eav adjjiaTog oodev tkuttots t^v ttuXcv räiv iXXoycfjLcov ipyojv 
ocanpa^a/xivr^v , 8:ä 8k ^puvy^cnv euSaiiiovaaTdrrjV xai jxeytazYjV 
Twv '^EXXfjvcSojv m'jXewv yevojj.ivr]v und PI in. Nat. Hist. XXXV. 
168: »in ceromatis, quibus exercendo iuventus nostra corporis 
vires perdit animorum«. 

Aber auch für die Ausbildung des Körpers selbst gingen 
aus der Einseitigkeit der Uobungen Nachtheilo hervor, der- 
gleichen z.B. Sokrates bei Xenoph. Symp. 2. 17 andeutet: 
wanep ol 8oXi^o8fw/ioi rä axsXrj jxkv na^itvovrai, Toug ok u>fxous 
Xenrüvovrae^ fir^o' ujonsp ut nbxTai xooq fxkv w/ioug mi^üvnvcat^ 
Ta 8h axiXfj Xsrtzuvovzac Besonders wurde die Wohlboloibt- 
heit, noXoaapxta, der Athleten häufig Gegenstand dos Spottes, 
und die gänzlich materielle Richtung ihrer Bestrebungen und 
Lebensweise, bei der die Ausbildung dos Geistes ziemlich ver- 
nachlässigt und behindert werden mochte, bewirkte, dass sie 
in doppelter Hinsicht na^sTs genannt wurden. So sagt Plu- 
tarch. de san. tuend. 18 in Bezug auf die dXemrag und 
•naidorpißoQ ^ welche das ^do^oyecv napa 8£Tnvov nicht leiden 
wollten: xeXeöffofiev abrobg fxi) ivo^Xecv, dXX' dniuvrai iv T(p 



zur fünften Scene. 217 

^uffTot Toura xal ratg r.aXaiarpatg dtaXsyeoBai rotg d^^j^ToTf, 
oug züJv ßtßXtwv i^eXovzeg dti Snj/xepeoecv iv ffxu/ixfiaac xal 
ßwiioXo^iatg i^c^ovTsg — ro?c iv yu/xvaaio} xiootv Ofioiojg Xi- 
Ttapoug nenoiijxaai xal XSivoog: eben so Hermes beiLucian. 
Mort. dial. X. 5 zu dem Athleten Damasias, der itaxog xal 
Tiolöaapxog in Charon's Kahn aufgenommen sein will, und sich 
yopvog nennt: ou yu/xvov^ u) ßiXztare, roffaurag adpxag nepe- 
ßaßXrjpivüv: und die doppelte Bedeutung des na^üg erklärt 
Eustath. ad Iliad. XXIII. 261, p. 1299. 14: wg xal xpda- 
aiv dva)xo8op^(T^ai axäjnzovTai 8tä ru xal slg euaapxcav roug 
TocouTOug yupvdCsaHac, xal outu) axumrixwg na^eTg xal auroog 
Xdysff&ai, ola p^ Xenzobg tov vouv xal dqeTg. [Andererseits 
hatte auch die durch besondere Diät (vgl. Heffter Götter- 
dienst auf Rhodos, H. I, S. 22, K. F. Hermann Gottesd. 
Alterth. §. 50, n. 16 und Planck in Pauly's Realencycl. 
B. I, S. 1696) beförderte Körperfülle ihr Bedenkliches für die 
Gesundheit, was Galen, der überhaupt die Athletik als pa- 
raioTs^vca und xaxoxzyyia auf das Schärfste bekämpft, an 
verschiedenen Stellen (itzpl laxp. 37; r.pozp. X. 9—14; de sa- 
nit. t. III, 2) hervorhebt. Wenn er ausserdem sagt, dass ihre 
Kraft nicht zum Kriege befähige, so giebt es für diese Be- 
hauptung auch viele andere ähnliche Belege. Flut, de 
educ. 11 sagt; taj^vog ok orpaTtilj-zrjg TzoXspixöJv äywvujv i^äg 
d&Xrjza») dTToXepojv (pdXayyag 8ciu^e7.] Als Philopömen aufge- 
fordert wurde, seine natürliche Geschicklichkeit im Ringen in 
der Athletenschule weiter auszubilden, fragte er, ob diese 
Uebungen ihn nicht vielleicht weniger geschickt zur Waffen- 
führuug machen würden, und als er hörte, welche Lebensweise 
der Athlet zu befolgen habe, verwarf er durchaus eine Be- 
schäftigung, die für ernstere, praktische Zwecke untüchtig 
mache: Plut. Philop. 3. [Von Epaminondas sagt Coruel. 
Epam. 2: »non tarn magnitudini virium servivit, quam velo- 
citati; illam enim ad athletarum usum, haue ad belli existima- 
bat utilitatem pertinere«; vgl. über denselben Plut. Apophth. 



218 Erster Excurs 

p. 192 d: ToJv 8k bnXcruiv 8stv dniipatvsv shai ru <T(üfia ys- 
yviivaafievov oux d&Xi^TcxaJg jiovov, dXXa xat arpazuuzixüjs • 8to 
xai toTq noloadpxoig enoM/xec, xat rcva tocoutov dTtrjXaas x^Q 
arpaziäg. Plut. Alex. 4: (patvsTcu de xdc xa&oXou npog zb 
röJv ad^Xrjzijjv jivog dXXoTptcjg e^üjv. Vgl. Isocr. de big. 
§.14. Eine Ausnahme machte Ära tos, von dem Plut. Arat. 3 
schreibt: inedaixev eaurbv dax^asc zjj nepc naX.acarpav ^ wcrre 
xal nsvza&Xov dyoJviaaoBai xat az£<pdv(jDV zu^eTv.^ 

Nun ist es allerdings nicht zu verkennen, dass zwischen 
dem einseitigen Streben der Athleten von Profession und den 
gewöhnlichen Hebungen in den Gymnasien ein grosser Unter- 
schied stattfindet; auch nicht, dass die agonistische Eichtung 
der ganzen griechischen Gymnastik von bedeutendem Nutzen 
war, indem der Wetteifer aus den Gymnasien sich auch auf 
die übrigen bürgerlichen Verhältnisse übertrug. Niemand hat 
das schöner ausgesprochen alsLucian. de gymn. 15, wo er 
Solon die Worte in den Mund legt: zaöza rjdr] aot 8ti^£tp.i^ 
wg fxd&otg ouzivog x^P'^ "^«^ daxrjffeig zaüzag npozsl^stxajiev 
aLzdtg xat StanovsTu zu autfia xazavayxd^o/xzv, oh fJLovov ivsxa 
Tttiv dywviuv, oTZOjg zd d^Xa Suvatvzo dvatpela^af in' ixetva 
fikv ydp dXiyot rtdvu i$ dndvzcuv •((vpoüatv • dXXd peT^ov zt 
dndffrj zjj noXst dyaBbv ix zoüzuo xal auzolg ixsivotg npuaxzu/- 
fieuoi • xotvbg ydp zig dywv dXXog änaai zolg dya^otg noXtzatg 
■npuxBtzat X. z. l. [Wie bereits Hermann zu dieser Stelle be- 
merkt hat, kann man bei der Gymnastik nicht genug Accent 
auf das formal Bildende derselben legen. In Bezug hierauf 
sagt Curtius Gr. Gesch. I, S. 480 treffend: »Das Gleich- 
gewicht dos leiblichen und geistigen Wesens, die harmonische 
Ausbildung aller natürlichen Kräfte und Triebe war den Hel- 
lenen die Aufgabe der Erziehung, und durum galt eine rüstige 
Gewandtheit und Schwungkraft der Glieder, Ausdauer im Lauf 
nnd Kampf, ein fester, leichter Schritt, freie und sichere Hal- 
tung, Frische der Gesundheit, ein helles, muthiges Auge und 
jene GeiHtosgegcnwart, welche nur in täglicher Gewohnheit 



zur fünften Scene. 219 

der Gefahr erlernt wird, — diese Vorzüge galten den Griechen 
nicht geringer, als Geistesbildung, Schärfe des Urtheils, Uebung 
in den Künsten der Musen. Musik und Gymnastik gehörten 
unzertrennlich zusammen, um von Geschlecht zu Geschlecht 
eine an Leib und Seele gesunde Jugend zu erziehen.« Eine 
Entartung der Gymnastik, weil Schädigung ihres pädagogischen 
Charakters, war schon die wissenschaftliche Leibespflege, die 
Herodikos von Selymbria, der Zeitgenosse des Sokrates, mit 
ihr verband. Denn gerade durch die kleinliche Regelung auch 
von Speise und Trank arbeitete er dem zünftigen Athleten- 
thume in die Hände: Plat. Grit. p. 47; Älcib. p. 131 und 
Protag. p. 313. Die Spartaner hatten zwar keine Turuschulen 
(Plut. Apophth. p. 233; Lycurg. 19; Quaest. Symp. IL 
5, 2; Philostr. de gymnast. 11.) und alle höhere und 
feinere Technik war hier verboten (vgl. Demetr. de elocut. 
§. 122: Sifopog kv Aax£8a:/j.ovc rbv mpcipyujs xat oux ini^u}- 
ptiog aipatpiaavza i/xacrrcywasv). Um so höher aber stieg bei 
ihnen die Ueberschätzung der körperlichen Vorzüge gegenüber 
den geistigen. Aristot. de republ. VIIL 4: vüv jisv ouv 
al ixdXiara Soxouoac zujv noXecuv imp.e}.se<T&ac rwv Tiaioiov al 
psv d^^TjUx^v i^iv ifiTio'.oüa: X(ußu>fj.£vai rd rs etorj xai ztjv 
au^rjOiV rüjv acufiaToJV, oc ds Adxiovzg zaüzr^v fxkv ou^ r/papruv 
rijv dfiapTcav, &rjp:aj8£cg 8 ' dmpyd^ovrae roTg novocg^ utg zoÜTo 
fmXcava npog dv8p:av ao/x^spov.] 

Ein Hauptanstoss endlich für den Römer und überhaupt 
den Nichtgriechen war die völlige Nacktheit, welche bei den 
Hebungen sowohl als den Wettkämpfen, selbst in den olym- 
pischen Spielen seit Orsippos dem Megarer (oder Akanthos 
dem Lakedämonier) Statt fand. S. Böckh C. Inscr. n. 1003, 
p. 553 ff. und zu Pind. Pyth. XL Explic p. 342; Krause 
Olympia S. 339 f. und Gymnastik d. Hellen. S. 864. Dem 
Römer erschien das als ein flagitiura, Cicer. Tuscul. IV. 33 
IPlut. Cat. maj. 20: xat yäp Tcsvbepötg yapßpoi i^uXdrrovzo 
OüXkouea&ai, Suaojnou/xevoe r^v dnoxdXuipev xai yvpLVOjatv. dza 



220 Erster Excnrs 

fievTOc Ttap^ ^EXXijVOiV to yvfivoua&ac fiaBowsg aurol TidXiv toü 
xac /xerä yvvaixwv touto TcpdaoBiv ävaTtsnXijxaai zooQ'^XkrjvaQ] 
und auch der Asiate hielt es für höchst unanständig. Hero- 
dot. I. 10: Tzapä yäp zoTat AudoTai, a^zSov 8h xac Tzapä zolai 
äXXotat ßapßdpoiat xat ävdpa dipBrjvai yu/ivbv ig alff^OvrjV fxs- 
ydhjv (pipti. Plato Kepubl. V, p. 452: oh r^oXl/g ^pövog, 
i$ oh To7g '^^^yjaev idoxee ala^pa elvai xcä ysXoca, änsp vuv 
ToTg TzoXXoTg töJv ßapßdpojv ^ yop-voog ävSpag SpäcrSat. Eine 
Würdigung dieser Sitte und eine Nachweisung der Nachtheile, 
welche sie hatte, gehört mehr in den folgenden Excurs; hier 
sei nur auf den Widerspruch hingewiesen, der in der ver- 
schiedenen Ansicht von weiblicher und männlicher Scham- 
haftigkeit liegt. Was Herodot I. 8 den Gyges sagen lässt: 
afia xc&üjvi ixduofiivü) aovsxdi/ezac xai z^v ai8üj yovij, das ist 
gewiss überhaupt griechisches Urtheil, und wenn Plutarch. 
Praec. conjug. 10 dagegen sagt: obx dp&ojg 7Ip6oozog sinev, 
8zi ij yuvTj äfxa zS) /tzuJvc ixduezai xat z^v alSuJ- zauvavzcov 
yäp ^ aaxppwv dvz£v8u£zae ri)v aiSiö, so ist dieses wenigstens 
in Bezug auf Herodot, der von dem Enthüllen vor einem Frem- 
den spricht, nichts als eine schöne Redensart. Treffender ist, 
was von Theano erzählt wird, Diog. Laert. VIII. 43: "^ 8k 
Tipbg zov c8tov ävopa {leXXoöajj nopeuEcr&ac Ttapf^vec, Si/xa zoTg 
iv8üp.a(Tc xai Z7]V ala^övrjv dnoz^&ea&a: dvtozafihrjv ze -ndXiv 
&jjLa abzoTmv dva)Mjißdv£iv. Es wäre in der That seltsam, 
wenn man eine solche aBojg nur dem weiblichen Geschlechte 
zur Vorschrift machen wollte; vielmehr gilt jenes Wort des 
Oyges, richtig verstanden, auch von dem männlichen, und die 
Erfahrung hat mehr als zu viel gelehrt, dass es eine leere 
Ausflucht ist, wenn man in dieser Licenz gerade einen Be- 
weis für die Reinheit und Unbefangenheit der griechischen 
Sitte finden will, während die Barbaren oben im Bewusstsoin 
unreiner Begierden sie unschicklich und unzüchtig hätten lin- 
den müssen. 

Was das weibliche Geschlecht anlangt, so kann man mit 



2ur fünften Scene. 221 

Gewissheit annehmen, dass bei weitem in den meisten griechi- 
schen Staaten weder Frauen noch Jungfrauen auch nur Zu- 
schauerinnen gymnischer Spiele waren. Die beiden Stellen 
des Pausanias (V. 13. 5 gehört nicht hierher; es ist nur 
im Allgemeiuen die Eede davon, wie weit Weiber das Heilig- 
thum betreten dürfen), welche von dem Ausschlüsse oder der 
Zulassung derselben zu dem olympischen Agon sprechen, strei- 
ten nicht mit einander. Er sagt V. 6. 5 von dem typäischen 
Felsen: xar« touzoo rag yovdcxas llXeiotg iariv uji^sTv vu/jlos, 
^v fwpa{^u)aiv ig rov dyuiva iX&ouaac zbv 'Okufimaxov iy xal 
5Xa)g iv rdcg dr.siprjixdvatg a<piai\> r^jispaig dtaßäaai tov 'Ak^siov. 
Dann erzählt er, dass nur ein einziger Fall der Art vorge- 
kommen sei, indem die Mutter des Peisirrhodos ihren Sohn 
in männlicher Tracht als Gymnastes begleitet hatte; sie ver- 
rieth sich im Augenblicke, wo er den Sieg errungen hatte, 
wurde aber mit Eücksicht auf ihre Familie, die mehrere olym- 
pische Sieger zählte, ungestraft entlassen. — Dagegen heisst 
es VI. 20. 6 : nap^dvoug de oux etpyooai i^eäaBat. Uns kann 
es nun allerdings sonderbar scheinen, dass verheirathete Frauen 
(denn nur diese sind ganz gewiss in der ersteren Stelle zu 
verstehen) ausgeschlossen und mit Todesstrafe bedroht, Jung- 
frauen hingegen zugelassen wurden, und darum hat Valcke - 
naer zu Theoer. Adon. p. 197 die Stelle angegriffen und 
Korai die Negation weggelassen; ja noch Walz sagt: locus 
vix sanus; doch braucht man sich nur der übrigen dorischen 
und besonders spartanischen Zucht zu erinnern, um eine solche 
Erlaubniss den örtlichen Verhältnissen ganz entsprechend zu 
finden. Einer attischen nap&ivog hätte es freilich nicht in 
den Sinn kommen können, in solcher Oeffentlichkeit sich zu 
zeigen und gymnische Spiele mit anzusehen; in Kyrene da- 
gegen weist Böckh zu Pind. Pyth. IX. Explic. p. 328 selbst 
Frauen als Zuschauerinnen nach; und so seltsam auch Krause 
Olympia S. 56 annimmt, dass die Eleier »nur Jungfrauen 
aus dorischen Staaten und zwar nur aus denen des Pelopon- 



222 Erster Excurs 

nesos oder vielleicht auch nur eingeborene Jungfrauen aus 
Elis« zum Schauen der Wettkämpfe zugelassen hätten, so 
machte sich dieses doch auch ohne Verbot gegen die übrigen 
Staaten ganz von selbst, insofern in den wenigsten derselben 
die Sitte erlaubte, Jungfrauen zu solchen Schauspielen zu führen. 
Aehnliches gilt dann hinsichtlich der eigenen Theilnahme 
des weiblichen Geschlechts an solchen Wettkämpfen, wo es 
[Ober Ausnahmen, wie in Kyrene Her od. IV. 180, in Elis 
selbst Pausan. V. 16 vgl. Hermann Gottesd. Alterth. 
§. 51 n. 4 u. §. 67 n. 46] im Ganzen noch viel weniger Frauen 
oder Jungfrauen gestattet sein konnte, selbstthätig etwa im 
Laufe oder Eosselenken aufzutreten. Wenn demungeachtet Bei- 
spiele angeführt werden, dass Frauen den Preis im Wagen- 
rennen erhielten, so ist dieses offenbar nur von den dahin ge- 
sandten Gespannen zu verstehen. S. Krause a. a. 0. S. 57. 
Müller Dorier Th. II, S. 262 scheint allerdings eigenes Auf- 
treten anzunehmen; denn er sagt in Bezug darauf, dass es 
den Jungfrauen gestattet gewesen sei, sich einzufinden, Anm. 6: 
»daher konnten auch hier, freilich nur in Curulkämpfen, Jung- 
frauen siegen, wie Kyniska;« aber das Recht, Wagen dahin 
zu senden, hatten doch wohl Frauen überhaupt, und wer sagt, 
dass Euryleonis (Pausan. III. 17. 6) und Belistiche (V. 8. 3 
vgl. Anthol. Palat. XIII, 16) Tiap&dvoc gewesen sind? Die 
berühmteste unter ihnen und die erste, welche den Preis er- 
hielt, war Kyniska, die Schwester des Agesilaos und von ihm 
selbst dazu veranlasst; vgl. Xonoph. Ages. 9. 6; Pausan. 
III. 8. 1; dass diese jedoch nicht selbst die Kosse lenkte, 
folgt schon daraus, dass in Olympia neben dorn Siegeswagen 
der yjvfo^oe stand, Pausan. VI. 1. 6: ntnoti^Tat 8k iv 'Okofi- 
-nlq. miph TüV dvoptdvTa tuTj TfJUitXou Xi^nu xprpÜQ xa\ Kppu 
re Tmruiv xal dvi)p rjvlo^og xal aorrj^ Kuviaxag eixwv: und 
wenn Eranee im Verzeichnisse der olympischen Sieger S. 316 
sagt: »wunderbar heisst es bei dem bisweilen nachlässigen 
Plutarch: intun t^v dde^^ijv huvi'axav eie (xp/xa xa&taa- 



zur fünften Scene. 223 

aav 'OXoiintdaiv dywviaaa&ai, als habe sie selbst die Wagen- 
lenkerin gemacht,« so ist nicht bedacht, dass so etwas von 
dem Schriftsteller gar nicht gesagt werden konnte, da das 
Wettrennen doch nicht sitzend gehalten wurde. Jenes ist nur 
falsche Lesart der Apophth. Lac. p. 212 b; richtiger heisst 
es im Leben des Agesilaos c. 20: smiae ztjv doe^^v Ko- 
vtaxav äpfia xa&eeffav 'OXujimdatv dyojvcaaaBai , und da in 
den sogenannten Denksprüchen sich gewöhnlich dieselben Worte 
bei Erzählung derselben Sache wiederholen, so werden jene, 
die ohnehin wahrscheinlich nur eine Compilation aus Plutarch's 
Schriften sind, nach dieser Lesart corrigirt werden müssen. 
Glaubt man also dennoch auf einer Vase bei Tischbein II. 
28, p. 59 die Kyniska als Wagenlenkerin dargestellt zu sehen, 
so muss man annehmen, dass der Künstler sich diese Freiheit 
erlaubt hat, wenn nicht vielmehr das obige Bedenken darauf 
hinweist, dass die Vorstellung auf etwas Anderes sich bezieht. 
Mit dieser Beschränkung der Frauen ist es auch ganz 
übereinstimmend, dass das weibliche Geschlecht in den ioni- 
schen Staaten durchaus und wohl auch in den übrigen, mit 
Ausnahme von Sparta und einigen anderen wenigen Beispie- 
len, von allen gymnastischen Uebungen ausgeschlossen war. 
Plato freilich, der auch hierin sich mehr der spartauischen 
Sitte anschliesst, verlangt sie eben so gut für Frauen als für 
die Männer, obgleich er selbst gesteht, dass diese Forderung 
nach den bisherigen Ansichten lächerlich erscheinen müsse, 
Republ. V, p. 452: rt yeXotÖTarov aurutv (räiv vuv Xeyofievoiv) 
opu.g ; iy drjXaorj ozc yv/iväg rag ywacxag iv rcug TraXaiarpoug 
Yuixva^ojxipag iierä rutv dvdpojv oh fiuvov Tag viag, dXXä rjSrj 
xal rag npsaßuvdpag ; Er sucht dem Bedenken dadurch zu 
begegnen, dass er an die Zeit erinnert, wo zuerst die Nackt 
heit in den Gymnasien aufgekommen sei; denn damals habe 
dieses eben so anstössig und lächerlich erscheinen müssen, 
während man nun es ganz natürlich finde; und bleibt dabei 
auch in den Gesetzen VE, p. 804: ra awra 8s xal iispl %- 



224 Erster Ezcars 

XeiüJV 6 ijj.bs vofLog äv sctcoi Ttdvra oaanep xal rtepl raiv dpf>i- 
vwv, Taa xal rag &r]Xeeag äaxeiv 8etv' )^a\ ou8kv ^oßrj&ecg 
emocfi' äv TouTov töv Myov ouze iTuttx^g oure yuiivaaTix^g, wg 
dvdpdac fikv npenov S.v ecr], yuvac^l 8s ottx äv npsnov. Die Art 
und Weise aber, wie er das Gesetz vorschlägt und was der 
Kreter ihm antwortet: eazc p.evroe TzdixnoXXa r^plv napä rag 
ec(o9ueag noXmcag reijv vüv hyopsvojv, beweist deutlich, dass 
ein solcher Vorschlag der allgemeinen Ansicht von Schicklich- 
keit und Sitte gänzlich widersprach. [Nur von Chios erzählt 
Athen. XIII, p. 566, dass in den dortigen Gymnasien Jüng- 
linge und Mädchen miteinander sich im Ringkampf übten.] 

Von Sparta hingegen ist es bekannt genug, dass dort die 
Jungfrauen trotz den Jünglingen Gymnastik trieben, und die 
Frage bleibt nur, in welcher Ausdehnung dieses Statt fand 
und namentlich in wiefern auch hier die Nacktheit Platz griff, 
worüber manchen Stellen der Schriftsteller ein Sinn unterge- 
legt wird, den der Sprachgebrauch nicht zuzulassen scheint, 
wenn man nicht gar die Gesinnung des Autors verdächtigt. 
Wie die spartanische Sitte überhaupt in Kleidung und Um- 
gang mit Männern den Jungfrauen eine viel grössere Freiheit 
gestattete als den verheiratheten Frauen, so versteht es sich 
auch, dass gymnastische Uebungen sich nur auf jene be- 
schränkten, und deshalb ist Plato mit diesem spartanischen 
Institute als einer halben Maassrogel nicht zufrieden, Leg. 
VU, p. 806: ^ T^ TOiiTiuv 8^ 8ca fieaou ^üjfxsv, u) MiydXs, 
rh Aaxuivixov, xöpag /ikv yop-vaalmv /xsTo/oug ouaag fip-a xal 
fiouatx^g 8e7v Z^v, yvvacxag 8k dpyobg pev rahxatag ... röiv 
8k eig tov Tzo^e/iov pi) xotviovuOaag x. t. k. [Doch ist es kein 
gänzliches Vergossen der Sitte, wie Becker getadelt hat, wenn 
Lucian. üoor. dial. XX. 14 in der Schilderung, welche 
Aphrodite dem Paris von der bereits vorlioiratlieton Helena 
macht, diese als yvpväg rä noXX(\ xal naXatnvixij bezeichnet, oder 
wenn Aristoph. Lysistr. 82 die Lampito sagen lässt: 
yuftvdddoßai ydp xal norl nuydv äAXußat, 



cur fünften Scene. 225 

weil doch auch noch an verheiratheten Frauen die früher er- 
worbene gymnastische Fertigkeit gerühmt werden konnte.] Der 
Hauptpunkt aber, über welchen die Meinungen verschieden 
erscheinen, ist die yöfiviüatq tujv napMviuy, wie Plutarch sagt, 
die allerdings bei der Zweideutigkeit des Ausdrucks verschie- 
den verstanden werden kann. Es ist die Frage, ob darunter 
wirkliche Nacktheit oder nur leichte Bekleidung zu verstehen 
sei, um Früherer nicht zu gedenken, von Böttiger Opusc. 
p. 343 und Raub d.Kassandra S. 59 flF., von Manso Sparta 
Th. I. 2, S. 162 ff., und besonders von Müller Do rier Th. 11, 
S. 263 ff. gelehrt behandelt worden ; aber doch sind manche 
und gerade bedeutende Stellen übergangen; es scheint mehr 
behauptet als bewiesen zu sein, und namentlich vermisst man 
eine klare Auseinandersetzung und Vereinigung der verschie- 
denen Nachrichten. Die Schriftsteller drücken sich jedenfalls 
so aus, dass der Gedanke am nächsten liegt, die Uebungen 
der Mädchen seien eben so gut als die der Knaben und Jüng- 
linge ohne alle Bekleidung gehalten worden. Plutarch. Ly- 
curg. 14 sagt: oudkv rjrxov eiBtae tüjv xuptav rag xopag 
yuft.vdg re nonmuecv xac hpoTg naiv dp^eiad^ai xai ^8ecv ratv 
vewv napovrcjv xal &e(u}i£v(x)v, und wenn man bedenkt, dass über 
die wirkliche Nacktheit der xopoi ein Zweifel überhaupt nicht 
Statt finden kann, dass Lakedaemon hierin ja gerade den übri- 
gen Griechen mit seinem Beispiele vorausgegangen war (Thu- 
cyd. I, 6), dass namentlich auch die yupvonacdcac im eigent- 
lichen Sinne zu nehmen sind (Gesn. ad Lucian. de salt. 
12, Ruhnken. ad Tim. p. 73), so wird man natürlich den 
gleichen Gebrauch bei den Mädchen voraussetzen müssen. In- 
dessen ist es nicht nöthig, die Worte oudkv ^rrov gerade auf 
yvpvdg zu beziehen, und dieses Wort selbst kann nichts ent- 
scheiden, da bekanntlich es auch den bezeichnet, der nur mit 
dem Chiton bekleidet ist. Es liesse sich eine grosse Menge 
von Stellen anführen, aus denen dieses klar hervorgeht; die 
Sache ist aber zu bekannt, als dass es deren bedürfte; [vgl. 

Chariklea II. 15 



226 Erster Excurs 

Hermann Privatalterth. §.21, n. 13.] Nur einige wenige, 
in denen das Unterkleid ausdrücklich genannt wird, mögen 
hier stehen. So sagt Lysistrata bei Aristo phanes v. 150: 

el yäp xaßoißsß'^ ivdov ivTerpißfiivat, 
xäv Totg ^tratv iot<Tc rotg äßopylvoig 
yo fivac Tzapiotßev x. r. X. 

eben so Demosth. in Mid. §. 216: u)ar£ ps ^oßrjMvra rbv 
ufiSTSpov Bopußov &oludTcov npoecr&ai xai fxcxpoü yufivbv iv 
^ixojviaxip ysvda&a:, und selbst die ffaiJißuxeaTpcat hei Athen. 
IV, p. 129: ifxoc psv yvp.\)a\ doxäj, nXrjV ihyov rcveg auräg 
i^etv /iTtwva?, waren nur so dünn bekleidet, dass man die 
Bekleidung kaum sah; vgl. die "nöpvat ebend. XIII, p, 568: 
yufival iv XenroTcfjvoig oipsaiv. Mit dieser Bedeutung des Wor- 
tes stimmt es nun völlig überein, was uns allenthalben von 
der Tracht der dorischen Jungfrauen berichtet wird. Sie tru- 
gen den ärmellosen Chiton ohne weiteres Obergewand, und 
dieser war nicht nur oft so kurz, dass er noch über den 
Knieen endigte, wie Clem. Alex. Paed. 11. 10, p. 258 Pott, 
sagt: ohoh yof) ünkp yovu, xaddnep rag Aaxatvag <paai nap- 
^evoug, icnoMaBai xa^ov, sondern auch so geschnitten, dass 
ihre Tracht anderwärts höchst unanständig erscheinen musste. 
Eurip. Andrem. 588: 

a? ^bv veoimv, i^epTjfwüoat dSfioug, 
yufivoiat ßrjpotq xal ninXotg dvetßivoti 
dpofioui nakaltrrpaq t' oöx ävaa)^eroug ifioi 
xoivdg i)(Ouat. 

Was mit diesen ninXoig dvetfiivotg gemeint werde, erklärt Plo- 
tarch. Comp. Lycurg. c. Num. 3 selbst bei Anführung der 
Stelle: ttf» yäp ovu roü 7iaf)bevtxou ^trojvog al nripuyeg oux 
^ffav auve/'tpafijxdvau xärwBeVf dAA' ävenmaaovzo xal auvave- 
y6iivoi}V TiXov iv uu ßa^l^etv rbv pxjpuv xai aafiarara rb yt- 
vvfuvuv eiptjxe, 2!o^oxX^s iv TouTocg' 



8ur fünften Scene. 227 

xal räv viopTOv, 2c It' äaxoXoi ^trwv 
ßupalov äii<p\ ßtjpov 
möaaeTai, 'Epßtövav. 

Das ist der ^izwv ayjazoi^ den Böttiger irrig auf die ge- 
schlitzten Aermel bezieht. Po 11. VII. 65: exahTro oh. xai ö 
•Twv izapBiviuv ourto ycrwvicxoe , ob napaXuaavreg «//Of T<vt>ff 
Tag" TnipoyaQ ix rrjg xdriu neCf^S ■napi<patvov zoug fxrj- 
poug jmXiara al ÜTcaprcdTcdeg , äg 8cä tuuxo ^avo}iripi8ai 
(Lvöfia^ov. In diesem Sinne erklären den Ausdruck dwpid^etv 
auch Pausanias und Aelios Dionysios bei Eustath. ad 
II. XIV. 175, p. 975. 37: Aücog yduv Jcovuaiog dwptd^etv 
(prjoi rö 7:apa<paivstv xac Tiapayupvouv roXit rc toü aut/iaTog- 
al ydp xaxd UeXoTiövvrjaov, <pTrjai\ xopai dcTjpdpsuov d^ioarot 
jcal äj^iru)veg, IfidTtov povov im Bareptf imzsnopTojiidvai' 
xa} Zpa ivToußa dia<popdv ^irafvog xdl iparcow [laoaaviaQ 8s 
xac auzbs dwpid^scv <pr^a\ zh Tzapayoiivouai^af oioptxbv ydp, 
^ai, rb napa^acvetv zb «röi/xa 8td zb yc/joh Zdivag i'^^siv, rb 
■TzoXh 8k ytzwvag ^opecv iv 8e Undpzjj xal zag xöpag 
yu/Jivdg ^aivz(T&ac. Der Widerspruch, den Eustathios darin 
findet, dass Ael. Dionysios die Peloponnesierinnen d-^iziuvag 
nennt, während Pausanias gerade sagt, sie trügen gewöhnlich 
nur den ^czu/v, erklärt sich leicht daraus, dass ein Gewand, 
dessen Brust und Kücken deckende Theile nur auf den Achseln 
durch AgraÖ'eu zusammengehalten wurden, und das nach un- 
ten, wenigstens auf einer Seite, ebenfalls aufgeschlitzt oder 
offen war, im Vergleiche mit der übrigen griechischen und 
namentlich der ionischen Tracht für gar keinen Chiton gelten 
mochte; und daraus erhellt auch, wie es bald ijxdztov^ bald 
TzsTzXog, bald j(tzwv geuaunt werden konnte; s. den Exe. über 
die Kleidung. 

Bei allen diesen Erklärungen handelt es sich jedoch, was 
wohl zu beachten ist, nicht von den üebungen in der Palästra, 
sondern von der Tracht der Mädchen im täglichen Leben; was 
jene anlangt, so ist mir nur das einzige Scholion zu Eurip. 

15* 



228 Erster Excnrs 

Hecub. 914 bekannt, worin bei den Agonen der Chiton 
erwähnt wird: al AaxeSacixöveac yvvacxes iv roTg dyuja: fio- 
voytzojveg rjtrav nopitaq i^' ixazipou ru)v u>nujv e)(ouaaCf 
5Bsv xac Siuptd^etv zu yv}xvou<T&ac Hvaxpdwv ^rjac: und ver- 
bindet man damit das Scholion Florent. zu v. 915: at doj- 
pßes xopac ip^ofjisva! etg zöv vaöv z^s 'ApzifxeSog iv^ouamaac 
fiezd kvbg fiovoo /izajvog ^p^ovzo, wo ohnehin statt des durch 
ip^ofxevac ganz überflüssigen ^p^ovzo wahrsclieinlich wp^ouvzo 
zu lesen ist, so liegt die Vermuthung nahe, dass dabei viel- 
mehr an die Tänze gedacht werde, welche im Heiligthume der 
Artemis Karyatis aufgeführt wurden. S. Böttiger Amalth. 
Th. III, S. 144 [Vgl. Lobeck Aglaoph. p. 1086 mit Her- 
mann gottesd. Alterth. §. 53, not. 15]. Andere Stellen 
hingegen scheinen in der That von wirklicher Nacktheit zu 
sprechen oder doch wenigstens der Annahme, dass die Uebun- 
gen im Chiton Statt gefunden hätten, entgegen zu sein. Ich 
will nicht das Schol. Guelf. zuEuripides geltend machen: 
xa} Sojpcd^etv zb yop-vag (palvta^ai ras- yova7xa(:' ^Ava- 
xpiojv, ixdüffa ^tzujva diupid^ecv: denn diese wenigen, 
aus dem Zusammenhange gerissenen Worte können nichts be- 
weisen. Auch von Athen. XIII, p. 566 mag dasselbe gelten: 
inaivoüvzeg ziuv Znapziaziov zu eBog zu yufj.voüv zag napM- 
voug zoitg $evocg. Allein ich frage, welchen Sinn bei der ge- 
wöhnlichen Erklärung die Worte Plutarch's Lycurg. 15« 
haben können: iyv fikv ouv xai zauza Tzapopp.rjzixd irphg ydfiov ' 
Xiyoi 8k zdg nofxndg zu)V nap^iviov xa\ zag dnoduascg xai 
roug dyujvag iv oipet zujv vdiov, dyojxsvujv ob yeiufiezptxaJg u/g: 
tpiaiv b UUzu)v (Republ. V, p. 458) dW ipatztxacg dvdy 
xatg? Wenn vorher die jvfivuiffig zuJv •napMvuiv zweideutig 
sein kann, so lässt sich doch bei dnoduacg nur an wirkliche 
Entkleidung denken. Denn wie könnte überhaupt von dno- 
Suvac die Rede sein, wenn die Mädchen das gewöhnliche Ge- 
wand, ausser dem sie keines trugen, auch bei den Uebungea 
beibehielten? Der Zweck oder doch die Folgen für die p]he». 



eur fünften Scene. 229 

auf welche Plutarch hinweist und deshalb von Manso be- 
spöttelt wird, sind unverkennbar. Ganz ähnlich und vermuth- 
lich mit Kücksicht auf die spartanische Sitte verlangt P lato, 
dass die jungen Leute, um für die Ehe zweckmässig zu wäh- 
len, sich schauen sollen. Leg. VI, p. ttl: r^ff ouv roiaxtrrjQ 
<mouSrjs ivsxa ^fjrj xai rau; naioiä; nocsTa&ai /opsuovrds re 
xat ^opeuouaag xupoug xac xopas xal apa ojy Bewpouvrds re 
xat &sajpouii£voos psra \uyoo re xat ijXixtag Tcvbg i^ooatji 
stxueag npo^dcrecg yupvohg xal yupvdg pi^pinsp aldoug 
cuxppovoQ kxdariuv. Es ist derselbe Grundsatz, nach wel- 
chem bei gesetzlich gebotener Heirath hinterlassener Jung- 
frauen der Richter über die avppsTpia oder dpzxpia entschei- 
den soll, XI, p. 925: t^v ^h toü rtuv ydpujv /povou aup^- 
Tptav T£ xa\ dpsrpcav 6 otxaazrjg axonivv xpcviru/^ yopvoug 
jxkv roug äppsvag, yvpvdg ok op^aXou piS^Pt ^eutpisvog rag &rj- 
Xeiag. Wenn man ferner vergleicht, was die spartanischen 
Mädchen bei Theo er. XVIII. 22 sagen: 

Slfifxeg yäp izäaai auvoßdXtxes, als ^pofxog tubTÖ^ 
^ptaafievaig ävSptffTt nap' Edpiürao Xoerpotg, 

80 wird man doch zugeben müssen, dass der Dichter in der 
That an eine nuda palaestra gedacht habe; und dass über- 
haupt die Uebungen der Jungfrauen sich nicht bloss auf Lauf 
und leichtere Gymnastik beschränkten, sieht man schon aus 
Xenoph. Rep. Lac. 1. 4: npiÖTov pkv aiopaaxetv ira$sv ou- 
Skv TjTzov zb &^Xu Tou äppsvog (pbXoo, STtscra 8s Spopoo xal 
lajiiog uKTKZp xai Tocg dvdpdffiv ouzu) xa\ zdtg ByjXstaig dyuj- 
vag npbg dXXi^Xag enoiTjas. Dazu kommen endlich die Stellen 
der römischen Dichter, die offenbar nicht bloss an wirkliche 
Nacktheit, sondern auch an gemeinschaftliche Hebungen der 
spartanischen Mädchen mit den Jünglingen geglaubt haben, 
als Prop. IIL 14: 

Multa tuae, Sparte, miramur iura palaestrae, 
Sed mage virginei tot bona gymnasii, 



230 Erster Excurs 

Quod non infames exercet corpore ludos 
Inter luctantes nuda puella vires; 

Ovid. Her. XVI. 149: 

More tuae gentis nitida dum nada palaestra 
Ludis et es nudis femina mista viris; 

Martial. IV. 55: 

Aut claram ßbodon aut libidinosae 
Ledaeas Lacedaemonos palaestras; 

und so möge es nun zwar eines Jeden Urtheile überlasse» 
bleiben, in wie weit er die Möglichkeit oder Wahrscheinlich- 
keit einer Entkleidung in der Wirklichkeit annehmen wolle; 
das aber wird nicht hinweggeleugnet werden können, dass zur 
Zeit der Schriftsteller, durch welche wir nähere Nachricht da- 
von erhalten, diese Vorstellung von der Gymnastik der spar- 
tanischen Jungfrauen herrschend gewesen ist. [Müller die 
Dorier Th. II, S. 314 hält das Zusehen der Jünglinge beim 
Turnen der nackten Mädchen schon aus dem Grunde für sehr 
unwahrscheinlich, weil nach Plut. Theaet. p. 169: AaxB- 
dacjiüvioi yap dmivai ^ dnodüsoBai xshüoucrc, in den sparta- 
nischen Gymnasien das den Römern so anstössige (Senec. de 
brev. vit. 12, 2) Herumtreiben müssiger Zuschauer nicht ge- 
duldet ward. Auch bezieht er Nicol. Damasc. bei Stob. 
Serm. XLIV, 41: yvjivdaia o' Coanzf) dvdfmv oürcu xal na/j- 
$£vu)v auf getrennte Uebungsplätze beider Geschlechter, xot- 
vai naXaiffrpai bei Eurip. Andromed. 591 aber auf Gelegen- 
heiten, wo sie eben nicht völlig entblösst zusammenkamen. 
K. F.Hermann zu Charicles II, S. 178 und Stautsalterth. 
§. 26. n. 18, ebenso Schömann Griech. Altorth. I, S. 277 
haben sich dieser Ansicht angeschlossen, während die von 
Trieber Quaest. Lacon. Berolini 1867, p. 25 angeführton 
Stellen das Gcgenthoil zu crhilrten nicht im Stande sind.] 
Eine ausführliche Untersuchung über die Anlage und Ein- 



zur fünften Scene. 231 

richtung der Gymnasien ist dem Zwecke dieses Buches fremd; 
hier erwähne ich nicht mehr davon als nöthig ist, um für eine 
Schilderung des Lebens in denselben orientirt zu sein. — Nur 
durch Vitruv erhalten wir eine zusammenhängende Nachricht 
über einen solchen Bau; aber wie in allen den Theilen der 
Architektonik, welche für den Römer von keinem besonderen 
Interesse sind, ist seine Beschreibung auch hier sehr flüchtig 
und sowohl aus diesem Grunde als durch die Ungewandtheit 
seines Ausdrucks unklar. Ob die zu Ephesos, Hierapolis und 
Alexandria Troas aufgefundenen Reste alter Gymnasien geeig- 
net sind, mehr Licht in die Sache zu bringen, lässt sich nach 
den mir bekannten von Canina Archit. gr. t. 132. 133 und 
nach diesem von Marini zu Vitruv t. 96 mitgetheilten Grund- 
rissen nicht entscheiden; nach ihnen scheinen aber jene Gym- 
nasien eine ganz andere Einrichtung gehabt zu haben als das 
von Vitruv beschriebene, dem nach Ignarra de palaestra 
Neapel, p. 99 das Gymnasium Neapels als Vorbild gedient 
haben soll. [Bei Guhl u. Koner S. 121 wird das Gymna- 
sium von Hierapolis als der vitruvischen Beschreibung am 
nächsten kommend bezeichnet.] Krause in dem genannten, 
sonst sehr fleissigen Werke S. 97 ff. geht zu schnell über die 
vitruvische Lehre hinweg, ohne selbst die verschiedenen Con- 
structionen zu berücksichtigen oder die Schwierigkeiten des 
Textes zu heben. Die Grundrisse von Pallad io und Per- 
rault, von Newton, dem Stratico und im Wesentlichen 
auch Stieglitz und Hirt folgen, ferner von Marini t. 94 und 
Canina t. 131 fallen gänzlich verschieden aus, und doch ist 
keiner, für den sich nicht etwas zur Rechtfertigung anführen 
Hesse. Die Hirt 'sehe Modification des New ton'schen Risses, 
welche mit Unrecht auch Krause Taf. 1 aufgenommen hat, 
erweist sich sofort als unrichtig, wenn man bedenkt, dass die 
doppelte Halle, in welcher sich das Ephebeion befindet, nach 
Mittag gelegen sein soll. Dasselbe wird aber auch von einem 
der Xysten vorausgesetzt, der demnach mit jener Halle in 



232 Erster Excurs 

einer Linie liegen oder parallel mit ihr laufen müsste. Beides 
ist aber nach diesem Risse unmöglich. Krause nimmt S. 101 
irrigerweise an, dass der doppelte Säulengang der gewesen 
sei, in welchem man zunächst aus der Falästra trat. Dass 
dieses unstatthaft und eben darum der Riss falsch sei, ergiebt 
sich schon aus den Worten : »proxime autem xystum et dupli- 
cem porticum designentur hypaethrae ambulationes«. Die por- 
ticus duplex ist eine derer, welche stadiatae genannt werden. 
Nach Vitruv nun enthält das Gymnasium ein grosses Pe- 
ristyl (2 Stadien oder 1200 Fuss im Umfange), das auf drei 
Seiten einfache Säulengänge, auf der dem Mittage zugewen- 
deten einen doppelten hat. In der Mitte dieser doppelten Por- 
ticus, d. h. den Ausgang dahin habend , liegt das Ephebeion, 
der grösste Raum als Uebungsplatz, wie man meint, für die 
Epheben, mit Sitzen an den Wänden. Zur Rechten grenzt 
an das Ephebeion das Korykeion, dann folgt das Konisterion 
und endlich in der Ecke der Halle das kalte Bad. Auf der 
linken Seite liegt zunächst das Eläothesion zum Gebrauche der 
warm Badenden; dann nennt Vitruv ein Frigidarium; allein 
es ist schwer zu sagen, was man darunter sich denken solle. 
Ich habe im Gallus Th. III, S. 92 fif. gezeigt, dass frigida- 
rium und frigida lavatio dasselbe ist, und die frigida lavatio 
ist eben nach Vitruv auf der entgegengesetzten Seite; daher 
glaube ich mit Marin i, dass statt frigidarium zu lesen ist 
tepidarium. Dann haben auch erst die folgenden Worte ge- 
hörigen Sinn; denn es heisst gleich darauf: »proxime autem 
introrsus e regione frigidarii collocetur concamerata sudatio«. 
Wäre hier frigidarium das zunächst der sudatio liegende Zim- 
mer, so konnte in keinem Falle gesagt werden: e regione fri- 
gidarii; allein es ht oben die frigida lavatio gemeint und die- 
ser e regione befindet sich allerdings die sudatio, d. h. in der 
entgegengesetzten Ecke der Halle. — In den drei übrigen 
Hallen des Peristyls befanden sich die Gesellschaftssäle, Exe- 
dren, für die Unterhaltungen der Philosophen, Rhetoren und 



cur fünften Scene. 938 

überhaupt aller, die eine geistige Beschäftigung suchten, wie 
Vitruv sagt: »constituantur autem in tribus porticibus exedrae 
spatiosae habentes sedes, in quibus philosophi, rhetores, re- 
liquique, qui studiis delectantur, sedeutes disputare possint«. 
Diese Exedren waren, wie es scheint, grösstentheils unbe- 
deckt; denn Vitruv sagt an einem anderen Orte, dass deshalb 
das minium keine geeignete Farbe zum Malen ihrer Wände 
sei, weil sie von den Sonnenstrahlen getrofifen würden, die es 
nicht vertrage. VII. 9. 2: »itaque cum est in expolitionibus 
conclavium tectis inductum, permanet sine vitiis suo colore; 
apertis vero, id est peristyliis aut exedris aut caeteris eius 
modi locis, quo sol et luna possit splendores et radios im- 
mittere, cum ab bis locus tangitur, vitiatur et amissa virtute 
coloris denigratur«. Natürlich musste es indessen auch be- 
deckte Säle geben, und einen solchen meint vielleicht Ana- 
charsis bei Lucian de gymn. 16: äkX\ ec Soxsc, ig zö au- 
cxtov exsTaz dneX&ovTeg xa&catujiev im tüjv Bdxiuv, und gleich 
nachher: xal Idou yäp r^8rj ix^uyovzes töv rjkov iv rui auvrj- 
ptipü ia/isv, wiewohl man auch allenfalls Baumschatten ver- 
stehen kann. Die Exedren mögen zuweilen halbkreisförmig 
gewesen sein, wie sich aus Plutarch. Alcib. 17 schliessen 
lässt: wäre noXXoug iv zdcg TiaXaiarpaig xai xoTq 7^/j.cxuxMocs 
xa&d^sal^at, wenn nicht andere Oerter ausser den Gymnasien 
gemeint sind. — Die Sitze müssen als steinerne Bänke ge- 
dacht werden, welche an den "Wänden hinliefen. Lucian. 
a. a. 0. 18 : xal xaßsdpa /xdXa ijdeca xai euxacpog im <f>u^pou 
TOM Xc'Bou. Dass es Bänke waren, sieht man am deutlichsten 
aus Plato Charm. p. 155: ixaarog yap rjp.ijjv zwv xai^r^iii- 
v<ov ^uy^(upu>v Tov TiXrjffcov wf^sc <mou8rj, 7va Ttap' auT<p xa- 
^dCocTO' sojg Tutv in' ia^drw xa^r^pAviov tov fiev dvzarfjaa- 
fisv, TÖV 8k TiXdycov xaTeßdXo}iev : vgl. Euthyd. p. 274: b yap 
Krtianmoq exv/^s nöpßio xa&s^ojxsvog too KXsivioo, i/xol SoxeTv 
twff ö' iToy^avsv 6 Eu&udi^fios i/io: StaXsyopsvog npovevsuxujs 
eis th TtpocrBev, iv fidaw ovtoq ^jjlöjv toü KXetvcou^ ineaxoTet 



234 Erster Excurs 

Tai KvfjatiiTKp trjQ Mag: auch Republ. V, p. 449. Doch 
mochte es auch einzelne steinerne Sitze oder Sessel geben, wie 
in den Gymnasien und Theatern, so an anderen Plätzen der 
Stadt. Dahin geliört der steinerne Sitz, auf dem Demonax 
auszuruhen pflegte. Lucian. Demon. 67: xat zov üäjxov rbv 
Xc&cvou^ i(p' ob siiußec ottots xdfLVOi dvanaüea&ac, irpoasxOvouv 
xal iars^dvouv ig rtjxtjv rou ävdpug, ^youixsvoc lepöv elvat xal 
rbv Xt^ov, if' 00 ixa&i^äro: und vielleicht auch die iSpac 
^'&cvat des Aristoteles, Plutarch. Alex. 7. Dergleichen Sitze 
haben sich mehrere erhalten. S. Stuart Antiqu. of Athens 
t. III, eh. 3, p 19 Vign. eh. 4, p. 29; V. Mus. Pio-Clem. 
t. VII, pl. 44. 45; Böckh C. Inscr. n. 461. 462; Stackel- 
berg Gräber d. Hellenen S. 33. 

Die oben genannten Räume nun bildeten den Haupttheil 
des Gymnasiums. Auffallend ist es, dass niemand etwas dar- 
über äussert, wozu der grosse freie Raum des Peristyls, der 
nach Vitruv's Verhältnissen, die Hallen abgerechnet, einen 
Flächeninhalt von mehr als 60,000 Quadratfuss haben musste, 
benutzt wurde. Es ist wohl kein Zweifel, dass er hauptsäch- 
lich den gymnastischen üebungen diente, und es sagt dieses 
selbst von dem Lykeion mit klaren Worten Lucian. de gymn. 
2: irspoc Sk iv tio aWp(ü} trjg aoXr^g tu aoTo tooto Spuxrtv. 
Damit stimmt überein Dio Chrysost. Or. XXVIII. 1: inet 
8k Ttpbg Tu) yvfivaatü} rj/xsv, roug jjlsv Ttvag iiopwfiev iv Tat 
SpufjiüJ £q(u Tpd^ovTug xal xpauy^ tiöv napaxzXeuoiiivuiV ^v, 
Toug St xal dXXiug j^juva^o/idvoug • TouTocg fikv ouv ohx idoxee 
naf>£)(£ev, onou Sk nXecaTov n^Xov uloifisv , ixec ißaScZofJLSV. 
bpüjjuv ouv ndvu TtoXXobg karrjxoTag npog r^ i^i^pcf. tou 'Ilpa- 
xXioog . . . xai fioXcg iwpäjfuv toü yv/iva^o/ievou t^v xe^aXi^v 
X. T. X. Die Kxedni kann nur in dem Poristyl gesucht wer- 
den und vor ihr findet die Uebung eben Statt. Auffallend ist 
es, wie Krause S. 93 die Worte Plato's Lys. p. 206: ol 
fxkv oljv noXXol iv T^ aitXf^ inat!^ov i$(u, so missverstehen konnte, 
dasg er als Theil dos Gymnasiums »eine aiJXij ef<ua oder »eine 



zur fQnften Scene. 105 

Vorhalle« (S. 118) annimmt. Dann müsste es doch nothwen- 
dig heissen: iv r^ e$(o ahXfj. Allein abXrj ist eben das utzcu- 
&pov des Peristyls und die dort Spielenden heissen nat^ovre^ 
e$(u im Gegensatze zu denen im Apod yterion : ol Si rr/tg ruu 
dTioouTrjpiou iv yujvcf rjpTta^ov darpaydXotg napTiüXXotg. Vgl. 
Paus. X. 8. 8: iv 8k zoo yu/xvaacoo rio unail^pa}. 

Weit schwieriger ist es über das, was Vitruv von der 
Anordnung der übrigen Theile des Gymnasiums sagt, zu einer 
üeberzeugung zu gelangen. Er fahrt fort: »in palaestra peri- 
stylia, quemadmodum supra scriptum est, ita debent esse per- 
fecte distributa; extra autem disponantur porticus tres, una 
ex peristylio exeuntibus, duae dextra atque sinistra stadiatae; 
ex quibus una, quae spectaverit ad septentrionem, perficiatur 
duplex, amplissinia latitudine: altera simplex, ita facta» 
uti in partibus, quae fuerint circa parietes et quae erunt ad 
coluranas, margines habeant, uti semitas, non minus pedum 
denum mediumque excavatum, uti gradus bini sint in descensu 
a marginibus sesquipedem ad planitiem, quae planities sit n« 
minus pedes XII«. Ich habe die alte, von den Handschriften 
beglaubigte Lesart beigesetzt, obgleich sie unrichtig ist. Die 
neueren Ausgaben [auch Eose], mit Ausnahme der von Stra- 
tico, haben Perrault's gewaltsame Veränderung aufgenom- 
men: alterae simplices, ita factae etc. Allein dadurch scheint 
ein ganz falscher Sinn in den Text zu kommen. Nur die bei- 
den parallel laufenden Säulengänge waren stadiatae, der dritte, 
in welchen man zunächst aus dem Gymnasium trat, war nicht 
zu Uebungen bestimmt. Den Ausdruck stadiatae kann ich 
nicht von der Länge eines Stadions verstehen, wie Stratico und 
Krause (S. 101) wollen, [auch Petersen das Gymnasium 
der Griechen nach seiner baulichen Einrichtung. 
Hamburg, 1858, S. 27. Sollte das stadiatae der Handschriften 
nicht aus dem stadiales des Agrimensorenlateins entstanden 
sein? Vgl. Strabo XVII, 1, §. 10: xdXXc<TTov de rö yufivd- 
atov (in Alexandria) p-ec^oug tj (nadtacoug e^ov zag azodg iv 



236 Erster Ezcurs 

idoü). Ueberhaupt kann man sich schwer eine mit einem 
Stadium versehene Portikus denken. Nach dem Plane von 
Newton, den Becker und K. F. Hermann beigefügt haben, 
ist die Sache eben gerade umgekehrt: die Säulenhalle läuft 
an der einen Seite des Stadiums hin, d. h. es liegt ein mit 
einer Portikus versehenes Stadium vor uns!] und es ist 
durch nichts erwiesen, dass er gleichbedeutend sei mit ara- 
BtaTog; im Gegentheil ist es der Analogie gemäss, ihn als 
mit einem Stadium versehen zu erklären, wie es richtig von 
Philander, Galiani, Perrault, Rode, Schneider und 
Marini geschehen ist. Der in der Mitte und tiefer als die ihn 
umgebenden Gänge (margines oder seraitae) gelegene TJebungs- 
raum hat allerdings etwas einem Stadium Aehnliches, und in 
jedem Falle entspricht ihm der Name Spu/xog. Aus diesen 
Gründen glaube ich, dass mit einer unbedeutenden Verände- 
rung bei Vitruv zu lesen ist: »ex quibus una — perficiatur 
duplex — altera simplex, ita factae, uti in partibus — 
habeant« etc. Wenn darauf folgt: »haec autem porticus Boards 
apud Graecos vocitatur«, so ist dieses nicht so viel als eius- 
modi porticus, sondern das Pronomen bezieht sich auf die zu- 
letzt genannte, nämlich die porticus simplex, weshalb auch 
gleich darauf gesagt wird: proxime autem xystum (nur einer 
hiess so) et duplicem porticum designentur hypaethrae ambu- 
lationes. 

Die grösste Schwierigkeit für die Anordnung aber liegt 
in dem zweideutigen Ausdrucke: »extra autem disponantor 
porticus tres«. Wenn wirklich diese Hallen hinter dem zuerst 
beschriebenen Thoile des Gymnasiums liegen sollen, so muss 
man sich allerdings wundern, dass Vitruv nicht in seiner ge- 
wöhnlichen Weise gesagt hat introrsus oder post. Bei dem 
gewählten Ausdrucke aber, der den Worten in palaestra ent- 
gegensteht, wird man zunächst daran denken, dass die nun 
folgenden Hallen die Palästra äusserlich umgaben. So hat es 
in der That Palladio gedacht, auf dessen Risse ich indessen 



zur fünften Scene. 287 

die dritte Halle ganz vermisse. Die porticus duplex grenzt, 
nach ihm parallel laufend, an die Seite des inneren Peristyls, 
wo sich das Ephebeion befindet, weil sie, wie diese nach 
Mittag, so im Gegentheile nach Mitternacht liegen soll; der 
Xystos liegt auf gleiche Weise auf der entgegenstehenden Seite 
und das ganze Gymnasium dehnt sich nun nicht nach Innen 
oder hinterwärts, sondern nach beiden Seiten aus. Ich mag 
mich über die Möglichkeit einer solchen Anordnung nicht ent- 
scheiden; nur das sei bemerkt, dass damit die Worte: »post 
xystum autem Stadium«, schwer zu vereinigen sind. Indessen 
sei auch gegen den Newton 'sehen Kiss bemerkt, dass Vitruv 
eben nur sagt: »post xystum«, nicht: »post xystum et duplicem 
porticum«, und dass also die angenommene Lage des Stadiums 
dadurch zweifelhaft werden kann; man müsste denn xystum 
als Neutrum nehmen und den ganzen zwischen den Hallen 
liegenden Kaum verstehen. Ausserdem mache ich auf das Be- 
denken aufmerksam, ob dieser Baum, der nach den Rissen 
keinen grösseren Flächeninhalt haben konnte als das Hypä- 
thron des Peristyls, und wenigstens nicht breiter war, gross 
genug erscheinen kann, um darin »Silvas aut platanonas, am- 
bulationes et stationes« zu haben. Ueberhaupt bleiben über 
diesen Theil der vitruvischen Palästra eine Menge Zweifel, die 
vielleicht nie mögen gelöst werden können ; und die drei Ein- 
gänge zu dem vorderen Theile, so wie die ganze übrige An- 
ordnung der einzelnen Abtheilungen, sind reine Phantasie; 
nur im Allgemeinen stimmt dieser Plan am leidlichsten mit 
Vitruv's Angaben überein. [Petersen a. a. 0. äussert sich 
S. 9 über seinen von Becker ganz abweichenden Plan folgen- 
dermaassen: »Die quadraten oder oblongen Peristylien der Pa- 
lästra schliessen nicht einen Hofraum, sondern ein Gebäude, 
das Palästra heisst, ein, das in der Mitte eines grossen Platzes 
liegt, und die als ausserhalb bezeichneten drei Hallen liegen 
an drei Seiten der diesen ebenfalls viereckigen Platz umgeben- 
den Mauer, und zwar mit der offenen Seite dem in der Mitte 



238 Erster Excura 

liegenden Hauptgebäude zugekehrt, so dass die vierte Seite 
ohne Halle nur von einer Mauer begrenzt wird.« 90,000 Qua- 
dratfuss rechnet er auf die Palästra selbst und auf die drei 
Hallen 25,200, so dass ihm für den grossen, unbedeckten Hof- 
raum 244,800 Quadratfuss übrig bleiben. Guhl und Koner 
S. 118 ff. schliessen sich mehr an Becker an. Ein besonderes 
Verdienst Petersen's bleibt es, dass er auch hier auf die re- 
ligiöse Weihe einzelner Theile von diesen Anlagen aufmerk- 
sam gemacht hat. Denn wie in der Knabenpalästra stets 
Hermes seinen Altar und sein Bild hatte, so wurden in den 
Gymnasien Herakles, Hermes und Eros verehrt, und nament- 
lich fehlte nie ein Heiligthum der Musen. Den religiösen 
Mittelpunkt des Gymnasiums aber bildete der Tempel oder 
wenigstens der Altar der Hauptgottheit, welcher das ganze 
Gymnasium geweiht war, und neben dieser hatte oft ein Heros 
seinen Platz, von dem gewöhnlich die Anlage ihren Namen 
führte, z. B. Akademos neben Athene in der Akademie und 
Lykos neben ApoUon im Lykeion. Dem Apollon waren über- 
haupt von Alters her am öftesten neben Athene die Gymna- 
sien geheiligt. — Auf die Palästra lässt Petersen a. a. 0. 
nach Süden zu den Kaum für die Hebungen im Ringen und 
Pankration unter freiem Himmel {xov:aTf>a) folgen, dahinter 
von Westen nach Osten sich streckend die Laufbahn im Freien 
{dpü/xog), dann mit dieser parallel die bedeckte Bahn {^uardg) 
und endlich das Stadion. Die Trapao/joiMcdse genannten Spa- 
ziergänge legt er wohl richtig neben den 8p6/i(K, während 
sich die nefunaToi, von Vitruv hypaethrae ambulationes ge- 
nannt, neben den beiden, die ganze West- und Ostseite be- 
grenzenden <TToa/ hinziehen. — F. Buesgen de gymnasii 
Vitruviani palaostra. Bonn, 1863, hat sich mit dem von 
Petersen angenommenen Verhältniss der Palästra zum ganzen 
Gymnaeium bei Vitruv einverstanden erklärt, aber in IJozug 
auf einzelne Theile derselben, namentlich das xwfiuxeiov, dno- 
öurr/piov und xoviarrjfjtov abwoichondo Ansichten geäussert 



Eur f&nften Seene. 9t9 

Mit Recht, wie es mir echeint, hat er endlich bestritten (S. 28), 
dass das Heiligthum der Hauptgottheit jedesmal einen archi- 
tektonischen Mittelpunkt der Palästra gebildet habe, was Pe- 
tersen annimmt.] 

Dagegen muss hier noch eine Hauptfrage zur Erörterung 
gebracht werden, von wem und zu welchen Uebungen die 
Gymnasien und ihre einzelnen Bestandtheile benutzt wurden 
und wie sie sich namentlich auch zu den Palästren verhielten. 

[Nachdem schon Bergk in seiner Rezension des Chari- 
cles in Hall. Jahrb. 1841 S. 375 ff. die unklare Auffassung 
des Verhältnisses zwischen Gymnasium und Palästra und na- 
mentlich den Mangel einer Scheidung zwischen dieser, als 
Kingschule und Ringstätte bei Becker gerügt, aber die vier 
Bedeutungen von naXatarpa als Turnschule der Knaben, als 
Theil des Gymnasiums, als gleichbedeutend mit dem Gymna- 
sium bei den italischen Griechen und Römern, und als meta- 
phorischen Ausdruck, welche bereits von Haase bei Ersch 
u. Gruber Allgem. Encyclop. unter Palaestra, Sect. III, 
Th. 19 S. 360 (1837) aufgestellt worden waren, insofern wie- 
der unter einander geworfen hatte, als er mit Becker gegen 
Haase und Krause (Gymnastik u. Agonistik der Hel- 
lenen, 1841) leugnete, dass die Palästra vorzugsweise für 
Knaben bestimmt gewesen sei, gebührt K. F. Hermann das 
Verdienst, in seinen Zusätzen zum Charicles und seinen Pri- 
vatalterthümern §. 36 den scheinbaren Widerspruch dadurch 
gehoben zu haben, dass er wenigstens bestimmt nachwies^ 
dass das Gymnasium nie eine Unterrichtsanstalt gewesen sei. 
Seiner Ansicht hat sich im Allgemeinen Grasberger Er- 
ziehung und Unterricht im klass. Alterthum 1866, 
Th. I, S. 244 ff. und B. Stark in seinen Nachträgen zu Her - 
mann's Privatalterthümern (1870) angeschlossen. Die 
Verschiedenheit der beiden Anstalten hatte Becker wohl zu- 
gegeben und selbst auf Lucian. paras. 51 (vgl. Theoer. 
Idyll, n. V. 80 — 97; Diog. Laert. II. 43; Pausan. IV. 



240 Erster Ezcurs 

32, 1; Liban. Apol. Socr. tom. III, p, 7 Reiske) verwiesen. 
Er sah aber in den einzelnen Palästren nur des Bedürfnisses 
wegen von den Gymnasien abgezweigte Eingplätze oder Filiale 
derselben. Für die Palästra als Theil des Gymnasiums vgl. 
Hyperid. fragm. ed. Blass, p. 13, 22: xal 'Apcffrofxa^ng 
imararr^S yevofievog r^g AxaSrjfJuag^ orc axa^uov ix r^g na- 
XouffTpag /jLsrevsj'xwv elg vbv xrpiov tov ahzdö -nhjoiov ovza 
i/p^To. Wenn es aber bei (Plut.) X orat. p. 841 von Lykurg 
heisst: xal rb iv Auxscoi yvp.vdacov inoci^ce xal i^ureuae, xal 
T^v naXacarpav wxodofiTjas , so durfte Hermann Privatalt. 
§. 36, n. 20 nicht daraus schliessen, dass das Lykeion »erst 
damals seine Palästra erhalten habe«, weil ja überhaupt da- 
mals erst der weite mpcßoXog des Apollotempels in ein Gym- 
nasium verwandelt wurde; im Gegentheil geht klar daraus 
hervor, dass man sich damals ein Gymnasium gar nicht ohne 
Palästra denken konnte. Auch hätte er nicht in d. Privat- 
alt. §. 36 n. 18 ebenso wie Grasberger S. 253 , 2 zu den 
Eigenthümern oder vielmehr richtiger Erbauern und Stiftern 
von Palästren, wie Taureas (Plat. Charmid. p. 153; Lucian. 
paras. 43), Timagetos (Theoer. Id. II, 8), Sibyrtios (Plut. 
Ale. 3), Hippokrates (Plut. X orat. p. 837), den von Plat. 
Lys. p. 204 genannten Mikkos rechnen sollen; denn von die- 
sem heisst es ja auf die Frage dcSdaxsc 8k r(g abzoBt; 2bg 
kra/pug t£ xai ircatviTrjg, Mcxxog, und Sokrates sagt dann: 
fiä J/a, ob <pwj}.üg ys dvijp dXr Ixavbg ao^ear^g. Wahr- 
scheinlich gehörte diese -nakaiaTpa vtataxi (uxoSoixrjiiivr) ^ weil 
sie nicht den Namen eines Gründers führte , zu denen , von 
welchen (Xonoph.) de republ. Athen. II, 10 schreibt: xa\ 
yvfivdma xal Xourpä. xal dnodurijpia roTg fikv nXoumocg iffzlv 
lüta ivioig, b Sk Srjfiog^ abrbg aurtp olxoSofi scrac I8{(f. 
rtaXataxpag noXXb.g^ dnoSuT^pca^ Xoorpiövag. Denn bei dem 
I8lq. hat Grasberger S. 260 wohl mit Recht an das Bedürf- 
niss der einzelnen Stadtviertel gedacht, deren Bewohner auf 
gemeinschaftliche Kosten, aber doch nicht Srjjxoa^^, solche 



xur fünften Scene. 241 

Anstalten errichteten. Ausserdem weist die o. a. Stelle aus 
Plato's Lysis darauf hin, dass die Palästren ihrem öffentlichen, 
wenn auch nicht staatlichen Charakter gemäss zu Zusammen- 
künften verschiedener Art dienten; denn Hippothales sagt, 
abgesehen von der Erwähnung der Hermäen und den Vor- 
trägen des Mikkos noch im Allgemeinen : Oiarptßo/xev ok au- 
To&t rjiieTg re aurol xdi äXXot ndvu noX^oc xai xaXoe\ und später: 
Y) de dcarpißrj rä noXXä iv Xuyoci, wv r^Sdujg äv aoi /lezaSc- 
doi/iev. Hierzu stimmt, wenn man Flut, de anima fr. 3 
liest: 6 8k Ntxavdäg rjv axuroTo/xos , äXXojg 8k tüjv iv izaXat- 
arpatg yeyovuTiuv xai izoXXöig aovijByjQ xai yvu>pi/xog und Al- 
cib. 17: twöTE noXXoug iv rats TiaXaicrrpais xat zcitg ijp.exuxXcoce 
xa&d^eaBac, rr^g t£ v:^(tou to O'/rjpa xai Biatv Jißor^s xai Kap- 
^rjSövog hnoypd^ovTeg. Wenn ferner Becker Plutarch der ün- 
genauigkeit beschuldigt hatte, weil er dreimal (Amator. 4, 
Septem sap. conv. 7 u. Solon. 1) nur 8ouXov prj $r^paXoi- 
tpetv als Inhalt des solonischen Gesetzes angegeben hat, wel- 
ches bei Aeschin. c. Timarch. §. 138 lautet: 8ouXov pyj 
yvpvdCscr&at prj8k ^rjpaXoi<petv h racg naXatarpaig^ so hat Her- 
mann zu Charicles S. 187 darauf hingewiesen, dass yupvd^e- 
a&ac der allgemeine Begriff ist, der die Sklaven von allen 
Uebungen der Freien ausschliesst, ^rjpaXoc^ecv aber nach Phi- 
lost r. de gymnast. p. 20 vorzugsweise den gymnastischen 
Bildungsunterricht im Gegensatze zu dem athletischen Vir- 
tuosenthum bezeichnet. 

Das Ineinanderspielen verschiedener Wortbedeutungen hat 
namentlich viel dazu beigetragen, den Unterschied zwischen 
Gymnasium und Palästra zu verwischen. Als Lehranstalt be- 
zeichnet die letztere klar die Schilderung des Schwätzers 
Theophr. Char. 7: xai elg ra 8t8aaxaXeTa 8k xai scg rag 
naXalarpag eicriatv xojXustv Toug naTSag npopavßdvecv, roadüra 
xai TTpocfXaXuiv rocg nac8oTpeßacg xat 8i8a(TxdXocg , und dazu 
stimmt vollkommen Aeschin. in Timarch. §. 10: xai roug 
8t8aaxdXoug rä 8i8aaxaXe7a, xai roug nai8oTpcßag rag naXat- 

ChariUes II. \Q 



242 Erster Excurs 

arpag dvotystv /jÄv änayopeuei fi^ Tipörspov, nplv ^v b ^Xtoq 
äviaxjl ^- T. ^. Wenn nnn Plato z. B. Leg. VI, p. 764 yop.va- 
aia und didaaxaXsia nicht bloss für Knaben, sondern auch für 
Mädchen verlangt (vgl- p. 804), so meint er überhaupt bloss 
gymnische Uebungsplätze , ohne den Unterschied zwischen 
Palästra und Gymnasium im Auge zu haben. Wenn sich fer- 
ner Lucian. Nav. 4 junge Männer in die Palästra begeben: 
ßadi^üjjxev 8' op.(us, ^v thoq dvsojyuTav eri t^v TraXacarpav xa- 
raXdßcojxev, so thun sie es ja nicht, um sich dort zu üben, 
sondern um den verlorenen Adeimantos zu suchen, welcher 
einem schönen Knaben nachgegangen war. Ebensowenig lässt 
sich für die gemeinschaftliche Benutzung der naXaiazpa^ als 
Uebungsstätte , aus Lucian. Paras. 51 schliessen. Denn 
wenn es dort heisst: zag 8k naXcuarpag xal rä yvfxvdata xal 
rä aufinoaca 8c(uxec xal xoafiec /xovov ourog. iirel zig iv na- 
Xalarpq. (ptXöao<pog ^ (>i]T(up dno8og ä^iog ffuyxpc&^vat Trapa- 
a'txoo Tu} auffiazt; ^ reg iv yopMaato} zoOziuv d^&elg oux cd- 
a^uvi/j [xäXXov zou ;^ö;/?/oy iaxt; so ist eben nur von einer Ent- 
blössung die Rede, um die Körperbeschafifenheit zu taxiren 
und zu vergleichen, und da überhaupt die Palästren öffent- 
liche und, wie oben gezeigt, viel besuchte Orte waren, warum 
sollte es nicht vorgekommen sein, dass ausser den Unterrichts- 
stunden der Knaben einmal auch Aeltere einen Strauss unter 
sich ausfochten? Die Stelle des Komikers Anaxippos bei 
Athen. X, p. 416, wo ein Athlet aus der Palästra kommt, 
beweist gar nichts, da man, wie Petersen das Gymna- 
sium der Griech. S. 25 schon richtig bemerkt hat, nicht 
weiss, ob er in der Ilingschulo als Zuschauer oder Lehrer ge- 
wesen sei, oder in der Palästra eines Gymnasiums. Diese, als 
der Ilaupttheil der Anlage, ist auch gemeint bei Aristoph. 
Nub. 1068: 

ToÖT* iazl toüt' Jxc?i/a, 
ä ruiv vtavlaxtov äti dC ijuipai kakuüvzoiv 
nXfjpti TÖ ßakavtlov nouJ, xcvdc 6k räi nalalarpai. 



Bur fünften Scene. 243 

Umgekehrt hat man sich vergebens Mühe gegeben, die Theil- 
nahme der noch unter dem natSorptßrjg stehenden Knaben an 
dem Besuche der Gymnasien nachzuweisen. Die von Becker 
auf eine Gemeinschaft unter Epbeben und Knaben gedeutete 
Stelle bei Theophr. Char. 21: tSjv 8h yvfxvamwv iv toutocs 
Starpcßscv, ciu äv e^rjßot yufivdCMVTat , braucht gar nicht so 
gefasst zu werden, als ob in dem einen oder anderen Gym- 
nasium die Epheben sich nicht geübt hätten; es soll bloss 
heissen, dass der Ehrsüchtige immer nur in solchen Gymna- 
sien verweilt, wo sich gerade die Epheben üben, die ja wohl 
für ihre gemeinschaftlichen Exercitien auch bestimmte Stun- 
den einhielten. Ebenso wenig lässt sich zu demselben Zwecke 
folgern aus Dio Chrysost. Or. XXVIII, 6: änoduaafidvou 
S' oux ecFTcv oartg äXKov i^eäTo, ttoXXwv fxkv nacSiuv, noXXwv 
Sk dvdpujv yufiva^oiisviov, weil hier der schöne Athlet im All- 
gemeinen mit anderen Turnern verglichen wird, ohne dass 
eine Nöthigung vorliegt, die beiden Altersklassen als gleich- 
zeitig oder an demselben Orte sich übend zu denken. Im 
Gegentheil stammt dieses Zeugniss aus einer Zeit, wo die mit 
den veoc oder den älteren Epheben (18—20 Jahre) gewöhn- 
lich identischen ävopsg gar nicht mit den naideg zusammen 
sich übten, sondern meist wirklich ihr eigenes Gymnasium 
hatten. Vgl. die von Curtius behandelte pergamenische In- 
schrift im Hermes VII, S. 42: xzcan/jv roo äXencrrjptoo roo 
iv Tüj TuJv vecuv yofxvam'ü) und dazu S. 45. Ferner berief sich 
Becker auf Aristoph. Av. 140, wo von einem ttous cupalos 
gesagt wird: 

Bbpwv d-Kiovr^ dnb yußvaaioo AsXoufisvov 
Oux ixuffag, ob TrpoaecTtag, od T:poaTjydYou. 

Man braucht hier nicht mit Petersen a. a. 0. yv^vamov durch 
»Uebung« zu übersetzen. Denn wozu ist es nöthig, bei tzoiq 
nur an den Schüler der Palästra und nicht auch an einen Ephe- 
ben zu denken? In der 23sten Idylle Theokrit's wechselt 

16* 



244 Erster Ezcurs 

Efaßoi mit rcaiQ wiederholt und bei Lucian. Amor. 26 heisst 
es gar: et S' sYxoatv irojv dnon^tpiur] näcdd Tis (vgl. Petit. 
Leg. Vm, 1, 63: xac /J-d/pc fiivroc etxom naTSag ovrag riojg 
TzspcnohTv rä nept rrjv noXiv fpoöpia). Aber auch bei den 
an den gymnischen Wettkämpfen theilnehmenden rd$eiQ der 
jungen Leute zerfallen die naTdeg nach den Inschriften in drei 
Altersstufen, von denen die höchste {dyiveioi) bis zum 18. Jahr 
hinaufreicht: Eangabe Antiqu. Hellen, vol. II, p. 681 und 
Stark zu Hermann's Griech. Privatalt. §. 35, n. 13. 
Eine Inschrift von Sestos (Hermes VII, S. 134) nennt nur drei 
Altersklassen im Allgemeinen, ndtdeg, i^Tjßoi und veo;, wobei 
die ersten bis zum 16. Jahr gerechnet sein mögen. Vergl. 
auch Corp. Ins er. I, n. 2214. Für die Eintrittszeit der ncu- 
8eg giebt einen Fingerzeig das von Hirschfeld edirte und von 
Curtius in Bursian's Jahresber. Bd. II, S. 295 ange- 
führte Epigramm von der Insel Ikaria, wo es von einem zwölf- 
jährigen Knaben heisst, er sei nicht dazu gekommen, i^iSeTv 
'Epprjv yvjivaatou npoedpov. Mir scheint es sehr wahrschein- 
lich, dass mit den Vorübungen zu Festwettkämpfen auch der 
bei Antiph. Tetral. II, 2 erwähnte Fall in Verbindung ge- 
bracht werden muss, wo ein fiscpdxiov mit dem Wurfspiess 
einen naeg getödtet hat, der den Werfenden die Waffen 
aufheben wollte und, vom Pädotriben gerufen, gerade in die 
Schusslinie gelaufen war. Ich mag weder mit Haase En- 
cyclop. III, 9, p. 361 bei den Worten Tetral. II, 2, §. 3: 
fiehrojv p-ETä tujv fjXcxojv dxovzcZeiv im r(5 yviivaatip an die 
Palästra an Stelle des Gymnasiums denken, noch mit Peter- 
sen a.a.O. unter yo/ivamov auch hier nur die Uebung selbst 
verstehen, noch endlich mit Grasberger Erzieh, u. Unterr. 
Th. I, S. 269 wegen des in^ annehmen, dass die Uebungen 
der Knaben unter ihrem rcatHoTp^ßr^g nahe bei dem Gymna- 
sium und neben den Speerwerfern in demselben stattgefunden 
hätten. Auch finde ich es zu bedenklich, wie Hermann 
Privatalt. §.86, n. 20, der durchaus den naidorpfßr^g aus- 



Bur ftinften Scene. 245 

dem Gymnasium wegschaffen wollte, bei Äntiph. Tetral. 
11, 3, §. 6 und 4, §. 4 den Tzaidayiuyog zu substituiren, der 
allerdings 3, §. 7 auch als gegenwärtig genannt wird. Nein, 
sondern wenn Schüler der Palästra an den Vorübungen zu 
Agonen theilnahmen, wird man es nicht auffallend finden, 
wenn auch der nacSorpcßTjg zugegen und thätig war; vergl. 
Stob. Flor. t. IV, p. 402 Gaisf.: Mdriddi^g, ö Irr^Gayopou^ 
Sff Twug jikv u)v yjaxec 'OXü/xma xa) xpeccrawv rjv tooq novoug 
■noviuv ^ natdoTptßfjQ iniTdaacuv und dazu die von Krause 
a. a. 0. S. 216 u. 220 angeführten Inschriften. Dass aber in 
dem Antiphon's Namen tragenden Machwerke von Vorstudien 
2u Festkämpfen die Rede ist, scheint sich mir daraus zu er- 
geben, dass nach 2, §. 3 die i^Xtxzg zusammen üben, und auch 
nach §• 7 die Knaben in verschiedene zdqzig geschieden sind: 
{ro p.scpdxtov) oüre än£cprjp.ivov dXXä npocrctzaypivov i^sps- 
Xeza, otJTS iv yupva^opdvoig^ dXX' iv rfj räiv dxovTc^ovTwv rd^et 
TjxovTc^sv. Nach Eangabe Vol. II, n. 821 sollte der Gym- 
nasiarch dreimal des Monats Uebungen im Speerwerfen und 
Bogenschiessen anstellen und ebendaselbst heisst es: TtBivat 
dk xac nacoujv dyiöva, xac dtSuvac di^Xa 7:ac8c TOqurrj xpswv 
fispiSa, dxovTKXvfj natdc pepcda. Ungewiss bleibt es dabei 
immer noch, ob der getödtete Knabe sich im Gymnasium über- 
haupt der Uebung wegen befand und nur pausirte, als ihn 
das Unglück betraf, oder unter dem übrigen Publikum (3, §. 7 
und 4, §. 5) zuschaute. — Das vielbesprochene solonische Ge- 
setz bei Aeschin. in Timarch. §. 12: xal ol yopvaatdp^at 
ToTg 'Eppaiocg prj idrojcrav auyxa&iivai prjdeva ruiv iv t^hxiq. 
rpoTZü) pr^hevr idv 8i imrpdTTjj xac prj i^etpy^ roö yupvamou, 
ivo^og earu) 6 yupvaacdp^^g Tui rrjg iXsoMpojv ^dopäg vopoj^ 
welches, wenn es echt ist, was Hermann zum Charicles 
II, S. 189, Petersen das Gymnas. S. 25 und Grasberger 
S. 252 mit Recht verneinen, für den gewöhnlichen Besuch des 
Gymnasiums von Seiten der Knaben gar nichts beweist, hat 
Becker zu einer längeren Erörterung veranlasst, die wir 



246 Erster £xcars 

in Rücksicht auf das von uns Vorausgeschickte weglassen 
können. Zu Plato's Zeit war wenigstens die Bestimmung^ 
welche die Feier der Hermäen in den Gymnasien voraussetzte, 
nicht mehr in Geltung. Dies beweist der Anfang seines Ly- 
sis und bestätigt Aeschin. in Timarch. §. 10, der trotz 
des verschiedenen Wortlautes im Gesetze in Rücksicht auf 
seine Zeit sagt: ■nepl ^Ep/iamv iv Tocg naXaiarpaig. Man hat 
deshalb keineswegs nöthig, mit Becker bei den Hermäen in 
der TiaXatazpa veioa-l wxodopr^iiivrj Plato's an eine Einweihungs- 
feier zu denken.] Die Benutzung der Gymnasien zur Gym- 
nastik wird in der hergebrachten Vorstellung viel zu sehr auf 
den Unterricht oder das Lernen beschränkt, während doch 
wohl kein Zweifel ist, dass auch Männer, welche längst über 
das Ephebenalter hinaus waren, ohne den Zweck der Athletik, 
ja dass auch ältere Leute in denselben durch angemessene 
üebungen dem Körper eine heilsame Bewegung verschafften. 
So sagt Plato de Republ. V, p. 452: ojantp touq yipovxaq 
iv Toc{ yu/ivaaiots, Srav poaaoi xai p.i) ijdsle tyjv ofl'cv up.wg 
^doyufivaarajm. Aehnlich auch Sokrates bei Xenoph. Symp. 
2. 18, wo er sich wegen seiner Gymnastik im Hause recht- 
fertigt: ^ irr' ixecv<p ysXä-e, ozi ob de^^aei aoyyopvaazTjv C^y- 
re.lv ou8' iv o^Xoj npeaßuzrjv ovra dnoduea&at x. z. L Es mag 
sein, dass einzelne Reichere im eigenen Hause geeignete Räume 
für solche üebungen einrichteten. Xenoph. Rep. Ath. 2. 
10: xat yufivdffia xal kourpä xal dnoduv^pca zoTg pkv nXouacocg 
iarh tdta iviotg. Auch Theophr. Cbar. 21 erwähnt auXidiov 
naXacarpiacov xovc[(nrjp[()]v i^ov xat atpaipiarripiov. Das mögen 
indessen sehr seltene Fälle gewesen sein, und ich gestehe, dass 
bei den vielen gerechten Zweifeln über den Verfasser der 
Xenophon's Namen tragenden Schrift ich mich durch diese 
Worte nicht bestimmt fühlen kann, das Bestehen solcher Pri- 
vatpaläütren in so früher Zeit geradehin anzunehmen. Denn 
es ist mir nirgends eine Andeutung derselben vorgekommen, 
und mit der vielfältig bezeugten geringen Anlage und Ein- 



cur fünften Scene. 247 

richtung der Wohnhäuser in Athen will es gar nicht über- 
einstimmen; auf die spätere Zeit aber, seit Alexander, und 
mehr noch in der römischen Periode findet es unstreitig An- 
wendung. 

[Noch bleibt die Frage übrig, ob die Athleten die Pa- 
lästren der Knaben benutzt haben. Becker, dem sich auch 
Hermann anschliesst, will dieselbe bejaht wissen, weil er 
in Stellen wie Plut. Symp. II, 4: rbv ouv tottov, iv (5 yufi- 
voü^ovrai ndvzeg ot d&Xrjral naXacarpav xaXöüfiev und de san. 
tuend. 18: (xeXeuao/jLSv) iv to» ^utTvoJ xal raTg nakatarpacg 
3taXeys(T&ac roTg d&XrjTocg lediglich an die Knabenpalästren 
denkt, während doch schon der Wortlaut der ersten auf die 
Palästra des Gymnasiums hinweist und die enge Verbindung 
der naXatarpa mit dem ^oarug in der zweiten sich eben schon 
daraus erklärt, dass der Faustkampf und das Laufen nicht in 
der TiaXaiarpa, sondern im ofifenen dpu/xog und im ^uarog vor- 
genommen wurde, den Plat. Euthyd. p. 273 xa-zdazsYog 
dpoixog nennt: Plut. Symp. II, 4. Lucian. Anach. 8. Pe- 
tersen S. 49. Auf diese Weise bildet es keinen Widerspruch, 
wenn Hesychius Suidas und Vitruv. VI, 7, 5 den Ath- 
leten nur den ^uarog einräumen; sie setzen den dazu gehöri- 
gen Eingplatz als selbstverständlich voraus und Vitruv nennt 
ja den Xystus eine porticus, »in qua athletae per hiberna 
tempora exercentur«. Berühmte Wettkämpfer besassen wohl 
auch eigene üebuugsplätze, z. B. Straton aus Aegion in Achaja, 
von dem Pausan. VII, 23, 5 schreibt: aroä 8k rr^g nöXsojg 
nXrjaiov inotrj&rj Zrpdrajvt db^h^rf^' ao-rrj jxev i^yv/ivd^efff^c 
TouToj T<p dvSpl iTiocrjBTj. Vgl. Pausan. VIII. 12, 3. Später 
freilich ging die Bezeichnung ^uarög auf das ganze Gymna- 
sium über und die Athleten werden überhaupt ^oarcxot ge- 
nannt (die Nachweise bei Petersen S. 49 und Kein in 
Pauly's Eealencycl. B. VI, S. 2812), während in Rom 
auch dafür die Benennung palaestritae aufkam: Ciceron. 
Verrin. II, 14. 15. 18. 22. Ihre Lehrer sind die Gymnasten, 



248 Erster Excurs 

die eigentlichen Meister der höheren Technik; vgl. Aelian. 
Var. Hist. II, 6: '^iTmofta^og, 6 yuixvaarfjg, inel naXaca/xd ti 
6 d&XyjTTjg b un' auroj yoiivaZoixevoQ indkacffsv , scza 6 nag 
oj^Xog b nzpttaxojQ i^sßorjas, xa&cxsTo abzoo r^ ßdßdw x. r. k. 
(Gerhard Auserles. Vasenbilder T. CCLXX). Aber auch 
diese weisen wieder auf das Gymnasium zurück; denn der er- 
wähnte o^Xog passt doch nicht in eine Turnschule, und bei 
Philostr. de arte gymnastica c. 54 heisst es: t^xmv ouv 
{b dß^Tj-n^g) zrjg barepacag ig tu yu/ivdacov w/xo^öyet nphg 
Tov yu/xva(TT7]V (hfiog r* eJvac novfjpujg r' e^ecv Tirj.] 

Die Uebungen selbst erklärend im Einzelnen durchzu- 
gehen, habe ich um so weniger Veranlassung, als davon in 
Krause's Werke die Gymnastik und Ägonistik der 
Hellenen, von demselben in Pauly's Realencycl. B. III, 
S. 990 ff. und in der Hall. Encyclopädie unter dem Ar- 
tikel Palästrik von Haase mit grosser Vollständigkeit ge- 
handelt wird. Auch was ich über die Gymnastik der Knaben 
und einige damit zusammenhängende Spiele noch zu sagen 
gedachte, finde ich nun dort schon occupirt [vgl. jetzt Gras- 
berger die leibliche Erziehung bei d. Griechen und 
Kömern. IL Abtheilung die Turnschule der Knaben]. 
Was die für die Gymnastik bestimmte Unterrichtszeit und ihre 
Vereinigung mit dem Schulunterricht anlangt, so ist die Frage 
allerdings von der Art, dass in Ermangelung aller bestimm- 
teren Nachrichten man sich mit Vermuthungen begnügen muss. 
Es kommt hauptsächlich darauf an, ob man beiderloi Unter- 
richt gleichzeitig oder auf einander folgend denken solle. Das 
letztere verlangen, wie im Excurs über die Erziehung ge- 
sagt worden ist, Plato und Aristoteles; allein wenn es auch 
in der Wirklichkeit so gewesen wäre, dass bis zum zehnten 
Jahre die Knaben nur durch den natt^orpißrjg unterrichtet wor- 
den wären und erst dann drei Jahre laug die Schule eines 
Grammatikers besucht hätten, so wird man es doch nicht wahr- 
scheinlich flnden, dass in diesen drei Jahren der gymnastische 



zur f&nften Scene. 249 

Unterricht ganz ausgesetzt worden sei, und die Frage bleibt 
also immer dieselbe. Eine Stelle, welche für die Gleichzeitig- 
keit entscheidend sein würde, wenn man wüsste, wie viel der 
Dichter von römischer Sitte beigemischt haben kann, findet 
sich bei Plaut. Bacch, III, 3, 20 ff. 

Ante solem exorientem nlsi in palaestram veneras, 
Gymnasii praefecto poenas haud mediocres penderes. — 
Inde de hippodromo et palaestra ubi revonisses domum, 
Cincticulo praecinctus apud magistrum in sella adsideres: 
Cum librum legeres, si unam peccavisses syllabam, 
Fieret corium tam maculosum, quam est nutricis pallium. 

[Die erste Hälfte dieser Stelle, bei welcher man sogar in dem 
gymnasii praefectus den yujivaarrjg des griechischen Originals 
wiedererkennen möchte, bezieht sich sicher auf griechische 
Sitte. Denn die griechische Palästrik hat keine Aufnahme 
in die römische Jugenderziehung gefunden und es lässt sich 
wohl eine palaestra, als ünterrichtsanstalt, in Rom nicht nach- 
weisen. Vgl. Marquardt Rom. Privatalterth. I, S. 125; 
Friedländer Darstell, aus d. Sittengeschichte Roms, 
II. Abth. S. 313 ff. und namentlich Senec. epist. 88, 18.] 
Dass in den Worten ante solem exorientem kein Verstoss 
gegen das solonische Gesetz liege, hat gegen Petit mit Recht 
Gronov bemerkt; allein die Andeutung eines Unterrichts im 
Hause und das adsidere in sella stimmen nicht mit der grie- 
chischen Sitte überein. Dazu kommt, dass nach Aeschines 
die Schulen, wie die Palästren, von Sonnenaufgang bis Sonnen- 
untergang geöffnet waren und also auch darin unterrichtet 
wurde, und dass Lucian de parasito 61 die ersteren so- 
wohl am Morgen als nach dem äptcnov von denselben Schülern 
besucht werden lässt. Niemand wird es indessen für möglich 
halten, dass die griechischen Knaben den ganzen Tag in der 
Schulstube sitzend zugebracht haben sollten, und man darf 
wohl annehmen, dass nur zu verschiedenen Zeiten, nach Maass- 



250 Erster Excura 

gäbe des Alters, bald diese, bald jene Beschäftigung vor- 
waltete, so dass vielleicht, wer am frühen Morgen die Schule 
des Grammatikers besuchte, in den Nachmittagsstunden Gym- 
nastik trieb und umgekehrt. [So meint auch Stark zu Her - 
mann's Privatalt. §. 36, n. 13 und weist richtig Gras- 
berge r's Ansicht (S. 295) zurück, der den Turnunterricht auf 
Nachmittag verlegt und sich auf Plat. Lys. p. 223 stützt, 
obgleich dort gar nicht vom Unterricht die Rede ist, sondern 
von einem Feste.] 

Für Erwachsene dienten vorzüglich die leichteren Hebungen 
und das Bad [vgl. Excurs III zu Sc. 8] zur Vorbereitung auf 
die Mahlzeit. So heisst es von den Gästen, welche Kallias 
eingeladen hat, Xenoph. Symp. 1. 7: inscTa 8k auvä ol fihv 
yu/xvaod/JLevoc xac ^piadfievoi^ oi 8k xai ^oucrdfievoc naprjX^ov. 
Am deutlichsten spricht darüber, von der Affeetation unge- 
wöhnlicher Ausdrücke abgesehen, Lucian. Lexiph. 5: xd- 
7:sc8rjmp ^xofxsv sig rb yojivdatov d7rr^a^rj}X£voi ijSrj^ v fxkv dxpo- 
^tcpiaapo)^ b 8k rpa^r^kapoi xac bp&ondkrj i^p^To, b 8k Xcna 
^pcadpevog iXuyt^eTO, b 8k dvzißaXs zw xatpüxu), b 8k poXo- 
ß8atvag )^spfxa8coug dpdy8y^v i^ojv i^eipoßoXet' elra auvrpt- 
ßivreg xat äXX'^Xoug xaTavujTccrd/xevoc xai ip.7iac$avT£g ra> yv/JL- 
vaoiip iycu pkv xai 0tX2vog iv riy i^sp/i^ nuiXip xazaiovTj&iv- 
rsg i^j/jec/iev, ol Xoimn 8k to (fio^paßa^kg xdpa 8£X^cviaavzeg 
Tcapsveov unoßpu^ioc ßau/ia<Ti(ug . . . xdTiet8rj xaipbg ^v, in* 
dyxwvog idecnvou/iev. Daneben wurden besonders die ^oazoC 
oder Spopoc, auch $uazo} 8pbpoc oder xazdazeyin bpbfioc^ zu 
regelmässigen täglichen Spaziergängen benutzt, die man weni- 
ger häufig im Freien ausserhalb der Stadt gemacht zu haben 
scheint; denn als Ausnahme werden solche Spaziergänge von 
Plato und Xenophon genannt. Plato Pliaedr. p. 227: z<ji 8k 
a<p xai ifJL<ji kza(p(f} neeha/ievog 'Axoufisvoj xazä zäg bSuug notoü- 
fiat Toug nepmdzoug • <prja\ yhf) dxonujzspoug zcüv iv zoitg Spö' 
fioeg ilvat. Xenoph. Oecon. 11. 15: iyw 8k nepindzip //>«>- 
fjuu rfj tlg dypuv botji «Ttwf äfieivov, ut Iwxpazeg, ^ ei iv r^ 



zar ftlnften Scene. 251 

^üGTüi TzepmaTotr^v. Dagegen heisst es ebenfalls bei Plato 
Euthyd. p. 273: elasX&ovre 8e nepiznaretTrjV iv T<p xaTaariytp 
8p6ji(v. Vgl. Poll. IX. 43 [Vgl. Hermann's Privatalt. 
§. 17, n. 13; über Leibesbewegung und Körperpflege überhaupt 
auch §. 23, n. 28 ff. und §. 37, n. 15 ff.] Ausserdem aber waren 
nun die Gymnasien vorzüglich in Athen, seit die wissenschaft- 
lichen Bestrebungen allgemeiner geworden waren, die Plätze, 
wo Sophisten und Philosophen ihre Schüler theils lehrend um 
sich sammelten, theils in dem Kreise, der zufällig aus den 
Anwesenden sich um sie bildete, eine geistige Unterhaltung 
pflogen. [Noch näher kamen die attischen Gymnasien der 
modernen Bedeutung als geistige Bildungsanstalten durch die 
im zweiten Jahrhundert vor Chr. erfolgte Reorganisation des 
Ephebeninstituts, als einer im Diogeneion und Ptolemaion, 
zwei neuen Gymnasien, die höchste körperliche und geistige 
Erziehung geniessenden Genossenschaft junger Leute, unter 
die auch Nichtathener aufgenommen werden konnten (das 
Ephebenverzeichniss im 'Aptardp^ou äp^ovrog z. B. führt 141 
Epheben auf, darunter 26 ^svoc: Bursian's Jahresber. 
B. II, S. 266). Im Ptolemaion befanden sich zu Lehrzwecken 
eine Bibliothek und zahlreiche Schulzimmer (vgl. Bursian 
Geogr. I, S. 290 mit d. Nachweisen) und besondere Beamte, 
Kosmeten, beaufsichtigten den fleissigen Besuch der a^oXai 
der Philosophen: Philistor I, p. 56ff. Dittenberger de 
ephebis Atticis, Göttingen, 1869, p. 53; Wachsmuth 
Stadt Athen I, S. 634. Aus dem engeren Kreise des phi- 
losophischen Unterrichts aber tritt das Wort gymnasium zuerst 
bei dem um die Mitte des fünften Jahrhunderts lebenden 
Presbyter Salvianus, welcher de gubern. dei VII, p. 275 
Ritt, schreibt: »illic (in Karthago) philosophorum officinae, 
cuncta denique vel linguarum gymnasia vel morum«.] 



ZWEITER EXCÜRS ZUR FÜNFTEN SCENE. 



DIE KNABENLIEBE. 

Die unerfreulichste Seite, welche das griechische Leben 
darbietet, ist die unselige Gewohnheit, Personen des eigenen 
Geschlechts zum Gegenstande sinnlicher Liebe und unnatür- 
licher Wollust zu machen. Wo solche beklagenswerthe Ver- 
irrung im Einzelnen auftritt, wird sie immer Abscheu erregen 
und Verachtung erfahren ; wo sie aber als Charakterzug eines 
ganzen Volks erscheint; wo man kein Bedenken trägt, sie 
unumwunden zu gestehen und zu den Annehmlichkeiten zu 
zählen, ohne die das Leben öde und freudenleer sei; wo selbst 
die Koryphäen der Nation sich kaum über sie erheben können; 
wo das Gesetz selbst sie nicht verurtheilt, sondern höchstens 
beschränkt; wo endlich die Jugend darin eine Quelle des Er- 
werbs findet und der Staat mit ihr theilt: da möchte man 
lieber von einem für unser sittliches Gefühl so grauenhaften 
Bilde das Auge ganz abwenden und zur Ehre der Menschheit 
an der Möglichkeit so verworfenen Treibens zweifeln. Wie 
man auch immer über die Unsittliclikcit dos lletärenlebons 
urtheilen mag: die Orgien einer Lamia oder Gnathäna werden 
weniger empören, als die unverhohlene Ausübung eines Lasters, 
dessen Namen selbst man auszusprechen sich scheuen muss. 

Daher ist es denn auch leicht erklärlich, dass Männer, 
welche voll Liebe und Begeisterung für das hellenische Alter- 



Zweiter ExcurB zur fQDften Scene. 253 

thum den schweren Vorwurf schmerzlich empfanden, sich 
bemüht haben, die Sache in einem günstigeren Lichte dar- 
zustellen und, wenn sie auch die Thatsache des unkeuschesten 
Umgangs zwischen Personen männlichen Geschlechts nicht 
in Abrede stellen konnten, dieses doch nur für Ausartung 
eines an sich und im Allgemeinen reinen und edeln Ver- 
hältnisses zu erklären. Dahin gehört vor Allen Fr. Jacobs 
Verm. Schriften Th. III, S. 212 — 254, dessen üeber- 
zeugung es ist, dass diese Liebe »in vielen Staaten Grie- 
chenlands ohne allen Zweifel einen Adel gehabt habe, von 
dem die neuere Welt, in der sie, bei gänzlich veränderten 
Verhältnissen, nur als Laster und schimpfliche Ausartung er- 
scheine, kaum eine Vorstellung habe«. Wer möchte nicht 
wünschen, dem würdigen Verfasser beistimmen zu können, 
wenn es anders als auf Kosten der Wahrheit geschehen könnte; 
wenn nicht die Thatsachen so laut und bestimmt von dem 
Gegentheile zeugten, dass man absichtlich diesen Stioimen 
sein Ohr verschliessen müsste, um über den Charakter jenes 
Verhältnisses sich täuschen zu können. Es sind nicht einzelne 
Beispiele, in welchen es als unwürdige Verkehrtheit eines ent- 
arteten Sinnes erscheint, sondern alle Schriften des Alterthums 
enthalten das offene Bekenntniss, dass dieser mit der allge- 
meinen Denkungsart auf das Engste verwachsene Hang ein 
wesentliches Element des griechischen Lebens war. Daher 
wird man vielmehr das ürtheil umkehren und gestehen müssen, 
dass in den meisten griechischen Staaten — denn die spar- 
tanische Sitte will für sich erwogen sein — jenes mit dem 
Namen der izaihtpaaria bezeichnete Verhältniss allerdings im 
Allgemeinen ein unkeusches gewesen, und dass man es nur 
für Ausnahmen gelten lassen kann, wenn es hie und da in 
grösserer Reinheit erscheint; dass aber auch unter diesen sel- 
tenen Beispielen sich nicht leicht eines wird nachweisen lassen, 
bei dem sich das sinnliche Fundament verkennen Hesse. 

Je härter dieses Urtheil klingt und je unverantwortlicher 



g54 Zweiter Excars 

es wäre, es unbegründet auszusprechen, desto grössere Ge- 
nauigkeit erfordert die Beweisführung, und so mag es also 
Entschuldigung finden, wenn ich länger bei dieser unsauberen 
Stelle verweile. Es ist indessen nicht meine Absicht, allen 
den Schmutz an das Licht zu bringen, den in solcher Be- 
ziehung die Schriftsteller bieten, üass das Laster der Pä- 
derastie im schlimmsten Sinne nicht zu den ungewöhnlichen 
Erscheinungen gehörte, das geben ja wohl auch die begeistert- 
sten Apologeten zu, und es ist also nicht nöthig, aus Aristo- 
phanes und Theokrit oder Anderen ünsauberkeiten beizubrin- 
gen, die einzeln genommen auch nur für den einzelnen Fall 
einen Beweis enthalten; dagegen wird die Ausdehnung, in 
welcher das Uebel verbreitet gewesen, so wie die Verschieden- 
heit der Ansichten theils ganzer Staaten, theils beachtens- 
werther Individuen besonders in's Auge zu fassen, es werden 
die Gesetze zu erwägen sein, welche die Jugend nicht ab- 
hielten, ein schändliches Gewerbe zu treiben; man wird end- 
lich zu prüfen haben, in wie weit die Zuneigung derer, welche 
sich rühmten, nur um der geistigen Vorzüge willen zu lieben 
(^oj^^f ipävj, in ihrem Ursprünge rein von sinnlichem Ge- 
fallen war. 

Fragen wir zunächst nach den Anfängen dieses Unwesens, 
80 giebt es weder für Zeit noch für Ort eine sichere Bestim- 
mung. Nicht einmal darüber gelangt man zur Gewissheit, ob 
dieser Hang sich selbstständig in dem griechischen Volke ent- 
wickelte oder ob äusseren Einwirkungen die Schuld beizu- 
messen sein mag. Jedoch ist das erstero fast wahrschein- 
liober, und es würde sich die Allgemeinheit, in welcher das 
Laster selbst erscheint, kaum erklären lassen, wenn nicht die 
Keime dazu in dem griechischen Charakter selbst zu suchen 
wären. Wenn Ilerodot l. 1.S5 von den Persern sagt: xal 
3i} xal dn* 'K^^vwv fia^övreg nata) fifayovTat^ und also den 
Ursprung bei den Griechen zu suchen scheint, so behauptet 
xwar Plutarch. do Uorodot. malign. 13 im Gogenthoile, 



zur fflnfieD Scene. 355 

■dass die Perser früher damit bekannt gewesen seien ; indessen 
hat sein von den Eunuchen entlehntes Argument kein be- 
sonderes Gewicht; und wenn man bedenkt, was Plato Symp. 
p. 182 den Pausanias sagen lässt : t^c Sk 'Iwvcac xat äXXo&t 
^oXXa^oT) alcr^phv vevufitarai (to ^apiZea&at ipaaraiQ)^ oaoc 
tmh ßapßdpoig olxooar zdtQ yap ßapßdpoiQ dcä ras TopavvcSae 
■(da^pbv TowTO ye xai jj ye (ptXoaofpta xou ij ^doyufivaarta, so 
wird überhaupt die Annahme einer Einschleppung von Asien 
her (wie sie Welcker Aeschyl. Trilog. S. 356 und Müller 
Dorier Th. II, S. 296 aus Lydien annehmen) sehr bedenklich, 
wenn auch die Genesis schon den Beweis liefert, dass dort 
lange vor der hellenischen Zeit das Laster furchtbar überhand 
genommen hatte. [Der Streit über die Ansicht Herodot's war 
schon deshalb unfruchtbar, weil die reine Päderastie neben 
•der entarteten in allen Zeiten und unter den verschiedensten 
Völkern aller Welttheile vorgekommen ist und vorkommt. Vgl. 
Bernhardy Grundriss der griech. Liter. 1. Th. S. 51.] 
— Nur so viel ist gewiss, dass bei Homer sich auch nicht 
«ine Spur davon findet und dass man daher auch auf einen 
späteren Ursprung schliessen darf; s. Böttiger Aldobrand. 
Hochzeit S. 132. Zwar hat die Verdorbenheit der folgenden 
Zeit auch den reinsten Freundschaftsverhältnissen, wie sie in 
•der Ilias erscheinen, eine anstössige Deutung gegeben: Aeschy- 
los selbst (Athen. XIII. p. 601; Plato Symp. p. 180) 
bat in seinen Myrmidonen ein Liebesverhältniss zwischen 
Achilles und Patroklos im Sinne seiner Zeit fingirt, wie man 
deutlich aus den bei Plutarch. Amat. 5 und Athen. XIH, 
p. 602 erhaltenen Versen sieht: 

cißaq 8k fiTjpcbv äyvbv odx inr^dsam, 
to dua^dpiffre Tutv tzuxvwv tpiX-n/idTtuv, 

Vgl. Lucian. Amor. 54 mit Welcker Trilog. S. 419 und 
G. Hermann OpuscuL t. V, p. 146 f.; und so wird bei Plu- 
tarch. Gryll. 7 dem Agamemnon, dem Herakles u. A. ahn- 



256 Zweiter Excnrs 

liebes nachgesagt; allein das sind eben nur Zeugnisse für die 
unreine Denkungsart der späteren Zeit, und auch der Mythus 
von Ganymedes, wenn man ihn auch nicht in dem Sinne neh- 
men will wie Find. Ol. XI, 105, eiithält wenigstens bei Ho- 
mer (Iliad. XX. 235) nicht die leiseste Andeutung einer sinn- 
lichen Liebe. Daher ist es wohl nur von der weiteren Aus- 
bildung und Anwendung dieser Sage zu verstehen, wenn die 
Kreter bezüchtigt werden, sie zur Beschönigung der eigenen 
Unsittlichkeit erfunden zu haben. Plato Leg. I, p. 636: 
TtdvTSg de 8^ Kprjzüjv rbv nepi Tf>v law/x^ÖTj nu&ov xazrjyu- 
poüjxev ujg XoyoTMtriadvxvjv toutojv, inscdtj napä dibg abzoTg 
ol vopot nemffreufxdvoc rjoav yeyovdvac, tootov töv fiü&ov npog- 
re&Ecxdvac xarä rou dc6s, Tva knofisvoc dij tö) Usui xapnajv- 
rcu xai zax)TrjV ttjv ^dovijv: vgl. Timaeos bei Athen. XIIL 
a. a. 0. und den gelehrten Excurs in Böttiger's Kunst- 
mythol. Th. II, S. 35 ff. Anders freilich Welcker Kl. 
Schriften Th. II, S.89; vgl. Preller in Eitschl's Khein. 
Museum Th. IV, S. 399— 405. Allerdings ist es auffallend, 
dass trotz des Schweigens der homerischen Gedichte der Ur- 
sprung in eine weit frühere Zeit gesetzt wird, worüber Suidas 
8. V. &dp.upeg mehrere Angaben zusammengestellt hat; und was 
namentlich Laios betrifft, den Athen. XIIL 79 und Aelian. V. 
Hist. XIIL 5 als twv zotoörutv ipiuTiuv xarapgd/xevov nennen, 
80 sagt schon Plato Leg. VIII, p. 836: e^ ydp reg dxoXoo^wv 
Tjj ipoatt ^riatt xhv nph Aatoo vofiov, Xiyiuv ujg dp&wg et^e 
rh Tu)v df)p£vu)V xa\ vdojv p^ xotvcuvecv xaMnep ^rjXeiiüv npbg^ 
fu$tv d<ppo8ta(u}v^ woraus hervorgeht, dass man in dieser Zeit 
ein so hohes Alter der Sache für möglich hielt und die Sage 
von Laios sehr bekannt sein musste, um sich so darauf be- 
ziehen zu können; indessen ist es wohl denkbar, dass die von 
den Tragikern so vielfältig behandelte und für ihre Zwecke 
gestaltete Geschichte der Polopiden und Labdakiden erst durch 
Bio auch diese Erweiterung erhalten haben mag; vgl. Cic. 
TuBC. IV. 33, Pluturch. Polop. 19. [Euripides motivirte 



zur fünften Scene. 257 

in seinem Chrysippos die Schuld des Laios geradezu durch 
den Kaub und die Verführung dieses Sohnes von Pelops. Denn 
Chrysippos entleibte sich und Pelops fluchte dem Verderber 
desselben, welcher dann durch seinen eigenen Sohn für sein 
Verbrechen gestraft wurde. Vgl. Welcker Griech. Trag. 
S. 543; Nauck Trag. gr. 497; Preller Griech. Mythol. 
B. II, 8.347. Overbeck Gall. her. Bildw. S. 4.] 

Ganz anders steht es dagegen mit den Kretern, die nach 
Timaeos bei Athen. XIII, p. 602 das Beispiel für ganz Grie- 
chenland zuerst gegeben hatten (roD TcatdepaareTv tzapa Tipturutv 
KpyjToiv eis 7oug I^XXrjvag napeX^ovros , oug tcrrope? Tcpaiog), 
und welchen Welcker a. a. 0. die ganze Fabel von Gany- 
medes vindicirt, den nach einer Version bei Athen. XIII, p. 601 
sogar Minos geraubt haben sollte [vgl. Heracl. Pol. 3]. Wenn 
freilich Aristoteles berichtet, dasä Minos die Kreter, um 
Uebervölkerung zu vermeiden, selbst auf solche Befriedigung 
des Triebes hingewiesen habe, de republ. II. 10, p. 1272 
Bekk. : xai nphg t^v dtd^eu$cv rätv ywaexatv , iva /zjy rtoXu- 
TExvoJcrc, TTjv npbs roug äppsvag nocfjaag bptXtav^ so übersteigt 
es allen Glauben, dass solche Schändlichkeit nicht nur gedul- 
det, sondern sogar gesetzlich angeordnet gewesen wäre, zumal 
in einer so nüchternen und verständigen Gesetzgebung [die 
Aeusserung des Aristoteles beweist gar nichts gegen die ur- 
sprüngliche Reinheit des Verhältnisses und ist bloss ein Be- 
leg dafür, dass in der späteren Zeit die politisch-militärische 
Form der Päderastie zu dem Schmutz grobsinnlicher Entartung 
herabgesunken war] ; wenn man aber darum auch den Ge- 
danken an ein zur Sitte gewordenes Laster geradehin zurück- 
weist und den Andersdenkenden Veruunft und gesunden Sinn 
abspricht (Müller a. a. 0., Jacobs S. 222), so möchte man 
doch fragen, ob Plato, Aristoteles, Timäos den Charakter der 
Knabenliebe in der Zeit, der sie selbst angehörten, so schlecht 
gekannt haben, dass sie nur durch einige Zweideutigkeiten 
der Komiker zu so grobem Irrthume verleitet worden seien! 

Cbarikles II. \1 



*l 



258 Zweiter Excurs 

Denn wenn Aristoteles das Entsetzlichste, die politische 
Sanction, für möglich halten konnte, so erkennt er doch offen- 
bar das Bestehen der unnatürlichen Gewohnheit an; und Plato, 
wenn er Leg. I, p. 636 von den Nachtheilen der Syssitien und 
Gymnasien spricht und nur den wollüstigen Umgang (rag rcspl 
rä d<ppodiaia rj8ovds, z^v d^^dvcuv npbg äppevag pl^tv) im Auge 
hat, sagt zu dem Spartaner und Kreter, gewiss aber mit mehr 
Rücksicht auf den letzteren: xal rouvcuv zag ufisrepag ■nöXecg 
■npojxag äv rtg ahtwro. Wie urtheilt ferner auch Plutarch 
über den kretischen Knabenraub? Er sagt de educ. puer. 
15: xa\ Toug [leu Srjßyjm xa\ zoug HXi8i <ptoxxiov epiuzag xai 
rbv ix KpijTfjg xaXoopevov äpTtayfiov ' zoug 8k 'A&i^vrjcrt xac zoug 
iv jlaxeSac/xovt C'^^o^fe'ov. Ihm war also der kretische äpnay- 
fiog in keinem Falle als keusche Sitte bekannt, und er zieht, 
gewiss mit Rücksicht auf Sokrates und Plato, selbst die atti- 
sche vor, wo doch in der That im Allgemeinen solche Liebe 
nicht als ein Tugendbund erscheint. Solche directe Beweise 
werden sich nimmermehr durch Berufung auf den National- 
charakter, durch Syllogismen, an deren Spitze die petitio prin- 
cipii fortdauernder aouppoabvrj als Prämisse steht, beseitigen 
lassen; und was die Zeugnisse betrifft, die für die Unbescholten- 
heit der kretischen Sitte sprechen sollen, so ist ihre Beweis- 
kraft den vorhergehenden gegenüber sehr schwach. Strabo, 
der X. 4. 21 nach Ephoros weitläufig von dem eigenthüm- 
lichen Gebrauche des Knabenraubes spricht, giebt allerdings 
keine Andeutung unkeuschen Umgangs, und Maxim. Tyr. 
Diss. XX VL 8 sagt: 8ib. zoozo iyuj inatvw zhv h'ptjzüjv v6- 
/wv xai zhv UIXsduv fisix^o/iac z<)v fxkv Kprjzixbv inaivut z^g 
dvdyxijg^ zhv 8k UlXttiuv jidix^o/xac z^g i^ouatag- Kprjztxip fisi- 
pax{(p aln^phv npoadij'aat^ac nai8ixu>v. Allein aus Strabo's 
Stillschweigen lässt sich nichts Sicheres folgern; denn die 
Worte : tt zig adztp ß(a Ttpoatvrjvtxzat xazä zijv dpnayijv^ sind 
im Ausdrucke viel zu allgemein; und die schön klingende Ti- 
rade des Maximus reicht doch in der That nicht aus, ihrot- 



zur fünften Seene. 259 

wegen die Männer, bei denen wir vor Allen genaue Kennt- 
niss der Verfassungen und Sitten voraussetzen müssen, schiefer 
Ansichten und irriger Vorurtheile zu bezichtigen. Man er- 
wäge nur, welches Gewicht in einer Untersuchung über die 
Zulässigkeit oder Verwerflichkeit bestehender Einrichtungen 
und Gebräuche so entschiedene Worte haben müssen, wie sie 
Plato Leg. VIII, p. 836 dem Geständnisse folgen lässt, dass 
es überhaupt schwer sei, ein Gesetz nept epiürcav zu geben. 
Er spricht zu dem Kreter und Spartaner: xai yäp ouv -nphs 
/xkv äXXa oux dXcya ij KpijT^ t£ jy/iFv SXrj xcä i) AaxeSaifiwv 
ßorj&atav imscxöjg ob a/icxpäv $up.ßdXXovTae rSetat vo/ioug dX- 
Xoioog ru)V tzoXXujv zpuTnuv^ Ttepc dk rütv ipiuTiuv {auTol ydp 
iafiev) ivavTioüvrai TcavTdnamv • ei ydp rig dxoXoußiov r^ tpöott 
^ijaet zhv npo Aatoo vöfiov, Xiyiov d>s dpBa>e eJ^e rb rojv dpl>e- 
\i(uv xal vdcuv prj xoiviüvzlv xa^dnep &r]Xscu>v npog fju$cv d^po- 
diaiiuv , fxdpTupa napayo/isvog rijv riov Brjpiaov (pöatv — i"«/' 
5v //yturo nSavü Xöyip xal rous ufxsripacQ TioXsacv obSajxutQ 
^opfojvöt. Welcher Art der ipiog sei, den Plato hier ver- 
steht, sagen seine eigenen Worte; will man aber einwenden, 
dass auf solche Weise ja auch die spartanische Sitte, über 
welche sehr bestimmte Nachrichten vorhanden sind, verdäch- 
tigt würde, so ist dieser Einwurf allerdings gegründet, und 
ich werde weiter unten darauf zurückkommen und den Ver- 
such machen, den scheinbaren Widerspruch der Schriftsteller 
zu beseitigen. — Ausführlicher nicht nur, sondern auch un- 
befangener und vorurtheilsfreier als Andere hat von der kre- 
tischen Kuabenliebe Hoeck Kreta Th. III, S. 106 ff. gehan- 
delt. Auch er gelangt zu dem Resultate, dass die Tendenz 
dieser Liebe in den älteren und besseren Tagen der kretischen 
Staaten rein und edel gewesen sei, dass aber zur Zeit der Ab- 
fassung der platonischen Gesetze Missbrauch dieses Verhält- 
nisses offenkundige Thatsache habe sein müssen. [Vgl. Schö- 
mann Griech. Alterth. B. I, S. 323.] 

Mit welchem Rechte freilich Timäos das Unheil gerade 

17* 



260 Zweiter Excurs 

von Kreta aus über Griechenland verbreiten lasse, lässt sich 
nicht entscheiden; von Wichtigkeit dafür ist es aber unstrei- 
tig, dass auch die nackten Uebungen der Gymnasien zuerst 
aus Kreta berichtet werden. Plato Republ. V, p. 452: oh 
noXug ^povog i$ ou To7g "EXXrjmv idoxsc alcf^pä eivai xa\ ys- 
Xo?a anep vuv To7g noXXolg zwv ßapßdpojv^ yop-vobg ävBpag 
Späcf&ar xal ors rjp^ovro rwv yvpivaauuv nputrov fxkv Kp^reg^ 
Srtsera Aaxedaifiövcoe , i^v To7g rörs dazetocg zaura ndvra 
xiofi(ü8£Tv. Es ist unwesentlich, dass sonst die Spartaner als 
die ersten genannt werden {npijjToi iyu/xviu^rjaav , Thucyd. 
I. 6); auch Plato nennt sie ja als die zweiten, und übrigens 
sind es hier und dort Dorier; — dass aber eben diese Nackt- 
heit der Gymnasien wenn nicht die erste weckende Ursache 
war, doch die einmal entzündete Neigung zur mächtigen Flamme 
nährte, das ist nicht nur an sich sehr natürlich, sondern es 
stimmen darin auch die Ansichten des Alterthums selbst überein. 
Die bekannten Worte Cicero's Tuscul. IV. 33: »qiiis est 
enim iste amor amicitiae? cur neqae deformem adolescentem 
quisquam amat neque formosum senem? mihi quidem haec in 
Graecorum gymnasiis nata consuetudo videtur, in quibus isti 
liberi et concessi sunt amores, Bene ergo Ennius: 

Flagitii principium est nudare inter cives corporate, 

enthalten nicht etwa nur eine grämliche, aus der allgemeinen 
»Absicht und Richtung dieser ganzen declamatio senilis« zu 
erklärende Ansicht, sondern es gehört dieses überhaupt mit 
za dem römischen Urtheile über die Sittlichkeit der griechi- 
schen Gymnastik, wie es nach Plutarch. Quaest. Rom. 50 
im vorhergehenden Excurs näher entwickelt worden ist; und 
diesen Nachthoil erkennen aucli die griechischen Schriftstollor 
selbst entweder direkt an oder sie liefern Thatsachon, aus 
denen er unmittelbar hervorgeht. So sagt ja oben Plato in 
der schon angeführten Stolle Log. I, p. 636: xal 8^ xal na- 
Xaibv vö/ii/wv Soxec toüto rö imrfjdtoiia rckf xarä ipöaiv rag 



zur fünften Scene. 261 

7i£p\ zä d<ppo8taia rjdoväg ob fiovov dvBpatnwv dXXä xac ^rjpiiov 
SiEif&apxivai' xai. toutiüv rag uperipag nuXeig npwrag äv Ttg 
ahiWTo, xai oaat. rwv äX^wv pdXiara anrovrat rüiv yvfxvaaiiov. 
Man vergleiche damit, was Aristophanes Nub. 973ff. im 
Gegensatze zu der guten alten Zeit von der Koketterie der 
Knaben sagt: 

iv Ttatdorpißou 3k xaßiZovTaq röv ßjjpbv Mdet itpoßakiff^ai 
Toug nacßag, oniog rotg S$wf9ev [XTjdkv dei^etav diojviq, 
err' au ndAtv au^ig ävttrraßivoug ^oß(p^aat xai npovo^aat, 
eidwkov rotmv ipaardlaiv t^c ^ßfji ß^ xaraXeineiv • 
^ksi(paTo <J' av Tobii<pakoü oödelg rratg bnivep&ev tot' <?v, wart 
Tolg aldoioiat dpöaog xai ^i'OÜg mar.zp yr^koiaw iic^^u^et, 
obd^ äv fiakaxrjv <pupaadßevug ttjv tpujvrjv npbg xhv ipatrrfjv 
aÖTÖg kaoTÖv izpoaywysüiüv rolg öifßakfiotg ißddtCev : 

und den Grnnd, weshalb der Erastes des Bakchon diesen von 
der Heirat abhalten will: Plutarch. Amat. 2: oncjg ät^cxroQ 
auTw xat veapog dnodüoero ■nXeiazov ^puvov iv zaTg TzaXcuaTpatif 
und man wird nicht daran zweifeln können, dass die Gym- 
nasien der eigentliche Ort der Verführung, der Herd waren, 
auf dem die Flamme unreiner Leidenschaft entzündet und an- 
gefacht wurde. Vgl. Böttiger Vasengem. H. HI, S.65ff. 
[Gerhard Berlins an t. Bild w. S. 218; Panofka in Annal. 
deir Inst, archaeol. 1832, p. 336ff. Jahn Zeitschr. für 
Alterthumswissensch. 1841, S. 756.] Spätere Schrift- 
steller lassen den Chrysippos bei den nemeischen Spielen oder 
doch in Folge des Unterrichts im Eosselenken vom Laios ge- 
raubt werden, Hygin. fab. 85; Apollod. HL 5. 5; Schol. 
ad Eurip. Phoen. 66, worin ich zwar nicht mit Welcker 
(Sappho V. e. herrsch. Vorurth. befreit S. 54 oder Kl. 
Schriften Th. II, S. 92 ff.) einen so alten Einfluss der Gym- 
nastik, wohl aber den Beweis erkennen möchte, dass man 
Gymnastik und Päderastie als im genauesten Zusammenhange 
stehend betrachtete; und so erhält es wiederum Bedeutung, 



262 Zweiter Excars 

dass nach Plato Symp. p. 182 die Barbaren zugleich mit 
der Päderastie auch die Philogymnastie verachteten; wie es 
denn auch gewiss nicht zufällig ist, dass in Athen das näm- 
liche Gesetz den Sklaven das natdepacrrscv und ^rjpaXot^ziv- , 
verbot. // 

Dieses viel besprochene solonische Gesetz — man mag 
ihm nun einen Sinn unterlegen, welchen man wolle — ist ein 
schlagender Beweis, dass in einer Periode, welche allgemein 
als das Zeitalter edler Simplicität und unverdorbener Sitte 
galt, die Knabenliebe, zunächst in Athen, etwas sehr Gewöhn- 
liches war. Es wird angeführt von Aeschin. in Timarch. 
§. 138: douXov, (prjoiv b vo/iog, /irj yv/ivd^ecr&ac firjSk ^rjpaXot- 
(ptiv iv zatg TzaXatcnpacs . . . nd^cv 6 aurbg ouzog eins vo}io- 
&irrjg- doZXov iXeoMpoo naiSbg fii^r' ipäv /ijyr' inaxo^ou^eiv^ 
■fj miTTsa&ac r^ 87jpo<Tc(f. pdareyc Trsvnyxovra nX-qydg. Nun liegt 
zwar darin keine offene Andeutung eines strafbaren Verhält- 
nisses und es könnte nach Aeschines eigenen Worten vielmehr 
scheinen, als werde nur eine reine, von sinnlicher Begierde 
freie Zuneigung verstanden; denn er setzt hinzu: dXV ob rbv 
ikeüd-epov ixwXuaev kpäv xat bjxdeiv xat dxoXuo^eiv, ou8k ßXd- 
ßrjv TW nacdl dkXä /lapntpeav auj^pocruvTjg ^yrjaazo aofißatvsiv ' 
dxupou 8', olfiaCf xa} d8uvdTou irt uvTog xp7vat rbv ovrcug 
euvouv xal fjJj^ rbv ipiovra aat^pov^ec xal roug r^g (ptXiag X6- 
yoog t\g r^v ^povoücrav xa\ npsaßoripav ^Xtxtav dvaßdXXerai' 
rb 8' inaxoXoo&eTv xal k<pnpdv (ppoopdv xal ^uXaxiju auxppo- 
aovTjg rjyfjoaTo ehai fieyiarrjv. Allein man muss erstlich be- 
denken, dass Aeschines zu seiner eigenen Vertheidigung spricht. 
Es war ihm, der den Timarch des i)Taiprjxevat anklagte, ent- 
gegnet worden, dass auch er Knaben geliebt, dass er auf 
einige derselben auch vermutlilich nicht sehr zQchtige Ge- 
dichte gemacht habe {ipojrcxd murjuaTa), dass er um solcher 
Liebe willen in Händel gerathen sei und Schlägoroioii gehabt 
habe, was über den Charakter seiner Neigung keinen Zweifel 
lauen wird, wenn man namentlicli solche Beispiele wie bei 



zur fünften Scene. 263 

Lysias adv. Sim. vergleicht. Das Alles leugnet er nicht 
ab, wenn er auch behauptet, dass der Inhalt der Gedichte 
nicht der Art gewesen sei. Im Uebrigen sagt er §. 136: iycu 
dk OUTE ipatra dcxacov (piyu) oore robs xdXXei diafipovzdg 
^fic neTtopveua&at out* aurog i^apvoufiac fiij ob yeyovsvai ipoi- 
Tixög xat in vüv ehat, ras t£ ix rou npayfiarog ycjyofisvas 
Ttpbg iTUipoug ipiloveixiag xal [xd^ag obx dpvoufiac p-ij ob/\ 
aoußeßrjxivai poi. Dann giebt er den Unterschied zwischen 
erlaubter und verwerflicher Liebe an : optZopai 8' ehat zb p£v 
ipäv Totv xaXüJv xal auj^poviov (pdavbpiunoo nd^og xai ebyvdt- 
fwvog tp^X^^i ^'* ^^ daeXyaivsiV dpyopioo xcvd pca&oopevov 
bßpcffToü xal dnacdeuTOU dvSpbg ipyov ehat ^youpai. Es ist 
also, wie man bei aller Behutsamkeit des Ausdrucks sieht, 
nicht überhaupt die Sinnlichkeit solcher Liebe, die er ver- 
wirft, sondern nur die äusserste Verworfenheit, wo die Gunst 
und der Missbrauch des Knaben mit Geld erkauft wird. Be- 
denkt man nun, dass Aeschines zur Kechtfertigung dieser 
seiner Liebesverhältnisse das solonische Gesetz anführt, wel- 
ches solche Liebe zu einem Vorrechte der Freien erhob, so 
kann dieses sehr zweideutig erscheinen. Und so urtheilte man 
im Alterthume selbst darüber. Plutarch. Sol. 1: ore 8k 
Ttpbg Tobg xaXobg obx rjv i^upbg b 2!6Xajv ob8' £p<urt &a^pa- 
Xiog dvTavaar^vai DnuxTfjg 5nwg ig ^sTpaga, ix rs rutv nooj- 
fidrojv abrou XaßsTv iazi xal vöpov iypaipe Scayopebovra 8oü- 
Xov pi] ^ripaXoKptlv prjSh nacSspaarsTv^ elg rrjv ruJv xaküjv /*£- 
pc8a xal ffspvüJv imrr]8eupdTwv zc&spsvog zb npäypa xal zpo- 
nov ztvd zobg d^toug npoxaXoupevog , ujv zobg dva^ioog dTtfj- 
XaovB: ein Urtheil, das durch den Inhalt der Bruchstücke, die 
aus Solon's eigenen Elegien noch erhalten sind, nur bestätigt 
wird. Denn da heisst es z. B. in dem von Plutarch Ama- 
tor. 5 angeführten Fragmente: 

iaß-^ rjßfjq ipazotatv in' äv&eoi naido^tkTjtrij 
(itjpSiv Ißsipmv xal yktjxepoü tnößazog. 



264 Zweiter Ezcurs 

Ganz übereinstimmend damit sind die Gnomen bei Theogn. 

1255: 

offTcg ßij izatödq re fnXet xal ß(iivu)^aq ticnou^ 
xal xuvaq, oötiots ol ß^ußbq iv edppoauvrj : 

und V. 1335: 

S^ßtog o<nig ipibv yußvdZ^Tai, oi'xade (?' iX^d)v 
eSdet auv xaXui itaidi TcavTjfiiptog. 

Anders wird freilich dasselbe Gesetz in einer zweiten Stelle 
Plutarch's Amat. 4 ausgelegt: SoäXotg fih yäp ipäv dp^i- 
vwv na/doDV dnemt xai ^rjpaXoupetv, ^p^a&at 8k aovooaiaig jv- 
vaixaJv ohx ixibXuae' xaXov yäp fj (piXia xal darsTov, ^ 8k 
ij8ov^ xocvbv xal dveXeOS^spov o&sv ou8£ 8ooXu}V ipäv naiSiov 
iXeu&ipeov iarcv ouSk dcnecov aovouatag yäp uurog b ipojg 
xa&dnsp riöv yuvatxajv : allein es ist sehr natürlich, dass der 
Apologet den besten Sinn unterlegt und den Gedanken an 
eine andere als platonische Liebe ausschliessen will, während 
sein Gegner ihm sogleich entgegenhält, dass Solon's Gesinnung 
eine ganz andere gewesen sei. 

Nun wird freilich kein Mensch sich überreden lassen, dass 
Solon das eigentliche Laster der Päderastie, wobei es nur auf 
unnatürliche Befriedigung thierischen Triebes abgesehen ist, 
gotgeheissen und, wenn auch nur indirect, gesetzlich aner- 
kannt habe; im Gegentheile würden ja die weiterhin anzu- 
führenden Gesetze gegen Verführung der Knaben, Kuppelei 
und Gewalt die entschiedenste Widerlegung so widersinniger 
Annahme enthalten; allein damit ist nicht erwiesen, dass eben 
diese Knabonliebe, welche er im Sinne hat, ein von sinn- 
lichem Verlangen reines Freundschaftsverliältniss gewesen sei. 
Vielmehr darf man annehmen, dass bereits in seiner Zeit jene 
ßchwärmerische, aus edlen und unedlen Elementen wunderbar 
gemischte Leidonscliaft so vollständig entwickelt und allgemein 
herrschend war, dasa sie nach den IkgrifTen der Zeit nichts 
Auffallendes mehr hatte und nur duun erst anstössig erschien, 
wenn eben jenes edlere Element fehlte und an die Stelle inniger 



zur fünften Scene. 265 

Zuneigung auf der einen Seite thierische Begierde, auf der 
andern feile Gewährung trat. — Und so wird, um aus der 
nächsten Zeit ein Beispiel zu wählen, niemand den Antheil 
verkennen , den unkeusches Verlangen an der vielgepriesenen 
Freundschaft des Harmodios und Aristogeiton hatte, wenn man 
nicht die klaren Worte des Geschichtsschreibers absichtlich 
missdeuten will. Thucyd. VI. 54: ysvofidvou 8k 'ApfioS{ou 
wpq. ijXtxiag Xaiinpou, 'Aptaroyekiuv ävrjp rdtv doTojv, pdaog 
noXiTTjQ, ipaar^Q u)v et/ev aurov, iretpaHeig de 6 'Appodcog unh 
Virndp^ou roü IlecacaTpaTotj xal oh Tietabtiq xaxayopeöti TUi 
^ApiOToysiTovi , b de ipojrcxwg TieptaXy^aag xal ^oßrjBelg r^v 
^Tmap^ou dum/iiv, jiij ßiq. TipoaayaYrjTai aörov, imßouXeuec ei- 
Bug X. T. X. Wo ist dann aber ein Grund, weshalb man ein 
reineres Verhältniss bei der Nachricht über Aristeides und 
Themistokles voraussetzen sollte? Plutarch. Themist. 3: 
ijpdaBrjaav yäp dp<p6Tepot too xakuü IvrjaiXeu), Trjtoo to yi- 
vog ovTog, lug Apiarcuv b <pil6ao(pog tarupi^xev. — Um so we- 
niger darf man sich wundern, dass in der folgenden Zeit, als 
die Sittenverderbniss mehr und mehr überhand nahm, der 
wollüstige Zweck solcher Verbindungen gar nicht verleugnet, 
vielmehr als zu den Freuden des Lebens gehörend betrachtet 
wurde. Als ein besonderes Beispiel von Enthaltsamkeit er- 
zählt Plato Leg. VIII, p. 840: dp* ouv oux capev röv Ta- 
pavTcvov ^Ixxov dxo^, ded rbv 'OXopmdac re dytova xal robg 
dXXoug wg 8id (pdovtxiav xal re^vTjV xal rb perd too auj<ppo- 
veTv dvdpeTov iv rj] (l>o^fj xex-n^pevog , ujg Xoyog, oure rcvög 
TTumoTe yovatxbg ^(^'aro oud^ au izaidbg ev oXjj zfj rrjg daxjj- 
aetag dxpfj; Eben so preist Xenophon als etwas Ausser- 
ordentliches die eyxpdzeca des Agesilaos (c. 5. 4), der den 
schönen Sohn des Spithridates liebte wanep &v toü xaXXioroo 
ij <j(po8poTdT7] (fbaig ipaai^eirj, aber als dieser ihn nach per- 
sischer Sitte küssen wollte, sich durchaus dagegen sträubte, 
dem Xenophon ein acu^povrjpa xal Xia\) pavcxov. Aber so un- 
rein war die Deukungart der Zeit, dass man an die Aufrichtig- 



266 Zweiter Excurs 

keit dieser Enthaltsamkeit nicht glauben wollte und einen ge- 
heimen Umgang voraussetzte, weshalb Xenophon ihn §. 7 recht- 
fertigt: xac yäp elg olxcav fikv oudsp/av ISiq. dno87jixL(f. xartj- 
yero, äzi 8k rjv iy kv lepöj, sv&a 8rj d8üvazov rä roiaora npdr- 
T£<v, ^ iv favspu) fidprupag roug ndvrojv dip&aXjxoug t^? au)- 
<ppoa())>7jg nocoufievog. Wie man aber die 7:ac8exd d<ppo8iauii 
ganz unverhohlen als eine Lebensfreude betrachtete, deren 
Genuss sich von selbst verstehe, das ergiebt sich noch viel 
deutlicher aus dem Gespräche des Simonides mit Hieron bei 
Xenoph. Hier. 1. 29. Dort will Hieron beweisen, dass einem 
Tyrannen alle Genüsse des Lebens in geringerem Grade zu 
Theil werden als dem Privatmanne. Bei der Aufzählung der- 
selben werden eben so unbefangen wie die übrigen auch die 
7tat8ixä d(ppo8iaia genannt und von ihnen am weitläufigsten 
gehandelt. Da heisst es unter anderem §. 33 : lyou ydp 8^ ipu> 
fikv dacX6-(ou uivnsp caius dvayxdZsi ^ (püatg dvBpJjnoo 8stad-aL 
napd Twv xa^cDv toutujv 8k, ujv ipäj zu^sTv, fisrä fxkv (piXtaq 
xoi Ttaph. ßooXojJsvoo ndvo la^optbg iizSoiiu» ruy/dvstu, ßi<f 8h 
Xafißdvsiv nap' aurou ^aaov dv fxoi 8oxib imßufisTv ^ ifxauThv 
xaxöv Tt noteiv. Das geht in der That auf kein platonisches 
Verhältniss hinaus, und doch spricht Xenophon noch lange 
von dem Reize solcher Liebe wie von etwas durchaus Unan- 
stössigem und Natürlichem; auch wenn daher derselbe An ab. 
II, 6. 28 dem Menon den Vorwurf macht: auTog 8h 7:ac8cxd 
£?/£ Bapunav dyivetog u)v yevetuivTa, so bezieht sich der Tadel 
eben nur auf das Alter, wie es Diog. LaSrt. IL 60 richtig 
erklärt: pzil^oai xs^p^af^ac nai8ix(ng. 

Indessen erscheint eine Neigung, wie sie Hieron schildert, 
bei weitem nicht so widrig als hundert andere Thatsachen. 
Viel empörender ist es, dass vor Gericht ganz unumwunden 
als etwas Gleichgültiges erzählt werden konnte, wie man einen 
Jüngling contractmässig für solclien Zweck gemiethet habe, 
was in der Rede dos L y s i a s a d v. Simon, geschieht. 
Es lassen sich einzelne Stellen hier nicht ausheben; wenn 



rur f&nften Scene. 26T 

man aber bedenkt, dass die Erzählung ganz frei nnd ohne die 
Ahnung, dass es dafür einer Entschuldigung bedürfen könne, 
geschieht, dass also das Laster ohne alle Scham und Scheu 
bekannt wird, so muss man annehmen, dass es in solcher All- 
gemeinheit Statt fand, dass niemand mehr etwas Strafbares 
oder Schimpfliches darin erkannte. — Und diese Allgemein- 
heit erhält ihre volle Bestätigung durch die zahlreichen Nach- 
richten von jungen Leuten, welche das niedrigste Gewerbe 
treibend wie gemeine Lustdirnen für Geld sich Jedem Preis 
gaben oder sich doch durch Geschenke von ihren Erasten ge- 
winnen Hessen, wie es bei Aristoph. Plut. 153 ff. heisst: 

KAP. xal TOug ys ndtddq tpaat rauTÖ toüto dpäv 

ob Twv äpaariüv^ äkXä räpyopiou ^a^tv. 

XFEM. ob Toug p's ^prjffrouq, äXkä rouq ndpvoug, inei 

alroöaiv obx äpyupiov ol ^pyjoroi. KAP. ri de; 

XPEM. 6 ßkv tnnov äj'a&ov, ö dk xuvag ^TjpeuTtxdq. 

KAP. ala^uvößsvot yäp äpyupiov alretv i'atog 

dvöfiaTt neptneTTOuffc tjjv fio^üyjpiav. 

Vgl. A v. 705 ff. Dieses Gewerbe allein ist es , welches mit 
dem schimpflichen Worte kvaipeiv bezeichnet wird; und krat- 
pwv oder rjTacprjxwg wird nur der Knabe genannt, der es treibt 
oder trieb, während in dem anständigeren Verhältnisse er 
ip<ofievos heisst, so wie der Liebhaber in beiden Fällen ipajv 
oder spaffTr/g. Die Beispiele sind nicht selten. So heisst es 
beiAndocidesdemyst. §. 100: etra au nspl iToupscag i/jLoi 
fivecav notjj xai xaxätg uvag ksyeig; og kvt pkv oh-)[ kraipfjaoQ 
{xaXüjg yäp äv aoe £?/£), npaTz6p.evog 8' ob noXu dpyüptov rbv 
ßouXöpevov dvBpujmov, uig ootoc uraacv, im rötg ala^taxotg ip- 
yotg e'Cjy?. Ebenso in einer Hauptstelle, aus der man ersieht, 
dass es förmliche nopveca der Art geben mochte, Aeschin. 
in Timarch. §.74: 6päT£ Tourouai roug inl tcjv olxTjimruiv 
xa^e^ofidvoug roug bpoXoyooiiiviog r^v npä^cv rauT/jv npdrzov- 
rag • outoc fjLSVToc, orav npbg ttj dvdyxrj raurj^ yeyviovTa:, opxog 
npo ys T^g aiff^övi^g npoßdXXovToe tc xai ffuyxXscouae rag ^ö- 



268 Zweiter Excurs 

pag. et dij res ufiaiv epoiro zobs ödai nopeuoiievoug , ti vuv 6 
ävdparnos ouzog npd'TSi^ su&ug S.v emocTB rou ipyoo rouvofJLa 
ohx elooTsg röv elaeXrjXoBora oarig rjv, äXXä t^v npoatptmv 
T^g kpyaaiag xoo dv&pojTioo cruveidoTsg xal zb Ttpäyfia yvcupc- 
CeT£. Darunter mögen nun wohl, wie in den rcopvscocg der 
Hetären, Sklaven verstanden werden, z. B. Diog. Laert. II. 
105 : 0ai8u)v 'HXecog zatv ebnazpcdwv auvedXu) zfj nazpcSi xal 
rjvayxda&Tj az^vac in' olxijpazog: aber dasselbe schändliche 
Treiben wirft ja der Redner dem Timarch vor: §. 40: abzog 
yäp nptözov pkv Trdvzwv, inecd^ din^XXdpj ix naßiuv, ixd&jjzo 
iv UetpaceT in} zou EbBudixou lazpst'oo npo<pdaei jikv zr^g ze^- 
vrjg pa&TjZi^g, zfj <5' dXrj^etq. nwXacv kauzbv npojjpr^iievog ^ wg 
axizh idet^ev. Zaoi phv ouv zujv ifinopcuv ^ zaiv dXXajv $£V(uv 
■fj zuiv noXczutv zwv rjfxezdpwv xaz^ ixstvoug zobg ^povoug ixp^- 
aavzo zw aiüixazi Tcp-dp/ou, ixujv xal zouzoug un£pß:^aop.at. 
Darauf führt er ein eklatantes Beispiel an, das von dem ehe- 
maligen Erasten selbst bezeugt wird. Vgl. Lysias inAlcib. 
I. §.41 und Xenoph. Mem. VI, 1, 13. — Und so schamlos 
wurde dieses Gewerbe getrieben, dass man (wie in der Asi- 
naria des Plautus Diabolus mit der Hetäre) förmliche Con- 
tracte abschloss. Lysias adv. Simon. §.22: izoX/iyjtTs ydp 
elneTv, <ug abzog pkv zpcaxoacag dpa^/xdg edujxe &£o86za) (das 
ist eben der izaipwv §. 5, ein lIXazaixhv iieipdxtov) auv^rj- 
xag npog abzbv nocrjadpevog, was nachher §. 26 aup.- 
ßoXacov genannt wird. So sagt auch Aeschin. in Timarch. 
§. 160: idv 8' ini^ecpÜKTt Xiyetv, cjg ob^ tjzaip^xev^ Zaztg fxij 
xazh aoyypaipag ipia^iu^iq xal ypappazeiuv x. z. X. Vgl. §. 165. 
Wollte man fragen, welchen Zweck solche Contracte gehabt 
haben könnten, so lässt sich unbedenklich antworten, dass 
die Schamlosigkeit so weit gehen konnte, davon vor Gericht 
Gebrauch machen zu wollen; [denn wenn auch der ix auvOrj- 
xrjg izaiprjxojg der Atimie verliol, so ergiobt sich daraus noch 
nicht, wie Hermann Privatalt. §. 69 n. 7 will, die Unver- 
bindlichkeit des Vertrags, vgl. Meier Att. Proz. S. 496 und 



zur fünften Scene. 269 

635]. Aeschines hat ans ein Beispiel noch grösserer Frech- 
heit aufbewahrt; §. 158: rtg yap ufj-utv röv dp^avuv xaXoufis- 
vov äi6<pw^Tov oux oldev; og rov $evov npog tov äp^ovra dmy- 
yaysv . . . knaniaadjiBvog rerrapas dpa^fiäg adröv unkp T^ff 
npa^ecug zauTTjs dnsarsprjxivac. Solche gänzliche Verleugnung 
alles Schamgefühls setzt nun allerdings wohl eine sehr ge- 
meine Natur voraus; allein fast eben so verächtlich ist die 
Koketterie der Knaben, welche um die Gunst des Demetrios 
Phalereus buhlten. Karystios bei Athen. XII, p. 542: iC)?- 
Xoronoöv 8h ndweg ol naTdeg tov ipiufxsvov aitrou Sioyviv^ xcä 
ToaouTov yjv zw dT^/xrjrpia) TipoasX^sTv , uxrcs /zst* äpiarov axt- 
Tou nepmarrjaavTog napä roug Tpc'nodag auv^^ßov elg tov to- 
nov TTocdeg xdUcffroc racg i^g ^/idpacg, 7v ' d^ßsTsv auTw. [Die 
gewerbmässige kracprjmg wird auf Bildwerken durch den Geld- 
heutel angedeutet: Gerhard Auserles. Vasenh. IV, 283, 
10. 288, 1 u. 5. Zuweilen lassen auch die Bewegungen und 
Gesten der Betheiligten keinen Zweifel an ihrem Vorhaben, 
z. B. ebendas. 280. Dagegen dürfte stark zu bezweifeln sein, 
ob auf der von Michaelis in d. Archäolog. Zeitung von 
1870, S. 108 behandelten und Taf. 39 abgebildeten Vase aus 
der Sammlung Baseggio in der oberen Scene die ihren Avers 
in auffälliger Weise dem Beschauer zuwendende, gebückte Ge- 
stalt ein Lustknabe sein soll. Offenbar will das Bild einen 
ebenso harmlosen Streich der Ausgelassenheit darstellen, wie 
die darunter stehende Symposienscene, und der verdächtigte 
Ephebe fasst mit der rechten Hand nach dem linken Fusse 
der arglosen Flötenspielerin, um dieselbe durch Wegziehen 
desselben zu Falle zu bringen, während der auf der xXc'vt^ 
ruhende Gefährte in demselben Momente vorsorglich ihren 
Rücken mit der linken Hand stützt und sie so vor dem Sturze 
bewahren will. Die unziemliche Stellung des Attentäters ist 
ein derber Scherz, wie sie sich die Vasenmaler ja oft erlaubten» 
Vergl. Hancarville II, 32. Stephani in Compte rendu 
ponr 1870 nnd 1871 p. 210.] 



270 Zweiter Excurs 

Das zuletzt erwähnte Beispiel aus Athenäos gehört frei- 
lich schon einer Zeit grosser Entartung an, wenn es auch 
thöricht wäre zu leugnen, dass selbst in dieser sittenlosen 
Umgebung ein Theil der Jugend bessere Gesinnung bewahrte, 
wie das schon die hochsinnige That des schönen Demokies 
lehrt, der, nachdem er alle Anträge des Demetrios Poliorketes 
zurückgewiesen hatte, um vor ihm sicher zu sein, die öffent- 
lichen Bäder und Gymnasien mied, und als er auch in einem 
Privatbade von dem Wollüstlinge verfolgt wurde, den Deckel 
von dem Kessel, der das siedende Wasser enthielt, riss und 
hineinstürzend sich den Tod gab, Plutarch. Demetr. 24. — 
Allein dass schon in Solon's Zeit jenes schimpfliche Gewerbe 
getrieben wurde, dafür sind die Gesetze, die er für nöthig 
fand, ein sprechender Beweis, wie Aeschines selbst aner- 
kennt: in Timarch. §. 13: /xeTä raura Totvuv, aj 'Aßyjvcuoc, 
vofxo&eree Tiepi doexT^fidzujv fiej'd^cov fiev, yiyvofieviuv 8\ olfxai, 
iv T^ TioXer ix yap rou npaTTeaBat ziva luv ob npoarjxsv, ix 
zoOzou zooQ v6p.oue ei^evzo oi TiaXaioL Diese Gesetze sind 
doppelter Art. Sie beabsichtigen theils die freie Jugend vor 
Verführung und Missbrauch zu schützen in der Zeit der Un- 
mündigkeit, theils von dem freiwilligen Ergreifen des Gewerbes 
durch Beraubung der bürgerlichen Rechte abzuhalten. Zu der 
ersten Klasse gehören: Aeschin. §. 13: käv ztva ix/xcff^cuaj) 
izaipecv Tzazijp ^ dSe^^öc ^ Uecos ^ irnzponog ^ o^ios xuptiov 
T/ff, xar' auzou fikv zou iiatdhs oux i^ ypa^i^v kzatpijatojg £i- 
V«, xazä dk TOM fita&utffavzoe xcü toü /xiaffwaa/xivou : §. 14: 
idv «ff ihü&Epov ndcöa ^ yuvaTxa "npoayiüyzuajj : §.15: idv 
Tiff ußplCf) £'ff licuda ^ äv8pa ^ yvvdcxa x. z. ^. Endlich ge- 
hören hierher auch die im Excurs über die Erziehung an- 
geführten, die Schulen und Gymnasien betreffenden Verord- 
nungen. Auf alle in diesen Gesetzen genannte Vergehen waren 
harte Strafen, zum Theil Todesstrafe gesetzt. Dagegen zog 
die izatprjace oder das freiwillige Preisgeben für Gold Verlust 
bürgerlicher Rechte nach sich, §. 21: äv Tce 'Af^jjvaToe irac- 



zur fünften Scene. 271 

f^O"^^ fiij i^Sffriu ahxüj rwv ivvea dp^ovzujv yeveadac fj.r^S ' tepa*' 
aOvrjv tepdaaaßat /XTjdk auvdcxrjaae tw 8i^/x(p, jirjöe äp^rjv dp- 
^S7(o iLrj8e[xiav p-^TS evdrjpov pyjTS ünepopcov prjxe xXr^piwnjv 
lajTS ^etpoTovTjvfjv, prj8' km xrjpoxeiav dmoazeXXiaBu) prjSe y^at' 
fOjV XsysTO} prj8^ sig rä SrjpoTeX^ hpä elalriu prß' iv roug xoi- 
va2g (ne<pa\)-^<poptaiQ azetpavobaboj iirj8^ ivrbg tojv Tr^g dyopojg 
iteptppwvrjpliav nop£oia&io' iäv 8s rtg idüra noi^, xarayvo}- 
<T&svTog auToü kraipelv ^avaro) ^r^ptouffBu} und §. 28 — 32: idv 
reg Xiyrj iv rw 8rjp(ü • , . ^ nenopveupdvog ^ rjzatprjxiug . . . 
TouToug dnayopeuec prj 8y]pr]Yope7v. Vgl. Demosth. in An- 
drot. §. 30. 53. 73; Diog. Laert. I. 55, und Hermann 
Staatsalterth. §. 129, not. 9. — Von diesen Gesetzen be- 
darf bloss das gegen die ußpcg einer Erklärung. Ob das von 
Demosth. in Mid. §. 101 angeführte dasselbe sei (s. Meier 
u. Schömann Att. Process S. 321 ff.) ist hier gleichgültig, 
und ich werde im Excurse über die Sklaven darauf zurück- 
kommen. Es bedarf hier nur der Bestimmung des Begriffs 
der oßptg, da Aeschin. §. 15 sagt: ußpcCsc 8k Sr^nou ö pt- 
<r&o6p£vog. Allein das gilt nur eben von dem Missbrauche 
derer, welche noch nicht xuptoc sind oder wider ihren Willen 
gemissbraucht werden, keinesweges von der freiwilligen srac- 
pyjaig. So unterscheidet Aeschines selbst §. 87 : äv ng pcff&dh- 
aifjTal Teva *A&rjvai(ov ijp' ußpst xai ndXiv idv reg 'A&Tjvaeiov inl 
rfj ZOO aiupazog alay^övji ixwv piad^apvfj. Und noch ist es 
zweifelhaft, ob dem Begriffe die Ausdehnung zuzugestehen 
ist, die ihm Aeschines giebt. Denn das Gesetz ■nept ußpeatg 
nmfasste auch die Sklaven, §.15: ^ zu>v kXeuBipojv zivd ^ 
ru)V 8oüXwv: vgl. §.16: evo^o: 8k eazwaav za?a8£ zaTg ahtatg 
xai ol £cg zä otxezcxä oiöpaza i$apapzdvovz£g. Nun kann 
darüber kein Zweifel sein, dass z. B. die -nopvoßoaxot junge 
Sklaven häufig zu solchem Zwecke vermietheten, s. Plaut. 
Pseud. m. 1, was in keinem Falle als ußpig betrachtet wurde. 
Daher lässt sich bei Sklaven nur das an fremden Sklaven oder 
mit Gewalt begangene Vergehen denken. Abgesehen von der 



272 Zweiter Excura 

üßpis oder Nothzucht aber [die nur als Eingriff in fremdes 
Eigenthum nnd mit einer Geldbusse bestraft wurde; vgl. Her- 
mann Symbolae ad doctr. jur. Att. de injuriarum 
actionibus, Gott. 1847. 4, p. 22j, ergiebt sich, wenn wir 
das Wesentliche dieser Gesetze zusammenfassen, zuerst: dass 
sie durchaus nur gegen das Gewerbe, fica^wacs und kratpi^fftQ, 
gerichtet sind, während von dem Verhältnisse des ipaan^s 
zum ipcjfxevog gar nicht die Rede ist. Sodann wird das irac- 
peTv selbst nur an dem eigentlichen Bürger gestraft; denn 
alle Eechte, deren Verlust das Gesetz verhängt, sind solche, 
die nur dem attischen Bürger zukommen, und daher heisst es 
auch in dem Gesetze: äv rcs'A&rjvatajv eraiprjcn}. Die ganze 
Klasse der $£vot war also darunter nicht begriffen, und da 
demnach auch in Bezug auf diese das pca&wffaaßac nicht straf- 
bar sein konnte, so mag unter ihnen der Unfug am grössten 
gewesen sein, üebrigens konnten diese Gesetze, so streng sie 
auch scheinen mögen, keinen besonderen Erfolg haben, da 
eben nicht das Laster selbst, sondern nur die Beschimpfung 
eines Bürgers bestraft wurde, da durch die -npoipaaiQ <pcXiaQ 
ein anderer Weg geöffnet war, und das Gesetz selbst auf die 
von Aristophanes angedeutete Weise umgangen werden konnte, 
da endlich die leichtsinnige Jugend gewiss oft den in der 
Ferne drohenden Verlust bürgerlicher Ehrenrechte weniger 
hoch anschlug als den augenblicklichen Vortlieil. Und waa 
am besten beweist, dass es auf eine Unterdrückung des Uebel» 
keineswegs abgesehen war: der Staat selbst verpachtete ja 
jährlich die auf solches Gewerbe gelegte Abgabe, und sie wurde 
eben so gut von den ijTacpi^xuacv als von den kraipats und 
TTopvate erhoben. Aeschio. §. 119. 

Es ist bisher nur von Kreta und Athen die Rede gewesen, 
nnd die letztere Stadt stand auch besonders in dem Rufe, der 
Sitz der Päderastie zu sein. Maxim. Tyr. Diss. XXV. 1: 
TouTO TOI Stlaas xai l'aixpdTr^g ixETvoc eupiuv ru ndi^ui ivax- 
jidCov r^ re äXX^ EXMdt xai nokb jidkiara ratg 'Ai^rjvats xah 



zur fünften Scene. 273 

fxeffrä ndvTa d8ix(uv ipaazöijv xat fiecpaxciov i^r^Tarrjixivwv.^ 
olxTscpas x.T.L und es ist nicht ohne Grund, dass Lucian 
in der Schrift über die Liebe zum Vertheidiger der Weiber- 
liebe einen Korinthier, zum Apologeten der Knabenliebe einen 
Athener gewählt hat, werden doch letztere auch geradehin 
dpaevoxdtzai genannt: Schol. Aristoph. Plut. 153. Gleich- 
wohl rühmte sich Athen, eine weit höhere und reinere An- 
sicht von dieser Liebe zu haben als andere Städte; und haupt- 
sächlich waren es die Eleer und Böotier, die aus dem sinn- 
lichen Zwecke am wenigsten ein Hehl machten und deren 
Knabenliebe daher nicht bloss mit der spartanischen, sondern 
auch mit der athenischen in Gegensatz gebracht wird. Daher 
sagt Plato Symp. p. 182: xa\ 8^ xai b Ttspi zbv epcora v6- 
fiog iv /Jikv racg äXXaig nöXsai vorjaat pifdiog' äizXiÜQ jap a>pc- 
arac 6 5' ivBdds xai b iv Aaxsdaf/xovt rtocxcXog. iv TlXedc 
fikv yäp xai iv Butiorolg xai oh p.^ ao<f()\ Xiyziv^ dnXihg vsvo- 
pjod^izTjTac xaXbv rb ^apc^sa^a: ipaardcg xac ohx äv rig emoi 
ouTS viog ouT£ nakaiög , utg alff^pov. Diese nocxcha besteht 
eben darin, dass namentlich der attischen Liebe ein doppeltes 
Element zu Grunde liegt, ein edles und ein unedles. Den 
Widerstreit dieser Elemente schildert vortrefflich derselbe Leg. 
VIII, p. 837 : p.ixT^ 8k ix zoltTiov {ivavriiuv xai bftocojv) ysvo- 
pdvfj (<ptXia) TipcJrov pkv xazapad^elv ou pq.8ca, rt r.ors ßobXon' 
Slv «üTtD ysviad^ac zbv zptzov ipujzd (im Gegensatze zu der 
reinen Freundschaft und der sinnlichen Liebe) zcg i^^v rou- 
zojv. eneiza elg zouvavzcov un' äpifötv kXxopevog drMpät, zoü 
pkv xsXeuovzog zr^g ujpag arTzsa&at, zoü o' drMyopsuovzog' b 
fikv yäp ZOO aiupazog ipajv xai zrjg wpag xadamp ozutpag 
netvwv iimXriaBrjvai TzapaxsXsuezac kaozip zcpijv ouosptav dno- 
vepcDV zw ZT^g (po^rjg rj&s: zoü ipojpivoo- b 8k rApspyov psv 
T^v zoü acufxazog imBufiLiav i^cuv, bpu/v Sk päXXov ^ ipuiv z^ 
(jfox^ 8s6vzüjg z^g i'^'/JjQ i7:izs&up.rjxwg, ußp:v ^pjzac zijv nepi 
zb ou)p.a zoü aiopazog nXrjapovijv : vgl. Symp. a. a. 0. bis p. 184. 
In diesem Sinne konnte allerdings Sokrates bei Xenoph. Symp. 

Charikles II. 13 



274 Zweiter Excurs 

8. 34 von dem Standpunkte der edler Gesinnten aus in Bezug 
auf das aoyxaBeüdetv der Böotier und Eleer sagen: kxdvotg 
fikv yäp raüza vö/xijia, rj/iTv 8' knoveidtaza. Nur ziehe man 
daraus keinen Schluss auf die Eeinheit der attischen Liebe. 
Was Xenoph. Memor. I. 2. 29 von Kritias und Euthydemos, 
Plato Protag. p. 315 und Xenoph. Symp. 8.32 von Pau- 
sanias und Agathen sagen, das beweist hinlänglich, dass wohl 
in den meisten Fällen an keine von sinnlicher Begierde reine 
Zuneigung zu denken ist. Vgl. Maxim. Tyr. Diss. XXVI. 8. 
Was aber jene beiden Staaten anlangt, so stimmen die Zeug- 
nisse über die grobsinnliche Natur der dortigen Knabenliebe 
überein. Am bestimmtesten spricht davon Xenoph. de rep. 
Lac ed. 2. 12: oi jxhv zocvuv äXXoi "E?^Xrjvsg ^ wcmep Boauro} 
dvijp xai tzcuq ao^u-jrdvTeg bjxdoumv ^ wcmsp 'HXscoc Siä "j^opi- 
Tu)v T^ ü)p(f. xpujvTat. Vgl. Aelian. V. Hist. XIII. 5. Auf 
Elis scheint auch Aristoph. Av. 140 anzuspielen, wo Pei- 
sthetäros erklärt, was für eine Stadt er suche: 
onou ^uvavTÜtv fiot Tadi Ttg fiifKpSTai, 
SiOTztp ddtxTji^etg natddg &paiou izaz-fjp " 
xakwq Y^ ißol rbv ulöv, iL Zrikßiuvidrjf 
eupwv äntovr' äizö yufivaaiou kekoußivov 
oöx Bxuaaq, ob npoaetTcag, oh Tzpoerrffäyoi}^ 
obx mp^tTzidrjaag, !uv ifiol narpcxog <pikog, 

worauf der Epops, da es eine griechische Stadt sein soll, sagt: 

Tt ob r()v ^UkBiov Ainpeov olxüierov ; 
[Vgl. noch Plut. de educ. puer. 15 und Cic. de republ. 
IV. 4. Die Päderastie scheint in Elis, wie in Sparta und auf 
Kreta ursprünglich eine politische Institution gewesen zu sein, 
die bei der grobsinnlichen Natur des Volkes aber bald in ge- 
meiner Wollust unterging.] Aber wenn auch namentlich in 
Theben ganz offen gleichsam ein eheliches Verhältniss zwischen 
dem ipoffTTjg und ipiö/ievog Statt gefunden zu haben scheint, 
80 lägst sich doch gerade dcslialb annehmen, dass dort eine 
innigere Freundschaft daraus hervorging, der die Befriedigung 



zur fünften Scene. 375 

sinnlichen Triebes eben so wenig Abbruch thun konnte als 
in dem Umgänge des Mannes mit der Frau, indem die All- 
gemeinheit der Sitte an gar nichts Unerlaubtes dabei denken 
liess. Daher hat die thebanische Liebe, so viel sie früher 
geschmäht worden war, durch die sogenannte heilige Schaar, 
welche aus ipaazacg und ipwfxdvois bestanden haben soll [vgl. 
K. F. Hermann Staatsalt. §. 181 und Kreenen Hisi 
cohort. sacrae apud Thebanos. Arnh. 1837.], eine ge- 
wisse Berühmtheit erlangt, und ein im Gefühle der Bewun- 
derung ihrer Heldenmüthigkeit von Philipp ausgesprochenes 
Wort hat Manche sogar bestimmt, das Unreine des Verhält- 
nisses ganz hinwegleugnen zu wollen. Als nämlich nach der 
Schlacht bei Chäroneia die Dreihundert sämmtlich gefallen 
waren, soll er, von dem Anblicke der Tapfern bewegt, aus- 
gerufen haben: »wehe dem, der argwöhnen wollte, dass diese 
etwas Schändliches gethan oder gelitten haben könnten!« 
Plutarch. Pelop. 18. Allein war das Verhältniss so, wie 
ich es vorausgesetzt habe, und sah man dabei keine ala^po- 
•nyg", so ist auch jener Heldengeist, der die Schaar beseelte, 
so wenig ein psychologisches Problem, dass man im Gegen- 
theil ihn weit natürlicher finden muss, als die ritterliche Frauen- 
knechtschaft des Mittelalters. Ueberhaupt fehlt es im Alter- 
thume nicht an Beispielen so gänzlicher Unterwerfung unter 
den Willen des Geliebten, dass man sie den kühnsten Aben- 
teuern, welche je ein Ritter auf Geheiss seiner Dame bestand, 
au die Seite setzen kann. So erzählt Pausan. I. 30. 1 und 
Aelian bei Suidas s. v. Mihr^rog^ ein athenischer Metöke 
Timagoras habe einen gewissen Meles oder Meletos geliebt 
und sei von ihm spröde behandelt worden. Einst habe Meles 
von seinem Erasten, mit dem er sich an einem schroffen Felsen- 
abhange befand, verlangt, er solle sich hinabstürzen, und Ti- 
magoras habe es wirklich gethan, indem er weniger hoch das 
Leben anschlug als die unbedingte Gewährung jedes von dem 
Oeliebten geäusserten Verlangens {xa\ 4"^x^^ ^^X^^ d^eidwg 

18* 



276 Zweiter Excurs 

xal 7zdvz(üv biioiiüQ x£Xs.uovri yj&eXe j^apiZ^ad^at ra» /xecpaxtoj). 
Aus Verzweiflung sei ihm dann Meles selbst nachgefolgt. Vgl. 
die Erzählungen von Kleomachos bei Plutarch. Amat. 17, 
von Chariton und Melanippos bei Aelian. V. Hist. II. 4 und 
im Allg. PlatoSymp. p. 183 {ißsXovräg dooXeiag dooXeöeiv) 
und Xenoph. Anab. VII. 4. 7 ff. Und eben solche Beweise 
bewundernswürdiger Wirkung dieser Liebe mussten auf ihre 
Beurtheilung eine bedeutende Rückwirkung äussern ; man wird, 
natürlich von der eigentlichen k-aip-^aiQ ganz abgesehen, ge- 
neigter sein, die ganze unglückliche Richtung der Zeit zu be- 
klagen als die Individuen zu verdammen. 

lieber andere griechische Städte erhalten wir nur einzelne 
flüchtige Notizen. Von Chalkis führt Plutarch a. a. 0. an, 
dass eben nach jener That des Kleomachos die früher un- 
günstig beurtheilte Knabenliebe bedeutend überhand genommen 
habe. [Vgl. Hesych. s. v. ^aXxcdcCecv und Athen. XIII. 77: 
xal Ol iv Ebßotcf. XaXxidslg Trspl rä rtaidixä daijwvtojg inzörjv- 
rat. Die dortige Knabenliebe wird wahrscheinlich ebenfalls 
eine ursprünglich politische Institution aus der Zeit der von 
Perikles vertriebenen ritterlichen iimaßorai gewesen sein: Bur- 
sian Geogr. B. II, S. 415.] Halb für halb gegen die Sitt- 
lichkeit der Bewohner von Argos zeugt das, was ders. Prov. 
Alex. I. 44 über das Spruch wort rj iv "Apysc dam's berichtet: 
oi rijv iv roTg nacalv cjpav xa&apav xa\ d8cd<pd^opov (poM^av- 
reg dvaXaßuvveg ^pocr^v dcrrtßa nponoixnsüouae , toÜto yipag 
i^ovTcg xazd rt v6/xcp.ov dp^äcov. In Megara feierte man ein 
darauf sich beziehendes Fest. Theo er. XII. (vgl. Hermann 
Gottesd. Alterth. §. 52, not. 38.] Sehr übel berüchtigt 
scheint Herakleia gewesen zu sein. Athen. VIII, p. 351. 
Ueberhaupt aber sagt Xenoph. de rep. Laced. 2. 14: iv 
noXXaXg yh-p uTtv noXeiuv ot vd/wt nhx ivavTcoovrai racg Tzphg 
robg nalüag imHu/i/atg. Li bau. t. III, p. 379 Reisko giebt 
ein Verzoichniss berüchtigter f^rjXooplat. 

Einen ganz oigenthümlichen Cliaraktor hatte die Knaben- 



zur fünften Scene. 277 

liebe der Spartaner, und den bestimmtesten Zeugnissen zufolge 
mischte sich in dieses für die Zucht überaus nützliche Ver- 
hältniss — ich will nicht sagen kein sinnliches Gefallen, aber 
doch gewiss keine unreine Begierde. In der Xenophon's Namen 
tragenden Schrift de republ. Laced. heisst es 2, 13 von 
Lycurg's Gesetzgebung: el 8e rig natdog aw/xaTog dpeyoiievog 
ipavtiri, aia'x^tazov toozo deig inoir^azv £v Auxeoat/iovc fir^dkv 
rjxrov ipaazäg naiStxwv dne^eoBat. ^ yo^etg rtaßmv tj xac ddeX- 
(foi ddsX^üjv £cg d<ppooiata dne^ovrai. Vergl. Symp. 8. 35, 
Plutarch. Lyc. 17. 18, Ages. 20, Cleom. 3, Instit. Lac. 7: 
ipäv zaJv TJyv 4''^X^^ (mouoatujv i^kro, ri oh nXrjatdCscv aia^^pbv 
vsvopeffTo, üjg rou aujpazog ipwvzag dXX' ou ZTjg ^u/^ff' ^ 
^£ kyxXrjBeig utg in* aia^uvjj rtXrjffcdZwv äzcp.og diä ßtou tjv. 
Aelian. V. Eist. III. 10, Eustath. ad Odyss. V. 478, 
p. 1547. 19. Daher kannte diese Liebe auch keiue Eifersucht 
Plutarch. Lyc. 18: zo dvzepäv oux rjv. Maxim. Tyr. Diss. 
XXVI. 8: epa I^napzidzT^g dvrjp pecpaxcou Aaxujvcxoü, dXX* 
ipä povov cug dydXpazog xaXoü • xac evbg noXXoc, xac slg noX- 
Xu>v. Mehr über diese Sitte zu sagen habe ich um so weniger 
nöthig, als sie schon durch Otfr. Müller Dorier Th. II, 
S. 290 ff. sehr genügend dargestellt ist. Vergl. Hermann 
Staatsalterth. §.26, not. 19 [und Schomann Gr. Alterth. 
I, S. 276.] — Dass man übrigens anderwärts an die Reinheit 
dieses Verhältnisses oft nicht glauben wollte, wieXenophon 
de rep. Lac. 2. 14 selbst sagt, ist leicht erklärlich, und bei 
den beständigen Ausfällen der attischen Komiker auf Sparta 
kann man wohl annehmen, dass sie namentlich ihm eine 
schlimme Deutung gaben. Daher lassen sich dann auch die 
gehässigen Bemerkungen erklären, welche man bei Suidas 
und Hesychios unter xuaoMxcuv, XaxcuvcXecv, Aaxajvcxbv 
rponov u. a. findet. Mehr indessen als diese alle muss es be- 
fremden, dass auch Plato in den aus den Gesetzen angeführ- 
ten Stellen I, p. 636 und VIII, p. 836 von Sparta nicht viel 
günstiger urtheilt als von anderen Städten, sondern der dor- 



278 Zweiter Excurs 

tigen Knabenliebe, namentlich in der zweiten Stelle, entschie- 
den ebenfalls einen unsittlichen Charakter leiht. Ich möchte 
es geradehin für unmöglich erklären, dass er die spartanische 
Sitte so wenig gekannt habe \ dass auch sein Urtheil befangen 
und von den Spöttereien der Dichter geleitet worden sei, zu- 
mal in einem Werke, das er in hohem Alter geschrieben haben 
mag. Noch ungereimter würde die Annahme einer absicht- 
lichen Verdächtigung sein. Und doch steht hier Zeugniss 
gegen Zeugniss, und man wird immer geneigt sein, dem Xe- 
nophon, der besser als irgend ein Fremder die spartanische 
Sitte kennen gelernt haben musste, mehr Glauben zu schen- 
ken. Denn wenn gleich die Zweifel über die Authentie der 
Schrift de rep. Laced. noch obwalten, so ist dieses für un- 
sere Frage doch unerheblich, da im Symposion fast dasselbe 
von Sparta gerühmt wird. Gleichwohl scheint auch Xeuophon 
sich selbst zu widersprechen. Denn wie schon oben gesagt 
worden ist, rühmt er als etwas Ausserordentliches die Ent- 
haltsamkeit des Agesilaos; er erzählt ^aofiazog ivsxa, wie er 
den Liebkosungen des Megabates widerstanden habe; er sucht 
jeden Verdacht zu entfernen, als habe er heimlich einen Um- 
gang gepflogen, den er öffentlich verleugnete. Diese Ehren- 
rettung und Lobeserhebungen haben kaum vernünftigen Sinn, 
wenn Agesilaos nichts anderes thut, als woran joder Spartaner 
ohne Ausnahme gewöhnt war. Es hätte diese iyxpdrsia nspl 
dfpootatujv gar nicht erwähnt worden können, wenn Agesilaos 
sich nicht dadurch von Anderen unterschied; es hätte nur ge- 
sagt werden können, dass er der spartanischen Sitte treu ge- 
blieben sei. Hierin scheint mir der Schlüssel zu dem mehr 
scheinbaren als wirklichen Widerspruche der Schriftsteller zu 
liegen, und ich möchte glauben, dass die Unbescholtenheit 
der spartanischen Liebe nur auf das Verhältniss des eianvijXaQ 
zum dtra^ (des freien Mannes oder Jünglings zum freien spar- 
tanischen Knaben) zu beschränken sei. Dadurch werden aber 
andere natocxd nicht ausgeschlossen. Megabates war ein Perser, 



8ur fünften Soene. 279 

auf welchen jene spartanische Sitte keine Anwendung litt; und 
so rechtfertigt er ihn auch gegen den Verdacht, dass in an- 
deren Fällen er weniger keusch gewesen sein könnte. Er be- 
trachtet diese Enthaltsamkeit als etwas Ausserordentliches; 
denn er sagt: dXXä raura jxhv bUyuiV eldoTiuv noXXdl^ i^earcv 
dmarecv, und setzt am Schlüsse hinzu: et S' iyuj Toura (peu- 
dofiat dvTca rr^g 'EUdoog imarafxivrjS, Bxshov fikv ouSkv irMivaJ, 
ifiaorbv de (Ifsyoj. Jenes spartanische Verhältniss dagegen war 
wenigstens nach den lykurgischen Institutionen ein durchaus 
reines. Ob diese Reinheit sich bis in Plato's Zeit ganz so 
bewahrt hatte, wie Xenophon es darstellt, will ich nicht be- 
haupten; denn wie wahrhaft er auch sein mag, so musste doch 
ein Philolakon, wie er, leicht verleitet werden. Manches in 
einem günstigeren Lichte zu sehen und darzustellen als Andere. 
Das ist aber natürlich, dass, wenn neben jeuer Liebe des 
Eispnelen auch noch eigentliche Päderastie bestand, auch an 
der Unschuld des ersteren Verhältnisses gezweifelt werden 
konnte. Und so wird es dann auch erklärlich, warum Plato 
den epiug in Sparta wie in Athen noixtXog nennt, und beide 
Staaten stimmen ursprünglich darin überein, dass das ipäv 
iXeu&spojv durchaus keusch sein solle; nur dass in Sparta die 
Strenge der Zucht die Entartung länger verhütete, als es in 
Athen der Fall war. [Für den reinen Charakter der sparta- 
nischen Knabenliebe in guter Zeit spricht auch die Bemerkung 
Cicero's de republ. IV, 4 über die spätere Sitte: »mitto 
apud Eleos et Thebanos, apud quos in amore ingenuorum lu- 
bido etiam permissam habet et solutam licentiam; Lacedae- 
monii ipsi cum omnia concedunt in amore iuvenum praeter 
stuprum, tenui sane muro dissaepiunt id quod exeipiunt; com- 
plexus enim concubitusque permittunt palliis interiectis«.] 

Es bleibt mir nur noch kürzlich die Frage zu berück- 
sichtigen, was das Urtheil der Verständigeren über die Sitt- 
lichkeit der Männerliebe überhaupt gewesen sei; denn dass 
sie von diesen nicht in allen ihren Formen gebilligt werden 



280 Zweiter Excurs 

konnte, versteht sich von selbst. Es ist überhaupt seltsam 
genug, dass dieselbe Abweichung von den Gesetzen der Na- 
tur, welche, wenn sie bei Thieren vorkam, für eine unglück- 
liche Vorbedeutung galt, an dem Menschen nicht noch viel 
unnatürlicher und verwerflicher erschien. Plutarch lässt im 
Gryllos 7 den verwandelten Gefährten des Odysseus sprechen: 
dXsxTpoüJV äXzxrpoovog inißacvojv &^Xscag jirj Trapouarjs xaza- 
TTc/jinpaTac ^(oog, jidvrews rtvog rj zspa-oaxoTioo p-iya xai 8ec- 
vöv dnofpabovxoQ slvai rb yl\>u[isvov ouTojg xai nap' ahrojv 
ajiioAuyrjzai zajv dv&pamojv, ori ixäXXov tocq &rjp{ocg aou^poveTv 
Ttpoaijxei xai p.^ Tiapaßcd^sa&ac zeug ^8ovaTg z^v <pbatv. Es 
ist dasselbe Urtheil, welches Plato Leg. I, p. 636, VIII, 
p. 836. 841 f. ausspricht; aber es betrifft nur das eigentliche 
Laster, welches bloss unnatürliche Befriedigung unreiner Be- 
gierde sucht. Je allgemeiner aber dieses das gewöhnliche Ziel 
auch der angeblich edleren Neigung sein mochte, desto natür- 
licher ist es, dass Manche das ipäv Tratdojv überhaupt ver- 
warfen. Darum sagt Pausauias bei Plato Symp. p. 182: 
otizoc ydp elacv ol xaX zb ovscdog nenoojxozeg , wazs zivä zoX- 
ftäv Xiysiv, ujg atay^pbv ^apt^ea&ac ipaaraTg' ^iyaoat 8k elg 
zouzüug dnoßMnovzeg {zoug nav8'^/j.oug ipaardg), bpöjvzeg au- 
rm z^v dxacptav xai d8cxcav. Vergl. die Argumentation bei 
Aeschin. in Timarch. §. 134. Wenn wir daher den Vater 
des Autolykos selbst an dem Gastmahle des Kallias Theil 
nehmen und die Liebe des letzteren billigen sehen (wie denn 
auch dabei an einen unkeuschen Umgang gar nicht zu denken 
ist), so suchten andere Väter ihre Söhne sorgfältig vor aller 
Gesellschaft der Art zu bewahren und jeden Erasten von ihnen 
fern zu baiton. Plato a. a. 0.: insiSuv 8k 7:at8ayujyoug im- 
azTjcavztg oi ixaziptg zo7g ipoi/isvocg /lij iutat 8caXey£<T9ac zo?g 
ipaazaig . . . tlg 8^ zaözd zig att ßXitpag rjpjaaez' ilv ndXiv 
at'a^tffzov zu zoioüzov ivf^d8£ vo/it'Csat^at. Das ist nun eben 
der Widerspruch, welcher durch die sokratischo Distinction 
zwischen ^wjlf^f iprxv, als dem nicht nur Erlaubten, sondern 



zur fünften Scene. 281 

selbst Lobenswerthen, und autfiavog ipäv, als dem Verwerf- 
lichen, gehoben werden soll, eine für die Denkungsart jener 
Zeit in der That gefährliche Distinction, die recht gut klingt, 
mit der man sich aber leicht täuschte, wie denn Athen nicht 
leicht Beispiele aufzuweisen haben möchte, in denen der For- 
derung des Pausanias: ipäv iiaXtara zwv ysvvatordTojv xai 
äp{(TT(uv, xac äv ala^toug töjv äXXiuv ujac, genügt worden wäre. 
— Was Sokrates selbst anlangt, so habe ich nicht nöthig auf 
die schon im Alterthume erhobene absurde Beschuldigung, die 
ihn zum Päderasten im schlimmen Sinne machen will, zurück- 
zukommen. (Vgl. J. M. Gesner Socrates sanctus pae- 
derasta, Comment. Soc. Gotting. t. II, p. 1 ff.) Alles 
was ihn Plato im Lysis, im Phädrus, Symposion, Alcibiades 
I (p. 131), Xenophon im Symposion, in dem Memorabilien 
(bes. I. 2. 29, 3. 8 ff.) uud anderwärts darüber sagen lassen, 
enthält die sprechendsten Beweise, dass er unkeusche Knaben- 
liebe durchaus verwarf, wenn er auch den Ansichten seiner 
Zeit zufolge anders darüber spricht, als ein heutiger Moralist 
thun würde. Allein wenn man nicht annehmen will, dass eben 
diese seine Schüler, nach deren Darstellung wir den grossen 
Weisen hauptsächlich beurtheilen müssen, seinem Charakter 
eine falsche Färbung gegeben haben, so kann man doch nicht 
verkennen, dass in seine Zuneigung zu schönen Knaben und 
Jünglingen sich auch ein sinnliches Element mischte, das nur 
durch das üebergewicht der Vernunft niedergehalten und zur 
unreinen Flamme zu werden verhindert wurde. Denn es ist 
(und nach seinem eigenen Geständnisse) völlig wahr, was 
Maxim. Tyr. Diss. XXV. 2 sagt: die dp;(rj ipiorog sei bei 
ihm gewesen (pOj^rjg äv&og iv aio/iau Sia^atv6p.zvov. Vergl. 
Diog. Laert. VII. 129. Daher ist es leicht erklärlich, dass 
in der späteren Zeit, wo die Beherrschung einer solchen 
Empfänglichkeit für die Eindrücke körperlicher Schönheit noch 
weniger begreiflich war, dieser <po^rjQ epujg für eine blosse 
'Rpö(paaig erklärt wurde, wie es denn auch in der Wirklichkeit 



282 Zweiter Excura 

sich oft genug bestätigen mochte. So sagt Plutarch. Ama- 
tor. 5: 7ip6(pa<yiQ ouv (pilia xal dpsrfj, noch bestimmter Lu- 
cian. Amor. 23: dXXä yäp ivzaü&a rocg ZcoxpartxoTg xal 6 
^aop-aarbg dva^usrac Xoyog . . . (po^^s yäp epcoza TtXdrrovTac 
xa} zb zou au)}xazoQ eü/iopipov al8oup.svoi <ptXälv dpez^s xaXou- 
aiv auzobg ipaazdg: und bis zur persönlichen Verunglimpfung 
gesteigert Ver. Hist. IL 19: fiuvog de Hcuxparr^g 8iu)/xvuzn, 
7j p.7jv xa&apu)g nXrjaidZstv zocg veocg • xal fievzoe ndvzeg ctbzou 
iniopxsTv xazeytyvioaxov. Solche Aeusserungen haben zwar 
eben so wenig Werth als die Ansicht, die angeblich Xanthippe' 
von dem Verhältnisse des Sokrates zu Alkibiades gehabt haben 
soll, Aelian. V. Hist. XL 12; wenn man ihn aber selbst bei 
Plato Charm. p. 155 den Eindruck beschreiben hört, den 
die Schönheit des Charmides auf ihn machte, so kann man 
es sich in der That nicht verbergen, dass sich hier etwas 
mehr als die blosse Huldigung, die der Schönheit an sich ge- 
bührt, ausspricht. Er sagt: insidrj de (ppdaavzog zou Kptzi'oo, 
ort iyuj ecrjv b zb ^dpjiaxov (xs^aX^g) iniazdixevog, ivißXe(pi 
re jjjoi xdtg d^&aXfwTg dp.i^^avüv zi olov xa} dv^yszo wg ipiu- 
rvjaojv xal oi iv zfj nalatazpq. anavzeg nepcippsov ^p-äg xbxXa) 
xofito^' zuzs orj^ u> yevvdoa, eldov ze zä ivzbg zou cpazcou xal 
i^Xeyopr^v xal oux iz' iv ipauzw rjv xal ivup.caa ao^atzazov 
eJvac zbv Kuotav zd ipcozcxd, dg elmv, inl zou xaXou Xeyiuv 
7tae86g, euXaßeial^ac pij xazevavza Xiovzog 

vtßpöv iXMvza ^avdrou «r' ^ tJe'^t 
poipav alpeta^at ^peu>v . 

abzog ydp jiot iduxoov uno zou zotoüroo &pipLp.azog iaXojxevac. 
Vgl. Philol. Th. V, S. 788. Nicht leicht möchte sich eine 
Stelle flnden lassen, welche geeigneter wäre, uns Qber die 
Natur der attischen Knabenliebo zu belehren. Es ist unver- 
kennbar, welchen Anthoil Sinnenreiz daran hat, und wenn bei 
den Edelsten des Volks es dieser Boden war, dem sie ent- 
sprosB, so dürfen wir bei der grossen Monge, ohne deshalb 



zur fünften Scene. 283 

immer das Schlimmste vorauszusetzen, doch jedenfalls an- 
nehmen, dass das <po/^g ipäv nicht die Hauptsache war. Man 
darf z. B. nur bei Plato Lys. p. 204 den Hippothales in 
seinem Liebesverhältnisse zu Lysis betrachten. Es ist kein 
Grund vorhanden, etwas Schimpfliches vorauszusetzen, wie- 
wohl Hippothales in seiner Liebe zu dem Knaben schwärmt, 
seinen Namen immer im Munde führt, Gedichte auf ihn macht 
und singend sein Lob preiset. Als er aber von Sokrates ge- 
fragt wird, wen er liebe, erröthet er, und als jener dieses 
eben für einen Beweis seiner Liebe erklärend sagt: oida yäp 
5tc oh /xuvov ipaS) dXXä xac noppiu ^orj et iiopsuofisvog rou 
spiüTog, erröthet er noch weit mehr. Bei einem reinen Freund- 
schaftsverhältnisse, einer bloss auf geistige Vorzüge gegrün- 
deten Zuneigung ist in der That kein Grund zum Erröthen 
vorhanden. 

Mit einem Worte gedenke ich noch der gleichen Verirrung 
bei dem weiblichen Geschlechte, die jedoch nur als Ausnahme 
vorkommt und daher für meinen Zweck von geringer Wichtig- 
keit ist. Es bogreift sich leicht aus der ganzen Lebensweise 
der griechischen Frauen, dass von grosser Verbreitung eines 
solchen Lasters nicht die Rede sein kann; vergl. Welcker 
Sappho von einem herrschenden Vorurtheile befreit, 
Gott. 1816. 8, und Kl. Schriften IV (HI), S. 76 ff. Wenn 
auch kratpiatpiai schon von Plato genannt werden (Symp. 
p. 191; vgl. Leg. I, p. 136 und Ruhnken. ad Tim. Lex. 
p. 123), so bezeugt doch Lucian, dass noch in seiner Zeit 
die Beispiele selten waren, Amor. 28 : ■npug tu Xomhv ipdruj- 
aav dXk^^cDV xat yuvacxsg . . . rö de ecg dxorjv anavccug vjxov 
ovofia {ah^uvoiiac xai Xeyeiv) r^g zpißaxrjg daeXyeiag dvidr^v 
Tzofineoizu). In dem berüchtigten fünften Hetärengespräche 
giebt er diesen unzüchtigen Umgang — ungewiss mit welchem 
Rechte — den auch sonst (s. Aristoph. Vesp. 1346, Ran. 
1308, Eccles. 920) verrufenen Lesbierinnen Schuld. — Doch 
es sei der Sache hier nur Erwähnung gethan; denn ihr einzel- 



284 Zweiter Excurs 

nes, in jeder Zeit und bei jedem Volke denkbares Vorkommen 
[für die römische Zeit vergl. Phaedr. IV, 15, M. Seneca 
Controv. L 2, L. Seneca Epist. 95, Martial. I. 91, VII. 
67. 70, Manetho Apotelesm. I. 31, III. 390, IV. 358, V. 
216] ist kein wesentlicher Zug in einem Bilde griechischer Sitte. 
Ausser den bereits angeführten Schriftstellern haben von 
der griechischen Knabenliebe noch gehandelt Meiners Verm. 
Sehr. Th. I, S. 61 ff., Eamdohr Venus Urania Th. III. 1, 
S. 132 ff., und bei weitem am Trefflichsten Limb urg-Brou- 
wer Hist. de la civil, d. Grecs t. IV, p. 224 ff. [Meier 
in Hall. Encykl. Sect. HI, B. IX, S. 149—189 Bernhardy 
Grundr. d. griech. Liter. I, S. 50 ff. Hermann Griech. 
Privatalt. §.20. Schömann Griech. Alterth. I, S. 540. 
K. F. Hermann hat bereits zu diesem Excurse auf die Ein- 
seitigkeit der Becker'schen Darstellung aufmerksam gemacht, 
der sich von der Polemik gegen den apologetischen Stand- 
punkt von Jacobs hat bestimmen lassen, die Verirrung der 
Päderastie nur in ihrer äusseren Erscheinung nachzuweisen, 
ohne dieselbe durch innere Gründe zu motiviren. Unter letz- 
teren steht die im heroischen Zeitalter weniger fühlbare, bei 
den Athenern später seit der Entwickelung der Demokratie 
immer stärker hervortretende Zurücksetzung der Frauen an 
der Spitze. Je mehr das Leben des Mannes von solchen In- 
teressen beherrscht wurde, an denen das Weib keinen Antheil 
nehmen konnte, je mehr der Mann durch die Ansprüche des 
Staates dem Familienleben entfremdet ward, desto mehr trat 
das weibliche Geschlecht in den Hintergrund, desto mehr 
steigerte sich aber auch das Selbstbewusstsoin und die Selbst- 
genügsamkeit des männlichen. Nun war aber das Gefühl der 
Liebe bei den Hellenen vermöge ihrer südlich -leidenschaft- 
lichen Natur sinnlicher und gewissermaaason körperlicher, als 
unter dem nordischen Himmel, und bei doni ilinon angebornen 
Formensinne, bei ihrer Freude an der Harmonie der Gestalt 
konnte es kaum ausbleiben, dass in dem täglichen engen Ver- 



zur ftlnften Scene. 285 

kehr der verschiedenen männlichen Altersstufen die allgemeine 
Begeisterung für die körperlichen Vorzüge schöner Jünglinge 
auf den Abweg der Männerliebe führte. Die Versuche der 
Gesetzgeber, die Glut solcher von den edelsten Männern ge- 
theilten Leidenschaft politischen Zwecken dienstbar zu machen 
und durch den Bund liebender Geister die öffentliche Freiheit 
und Ordnung zu stützen, drängten die niedere Sinnenlust nur 
so lange zurück, als die allgemeine Entartung der Sitten noch 
nicht um sich griff. Als aber dieses geschah, namentlich seit 
dem peloponnesischen Kriege, zeigte es sich, dass jene wohl- 
gemeinten Institutionen der schmutzigen Praxis nur den Boden 
geebnet hatten. Wenn sich dabei Sparta relativ am reinsten 
erhalten hat, so weist gewiss mit Kecht Hermann darauf 
hin, dass man den Grund davon in dem zwangsloseren Ver- 
kehr der spartanischen Jünglinge und Mädchen, namentlich in 
der Theilnahme letzterer an den gymnastischen Wettkämpfen 
zu suchen hat, sowie ja auch für Athen der Umstand, dass 
in der neueren Komödie die von der alten so ungenirt vor- 
getragenen Anspielungen auf das Laster (vergl. Aristoph. 
Nub. 1090; Equit. 890; Eccles. 113) fehlen (von Menander 
sagt Plut. Symp. VIL 8. 3: outs nacdug ipivg äf>f)Evu(; sgtcv 
iv Tooouroig dpdjxaatv), auf einen durch die Emancipation des 
Weibes im Hetärenthum herbeigeführten Umschwung, wenn 
auch weniger zu Gunsten der nüchternen ehelichen Verhält- 
nisse, als der allgemeinen natürlichen Beziehungen der beiden 
Geschlechter zu einander, hinzudeuten scheint.] 



ERSTER EXCURS ZUR SECHSTEN SCENE. 



DIE MAHLZEITEN. 

"^Opu) Tidvra zoTg äv&pwnoig ix rptrr^g ^pscag xal im&o- 
jiiag ijpzrjiiiva^ 8i' wv dperi] re auroTg dyonevoig dp&u/g xal 
ToövavTcov dnoßatvet xaxwg d^BeTaf raura 5' icrch i8u)8i] 
fikv xal Tcoffcg su&ug yevofxdvoig . . . Tpirr^ dk tj/iTv xal ftayccm^ 
Xps^'oi, xal ipojg d^ürazog ... 6 mp} zijv toü ysvoug anopdv 
X. T. k Mit diesen Worten bezeichnet Plato Leg. VI, p. 782 
das Verlangen nach Speise und Trank und geschlechtlichem 
Umgang als die Haupttriebfedern alles menschlichen Regens 
und Strebens, als den dreifachen Stachel, der nicht duldet, 
dass der Mensch ein stumpfsinnig träges Pflanzenleben führe, 
endlich als den Boden, aus dem sittlicher Werth oder Un- 
wördigkeit entspriesse. Mag dagegen auch manches erinnert 
werden können, so ist doch so viel gewiss, dass die Sorge für 
Speise und Trank und deren froher Genuss überall für eine 
Hauptangelegenheit des Lebens gegolten haben und gelten, 
und je tiefer sie daher in dasselbe eingreifen, desto weniger 
■darf Ober die Eigenthümlichkeit der darauf sich beziehender 
Sitte hinweggesehen werden, wenn die Lebensweise eines Volks 
geschildert werden soll. Nur muss man freilich diese Eigen- 
thömlichkeit nicht in dem Detail der Speisen suchen. Woi 
•eine Zusammenstellung derselben geben wollte, der würde aller- 
■dings bei Aristo p ha n es, Plutarch, und in den langen alpha- 



Erster Excurs zur sechsten Scene. 38T 

betischen Verzeichnissen von Schalthieren, Fischen, Kuchen 
u. dergl. bei Athenäos, dem reichhaltigsten, aber auch ge- 
schmacklosesten aller Compilatoren, eine kaum zu bewältigende 
Fülle von Materialien finden; allein für die Darstellung der 
Sitte hat eine solche Nomenclatur keinen Werth. Für sie ge- 
nügt es im Allgemeinen, die üblichste Nahrung nachzuweisen 
und etwa den Abstand zwischen früherer und späterer Zeit, 
das Fortschreiten zu Luxus und Schlemmerei durch einige An- 
gaben anschaulich zu machen, während die übrigen Gewohn- 
heiten und Gebräuche, namentlich bei geselligen Mahlen, haupt- 
sächlich in's Auge gefasst werden müssen. 

Der gebildetere Grieche der früheren Zeit scheint über- 
haupt keinen hohen Werth auf die Genüsse der eigentlichen 
Mahlzeit, d. h. des Essens, gelegt zu haben [bereits den ho- 
merischen Helden gilt, wie schon die Schmähworte fio^oßpö^ 
und ohoßap^Q zeigen, das Schmausen nicht als höchster Lebens- 
zweck und die von Plato und Lucian getadelte Aeusserung des 
Odysseus Hom. Odyss. IX, 5 ff. steht in inniger Verbindung 
mit dem Lobe des Gesanges, als Haupttheils der geselligen 
Unterhaltung. Vergl. Odyss. I, 152 und XVI, 430.] Zwar 
war die von Athenaeos I, p. 8 gepriesene Einfachheit der 
homerischen Zeit, wo Brod und gebratenes Fleisch von Rin- 
dern, Schafen, Ziegen und Schweinen die einzigen Bestand- 
theile des fürstlichen Mahles sind, wohl längst einer grösseren 
Mannichfaltigkeit der Speisen gewichen; aber die Leckereien, 
wie sie später namentlich der Nachtisch brachte, fehlten we- 
nigstens noch zu Herodot's Zeit, der dieses als Hauptunter- 
schied zwischen den persischen und griechischen Mahlzeiten 
angiebt (I. 133): akotai de öXiyoiat ^pzwvrat {oi Hipaac), inc- 
fopijpaai de TioXkolat xai oux äXiai' xai 8iä toDto ^aac Ildp- 
aac, robg '^E^Xi^vas <TCTeop.dvoug neivwvTas nausa&ac, ort a<pi 
dnb deertvou Trapa^opserai ohdkv Xuyoo a^tov st ds tc napa- 
^ipoixo, ia&covrag &v oh naöea^ac. (Ueber die Lesart: xa\ 
chx &Xim s. weiter unten). Uebrigens spricht sich auch hier 



288 ' Erster Excurs 

der Charakter der verschiedenen Stämme bestimmt genug aus, 
wenn auch von Antiphanes bei Athen. IV, p. 130 die 
Griechen im Allgemeinen fxcxporpdm^oi, foXXozpojyzg genannt 
werden. Bekannt ist die spartanische Genügsamkeit. Sie be- 
schränkte sich nicht bloss auf die Syssitien; sondern von Ju- 
gend auf gewöhnt, die raffinirteren Tafelgenüsse zu verachten, 
oder vielmehr unempfänglich für sie geworden, verschmähete 
der Spartaner alles, was über den Zweck der blossen Nahrung 
hinausging. Charakteristisch ist dafür die Erzählung Plu- 
tarch's de esu carn. I. 5: xatToi ^dpiiv ye ri rou Adx(o- 
vog, dg ix&udcov iv Tzavdoxsto) npcdfievog tw ttuvSoxsT axeudaac 
7tape8(uxev, ahoüvTog ok exeivoo zupbv xac o^og xal iXaiov, 
dXX'' el zauza Si}(ov, elmv, oux äv l^&uv inpcdiir^v. Vgl. de 
san. tuend. 12: xad^dmp ol Adxiuvsg o$og xal äXag dovreg 
Tüj fuxyecpoj zä Xomä xsXsuouacv iv zw hpetoj O'j'^^iv. Diese 
Einfachheit wird man gern als ursprünglichen Charakterzug 
des Volks und nicht als erzwungen durch Lykurg's Gesetz- 
gebung betrachten, vor welcher die Spartaner äßpodcaczoc ge- 
wesen sein sollten, Plutarch. Apophth. Lyc. 1; denn dass 
sie späterhin die allgemeine Entartung theilten, kann nichts 
dagegen beweisen. 

Die grobsinnlichere böotische Natur hingegen legte hohen 
Werth auf ein reichliches und gutes Mahl (s. B. I, S. 160) 
und der korinthische Luxus wird unstreitig auch in Besetzung 
der Tafel sich hervorgethan haben, wenn gleich die sicilische 
Schwelgerei Alles überbieten mochte. Dagegen werden die 
attischen Mahlzeiten wiederum als einfach bezeichnet und als 
solche von den Komikern bespöttelt. Athen. IV, p. 131: 
Auyxsitg ö' iv Kevzaup<f) 8canalZ<t*v Tck ^AzTixä dsTnvd ^ijoi* 

[id/sip\ 6 ^uuiv itrclv 6 dunvlZtav t' ißk 
'l'ödioi, äyoj <J* (5 xtxktjfxivoi lUpivj^iQi. 
obdirtpoi ijßutv ^dtrai zoii WzTixoti 
dtbtvoii' äfjdia ydp iaziv '/Irrtxjy, 
(bon*p $tvtxi^' itapi&Tjxt zivaxa yäp /xiyav 



zur sechsten Scene. 289 

i^ovra ßixpoug nivre nivaxiaxouq iu ol. — 
8</itv fxkv ouv S/ec rd rotaüra ttoixUtjv, 
dXX'' obdsv iffTt TotJTo npdg ttjv yacrcipa. 

Unstreitig war bei den attischen Gastmählern das auf die eigent- 
liche Mahlzeit folgende Symposion die Hauptsache, wo man 
beim Becher in mannichfaltiger Unterhaltung einen höheren 
Genuss fand. Daher geschieht denn auch in den Symposien 
Xenophon's und Plato's der sinnlichen Genüsse gar keine Er- 
wähnung, wie schon P lutarch. Syrap. VI pr. mit guter An- 
wendung bemerkt: xakot et rä awjxartxä Totf i^Soväi nap' 
eFj^ov, e8ei xai Sevo^uJVTa xai UXdrajva jx^ ru>v XahjHsvrutv, 
äXXä Tu)V napaxsMvTiüv iv KalXiou xai 'AydSiuvog o(p(uv xai 
Ttefi/idrojv xai Tpap^/idTivv dnoypaipijv dnoXineiv vüv 8k kxecva 
fikv oöderroTS^ xai'nsp tw? etxog ix napaaxeo^g yivopeva xac 
dandvr^g, Uyoo rtvbs rj^cib^r^. Plato's Gastmähler selbst zeich- 
neten sich freilich durch Prugalität vor anderen aus, weshalb 
Timotheos von ihm sagte, wg ol napä flMrujvc ottirvrjaavreQ 
xa\ elg aupcov ^8iwg y^vovrac: Plutarch. san. tuend. 9; 
Aelian. V. Hist. II. 18; seine Lieblingsspeise waren bekannt- 
lich Feigen, so dass er ^cXöaoxoe wie Arkesilaos <pdi)ßorpog 
genannt wurde. Plut. Symp. IV. 4. 2; Athen. VII, p. 276f. 
Von den ältesten Zeiten her war es üblich, zu drei ver- 
schiedenen Tageszeiten Nahrung zu sich zu nehmen; aber wenn 
auch die Stunden für diese Mahlzeiten im Wesentlichen die- 
selben blieben, so sind doch zur Bezeichnung derselben nicht 
immer die gleichen Namen gebraucht worden. Um daher der 
Verwechselung derselben vorzubeugen, muss man bis auf Ho- 
mer zurückgehen. Eustathios sagt, mit Ausnahme der ab- 
surden Etymologien, wörtlich übereinstimmend mit dem Scho- 
lion des Didymos, zu Odyss. IL 20, p. 1432. 1: lariov 8* 
Sxt rpcai Tpo<pdtg i^pütVTo oi izaXaioi' u}V zh npu)Tov exaXsTro 
äptarov, ycvofisvov ndvu npcüt, dp.* rjo7 ^aivopsvrj^c , äpeog 
larofiivou, ujg xai ij xoo övoparog irupoXoyca 8rjXo:. sha rb 
SeTnvov, peB' o i8st noveTv., 8 xai äptarov <paai riveg. rpi- 

Oharikles II. IQ 



290 Erster Excurs 

Tov de dopTTog, ivavnov dpcaro), ^vcxa dopu nauezac, Snep 
^/JLScS raxpä zo SeTv zöze um>oo decrn/ov xa^oufiev. Dieser ho- 
merischen Tagesordnung gemäss rühmt sich auch Palamedes 
in einem Fragmente des Aeschylos, die Griechen zu dieser 
Eegelmässigkeit der Mahlzeiten geführt zu hahen, bei Athen. 
I, p. 11 : xal za$cdp^ag xai crzpazdp^ag xa\ kxazovzdpy^ag 
eza$a, atzov 8' sldivac duopcaa, äpiaza, decnva, dopna &' at- 
pe7a&ac zpca. Indessen wird es mit diesen Ausdrücken bei 
Homer keineswegs genau genommen. "Aptazov ist ohnehin so- 
wohl in der Ilias (XXIV. 124) als in der Odyssee (XVI. 2) 
[vgl. Brosin de cenis Homericis, Berolin. 1861, p. 14] 
ein dna^ Xsyofievov ; anderwärts steht dafür (5e«rvov, das über- 
haupt die generelle Bedeutung des Mahls, ohne Kücksicht auf 
die jedesmalige Zeit, hat; nur dass es für die um die Mitte 
des Tages übliche Mahlzeit keinen besonderen Namen giebt. 
Vgl. Athen. V. 20, p. 193 und Eustath. ad Iliad. XI. 86, 
p. 833. 2; Odyss. XVI. 2, p. 1791. 25 flf. — In der Folge 
änderten sich die Benennungen, indem wenigstens in der 
attischen Sprache 8e7nvov durchgängig von dem Abendessen 
{dupnov) gesagt, die Mahlzeit um Mittag dptazov genannt wurde, 
und das erste Frühstück den Namen dxpdzca/xa erhielt. Statt 
dieser letzteren Benennung braucht Plutarch auch npono/xa, 
was sonst eine ganz andere Bedeutung hat. Symp. I. 6. 8: 
ohrog (HpaxXeldrjg b mxzTjg) dnoputv au/xnörou Tzapa/isvovzog 
ixdXei zoug /ikv inl rpo-nofia, zoug 8' in' dptazov, dXXoug 8' 
im SecTTVoVy ia^dzoug 8i zivag in) xw/xov. Wenn derselbe 
VIII. 6. 4 sagt: xal zu fxkv dptazov i8uxet ziu dxpazt'ap.azt 
rahzhv ehat, so kann dieses nur so viel hcissen, dass, was 
früher dptazov, später dxpdztap-a hiess; wie er sich denn auch 
nur auf Od. XVI. 2 beruft, den Vers irrig so anführend: 
ivzövovrai äptoröv Sß* ijol ^aivoßivrj^i. 

Indessen mag, wenn woniger genau gesprochen wurde, auch 
wohl das erste Frühstück dptazov genannt worden sein. So 



zur sechsten Scene. 291 

sagt Plutarch. selbst de Alex. fort. 1. 6: i^ptara /ikv Sp- 
&pou xa&s^öpevog, idecnvst dk nphg konipav ßaBelav. Freilich 
folgte hier kein anderes äpcarov, vgl. Alex. 23. [Die Ver- 
wandlung der angeführten Bezeichnungen ergiebt sich nament- 
lich noch aus Athen, p. 11, wo es von Homer heisst: i^pojvro 
^jpioeg npwTov pkv rw xaXouiiivu) dxpariajiazt, o Xdyec äpttrcov, 
dann später über das homerische äptarov: XeyBt ok zh npojivbv 
ifxßpwiia^ 7jp.£tg dxparcfffiöv xaXoufisv, und über das home- 
rische 8e7miov: decmtov Ss ro pearjfißpcvov , 8 r^/xsts äpiarov. 
Endlich identifizirt auch das spätere äptorov mit dem römi- 
schen prandium Plut. Symp. VIII, 6, 3: ro 8' äptarov 
kxXij&rj Tipdvdiov dnb rijg wpag. Vergl. Hermann Griech. 
Privatalt. §. 17, n. 25 ff.] 

Das dxpdrcojjia nun oder eigentliche Frühstück wurde 
gleich am Morgen, wenn man sich vom Schlafe erhoben hatte, 
eingenommen, wie Aristoph. Av. 1285 sagt: ioißsv i^ eb- 
v^g. Vergl. d. Schol. z. Plut. 295. Es bestand aus Brod, 
das man in ungemischten Wein, äxparog, tauchte, wovon es 
unstreitig seinen Namen hat. Plutarch. Symp. VIII. 6. 4: 
^aal ydp ixecvoug (zoug dp^aioug) ipyarixobg äfia xae auxppo- 
vag övTag ioj&ev iaßiecv dprov iv dxpdztp xai prjBkv äXXo • dtb 
roÜTo fxev dxpdzca/ia xaXsTv 8tä zbv äxpazov. Schol. ad 
Theo er. I. 51: ol fisXXovzsg noXe/isTv npmag izi ouoTjg dU- 
yov zivd ^a&cov äpzov xai äxpazov oJvov imvov, oug ^epfiol 
ajac xac prj oedeüxTtv, 8 xai dxpazcafibv ixdXouv. Beide schei- 
nen nur von der ältesten Zeit zu sprechen, allein Athenäos 
giebt es als noch bestehende Sitte an I, p. 11: Xeysc de zb 
TTpmvbv spßpüjpa, 8 fjfietg dxpaztopbv xaXoüfiev 8cä rb iv 
dxpdzü) ßpe^e:v xai Ttpoatea&ac (pujp.oug. Vgl. Aristomenes 
bei dems. p. 11: 

äxpaztoüßai fiixpöv^ sld-^ ij^cD ^dAiv 

äpToo dlg ^ rpig änodaxtäv, 

[Galen. Vol. VI, p. 332 und Paul. Aegineta I, 23 rathen 
älteren Personen, um die dritte oder vierte Tagesstunde Brot 

19» 



292 Erster Excurs 

mit Honig zu frühstücken. Galen selbst nahm das erste Früh- 
stück um dieselbe Zeit zu sich, überging dann das apiarov und 
genoss die Hauptmahlzeit um die zehnte Stuude : a. a. 0. p. 412.] 
Weniger leicht lässt sich für das äptarov eine genau bestimmte 
Stunde angeben. In Xenophon's Anabasis wird zwar häufig 
davon gesprochen; allein es ist natürlich, dass man sich im 
Felde und auf dem Marsche an eine feste regelmässige Zeit 
nicht binden konnte, und gewöhnlich wird das dpcarono'.sea^ac 
besonders anbefohlen. Suidas sagt s. v. demvov: rh 7ip(x)ivhv 
äptarov, onep dxparcafiög XiysTai- eha nspl ujpav rpiTrjV äpt- 
OTov X. T. L Das wäre also etwa die Mitte zwischen Sonnen- 
aufgang und Mittag, in den Aequinoctien nach unserer Stunden - 
rechnung gegen neun Uhr. Diese Angabe scheint aber nach 
anderen Andeutungen sehr zweifelhaft. Denn da die Zeit der 
n^^ouaa dyopd hauptsächlich die vierte, fünfte und sechste 
Stunde umfasst, und dieses auch die eigentliche Verkaufszeit 
auf dem Markte ist, sehr oft aber erst zu dem äptoTov ein- 
gekauft wird, so muss dessen Stunde weiter gegen Mittag hin 
gesetzt werden. Das stimmt auch mit Aristophan. Vesp. 
606 — 612 am besten überein. Dort schildert Philokieon die 
Annehmlichkeit des Heliastenlebens, wenn er nach gehaltener 
Sitzung nach Hause komme und ihm das dfnarov vorgesetzt 
werde. Die Gerichtssitzungen waren doch schwerlich in der 
dritten Stunde schon beendigt. Vergl. Xenoph, Oecon. 11. 
14 ff. bis zu den Worten eha Sk dptazü), und Plutarch. 
Arat. 6. 7. Demnach wurde das äptarov nach Beendigung 
der Vormittagsgeschäfte gehalten, weshalb es eben Plutarch 
mit dem prandium der Römer sich decken lässt. Vgl. Kuhnk. 
ad. Tim. p. 75. Ist die Erklärung des Timäos : ^etki^Q npcocag, 
T^ npb df)(aToi) u)p(f.- Setkrjc dilnac, t^ nph delnvou, richtig, 
80 ergiebt sich auch daraus eine Zeit um Mittag; denn schwer- 
lich wird die Zeit vor der dritten Stunde (^BtXrj genannt wor- 
den sein. Es bestand wenigstens zum Theil in warmen Spei- 



zur sechsten Scene. 293 

sen, daher man oft dazu des Kochs bedurfte. Autiphan. 
bei Athen. I, p. 11: 

äptarov iv oat/j ö iidyetpoq notet. 

[Aristoph. Eccles. 554 sagt Blepyros zu der aus der Volks- 
versammlung heimkehrenden Praxagora: 

xd^Tjffo Toivuv oTjTtiag ßaawßivrj. 

Sehr oft werden natürlich, wie bei Plaut. Pers. I. 3. 25 ff. 
und Cure ul. II. 3. 44, Ueberreste von der Hauptmahlzeit des 
vorigen Tages zur Verwendung gekommen sein.] Die Haupt- 
mahlzeit endlich war, wie bei den Römern, die dritte, das 
dsTnvov, das aber vielleicht etwas später als die römische coena 
eingenommen wurde. Bei Aristoph. Eccl. 652 heisst es: 

orav ly Sexdnouv tö arotj^etov, Xntapöv j^tupeiv iiti delnvov. 

Damit ist freilich für den Athener die Zeit genau bestimmt; 
allein man müsste die Beschaffenheit dieses yviofiojv oder Sonnen- 
zeigers genau kennen, um auf eine bestimmte Stunde schliessen 
zu können. Den Versuch, sie zu ermitteln, s. b. Sc XII, 
Anm. 4. Dass man aber überhaupt und für gewöhnlich spät 
ass, ergiebt sich auch aus der Erzählung bei Lysias de 
caed. Erat. §. 22: Hwcrrparog r^v p.ot imrrjBstog xai <piXoQ' 
Toörip ijXtoo SsduxoTos lovzi i^ dypoo dnfjvrr^aa' elSebg 8^ iyiUy 
8tc TTjVixaoTa d^cy/idvog ouokv äv xaralr^ipotzo dixot raiv im- 
rrjSsiojv^ ixeXeuov auvdaiTtvziv xal iX&ovTsg oTxads ujg ifik 
dvaßdvzeg eig rh bnepiiov io£c7n>oüp.sv. Auch Alexander speiste 
nach der schon angeführten Stelle Plutarch's npög kanipav 
ßaBsTav. 

Die Weise nun, in welcher diese Hauptmahlzeit gehalten 
wurde, lässt sich in allen Beziehungen am besten erörtern, 
wenn man ein geselliges Mahl zum Beispiele nimmt. Dem 
Griechen galt überhaupt das für kein eigentliches Mahl, was 
man für sich allein, der Gesellschaft entbehrend, zu sich nahm, 
und wenn Plutarch. Symp. VII pr. als Bonmot eines Römers 



294 Erster Excurs 

anführt, ins} /xovos ideircvrjas^ ßeßpojxivac, /x^ dsdzimfrjxiva i 
arjjxspov, so spricht sich Alexis bei Athen. II, p. 47 eben 
so aus: 

iTzäv IduaxTjv ävdpa fiovoairoüvT^ fi^jys 
^ [iTj ■Kö-^oüvt' ipdäq notTjT^v xal fii^rj, 
rdv ßkv IduÖTTjv roü ßiou töv ^ßtauv 
änoAioXexivat voßi^s^ töv dk t^s rixvji 
TTjv ■fjßiffetav ZSxn <J' d.[i<p6xspoi /idAig. 

Allein ehe wir zur Betrachtung der Sitte im Einzelnen über- 
gehen, ist es nöthig, über die verschiedenen Arten und Veran- 
lassungen solcher Gastmähler etwas zu sagen. — In der frühe- 
ren Zeit mochten Opfer, öffentliche sowohl als häusliche, die 
gewöhnlichste Gelegenheit sein, gemeinschaftliche Mahlzeiten 
zu halten, und sie blieben es auch in der Folge. So z. B. 
Antiph. de venef. §. 16. [und wenn man bei Opfern auch 
keine Mahlzeit ausrichtete, was gewöhnlich im Hause (Arist. 
Plut. 227, Plaut. Poen. II. 1. 44), selten im Heiligthum 
selbst (Plaut. Rud. Prol. 61. u. IL 3. 13) geschah, so schickte 
man doch seinen Freunden von dem Opferfleische (Plut. Ages. 
17; Arat. 15; Theocrit. V. 139; Polyaen.Strat.il. 1.3; 
das Gegentheil: Theophr. Char. 9.] Dahin gehören, was 
häusliche Festmähler betrifft, die Hochzeiten, ydnot^ die stets 
zahlreiche Gäste zu vereinigen pflegten, vergl. Plut. Symp. 
IV. 3 und mehr im Excurs zu Sc. XII; das Fest der Naraen- 
gebung oder die dexart), s. o. S. 24; die Geburtstage, nicht 
nur in der eigenen Familie (Lucian. Somn. s. Gall. 9), 
sondern auch anderer geschätzter Personen, auch berühmter 
Verstorbener, z.B. Plut. Symp. VHI. 1: rfj ixT/j roü 0ap- 
fqhmoi laraixivoo r^v ^utxpdroos dydyovreQ yBvi^Xtov rjj 
kßSöfijj TJ^y IlXdTujvoi ijyopEv: ferner die Todtenfeier (s. d. 
Exe), die Abreise oder Rückkehr eines Freundes (B. I, S. 138), 
ein errungener Sieg, vexrjTi^pca (z. B. Xenophon Symp. 1, 
Plut. Phoc. 20, Plat. Symp. p. 173 A, 184 A; Aristoph. 
Acharn. 1155) und ähnliche Ereignisse (vergl. Hermann 



zur sechsten Scene. 295 

Gottesd. Alterth. §.48); besonders aber auch die öffentlichen 
Volksmahlzeiten, wie sie Isaeus de Astyph. her. §.21 er- 
wähnt, kandascg , dTj/xoBoivcae^ SeTma dr^/xoreX^ (vgl. Böckh 
Staatshaush. Th. I, S. 616; Schömann Griech. Alt. II, 
S. 243. Hermann Privatalt. §.27, n. 23, Staatsalterth. 
§. 161, n. 5), bei welchen das Fleisch der dTj/xorakrj Ispd im 
Prytaneion oder einem sonstigen öffentlichen kariazoptov ver- 
zehrt wurde, vgl. gottesd. Alterth. §. 8, n. 14 und §. 31, 
n. 5. Diese letzteren waren dann wohl meistens oaTrsg im 
eigentlichen Sinne, d. h. es bekam jeder seinen abgemessenen 
Antheil von Fleisch und Brod. Plutarch. Symp. II. 10. 1: 
Zre Tfjv imüvu/iov dp^rjv ^pX^v oi'xuc, rä nksccrza twv Szitcvojv 
ddcTsg Tjaav iv rrxTs &uaiatQ kxdarui pspcSog dnoxXyjpou^isvrjg . . . 
ij de elg fisptdae aurrj xpewdacata rijv xotv<ov(av ävatpooaa 
TzoXXä deiTzva nocsc xac noXXohs demvouvrag, ouSiva Sk aOvdec- 
Tivov oudsvog, orav Sxmzp dno xpeioTnoXixrjg rpanH^rjg aTaSfixp 
Xaßibv ixaarog [xoTpav eaurw npo&rjrat . . . onep vuv yeverat, 
xpeag Tipo&sfisvov xac äprov uxmep ix (pdrvrjg iS/ag ixaarov 
eoiü^elat^ai : nur der Wein war gemeinschaftlich: xai b xpa- 
TTjp ouTug opov oux ij(ujv iv {xecroj npoxetrai x. r. X. Ueberall 
mochte es nicht üblich sein, wie Plutarch selbst es als eine 
neue Einrichtung in seiner Vaterstadt bezeichnet, die Vielen 
nicht gefallen habe ; doch erwähnt er die iispßag als etwas 
Gewöhnliches, Prov. Alex. 35; vergl. Athen. VIII, p. 365 
wo angeführt wird, dass man zu Arges die p-sptg ataa genannt 
habe, und hierzu citirt noch K. F. Hermann Zenob. V. 23: 
ilixaiap^ug ^rjatv iv zoTg nspt z^g '^EXXddog^ iv rdtg BecTWOtg 
p.rj sivai aövrj^sg zo7g dp^acocg deavspscv fispcoag- ocd 8k r^po- 
fdascg ztväg ivcissaziptuv ysvofjsvojv zwv i8sap.dzo)v xpazijaac 
z6 e&og zwv fiepcdwv . . . zutv yäp idsap-dziuv xoivf^ xai. p}j 
xazä fxepog zc&spevojv , zo npozzpov oi duvaziuzäpot zag zpo- 
<pö.g zu)V d(T&£V(öv ^pna^ov xai cfovißatvs zoözoug dnonviyza^at 
fjLTj duva/xsvoug kauzoTg ßorj&äcv: und dann heisst es weiter: 
ou yäp ipiXixov ouok aufiTiozcxöv, oJ/iai, r^pooip-iov eutuy^iag btpal- 



296 Erster Excurs 

peatQ xal aprtaafibs xai ^eepa/v ä[itXXa xai dtayxajvcaixög, dW 
äroTza xai xuvcxä xai rehoTÖJVTa rcoXXdxcg elg Xotdopiag xai 
opyäg oh xar' dXXrjXojv povov dXXä xai xazd z(uv rpam^oxo- 
p<ov xai xazd zwv kaziwvzwv. [Eine 1846 aof der Akropolis 
zu Athen gefundene Inschrift bei Rangabe Antiqu. hel- 
len, n. 814 enthält über das Fleisch der an den Panathenäen 
geopferten Kühe die Bestimmung, dass dasselbe nach Abzug 
gewisser Theile für weltliche und priesterliche Beamte, an 
das Volk demenweise und zwar nach Verhältniss der Kopfzahl 
der einzelnen Demen vertheilt werden sollte.] 

Sehr häufig vereinigten sich aber auch Mehrere und veran- 
stalteten auf gemeinschaftliche Kosten ein Mahl. Das konnte 
auf doppelte Weise geschehen. Entweder gab jeder seinen 
Beitrag, aopßoXij, an Geld, oder man brachte für seine Person 
die Speisen selbst mit. Beide Fälle waren sehr häufig. Der 
erstere scheint besonders unter jungen Leuten Statt gefunden 
zu haben. Mau nannte Ad^ dnu auiißoXiöv detnvzlv, wofür 
der Freund ungewöhnlicher Ausdrücke bei Lucian. Lexiph. 
6 sagt: zb ph dij decnvov rjv dnb aup<popiüv. Am deut- 
lichsten erhellt die Sitte aus Terent. Eun. III. 4: 

Heri aliquot adolescentuli coiimus in Piraeo, 

In hunc diem ut de symbolis essemus. Chaeream ei rei 

Praefecimus: dati anuli: locus, tempus constitutum est. 

Das geschah dann bald bei Hetären, bald bei Freigelassenen, 
wie in obigem Falle (III. 5. üO: apud libertum Discum), bald 
im Hause eines der Theiluehmer. Vgl. Terent. Andr. I. 1. 
61, Aristoph. Acharn. 1210, Lucian. Dial. m er. VII. 1, 
Athen. VIIL 68, p. 365, auch die doppelsinnigen Worte des 
Parasiten Xenuph. Symp. 1. 16. - Dasselbe versteht man 
auch unter dem homerischen ipavoe Odyss. I. 226, und aller- 
diogs waren wenigstens zu lies io dos Zeit dergleichen Mahl- 
zeiten auf gemeinschuftliche Kosten üblich; denn er sagt 
Opp. 722: 



zur sechsten Scene. 297 

ix xoivoü, nXeioTTj 3k /dipts SaTzdvTj r' dkiyttTTTj. 

S. Eustath. ad Iliad. XVI. 764, p. 1085. 48; ad Odyss. 
1. 1. p. 1412. 60; Athen. VIII, p. 362. 365. Doch kann dar- 
unter auch die zweite Art des Zusammentretens verstanden 
werden, wo jeder sein eigenes Essen oder einen Theil des 
gemeinschaftlichen Mahls mitbrachte. Von dieser Sitte spricht 
Xenoph. Mem. III. 14. 1: onuTS 8k xajv $uvc6vr(uv ini ro 
8eiTtvov Ol fikv ficxpov oipov, ul 8s ttoXu ^df/ocev, ixeXsosv S 
SojxpdrrjQ ruv 7rac8a rb fitxpbv ^ eis rb xotvbv rSivai iy 8ia- 
vdfietv kxdarui xb jiipog x. t. X. Das nannte man auch ein 
Secnvov dnb anupcSog, weil das Essen in Körben an den 
Ort der Vereinigung getragen wurde. Athen. VIII, p. 365: 
ot8aai 8k oi dp^atot xai xä vov xaXoü/xeva dnb <Tr.upt8oQ 8e77n^a' 
ifji^aviZst 8k 0£pexpdxT^g nepl xoüxwv iv 'Ent^Ofiove ^ 8aXdxxjj 
ouxiug ' 

coaxeuaffdfievoi detnvov, iv xö aitupidiov, 

ißddiZsv a»s npuq ^^sXtjv — 

Touxo 8k oaipujQ 8rjXot xb dnb <mupc8og 5c?7rvov, oxav xcg abxbg 
abxGt ffxeudaag 8eT7ri'ov xac aovBsig dg tmopßa rcapd xcva 8ee- 
nvt]au)v hj. Auch Aristophanes gedenkt der Sache Acharn. 
1138, wo Dikäopolis zu dem Sklaven sagt: 

rb decnvov, w rcai, dijaov ix x^q xiaxidoq. 

Ausserdem verabredete man sich auch wohl, an einem be- 
stimmten Tage ausserhalb der Stadt irgendwo gemeinschaft- 
lich zu essen. Namentlich scheint es nicht nur in Attika, 
sondern wo die Oertlichkeit es gestattete, gewöhnlich gewesen 
zu sein, dergleichen Schniausereieu am Ufer des Meeres an- 
zustellen. Plutarch. Symp. IV. 4. 2: xi 8' oi r.oUoi ßoO- 
Xovxac, npbg &£(öv, oxav r]8da/g yeviai^at napaxaXouvxsg dXXij- 
Xoug Xsyojci, crrj/iepov dxxdtTiup.£v; ou^t xb nap' dxx^ 
Secnvov 7^8c<Txov dno^acvouacv, uxmep iaxiv ; ou 8id xd xufiaxa 
xal xäg ipT^ftSag' xt yäp irr' dxxrjg xig {oüxc ydp in' dxxTJg 



298 Erster Excurs 

reg?) XixiSov d<pärai xat xdmzapiv; dXX' u>g l^&öog d^&ovoo 
xai vsapoü ttjv napdXiov rpdm^av eunopoüaav. Vgl. Graev. ad 
Cic. Verr. V. 31. [Panofka Griechen und Griechinnen, 
S. 3 und Philo! og. XXVI, Taf. 3.] 

Nach diesen Bemerkungen über die gemeinschaftlich veran- 
stalteten Mahlzeiten habe ich bei dem Folgenden nur noch die 
Gastmähler im Auge, die ein Einzelner Mehreren auf eigene 
Kosten giebt. Dazu wurde gewöhnlich, und oft an demselben 
Tage erst, von dem Gastgeber selbst eingeladen. Man sah 
sich ja fast täglich auf dem Markte, in den Gymnasien: dort 
wählte man die Freunde aus, welche man bei sich zu sehen 
wünschte. Ein lebhaftes Bild dieser zwanglosen Sitte, das 
von dem rücksichtsvollen Ceremoniel unserer Zeit sehr vortheil- 
haft absticht, gewährt der Anfang des platonischen Symposion, 
namentlich, was Agathon zu dem von Sokrates ungeladen mit- 
gebrachten Aristodemos sagt, p. 175 : u> 'Apiarodrjfis^ dg xaXbv 
^xetg, ünwg aovdemvtjcrrjg • et 8' dXXou zivbg ivsxa ^Xd-eg, elaau- 
d^ig dvaßaXoö- wg xat ^^kg ^rjzujv «re, 7va xaXsaaipLt, ou)( otog 
t' ^v IdsTv. Das ist die Sitte der besseren Zeit, die erst mit 
dem Sinken des öffentlichen Lebens durch steifere Formen ver- 
drängt wurde. Daher erscheint es fast lächerlich, dass Plu- 
tarch. Sept. Sap. conv. 1 den Periander jedem der Ein- 
geladenen einen schön geschmückten Wagen {auvwpt'g) schicken 
lässt; und wie Schlimmes auch von den Sybariten berichtet 
werden mag, so ist es doch gewiss auch zu den Fabeln zu 
rechnen, was ebend. p. 147 e ihnen nachgesagt wird: sie hätten 
die Einladungen der Frauen zu Gastmählern ein Jahr voraus 
gemacht, damit eiuo jode im Stande gewesen wäre, gehörig 
für ihren Putz zu sorgen. Oder hätte diese auch von Athen. 
XII, p. 521 aus Phyiarch's Geschichte nütgetheilte Nachricht, 
wonach selbst ein Gesetz dieser Art bestanden haben soll, 
einigen Grund, so ist das eine Elntartung, mit welcher die 
allgemeine griechische Sitte niclits gemein hat. Ja, gleichwie 
Sokrates den Aristodemos ungeladen miib ringt, so lag über- 



zur sechsten Scene. 299 

haupt nichts Unschickliches darin, als äxXrjros oder auTÖ/xaToc 
(Plato Symp- p. 174) in das Haus eines Bekannten zum 
Mahle zu gehen, wenn auch Aristodem a.a.O. sagt: äp' ouv 
äyojv fj.£ Ti dnoXof^aec; cug iywye ou^ SnoXoyTjaoj dxXrjTOQ 
ijxetv, d^k' uno aoo x£xXrj[x£vog, und also eine Entschuldigung 
nöthig findet. [Namentlich genirte man sich nicht, während 
des Symposions als Komast im Kreise Bekannter zu erschei - 
nen (Zenob. II, 46: dxXtjzi xiv/idCouacv eig (piXiov <pi\ot)\ So 
kommt nachher Alkibiades p. 212, und noch später x(u/j.a(TTat 
•noXXoi: eben so bei Lucian. Lexiph. 9: xat iv TooTai Xs- 
Xou/xevoc eiaexat/xaaav ^fiTv ahrendyjeXrot MeyaXutvu/iog x. r. ^., 
woMegalonymos selbst Wein mitbringt. So hatte der überall will- 
kommene Krates davon den Beinamen ^opeiiavotxrrfi erhalten, 
und von Demonax sagt Lucian. c. 63: dxXrixoq elg ^v tv^oi iza- 
pt(ov olxiav ideenvsc: das waren indessen ausgezeichnete Männer, 
die man sich glücklich schätzte bei sich zu sehen, [S. Frie d- 
länder Darstell, aus der Sittengesch. Roms, B. III, 
S. 607] vgl. Lucian. Conv. s. Lapith. 12: xcd inseffsnauasv 
6 KuvixüQ 'AXxcSdfiag äxXrjTog. Wie der Wirth vom Hause 
sich dabei benehmen mochte, dafür ist der artige Empfang, 
den Agathon dem Aristodem zu Theil werden lässt, nicht 
weniger charakteristisch, als was ersterer den Sklaven befiehlt, 
als Alkibiades klopft: naTdsg, ob (Tx£(l)£a&3; xac iäv fiev rig 
TüJv iniTT^dsiiuv ji, xaXeczs' ei 8k p.^, Xiys.z£ ort ob mvopsv, 
dXX' dmnauope&a ^drj. — Plutarch hat der Frage über die 
Schicklichkeit dieser Gewohnheit, namentlich Uneingeladene 
mitzubringen, ein besonderes Capitel gewidmet, Symp. VII. 6: 
Tt» 8s ru)V sntxXijTiov i&og, oüg vov axtdg xaXoüacv, ob 
xsxXrjpsvoug abroog dXX^ biib zwv xexXrjpsvojv int ro SsTrcvov 
dyopivoug^ eZrjreiTo no^ev ia^B zrjv dp^ijv. Er leitet die Sitte 
eben von Sokrates ab, vermuthlich weil ihm ein älteres Bei- 
spiel als das in Plato's Gastmahl nicht bekannt war. — 
Dass Parasiten, wie Philippos in Xenophon's Symposion, 
und in späterer Zeit die übel berüchtigten Sophisten davon 



300 Erster Excurs 

Gebrauch und Missbranch machten, ist natürlich. In besonders 
üblem Rufe scheint aber die Zudringlichkeit der Kyrenäer ge- 
standen zu haben, nach Alexis bei Athen. XII, p. 510: 
xäxei yäp äv rtq int rd deinvov sva xak^, 
Tzdpeiatv dxTwxaidex^ äXkot xai dixa 
äpßara auvwpideq re nevrexatdexa • 
Toürocs 3s Sei ae rännrjdei' ißßakelv, 
wöt' ^v xpäriarov (ir)dk jfüXiaat ßrjdiva. 

Bei aller übrigen Einfachheit der Sitte erforderte indessen 
doch der Anstand, dass man sorgfältiger als gewöhnlich ge- 
kleidet und beschuhet, auch wohl gebadet und gesalbt an der 
fremden Tafel sich einfand. Auch Sokrates geht zu Agathon 
XeXoufJLSvo^ re xou -ras ß}.auTa{ unodeSsfievog , 8. ixsTvog dk- 
ydxtg irMt£i^ Plato Symp. p. 174; und eben so kommen zu 
Kallias die Begleiter des Sokrates ol /xkv yoiivaad/ievoc xai 
Xptaäfievoe, ol 8s xai ^ouad/xevoi, obgleich die Einladung erst 
kurz vorher erfolgt war. üebrigens war ein Theil von ihnen 
zu Pferde gekommen, da das Haus des Kallias im Peiräeus 
lag (s. c. 9. 1), und so wurden oben die Wagen der Kyrenäer 
und Periander's erwähnt. 

Die Stunde, wo man sich einzufinden hatte, verstand sich 
von selbst; zuweilen wurde sie indessen noch genauer bestimmt, 
wie aus dem oben über die Zeit des dsTnvov Gesagten erhellt. 
Kam man aber auch nicht pünktlich, so machte das zwar 
keine besondere Störung, indessen konnte es doch als ein 
Zeichen von Rücksichtslosigkeit und Anmaassung gelten, wie 
man aus der Apologie des Polycharmos bei Plutarch. Symp. 
VIII. 6 schliessen kann: Sti xai llaXü^af)ixos kv Wi^vacg 5jy- 
fJMfMyaiv xai roü ß(oü SidouQ dnoXoyia^iuv iv kxxXrjatq. raoxa 
elnev avSpee 'Adi^vaeot^ T&XXa xai npoQ roÜTOcg ouddnore xXrj- 
bele im Setmov üararog dfpcxuiirjv. Die spätere Etikette fand 
darin freilich einen stärkeren Verstoss, wie man mehr noch 
als aus Plutarch aus den ängstlichen Regeln ersieht, welche 
Lucian. de merc. cond. 14 dem unglückseligen besoldeten 



zur sechsten Scene. 301 

Sophisten oder Grammatiker ertheilt: au 8' ia^^ra xa&apäv 
npo^eipiaänevog xal aeauröv ojg xorr/jucöraTa ff^i^/iavtaag Xou- 
ffdfxsvog ^x£cg 8e8ca>g, fiij npo rtöv äXX(i)V äfixoto • dnstpoxaXov 
ydp, u)<m£p xal rb uararov rjxeiv ^oprixov. Vergl. Schol. 
Theo er. VII. 24. Gewöhnlich aber scheint auf den Später- 
kommenden nicht gewartet worden zu sein, sondern die Uebri- 
gen lagerten sich zum Mahle, wenn auch noch einige fehlten. 
So geschieht es selbst im Hause des Agathon, des Musters 
feiner Lebensart, s. Plato Symp. p. 174: ot psv yap euBiJg 
nacSd Teva ivSoi^sv dnavrrjaavra dysiv {i<pyj), ob xarexecvro ot 
äXXot, xai xarakapßdvsiv ^8r^ pdXXovTag SscnveTv. Ein anderes 
Beispiel wird weiter unten angeführt werden. 

Die Sitte des Liegens ist in der uns geschichtlich be- 
kannten Zeit die herrschende, während im heroischen Zeit- 
alter bei Tische gesessen wird. Wann die Veränderang vor- 
gegangen sei, lässt sich nicht nachweisen. In der That sagt 
noch Phokylides bei Athen. X, p. 428 : 

Xpi^ <J' iv aufiTtomtp xuXtxtuv neptviaaoßevdwv 
ijdia xioTiXkovra xa^yjfisv ov ohonord^siv. 

[Dem widerspricht freilich die Notiz beiXenoph. fragm. 17 
ed. Karsten: iv xXivjj paXax^ xaTaxecfisvov.] Indessen scheint 
doch selbst in Sparta schon vor den Perserkriegen die Neuerung 
Eingang gefunden zu haben. Ob schon zu Alkman's Zeit, 
wie Müller Dorier B. II, S. 274 ohne weitere Nachweisung 
sagt, dafür ist mir kein genügender Beweis bekannt. Grün- 
det sich die Behauptung auf das Fragment bei Athen. III, 
p. 111: 

xXivat fxkv kuTä xal roaai rpäntaSai 
[laxuividtuv äpTwv inuniyoiaai x. r. X., 

so lässt sich wohl dagegen einwenden, dass diese aus dem 
Zusammenhange gerissenen Worte für die allgemeine spar- 
tanische Sitte keine Beweiskraft haben können. [Dass das 
Liegen während der Perserkriege selbst sonst allgemeine Sitte 



302 Erster Excurs 

war, ist aus der Beschreibung des von dem Thebaner Atta- 
ginos dem Mardonios vor der Schlacht bei Platää gegebenen 
Gastmahles bei Herod. IX, 16 ersichtlich, wo auf jede xXcvi^ 
immer je ein Thebaner und ein Perser zu liegen kamen. Die 
Sitte ist möglicher Weise eine Folge der Eroberung Joniens 
durch die Perser.j Nur auf Kreta behauptete sich die alte 
Sitte unverändert. Wenn uns das unbequem scheint, so dürfen 
wir nicht vergessen, dass dem Griechen die eigentliche Mahl- 
zeit eben nicht die Hauptsache war und dass auch die ganze 
Weise, wie man ass, das Sitzen an einem Tische weniger 
nöthig machte. Für das auf das Essen folgende Symposion 
aber war eine liegende Stellung um so angemessener und be- 
quemer, und so sieht auch Plutarch die Sache an, Symp. 
VII. 10 : (uanep ^ x^cvtj to7s m'vouac r^g xaMdpag d[xetv(üv, 
Srt rö aüjjia xaTS^ec xal dnoXüei xivijaeojg andarjg. Vergl. 
Athen. X, p. 428: in 8h xat vuv touto {zb xa&cCeo&at) 
•napaixivei nap' iveocg zöiv 'EX^vüjV inet 8k zpofäv rjp$avTo 
xal ^XcSwffc, xazeprjUTjaav dnh rS)v 8{^pu}v elg zäg xXivag xac 
Xaßovzeg auppa^ov z^v dvdnaoaiv xal p^azcjvnjv dvscpevojg ij8yj 
xal dzd;(Z(ug i^pätvzo zjj p£&j], "(oprjyoucrrjg , olpat, z^g napa- 
(Txeu^e elg zag ijdovdg. Nur das weibliche Geschlecht und die 
Kinder machten eine Ausnahme: sie sassen jederzeit, und 
selbst in der mehr als ländlich -einfachen Jägerfamilie, die 
Dio Chrysost. Or. VII schildert, wird diese Sitte beobachtet. 
[Vgl. Lucian. Conviv. 13: d 8e aTrays, ^(tc, yuvacxetov ki- 
yecg xal paXBaxbv, inl Bpuvou xa^iZscri^nt ^ <Txep7to8og, L u c. 2 : 
izu^e 8k iv dp^jj Semvou u>v xal xazdxetzo inl xXiviSiuo aze- 
voü, yvvi) 8k aözoü xaH^azo nXrjaeov, Xenoph. Symp. I. 8: 
AbroXoxog pkv ouv rcapä zöv nazipa ixaM^szo^ ol 8' äXXot 
uxmep elxag xazexX^fir^aav.] So sieht man es auch auf den 
zahlreichen Kunstdarstellungon von Symposien, Abschieds- 
mahlon u. s. w. (vgl. Wolcker alte Denkm. B. II, S. 240 fr. 
Gerhard Ant. Bildw. IV, 1, Taf. 316. Mus. Borbon. I, 
24; XI, 48. Vgl. Stophani der aasruhende Heracles 



zur sechsten Scene. 303 

S. 44 und in Mömoires de l'acadöm. de Pötersbourg, 
VI. Ser. tom. 8, 4, p. 296 ff.] ; und wenn liegende Frauen vor- 
kommen, wie bei Winckelmann Monum. ined. 200 [Miliin 
Peint. des vas. ant. I, 38; Panofka Griech. XII, 1; 
Philolog. XXVI, 1867. Taf. 1, 2 und 3], so hat man an ein 
Hetärenmahl zu denken, womit man Alciphr. epist. I. 39 
vergleichen kann. Nur auf etruskischen Denkmälern findet 
sich bestätigt, was Athen. I, p. 23 aus Aristoteles be- 
richtet: Ol 8h Ti}f)prjVo\ detnvouffcv dvaxeifisvoc fiezä rütv yv- 
vaixmv uTcb toi aLzd) cfiaTia), vergl. Müller Etrusker B. I, 
S. 276; um so schwieriger aber ist es hier, Familienscenen 
von liederlichen Gelagen zu unterscheiden. 

[Ueber die x^Ivai vgl. den Excurs über das Hausgeräthe. 
Sie waren nach den Abbildungen (z.B. Panofka Mus. Bla- 
cas pl. V. VI; Bild. ant. Leb. XII, 1 u. 3; Mus. Gregor. 
II, Taf. 79) höher als die vor ihnen stehenden Tische. Damit 
stimmt freilich sonderbar Euangelos bei Athen. XIV, 52, 
p. 644: uipog rr^g zpane^rjs Tz^^eiüv iarcv rpcöJv, cuore töv 
dsmvouvT* inatpeiv, äv t« ßoöXrjxat Xaßecv, wenn man nicht 
annimmt, dass man das zu diesem 1,39 Meter hohen Tisch 
passende Lager vermittelst eines Fussschemels erstieg.] Bei 
den Römern lagen gewöhnlich auf jedem lectus drei Personen ; 
der griechischen Sitte gemäss scheinen aber auf der xXtvrj nur 
zwei Platz genommen zuhaben. Das ergiebt sich ausPlato's 
Gastmahl. Dort sagt zuerst Agathon p. 175: ab d% 'Aptarco- 
ST^fie, nap* 'Epu^c/xa^ov xaTaxXcvoo, und zu Sokrates: Ssupo, 
üutxpaTsg, Tiap' ipk xazdxetffo. Als nun später Alkibiades 
kommt und auf den Lagern alle Plätze besetzt sind, ruft ihn 
Agathon zu sich und Sokrates spricht: ImokusTS, ncudeg, 
^AXxcßeddrjVy 7va ix rptrojv xaTaxerjzai. Das fand also nur aus- 
nahmsweise Statt. [So wird auch bei Lucian. Conviv. 13 
dem ungebetenen Gaste Alkidamas nicht auf einer xktvrj Platz 
gemacht, sondern ein Stuhl angeboten.] Nicht anders finden 
wir es bei dem schon erwähnten Mahle, das der Thebaner 



304 Erster Excura 

Attaginos gab. Es waren fünfzig Perser und eben so viele 
Griechen geladen. Herodot. IX. 16: xa( aipsojv oh ^(opig 
kxaripoog xXTvae, dUdi. Iliparjv re xal ßrjßacov iv xXivj) 
kxdazjj' oug 8k dnö demvou rjoav , 8camv6vT<ov rbv IliparjV 
rbv SfiöxXtvov ^EXXdSa yXaxTaav livra sYpeaBac x. r. L Aus 
diesem bp.6xXivog, auch bfioanovSog , ist wahrscheinlich auch 
das plantinische par (Trin. II. 4. 68) geflossen. Auch in Kunst- 
darstellungen ist dieses der gewöhnlichste Fall; seltener fin- 
den sich drei; zuweilen aber liegen noch mehrere auf einer 
einzigen langen x^/vjy. S. Miliin Peint. des Vases I. 38. 
58. 76, II. 58, Dubois-Maisonneuve Introd. pl. 19. 45, 
Tischbein Eecueil IL 52. 53. 55, III. 10, IV. 40. Allein 
hier ist wohl die Benutzung des Eaums, den die Vase bot, in 
Anschlag zu bringen [oder es ist schon üebertragung römischer 
Sitte auf griechische. Die Frauen freilich sassen bei Hoch- 
zeiten auch der Reihe nach auf einem Speisesopha: Lucian. 
Conviv. 8: 8£ov 8k ^8t) xarax XiveaBac ändvrwv a^eSnv nap- 
<JvT<ov, iv 8e$eqi fikv elatovTUJV al yuvacxeg 3Xov rbv xXivr^pa 
ixsTvov iniXaßov^ oux bUyai ooaai^ xal iv aurdcg ij vbp.<pi^ — 
unb Tu>v yuvacxwv nspcsj^ofidvTj.] — Agathon scheint jedem der 
Gäste seinen Platz angewiesen zu haben, und so geschah es 
häufig, wenn auch nicht immer. Plutarch, der in einem 
besonderen Capitel Symp. I. 2 die Vortheile und Nachtheile 
abwägt, entscheidet sich doch mehr dafür, dass der Wirth 
die Plätze {^(opac) bestimme. Vergl. II. 10, p. 644. Was 
Athen. I, p. 47 sagt: perä raura dvaardvreg xarexXcv&rj/xsv, 
wg ixaarog ijf^eXev, ou nsptfietvavTEg dvniiaxXijTopa rbv rtüv 
decmojv ra^cap^ov, schmeckt stark nach römischer Sitte, üebri- 
gens war wie bei den Römern ein Platz ehrenvoller als der 
andere, und es wird mehrmals von einem lächerlichen Rang- 
Btreite zwischen den Gästen gesprochen. S. Lucian. Conv. 
8. Lapith. 9, Deor. dial. 18, auch Plut. Sept. Sap. conv. 
8 and Dio Chrysost. Or. XXX. 29: xaMnep iv Sefnvat 
roug fi^v dfJLs/vovog j^wpag^ roug 8k ^auXoTspag ru/^ovrag. Der 



zur sechsten Scene. Jt05 

geehrteste Platz [npovo/x^] scheint bei dem Wirtbe vom Hause 
selbst gewesen zu sein. Theophr. Char. 21: d 3k fuxpo- 
^iXorijiog Totouzög zcg, olog anouddaac in] SeTrcvov xXrj&slg nap' 
aurbv rbv xaXiaavTa xaraxeifxevog dei-nv^aat. Darum liegt auch 
wohl Sokrates bei Agathen. Agathon hat dabei den ersten Platz 
auf der xXtvrj^ d. h. er liegt, wie die Römer sagen, superior; 
denn dem Alkibiades, der späterhin zwischen beiden Platz 
nimmt (p. 222), liegt zur Rechten Sokrates (p. 214. 223). [Auch 
bei Lucian. Conv. 9 liegt der Bräutigam neben dem Schwie- 
gervater und Wirth.] 

Das erste, was man that, wenn man sich zur Tafel legen 
wollte, war, sich vom Sklaven die Sohlen abnehmen und die 
Füsse waschen zu lassen (uno^ustv und dnovcZscv). Darum 
setzte man sich erst auf die x^cvyj, vgl. Plato Symp. p. 175: 
xa) e fxkv e<pri dnov^sev rbv nacda, 7va xazaxdoiro . . . xal rbv 
Hiuxpdvrj xa^tZ^oBai x. r. X. und p. 213 von Alkibiades: xa- 
^t'Ceff&at napä rbv 'Ayddujva, worauf dieser eben sagt: imaXuere 
U.S.W. Auf Reliefs wie British Marbles II. 4, Terracott. 
25, Jahn archäol. Beitr. S. 198 fif. Visconti Oeuvres 
t. IV, p. 202 geschieht das bnokuetv im Stehen. Schon in der 
Zeit Phokion's konnte übrigens die Verschwendung so weit 
gehen, dass statt des Wassers zum Fusswaschen Wein und 
wohlriechende Essenzen genommen wurden. So erzählt Plu- 
tarch. Phoc. 20 von dem Gastmahle, durch welches ein Freund 
seines Sohnes Phokos dessen Sieg an den Panathenäen feierte: 
vjg 8' i^&wv irr} rb SsTttvov ä^Xr^v rs aoßapdv iatpa Tiapa- 
(Txsuijv xai nodovinrrjpag oYvou di* dp(Ofidr(uv Ttpoa^epo- 
fievoug roiig eiaiouffe, xaXiaag rbv ulöv^ ou nauasig, llpjy, rbv 
iraTpov, u) 0(ox£, 8ta<p^sipovrd aoo rrjv vlxrjv ; — Die Stellung, 
in der man sich lagerte, das <^XW^ '^/^ xaraxXiaeujg , wie es 
Plutarch. Symp, V. 6 nennt, war, wie auf zahlreichen Denk- 
mälern zu sehen ist, der Art, dass man mit dem linken Arme 
sich auf das im Rücken liegende Kissen (npooxzfdXatov Sc. 
Vin, Anm. 12) stützte und den rechten frei behielt. Das 

Charikles II. 20 



306 Erster Excurs 

heisst bei Lacian. Lexipb. 6 in' dyxajvog decTwelv, und die 
Decken, welche über das Lager gebreitet wurden, bnayxwvta 
(rcpoiiiara, Poll. VI. 9, zum Gegensatze mit den iveuvacocg 
oder ünau^evcoeg (Poll. X. 38), die zum Schlafe dienten. Das 
Kissen selbst erscheint auf den Denkmälern in der Regel rund; 
nur selten finde ich zwei viereckige Polster im Rücken liegend, 
Tischbein I. 46, Miliin. I. 69. Die Ueberzüge dieser Kissen 
sind auf Vasenbildern fast durchgehends gestreift und waren 
also wohl farbig. [Vergl. Monum. dell' Inst. arch. I. 33, 
in. 12 0. s. w. Panofka Bilder ant. Leb. XII, 1. Vgl. 
Phylarch bei Athen. IV, p. 142 über den vor Agis II. 
in Sparta herrschenden Luxus: a-pcupyat re toTq iieyi&emv 
ouT(ug i^Tjcrxrjfxevac TcoXursXiÜQ xai r^ rMixtXtq. 3ta<p6pu)g^ wäre 
rSJv $ev(uv ivcoug tu>v napahj^d^ivTojv dxvecv ruv dyxuiva in} 
rä npoaxs^dkata ipeidetv. In der guten Zeit lagerten die 
Spartaner auf Pritschen aus hartem Holze: Athen, a. a. 0. : 
npoTspov int tou xXivzrjpioo (piXou diaxopTzpoüvTsg r^? xXivrjg 
Jiap' Zktjv rijv aovouacav^ Stb töv dyxajva äna$ ipscaecav. Vgl. 
XII, p. 518: HußaptTTjg napayevöjXBvog elg Jaxadacfiova xal 
xXrj&eig elg ^eedcrcov, im räjv ^üXiuv xaxaxecfizvog x. t. X. 
Suid. 8. V. Auxdöpyog u. 0dtzta und Cic. pro Muren. 35, 
Y4: »Lacedaemonii — qui cotidianis epulis in robore accum- 
bunt«. Bei dem Philosophen Menedemos aus Eretria brachten 
die Gäste des npoaxe^dXeiov selbst mit: Diog. Laort. II. 139.] 
Was dann weiter geschah, nennt Bdelykleon in der komisch 
trefflichen Phantasie {ivimvtov) bei Aristoph. Vesp. 1210 ff.: 

(/>//!. Tzotq oijv xaraxktvü); <ppdZ' dvötrag. BAEA. eöff^fiSvatg. 

<1>/A iudi xeksötti xaraxhvfj)>at; liAEA. fxrjüaniüi. 

it>lA. Ttwf tial\ HAHA, rä yövar^ ixTstvs xai yupvaartx&q 

uypftv ^fnXaaov tre/xurdv iv rotg mptofiaaiv. 

tntiT* inalvsaöv rt tiuv ^aXxM/iärMV, 

dpo^ijv tfiatrat, xptxäät' aij^y/t t'^aö/iuffoi' ' 

Gdwp xarä ^etpöf rag rpaniCos ela^ipttv' 

dunviiöinv- dnov tvlpßs^^ • ijdjj aitivdopsv. 



zur sechsten Scene. ^fJO^ 

Ehe also die Speisen aufgetragen wurden, reichten Sklaven 
den Gelagerten Wasser zum Händewaschen (die homerische 
/epvc^), ü8(up xarä ^ecpög i86&rj oder auch bloss xara ^stpbe 
ido&r) (Alexis bei Athen. II, p. 60). Daher konnte der 
Parasit Philoxenos bei einem Streite, welches das beste Wasser 
sei, witzig genug entscheiden: zu xarä ^etpoi;. Athen. IV, 
p. 156; vgl. IX, p. 408. 410. 

Dass man sich auch nach dem Essen wieder wusch, wo- 
von weiterhin die Rede sein wird, hatte seinen Grund haupt- 
sächlich darin, dass man Geräthe wie Gabeln und Messer 
durchaus nicht gebrauchte. Was im Gallus Th. III, S. 275 
von den Eömern gesagt worden ist, gilt auf das Entschiedenste 
auch von den Griechen. Sie bedienten sich bei festen Speisen 
nur der Finger. Die Stellen aus Plutarch, worin die Kinder 
angewiesen werden, wie sie die Speisen mit den Fingern fassen 
sollen, sind schon oben S. 76 f. angeführt worden. Eben so 
deutlich ergiebt es sich aus der Erwähnung von Leuten, welche 
eine besonders abgehärtete Hand hatten oder gar Handschuhe 
trugen, um die Speisen recht heiss anfassen zu können. Chry- 
sippos z.B. sagt bei Athen. I, p. 5 von dem berüchtigten 
Gastronomen Philoxenos: iyw xazd^oj zivä oil'ofdyov im zo- 
aouzov ixTcsnziüxoza zoü p.^ ivzpsTisa&ae zous TrXrjaiov im zo7^ 
ycvopevocg, uktzs faveputg iv zolg ßalavstoig zijv zz /e^a öw- 
Vs^iC^iv TTpbg za &£ppä xa&dvza stg uoiup ^sppbv xac zb azopa 
dvayapyapc^öpsvov &£ppaj, oTTcug orj^ovuz: iv zoTg Usppolg ou- 
axtvrjzog jy. Ebend. p. 6 erzählt Klearch von einem Gour- 
mand Pithyllos: povog 8' ouzog zu>v dzo^auazcxuiv xal 8axzu- 
Xiji^pag i^cuv iaHtstv Xiyszac zu otpov^ 7v ' uig t^zppüzaza b zpig- 
dl^Xtog dva8i8üj zfj yXwzzjj. Darauf beziehen sich ferner die 
Worte des jüngeren Kratinos bei dems. VI, p. 241: 

— Köpudov Twv j(a).xorü-0M —epuXa^o, 
^v jiTj (TOt vop.c£lg aÖTov /irjdki' xazaksi<l>£tv, 
/iTjfy o(/>ov y.otvjj fxszd zoÜTou TTWTZore daiffTj 

20* 



308 Erster Excurs 

rou KopudoUf -KpolsYtü aor i'/ei yäp ;^e«/oa xpazaidv, 
j^oAxijv, äxd/xarov, izoku xpeiTTca roü izupbq abroü, 

und des Aristophanes ebend. IV, p. 161: 

iitei TrapdSsg adrocfftv l^i9us ^ xpeag, 
xäv fijj xarea&iwai xal roug daxruXoug, 
i^iXtu xpißaa^at dexdxtg. 

[In allen diesen Stellen fehlt also die Erwähnung der Gabel 
während des Essens, wobei ihr Gebrauch überhaupt nicht viel 
älter als vier Jahrhunderte ist; vgl. Marquardt Privatalt. 
I, S. 325. Dies schliesst jedoch ihre Anwendung in der Küche 
nicht aus: Pitture di Ercol. II, p. 303, tav. 58.] Den Ge- 
brauch eines Messers finde ich nur in einem Fragmente des 
Pherekrates bei Poll. X. 89 erwähnt: 

[M^aipav 5yo' ivi^&tjxag) oö. ri //' eipyaaai^ 
äpd^aipog ini ßöeia voaTTjato xpia^ 
äi>7]p yipwv, ävödovTog ; 

[Doch haben in Gräbern neben den Speisen auch Messer ge- 
legen: Marquardt a.a.O.] Das einzige gewöhnliche Instru- 
ment war der Löffel, nöarcXrj, ixüffrpov oder fiuarpog. Poll. 
a. a. 0.: ^pyjariov 8k xal ixoartXatg ^ fiuffv/Xotg ^ yXojaaaii ^ 
fxuariXapc'oig ^ xo^XKupu^ocg ^ Xcarpcocg. Die yXwffaa, die 
römische ligula, ist eben auch ein Löffel, [wie Xtcrvptov, und 
unterscheidet sich dadurch von xo^Xiujpu^oM oder xo^Xdptov 
(Poll. VI, 87), dass er ein grösseres, unseren Esslölfeln ent- 
sprechendes Instrument zum Verzehren der Mehlspeisen ist, 
während das letztere, das römische cochleare, zum Kssen von 
Eiern und Schnecken diente und zu diesem Zwecke in einen 
spitzigen Stiel auslief.] Die fiuarcXat oder xoTXa [xüarpa, wie 
sie mehrmals genannt worden, waren meist von Metall; goldene 
erwähnt Athen. III, p. 126. Oft aber mochte man auch 
nur ein Stück Brod aushöhlen und sich dessen als Löffel be- 
dienen. Einen solchen Löffel reicht der Wursthändlor dem 
Demos. Aristoph. Equit. 1167: 



zur sechsteu Bcene. 809 

äyu) dk (f>ip<o) (luariXai fießuarthjfxivaq 

und T^? tJeoü r^ X^^P^ "^fi ^^^<P<'-v'^^^^- 
Po 11. a. a. 0.: iiDaxlhj /ikv ouv eazi (pw/xög xoiXoq scg irvog 
^ CiOfjJ)v ßa&uvBscg. Suidas: ixoffviXrjv (paifiov^ xo7Xov äprov, 
dv ino^ouv 7va Z<")xuv iv aurw po(pu>ai. Vergl. Eustath. ad 
Odyss. III. 457, p. 1476. 63 und mehr im AUg. bei Böttiger 
Kl, Schriften Th. III, S. 233. 

Von einem Tischtuche ist nicht die Rede; eben so wenig 
von Servietten, deren sich die Einzelnen bedient hätten. Das 
j^etpo/iaxTpov, ein Handtuch, wird nur bei dem Händewaschen 
herumgegeben. Aristoph. bei Athen. IX, p. 410: ^epe^ 
jra?, ra^iiüQ xarä ^eipög u8(op, TiapanepTis tu )^eip6p.axTpov. 
[Vgl. Anthol. Graec. IV, p. 286, n. 2: 

^dv^Tj ßiv riq i/cbv ^//ijv ndpog, dXld xonetaa 

yivopai äpyew^g Xeuxorsprj ^lövog' 
)(atpu) ßk ykuxepui re xai l^'^uoevri koirpia 

■npwTt] daiTUßuvwv elg ^opdv ip^o/idi/i^.] 

Um sich während des Essens die Hände zu reinigen, bediente 
man sich der weichen Theile des Brodes, die man zu einem 
Teige knetete, dropd-Tea^ai, dnopaySaXid. Po 11. VI. 93: rb 
ixpayeTov xat ^stpopaxrpov äv Tipoaemoig' ot 8s rAXat 
Tocg xaXoopivatQ dnopaydaXcaTg i^pwvro, cu rjaav rb iv T(p 
äpro) pxuXaxbv xai OTaizioSss , eis 8 d7:o(prjadpsvo: zdcg xuah 
ahm TiapeßaXXov. Oder es wurde nach Pausanias (dem 
Lexikographen) den Gästen ein besonders dazu bestimmter 
Teig gereicht, wenn man ihn nicht gar mitbrachte. Eustath. 
ad Odyss. XIX. 92, p. 1857. 17: napä 8k äXXocg xai dno- 
pay8aXtä xai dnopay8aXig (piopög, elg dv ixparropsvot rag 
^sTpag perä 8sc7:vov ippmrouv xnat' Jlaoaavtag 8i <pr^aiv^ ort 
dnopaySaXcä aratg, o £<pepov im rb osTttvov, £cg u rag ^sTpag 
dnoparropsvoc sTra xualv ißakXov. Vgl. zu XX. 152, p. 1887. 
51; Iliad. IV. 190, p. 462. 35 [und Alciphr. Epist. III. 
44 nebst Aristoph. Equit. 414 u. 819. Auch Harmodios 
bei Athen. IV. p. 149 beschränkt nicht, wie Becker irrig an- 



310 Erster Exenrs 

genommen hat, die Sitte auf Phigaleia, sondern erwähnt von 
den Einwohnern dieser Stadt bloss als etwas Abweichendes, 
dass sie iierä to demvov sich nicht die Hände wüschen, son- 
dern an Teig abwischten und diesen mit nach Hause trugen, 
TOUTo notoüVTzg ivexa tujv iv Talg dfi^adoig ycvo/ievujv vuxze- 
ptvöjv ^6ß(uv.] Lucian endlich de merc. cond. 15 spricht 
von der späten und zwar römischen Sitte. Bei ihm ist x^t- 
p6/xaxrpov tcMixsvov (mantele sternere) ein Tischtuch. 

Von der Bedienung wird fast gar nichts erwähnt, wenig- 
stens nicht von Schriftstellern der guten Zeit, so dass man 
im Zweifel bleibt, ob die Gäste ihre eigenen Sklaven mit- 
brachten. Von Alkibiades wird allerdings bei Plato Symp. 
p. 212 gesagt, dass dx6Xou&ot mit ihm kamen; aber ob sie 
blieben und ihn bedienten, davon wird nichts erwähnt. Sonst 
scheint die Bedienung nur durch Agathon's Sklaven zu ge- 
schehen. Spätere Schriftsteller aber, welche namentlich der 
Unsitte, Speisen mit nach Hause zu nehmen, gedenken, sprechen 
unzweideutig davon, dass hinter dem Gaste der eigene Sklave 
stand; z.B. Lucian. Hermot, 11: xai i.8edzmvrjxzt nMov ^ 
xazä yepovra, cuaTS dvaarpetpag rjpeai ts, uig i<paaxov, noXXä 
xa\ puvov dpt&pu) napakaßujv ra xpia, bnoaa zw natdi xazu- 
niv iffTuJTc napadedcüxec , xal (rr^prjMdpevog impeXwg rö dn' 
ixetvou xa^£udec. Bei dem auch von Lucian beschriebenen 
Gastmahle des Aristänetos, das mit einer lupithisclien Scene 
endigte, scheint hinter jedem Gaste sowohl der eigene Sklave 
als ein Diener des Wirths gestanden zu haben. Da es die 
einzige Stelle ist, in welcher etwas ausführlicher über die Be- 
dienung gesprochen wird, so möge sie ganz liier stehen, c. 15: 
iv roaoüztp d' iyu} Tov napeaTutra tö» KXsodijpip Tiacda, 
olvo^oov /Tvra wpatov, ISuiv bnoptioiwvra — pdXa rj8r) 
■naptfoXarrov 3,Te xal peeSidaete. xal pEzä pexpbv 6 pkv npog- 
^XBsv u/g dnoXr^if'öjxevog napä toü hXsodrjpou zyjv ^cdXrjv, 6 
dk Tov T« MxxuXov dniBXiipsv ainoo xal dpa/päg Suo^ olpaiy 
auvavidiuxe /lerä rr^g <pidXrjg' b naTg 8k Ttpbg jxkv tov 8dxro- 



zar sechsten Seene. 91% 

Xov &Xiß6/ji£Uov au&cg i/xecScaaev, olt /i^v auvocSev^ oJfiat, rb 
v6fii<T/ia, u)ffT£ fi)j Se^afiivou (po^ov ac 8uo Spa)(fiat Ttapeff^ov 
ixneaouaai xa\ ^pubpiaaav äp.<pu} fidXa aa^ws' ^nopouv 8k ol 
itXrjaiov, obrtvog eirj rä voucafiaray roo fiev nacdög äpvou/iivou 
jii) dTtoßeßXr^xevac, rou 8k KX£o8rjiwu, xa&' 8v 6 ipö^og iyevSTO^ 
fi^ npotmotoofiivou rtjv dnupße<ptv' jy/xs^jyöjy 8' ouv xai Tcapüifbi] 
TOÜTO ob ndvu ttoXXojv i86vr(uv TiXijv fwvou, wg ifiol £8o$e, rou 
'Apcffracvdrou • /iSTSffTTjas yap rbv naT8a ficxpw oarspov 
dipavibg bns^ayayoljv xal rat KXso8rj[i<p rivä napaarrjvai 
Seeveuas rwv i^iupojv rj8rj xal xaprepujv, dpewxopov ztvd^ 
^ Ijmoxupov. Dagegen stehen c. 11 und 36 hinter den Gästen 
die eigenen Sklaven; vgl. Athen. IV, p. 128. 129; und nur 
von den ^ye/xovcxoTs 8£mvotg sagt Plutarch. Symp. VII. 8. 3; 
kxdcrcü) Tiapearrjxe TÜtv xaTaxeepdvwv oho^^oos, der natürlich 
zur Dienerschaft des Hauses gehört. 

Aus einer Aeusserung Agathon's ersieht man übrigens, 
dass es schon in jener Zeit üblich war, einem besonderen 
Sklaven die ganze Anordnung der Tafel und die Beaufsichti- 
gung und Leitung der übrigen Dienerschaft zu übertragen. 
Er sagt, wiewohl Sokrates noch fehlt, p. 175: dW rjfiäe. St 
nacSes, raus dXXouQ ktrziärt' ndvrwg napaTi&eTS o,Tt dv ßob- 
XrjoBs, insiodv reg upcv ptj £^£<myx)y, 8 iyoj oboentuizore irMtr^aa ' 
wv ouv vofiiZovrss, xai ipk b<p' bpujv xexXrja^at tTii SsciTVov 
xal Toba8£ ruug äXXoug, ^epamuere, ?va bpäg inatvutpev. Der 
i^£<mjx(ug, der hier fehlt, ist der von Athen. IV, p. 170 
erwähnte rpam^oTiocug oder rpaneCoxofiog , entsprechend un- 
gefähr dem römischen structor. P oll. VI. 13: o 8k <ppovri- 
C<wv r^ff bwripzaiag dndarig rpans^ojzocog, und noch umfassender 
III. 41*. 6 8k Tidvriuv rätv mpl -nyv karcaatv i7tcp.eXubp.Evog rpa- 
Tzs^onocug. Noch gedenkt Athen. II, p. 49, und zwar nicht 
erst aus seiner Zeit, der Sitte, dass dem Bewirtheuden beim 
Beginnen des Mahls ein Verzeichniss (ypappariScov) der sämmt- 
lichen aufzutragenden Speisen von dem Koche vorgelegt wurde. 
Von einem allgemeinen Gebrauche kann hier indessen schwer- 



312 Erster Exoura 

lieh die Rede sein. Es mag bei grossen Gastmählern vielleicht 
selbst zur Controle der auftragenden Sklaven geschehen sein. 
Ehe ich nun zur Erörterung des Materiellen oder der An- 
gabe der möglichen Bestandtheile eines solchen grösseren Gast- 
mahls übergehe, ist noch davon zu sprechen, was überhaupt 
die allgemein übliche Kost von früherer Zeit her und später 
noch bei der ärmeren Klasse war. Diese war in alter Zeit 
gewiss sehr einfach, und wir dürfen von dem Ueberflusse des 
Fleisches bei einem homerischen Fürstenschmause keineswegs 
auf einen reichlichen Genuss desselben im Hause eines Bür- 
gers aus dem Mittelstande schliessen. Tfj 'EXMdi Tzevtrj fxkv 
dec xoTB aovrpo^uQ iazc, lässt Herodot. VII. 102 den Demarat 
zum Perserkönige sagen; und diese griechische nsvca, wie auch 
Athen. IV, p. 148 sich ausdrückt, begnügte sich mit dem, 
was zur Nahrung unentbehrlich war, während in den ionischen 
und grossgriechischen Pflanzstädten längst ein üppigeres Le- 
ben überhand genommen hatte. — Wie bei den alten Römern 
die puls, so war auch bei den Griechen eine ähnliche Speise, 
fiä^a, dor. fidSda^ eines der gewöhnlichsten täglichen Nahrungs- 
mittel. Es war [ein aus Gerstenmehl bereiteter und in einer 
runden Form getrockneter Teig, dor je nach der Flüssigkeit, 
mit welcher er angefeuchtet wurde, in verschiedene Sorten 
zerfiel], wie denn Po 11. VI. 76 eine Menge Namen nennt. 
Von Aristophanes wird die fiäCa oft erwähnt, z. B. Equit. 
1104. 1165. Acharn. 834. Auch Philokieon lässt sich bei 
der Heimkehr eine ^<rr^ fiä^a vorsetzen, Vesp. 610, die 
nach dem Scho Hasten i$ d.\ip(xuiv xu} otvoo bestand und 
daher auch oivoÜTra genannt wurde. Poll. VI. 2',i. 76. Etwas 
Aehnliches mag man sich denken, wenn Thucyd. III. 49 sagt: 
^(T&iov ajui iXauvovres (uvip xai iXalio äX(pna 7tt<pof)iiiva. \ Als 
griechisches Nationalgericht wird die jm^a bezeichnet, nament- 
lich bei Aristo ph. Eccles. 665. Als dort Praxagora ge- 
fragt wird, womit dor betrunkene Kautbold büsseu sollte, ent- 
gegnet sie: 



zur sechsten Scene. 818 

dnd T^s fidZijS, Hji fftTshat' raurtjq yäp orav t<« dyatp^p 
oö^ ußpishai yaoXtog ourws au^^ig r^ yaorpi xokaa^eiq. 

Dasselbe ergiebt sich aus Athen. IV, p. 137: IüXvjv 8k 
roeg iv rtpuTavecat mroufievots p-ä^av napi^stv xeXeüsi, äprov 
Sk ralg kopräis npoanapare&ivac, und ganz besonders aus der] 
Aeusserung des Pausanias, der nach der Schlacht bei Platää 
beim Anblick der zugerüsteten persischen Tafel ausrief: vi^ 
rouQ &eous, Xtyvog rjv fJdparjg, orc roaaüza e^iuv km. z^v ^pS' 
ripav TjXBe pä^av. Plutarch. Apophth. Lac. p. 230 f. 
Athen. XIV, p. 663. Sie blieb auch bis in die späte Zeit 
die Kost der niederen Klassen, Lucian. Tim. 56, Navig. 
46, Epist. Sat. 21. Von dem Genüsse der päCa wird der 
des Brotes, äprog^ aus Weizenmehl, dXeupoig, bereitet, immer 
streng geschieden: Xenoph. Instit. Cyr. VI. 2. 28: xac yäp 
ZoTtQ äk^tToacTse, üdarc pepiypivTjv de\ t^v pä^av iahtet, xcd 
Zartg äpToairec, uSarc dsdeupsvov ruv äpzov. Die Stelle bei 
Plat. Republ. II, p. 3Y2: &ps<l>ovTac dk ix pkv ruJv xpSiLv 
äX<piza axEua^opevot, ix 8k zutv nopwv äXzupa^ zä pkv niil^av- 
zeg, zä Sk pd^avzeg pdZag yevvatag xac äpzoug, welche Becker 
80 gefasst hat, als ob auch Weizenmehl zur Bereitung der 
pä^a genommen worden wäre, beweist dies keineswegs, da 
auch abgesehen von der möglichen chiastischen Beziehung 
zwischen 7:i(f>ac und pä^ac auf der einen und äksupa und äX- 
<ptza auf der anderen Seite (vgl. K. F. Hermann zu dieser 
Stelle) pä^m überhaupt wohl meistens vom Bereiten der paZ,a^ 
aber auch vom Kneten des Brodes gesagt wird, vgl. Blüm- 
ner Technol. u. Terminol. d. Gewerbe u. Künste, B. I, 
S. 60. Der gewöhnliche dpzog war jedenfalls aus Weizenmehl 
gebacken; doch gab es daneben auch xpi^iMog (i^^x xülXi^ Vox 
Sklaven und gemeine Leute : Athen. VII, p. 304; III, p. 112; 
Aristoph. Acharn. 872. Dagegen bestanden die Arist. 
Equit. 819 erwähnten ''Ayjlltia. aus dem feinsten Gerstenmehle 
nach dem Scholiasten und Athen. III, p. 114.] Athen hatte 
nach Athenaeos, der III, p. 109 ff. weitläufig von den ver- 



314 Erster Excurs 

schiedenen Arten handelt, den Böhm, das beste Brod zu lie- 
fern. [Bereits im fünften Jahrhundert wurde dasselbe nicht 
mehr im Hause bereitet, sondern von den Bäckern gekauft.] 
Die einfachste Zukost waren grüne Gemüse, Äd^ava, als 
p.aXdx7], Malve {/xaM^r] und dvMpcxog nputTTj Tpo^, Plu- 
tarch. Sept. Sap. conv. 14), &pc8a$, Salat oder Lattich, 
l^d^avoe, Kohl u. s. w.; oder Hülsenfrüchte, oanpca, wie xua/xoty 
Bohnen, ipeßev&oc, opoßoi, Erbsen, <paxai, Linsen, Mpp.ot, 
Lupinen u. dergl. Aber besonders beliebt waren nebst mehre- 
ren Kräutern die Zwiebeln und Lauche, xp6p.oov, ßoXj36g, axo- 
po8ov. S. Aristoph. Acharn. 760; Xenoph. Symp. IV. 7; 
Lucian. Tim. 56; Lexiph. 10, Dial. mer. 14, Epist. 
Sat. 21. [Vgl. Schuch Gemüse und Salate der Alten. 
1853 und Wiskemann die antike Land wirthschaft. 
1859, S. 8 ff. auch den Armenspeisezettel bei Alexis in Athen. 
II, p. 55. Zwiebeln und Lauch, in der ältesten Zeit eine all- 
beliebte Nahrung, werden schon zu Ende des fünften Jahr- 
hunderts als einfachste Kost des Landmanns und Soldaten er- 
wähnt: Plut. Republ. II, p. 372: xal ßoXßoog xal Xd^ava^ 
oea S^ iv dypocg iif'rjpLara, iffnijaüVTat. Pseudo-Chionides 
bei Athen. IV, p. 137: roug 'A^Tjvacoog (prjoiv^ Srav rotg diog- 
xoOpoig iv TTpuravecü) äpiaxuv Trporc&äJVTac , int riüv rpamCoJv 
Tidevac Tupbv, xai (fuax^jv^ dponenetg r' iXdag^ xai Ttpdaa, 
ünofivi^ffcv nocou/xiituug rrjg dp/aiag dyaiyiig. Vgl. Arist. Pac. 
1127: T^oofiat xpdvoug dTtrjXXayjiivog ruputj re xac xpo/ifiuwv. 
Lysistr. 690; Eccles. 293; Acharn. 166. Die grünen Ge- 
müse wurden theils gekocht, theils, als <hfiä Xd^ava, mit Oel, 
auch Essig und H(mig verzelirt, z. B. Alciphr. fragm. VI, 
16: xal puxr^TEg ol dmt rutv xofidpujv, xai aeadpiuv eijxdpdcoc 
ptCai o^ec deSeufxsvac xal piXixf erc pdvToi, 3 pdhaxa rjdsutg 
ifdyopEv^ bptdaxTvat xal aiXcva (auch diese wurden hier frisch 
ausgezogen gegessen). Unter den Hülsenfrüchten war fer- 
ner sehr beliebt das Mus aus gekochten Linsen, die ^ax^: 
Aristoph. Plot. 192; Vesp. 812; Theophr. Cbar. 14; 



zur sechBten Scene. ^1& 

Athen. IV, p. 167; ebenso der Brei aus anderen Hülsen- 
früchten, namentlich Erbsen, irvoe und XexSoq: Aristoph. 
Eccles. 845; Lysistr. 560 und 1060; Athen. IX, p. 408; 
Lucian Hist. conscr. 20. Die Bohnen, Kichererbsen und 
Lupinen pflegten auch geröstet zu werden: Theo er. VII, 16: 
xuafwv 8i Tce iv nopi <ppo^ec und Aristoph. Pac. 1136: 
xdv&paxc^cjv Toupeßcv&ou rrjv rs ^yöv ijxnopeoojv. Vergl. 
Aristoph. Equit. 41; Lysistr. 537 und 690. Bei den 
cynischen Philosophen spielten namentlich die Lupinen eine 
Hauptrolle: Athen. II, p.55; Diog. Laert. VI, 86; Lucian. 
Dial. mort. XXII, 3. 

Mit Ausnahme der Jagdbeute ass man das frische Fleisch 
der Hausthiere in früherer Zeit, wie bei Homer, wo für aifdrretv 
auch ispzüetv gesagt wird, nur bei Gelegenheit der Opfer, in- 
dem man dem eigenen Genuss durch Beiziehung der Götter 
seine eigentliche Weihe zugeben strebte: Eustath. zu Odyss. 
n, 56; Athen. III, p. 363.] Von Fleischspeisen scheinen Rin- 
der, Lämmer, junge Ziegen, namentlich aber das Fleisch des 
Schweins (bei Plutarch. Symp. IV. 5 zu oixacoTaTuv xpdag) 
beliebt gewesen zu sein; vgl. P. Castellani xpsiu^aj-ca s. 
de esu carnium in Gronov. Thes. Antiqu. t. IX, p. 362ff, 
und Hermann Privatalterth. §.25, n. 3 ff. Auch Würste, 
äUävTss und /o/)^a/ (Aristoph. Acharn. 1119) waren sehr 
gewöhnlich. Dass es eigentliche Blutwürste [als Nebenbestand- 
theile nennt der Scholiast Fett und GerstenschrotJ waren, sieht 
man aus Aristoph. Equit. 208: 

6 dpdxcjv ydp i<rrt ßaxpöv, ö d' dAXäg au fiaxpov. 
eM' alfxaroniÖTTjg iarlv o t' äXläq ^cb dpdxwv, 

und dem Fragmente des Sophilos bei Athen. III, p. 125: 

d TtopvOßoaxöq ydp fi' und xviaokoij^iag 
jfo/>5iyv T£v' alßUTiTiv auttp axsudaai 
ixsAeuce rauTTjvi fxe. 

[Doch wurden sie auch mit Hunde- und Eselsfleisch von den 



316 Erster Ezcurs 

Wurstbändlern verfälscht: Arist. Equ. 1400. Dass die Magen- 
würste nach homerischer Weise (Odyss. XVIII, 44 und XX, 
25) gebraten wurden, ergiebt sich aus Arist, Nub. 408 ff.] 
Als Leckerbissen galten insbesondere der oft von Aristophanes 
und Andern erwähnte Hase (Athen. IX, p. 399), xiylai^ 
Krammetsvögel u. s. w.; unter den Süsswasserfischen werden 
vorzüglich die Aale vom See Kopais gerühmt, Aristophan. 
Acharn. 879, Pax 1005, Lysistr. 36; aber bei weitem die 
beliebteste Zukost waren wenigstens in den der Küste des 
Meeres näher gelegenen Städten die Seefische. Sie sind das 
eigentliche oi^^ov, dem vorzugsweise dieser Name gebührt. 
Athen. VII, p. 276: elxorajg ndvzojv rüjv npoaoipTjfidrtuv 
oipojv xaXouiiivujv iqevcxv^asv 6 l^&bg Siä rrjv i$acpsTov ido)- 
di)v [x6vos ourojg xaXsiai^at Stä robg imjxaviüg iayjjxuTag nphg 
rauTrjv rrjv idiudijv. Vergl. Plutarch. Symp. IV. 4. 2. — 
Es ist merkwürdig und schon Plato macht darauf aufmerk- 
sam, dass bei Homer, wiewohl er vom Fange spricht, Fische 
nie auf den Tafeln der Heroen, ja nicht einmal überhaupt 
als Nahrungsmittel, es sei denn in der äussersten Noth, er- 
scheiuen, Republ. III, p. 404: ola&a ydp^ ort im arpariäs 
iv raTg zujv rjpujwv eartdaeaiv oure ly^üatv abroog iarc^ xal 
TouTa im UaMTTjj iv 'EXXrjanüvTü) ovrag, oure k^^oTg xpiamv, 
dUä povov oTirdis. So auch Plutarch. de leide et Osir. 7: 
h Sk ijKfav^Q xal npay^ipog oux dvayxdlov ou^k nepcepyov 
{dnepiepyov) o(pov dno<paiv(uv rhv lybov 'Oprjpip paprups? pij-ze 
Oaiaxag rowf äßpoßioug fn^re roitg 'J^axr^acoug, dväpconoug vjy- 
aiiurag^ ly&um ypwpivoug notouvTi, pijTe roug 'üSuaaiiug krai- 
poug iv TtXip roaoÜTip xal iv i^aXaTZfj^ nplv (Odyss. XII. 331) 
elg ia^d-ojv i^Oecv dnoptav. Vgl. Symp. VIII. 8. 3. Eeligiöse 
Gründe, wie bei den ägyptischen Priestern oder den Pytha- 
goreorn (Plut. obend. p. 728 o) hatte das gewiss nicht; eher 
ist es wahrscheinlich, dass die ganze Beschäftigung mit Fisch- 
fang der Sinnesart joner Zeit wenig zusagte, wie denn noch 
Plato Leg. VII. p. 823 den Fischfang und die Jagd auf 



zur sechsten Scene. ^IT 

Vögel als eine dpyhg &rjpa und epcjg ob a^ödpa iXeoBiptog 
verbannt wissen und nur die Jagd auf vierfössige Thiere ge- 
statten will. Genug, sie waren, jene alte Zeit ausgenommen, 
den Griechen nicht nur ein Hauptnahrungsmittel, sondern auch 
vorzüglichster Gegenstand der Feinschmeckerei, so dass De- 
mosth. de fals. leg. §. 229, um den Philokrates als Schlem- 
mer und Verschwender zu bezeichnen, von ihm sagt: utv rä 
T^g" noXeiog npdypara ^prjpaTwv dnidoTo, touzüjv nupvag rjyö- 
pa^e xac i^&ug Trepüutv. Das sind in der That die beiden Ar- 
tikel, worin sich in Athen die Verschwendung am meisten 
zeigen konnte. [Als Gewürz zu den Fischen diente Koriander, 
Knoblauch und besonders das edle kyrenäische Silphion: Böt- 
tiger Kl. Schrift. III, S. 431 und v. Werlhof das Sil- 
phium von Cyrenaica. Lüneburg, 1875. Das Olivenöl 
vertrat allenthalben die Stelle der Butter, eXatov ix ydXaxrog, 
die Griechen und Römern nur als Medikament bekannt war: 
V. Hehn Kulturpflanzen und Hausthiere S. 135 ff.] 
Geringer wurden die gesalzenen, Tapcyi^, geschätzt, mit wel- 
chen besonders der Hellespont und Pontus Euxinus Griechenland 
versorgte, vgl. Athen. III, p. 116 ff. [Vgl. H. K. E. Köhler 
Recherchessurl'histoireetsurrantiquitedespeche- 
ries de la Russie meridionale, in Mem. del'Academ. 
de St. Petersbourg 1832, p. 347 — 490 und Marquardt 
Rom. Privatalt. B. II, S. 47 ff.;] um so willkommener aber 
waren sie der ärmeren Klasse als eine leicht erreichbare Zu- 
kost, [sprichwörtlich rou rapc^oog d$c(uT£pov: Arist. Vesp. 
491; vergl. Schol. zu Equit. 1247: zapt^oizüjXetov onoo ra 
tbreXr^ TnoXstrat. Einige Preise sind bei Athen. III, p. 117 
und 118 erwähnt. Das rdpi^og wurde in irdenen Gefässen 
versendet: zapi^oog xepdpiov, Demosth. contra Lacrit. 
p. 934; dpipopeOg, Athen. III, p. 117. Theurer waren die 
ebenfalls importirten Fischsaucen aXfirj und ydpov, deren mau 
sich als feinerer Zuthaten zu anderen Speisen bediente. Das 
aus den inneren Theilen des axopßpog, einer Art Makrele, 



318 Erster Excurs 

bereitete y'^f^^ ^ir<^ erwähnt z. B. Sophocles bei Athen. 
II, p. 67: ydpos zapt^rjpog ; vgl. Artemid. Onirocr. I. 66, 
Athen. I, p.6; II, p. 67; VII, p. 366: Baaca äX}i7j : Athen. VIII, 
p. 329. Dass ydpov aacH in Griechenland selbst präparirt 
warde, sieht man ans Alciphr. Epist. I. 18: outoq ixsTvos 
ütuaeac, 6 rbv ^prjaTÖv xai i]Suv ydpov iipojv ix röJv hnToze- 
pojv tj(&u(ov, oüg iyxoXmZ^rat tjj aayrjvrj.] Die einzelnen Na- 
men der beliebtesten Fische hier aufzuzählen, würde sehr un- 
nütz sein; sie sind bei Athen. VII, p. 281 bis zu Ende des 
Buchs alphabetisch verzeichnet zu finden. Nur der d^öac werde 
gedacht, weil sie häufig und wohlfeil nicht nur von den Wohl- 
habenderen viel genossen wurden, sondern auch eine Deli- 
catesse des gemeinen Mannes waren, namentlich in Athen. 
Chrysipp. b. Athen. VII, p. 285: r^v d^ör^v rrjv fxkv iv 
H^tjvacg 8cä t/jv 8a(piXeiav bnepopioat xai tttw-^cxov sha: (paaiv 
o(pov^ iv kzipaig 8k noXsacv umpBauiid^oua: nolb ^zcpio yivo- 
fxivTjV. Ob es Sardellen oder Anchovis oder Heringe gewesen, 
ist gleichgültig; auch gab es ja mehrere Arten; aber den Vor- 
zug hatte die, welche dfpTTtg hiess, und der Scholiast zu 
Aristoph. Eq. 643 sagt: a(p68pa 8k xai p.ixP^ ^^^ no^ä roTg 
"'A&fjvatoig oTtouSdCerac. Wie sehr das letztere auch von der 
früheren Zeit gilt, sieht man am besten aus Aristophanes 
selbst, wo immer mit komischer Wichtigkeit von ihnen als 
von einer Hauptangelegenheit gesprochen wird. [Wegen der 
Bereitungsart vgl. das Sprichwort: ^s nup d<p(jr} bei Athen. 
VII, p. 285.] 

Die tägliche Kost wurde in der Kegel von der Hausfrau 
oder unter ihrer Aufsicht durch Sklavinnen bereitet (s. d. Exe. 
die Frauen). Athenaeos bemerkt, dass bei keinem Ko- 
miker, mit Ausnahme Poseidipp's, ein Koch als Haussklavo 
vorkomme, XIV, p. 658: ohoi yap dv eupm r^f u/idiv 8ooXov 
fuiytipdv riva iv x(ojuü8((f. nX^v naf>d lloa&i8iTm^ fi6v<p' 8oo- 
Xoc (5* diponouA nofjrjXHov uno TtpwTwv Maxsooviuv x. r. X. Be- 
durfte man bei besonderen Gelegenliuiten eines Kochkünstlers, 



zur sechsten Sccne. 619 

<der mehr herzustellen vermochte als gewöhnliche Hausmanns- 
kost, so gab es deren eine Menge, die sich zu diesem Ge> 
ächäfte vermietheten, wie aus den Komikern allein schon hin- 
reichend bekannt ist. Daher antwortete auch Aristippos, als 
€8 ihm zum Vorwurfe gemacht wurde, ort dt'xr^v i^ußv ificadiö' 
ffUTo fJr/Topa: »xal ydp, orav decTtvov e/tw, fidyecf)ov [iia&oö- 
/uu,€ Diog. Laeri II. 72; vgl. oben S. 207. Diese Köche 
waren aber nicht bloss einheimische, sondern es Hessen sich 
wohl auch Leute der Art aus Städten, deren Raffinement in 
der Kochkunst, die nr^^avrj/xaTa und ao<piaiiaza der Küche, wie 
Xenoph. Hiero 1. 22 es nennt, berühmt war, an andern 
Orten nieder. Das folgt schon daraus, dass für die Komödie 
zwei verschiedene Larven, für den einheimischen und den 
fremden Koch, genannt werden. Athen. a.a.O. ixdXouv 8' 
Ol naXaiail xov /jtev noXtTixuv /xdyecpov Mcuaoiva^ rbv S* ixro- 
Ttcov Tirnya. Vgl. Poll. IV. 148 und Schneidewin Con- 
jectan. p. 121 ff. So verlangt Antiphanes bei Athen. I, 
p. 27, wo die auf die Tafel sich beziehenden Vorzüge mehre- 
^•er Städte aufgezählt werden, einen Koch i$ "Vhoog. Aber 
.berühmter als alle scheinen die sicilischen gewesen zu sein, 
wie denn überhaupt die sicilische Küche zum Sprüchworte ge- 
worden ist, während von Athen auf gleiche Weise das Ge- 
bäck gerühmt wurde. Plato Republ. III, p. 404: Iupaxot>- 
<rcav Se, <v ^üe, rpdne^av xai ücxzXtxijv TzocxtXiav o<pujv, u)Q 
Moixag, oux acvsTg . . , xai ^irzexaiv neppdrcjv Tag doxoOaoQ 
slvat euna&ecag: und so werden beide häufig erwähnt. [Wegen 
ihrer Aufschneiderei und Wichtigthuerei wurden die Köche 
«igene Charakterfiguren der Komödie; vgl, Athen. VII, p. 290: 
dXa^ovtxuv Tcäv zu zojv payscpujv (poXov.\ Gab es doch damals 
schon Leute, welche sich darin gefielen, in besonderen Schrif- 
ten von den Künsten der Küche zu handeln, Gorg. p. 518: 
Mi&aixog o ztjv ofponouav ^^yyzypatpojq t^v ZtxBhxTjV: auch 
von Philoxenos dem Leukadier hat Athen. I, p. 5 aus dem 
iKomiker Plato Bruchstücke einer xaivi^ zcg d<papzuata in 



320 Erster Excurs 

Hexametern erhalten; [in der makedonischen Periode gab es 
eine eigene Literatur über Kochkunst. Die Namen der Schrift- 
steller, diponoirjztx^g npayiiazsiag aofiardg, liefern Po 11 ux VI. 
70. 71 und Athenaeos namentlich XIV. 81, p. 662 ff.; vgl. 
Stob. Serm. XVII. 43, p. 356 und Wellauer in Jahn's 
Archiv f. Phil Ol. B. X, S. 176 ff.] Aber das berühmteste 
Werk der Art war des Archestratos Gastrologie, welche 
Chrysippos die Metropolis der epikureischen Philosophie nannte, 
Athen. III, p. 104: eis vadr oov reg drtoßXincuv elxoriug 
&v inacveffecs tov xaXbv Xpuanmov xartdovra dxpcßajg r^v 'Em- 
xoupoü (püatv xal elnovTa, nrjrpoizoXtv elvac r^c ^<.}^oao(piag au- 
Toü T^v 'Ap^eaTpärou yaaxpoXoyiav ^ r^v irdvreg ol ratv (piXo" 
a6<pu}V yaarpiuiapYoi Bioyviv rivä abribv shae Xsyoufft rijv xa- 
^v zauTTjv inoTTottav. 

Wem nun daran gelegen ist, die navoüpya d<J)dpia xal 
uTTorpc/jLfxara , wie Plutarch. san. tuend. 7 sich ausdrückt, 
welche die Kunst solcher Köche lieferte, im Einzelnen kennen 
zu lernen, dem wird Athenaeos bis zur Ermüdung davon 
erzählen. Es können auch noch zahlreiche Stellen aus Ar ist o- 
phanes, z. B. Acharn. 873. 969. 104^. 1090. Pax 1005. 
Vesp. 493. 508. Eccl. 306 ff. Equit. 1167. 1170 ff. u. a. 
hinzugefügt werden. Wollen wir aber hier nur ganz im All- 
gemeinen die Bestandtheile eines grösseren Gastmahls angeben, 
80 entsteht zuerst die Frage, ob, wie bei den Kömern die pro- 
mulsis oder der gustus (Gallus B. III, S. 231), so auch bei 
den Griechen der eigentlichen Hauptmahlzeit vorbereitende 
Eingangsgerichte vorausgeschickt wurden ? Ich möchte sie für 
die Zeit, von welcher ich hauptsächlich spreche, d. h. vor der 
römischen Herrschaft, lieber verneinen als bejahen, wenigstens 
in 80 weit, als solche Vorgerichte in keinem Falle wie bei 
den Römern einen eigenen Gang ausmachten. Zwar sagt PoU. 
VI. 83: ^aav 8£ rtvsg nputrai Tpane^at xai oeuTepac xal rpi- 
rat^ allein das kann wohl nur von den drei ferculis, die bei 
den Griechen schlechthin rpaneCa^ genannt wurden, verstanden 



zar sechsten Scene. 321 

werden; denn der Nachtisch, der den Beschluss machte, hiess 
nie Tpfrac, sondern jederzeit deurepac Tpdne^ai, und das Haupt- 
mahl npöJTai: Plutarch. Symp. VIII. 4. 1. Erst bei späten 
Schriftstellern, wie Plutarch. VIII. 9. 3 und AthenaeosII, 
p. 58 — 64 findet sich die Sache und dafür der Name npöno/xa 
und npomveiv: für den früheren Gebrauch des Wortes aber 
weiss letzterer nur die einzige Autorität Phylarch's anzu- 
führen, der übrigens nicht einmal von griechischer Sitte spricht, 
p. 58: OüXap^oQ b 'A&i^vacog ^ NauxparcTrjs , iv otg b Xoyog 
iarlv auTui rcspc ZrjXä tou Bc&uvcuv ßaatXioic, og in} ^evtcf. xa- 
Xiffag Tohg ru)V FaXaröjv ^ys/xavag, imßouXeuffag aoroTg xaä 
tturbg Sce^&dprj, tpriaiv ouT(og, ei p.vrjp.rjg soTv^uf nponoiid 
ri Ttpb TOU SeiTTVoo mpte^ipero xaßwg eiatßee rb nput- 
Tov: und auch das hat mit einem gustus im römischen Sinne 
nichts gemein; es war wohl nur ein Trunk, der dem Essen 
vorherging. Dass man indessen ebenfalls zuerst den Appetit 
reizende Speisen ass, will ich nicht leugnen, und es sagt ja 
selbst Aristophanes Acharn. 1112: 

dXV fj irpd delnvou rrjv ixifiapxuv xaridoßai. 

S. d. S Chol. u. Pol 1. VI. 56. In der späteren Zeit gehorten 
dazu die sogenannten <po^pat rpdm^^ae, wie sie Plutarch 
a. a. 0. nennt, aus Austern und andern Schalthieren und grü- 
nen, ungekochten Gemüsen, wie Salat u. dergl. bestehend 
[Diog. Laert. IL 139 und Athen. IV, p. 132: rb npooificov 
Toiv iv XdXxtbc SscTniov ^rapcearepov elvac r^g iv darec na- 
paexEorjg, rb nX^&og täv öarpiiuv xai ttjv notxtXtav npootixiov 
Eina/v detmou] ; früher dagegen pflegten diese gerade den 
Schluss zu machen. Vergl. Athen. II, p. 101 und Alci- 
phron a. a. 0. §. 16. 

Darauf, dass jede xXcvtj ihren besonderen Tisch beim Gast- 
mahl hatte, weist schon hin, dass überall gesagt wird elatpi- 
pecv und d^aipsTv rag zpane^ag: und dass darunter nicht 
die Gerichte zu verstehen sind, sondern die Tische selbst, er- 

Chwlkles II. 21 



322 Erster Exeurs 

hellt deutlich aus den dem Jsotvov des Philoxenos entlehn- 
ten Worten bei Athen. IV, p. 146 f. (s. Sc. VI, Anm. 6) ver- 
glichen mit Antiphanes bei Athen. 11, p. 60: 

WO nur der Tisch gemeint sein kann. [Auch aus den Worten 
des Euangelos bei Athen. XIV, p. 644: 

TEzrapaq TpaniZaq rStv yuvaix&v elnd aoi 
i^ dk Tutv ävdpSJv TÖ dstnvov «J' ivrekkq xal ßijdsvi 
ikktni?' Xaßtnpouq ysvitr&at ßouXößstr^a rouq yaßouq, 

die nicht von »Trachten« verstanden werden können, da ja 
sonst eine verschiedene Bewirthung der Männer und Frauen 
angenommen werden müsste, lässt sich schliessen, dass sich 
vor jeder xXlv:^ ein Tischchen befand, also aus 8 Frauen und 
12 Männern die Hochzeitsgesellschaft bestand. Und dem- 
gemäss heisst es auch Lucian. Conviv. 38 von dem echt 
griechischen Hochzeitsmahle des Aristänetos: Tipauxei-o d' ou^ 
iv kxdarü) mvdxcov^ äXX* 'Apcffraivdra) /ikv xac Euxpcro) inl 
ficäg rpani^rjQ xotvov x. t. L] Als eine Ausnahme scheint 
Theopompos ebend. p. 140 die arkadische Sitte zu bezeich- 
nen : ol 'Apxddec iv raTg kazidaeatv unode^ovrat roug deoTtorag 
xal roug doüXoug xal p-iav "näm rpdm^^av elg rb ixeaov napa- 
riBiaai xai xpar^pa rbv aJbrhv itaat xtpväai. Dazu kommt, 
dass auf allen Denkmälern, welche Symposien darstellen, vor 
jeder xXivrj ein, und wenn mehr als zwei Personen darauf 
liegen, jedesmal auch mehrere Tische, Tpcnodeg oder Tpdne^ai, 
stehen; vgl. Mus. Borbon. V. 51, Miliin Peint. de Vases 
II. 68, Tischbein liecueil. H. 55, Panofka Bilder XII. 
1; Mus. Gregor. II. t. LXXIX. Pollux nimmt die rpa- 
TiÜ^ag für die Aufsätze, repositoria. Er sagt M. 83: rjoav Sd 
Tiveg TipStrcu rpdnsOf-t *ai dsurepat xal rptrac xal rpmodeg 
fieVy i<p^ ijjv ixecvTo . . . al Sk iniTc&dnevac xal atp6fiB\iac rpd- 
ne^at^ äg vüv fuxytdag xaXuüatv^ und X. 81: xal p.^v xal tA 
intriBi/uva roTg rpfnoac rpdntZat xaXouvTot xal fmy{3eg. Dem- 



Bur sechsten Seene. 323 

nach müsste man annehmen, dass auf jeden dieser kleinen 
Tische die Speisen besonders aufgetragen worden seien, und 
dieses wenigstens sieht man wirklich auf den Denkmälern. 
Demungeachtet wurden aber auch die einzelnen Gerichte herum- 
getragen, wie man aus Plato Republ. I, p. 354 sieht: uxmsp 
ol Uyyot roo det napacpepoiidvoo dnoysuovrac ap7:dCovTSS Tzph 
Tou npoTspoo ptxpimq dnoXrmaai. [Doch scheint die Stelle 
mehr so gemeint zu sein, dass wenn mehrere Speisen zugleich 
aufgetragen waren, der Lüsterne nicht schnell genug sich Alles 
aneignen konnte.] — Als eine Eigenthümlichkeit der ägypti- 
schen (ägyptisch-griechischen?) Mahlzeiten führt Protagorides 
an, dass gar keine xpäm^ai gebraucht wurden. Athen. p.l50: 
Tpirri 8' iartv I8ia dsmviuv Alyonziaxrj, rpane^ätv pkv ou 7:apa- 
Tcf^epevujv, mvdxwv dk mpc^spopiveuv. Das ist es, was Mar- 
ti al. VII. 48 eine coena ambulans nennt. 

Sobald man der Speisen genug genossen hatte, wurden 
die Tische hinweg gehoben, atpsiv^ dncupscv, inatpecv, d<pai- 
pzlv^ ixtpiptiv^ ßaaTa^scv Tag zpaTri^ag. Dann wurde der Fuss- 
boden, wohin man gewöhnlich Knochen, Obstschalen und andere 
Abgänge und Ueberbleibsel warf, mit dem Besen gesäubert 
und den Gästen das Wasser zum Händewaschen gereicht, dno- 
vcipaaBai, worauf mit einer sogleich näher zu berührenden Li- 
bation das eigentliche Mahl, öeTnvov, beschlossen wurde. Das 
Alles gehört so regelmässig zur Ordnung des Mahls, dass die 
einzelnen Akte stets in derselben Reihenfolge genannt werden, 
nur dass man mit dem Händewaschen auch noch das Dar- 
reichen der Salben und Kränze verbinden muss, was nicht 
überall erwähnt wird, auch nicht ohne Ausnahme Statt fand. 
Plato Com. bei Athen. XV, p. 665: 

avdpeg dsSeinvrjxatrii' yjdrj ff^sddv änavt^q- eu ye' 
Ti ob rpiywv ab räq TpairU^aq ix^ipeig; iyiu 8i 
Xirpov Tzapayitov Spy(Oßat, xäyu) dk napaxo pijffutv ' 
OTZovdäq ä' inena izapa^iaq rbv xörzaßov Ttapoiaw. 

Philyll. ebend. IX, p. 408: 



324 Erster Excurs 

xat 6rj deSeinvTjxaatv al yuvdixeq' äXr äfatpelv 
&pa ^<ntv ^3rj rag rpaniCag, elra itapaxopfjaai, 
Snetza xotu ^etpätv kxdarTj xat ßupov rt doüvai. 

Menand. bei Suidas s.v. aXpeiv: 

efr' eb'&ug ofjTto rag rpaneCog aipers, 
fidpa, are^dvoug kroißaffov, tnzovdäg notec. 

Vgl. Cobet observat. crit. in Plat. reliqu. p. 90 f. Der 
Grammatiker Aristophanes bei Athen. IX, p. 408 unter- 
scheidet streng zwischen dem Gebrauche der Ausdrücke xarä 
^eipog und dnovctpaaBat : napa yäp roTg TtaXatocg rb {xkv npo 
dpcffTou xal Secnvou Xiyea^at xarä ^eipog, rb 8k fierk tout» 
dnovi(paaBac: ähnlich Pol). VI. 92: xa\ vtipaaBat fih rb npb 
T^f rpo<prig, dnoviipaaSat 8k rb fierä ttjv xpoipiiv: beide Di- 
stinctionen aber werden durch den Gebrauch nicht bestätigt. 
Denn in dem eben angeführten Fragmente des Philyllios 
und eben so im AeTmov des Philoxenos (Athen. IV. p. 147) 
ist xaTo. ^eipöijv von dem Waschen nach dem Essen gesagt. 
Mit dem Wasser wurde übrigens zugleich auch a/x^yfia oder 
ff/i^fxa, das die Stelle unserer Seife vertrat, gereicht, und diese 
Masse war nicht weniger als bei uns mit wohlriechenden Din- 
gen vermischt. Daher euiuSrjg y^ und ff/^/xara Iptvoiuxza bei 
Antiphanes und Philoxenos, Athen. IX, p. 409. [Die 
erwähnte y^ nennt auch Athen. VIII, p. 351: rou 8k ßaXd- 
V£(og iv KapSc'a pufifia y^v p.oj(^Brjpäv xa\ ü8ajp dXpLopbv -napi- 
j(ovrog. Es waren gewisse feine Thonarten (namentlich aus 
Kimolos, Lemnos und Samos), mit denen man in Ermanglung 
der Seife (vgl. Gallus III, S. 117) Kleider und Haut reinigte 
(das Waschen des Gesichts mittelst einer Erdart aus Chios 
und Selinus erwähnt auch Galen. XII, p. 180). Daneben 
brauchte man aber auch zu demselben Zwecke die Aschen- 
lauge, xovh, und das mineralische Laugonsalz vhpov oder ^Z- 
rpov: Blümner Technol. u. Terminol. B. I, S. 1G2.] 
Den Scbluss machte ein Schluck ungemischten Weines» 



zur sechsten Scene. 325 

■welcher »dem guten Geiste« gebracht wurde. [Dies ergiebt 
flieh klar aus Stellen, wie Schol. Aristoph. Vesp. 525: 
i&os 8e rjv, ortoTS fxiXXoi rj rpam^a acpea&ac, dya&ou datfio- 
vog inc^po^acv. Nicostratos bei Athen. XV, p. 693: 
äXX' kyy^iaaa ^äxtov d/a&oü ßaifxovoq 
äTtsveyxdru) ßoi ttjv rpänsZoLv ix izodmv. 

und a. dems. 0.: an Sobstar^i t^C rou dya&oü dcufiovog xpd- 
(Tsujg e&og Yjv ßaarä^eaBat rag rparrs^ag. Genau scheiden 
diese Libation von den folgenden Diodor. Sic. IV. 3: ^aaiv 
im ratv deinvouv^ orav äxparog olvog 8i8cjTae näacv, imXeyeev 
'AyaBou Satpovog' orav 8s perä rb SeTnvov 8c8üJTac xtxpapdvog 
ü8aTi, d:ug ^lurrjpog im^üjvslv. Philochor. b. Athen. II, 
p. 38: xat &£opbv s^sto ('Ap^ixroujv) Tipoa^ipeaBae piszä rä 
<TtTa äxparuv püvov oaov yzüaaa^ai, 8£tYpa rr^g oovdpsiug rou 
dyaBod &£ou' rb 8k Xombv r^orj xsxpapivov OTToaov exaarog 
ßoiiXzrai, npoaemXiyetv 8k toutüj to tou Jcbg ZuiTr^pog ovofia, 
und Athen. XV, p. 675: xal 8:ä toüto oi "EXXr^vsg tuj pkv 
Tzapa SsTtwov dxpdzw 7tpoa8i8opiv(ü xbv dyadbv kizupoivouai 
8atpo\>a . . . T(jj 8k perä 8£7nvov xsxpapivip npiüru) i:poa8i8o- 
p.£Vüj nuTTjptip äia ZuiTr^pa kruXiyouat x. r. X.\ Statt der For- 
mel dya&oü 8aipovog muss auch gebräuchlich gewesen sein 
zu sagen bytziag, und der Becher, woraus diese Libation ge- 
bracht wurde, hiess perdvinzpov oder ptTavinzpig, weil es 
{xerä 70 dnovt^paai^ai geschah. S. die Stellen der Komiker 
bei Athen. XI, p. 486; XV, p. 693; und Poll. VI. 31 mit 
Wesseling zu Diod. a. a. 0. und Gerhard in Abhdl. d. 
Berl. Acad. 1847, S. 462. [Obgleich nun diese dem guten 
Dämon und dem ihm entsprechenden weiblichen Genius, als 
segenspeudenden Schutzgeistern der Einzelnen und der Gemeinde 
(vergl. Preller Griech. Mythol. B. I, S. 421 ff.) geweihte 
Spende ebenfalls ein Trankopfer war: Aristoph. Equit. 105: 

OIKET. A. t^i vüv äxparov iyxäva^ov [loi izoXuv 
aizovd^v, 

OIKET. B. kaßk dyj xal ansiaov dyaßoS daipovog 



326 Erster Excurs 

(vgl. SchÖmann Griech. Alterth. B. II, S. 229), so wir 
doch die erwähnte, dem Zeug Icjrijp dargebrachte Libatioi 
wozu zugleich der Lobgesang, nacdv, als religiöse Weihe de 
nun folgenden Symposions gehörte, allgemein mit dem Ne 
men anovdae bezeichnet]. Xenoph. Sympos. 2. 1: ws l 
di<pjjpiB7}aav al rpdne^at, xai iantiaawo xai inacdvcaav. Pia 
Symp. p. 176: /xst« raüra eip-q xaTaxXcvsvros roü Zujxpdroü 
xai BetTtVTjaavzog xa\ töjv äXXujv anovddg re a<fdQ 7ioc:^aa<jB( 
xdl ^aavTag rov &sbv xac zäXXa rd vojit^uiisva zpineaBat iipl 
rbv TTÖTov. Plutarch. Sept. Sap. conv. 5: insl 8k iTUjf 
&7)aav ai rpdne^ac xai azzipdviuv napä rrjg MsXiaarjg 8ca8c 
Bivrujv ^[lelg pev iamcaaixev, yj 8k auXrjTp\g im^ßsy$apsvrj p. 
xpä. ratg anovSatg ix /lecou ptriarrj x. t. X. [Doch wiedei 
holte sich das anivSsiv, wenn der erste Mischkessel gelee; 
war, und es war wohl auch Sitte, erst den dritten xpan^p dei 
rettenden Zeus, dagegen den ersten den olympischeu Götter 
überhaupt, den zweiten den Heroen zu widmen. Daher dt 
Sprichwort rb zpkov tu acuTYjpi und die Schol. zu Pia 
Phileb. p. 66: ixipvutvTO ydp iv zacg auvouaiaig xparr^pi 
rpsig, xai zbv pkv npäJTov Aibg OXopmoo xac &sa>v üXupncu 
iXeyuv , rbv 8k SeuTspov fjpuxuv, rbv 8k rpcTov acur^pog . . 
eXeyov 8k auzbv xai reXstov. Uebrigens streute man bei di 
religiösen Feierlichkeit auch einige Köruer Weihrauch in di 
Feuer: Antiph. c. noverc. §. 18.] Plutarch ist, so vi 
ich weiss, der Einzige, welcher angiebt, dass die Feierlichke 
von den Tönen der Flöte begleitet wurde. Er sagt es ab^ 
auch noch an einem andern Orte, Symp. VII. 8. 4: rbv < 
axiXbv üu8k ßouXopevoig dnwaaaifat zr^g zpani^r^g iazcv • ai yc 
anovdai noöoüaiv auzbv &pa zat azapdvtp xai auvem^f^iyyszi 
Ttp Ttatdvi zb decov. Aus diesem Grunde wird wohl bei Plat 
Symp. p. 176 die Flötonspielerin erst hiuwoggeschickt, nacl 
dem dati Trankopfer gebracht ist; sie war vermuthlich eb( 
zu diesem Zwecke eingetreten. [Auch pflegte sich nach de 
Trankopfer zu entfernen, wer von den Gästen am Sympüsi( 



zur sechsten Scene. 327 

nicht theilnehmen wollte. Perikles that dies bei der Hochzeit 
seines Vetters Plut. Pericl. 7: «//?: riuv a-novdwv napaye- 
V'ifievog euBug i^avearrj.] 

Darauf ward der Nachtisch, deuripai rpdneZac, aufgetra- 
gen, wovon gleich hier gehandelt werden mag, obgleich er 
eigentlich mehr zu dem nun folgenden Symposion gehört; vgl. 
Xenophanes bei Athen. XI, p. 462: 

vüv /dp dij Zdnedov xa&apöv xal j^e?/>es &izdvTa}V, 

xai xökixeq, nXexroÜQ «J' äßtpmßei areipdvüuq, 
äXAos d' eöütdsg ßupov iv ^idXrj napareivst, 

xpijxrjp 3' eaTfjxev [xsaröq iü^poffuvrjg . . . 
iv dk fiiaotg äyvrjv odßjjv Itßavioröq irjei, 

(pu^rpöv «y iffTiu Sdtop xai yXuxu xal xa&apöv 
Tzdpxetvrat S' dprot (av^oi yepapii te rpäneZa 

Tupoü xai ßiXiToq itiovoq d^SofiivTj • 
ßcjpöq J' äv^^eatv dv tu fiiaov ndvzT} izenüxaarac, 

ßoXnrj (?' dß(piq k^ec dwßara xai Sa/inj. 

Wie schon im Eingange erwähnt wurde, kannte die frühere 
Zeit die hundertfältigen Näschereien, welche uns schon von 
Aristophanes an genannt werden, nicht. Damals begnügte man 
sich mit Honig, Käse und allerhand Baumfrüchten, nament- 
lich Oliven, Feigen, Nüssen u. dgl., ganz besonders aber Salz, 
das man bald rein, bald mit einigem Gewürze vermischt ge- 
noss, um dadurch den Geschmack des Weins angenehmer zu 
machen, auch wohl zum Trinken zu reizen, weshalb Plutarch. 
Symp. IV. 4. 3 sagt: ou povov zoivuv npug rpoip^v, dXXä xcä 
■nphg Tzozuv oipov ehtv ol äXeg. Der Genuss des Salzes wird 
auch von römischen Schriftstellern in einer Weise erwähnt, 
die es als eine würzende Zukost hervorhebt. Plan tu s, wenn 
er gewiss nach griechischem Originale Cure. IV. 4. 5 den 
Cappadox sagen lässt: 

Therapontigonoplatagidore, salve, salvu« quom advenis 
In Epidaurum; hie hodie apud me nunquam delinges salem; 
oder Pers. III. 3. 23: 



328 Erster Excurs 

Keferundae ego habeo linguam natam gratiae. 

Eodem mihi pretio sal praebetur, quo tibi. 

Nisi me haec defendet, nunquam delinget salem, 
kann zwar damit ausdrücken wollen: nicht das Mindeste; allein 
der Ausdruck lingere salem, 5.ka Id-z^ziv (Diog. Laert. VI. 57), 
wie bei Aristophanes enmaaTa Xeijf^uv^ giebt hinlänglich 
die Weise an, wie es genossen wurde, und darauf bezieht sich 
auch die concha salis puri. Hör. Sat. I. 3. 14, und Od. II. 
16. 14: paternum splendet in mensa tenui salinum, womit 
doch gewiss nicht die äusserste Armuth bezeichnet wird, die 
sich mit Brod und Salz begnügen muss. Denn wenn auch 
in diesen Stellen keine bestimmte Andeutung des Gebrauchs 
beim Weine gegeben wird, so ist doch namentlich der plau- 
tinische Ausdruck gewiss davon entlehnt. [Becker ist hier 
ohne Zweifel zu weit gegangen. Die beiden Stellen des Plau- 
tus beweisen für das Salz, als Zukost zum Weine, nichts und 
drücken eben nur das Nichtszuschmeckenbekoramen aus. Die 
Verba lingere und Xet^eiv durften ihn nicht stutzig machen; 
denn auch bei uns ist ja im Yolksmunde das »Salzlecken« sehr 
üblich. Am unpassendsten war endlich das Herbeiziehen von 
concha salis puri und paternum salinum, wobei Horaz nicht 
an den Genuss zum Wein, sondern an die Heiligkeit und 
darum nothwendige Keinheit des Salzes und des in der Fa- 
milie als Symbol des sittlichen Verbandes forterbenden Salz- 
fasses gedacht hat. Vgl. Val. Max. IV. 4. 3. Auch die im- 
naara brauchen nicht nothwendig zu dem Weine in Beziehung 
gebracht zu werden. Wenn aber nun M. J. Schieiden Das 
Salz. 1876, S. 116 diese Stelle des Charikles so aufgefasst 
hat, als ob Becker habe beweisen wollen, dass die Griechen 
das Salz gar nicht zum Essen, sondern nur zum Weintrinken 
gebraucht hätten, so hat er sich zu diesem Missverständnisse 
und zu einem unwürdigen Ausfall gegen Becker durch den 
Satz verleiten lassen: »Der Genuss des Salzes wird auch von 
römischen Schriftstellern in einer Weise erwähnt, die es nur 



zur seohsten Scene. 329 

als eine würzende Zukost verstehen lässt.« Es liegt aber auf 
der Hand, dass Becker das ausschliessende »nur«, welches 
ich jetzt getilgt habe, lediglich auf die betreffenden Stellen 
der Autoren bezogen wissen wollte!] Unzweideutiger sind die 
Stellen der griechischen Schriftsteller, worin der Sache Er- 
wähnung gethan wird. So heisst es z. 6. bei Athen. IX, 
p. 366: xae äXag 8h r^Suafiivoug opät iv äUacg napoipiatv. 
Diese ähg ^Suafievoc, welche vielleicht mit den von Poll. VI. 
Yl erwähnten ä^Bg ijduvrrjptg gleichbedeutend sind, wird man, 
verglichen mit Plin. N. Hist. XXXI. 7. 41: conditur etiam 
(sal) odoribus additis, für etwas Aehnliches oder dasselbe 
halten wie die mehrmals vorkommenden äXeg buiurat, wie 
sie z. B. Laraachos auf den Marsch verlangt. Aristoph. 
Acharn. 1099: 

äkaq ^ufxiraq oTae, itat, xal xpofißua. 
Vgl. V. 771 mit dem Schol. du/ic-aoüjv äXiuv, ocov (xerä Bujxoo 
rsTpcixfiiviuv , oder zur ersteren Stelle: ex &u/nuv xaraaxeua- 
c&evzas. Damit wird ferner zusammentreffen das Sprüchwort: 
ol Tiept äXa xai xöptvov, womit eben die bezeichnet wurden, 
welche statt der Leckereien sich an Salz und Kümmel hielten. 
Vgl. Plutarch. Symp. IV. 1. 3 und V. 10. Endlich hatte 
man auch eine Art mit Salz bestreuter Kuchen, imnaara, die 
eben zum Weine gegessen wurden und unter der allgemeinen 
Benennung äXeg mit verstanden werden können, daher auch 
eben emnaa-a Xer/^ecv gesagt wird. Aristoph. Equit. 103. 
1089. Der Schol ia st sagt zur ersteren Stelle: e&og dk sl^^ov 
TtoceTv nXaxoüvTag ^ äpzoug xal imndaaeev rtvä xapuxeupara 
aXfiupd, zu der zweiten : nXaxouac yäp ineiiaaaov äXpupä xal 
ix zooTujv ^vayxd^ovTo nivöiv TioXXd, Ich verkenne nun nicht, 
dass in den meisten Stellen der Genuss beim Weine nicht 
ausdrücklich ausgesprochen wird; allein wenn man erwägt, 
was Plutarch sagt: xa\ izpog nozuv oipov ecalv oi aXzg^ so 
ässt sich wohl denken, dass es auch nphg norov genossen 
wurde, so gut als das oft damit verbundene xp6/xuov, von dem 



330 Erster Excurs 

wir vielleicht auch nirgend lesen würden, dass es ttoto» oi^ov 
gewesen, wenn nicht der homerische Vers (Iliad. XI, 630) 
demXenophon (Symp. 4. 7) und dessen Erwähnung wieder 
Anderen Veranlassung gegeben hätte, etwas davon zu sagen. 
Die Stelle aber, in welcher ich glaube, dass das Salz aus- 
drücklich als zum Weine gehörig genannt wird, ist die schon 
oben angeführte Herodot's, wo von den Persern im Gegen- 
satze zur Einfachheit oder vielmehr Dürftigkeit des griechi- 
schen Nachtisches gesagt wird: airotai 8k oltyotat ^pewvrai, 
im(popi]}iaat 8k TzoXXdiai xai oux äXeat. Diese Emendation 
Wesseling's scheint mir in jeder Hinsicht unpassend, und 
welche Unterstützung sie durch Ammian. Marc. XXIII. 6. 
YY erhalten soll, weiss ich in der That nicht, da dieser über- 
haupt ganz das Gegentheil sagt: nee quisquam post satie- 
tatem superfluos sibi ingerit cibos. Ich bin überzeugt [vgl. 
Bahr in Heidelb. Jahrb. 1841, S. 117J, dass gelesen wer- 
den rauss: xal oux aXeai oder vielleicht selbst nach Ana- 
logie des Sprüchworts aXdmv ust, hXdai (s. Buttmann aus- 
führl. gr. Sprachl. I, S. 227), welches letztere auch der ur- 
sprünglichen Lesart xai oh xalolai am nächsten kommt. Die 
3.\eq des griechischen Nachtisches mussten freilich dem Perser 
als oh8kv Xöyoo aqtuv erscheinen. — Endlich mag auch ver- 
glichen werden das Spruch wort äXlav rpunäv. Philostrat. 
Epist. Apollo n. Tyan. 7: ijiol 8k ec'rj r^v äXtav rpunäv iv 
6ipi8o<: ot'xip, was Olearius gänzlich missversteht. Den 
Commentar gibt Pers. Sat. V. 138: regustatum digito tere- 
brare salinum. Dass freilich in der Zeit, aus welcher wir 
überhaupt erst genauere Nachricht von der Boscliatfenheit 
griechischer Mahlzeiten erhalten, der Zeit der mittleren und 
neuen Komödie, die HXtg seltener erwähnt wurden, ist sehr 
natürlich, du auf dem Nachtische unterdessen eine Unzahl 
Näschereien an ihre Stelle getreten wuren. Indessen finden 
sie sich z. B. in dum langen Verzeichnisse, das Anaxau- 
drides bei Athen. IV. 7 von der Hochzeittafei des Iphikrates 



zur sechsten Scene. 331 

giebt, wo die leckersten Speisen und gemeinsten Dinge bunt 
durch einander und so neben axopodov, xpofiuov^ aiXipiov^ auch 
äXeg genannt werden. Andere Stellen führe ich nicht an, 
weil sie oft zweideutig sind, indem äXeg auch gesalzene Fische 
u. dergl. bedeuten; aber das sei beiläufig noch erwähnt, dass 
Plato von einer Lobschrift auf das Salz spricht, Symp. 
p, 17*7: äXX* eyüjje i^drj rm ivsTu^ov ßtßXiip ävopug ao(poo, 
iv o) ivrjoav äXeg enaivov Baupdaiov e^ovTsg npbg w^sXeiav. 

Diese spätere Zeit nun hat für die oeu-cepac rpdr.E!^at eine 
Menge Benennungen, als imdupma, imSopm'ffpara, imSopmot 
rpdne^ac, imdetnva oder inidsi-nvideg ^ emipopijpaza ^ inaixXta 
(s. Eustath. ad Iliad. XVIII. 245), vtofaXsopaTa u. s. w. 
Aber der gewöhnlichste Name ist neben jenem ersten rpayrj- 
para. Eine Hauptstelle darüber aus Aristoteles' Schrift 
7i£p\ pi&r^g findet sich bei Athen. XIV, p. 641: ro pkv ouv 
oXov 8ia(p£p£tv rpdpjpa ßpiuparog vopiariov oaov idsffpa rpu)- 
yaXcow TOÜTO yäp izdrpiov rouvopa xoTg ^EXXr^aiv, inet iv rpa- 
yijpaac. zä ßpwpara naparc&evrat' dconep ob xaxüJg soixsv 
elnecv 6 npütrog dsuTSpav npoaayopeucrag rpdne^av, ovriog yap 
imdopniapüg reg 6 rpapjparcapog iau xal oscmov irepov na- 
part^ezat rpay^paTa. Die Worte iml iv Tpapjpacri rä ßpiü- 
para napariHvTat scheinen keinen Sinn zu haben und geradezu 
der Erklärung des Aristoteles zu widersprechen. Er will sagen : 
TpayijpaTa sei der Gegensatz von ßpwpara, wie rpiuydXia von 
ideapara. Das letztere (rpwydXca) sei die eigentliche Be- 
nennung (vergl. Xenoph. An ab. V. 3. 12: rp^xzä wpa?a), 
während zpayrjpa-a eine weitere Bedeutung erhalten habe. 
Denn in Aristoteles' Zeit wurden unter dem Nachtische auch 
eine Menge eigentlicher idsapara, als Hasen, Enten, Hühner 
und anderes Geflügel [in der makedonischen Zeit besonders die 
thessalische parrürj oder parOXXrj, eine Art Majouaise: Athen. 
IV. p. 141; XIV, p. 663; Meineke Menand. p. 361; Poll. 
VI. 70] aufgetragen. Siehe, wenn es überhaupt eines Beleges 
bedarf, u. A. Athen. III, p. loi, XIV, p. 642. Eigentliche 



332 Erster Excurs 

rpatydkca aber sind, wie Diphilos ebend. II, p. 52 sagt, 
fiupTiSss, nXaxoug, d/iuy8aXa. Es scheint daher gelesen wer- 
den zu müssen: inst iv rpayi^fiafft xal ßpufpara TxapaTc&evrat, 
Neben dem Genüsse, den diese Näschereien an sich ge- 
währten, war der hauptsächlichste Zweck dieses das ganze 
Symposion hindurch wohlbesetzten Nachtisches, die Lust am 
Trinken zu unterhalten. Aristot. Problem. XXII. 6: dcä 
zi Toi rpay^paza idsazeov; ^ ivexa zoo msiv Ixavov; ou yäp 
pövov Tzoziov ZT^g 8c(prjs /«^fv T^ff iv zöeg ffcztocg, dXXä xal 
pezä zb atziov. Daher wurden denn auch besonders pikante 
und reizende Dinge gegeben, wozu namentlich der Käse ge- 
hört, und wenn für die Friands unserer Zeit die verschieden- 
sten Arten aus England, Frankreich und Italien herbeigeschafft 
werden, so war auch für den griechischen Feinschmecker in 
dieser Art wohl gesorgt. Vorzüglich berühmt war der sici- 
lische Käse. S. die Bruchstücke des Antiphanes und Her- 
mippos bei Athen. I, p. 27 und Philemon bei dems. 
XIV, p. 658. Auch Aristophanes erwähnt ihn mehrmals- 
Ausserdem war auch der von Tromileia in Achaja kommende 
sehr beliebt, wie Athenäos in der letztgenannten Stelle nach- 
weist; [dann der von Kythnos: Athen. XII, p. 516; Poll. 
VI. 63; von Keos: Aelian. Hist. anim. XVI. 32; von Gy- 
theion: Lucian. Dial. mer. 14; von Boootien: Aristoph. 
Equit. 480; vom Chersonnes: Athen. II, p. 65; IX, p. 370. 
Ueberhaupt war der Käse auch ein Haui)tnahrungsmittel für den 
gemeinen Mann: Ar ist. Pac. 250 mit den Schol. und 1129 
und ebenso Plut. de glor. Athen. 6: äXfiza, oij'ov 8s xpu- 
fiua xdi zopöv. Die gewöhnliche Sorte (die auch viel von 
Salamis und den benachbarten Inseln eingeführt wurde: Strab. 
IX. 1. 11; daher vrjatwztxöi genannt: Athen. XII, p. 542), 
der x^tupog ropös (über seinen Vorkaufsplatz vgl. oben S. 149) 
m&chto in Rücksicht auf den niaoc zopog bei Simeon. 
Seth. synt. p. 105 wühl nicht als grüner, Kräuterkäse, son. 
dem nur als ffischer aufzufassen sein.J Von Baumfrüchten 



cor secfasten Scene. 383 

waren besonders getrocknete Weintrauben, axa<pßt<:, und Fei- 
gen, Iff^ddeg, gewöhnlich, und wiewohl Attika diese von vor- 
züglicher Güte lieferte (s. Schol. Theoer. I. 147: dn' AlycXu} 
la^ds), 80 zogen doch Feinschmecker die rhodischen vor. Her- 
mipp. bei Athen. I, p. 27. Ferner Oliven, namentlich die 
am Baume völlig ausgereiften und geschrumpften {poaai xal 
dponeneig, Athen. II, p. 56, IV, p.l37; auch Datteln (aus Syrien 
und Aegypten ; denn die Früchte der Dattelpalme in Griechen- 
land werden nicht essbar, Plutarch. Symp. VIII. 4. 1), Nüsse, 
xdpua, worunter jedoch alle dxpoSpua, also auch Mandeln, 
Kastanien (<5wTa xdpua), Aristo t. Problem. XXII. 7 [doch 
werden dies schwerlich Kastanien gewesen sein: Hehn Kul- 
turpfl. und Hausth. S. 340 ff.]) verstanden werden, Athen. 

I, p. 52. Natürlich auch frisches Obst, Matron bei Athen. 
IV, p. 137: 

deuTspai aZre rpäne^at ifxonXiCovro ye/ioutraf 
iv S* aÖTatfftv in^v änioi xal niova fiijka 
jbotai TS ara^uXai re ^eou Bpofiioio rt^^vat, 

und letzteren überhaupt XIV, p. 640 ff. — Einen Hauptbestand- 
theil des Nachtisches endlich machten die Kuchen aus, ein 
Artikel, in dem, wie schon gesagt worden, Athen berühmt 
war [und der schon früh von einem selbständigen Gewerbe, 
den nXaxoovTonotdcQ, mftpaToupyoTg oder Tionavonotdtg fabrizirt 
wurde.] Daher erklären sich wohl auch die im^ojpta Büpxira 
bei Thucyd. I. 126. Den Gegenstand weiter zu verfolgen, 
ist kaum der Mühe werth; [vgl. Hase 's Kuchenplastik, Pa- 
läologus S. 161 ff. und Lobeck de Graecorum placen- 
tis sacris, Aglaophamus p. 1060 ff.] Athenaeos führt 
im dritten und vierzehnten Buche eine Menge Namen auf, die 
sich theils auf die Bereitung, theils auf die Form beziehen. 
Darunter mögen viele der römischen Zeit angehören. Die ge- 
wöhnlichste Form war wohl die runde, weshalb der Same der 
Malve (bei uns auch Käse) nXaxoog genannt wurde. Athen. 

II, p. 58: 0avtag 8h iv roTg (po-zixdiq ^ai, r^g ^{lipoo fia- 



334 Erster Ezcurs zur sechsten Sceae. 

^«j^jjC ^ anepjJLaTtxbe runog xaXsirae TtXaxoug ifi^epijs ojv aÖTw. 
Daher bei Aristoph. Acharn. 1125: n^axoovTog rupovojros 
xüxkos, und Matron a. a. 0.: ojg 8e \'8ov $av&bv fxeyav iy- 
xuxXov . . . ÖTtTÖv ineiaeXBovza 7:Xaxouvra x. r. L [Ueber die 
durch die religiöse Bestimmung vielfältig beeinflusste Form 
des Festgebäckes vgl. noch Schömann Griech. Alterth. 
B. II, S. 228. Ein naiver Brauch der Armen war es, Rinder, 
Schafe und Schweine aus Kuchenteig anstatt der wirklichen 
Thiere zu weihen, sowie man auch Früchte, z. B. Aepfel und 
Gurken zu demselben Zwecke mit hölzernen Füssen und Hör- 
nern versah. Poll. I. 30; Zenob. Prov. V. 5; Append. 
prov. III. 93. Hermann Gottesd. Alterth. §.25, n. 14.] 



ZWEITER EXCÜRS ZUR SECHSTEN SCENE. 



DIE SYMPOSIEN. 

Wie man in Bezug auf römische Sitte zwischen der eigent- 
lichen Mahlzeit, coena, und dem davon ganz unabhängigen, 
oft aber auf jene folgenden Trinkgelage, comissatio, unter- 
scheiden muss (Gallus 6. I, S. 199), so hat man auch das 
aofiTioaiov der Griechen oder den r.orog von dem deTimov ge- 
trennt zu betrachten. Es ist zwar das Gewöhnlichste, das 
man von dem SsTtivov, d. h. von dem Genüsse der Speisen, zu 
dem mrog übergeht, wie mehrere Beispiele im vorhergehenden 
Excurse nachweisen; allein immer ist es doch ein neuer Act, 
der uns Scenen ganz anderer Art, oft auch noch andere Per- 
sonen als die des ersteren vorführt. Speise und Trank werden 
bei dem griechischen Mahle nicht wechselsweise genossen; aus 
Allem geht hervor, dass man während des Essens keinen Wein 
trank, und das yeüfxa äxparou, das wir oben S. 324 als den 
Schluss der eigentlichen Mahlzeiten haben kennen lernen, heisst 
der erste Becher, Schol. Aristoph. Equit. 87: rc» Tzpätrov 
TioT^ptov dya^oü dac/xovog imvov, woher der Zusatz bei Sui- 
das s.v. dya^oü datfxovog entlehnt ist: äXXot oi faat ib npat- 
Tov noT^piov ouT(o XiyeaBai: vergl. Theophr. bei Athen. 
XV. p. 693. Zwar sagt letzterer III, p. 125: Sti 8' imvov 
.xat yhxuv olvov /xsTa^u ic&iovTeg, "AXs^eg ^mv iv Jpamcd]^' 



336 Zweiter Ezcurs 

ela^XSev ij ^raipa tpipouaa rdv yXuxäv 
iv Apyuptfi izoTTjpiui -Kerd^vm rivi x. t. L, 

allein das würde immer als Ausnahme gelten müssen, und ge- 
mischter Wein wenigstens wurde vor dem jederzeit üblichen 
Trankopfer nicht getrunken; vergl. Phil och. bei dems. II, 
p. 38: xa\ ^eafibv e&STo (A/i^ixtucuv) npoa^ipsad^ai /iSTä rä 
aTra äxparov fiovov oaov yeöaaffBac, SsTyfia r^s Suvdp.e<vs roo 
dyaBou &£ou^ ru 8k Xomov ^dr] x£xpap.i\>ov onoaov ixaaTog 
ßoOXerat. Das bestätigt auch Plutarch, die in seiner Zeit 
üblichen nponofxara verwerfend, Symp. VIII. 9. 3: fieya 8k 
xat rh TuJv xaXoojjdvüJV nponojidrojv ' oo8k yäp ü8(up ol Tta- 
Xacol nptv ivTpaysTv imvov. 

Diese Symposien nun, gewürzt durch mannichfaltige an- 
ziehende Gespräche, erheitert durch Musik, Tanz und andere 
Künste, durch Spiele und Scherze aller Art, bieten eine über- 
aus heitere Erscheinung dar, und diese Fröhlichkeit der Sitte 
und des Tons hat keinen geringen Antheil daran, dass die 
trefflichen Schilderungen solcher Gastmähler, die natürlich an- 
muthige Erzählung Xenophon's, deren lebensvolle Frische 
und Wahrheit uns mitten in die thatsächlichen Zustände der 
Gesellschaft seiner Zeit versetzt, die geist- und phantasiereiche 
Darstellung Plato's, die durch Inhalt und Form uns leicht 
vergessen macht, dass so tief durchdachte und nach sicherem 
Plane vielseitig das Wesen der Liebe erwägende Vorträge in 
sich selbst die Widerlegung einer Improvisation tragen, zu 
den anziehendsten Schriften gehören, welche die gesammte 
alte Literatur bietet. Es war der unglücklichste Gedanke, den 
Plutarch (wenn die Schrift ihm angehört) fassen konnte, 
diesen Meisterwerken jene langweilige Erbärmlichkeit spitz- 
findiger Disputationen der wahrhaft gemisshandelten sieben 
Weisen an die Seite zu stellen, die nur durch die Geschmack- 
losigkeit der Deipnosophiston dos Athen aoos übortroffen wer- 
den konnte, während letztere doch immer durch den Zweck 
des Grammatikers Entschuldigung findet. Den entschiedensten 



zur sechsten Scene. 387 

Gegensatz zu jenen Gemälden froher Gemüthlichkeit, jener bei 
neckendem Scherze und geistvollem Streite Alle friedlich um- 
schlingenden Eintracht, bietet Lucian's lapithisches Gast- 
mahl dar, das wohl, wie gewöhnlich, etwas carrikirt genannt 
werden mag, aber voll trefflicher satirisch-humoristischer Cha- 
rakterschilderung ist. — Für die Einzelheiten der Sitte und 
das Materielle gewinnen wir nun freilich durch jene Dar- 
stellungen wenig, und die Persönlichkeiten, welche uns dort 
vorgeführt werden, stehen so hoch, die geistige Kraft erscheint 
in diesem Vereine so potenzirt, dass wir, um eine Scene aus 
dem gewöhnlichen Leben uns vorzuhalten, den Maassstab be- 
deutend verjüngen müssen; aber im Allgemeinen bieten uns 
doch Xenophon's und Plato's Schilderungen eine Skizze zu 
diesem Gemälde, welche auch weniger bedeutende Figuren 
aufzunehmen geeignet ist. 

Der Name selbst giebt es, dass der Genuss des Bechers 
in geselligem Vereine der eigentliche Zweck der Symposien 
war; ein anderes Getränk aber als Wein, olvog dfLnsXevog, 
kannte neben dem Wasser der Grieche nicht. Zwar sollte 
nach Diodor. Sic. IV. 2 Dionysos selbst den Gerstentrank 
erfunden haben: eüpsTv 8' auruv xac zu ix rr^g xpSr^g xaza- 
axeoa^oiievov no/xa tu npoaayopsuofisvov /ikv bn' ivc'cjv C^Bog, 
oö noXu Sk Xscnofievov zrjg nepc röv olvov euioBiag (vgl. Eustath. 
ad Iliad. XI. 637, p. 871. 57; XXII. 283, p. 1270. 11, wo 
die Namen ßporog und mvov angeführt werden), und in Afrika 
{Acßoxög ohog, Strabo XVII. 1) namentlich bei den Aegyptern 
war dieses vermuthlich methartige Getränk gewöhnlich: He- 
rodot. IL 77, wo Bahr die übrigen Stellen beibringt. [Vgl 
jetzt meine Culturbild. B. II, S. 329 ff. und Hehn Cultur- 
pflanz. und Hausth. S. 123], wie in den palmenreichen 
Gegenden Asiens der Palmen wein (Herodot. I. 193. 194, wo 
es durch Eustath. ad Odyss. II, p. 1445. 44 offenbar ist, 
dass man zu lesen hat: ßtxoog (poivcxr^tou xarayouai ocvou 
TiXeoug); allein nirgends findet sich eine Andeutung, dass solche 

Charikles II. 22 



338 Zweiter Excurs 

Getränke in Griechenland einigen Eingang gefunden hätten, 
und der Keichthum, in welchem sich das edlere Gewächs vor- 
fand, machte ohnehin jedes Surrogat überflüssig. Daher ist 
der Wein für den Mann das allgemeine Getränk, und selbst 
Sklaven und Lohnarbeiter bekommen, freilich nur geringen 
oder auch wohl verdorbenen Wein zugetheilt. Demosth. adv. 
La er. §.32: to t& olvdpiov rö Kwov, dydo^xovra axdjxvoi 
i^eoTTjxorog oYvou, xa\ rb rdpi^og dvd^pajnu) nvt yeajpydi rca- 
psxofju^szo iv Tüj nXoiOj — roTg ipydracs zoTg nspl ttjv yeiup- 
yiav ^pi^a^at. Plutarch. Comp. Arist. c. Cat. 4: riislv dv 
kpydrcu ntvoom xa\ &£pd7:ovTss olvov. Die ausserordentliche 
Wohlfeilheit des Weins (S.Bö ckh Staatshaush. Th. I, S. 87. 
137) macht dieses erklärlich, und ihr mag auch grossentheils 
die Schuld beigemessen werden, dass man häufig und man 
kann sagen im Allgemeinen der Sache zu viel that. Schon 
die älteste Zeit betrachtete den Genuss des Weins als die vor- 
züglichste Quelle der Freude, und dieser Ansicht entsprechend 
liessen Musäos und Eumolpos die Tugendhaften im Hades den 
Lohn ihres Handelns in einem ewigen Rausche finden. Plato 
Republ. n, p. 363: Mouaacog 8k TOitrutv vsavtxwvspa Tdya&d 
xdl 6 ulbg ahzou napd ^ewv dtdöaat roTg Scxacocg- eig ^8ou 
yhp dyayovTsg toj Xvyip xai xaTaxXivavreg xai aop-noaiov ru)v 
bai(uv xaraaxeudaavTeg iaze^avwfidvoug rtoiouffc tov Sinaura 
Xpovov 7J8rj Scdyecv iie&oovrag, ^pjad/ievoi xdXharov dperijg 
p.taBüv fJiiS^rjv alwvtov. Die veavixiorepa dya&d weisen darauf 
hin, was allenthalben bestätigt wird, dass die Symposien im 
Kreise der jüngeren Leute am häufigsten waren; allein über- 
haupt scheint Nüchternheit und Massigkeit im Trünke nicht 
die erste Tugend, wenigstens der Athener, gewesen zu sein. 
Plato, welcher Leg. I, p. G37 die attische Sitte ernstlich 
gegen den Spartaner vortheidigt hat, erklärt VI, p. 776, dass 
an den Dionysien gestattet sein solle, sich zu betrinken: ni- 
vttv 8k elg fxi&tjv oure ä^o&t nou Trpinet Tzktjv iv ratg 
Tou rbv oTvov dövTog ^eou iopracg, out' da^aXeg. Hier 



zur sechsten Scene. 

diente freilich die Bedeutung des Festes selbst, an dem ja 
niemand nur Wasser trinken sollte (s. Sc. X, Anm. 1), zur 
Entschuldigung; allein auch die Symposien mochten gewöhn- 
lich mit Rausch endigen und deshalb eben waren sie in Sparta 
und Kreta untersagt. Min. p. 320: noXXwv yäp ovtojv dv&piu- 
nwv xai 'EXXijvmv xai ßapßdpwv ohx iartv oczevsg äne^ovrac 
au/XTToacwv xai zaÜT^g zrjg nacdiäSy ob iartv olvog, äXXot ij 
Kpyjreg xai Aaxsdacfiovioc. Gleichwohl wird bei Plutarch. 
Apophth. Lac. p. 208 eine Anekdote von Agesilaos als Sym- 
posiarchen erzählt. Vgl. Plutarch. Oleom. 13, Athen. X, 
p. 432. [Ferner das Zugeständniss von Pausanias und Aristo- 
phanes in Plut. Conviv. p. 176. Auch gehöret! hierher 
Aristoph. Vesp. 1253: 

xaxdv TÖ Tzivetv dnu yäp ol'vou ytyverat 
xai ß^u poxonrjaai xai Tzard^ai xai ßaXeiv, 
xänecT^ änoTivsiv äpyupiov ix xpantäArjg, 

mit den Beispielen bei Demosth. in Conon. und Lys. in 
Simon. Dennoch wurde durch die strenge Herrschaft der 
Sitte, welche den Besuch der Weinschenken jedem anständigen 
Manne verbot und die Trinkgelage auf die Zeit nach Sonnen- 
untergang beschränkte (vgl. den Tadel bei Demosth. in Co n. 
p. 1257: eruvov kxdarore ooroi rrjv ^pspav, inecorj rd^cara 
dpiarrjaeiav, uXrjv), dem Hange zur Trunksucht vorgebeugt und 
namentlich der Genuss des Weines mit heiterer Geselligkeit 
in Verbindung gebracht. Daher wird auch vom Manne meist 
gesagt, er sei ps^uarcxög, zum Rausche geneigt (Lobeck ad 
Prynich. p. 151), während die allein und heimlich dem Trünke 
fröhnende Frau pi^aog heisst. Und das weibliche Geschlecht 
scheint in seiner Vereinsamung oft genug diesem Fehler ver- 
fallen zu sein. Athenäos, der lib. X, von p. 440 an eine 
Menge belastender Stellen aus den Komikern bringt, sagt 
selbst: ozi ok (piXoivov rö rutv yovatxwv ysvog, xocvov, ebenso 
heisst es Anthol. Palat. IX, 298: äre Tiäaa yovrj xexparrjpivij 
otvü) und Aristoph. Eccl. 227: eu^ojpov ipmvoumv w<msp 

22» 



340 Zweiter Excurs 

xal npo ZOO. Vgl. Stephan! in Compte rendu pour 1869. 
S. 167. Für Milet und Massilia das Verbot Aelian. Var. 
Hist. II, 38: yuvacxae fiij S/xchlv oTvoj, d^X' udponoTsTv Tzäaav 
jvvatxujv ijXcxcav.] 

Was die Weine selbst anlangt, so sind wir über die ver- 
schiedenen Sorten, ihre Beschaffenheiten und Vorzüge weit 
weniger unterrichtet als über die italischen, und in keinem 
Falle waren sie in gleichem Grade Gegenstand der Fein- 
schmeckerei wie in Rom. Was Plato Republ. V, p. 475 
sagt: Toug <piXotvoog oh ra auzä raura noiouvrag l>pq.g; Ttdvra 
olvov int ndarjg TzpoipdaBiog dcma^opevoug ; beweist deutlich, 
dass als Trinker von Profession eben nur die galten, denen 
es überhaupt um das Trinken zu thun war. Man wählte wohl 
den Wein nach seinem Geschmacke und kaufte nach der Probe 
(Lucian. Hermot. 58; vgl. Eurip. Cycl. 149: yeüpa ttjv 
wv^v xah7)-^ nur unterschied man nicht so ängstlich die Ge- 
wächse nach den einzelnen Bergen oder Gegenden, die sie 
hervorbrachten. Daher werden uns aus früherer Zeit auch 
wenige Namen genannt und es genügt meistens die allgemeine 
Benennung ohog. Einige nennt Demosth. adv. Lacr. §.35: 
Ttäv yäp 8^ou roövavrtov elg rbv IIövtov ohog eladysrai ix 
Twv TÖnojv Tü)V nep} ^/xäg, ix risnap^^doo xal Küt xat Sdatog 
xal Mevdalog, und wenn man zu diesen die Weine von Chios, 
Lesbos, Naxos (nach Semos bei Step h. de urb. p. 168 Mein, 
gleichbedeutend mit H{ßXcvog^ vgl. GöttlingzuHesiod. epy. 
689) und den Ilpdpvcog hinzufügt, so ist die Zahl der be- 
rühmteren Sorten erschöpft, wenn sich auch aus Strabo XIV. 
1. 15 u. 47 und Athen. I, p. 28 ff. noch mehrere anführen 
Hessen. In vorzüglichem Werthe mochte der Chierwein sein; 
das lässt sich schon aus der Rechtfertigung des Demetrios, 
Enkels des Phalerensers, schliesson, der, von dem Aroopag 
seiner Lebensweise wegen zur Rechenschaft gezogen, dXXa xal 
vüv, elnev, iXtuBspltog Cu> ' xal yäp ira/pav i^to r^v xaXXtarrjv 
xal ddtxu) ou8iva xal nivoj Xcov ohov. Athen. IV, p. 167. 



zur sechsten Scene. 341 

Dagegen war der Pramnier (schon bei Homer gerühmt) in 
Athen als herbe, aha-zripöq^ nicht beliebt. Athen. I. p.30: oTto 
'Apiavo^dvrjQ ou^ ^8ea&ac 'ABrjvatoog (pr^ai liyo)V, tov 'A^rjvaiuiv 
Brjfxov oure -notrjTaig ^Ssff&at axhjpöcs xai dareiKpiaiv oure 
npajxvtoig axhjpdiQ oi\toiQ owayouat rag dippug t£ xai rriv 
xodtav, dXX' dv&oap.e^ xai neitovi vexTapooTayel. Der thasische 
wird von Aristophanes besonders häufig erwähnt und bil- 
dete einen bedeutenden Handelsartikel, dessen Ausfuhr sich 
bis an die Nordküsten des adriatischen [und schwarzen : Franz 
zum Corp. Inscr. Gr. Praefat. p. V ff.J Meeres erstreckte; 
vergl. Aristot. mir. auscult. 104 mit Osann im Philol. 
B. HI, S. 324 ff. und was dieser sonst theils in der C asseler 
Phil.-Versamml. 1843, S. 24 theils in Klotz Archiv B. 
XVHI, S. 533 ff. über griechische Weincultur beibringt; im 
AUg. aber Henderson History of ancient and modern 
wines, London 1824. 8, Hüllmann Handelsgesch. d. 
Griech. S. 16 und K. F. Hermann Griech. Privatalterth. 
§. 26, n. 3 ff. Italische Weine habe ich in früherer Zeit nicht 
genannt gefunden; so wahrscheinlich es ist, dass in der Blüthe- 
zeit der grossgriechischen und sicilischen Städte der Weinbau 
in dem trefflich dazu geeigneten Lande mit Sorgfalt betrieben 
und sein Product nach Griechenland hinüber eben so gut als 
der sicilische Käse und anderes geführt worden ist, so sagt 
Pollux VL 16 ausdrücklich: outm yap oi TiaXatoi tov Ira- 
XiojTTjv fjdeaav dxpißwg, iTrec oux iaziv ovzcva äv rourou r.pou- 
^saav. Erst Galenos bei Athen, p. 26 kennt die italischen 
Weine genau und giebt die einzelnen Eigenschaften an, und 
bei Lucian. Navig. 13 will der sich reich Träumende künftig 
nur olvov i$ Urakag auf seiner Tafel haben; vgl. auch Al- 
ciphr. fr. VL §. 9: olvog ^v oux im^ioptog, dXX' 'haXog, oToo 
i$ i^rjg xadiaxoog i$ 'EXeuacvoQ iajvr^aBat, <T^68pa rj8ug xac 
ä^&ovog. — Der Farbe nach theilte man die Weine in rothe, 
weisse und gelbe. Athen. I, p. 32: zwv oYvwv 6 p-kv Xtoxog, 
6 8k xt^pog, 6 8k fiiXag: vgl. Di ose or id. V. 8, Galen. XV. 



342 Zweiter Excurs 

195 und 621 ff. und Gallus B.III, S.306. Der rothe {}dXac:) 
sollte zuerst in Chios gebaut worden sein. Athen, p. 26: 
ßsÖTTOfiTzos 3e <py}Oc^ napä Xcocg Tipujzoig ysvda&ac rbv fxeXava 
olvov . . . 6 8k Xsoxbg ohog daBsvrjg xal XsnTog, 6 8k xt^pbg 
•nivtei ßaov $r]pavTcxbg wv. [Dem von Plin. Hist. Nat. XIV. 
9 genannten vier Farben: albus, fulvus, sanguineus, ruber 
entsprechen die bei Simeon. Seth. synt. p. 75 vorkommen- 
den Bezeichnungen: Xsuxog, xcßßög, ipu&pog, fxi^ag.] 

Man bewahrte die Weine nicht immer rein, sondern ver- 
schnitt oder mischte zuweilen den einen mit dem andern. 
Theophr. bei Athen, p. 32: idv Ttg xspdajj ax^r^puv xai 
eüoapLOV paXaxo) xai doapa) xa&dnsp rbv 'HpaxXewrr^v xal rbv 
'Epu&paTop^ roü pkv ttjv ixaXaxoTT^ra , roo 8k t^v ehoojxtav na- 
pe^oixivou. Plutarch. Symp. VI. 1. 2: al yap dXXocviai Xe- 
yop-evat rd^taza /le&uaxouatv ... 8eb (psOyooai rbv pepcyixsvov 
olvov Ol mvovreg, ol 8k ptyvOovrzg necputvTac Xav&dvecv. Den 
Zusatz von Meerwasser, den man später, wie es scheint, all- 
gemein den Weinen behufs der Versendung gab, erwähnt 
schon Theophr. caus. plant. VI. 7. 6: o ohog ozav &a- 
Xarziu^^: dann Plautus Rudens IL 7. 30: 

Quasi vinis graecis Neptunus nobis suffudit mare; 

ausdrücklicher jedoch erst die Schriftstoller der römischen Kai- 
serzeit: Dioscor. V. 27, Plinius N. Hist. XIV. 21, Plu- 
tarch. Quaost. nat. 10, Athen, p. 26 u. 32 u. A. Plu- 
tarch. Symp. V. 3. 1 gedenkt auch des Auspichens der Ge- 
isse und des Versetzens mit Harz, letzteres besonders in Be- 
zug auf EubÖa. Man that aber auch Honig hinzu. Theophr. 
bei Athen, p. 32: rbv iv tcD nporaveio) 8:odix£vov Baufiaarbv 
ehai 'z^v r^SovijV' r/prufisvog ydp iarcv i/xßdXXouai ydp etg rä 
xepdfJLca ardig {UXtrt <pupdaavreg^ luare rijv da/xi^v dn' omtoD, 
r^v 8k yXuxurrjra dm) roü arairbg Xapßdvscv rbv olvov. Vgl. 
Plutarch. Symp. I. 1. 4. [Doch ist der Gebrauch dos oivö- 
fuXt in Griechenland nicht so allgemein gewesen, wie der des 



zur sechsten Scene. 343 

mulsum in Rom. Ueber die noch heute übliche Anwendung 
von Harz, resina, und gebranntem Gyps: Wyse Excursion 
in the Pelo'ponnes, B. I, p. 142 ff. Um dem Weine einen 
würzigen Duft und Geschmack beizubringen, zog man ihn 
entweder von Blumen und Kräutern ab, oder versetzte ihn 
geradezu mit ätherischen Oelen und mit Essenzen. Auf Pro- 
dukte ersterer Art beziehen sich Stellen, wie Xenoph. Hellen. 
VI. 2. 6: £<paaav zohg arparnurag eis toüto rpoipffi i^&sTv 
uktt' oux i&eXstv mvsev, el fit] dv^oaiiiag e/jy. Aristo ph. 
ßan. 1150: dtovuas, mvecg ohov oöx ävßoafxiav. Plut. 807: 
ol 8' d/x^op^g oYvou jiiXavog dv^offfxiou. (Doch verstand man, 
wie aus Athen. I, p. 32 erhellt, unter oTvog dv^oap-iag auch 
überhaupt den mit gutem Bouquet versehenen Wein.) Diosco- 
rides nennt im fünften Buche eine Masse solcher Destillate: 
podiTTjg, ixoprivrjg, Idrov, d(pivBiTrjg, ^u/xeTT^c, dxopirrjg, asXe- 
virrjg, xoTiapiaaivog, rspixtvdcvog, xidptvog, ddfvivog u. a. Auf 
die zweite Sorte der Würzweine weisen hin: Theophr. de 
odor. 8: oi rä jxupa xepavvuvTsg ^ ro» oYvtp iTti^iovreg, 9: 
rä ujOTzep rjduvecv ßauMp-eva rr^v ysümv oTov wg ol rot fwpa 
ToTg otvocg im^dovTsg ^ rä dp(jjp.aza ipßdXXovzsg. Lucian. 
Nigrin. 31: piupa mvecv. Aelian. Var, Hist. XII. 31: rc 
ds, oux ixecva rolg ''EXhr^ai rpu^jg dnodstqig; p-öpo) ydp ohov 
lityvovreg ouzajg smvov xal uneprjydZovzo rrjv roiahrrjv xpäacv, 
xoX kxaXzTxo b ohog jiopiviTTjg. Athen. II, p. 66 : ozi slg ro 
nponop-a xal zaura ivsßdXXovzo^ ninept^ foXXtg^ ap.upva, xo- 
Ttetpov^ pLpov AcyuTTziov. Vergl. Dioscorid. V. 65 und 67. 
Dem fiupivczr^g gleich war auch die murrhina (potio), die schon 
Plaut. Pseudol. II. 4. 51 erwähnt und die Gell. Noct. 
Attic. X. 23 unter den potu dulcia aufführt, welche die 
Frauen liebten. Ueber den gleichen Stamm der Wörter pup- 
zog, popptvTj und popcvrj, pupov, poppa und apöpva vgl. Hehn 
Culturpfl. u. Haust h. S. 514.] — Endlich bereitete man 
auch, wie die Römer die sapa und das defrutum (Gallus B. 
III, S. 295), durch Einsieden ein ifprjpa oYvoo. Athen. I, 



344 Zweiter Excurs 

p. 31 : ä-nupov Ss eine (Alkman) zbv ou/ iil^r^ixevov • i/patvTo 
yäp i^BoTs oYvoiq . . . xac y^üitg d^ olvog xaXeTrai b rh i(f>rjfia 
i^iov. [Vergl. X, p. 429; Diod. Sic. III. 61; Marquardt 
Köm. Privatalt. II, S. 69.] 

Auch in Griechenland diente dem Weine sein Alter zur 
Empfehlung, wie schon aus den bekannten Worten Find ar 's 
Ol. IX. 52: al'vec de TiaXaiuv /xev olvov, ävd^ea 8' ufxviov veoize- 
p<ov^ hervorgeht. Eubul. bei Athen. I, p. 25: 

äronov di, röv fikv olvov eiidoxifxBtv äet 
Tzapä Tals kraipatg röv -rzakatöv, ävdpa de 
firj TÖv icaXacöv, äAXd zdv vetärepov. 

Alexis ebend. II, p. 36: 

olvov dk TÖV itakaiÖTarov CTtouddZopsv. 

Vgl. Plutarch. Non posse suav. 4. [Sympos. VII. 3. 4. 
Plaut. Gas. prol. 5: qui utuntur vino vetere, sapientes puto.] 
Ob indessen dabei an ein Alter zu denken ist, wie man es 
in Rom verlangte, ist zu bezweifeln. Ein sechszehnjähriger 
Wein gilt bei Athen. XIII, p. 584 schon für sehr alt: kni- 
dovTog 8e zivoq olvov iv (puxrrjpcdcoj pcxpbv xai elnovrog Sri 
exxacSexaeTrjs, ptxpog ye, ey?)y, ujg voaoorojv iTutv. Bei Lu- 
cian. Lexiph. 6 wird junger Wein, der noch nicht fertig 
ist, getrunken: olvog Se ^v oö yepiuv, dUä rujv dm) ßuparjg, 
TJdrj pev dyhuxyjg, äneTiTog S' ert. [Vgl. Theoer. Idyll. XIV. 
16: dvüj^a Sk liißXtvov aörocg suwdrj reropiuv ireajv a^sSbv 
ätg dnb Xavuj und VII. 147 : kTtrdeveg 8k rrtl^ujv dneXuezo xpa- 
zog dXt{<pap. Allgemein suchte man dem Wein, bevor er in 
die Keller kam, durch Wärme und Rauch eine grössere Reife 
beizubringen. Für Italien vergl. Gallus III, S. 303. In 
Arkadien räucherte man ebenfalls den Wein in Schläuchen: 
Aristot. Meteorol. IV. 10. 5. Von Kleinasien sagt Galen. 
XI, p. 663: nof)^ ij/itv ye xazä zijv Aaiav inl zoug xepdpoug 
zaJv olxiwv, 5zav i^xjj Hipoug wpa^ Xayrjvoug ix^eopevoc a^eSbu 
anavzeg imzldevzat, xai pezä zauza xa&atpouvzeg iv unepcpotg 



zur sechsten Scene. 845 

olxrjfxaac, ujv iv To7g xaruiyioig jxiXXec xau^aea&ae ^Xb$ noXXij^ 
xazarcBevTac, xal oXojq npog [leoT^iißpiav rs xai npog r^Xcov del 
arpifooai zag dno&^^xag, oJg jiiXXsi Bänrov auTotjg ixiretpa^ 
xal noTi'ixoug ipyd^ea&ac] 

Der Wein wurde entweder mit warmem oder mit kaltem 
Wasser vermischt getrunken. Die calda (Gallus B.III, S.312) 
ist den Römern nicht eigenthümlich und das Bepfiuv üowp wird 
mehrfach aus der rein griechischen Zeit erwähnt. Xenoph. 
Memor. III. 13. 3: äXXou 8' au Xdyovrog, ort Beppou eci^ nap* 
iauTÜ TO udujp, o m'voc x. r. X. Plato Republ. IV, p. 437: 
Scipa äpa ye Bspfioo noroü ^ (po^poo. Athen. VIII, p. 352: 
robg 8k 'Po8co(jg 6 aörbg Zrparovtxog (maraXuJvag xal {^epfio- 
norag &£0)p(JiJv e^r^ auroug },£uxoug ehat Kupi^vaioog. Endlich 
führt derselbe III, p. 121 — 123 den Beweis mit mehreren 
Stellen alter Schriftsteller. So sagt denn auch PlautusCurc. 
II. 3. 9: 

Tum isti Graeci palliati, capite operto qui ambulant, — 
Quos semper videas bibentes esse in thermopolio: 
Ubi quid surripuere, operto capitulo calidum bibunt. 

Vgl. Lucian. Asin. 7; Philostr. Vit. Apollon. III. 27. 
[Epictet. I. 13; Galen. X, p. 492.] Um das Wassesr warm 
zu erhalten, hatte man vermuthlich ein besonders dazu ein- 
gerichtetes Gefäss. Vgl. Gallus B. III, S. 313. Trank man 
aber den Wein mit kaltem Wasser, so verlangte man dieses 
auch recht frisch zu haben, und das Abkühlen durch Schnee 
war schon in früher Zeit üblich. Alexis bei Athen. III, 
p. 124: 

xai /tuva fiev Tziveiv napaffxeudZoixev. 

Dexikrates ebend.: et 8k psßOa) xal ^tövaTrtviu x.r.L Man 
suchte ihn namentlich im Sommer zu erlangen, Xenoph. Me- 
mor. II. 1. 30: oYvoug 8k noXoreXsTg TcapaaxzodOfj xal roü M- 
poog ^j^iova mpiMooaa ^rjTsTg^ und bewahrte ihn daher auch 
für diese Jahreszeit auf. Eine umständlichere Methode (Eis- 



346 Zweiter Excurs 

gruben) giebt Athenaeos an; aber es geschah auch nur, 
indem man ihn mit Spreu u. dergl. bedeckte. Plutarch. 
Symp. VI. 6. 1: xal yap ä^opoig anapyavoovTBg oottjv xal 
nspiazeXXovreg ipLariocg dyvdnrotg ine noXhv xpovov dtarrjpoüffc. 
Wie heut zu Tage in Neapel und anderwärts geschieht, so 
wurde er auch in Athen, wie es scheint, verkauft. Euthykles 
bei Athen, a. a. 0.: 

Ttp&Toq fikv sldsv, el ^c(üv iffz^ wvia. 

Vgl. Plutarch. de sanit. tuend. 6. Man kühlte nicht nur 
mit Schnee den Trank ab, indem man diesen hineinsetzte, 
wie denn auch von Plutarch. Symp. VI. 4. 1 die Vorzüge 
des im Schnee gekühlten abgesottenen Wassers gerühmt wer- 
den, sondern man that ihn auch unter den Wein selbst. [Für 
den ersten Zweck hatte man besondere Kühlgefässe, (puxrr^peg 
oder (puys7g (Athen. XI, p. 502 ff. Pia t. Symp. p. 214) und 
ßaoxdXtdsg (Athen. XI, p. 465 und Anthol. Pal. X. 49), 
welche irden waren und von Athenäos rerpdxoxXoi genannt 
werden, während jene kleineren Gefässe auf Dreifüssen oder 
Würfeln ruhten: Jahn Einleitung zur Vasensamml. K. 
Ludwigs p. XCVI und Guhl u. Koner Leb. d. Griech. 
u. Eöra. S. 174. BeiPlat. a.a.O. wird der etwas über zwei 
Liter haltende (puxr^p auch als Trinkgefäss benutzt (vergl. 
Athen. X, p. 431); man sieht also daraus, dass jedenfalls 
der ungemischte Wein darin gekühlt wurde. Wegen seiner 
Form vgl. Hesych. s. v. xdXa&og]. Auf das Hineinwerfen des 
Eises in den Wein bezieht sich der sarkastische Witz der Gna- 
thäna bei Athen. XIII, p. 580; vgl.B.I, S. 1G2 [und Calli Stra- 
tos bei Athen. III, p. 125: karuupsvug napd Tiai l^muve'dr^g 
6 nocrjTijg xpazfXiou xaZ/fiarog uipif., xal rutv otvo^uujv roTg äX- 
Xoig ptayovruiv elg rö nörov ^idvog x.r.X. Jacobs ad An- 
thol. Gr. VI, p. 35. 2GC. Simoon. Soth. synt. p. 122 und 
über Eisgetränke im AUg. Beckmann zur Gesch. d. Er- 
find. B. IV, 8. 161 flf.] Des Durchseihens, bei den Römern 



zur sechsten Scene. 347 

allgemein üblich, geschieht nur selten Erwähnung. AusEpi- 
lykos führt Athen. I, p. 28 an: XTog xal ßdaiog ^&r,fievoc : 
vgl. Poll. VI. 18: aaxxcag 8s 6 8ioXia[iivog xa\ aaxTog nap^ 
EÖTZöXcSe, und 19: Stoj de dirj&errat bXurcyjp xcä rpuyomoQ: 
auch X. 75 : xai b rpöyomog xal b adxxog iiii roo Tpoyomoo 
xaX b uharr/p^ und in weniger bestimmter Beziehung Aristoph . 
Plut. 1087. Es geschah vermuthlich durch Wolle. Ob sich 
darauf Plato Symp. p. 175: ujanep ro iv raTg xöXt^iv uScjp 
zö 8iä roo ipcou psov ix T^g nXrjpearipag eig r^v xevwTspav 
bezieht, ist eben so zweifelhaft als Aristoph. Vesp. 701 : xai 
toüt' Bp{(p croc svardZouaiv xarä ptxpbv dec: dagegen gehört 
entschieden hierher Pherekrates bei Athen. XI, p. 480: 

vuvi d' änovü^wv ttjv xuXtxa iög ifjtntetv, 

[K. F. Hermann hat bereits richtig zu dieser Stelle bemerkt, 
dass der ij^pög wohl ein metallener Durchschlag oder Trichter, 
XaXxijXaTog (Poll. X. 108) gewesen sein möchte. Es muss 
überhaupt scharf das Seihen durch ein Tuch, adxxog, von dem 
Durchlaufenlassen durch einen Trichter, rj&pug, oder uXiaryjp 
(dass auch rpuyotnog hierher gehört, ergiebt schon das oben 
erwähnte b adxxog in} tou Tpuyotnou) geschieden werden. Der 
adxxog, durch den der Wein an Qualität einbüsste (Horat. 
Sat. II. 4. 54; Plut. Symp. VI. 7), mag selten in Anwendung 
gekommen sein. Dagegen wird der rj&pog, welcher auf dem 
xparrjp lag (Poll. a. a. 0.: ^ßpög imxprjrrjpßiog), wegen der 
hefigen Beschaffenheit des Weines nie gefehlt haben, vgl. die 
sigeische Inschrift, Corp. Inscr. Gr. n. 8: xprj^pa 8s xcä 
UTTOxpr^rrjpcov xat ij&pbf ig npuravrjiov e8(uxev Huxssuacv.] Vgl. 
Gallus B. III, S. 304, Ussing de nomin. vasor. p. 77 [und 
Marquardt Rom. Privatalt. B. I, S. 344.] 

Der Wein wurde also, wie allgemein bekannt ist, durch- 
aus mit Wasser vermischt getrunken; ungemischt, äxparov, 
ihn zu trinken, gilt für Sitte der Barbaren (Plato Leg. I, 



348 Zweiter Excurs 

p. 637). Wie Athen. X, p. 429 und Aelian. V. Hist. IL 37 
berichten, hatte Zaleukos den Lokrern sogar ein Gesetz ge- 
geben, dass, wer ohne Vorschrift des Arztes ungemischten 
Wein tränke, mit dem Tode bestraft werden sollte; aber auch 
die griechische Sitte, so weit wir sie verfolgen können, heiligte 
den Gebrauch der Mischung allgemein, und sein Ursprung 
wird bis auf Amphiktyon zurückgeführt. Athen. II, p. 38: 
0d6^opoQ de (pT^ai^ ^Afx^cxTuova röv 'A&rjvacojv ßaadia /xa&övra 
■napa deovuauu zrjv zoö oivou xpäatv npivrov xepdaac. Eustath. 
ad Odyss. XVII. 205, p. 1815. 60 setzt hinzu: Uytiat owv 
'Afx^txTuwv ßaadehg 'ABrjvaiwv ßw/iuv dvaarr^aag diowau) xal 
irepov ß(up.ov dscfiaa^at raig Nup-^ais iyyvQ abrou (Athen. 
a. a. 0.) uTTOfxvrjfia, (paat^ ^i/isvog toTq ^pcu/xivotg xpdnscug 
oivou npog üScjp, ^v xazd zcvag phv MsM/xnoug npcurog i$eüp£, 
xad' krepoug 8e 6 prj&elg /ifi^txTÜojv. Diese frühe Gewohn- 
heit dauert bis in späte Zeit fort, und eine Abweichung davon 
wurde nicht nur für ein Zeichen von Unmässigkeit, sondern 
auch für höchst nachtheilig auf Körper und Geist wirkend 
gehalten. H e r o d o t. VI. 84 erzählt von Kleomenes : KXsondvsa 
dk Uyouac, ^xdvrwv töJv SxoHwv inl rauTa, Sp-cMetv a(pt. fxe- 
^6vojg' ojxdiovra 8k pdXXov roo ixv£U}isvou^ ptaBsTv r^v dxpTj- 
roTToacTjV nap' auTuiv ix toutou 8k pavr^vai fiiv vo/xtZouai Inap- 
T^rat. Und dieser Glaube scheint sehr allgemein gewesen zu 
sein. Mehr noch sagt Mnesitheos bei Athen. II, p. 36: 

idv <y' caou i'<T<f) npoeyiprj, ßaviav notet' 
iav <J' äxpaTovy napdXuaiv rStv amßdrtav. 

Diese heftige Wirkung nun wollte man eben durch Vermischung 
mit dem nüchternen Brunnen massigen, wie Plato Leg. VI, 
p. 773 schön sagt: paivopevog /ikv olvog kyxey^opivog Cs«, «o- 
Xa!iup£Vog 8k Imb v^ifovrog kripoi) Heoü xa?,^jv xotvwvcav Xa- 
ßuiv dyadbv nupa xal pirptov dnep^dl^erat, und nach ihm Plu- 
tarch. an seni resp. ger. 18: fxatvupevov i^ebv kripio ^eip 
VK^ovTi au)^pov(ZeaBat xoXaZöpevov. Vgl. de aud. poöt. 1: 



zur sechsten Scene. 349 

dipatpei yäp ^ xpäacg zoü ol'vou rb ßXdnrov oh aovavacpoooa 
rb ^pyjaip-ov, und Symp. III. 9. 2: Zri ds7 rbv &ebv rourov iv 
nXeioai /xerpocg vujx^uiv rc&aaaeoöfxevov xa\ Tcacdeuofisvov ^fie- 
pwTSpov notsTv xal ^povc/xatTspov . Der gemischte Wein heisst 
darum immer noch olvog, und wo vom Trinken die Rede ist, 
wird jederzeit xexpap.svog verstanden, wenn nicht ausdrücklich 
äxparoQ genannt wird. Plutarch. Conjug. praec. 20: rb 
xpä/ia xakoi udaTog pere^ov nXetovos olvov xaXoupev. 

Das Mischverhältniss war wohl sehr verschieden, je nach- 
dem die Trinker mehr oder weniger nüchterne Leute waren. 
Plutarch. de Pyth. or. 23: 6 p^v yäp ohog, wg eXzys Xat- 
pijpwv, ToTg xpönoig xepdvvorai tu>v mvuvTU)V. Aelteren Leuten 
gesteht derselbe eine imxamg xpdaeujg zu, Symp. V. 4. 2, 
wo er über das homerische Züjporepov xspatps sprechend meint, 
es sei mit Rücksicht auf Phönix und Odysseus geschehen: 
TTpeaßuzdpoug ovrag etdujg ou^ udapeT ^acpovvag dkX^ dxpa- 
Toripu), xaMmp ol äXXoi yipovveg, imreTvai xeXsüsi ttjv xpa- 
aiv. Sonderbar ist die Bemerkung, welche Aristot. Probl. 
III. 3 gemacht haben will: 8iä xi päXXov xpamaXwacv ol dxpa- 
Tsarepov rctvovzeg ^ ol 5X(ug äxpaxov. — In Sparta nannte man 
solches dxpariarspov mvetv nach Herodot. VI. 84 und Cha- 
mael. bei Athen. X, p. 427 kmaxo^cZsiv. Von den üblich- 
sten Mischverhältnissen ist schon im Gallus B. I, S. 202 ff. 
gesprochen worden, und ich finde nichts Wesentliches hinzu- 
zufügen. Man nahm jederzeit mehr Theile Wasser als Wein, 
und selbst die Mischung zu gleichen Theilen, Yaov Xato, wird 
als schwer berauschend verworfen (z. B. Aristoph. Plut. 
H33; Athen. X, p. 426). Nach dem, was von Athenaeos 
(a.a.O.), Plutarch (Symp. III. 9) und Eustathios (zu 
Odyss. IX. 209, p. 1624) angeführt wird, verhielt in den 
meisten Fällen sich das Wasser zum Weine wie 3 : 1 oder 
2 : 1 oder 3 : 2. Die erste Mischung, welche Hesiodos ipy. 
596 empfiehlt, galt den meisten für udapr/g, und man nannte 
das 2i\xch vfohl ßarpd^o ig oivo^oeTv, Pherekrates bei Athen. 



350 Zweiter Excura 

X, p. 430; vergl. Zenob. IL 78. Indessen hatte man Weine, 
welche kräftig genug waren, um auch eine solche Verdünnung 
zu vertragen. Po 11. VI. 18: knfjvom de ocvov zbv rpca (pi- 
povza^ TOüTsarc rb rpmXouv too oSarog. Solcher Wein wird 
von Aristoph. Plut. 853 noh^öpog genannt; s. d. Schol. 
und Hesych. «/>' oYaet. xpia mit Meineke Fragm. Comic. 
IL 1, p. 117 f. Das Gegentheil davon ist auröxpag. Poll. 
VI. 24: xa\ auröxpag b pr^8ep.iäg npoa&ijxrjg dsofievog. Vgl. 
noch Plutarch. adv. Stoic. 37 und bei Proclus in He- 
siod. 1. c. 

Die Mischung geschah nach alter Sitte in einem grösseren 
Gefässe, das eben davon xpadjp hiess. Daraus wurde dann 
den Trinkern der Wein in die Becher zugetheilt. Procl. zu 
Hesiod. epy. 744: 6 fxkv yäp xparrjp npauxeczo xocvbg iv 
Tocg Tpand^acg ' ix 8k T^g oivo^or^g dpuö/xevoc emvov oc auvdsc- 
mouvzeg. Mit Göttling's Erklärung der hesiodischen Worte: 
ixyjdinoz' olvo^örjV zc&e/xev xprjzrjpog ünep&ev mvuuzojv: olvo^oy^ 
denotat vas vini non mixti cum aqua, crater vero est vas vini 
aqua temperati, so dass die Vorschrift gegeben werde, man 
solle nicht den ungemischten Wein dem gemischten vorziehen 
(bnepzSevai), kann ich mich nicht einverstanden erklären. Die 
ohoy^oti wird überall als Schöpfgefäss genannt. Poll. VI. 19: 
Zz<^ [xh ouv b dlvog dpuezac, dpuazijp . . . olvo/orj, xua&og. 
X. 75 : w 8e7 dpüeadat zbv ohov, iaziv dpoaz^p xat dpöazc^og 
xa\ xüa&og xal olvo^orj xal olvijpvatg xac i^Tjßog xa} Xenaazrj. 
Ohne in des Dichters Worten einen tieferen Sinn zu suchen, 
finde ich es durchaus nicht auffallend, dass unter so vielen 
dem Boden des Aberglaubens erwachsenen Regeln auch das 
als Unglück bedeutend betrachtet wurde, wenn jemand das 
Schöpfgefäss über den Krater legte, gleich als bedürften die 
Gäste beider nicht mehr, und riMfiev ÜTtsp&ev, nicht unepzt- 
MfiEv, will doch wohl nur eigentlich verstanden sein. — Die 
Form des xbaOog zeigt ein Vasengemäldo bei Win ekel m. 
Monum. ined. 200; allein die oIvoxöt^ war kein Gefäss dieser 



zur sechsten Scene. 851 

Art, sondern hatte die Form einer Kanne, wie man sie häufig 
auf Denkmälern sieht, Athen. XI, p. 495; vergl. Panofka 
Recherches pl. V. 101, Gerhard ultime ricerche n. 33, 
[Jahn Vasensamml. K. Ludwigs, Taf. I u. 11; Guhl. u. 
Koner Fig. 196, N. 26—31 und Fig. 197; xüa&os: Fig. 196, 
N. 10, 13 u. 14.] Auch Krateren finden wir in verschiedenen 
Darstellungen theils bacchischer Scenen, theils blosser Sym- 
posien; z.B. Stuart Antiqu. of Athens 1. 1, eh. IV, pl. 11. 
II, eh. III, p. 23 Vign. III, eh. XI, p. 62 Vign. und auf dem vor- 
trefflichen und vor allen interessanten Vasengemälde im Mus. 
Borb.t.V, t. 51 [Dubois Maisonneuve Introd. ä l'etude 
des vases ant. PI. VII. Panofka Cabin. Pourtales. PI. 
XXXIV, 2. Guhl und Koner Fig. 195, a; 196, N. 24; 197]; 
und dass die Sitte, den Wein im Ganzen zu mischen, bis in 
spätere Zeit fortdauerte, dafür genügt eine Stelle aus Theophr. 
Char. 13, wo als Charakterzug eines Tiepcspyog angegeben 
wird: xal nXeeat 8e inavayxdaat rbv nauda xepdaat ^ oaa Su- 
vavTat ol TiapövTeg ixmeTv. Allein immer geschah es nicht, 
und es wurde auch das angenommene Maass Wasser und 
Wein gleich in die Becher gegossen, in früherer Zeit an- 
geblich so, dass man zuerst das Wasser und dann den Wein 
hinzugoss. Xenophanes bei Athen. XI, p. 782: 

odde xev iv xoAixt nporepov xepdatte rtg otvov 
iy^iag, äXX* üdtop xai xa^unep^e fii^u. 

Theophr. ebend. : kns). xai rd nepl t^v xpäaiv ivavrtaig si^e 
rb TzaXatov tüj vuv nap' "EXXrjotv undp^ovrc oh yäp rb udojp 
ine zbv olvov ins^sov, dXX' in} to uoojp rbv olvov. Daher 
sagt Athenaeos selbst: e&oq 5' ^v npörspov iv rw norrjpt(p 
uSojp ipßdUeoBac, p£&' o rbv olvov. [Vgl. Cobet in Mne- 
mosyne VII. 2, p. 141.] Die Mischung im Krater wurde je 
nach der Trinklust der Gäste natürlich mehrmals wiederholt. 
Darauf bezieht es sich, wenn Eubul. bei Athen. II, p. 36 
den Dionysos sprechen lässt: 



352 Zweiter Excurs 

Tpeig jräp ßövoug xparfjpaq iyxspavvuu} 

rdlq eö (ppovoüaf tov pkv bytsiaq eva, 

8v Tzpüirov ixnivouat' tov ds deuTspov 

ipwTog ijdov^g re* tov rpizov iJ' Üttvou, 

8v ixntövTeg ol ffo^ol xsxkrjßivot 

oXxads ßadi^oua^ ■ 6 dk riTaproq oux I't« 

■i)[iizsp6q i<TT\ äXX^ üßpeoq' ö 8k nsßnroq ßo^q- 

exToq dk xdtfiüjv " ißdoßoq 3^ ÖTZwniwv " 

6 d' oydooq xXrjTTjpoq- 6 5' Uvaroq -(oXijq- 

öixaToq dk ßaviaq, wirre xal ßdkkstv izoiei. 

Es ist wohl dasselbe gemeint, wenn Panyasis ebend. t^v 
}jikv npojXTjV TToffcv Xdpiatv, '^Ipaig xa\ äcovoao)^ itjv dsoripav 
'A^poScTTj xal ndXcv Atowaip^ '^l.^ßpzi 8k xal "At^ Tfjv rpt-cr^v zu- 
theilt. Vgl. Diog. Laert. I. 103. — Der Wein wurde ver- 
muthlich gleich aus dem Gefässe, in dem er aufbewahrt wor- 
den war, in den Krater gegossen, und das Wasser stand in 
Hydrien dabei. Praxagora bei Aristoph. Eccl. 677, als sie 
das allgemeine Männermahl in den Dikasterien veranstalten 
will, antwortet auf die Frage: rb 8e ßrjjxa ri aoi ^pijaiiiov 
Sarai; — rovg xparfjpag xaza^ijaio xal rag udpcag. 

Zur Leitung des Symposion, bei Plato Leg. I, p. 641 
TiatdaycuyeTv aofxnumov, wurde gewöhnlich ein Vorsteher, äp- 
^ojv T^ff nuaeiug, au/inoffeap^og oder ßaatAsug, auch irnffraß/xog 
(Plutarch. Symp. L 1) erwählt, dessen Verfügungen sich 
die Gesellschaft zu unterwerfen hatte. Die Wahl mag ge- 
wöhnlich durch den Wurf der Astragalen oder Knöchel be- 
stimmt worden sein (vgl. ausser Lucian. Saturn. 4; Plaut. 
Stich. V, 4, 20; Pers. V, 1, 18 auchGallus P. I, S. 200); 
aber bei Plato wirft sich Alkibiades selbst zum Symposiarchen 
auf. Symp. p. 213: äp/ovra ouv üficv alpoo/xat T^g noaea/g^ 
itug &v u/ieTg txavujg nfrjze, i}iaoT6v. Eben so Plutarch. L 
4, wo es zugleich bemorkensworth ist, dass er die Sympo- 
siarchie ein ibog ixXec^Hv navrdnaat nennt, das er wieder- 
herzustellen aufgefordert worden sei. Dieselbe hatte einen 



zur sechsten Scene. 353 

bedeutenden Einfluss auf den ganzen Gang des Symposion, 
und darum verlangt Plato in den Gesetzen viy^öwrd re xal 
aofov äpxovTa jxeboovTwv, eine von jenen Vorschriften, welche 
Aristot. de republ. IL 12, p. 1274 b Bekk. wohl mit einer 
gewissen spöttischen Geringschätzung unter den Eigenthüm- 
lichkeiten jener hervorhebt. Die hauptsächlichste Bestimmung, 
die von dem Symposiarchen abhing, war das Verhältniss der 
Mischung und die Zahl der Becher, die ein jeder trinken 
sollte; allein auch sonst konnte er den Einzelnen allerhand 
befehlen, Strafen auferlegen u. s. w. [Es sind dies die leges 
insanae bei Horat. Satir. II. 6. 69. Vgl. Cic. Verrin. V. 
11 : diligenter legibus, quae in poculis ponebantur, obtempera- 
bat.] Am Ausführlichsten spricht davon Lucian. Saturn. 4: 
IVf xai ßaatXia fiovov i<p^ ändvrojv ^evsaßac t^ äarpayuXü} 
xparfjaavra, utg jxfjTS imra^&cii^s yeXoTa imTay/xaTa xal aoTÖg 
intraTTSiv i^ois, T<p }ikv ata^pov rc izspl auroZ dvaßo^ffat, reu 
dk yufxvbv dp^ijcraad^ai xai dpdfxsvov TijV auXr^rpida rpig ttjv 
olxc'av nsptsX&ztv. Dergleichen zuweilen nicht sehr geistreiche 
Scherze gingen indessen oft auch von der ganzen Gesellschaft 
oder Einzelnen aus, und wer nicht thun wollte oder konnte, 
was von ihm verlangt wurde, erhielt eine Strafe zuerkannt. 
Plutarch. Symp. I. 4. 3: TipocrcdrTovzas aSetv (psUoTg ^ 
xzsvt^ea^ac (paXaxpoiq ^ daxiu?.cd^eiv ^iuXoTg- warnp Hyarr^- 
ffTopi TU) 'Axadi^fiacxü) Xenzbv s^ovrc xal xaze^&cvrjxbg zö axi- 
Xog smjpsdZovzeg ol ^opnozai ndvzag kxiXeuaav km. zoü 8£$iou 
nodbg iazwzag ixmsTv zb nozrjpiov iy ^rjpLtav xazaßaXetv zoo 
8s Tipoazdaasiv neptsXMvzog elg auzbv ixsXsuas izdvzag otjzatg 
nisTv üjg &v auzbv Ydcuac, xal xepap.iou xevou xofiiff&svzog elg 
zoüzo zbv dff&sv^ noda xaBslg i^sma zb nozrjpiov, ol o' äXXoc 
ndvzeg, oog i^acvBzo mipojpLSvoig dduvazov, dniztaav zrjv C"}- 
{jLiav. Dieselbe Sitte, nach welcher alle aus der Gesellschaft 
nach der Reihe den anderen Aufgaben machen, findet sich 
nur mit besserer Anwendung auch bei Plato Symp. p. 214: 
ab 8' e7:£i8ij oux aiprjxag xal ixnsTtwxag, Stxaiog st scnecv 

Charikles II. 90 



354 Zweiter Excurs 

ehtüDV 8* incTa^ai 2,(uxpdr£i 3,Tt äv ßoOhj, xcu toutov tw im 
8£$tä xal ouTcu tous äXXoog. 

Wo man einen Symposiarchen gewählt hatte, da stand 
unter ihm, auch im fremden Hause, natürlich die mit Krater 
und Kyathos beschäftigte Dienerschaft, olvo^oot und oivrjpo\ 
&£pd7tovT£5, gewöhnlich junge Sklaven; wo es keinen gab, 
forderten die Gäste zwanglos von diesen, was sie trinken woll- 
ten. Bei Xenoph. Symp. 2. 26 sagt Sokrates: ^v 8k ^fic\ 
ot 7iciu8£g /jLcxpdcs xuXc^c nuxvä iTtul^exa^iomv . . . npog zb nai- 
YVc<u8saT£pov dft^ops&a. Der Parasit setzt hinzu: ws XPl 
rohg olvo^ooug fXifX£7(Tßac roug dya&oug apfjLarrjXdTag ^arroi 
7:£pi£Xa()vovTag rag xohxag' oi pkv 8ij oho^oot otjTcog inocouv 
Die vorzüglichste Geschicklichkeit der olvo^ooc bestand in den 
Darreichen der Kylix oder überhaupt des Triukgeschirrs, unc 
Ganymed muss nach Lucian. Deor. dial. IV. 5 im Olymj 
erst das 6piy£iv töv axu^ov lernen. Es kann wohl kann 
Xenophon's Ernst sein, diesen zierlichen Anstand nur dei 
persischen Mundschenken zusprechen zu wollen. Cyrop. I 
3. 8: Ol 8k raiv ßaacXiwv toÖtüjv olvo^ooi xofX<pwg t£ olvo 
•^odom xaX xabapiiog iy-^douffc xa} 8eS6aac ToTg rpiai 8axTÜXoci 
«J^oyvreff t^v <pidXrjv xai npoafipooaiv. Pol lux VI. 95 stell 
es als allgemeine Regel auf: oi 8k olvo^ooc rä kxTuoixara ix- 
TiXuvovTUJV T£ xal 8caviT:T6v7(uv xal xXuCovtcüv xai xa&aipuVTuiv 
xal Tag fidXag iixl rutv 8axTu}.u}V äxpojv k^izwaav npoafi 
povT£g Tocg aofiTToTacg £bXaßwg: und so heisst es auch voi 
Theagenes bei Heliod. Aethiop. VII. 27: xal dpa izpoai 
tptpt zji ^Apadxji npooT^vkg x£paadp£vog £upui^p6v re rc xa 
äxpocg ToTg 8axTuXotg ino^üJv n^v ^icc^jyv. [In dieser Stellung 
war aach der Satyr des Praxiteles gebildet nach Pausan. I 
20. 1: naxg, xal SiSiuat ixnujpa. Vgl. Athen. XVII, p. 603 
ßpa8iu)g to{vuv xal npoa^epd poi xal d'nö<p£p£ z^m xöhxa. An 
häufigsten kam es aber vor, dass der junge Mundschenk aui 
dem xpazijp mit der olvo^orj schöpfte und nach Sitte der ho- 
merischen Zeit (Odyss. IX. 10; XX. 252) herumging und di( 



zur seebaten Scene. 355 

Trinkschalen füllte: Athen. II, p. 39; X, p.423. Vgl. Win- 
kelmann Oper. tav. CLXXII ein xua&eZ(ov nach Plut. de 
nobil. 20.] Dass man auch yuvatxas obo^uoog gehabt habe, 
ist wohl ein Irrthum, zu dem Eustath. zu Odyss. I, 146, 
p. 1402. 41 durch Athen. X, p. 425 oder XIII, p. 576 ver- 
leitet worden ist. Das einzelne dort erwähnte Beispiel am 
Hofe des Ptolemäos Philadelphos kann nichts für den Brauch 
beweisen, höchstens mochten zuweilen Hetären das Geschäft 
verrichten. [Auch K. F. Hermann hat den Brauch am Hofe 
zu Alexandria als orientalisch bezeichnet und dazu Ko hei et U. 
8 verglichen. Doch findet sich bei Micali l'Italia avanti 
il dominio deißomani pl. 107 ein Basrelief, auf dem eine 
Dienerin aus dem Kruge die Schalen der auf zwei Klinen ge- 
lagerten Paare füllt, während drei Mädchen dazu auf der Flöte, 
Lyra und Syrinx concertiren. Uebrigens versahen bei man- 
chen öffentlichen Festen das Amt der Mundschenken Jünglinge 
aus den besten Familien: Athen. X, p. 424 und 425.] 

Ehe man zum Trinken schritt, vereinigte man sich wohl 
gewöhnlich über die Weise, in welcher das Symposion ge- 
halten werden sollte, den rpoTtog t^? noasojs. Pausanias, der 
mit Anderen der Gesellschaft sich noch vom gestrigen Schmause 
her übel befindet, fragt bei Plato Symp. p. 176: rcva Tpo- 
•nov fjdtara mofxs&a; iyoj fikv ouv Xiyoj ufjuv, Srt r& ovri izdvo 
j^a^enäjg e^u) imh roo ^&ks noroo xal ddofiac dva^u^^g Tcvoe, 
olfiat 8k xal y/zcDv roug izoXXoüg ' napyjare yap -(^ss ' oxomcaBe 
ouv, Ttvc rponaj &v wg pcfora mvoifiev. Man kommt überein, 
p^ Scdi. pi^TjQ nocecv rijv iv rw rrapovrc auvouacav, d^Xä oorta 
mvovras nphg vj^ovijv, und mvecv oaov äv ixaarog ßoüXr^rac, 
indvayxeg 8e pr^dkv ecvac. Schon daraus sieht man, dass es 
gewöhnlich nicht in eines jeden Willen stand, wie viel er 
trinken wollte, sondern dass er durch die Bestimmungen des 
Symposiarchen, durch Zutrinken oder als Strafe (s. d. folg. 
Excurs) zum Trünke genöthigt werden konnte, ttcvscv nphg 
ßi'av, ävayxd^ea&at^ wie das lateinische cogi, Gallus B. I, 

23» 



356 Zweiter Excurs 

S. 203; vgl. Plaut. Rud. II. 3. 33: dvayxatü) datum quo 
biberet. Sonst wird im Allgemeinen als griechische, namenl 
lieh attische Sitte angegeben, dass man aus kleinen Becher 
trank oder wenigstens damit den Anfang machte. Alexis b( 
Athen. X, p. 431: 

— toüt' I'öi?', dpaq, 'EAXijvixös 
mtoq, ßeTpiotm ^ptoßivooq Tzorrjpioiq 
kaXsiv ri xal Xrjpstv npbq abrouq ijdicaq. 
TÖ fikv yäp ezepov kourpov iartv, ob nöroq, 
(puxzrjpt Ttlvstv xal xddoiq' ^dvaroq ßkv oZv. 

Gewöhnlich ging man indessen später zu den grösseren Becher 
über, und darum heisst es von Anacharsis bei Diog. Laer 
I. 103: xai &ao/xd^£cv ^rj(Tc\ najg "EXXr^veg dp^u/isvoi /xkv i 
ixtxpöig Titvoom, nXrjaMvTsg 8k iv {xsydXocg. [Vgl. Herraan 
Privatalt. §.28, n. 25 ff.] Diese grösseren Gefässe möge 
zuweilen eine bedeutende Quantität gefasst haben. So kla§ 
jemand in einem Stücke des Alexis bei Athen, p. 431: 

od aoßTzoaiap'^nq ^v ydp, älXä dijijuoq 
6 Xaipiaq, xudßöuq Tzponiviuv el'xoatv. 

Zwanzig xoa^ot sind ziemlich ^/n eines j^owf, also ungefäl] 
'/to Liter. Allein das ist noch unbedeutend gegen das, wji 
von Alkibiades und Sokrates erzählt wird. Plato Symi 
p. 213: dXXä <pzpiz(o 'Ayd&iuv ec rc iartv exncvfia [xiya, jxa/ 
Xov 8k ou8kv 8er dXXä <pipt, Ttac, ^dvac, rbv (puxr^pa ixsTvo] 
ISovra auTov TiXdov ^ dxzuj xrnvXag ^ojpouvza' toTjtov ifXTrXrj 
ffdfxevov npiüTov pkv ainov ixnceJu, sha nu ^loxpdzei xeXsust 
iy^Eiv xal ä/xa eineTv J/pog fxkv l'ojxpdTTj, lo ävSpeg, t() aö 
<ptoHri fiot ou8ev * bnoaov yhp &v xeXeöar) rtg, Toaouzov ixmu) 
oö8kv /mXXnv iirjnnze psßtxrl^^' zov {ikv ouv ^(uxpdrrj iy^dm 
Tog ZOO 7:ac8og mveev. Acht Kotylon oder ^/^ des x^ug sin 
etwas Ober 2 Liter. Was soll man aber erst dazu sagen, das 
nach der Erzählung dos Kphippos bei Athen. X, p. 43 
Alexander dem Proteas ein Gefdss, das 2 Chüs (6Va Liter 



zur sechsten Bcene. 357 

fasste, zutrank und dass letzterer es zum zweiten Male wieder- 
holte, was Alexander nicht vermochte! Solche Geschirre konnte 
mau allerdings XouTpd oder (fpiaxa nennen. Eustath. ad 
Iliad. XXIII. 92, p. 1289. 20. Dabei wurde überdies noch 
erfordert, dass man nicht absetzte, sondern in einem Zuge 
trank, dnveuarl oder dfiuarl mveiv, dfiuoTi^ecv. Plutarch. 
Symp. III. 3. Alexis bei Athen. X, p. 431. Lucian. 
Lexiph. 8; vgl. Suidas s. v. d}xu(ni, Schol. z. Aristoph. 
Acharn. 1229 und Plin. Hist. N. XIV. 28. — Uebrigens 
war natürlich die Sitte nicht allenthalben dieselbe. Athen. 
XI, p. 463 sagt: ütc zponot scai iiöaewv xard noXete iScoe, atg 
KpiTcag naptaTTjOiv iv rfj Aaxedacpovtiov noXiTet^ 8tä toutcdv 
6 fikv XTos xat Sdaiog ix fie-jrdXwv xuXcxutv intds^ca, 6 8' 
^Arrixbg ix pLcxpwv imds^ca, 6 Se BeTuaXixog ix7tu>p.aTa npo- 
mvec oxü) dv ßoOXejvrai iizydXa. 

Dieses imdi^ta oder eigentlich im 8e$id (Lob eck z. 
Phryn. p. 259) wurde nicht nur beim Zutrinken, sondern bei 
Allem, was im Kreise der Gäste von den Einzelnen nach der 
Eeihe gethan wurde, sorgfältig beobachtet. So bei Plato 
Eepubl. IV, p. 420: im Se$id Siamvscv: Symp. p. 214: int 
Se$tä Xuyov etneTv und imrd^at tö» im 8£$id: p. 223: incuvecv 
und mveiv im Se^td: [Hermann Privatalt. §. 27, n. 11.] 
Auf eigene Weise geschieht dieses -neptdyeiv t^v xöXixa bei 
Heliodor. Aethiop. III. 11: inei 8s Tag xüXtxag iSec ne- 
ptaysaBac, Tipoimvsv b Osayevtjg xai äxojv kxdaro) ^tXorrjaiav 
wg 8s stg ifxs TTspc^XBsv, s^ut ttjv ^dofpövrjatv shovrog x. r. X. 
und eben so heisst es bei Lucian. G all. 12: iv toutw ovra 
fjLS xat (piXoTT^aiag Tzpomvovra iv -(puadcg (pidXatg sxdazü) rtöv 
TzapövTCDv. Hier trinkt also der Einzelne jedem aus der Ge- 
sellschaft besonders zu. Aehnlich sagt Alciphr. epist. HI. 
55: TTjg (ftXoxr^aiag aovs^wg nspiaoßoup.ivTjg : vgl. Poll. VI. 
30: rhg xoXcxag iv xOxXü) nsptsXauvstv. Ob er richtig <mov- 
8ap^eTv durch npom'vecv <piXoTiiaiag erkläre, möchte man be- 
zweifeln. — Das r.ponivsiv (ptXovr^aiag gleicht ganz unseren 



358 Zweiter Excurs /■ 

Toasten oder Gesundheiten. Athen. XI, p. 498: nhjpoovTzg 
yäp npoemvov dXXijXois /astä npoaayopeöaeuis [und Kri- 
tias bei Athen. X, p. 432: 

xai TzpoTZÖoeii dpiyeiv intde^ia xal Ttpöxaketa^at 
i^ovofiaxk-fjdjjVy u> Ttpometv i^eXet. 

Vgl. Panofka in Gerhard's Hyberb.-röm. Stud. S. 318ff.] 
Was man ungefähr dabei sagen mochte, lässt sich aus obiger 
Stelle Heliodor's schliessen. Vergl. Welcker. ad Theogn. 
p. 100. Natürlich war dieses Zutrinken eine Hauptveranlassung 
zu unmässigem Genüsse des Weines, und deshalb verwarfen 
es auch die Spartaner gänzlich. Athen. X, a. a. 0. [Das 
nponcvstv war es auch vorzüglich, was die Kömer Graeco more 
bibere nannten: Cic. Tuscul. I. 40. Verrin. I. 26 und 
dazu Ps.-Ascon. Plaut. Curcul. IL 3. 81. Dem incds^cd 
entspricht a summo: Plaut. Asin. V. 41.] 

Die Unterhaltung war mannichfaltiger Art und die Un- 
gezwungenheit des Tons, die dem Griechen und namentlich 
dem Athener eigenthümliche Heiterkeit, jene glückliche Laune, 
die immer zu Scherz und treffendem Witze bereit ist, sie sind 
es eben, welche diesen Symposien so ungemeinen Reiz ver- 
leihen. In den seltensten Fällen mögen freilich so geistreiche 
Gespräche, wie P lato und Xenophon sie führen lassen, jede 
andere Art der Unterhaltung entbehrlich gemacht haben, ja, 
es mochten wohl manche der Ansicht sein, dass alle philo- 
sophischen Gespräche aus dem Kreise fröhlich Trinkender zu 
verbannen seien, wie Plutarch. Symp. I. 1. 1 es ausdrückt: 
p^ 8e7v uxmep olxo8ianotvav iv oivip ipMyysa^ai (pdoao^iav: 
allein wo man auch zu Spielen und anderem Zeitvertreibe 
seine Zuliucht nahm, war es doch immer der eigene Geist, 
der selbstthätig die Unterhaltung schuf, und niemals sank 
man zu einer Passivität herab wie in Kom, wo die verschie- 
denartigsten dxpodpara und f^edpaTa, Vorlesungen und viel- 
stimmige Concerte, Gladiatorenkämpfe und Mimen die Pausen 



zur sechsten Bcene. 359 

der Coena ausfüllen mussten und die Geschmacklosigkeit so 
weit gehen konnte, dass sogar Plato 's Gespräche dramatisch 
aufgeführt wurden, Plutarch. Symp. VII. 8. 1; oder zu faden 
Belustigungen, wie sie Demosthenes, wenn auch vielleicht 
übertreibend, doch nicht ohne Grund, von Philipp's Hofe an- 
führt, Olynth. IL §.19: ^omoug d^ nepl aorov elvai Xjjoräe 
xac xöXaxas xal rocooroug dv&piunoug, oToug jxe^uaMvrag 6p- 
](s7(Tßai xoumxa ola iyth vuv Sxviü npug up.äs dvo/xdaac • SrjXov 
8* Zri toüjt' i<nlv dXrj&^' xat yäp ooq iv&evde ndvreQ drrrj- 
Xaovov WS noXh rujv ^aufiaTonocüiv dae^ysardpous Jvraf, KaX- 
Xtav ixetvov töv 8rjp.uatov^ xal tocoutous dv^piönoug, jxe'fMous 
yeXoiojv xal nocr^räs ala^paJv ^aparojv, dtv eis Toug auvovTai 
noidöaiv Svexa tou yaXaa^^vac, toutouq dyan^ xal nepl auröv 
i^si- An den Höfen der Nachfolger Alexander's erhielten 
sich freilich ähnliche Tafelvergnügungen, wie z. B. die Tänze 
nackter Thessalierinnn bei Antigonos, Athen. XIII, p. 607; 
aber von dieser Zeit an ging auch die rein griechische Sitte 
rasch ihrem Grabe entgegen. 

Nur Musik und Tanz liebte der Grieche auch bei den 
Symposien, wie bereits bei Homer /xo^Toy r' dp^rjarOg rs als 
dva^para danug vorkommen, Odyss. I. 152. Die Flöten- 
spielerinnen waren schon, wie oben gesagt worden ist, der 
Opferfeierlichkeit wegen unentbehrlich; aber sie blieben dann 
auch weiter, und wir finden nicht leicht auf Denkmälern die 
vollständige Darstellung eines Symposion ohne sie oder Kitha- 
ristrien. Plato allein spricht sich entschieden gegen ihre 
Anwesenheit aus. Bekanntlich lässt er im Symp. p. 176 den 
Eryximachos sagen: t^v ftev äpzc elaeXBooaav avXtjTpßa ^ac- 
petv iäv ahXooaav iauryjf rj, idv ys ßuöXrjzat, zaTg yovai^l ralg 
evdov: und noch viel stärker erklärt er sich dagegen im Pro- 
tag, p. 347, wo er behauptet, dass sie nur in die Symposien 
Tcüv (pabXuiv xaX dyopatiov dv&pwnojv gehörten: xal yäp ouroe 
8eä TÖ p.^ Suvaaf^ai dXXi^Xotg 8t' iauvuJv ^uvsTvat iv tS> 7i6t<p 
pjq8k 8iä T^ff kaurwv ^<vv^g xal zwv Xöyiov zwv iaurütv bnh 



360 Zweiter Excurs 

dnac8euffcaQ riniag nocouai rag aoXfjTpidas, noXXou ixta^oufievoi 
dXXoTptav <f>(t)vrjv r^v xiöv auXwv, xdi 8iä t^s ixstviov ^ojv^s 
dXXrjXocg ^uvecacv Sttou Se xaXol xdya&oi ^ufinoTac xal nenac- 
Seufxivoi elatv, oox Slv l'8ocs ouz^ auXi^rptdas oure dp^y^arptdaQ 
oure (paXzpiag, dXXä auroug abrolg Ixavohg övrag ^uvsTvac. Vgl. 
Plutarch. Symp. VII. 7 u. 8, der nicht auf Plato's Seite 
tritt. Ob dieses Urtheil eine gegen Xenophon gerichtete Bitter- 
keit sei, bleibe hier unerörtert; in jedem Falle erscheint es 
hart, und es möchten sich nicht viele Symposien, namentlich 
jüngerer Leute, gefunden haben, an deren Erheiterung nicht 
Musik und daneben auch Tanz Antheil gehabt hätten. Auch 
kann ein mimischer Tanz, wie ihn Xenophon trefflich schildert, 
durchaus nicht ein unwürdiges Vergnügen genannt werden. — 
Aber freilich dienten oft die Flötenspielerinnen und Psaltrien 
auch noch einem andern Zwecke und mögen sich wenig von 
eigentlichen Hetären unterscheiden; bei Plautus erscheinen 
sie immer als solche, und auf manchen Vasenbildern ist es 
unzweideutig ausgedrückt. Einen merkwürdigen, gewiss darauf 
sich beziehenden Gebrauch führt der Stoiker Persäos bei 
Athen. XIII, p. 607 an. Ein Sophist hat sich früher ge- 
weigert, die Flötenspielerin bei sich sitzen zu lassen: e?^' 
üffrepov TTOjXoufxevT^g r^g ahXvjTptdog^ xaBdnep ibug ioTiv iv 
ToTg noToig yivea^ac, iv rip dyopd^sev Ttdvo veaveaxog ^v xa\ 
ZU) TTioXouvTc dXX(f) Tivi ^«TTov TTpoaf^dvTc ^fi^cüßr^TEc xac oox 
if-q (WTov itenpaxevat x. r. X. Sie wurde also geradezu ver- 
steigert, d. h. für das Symposion. [Vergl. oben S. 59 und 
Stephani Compte rendu pour 1860 pl. III. 1861, pl. IL] 
— Von den übrigen Unterhaltungen, Spielen und was ihnen 
gleicht, wird im folgenden Excurse gesprochen. Manches hier- 
her Gehörige ist auch in den Anmerkungen zu Sc. VI zu suchen. 
[Noch bleibt zu erwähnen, dass Jeder, der im Wottkampf des 
Zechens das Feld behauptete und sich wach erhielt, Staypo-nvij- 
aag^ zur Belohnung einen Kuchen, nupajxoug, bekam. Athen. 
XIV, p. 647: Yt'vefföae yäp rauTjjv ix nopujv ne^axr/xevujv xal 



zur sechsten Scene. 361 

fXsXcTi SeSsu/isvwv • aorai 8s MXa rc&evzac raTs nawu^tot tüJ 
Siaypimvijaavrt. Darauf bezieht sich auch nach den Scholien 
Aristoph. Equit. 277: ^v 8' ävat8si(jf. TiapüSj} a, rjidrepoi 
b mpa/ious. Vgl. Po 11. VI. 108. Dessenungeachtet möchte 
ich diese Sitte nicht, wie K. F. Hermann zu dieser Stelle 
im Charicles und Privatalterth. §.28, n. 26 gethan hat, 
überhaupt auf die Symposien beziehen. Denn Athenaeos setzt 
a. a. 0. ausdrücklich navvu^tat hinzu und so haben wir es mit 
Familienfesten zu thun, namentlich der 8£xdv^, wie denn der- 
selbe Autor aus der üavvuxts des Kallippos XV, p. 608 die 
Stelle anführt: 

8 diay puitvTjaaq izupanoüvTa kyj^sTai 

rä xorraßia, xai Ttöv napouffwv ^v tJe'Aet 

Wer dagegen beim Symposion einschlief, dem drohte die Strafe 
der kioXoxpaaia^ welche Becker Anecd. I, p. 288 erklärt 
wird als jy xard^uacg rwv C<'^pwv rojv iiuXwv Setnvujv im zohg 
xotpojpevoug rwv aupmvovzojv. Dazu stimmt Phot. Lex. s.v.: 
iBog rjV To7g viocg Semvouat xal vuxTspeuouat xara^sTv ruiV 
xoipojpevojv ru)V kwkujv 8£mvojv zoug !^u)p.oug npog t^v zoiaL- 
v^v naiSiäv xExpapevoog und Apostel. Prov.: ijvixa aovemvov 
dXXi^Xoig Tzap' ^ABrjvaioig^ im kxdazoo xparrjp otvoo izi&STO, 
xal sc reg sxd&su8s p.^ md/v zöv ^lov xpaz^pa, npojc xazä 
z^g ahzou xsipaXr^g i$s/iszo. Vergl. hierzu die Anm. von 
Leutsch, Gregor. Cor. in Walz Rhetor. Gr. VII, p. 1161 
in Bezug auf Demosth. pro coron. §. 50, und Stephani 
Compte rendu pour 1868, p. 89ff.] 



DRITTER EXCÜRS ZUR SECHSTEN SCENE. 



DIE SPIELE. 

Wie im vorhergehenden Excurse gesagt worden ist, dien- 
ten hei den Symposien neben Gesprächen und Musik mannich- 
faltige Spiele zur Unterhaltung, von denen uns mehrere ge- 
nauer beschrieben werden. Von dem halben Hundert ver- 
schiedener Spiele, deren Namen Pollux im 7. Capitel des 
K. Buchs unter der Aufschrift: Tiepl täv iv aofiTzornots nat- 
Siojv erklärt, gehören zwar die meisten nicht hierher; es sind 
zum grossen Theile Kinderspiele, bei deren Beschreibung man 
oft überrascht wird, ganz die noch heut zu Tage gewöhnlichen 
zu finden; mehrere indessen fallen ganz eigentlich den Sym- 
posien zu. 

Zuerst muss der Skolien gedacht werden, die in so fern 
hierher zu rechnen sind, als gewiss nicht immer nur vorhan- 
dene Lieder gesungen, sondern dieselben oft von dem Vortra- 
genden aus dem Stegreife gedichtet wurden. [Vgl. Aristoph. 
Vesp. 1226 ff. Sie wurden in bescheidener Haltung und mit 
dem vom Nachbar zur Linken erhaltenen Myrthenreis vorge- 
tragen: Hesych. s. v. rijv imde^tdv, Plut. Symp. L 1 fin. 
Das Herumreichen der xiMpa und imp'ptvq auf Bilderw.: Jahn 
Philol. XXVI, S. 225, Taf. HI. 2. Schon zu Aristophanes 
Zeit wurde das Singen der alten Skolien für altfränkisch an- 
gesehen, Nub. 1364: 



zur sechsten Scene. 363 

^neid^ yoLp elariutpie^^ u><nrsp l'are, 
TtpcuTOv ßkv abrbv rrjv köpav Xaß6vr iyiu 'xiXeuffa 
aaat Ztfiiuvidou ßiXos, rbv Kptov wg ini^fd^Tj. 
6 <J' ebß'iwq äp^^aiov elv' Ufaaxs. tb xi&apiZeiv 
adsiv TB Tzivovß^ tbanepel xd^pug yuvatx" äkoüaav. 

Höchstens eine neue Monodie des Euripides liess man passi- 
ren: v. 1371. Hatte doch dieser Abgott des jüngeren Ge- 
schlechts selbst sich gegen den Brauch ausgesprochen: Med. 
190 ff., wo es am Schlüsse heisst: 

Iva <y eüdetnvoi 

daireg, ti ßdrrjv reivoom ßodv ; 

TO Tzapbv ycLp i^et Tip(piv djp' aurou 

danug izXrjpiußa ßporocmv]. 

Ilgen üxoXia h. e. Carm. conviv. Jen. 1798, ülrici Gesch. 
der Hellen. Dichtkunst B. II, S. 376ff. Ribbeck Nach- 
lass, S. 160ff. 

Ein anderes Verstandesspiel waren die von alter Zeit her 
sehr beliebten Räthsel, arV^/zara oder ypltpot. Wenn Pol lux 
VI. 107 die beiden Ausdrücke als von verschiedener Bedeu- 
tung anführt: tcwv /iev aoimonxiüv atvty/ia xdc ypT^og' to fikv 
Ttaidiäv el/ev, ö 8k yptipoq xat anoodijv^ so scheint der Gebrauch 
der besten Zeit das nicht zu bestätigen. Plato sagt aller- 
dings Kepubl. V, p. 479: {eocxe) rib tu)V nacdiov alvcyßart 
zwnepl ZOO euvoO^ou tr^g ßoXrjg n£pc TfjS vuxrepcdog, cug xat 
ijp' ou aurbv au-cijv alvtvzovzat ßakscv, und das auch von Athen. 
X, p. 452 angeführte Räthsel war nichts als ein blosser 
Scherz. Es mag zugleich als Probe alter Räthsel hier stehen, 
wie es doppelt in den Scholien zu Plato a. a. 0. sich 
findet: KXedp^ou ypT<pog- Aivög rig ianv, ojg dvr^p re xohx 
dvijp opvc&a xobx upvS^ idiuv ts xohx c8ujv inl ^OXou zs xou 
$üAou xaihjiiivYjv Xt^ip re xou Xt^o) ßdkoc re xou ßdkot ' "AXXtog • 
Av&pwnog oux äv&pajnog, äv&pcunog o' o/itoff, öpvSa xohx op- 
vt&a, opvSa 8' Sfieug, im qüXoo re xoh $uXou xa&7jfisvr^v Xtd^p 
ßaXwv TS xoh Xc&(ü ScwXeae. Auflösung: Nuxrspßa euvoo^og 



364 Dritter Excurs 

vdpBiQxog xtaijpei. Auch das alte Eäthsel des Kleobulos auf 

das Jahr bei Diog. Laert. I. 91: 

eiq 6 TzazTjp, Tzaideq dk duwdexa' twv di t?' kxdartj} 
Tzaideg Maat zpirjxovz' avSt^o- sTSog M^oucar 
j (xhv keuxal iaaiv l3sTv, ^ S" aure ßeXaivac 
ä^dvazot di t' ioüaat äizo^^ivouaiv a-Kaaai^ 

wird ein aYvcy/xa genannt und man kann es auch als Scherz 
betrachten ; indessen heisst ja auch das verhängnissvolle Eäth- 
sel der Sphinx nicht anders (Sophocl. Oed. tyr. 393. 1525), 
und dagegen wird yp1<poq von den läppischsten Witzen der Art 
gesagt, wie bei Aristoph. Vesp. 20: 

obdkv äpa Ypi<pou dia^ipet KXstüvufiog. 
ittög &T^ ; npoaepei zig zoXai außnözatg ksytov • 
ozi zaözdv iv y^ ^rjpiov xäv obpavip 
xäv T^ ^aXdzzrj "f äizißakev z-^v d.<mida\ 

Will man aber Pollux so verstehen, dass ypTfog überhaupt 
auch jede dunkele, absichtlich versteckte Eede bedeute, so gilt 
dasselbe von atvcy/ia und alvtrrsadat, i. B. Sophocl. AI. 
1158, Oed. tyr. 439. Pausan. X. 29. 2 sagt in Bezug auf 
die Allegorie des Polygnotos : t« oov ig zoo Vxvou zr^v yuvcuxa 
ideXouacv alvi^aabat zov IloXuyvcjzov : eben soPlutarch. Ly- 
sand. 16 von der versteckten Nachweisung der von Gylippos 
entwendeten Schätze : ^pdCsc ^epaniuv zou FoXiTmoo Tipbe au- 
Tobi alve$dpevos, ünb zw xspafieixu) xoizd^ec^ai noXXäg yXao- 
xag, und man muss also wohl annehmen, dass die Ausdrücke 
gleichbedeutend sind. Vgl. Böckh zu Pind. Pyth. IV, 
p. 279; Müller Dorier Th. II, S. 392. — So wird auch 
von Athenaeos, der uns X, p. 448 ff. vor allen anderen über 
die Beschaffenheit der alten Griphen belehrt, eine ziemliche 
Anzahl mittheilt und gewissermaassen eine Literatur dieser 
Scherze giebt, bald der eine bald der andere Ausdruck ohne 
Unterschied gebraucht, und selbst die jjythagoreischon Sprüche 
werden von ihm alviyp.aza genannt. [Wenn man auch Becker 
gern zugiebt, dass in älterer Zeit zwischen den beiden Bc- 



zur sechsten Scene. 365 

griffen kein wesentlicher Unterschied stattfand und dass sie 
auch später manchmal nur zu rhetorischer Steigerung mit ein- 
ander verbunden erscheinen, so lässt sich doch nicht verken- 
nen, dass später bei kürzerer Passung das Versteckte, Zwei- 
deutige, absichtlich Irreführende des ypT^og deutlich hervor- 
trat. Vgl. die von J. H. Krause in Pauly's Realency- 
clop., B. III, S. 969 beigebrachten Stellen; ausserdem Frie - 
drich, Gesch. desRäthsels 1860, Morawski deGrae- 
corum poesi aenigmatica. 1862. J. Ehlers AYvtyjxa et 
YpTfog. 1867. Ders. de Graecorum aenigmatis et gri- 
phis. 1875]. 

Bei den Symposien scheinen diese Räthsel eine der ge- 
wöhnlichsten und beliebtesten Unterhaltungen gewesen zu sein . 
Klearch sagt bei Athen. X, p. 448, den Griphos definirend: 
ypTfog TtpoßXrjiia inmatanxov^ Tipoaraxrtxhv rou 8tä CT^T^asois 
ebpsTv T^ 8cavoca rb npoßXrj&iv, rc/ir^g ^ im^rjfxeou /dpcv dprj- 
fievov. Dieser letzte Zusatz, dass mit der Lösung ein Preis 
und im Gegentheile eine Strafe verbunden war, beweist, dass 
er nur an die Symposien dachte; denn da musste eben zur 
Strafe getrunken werden, wie er gleich darauf selbst sagt: 
ol 8k prj emovTEQ otg npoazxdrzzTO imvov zö TTozrjpcov: vgl. 
p. 457. Die durch Uebereinkunft bestimmten Preise bestan- 
den gewöhnlich in Kränzen und Tänien, Kuchen und anderem 
Naschwerke, oft waren es auch Küsse. Wer die Aufgabe 
nicht gelöst hatte, der musste ein bestimmtes Maass in älterer 
Zeit wohl gemischten, späterhin ungemischten oder auch mit 
Salzwasser versetzten Weines dTTveuarc austrinken, Klearch. 
am angeführten Orte p. 457 von der früheren Zeit: i^' o7g 
ad'Xov irc&saav are^avov xal sh<p7j}uav^ von der seinigen: 
xai im Toorocg ä&Xa pkv zöig vixutai <ptX-^ixara jxtaoog äqia 
Tocg iXeu&epav aXa^rjoiv ey^ooai, ^r^fiiav 8k roTg ijTrrj&sTai zdr- 
Touffcv äxparov msFv, 8v ^8cov r^g byisiag mvouacv. Dagegen 
sagt Athen, p. 458: Xsx-dov ^or] xal rtva xoXaatv undpisvov 
ol fiij Xuffavreg rbv Tipozs&evTa ypT^ov imvov ouroe aXpjrjV 



366 Dritter Excurs 

Ttapaiitayojxivrjv zo) aurajv ttotoj, xal edet Ttpoaeviyxaa&ac rb 
TtoTTjpiov dmeuoTt. Poll. a. a. 0. xai. b fxkv Xuaag yspag el^e 
xpeStv riva nepcyopdv, b 8k dSovarfjaag äXpj^g nor^pcov ixmeev. 
Hesych. ypT^os rb Scxroov xal aofinonxij ^rjrr^aiQ alviypa- 
TQ)Sy}Q' xai ■npoarip.ov r& prj Xuffavrc rbv yp7^ov ixmelv rb 
aoyxecfisvov TJzoi äxparov ^ üSwp, rovriazt xddov (!) udarog^ 
Dergleichen Preise und Strafen wurden auch bei anderen Auf- 
gaben und Wettstreiten ausgesetzt, und im letzteren Falle der 
Preis auch wohl durch Ballotage der Gesellschaft zuerkannt. 
So geschieht es z. B. in dem scherzhaften Streite zwischen 
Sokrates und Kritobnlos, wer von beiden schöner sei. Xenoph. 
Symp. 5. 8: dXXä Sia^epovrajv , lij^jy, rag (prj^oog, 7va cjg 
rd^cara sldüj 5 ri fie ^p^ 7:a&ecv ^ dnoTtaat- povov^ l(^, 
xpo<pfj (pepovTiov X. T, X. Auch hier hatte Sokrates ausbedun- 
gen: To» vcxTjaavTc prj zacvcag dXXä ^drjpara dvadijpara irapä 
TÖiv xptzujv yevs(TBac, 

Eines der beliebtesten Spiele, angeblich sicilischen Ur- 
sprungs, wobei das Gelingen von körperlicher Geschicklichkeit 
abhing, war der Kottabos, über den ich kurz sprechen kann, 
da der Gegenstand ausführlich von Jacobs Verm. Schrif- 
ten B. VI, S. 107 — 144 und Groddeck antiqu. Ver- 
suche 1. Samml. Lemb. 1800, abgehandelt worden ist; [Vgl. 
jetzt Hermann Gr. Privatalt. §. 54. n. 26ff. mit Stark's 
Zusätzen; O.Jahn Kottabos auf Vasenbildern in Pbi- 
lolog. XXVI, S. 201fF. Becq de Fouquiöres les jeux 
des anciens, p. 212ff. und Heydemann sopra il giuoco 
del cottabo. Borna, 1869]. Trotz der umständlichen Be- 
schreibungen, die uns Athen. XV, p. 666ff., Poll. VI. 109flF., 
besonders aber der Schol. zu Aristoph. Pax 343. 1208 
(1241). 1210 (1243) und der Schol. zu Lucian. Lexiph. 3 
von dem Spiele geben, scheint keine Hoffnung zu völliger 
Aufklärung aller Eigcnthümlichkeiten desselben vorhanden zu 
sein. — Es gab zwei Arten des Kottabos mit mannichfaltigen 
Variationen, die uns indessen nicht nöthigen, mit Groddeck 



zur sechsten Scene. 367 

neun verschiedene Arten anzunehmen. Die eine hiess xorro- 
ßog xaTaxrog, Aristoph. Pax 1243, und ihre Erklärung hat 
die meiste Schwierigkeit. Nach dem Scholiasten zu Lucian, 
der nicht aus Athenaeos geschöpft hat und dessen Erklärung 
am leichtesten zu verstehen ist, wurde ein Pfahl oder Stab 
(/ttjoa^) aufgerichtet, der auf der Spitze einen Wagebalken 
i^uyos) trug, an dessen beiden Endpunkten Wagschalen hin- 
gen (TtMauyjeg) ; unter diesen aber waren kleine Figuren an- 
gebracht iävdpiavTaptüJV raTg TzMarcy^cv uttoxecijlsvcdv). Nun 
nahm man den Mund voll Wein oder Wasser und spritzte es 
in einem Strahle nach einer der Wagschalen. Traf man sie, 
dass sie sich füllte, so sank sie natürlich und fiel auf den 
Kopf der kleinen Erzfigur unter ihr: aber durch das Gegen- 
gewicht der anderen wieder gehoben, liess sie nun diese sin- 
ken und ebenfalls die zweite Figur treffen, so dass beide ab- 
wechselnd ertönten. — Diese Beschreibung hat manches von 
den übrigen Berichterstattern abweichende, was seinen Grund 
eben in den Variationen des Spiels haben mag. Erstlich 
wird sonst überall gesagt, nicht dass man den Wein aus dem 
Munde spritzte, sondern dass er auf anständigere Weise aus 
dem Becher mit gekrümmter Hand {avvearpaixfidvj^ t^ X^'P^) 
und gebogenem Arme (d?:' dyxuXi^g) geschleudert wurde. Ich 
glaube indessen nicht, dass der Scholiast irrt; sondern das 
Spiel mochte in späterer Zeit allerdings auf solche Weise ge- 
spielt werden, und darauf beziehe ich die Worte bei Pollux 
§. 111: ou fiijv evnoi äv reg tö xozTaßtCstv, l<p' ou vuv, dXXä 
i/isTv ^ dnoßXöZstv ^ nX^v et reg 7iatZ<ov ßooXoiTO ourojg bno- 
nreueiv rö iv Tai Il^puzaSj} un' 'ApiaTo<pdvoug elpy^/iivov, tote 
jxiv ffou xarexoTzdßcCov, vuvl de xazefioüat x. r. L — Sodann 
wird von Anderen nur eine Wagschale und nur eine Figur, 
Manes genannt, erwähnt, was die übrige Einrichtung nicht 
stört, da man immer einen Wagebalken, nur mit einer Schale, 
wie die meisten Wagen beschaffen sein mochten, zu denken 
hat; allein wenn der Scholiast damit, dass die Schale den 



368 Dritter Excurs 

Manes auf den Kopf traf, den Zweck für erreicht hält, so 
setzen Andere noch mehr hinzu. Athenaeos, aus dem der 
Auszug des Schol. zu Aristoph. vielfältig zu berichtigen 
ist, sagt p. 667: rb 8k xaXou/xevov xaraxrbv xorrdßiov roi- 
ourov iarc Xu^vcov i(TTlv u(prjXbv e-^ov rbv Mdvr^v xaXo6jX£Vov, 
ktp' 8v TT^v xaxaßaXXofxivT^v idst Tcsastv Tzldanyya^ ivveu&ev ö' 
smnzev ecg Xsxdvrjv bnoxsiiiivrjv nXrjystaav zw xoTzdßa). Hier 
steht also unter der Schale noch ein Becken, in das diese oder 
die Flüssigkeit fallen soll, nachdem sie den Manes getroffen 
hat. Wie diese Vorrichtung gewesen sein könne, ist schwer 
zu sagen, wenn sie nicht etwa durch ein weiter unten anzu- 
führendes Denkmal erklärt wird. Der Scholiast zu Ari- 
stoph. Pax 343 sagt etwas Aehnliches. Diese einzige Er- 
klärung setze ich ihrer Deutlichkeit wegen ganz her: ßdßdos 
^v fxaxpd {Xoyy(ov bei Andern) nercfjyiiivrj iv z^ y^ xal izepa 
ircdvu) auT^g xcvoufisvi^ u>g in\ ^uycou' el^s 8k TzXdaziyyag 8uo 
i^pzrjjxivag xal xpar^pag 86o bnoxdzu) zu)V TiXaaz{yy(uv , xai 
bnb zb u8(up dvSpiäg rjv ^aXxoug xsy^puawfxevog' zouzo 8k r^v 
iv TOig au/xiToacoig, xal nag zutv nai^ovziuv dvtazazo e^(üv ytd- 
X-^v yejjLouaav dxpdzou (dagegen bei Anderen nur der Rest 
im Becher) xal /xrjxo&ev cazdfxevoe ensfxnev oXov zbv olvov bnb 
/xiav (Tzayuva sig z^v nXdazcyya, 7va yep.ecrd'sTffa ßapov^^ xal 
xaziXf^T^ xal xazsXBooaa xpooarj elg zrjv xt(paX^\) zoT) bnb zb 
u8iop xsxpofijiivoo xal noiijCTfj ^x^^' ^"'^ sl /xkv X^^ft "^^^ oivoo^ 
ivtxa xal ^8£i, Uzt (ptXeTzai bnb ZTJg ip(o/xevrjg, e? 8k p.r], Vjzzdzo' 
iXeyezo 8k b dvSpidg b bnb zb tj8(op xexpupjiivog Mdvrjg. Es 
ist wohl möglich, dass man das Spiel auf solche Weise er- 
schwerte; denn die Schale musste mit Kraft lierabsinken, um 
den unter dem Wasser betindlichen Manes zu treffen. — Pol- 
lux Iftsst das Kottaboion von der Decke herabhängen, worauf 
nichts ankommt; ein Zusatz nennt auch den Stab {(>dß8og} 
Den Manes erwähnt er bei dieser Art des Spielos gar nicht. 
Die Schale, bei ihm xozzaßelov, vergleicht er dem Teller einea 
Candelabers, Xu^vcoo iml^e/xa. 



zur sechsten Scene. 369 

Die zweite Art, de' d$ußd^a)v, hat weniger Schwierigkeit. 
Man stellte ein Gefäss mit Wasser hin, auf dessen Oberfläche 
kleinere leere Gefässe oder Näpfchen und noch andere Dinge 
schwammen, und suchte in diese den Wein zu spritzen, dass 
sie gefüllt untersanken. Athen, p. 667: irepov 8' icncv 
etSog Tzacotäg rfjg iv Xexdvjj' aoxrj 8' u8azos TiXrjpoÜTai imvsT 
TS in aörr/s d$ußa^a xevd, i^' & ßdXXovrsg rag Xdrayag ix 
xap^i^crcujv insipojvTo xaTa8uetv. Damit stimmen die übrigen 
Berichte überein; nur Pollux ist noch besonders zu erwäh- 
nen. Er sagt: ro 8s (die zweite Art) rc ^v xochj ng xa} 
iiBpKpeprjg Xexavtg, rjv xa\ y^dXxsiov xa} axdfr^v ixdXoov. iwxsc 
Sk noXü) TU) rag ojpag SecxvOvri . . . rö 8e ^dXxsiov inenXijpiuro 
fxkv udarog, imnoXa^e 8' auru) aipatpa xaX ■nXdarty^ xcä Mdv^g 
xal rpeeg pxtppt'^ai xax rpta d^()ßa(pa' u 8k uyp^ rf^ X^'P^ "^^ 
xorraßov d^e}g xa.} rourcuv rivug ro^uiv £o8oxtjX£i. Damit 
kann das erste Scholion zu Aristoph. Pax 1210 vergli- 
chen werden. — Die Flüssigkeit, die man spritzte, hiess Xd- 
ra^ oder Xardyrj, davon Xarayecv. Korraßog nannte man so- 
wohl das ganze Spiel als die Vorrichtung und selbst den 
Wein, der auf die eine oder die andere Weise gespritzt wurde. 
— Dieses genüge, um eine Vorstellung von dem Spiele zu ge- 
ben; denn auf alle die Widersprüche einzugehen, welche die 
verschiedenen Nachrichten enthalten, würde mich hier weit 
über die Grenzen hinausführen, die ich dieser einzelnen Art 
der Unterhaltung stecken muss, [Die Beckersche Ansicht 
vom xörraßog xaraxrög wird von Jahn S. 210 verworfen, 
weil sie an zu grosser Unklarheit leide und weil es überhaupt 
scheine, als hätten die Scholiasten zu Lucian und zu Aristo- 
phanes, auf die sie sich stützt, keine Anschauung mehr von 
dem Spiele gehabt und den Ausdruck nXdarcy^ als wirkliche 
Wagschale aufgefasst. Nach ihm ward dieses hohle Teller- 
chen oder Schälchen aus Erz auf den oben erwähnten Träger, 
pdß8og, der eine Vorrichtung zum Verkürzen oder Verlängern 
in sich barg, in die Schwebe gestellt oder oben an ihn ge- 

Charikles II. 24 



370 Dritter Excurs 

hängt. (Ich nehme das Erstere auch bei Taf. IV, Fig. 2 und 
Gerhard Antike Bilder, 71 an, obgleich Jahn S. 235 nur 
von einem vor der Kline stehenden Lychuuchus spricht. Vgl. 
Heydemann in Annal. d. Sect. di corr. arch. 1868, 
p. 226, t. 51, 1.). In dieses Gefäss musste die geschleuderte 
Weinneige mit einem Klatsch fallen. Der Manes war am 
Kottabeion angebracht, um die Schwierigkeit des Wurfes zu 
erhöhen und «den Kopf desselben musste der Wein klatschend 
treffen und von da abprallend mit Geräusch in die Schale 
fallen» (Nonn. XXXIII, 65 ff.). Doch schwieriger war die 
Aufgabe endlich, wenn die nXdazrf^ oberhalb des im Becken 
stehenden Manes angebracht war, so dass sie im Herabstür- 
zen erst denselben berühren und dann in den Untersatz fal- 
len sollte. Den Manes hat Becker richtig erkannt auf dem 
mehrfach vorkommenden archaistischen ßelief, auf welchem 
Dionysos bei Icarios einkehrt (Jahn Kottabos Taf. IV, 5 
und Archael. Beitr. p. 198 ff.)]. Dort steht am unteren 
Ende des Lagers eine Säule, die ein grosses Becken trägt. 
Aus ihm, wie es scheint (nach Combe dahinter, wovon Alles 
abhängt), erhebt sich ein zweiter Säuleuschaft mit einer her- 
menartigen Figur, auf deren Kopfe ein Diskos zu ruhen scheint. 
Wenn man damit die angeführten Worte des Athenaeos 
vergleicht: Xo^viov karh utprjXbv i^ov tov Mdvrjv xaXoü- 
fievov, i^' 8v T^v xaxaßaXXo^iivrjV iSet neaaiv nXdartyya, ivreu- 
Ö£V <5' inrnrev eis XsxdvrjV unoxecfxdvrjV nXrjysToav tojxüt- 
raßü), so kann eine solche Deutung wohl möglich erscheinen. 
[Vgl. noch Heydemann in Archäol. Zeit. 1875, S. 67. 
Stephani in Compte rendu pour 1869, p. 219. 236. 236. 
Irrthümlicher Weise bat dagegen Becq de Fouqui^res Les 
jeux des ancions p. 235 in einem Jüngling, der sich aus 
dem ftuTov, welclies er empor hält, den Weinstrahl in den 
Mund schiessen lassen will, einen Kuttabosspieler erkennen 
wollen]. 

Zu den Spielen, welche körperliche Fertigkeit erforderten, 



zur sechsten Scene. 371 

gehörte ferner der IfiavTsh-jrfxog , wiewohl dabei das Geliogen 
hauptsächlich vom Zufalle abgehangen zu haben scheint. Es 
wurde nämlich ein doppelt gelegter Riemen scheibenartig oder 
vielleicht auch auf kunstlichere Weise gewickelt. Dann stach 
man mit einem Pflock oder Nagel dazwischen, und fand es 
sich beim Abwickoln, dass der Pflock zwischen der doppelten 
Lage des Riemens stak, so hatte man gewonnen. Die Haupt- 
stolle darüber ist bei Poll. IX. 118: 6 dk ifiavrshj'fwg SmXou 
IfxdvTos Xaßufjcu^iudrjs rig ian nsptazfjo^^ xad^ ^g eSei xa- 
Bivra nazTaXiov rrje Scnkorjg ru^slv • sc yaf) [irj XoMvzog inne- 
pizthjnxo TU) ijidvzi ri) naTzdXtov, tJtttjTo 6 xai^stg. Eustath. 
zu Iliad. XIV. 214, p. 968. 28 sagt nur: b Ifiawehyuos, 8 
rjv ■natScäg Ttvog eldog, rjyouv SmXaiö l/id^ros axoXid res sT- 
^Tjacg, wg (paatv ol naXatoc. [Vgl. Grasberger Erz. n. 
Unterr. I, S. 141ff.]. 

Ein Verstandesspiel hingegen, bei dem Alles von üebung 
und üeberlegung abhing und das in dieser Hinsicht Aeha- 
lichkeit mit unserem Schach und anderen Bretspielen hat, war 
die rnzTeta. Von ihr haben Meursius de ludis Graec. 
in Gron. Thes. t. VII, p. 982flf. Bulengerus ebend. 
p. 934, Souter ebend. p. 1038ff. [und Michaelis in Ar- 
chäolog. Zeit. 18G3 S. 40 ff.] gelehrt gehandelt; allein es sind 
durchaus ganz verschiedene Arten des Spiels zu scheiden. 
Das Spiel mit nsaaoTg ist bekanntlich sehr alt; Palamedes 
sollte es erfunden haben (vgl. Aleid. Palam. §. 27 mit 
Jahn Palamedes, Hamb. 183G. 8, p. 27 ff.) und spielt es 
deshalb auch bei Eurip. Iphig. Aul. 194 mit Protesilaos, 
Aias und auch Achilleus, Mon. dell' Instit. arch. II. 22; 
vgl. Welcker Rhein. Museum B. III, S. 600ff. [dess. 
Alte Denkmäler III, S. 3-24 und Overbeck Gallerie 
histor. Bildw. I, S. 310ff.]; schon die Freier der Penelope 
spielen es Odyss. I. 107; aber welcher Art die homerische 
■nzrreta gewesen sein möge, das errathen zu wollen scheint 
mir eine Lächerlichkeit, da Homer selbst nur den Namen 

24* 



372 Dritter Excurs 

ohne weitere Bezeichnung nennt. Die bekannte Erklärung 
Apion's bei Athen. I, p. 16 kann für uns keine Geltung 
haben; denn nichts verbürgt, dass sie nicht eine Erfindung 
aus später Zeit sei. (Vgl. Wiedeburg Humanist. Magaz. 
1787, St. 3, Nitzsch zu Odyss. a. a. 0.). In späterer Zeit 
gab es wenigstens zwei gänzlich von einander verschiedene 
Arten, die Poll. IX. 97 ausdrücklich unterscheidet: inscdij 8e 
<prjyoi }xev datv ol nsaaot, nivre 8e kxdzepog ec/e rcjv natCov- 
T(ov im nivze ypa/ifjLwv, elxÖTius eiprjzai Zofoxl.er 

xat neaffd nevrijrpajjifia xai xußtov ßoXai' 

rZv 8k TtivTS Züjv kxaripaj&ev ypap/xöjv piarj ns rjV hpb. xa- 
Xoojiivrj YpappTj, xal 6 zov ixeT&ev xivojv TTerrbv r.apoiptav 
iTToc'si, x(v£t rhv d.<^ kpäg. Dieses ist die eine Art des Spiels, 
von deren Eigenthflmlichkeit wir übrigens so gut als nichts 
wissen; denn was Eustath. zu Odyss. a. a. 0. p. 1397. 27, 
der Scholiast zu Plato Leg. VII, p. 820, Hesych. s. v. 
Tieaaä nevreypappa, E t y m o 1. M. s. v. nBaaot und Diogenian. 
Proverb. V. 41 sagen, giebt nicht mehr Licht als Pollux. 
Wir erfahren, ausserdem dass uns fünf Linien und fünf Steine 
für jeden der beiden Spieler genannt werden, nur noch dass 
man den auf der mittelsten Linie stehenden Stein nur im 
äussersten Nothfalle zog, woher sich eben das Sprüchwort 
schrieb. Eustathios sagt: rcaperecvETo 8i 8i auuuv (töDw 
ypa/ipiuJv) xac piarj ypapp.'^, r^v tepäv ojvo/xa^ov . . . inel 6 vt- 
xatpievoe in' ia^dry^v altTtjv Teraf 5Bev xal napoipia^ xivetv 
Tov d^' tepag^ Xt&ov SfjXaoij, iru ru>v dneyvuxrnsvajv xal ia^d- 
TJyf ßojj&eiag 8£opivojv. Zuxppiuv xtvrjau} 8' ij8rj xal zov d<p^ 
Itpaz' ^AXxruoQ 8i <prjatv ix nXijpooQ' vuv 8' ouTog imxpdxet 
xar^aa^ rbv dn' Ypag nuxcvov XlBov: vgl. zu Iliad. VI, p. 633. 
59, und was Matthiao zu den Bruchstücken des Alkäos 
p. 47, Meineko zu Menander p. 94 und v. Leutsch zu 
Apostol. IV. 56 beigebracht haben. Aber warum nur in 
der Noth zu diesem Mittel geschritten wurde, was davon ab- 



zur sechsten Scene. 378 

hing, und worauf es überhaupt bei dem Spiele ankam, davon 
wird uns nichts bekannt und die Grammatiker scheinen selbst 
keine deutliche Vorstellung von ihm zu besitzen. [Dargestellt 
ist dasselbe auf einer im britischen Museum befindlichen Pa- 
pyrusrolle (herausgegeb. von Wright A History of Cari- 
cature and Grotesque. London 1865, p. 8), auf welcher 
Löwe und Hase vor dem Spielbrette sitzen und mit je fünf 
Figuren spielen]. 

Etwas deutlicher wird von der zweiten Art der nsweia 
gesprochen, welche auch Tiohg oder richtiger wohl rMzig ge- 
nannt wurde und die erstere nach und nach verdrängt zu 
haben scheint. Poll. IX. 98: ij 8k oiä noXXutv (prj^wv naidcä 
TiXtvHtov i(Tzi\ -(iöpas iv ypa/xfj.äcg e/ov oiaxet/xivag' xal rb 
{xkv Tthvi^iov xaXehat noXtQ, TÖiv 8k (prjifwv kxdarrj xbuyv 
SiT^prjfxivoJV 8k slg 8öo ru>v ipr^^cuv ofio^püujv xar« rag y^pöag 
^ TS^VJy TYjg natScäg icrzc nzptArjtpzi zibv 8uo (fr^^wv ofio^pdojv 
TTjv STspo^pouv dvaipscv. Es war also jedenfalls etwas unserem 
Schach oder Damenspiele Aehnliches. Die einzelnen Felder 
auf der für das Spiel eingerichteten Tafel, bei Pollux x^P^^» 
hiessen nuXetg. Zenob. Prov. V. 67: iiüXetg Tiai^eiv pepvyj- 
xat raoTTjg Kpazlvog iv ilpaniztai' ij 8k nuXtg £t86g iazc nai- 
Scäg Tcezzeuzcx^g, xal 8ox£c ixszevrjvixi^ai dnb rwv zacg (prj<potg 
natZovzwv, zacg Xsyopivaig vuv pkv x^patg ^ z6zs 8k nuleaiv. 
Auch Plutarch. Prov. Alex. 14 heisst es nökstg natZstv^ und 
dass dieses, nicht njkg^ der Name des Spiels war, erhellt aus 
Plato's Kepubl. IV, p. 423: kxdazrj ydp auzwv (zu» äkXiuv 
noXzujv im Gegensatze zu seiner nuXig) nuXzig elai rM/moXXai, 
dXX' Ott nuXcg, zb zwv nat^uvzwv. Auch der Schol. zu die- 
sen Worten nennt das Spiel nüXztg nac^sut: wenn aber Kra- 
tinos (vgl. Meineke Comic. Fragm. II, 1, p. 44) sagt: 
xdt xuva xal nuXcv ^v nai^uuacv, so lässt sich daraus auf den 
gewöhnlichen Ausdruck nicht schliessen ; denn es gehörten ja 
doch mehrere xOveg zum Spiele, und so gab es auch eine 
Mehrheit von TioXecg. [Die Zahl der Steine scheint auf jeder 
Seite 30 betragen zu haben. Es ergiebt sich dies nicht nur 



374 Dritter Excars 

aus Lex. Phot. p. 439 Pors. : rMXs:g r.ac^scv ras vuv y^apaq 
xaXoofxivag iv raTg C' (I' Pors.), sondern noch mehr aus dem 
weiter unten zu erwähnenden Epigramm des Agathias, wel- 
ches dem dcaypafi/xcajiog 30 Steine im Ganzen zuweist, wäh- 
rend Hesych. s. v. dcaypa/ifxcapög und Eustath. ad Iliad. VI, 
169 zwar auch diesem Spiele 60 Steine geben, aber dasselbe, 
wie schon Marquardt Köm. Privatalt. II, S. 435 und 437 
bemerkt hat, mit dem ersten zu verwechseln scheinen]. — 
Das Ziehen der Steine hiess Bda&ac rijv (f'r^^ov, das Zurück- 
ziehen oder Zurücknehmen eines Zugs dva^iaßac Harpocr. 
äva&dadac' 'Avu^wv mpl opLovocag' dva&ia&ai 8k uxmep tist- 
rov Tov ßiov oux ioTtv, dvzc roü ävuj&ev ßtaivac peravor^aav- 
reg im rat TTporepo) ßea). Plato Hipparch. p. 229: dXXä 
fiijv xal ujoTzep TtSTTeuwv if^i^cu aoi iv zdlg Xoyoig dvaMaBat 
5 Tc ßoüXei Tu)V dprjplvujv. Dagegen bedeutet [lerariMvai 
dem Steine für einen gewissen Zweck eine andere Stellung 
geben. Plato Leg. X, p. 903: knel de del ^'w/^ im-eray- 
Hivrj ffujfiarc roTk phv äXXu)^ rore 8k äXXo), peraßdXXet nav- 
Toiag p.£TaßoXäg 8e' kauz^v ^ 8c' kripav (poyrjv^ ou8kv dXXo 
epyov rS) nerzeuzf^ (rw zoö navrog imfjLeXuupsva)) Xsmerac nXrjV 
fieTaTcBsvac rb fikv afxea^ov ytyvofiavov r^ßog eig ßeXrca) tottov, 
^£ipov 8k etg tov yztpova: und dasselbe ist peTanerreüecv. 
Min. p. 316: i7:ec8äv 8' ivvorjoio^ Stc ou8kv TTauöfis&a äv(o 
xazcu jxeraTSifjLevoc zoug i/ofioug, oh 8uvapac netaf^^vac Taujg 
yap oöx ivvoeTg, zauza pezanezzeuopLeva ozc zauzd iazcv. Dem 
Gegner einen Vortheil gewähren, hiess xpeTaaov 8cSdvac, wie 
sich aus Eurip. Suppl. 409 schliessen lässt: 

Sv fiiv TÖd' ijfitv Sxmtp iv neaaotg didatq 

xpelaaov. 
Es mochte wohl zuweilen geschehen, dass der geschicktere 
Spieler dem weniger geübten etwas vorgab, d. h. beim An- 
fange des Spieles schon einen Vortheil zugestand, und das 
scheint Euripi des zu meinen. Mit den von ihrem ursprüng- 
lichen Platze gerückten und auf der Tafel zerstreuten Steinen 



zur sechsten Scene. 375 

vergleicht derselbe Dichter auch bei Plutarcb. de exil. 13 
die Städte Griechenlands im Gegensatze zu Athen: 
aÖTfi^^oi^eg d' U^ußev cd d' äkkai nökeiq, 

äXXat Trayo' akkiuv elalv i^a/tuyifiui. 

Die hauptsächlichste Kunst des Spielers bestand darin, die 
Steine des Gegners abzusperren oder so festzusetzen, dass er 
nicht mehr ziehen konnte. Plato Republ. VI, p. 487: uxrrzsp 
uTiu TÜJv Trerreüeiv 8eivwv ol ixrj tsXsuzujv-ss är.oxXziovrai xcd 
ohx e^oomv o ti fipojmv: vgl. Eryx. p. 395: utanep iv r^ 
TezTZtq. eJvac TieTToüg, oug ec Tcg (fipoizo 8üV(ut^ Slv tous dv- 
rmac^ovras nocBcv ^T-äai^ac ouriug uktts pij ^X^'-^ ^ "^^ ''^P^^'* 
■zwj-a ä)tzi<fipüjatv, und Polyb. I. 84: ttoUous dnurepvüixsvos 
xai aoyxXeiiov u)ar.zp dyai^og nerrturrjQ. Nach Pollux wurde 
der Stein, welcher zwischen zwei feindliche zu stehen kam, 
geschlagen oder liinweggenommen. [Der Sieg war um so rühm- 
licher, wenn man weniger Steine verloren hatte, als der Gegner: 
Artemi d. Onirocr. III, 1 Reif: d Sd t:s voawv naiZetv imo- 
Xdßot <prf<pots ^ äXXov nacZovra tSot, xaxüv pAkara Sk el au- 
TOff XsinoiTO, imcS^ pscovag i^iuv (prj^ous xaTaXemerac ö vc- 
xatpsvog. An der Identität des Spieles mit dem römischen 
ludus latrunculorum (vgl. G all us III, S. 336 ff.) ist wohl nicht 
mehr zu zweifeln.] Das Spiel war übrigens nicht leicht und 
die guten Spieler waren selten. Bei Plato Politic. p. 292 
hat der Fremde den Sukrates gefragt, ob in einer Stadt, die 
tausend Männer zählte, sich wohl auch nur deren fünfzig fin- 
den würden, die zur Staatsverwaltung geschickt wären? Auf 
die Verneinung sagt er dann: lapev yap ort ^dcwv dvSpwv 
äxpoi TTSTTeozal ToaooTot npog zoug iv to7s äXXoiQ lEXXrjffiv 
ohx S.V yevocvzö noza. Vgl. Republ. 11. p. 374: nezrsuztxog 
Ss ^ xußeuztxös cxavios ou8' äv st{ ysvotzo p^ abzb zoozo ix 
r.atSoQ imzTjdauujv , dXXä napdpyo} ^piöpzvog. [Ueber Dar- 
stellungen des Spieles s. Bursian in Archaeol. Anzeig. 
1855, S. 56 ff. und Michaelis in Archaeol. Zeit. 1863. S. 40.} 



376 Dritter Excurs 

Ein verwandtes Spiel war auch der dtaypafifica/x6g. P o 11. IX, 
§. 99 sagt davon nur: iyyus Sd iarc raurrj r^ Tzcudi^ xa\ b 
dtaypaiiiitaixug xal rb dcaypajüifi/^scv, ^vrcva rMtdtäv xal ypcup.- 
fxäg <hvü[xaZov. Bei diesem Spiel wurden neaaoi und y.ößoc 
zusammengebraucht, so dass es nur auf eine geschickte Be- 
nutzung des Wurfes ankam. So sagt Plato ßepubl. X, 
p. 604: uxmep kv nziuaei xußojv npog ra TzsnzojxoTa (See) rt- 
&ecdac ra auroü Ttpdyjxaxa, oirrj b Xoyog Ipzt ßHnaz^ äv i/£JV, 
worauf sich Plutarch. tranquill. 5 bezieht: xußeca yap b 
nXdzwv TÖv ßcov dnetxaaev, iv w xal ßaXsTv See rä izpöafopa 
xal ßaXovTa ^pr^a^ai xaXwg roTg Tteaouai: [vgl. Stob. Ser- 
mon. CXXIV, 41: TztTxdq. rm eotxev b ßt'og xai dsT Coanep 
(pTj^ov Tiva &£Tvat to avp.ßaTvov. Das dunkle Epigramm des 
Agathias in Anthol. Gr. III, p. 30 n. 72 lässt nicht ver- 
kennen, dass die Tafel, wie die römischen duodecim scripta, 
auf zwei Hälften je 12 parallele Linien, also 24 Oerter hatte, 
auf denen (wie bei unserem Puff oder Trictrac) nach dem Er- 
gebnisse des Würfelus, die Steine (von denen, wie oben ge- 
sagt, jeder Spieler 15 besass) von links nach- rechts vorrückten. 
Eine Hauptsache dabei war, dass mau seine Steine nicht ver- 
einzelte (sie hiessen dann ä^uyeg und konnten gesohlagen wer- 
den), sondern mindestens auf je einer Linie zwei behielt {3c- 
Cuyeg). Jenen Fehler hatte der eine Partner im Epigramme 
begangen, weshalb es heisst: 

doid xai i$ xal nevre xaxifyays.v, aÖTixa d' oxrci 
äCoyas *^*f SAai np6<r^e peptZoßivai. 

Dies mit Marquardt S. 438 so verstehen, als ob gerade 
der Wurf 2. 6. 5 dem Spiele eine unglückliche Wendung zu 
geben pflegte, mOchte ich schon deshalb nicht, weil es ja eben 
in der Hand des Spielers lag, durch Kunst und Geschicklich- 
keit einigermaasseo das Unglück auszugleichen. Schon die 
vorhin angeführten Stollen sprechen dies aus; noch deutlicher 
aber Plut. Pyrrh. 20: dneixaasv aurbv b Avzlyovog xußsur^ 
ttoXAf\ ßdXkovzi xai xakä j(p^al^at 8* oux imarapAvip roTg tts- 



zur -sechsten Scene. 377 

aoom und Terent. Ad. IV, 7, 21: »ita vita est hominom, 
quasi cum ludas tesseris. Si illud, quod maxime opus est 
iactu, non cadit, Illud, quod cecidit forte, id arte ut corrigas«. 
Noch sei hier endlich des Morraspiels gedacht, das zwar 
als micare digitis in Italien noch eifriger geübt wurde, aber 
auch bei den Griechen erwähnt wird. Genannt wird es sel- 
ten; man will es aber in iirdXXa^tg Saxrüktuv bei Aristot. 
de insomn. c. 2 und in 8eä daxrvXiov xXrjpoQ bei Ptolem. 
Hephaest. V, 1 finden. Beschrieben wird es von Nonn. 
XXXm, 77: 

Xa^fibq hjv ße^intov krepÖTpoiza ddxruXa ^etptov. 
xal rä ßkv dpf^üiaavrsq dvsa^eSov, äkXa 3k xapniji 
^etpog ineayfjXWTO auvfjopa auOjyt deapiji. 

Das Spiel bestand also darin, dass die beiden Gegner blitz- 
schnell eine Anzahl Finger der rechten Hand ausstreckten und 
die Summe gleichzeitig laut zu errathen suchten. Vgl. Her- 
mann Griech. Privalalterthüm. §.31, n. 31; Becq de 
Fouquieres p. 290 ff. Panofka Bild. ant. Leb. Taf. 10, 9. 
Jahn Annal. d. Inst, di corr. arch. XXXVIH, p. 326 ff.; 
Archaeol. Zeit. 1848, S. 247 und 1872, Taf. 56; Guhl u. 
Koner Leb. d. Griech. u. Rom. Fig. 308. Wie heute die 
Italiener, um die Rechte frei agiren lassen zu können, die 
geballte Linke auf den Rücken legen, so hielten die Spieler 
im Alterthum mit der Linken zusammen einen Stab.] 

Endlich gehört hierher noch vorzüglich das eigentliche 
Würfelspiel, xoßeta^ über das ich jedoch nur auf Gallus 
III, S. 326, Müller in Pauly's Realencykl. s. v. Alea [und 
Marquardt Rom. Privatalterth. II, 426 ff.] zu verweisen 
brauche. Hier spielte man in der Regel um Geld, daher die 
xußeta häufig zum Vorwurfe gemacht wird; denn Mancher 
mochte dadurch sein Vermögen zu Grunde richten. S. z. B. 
Lysias in Alcib. I, §. 27: xazaxußeuaaz rä ovra: Aeschin. 
in Timarch. §.95 [Theophr. Char. 6]. Die Oerter, wo 



378 Dritter Excura 

man zu diesem Spiele sich versammelte, werden xußsTa oder 
auch axipaftta genannt. Der letztere Name soll daher rühren, 
dass ursprünglich bei dem Tempel der Athene Skiras oder 
selbst in demselben der gewöhnliche Versammlungsort gewesen 
sei. Eustath. zn Odyss. I, 107, p. 1397. 25: xaX Zxi icmoo- 
dd^ero rj xoßsta ob fxovov napä ücxsXoTg, dXXa xai 'Al^rjvaeotg ' 
oc xaX iv lepoTg dBpoi^öixBvoi sxußsuov xai jxdXiaza iv rS) ri^g 
ZxipdSog 'Af^T^väg rw im üxtpoj d<p^ ob xa\ t« äXXa xußeo- 
vfjpia axtpa<p€ia mvop.dZßro. Etym. M. : üxetpd, orc iv rat 
TTjg 2xetpdoog 'ABr^väg hpoi o\ xußsorat enacCov. Vgl. Steph, 
de urbib. p. 575 Mein. Harpocr. axipdipia, Suidas axipa- 
<p€iov, Hesych. axeepdftov. Was auch davon wahr sein möge, 
späterhin wurden überhaupt alle Orter der Art axcpa<ps7a ge- 
nannt. Isoer. Areop. §. 48; Lucian. Lexiph. 10. Bei 
Aeschin. in Timarch. §. 53: iv tw xußscoj, ob ^ rrjXta rt- 
Berai xai robg dXexrpuovag aofißdXXouat xai xußeboumv, ist 
kein Grund vorhanden, -ny^/a von dem Würfelbrete, sonst dßd- 
xcov, zu verstehen; ihre Bestimmung ist dort der Hahnen- 
kampf; indessen zählt sie Poll. VII. 203 und X. 150 auch 
unter den dpydvocg xußeurcxoTg auf. Vgl. Eustath. z. Odyss. 
I, p. 1397. 50 mitFicoroni sopra i tali ed altri strum. 
lasori. 1734. [Was den Zusammenhang der axtpatptla mit 
dem Tempel der Athene Ski ras in Phaleron betrifft, so hat 
K. F. Hermann aus den dunkeln Nachrichten (bes. Hesych. 
I, p. 907, Harpocr. p. 74 und Plut. Thes. 23) geschlossen, 
dass an den Oschophoricn die in jenem Tempel eines symbo- 
lischen Brauchs wegen eingesperrten Kinder nicht bloss mit 
Märchen von ihren Müttern unterhalten wurden, sondern sich 
auch die Zeit mit Würfelspiel vertrieben hätten, woraus dann 
allmählich eine Gewohnheit und ein Rocht geworden wäre. 
Wie weit aber jene unter dem Namen 2xtpa zusammengefass- 
ten Gebräuche mit dem zweiton Tempel der Athene Skiras, 
welcher an der Strasse nach Eleusis, aber nocli nahe bei 
der Stadt lag und im Ixipw heisst, in Zusammenhang stau- 



zur sechsten Scene. 379 

4en, lässt sich schwer entscheiden. Auffällig bleibt es, dass 
das Würfeln immer in Beziehung auf dieses Heiligthum er- 
wähnt wird. So sagt Po 11. VI, 96: axipaiptta oe rä xußzo- 
TYjpca u>vo[jLda&ij , ScÖTc }id.haza ^Adij\>jjciv ixOßeuov inl 2xtpui 
iv Tai rrjs üxcpdSoe 'Aßrjväs cspoj. Ebenso heisst es in der 
oben angeführten Stelle des Eustathios und des Etymol. 
Magn. p. 717. Nimmt man aber dazu, dass der Stifter des 
Tempels in Phaleron, Skiros, der Sage nach ein Wahrsager 
aus Eleusis oder Dodona war (S trab. IX, p. 393 u. Pausan. 
I. 36. 4) und dass sich ausser liederlichen Dirnen und Spie- 
lern auch Wahrsager in Skiron herumtrieben (Hesych. s. 
oxeipojidvzcs und Phot. p. 512), so neigt man sich unwill- 
kürlich der (von Welcker Alt. Denkm. III, S. 14 ange- 
fochtenen) Meinung Gerhard's zu, der Etrusc. u. Kampan. 
Vasenb. S. 29 an ein Würfelorakel gedacht hat. Vgl. Her- 
mann Gottesdienstl. Alterth. §. 39, n. 15 u. 17. Kai- 
bel in Hermes X (1876), S. 193.] 



Berichtigung. 

B. I, S. 129, Z. 12 V. u. ist zu streichen das an falscher Stelle ge- 
rathene Citat: A. Dumont de plumbeis apud Grao- 
cos tesseris. Paris 1870. 



BEBLIN. 
Druck von J. Drseger's Buchdruckerei (C. Feicht) 

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